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Oktoberwahlen?

Wenn die Halmfrüchte in den Scheuern sind, und ble Winzer sich in der Weinlese befinden, soll, wie jetzt be ftimmt" verlautet, die Schlacht bei Philippt" ausgefochten werden. So oft die Meldung auftauchte, daß dem jebigen Reichstage vor seinem gesetzmäßigen Schluffe ein Ende burch Auflösung bereitet werden würde, urd daß die Neu­wahlen bereits im Herbst zu erwarten feien, erfolgte ein entschiedener Widerspruch von offiztöser Seite. Heute hüllt sich das Organ des Kanzlers, die Nordd. Allg..", indes in Schweigen. Dagegen bringt ein gleichfalls vielfach zu halbamtlichen Kundgebungen benuttes Berliner Lokal­blatt eine Notiz, die sich mit der Nachricht von den Oktober­wahlen beschäftigt. Es wird gesagt, daß die Behauptung, der zuständige Bundesausschuß habe sich einstimmig für die Unberaumung der Reichstagswahlen im Oktober ausgesprochen, unbegründet set. Ganz zutreffend wird an­geführt, daß nicht der Bundesrat, sondern allein das Bu 1- despräsidium, also der Katser, ben Termin für die Neuwahlen ansehen könne. Lediglich für die Auflö­fung des Reichstages sei die Zustimmung des Bundesrates erforderlich.

Von besonderer Bedeutung ist indes der Zusatz zu die­ser Feststellung, der unverkennbar aus regierenden Kretsen stammt. Es heißt darin, daß die endgültige Entscheidung über eine etwaige Herbst tagung des Reichstags und über den Zeitpunkt der Neuwahlen erst zwischen Ostern und Pfingsten getroffen werden könne, wenn sich der weitere Gang der Reichstagsverhandlungen mit grö­Berer Sicherheit als bisher übersehen lassen wird.

Die Möglichkett, daß eine Auflösung des Reichstages erfolgen wird, wenn der weitere Gang der Dinge dem Wunsch und Willen des Kanzlers nicht mehr entinricht, wird also zugegeben. Bisher hieß es stets von offistöser Seite, der Reichstag werde alle wichtigen Vorlagen erledigen und erst nach Ablauf der fünfjährigen Dauer seines Bestehens durch eine neue Körperschaft ersetzt werden. Die Fäden verwir ren sich aber so bedenklich, daß die Regierung nur noch auf Wunder rechnen könnte, wenn sie an eine erfolgreiche Ver= abschiedung ihrer großen Vorlagen zu denken vermag. Nachdem Abg. Erzberger es all ein Verlangen nach Selbst­entmannung bezeichnet hat, daß das Zentrum für die vom Reichskanzler empfohlene reichsländische Verfas sung stimmen sollte, ist auch die letzte Hoffnung geschwun­den, das Werk zu vollenden. Hüben die Konservativen, druk­ben das Zentrum, und in der Mitte die Liberalen, die auch tein Interesse daran haben, das Kanzlerschiff flott zu ma­chen, so wird der Gesezentwurf zu Fall gebracht werden. Soll der Kanzler auch dann die neue Niederlage mit staats­männischer Gelassenheit und Würde ertragen, wie er das Schicksal der preußischen Wahlreform ertrug? Es wird also wohl eintreffen, daß zwischen Ostern und Pfingsten die Entscheidung über die Auflösung des Reichstags fallen wird.

Rundschau vom Cage. Politisches.

Eine Kandidatur Posadowsky in Frankfurt? Wie das B T." erfährt, hat in Frankfurt a. M. die dortige Konservative Vereinigung sich vor einiger Zeit an die nationalliberale Partei gewandt mit der Anfrage, ob ste bereit sei, bei einer eventuellen Aufstellung des Grafen Posadowsky für den Reichstagswahlkreis Frankfurt ( Main) diese Kandidatur zu unterstützen. Die national­liberale Partei betonte in ihrer Antwort, daß sie darüber noch keine Entscheidung treffen könne, ste müsse sich erst mit der Zentralleitung in Berlin verständigen. Die Kon­servative Vereinigung hat deshalb eine definitive Be­schlußfassung noch nicht vorgenommen. Man glaubt allge= mein, daß auch das Zentrum eine Kandidatur Posadowsky unterstützen werde.

Zur elsaß- lothringischen Verfassungsfrage erfährt die " Frants. 3tg." von angeblich zuverlässiger Seite aus Straßburg, daß die Regierung ihren Gesezentwurf über die Wahlkreiseinteilung in Elsaß- Lothringen zurückziehen und den Zentrumswünschen entsprechend eine neue Vor­Tage einbringen werde, derzufolge das Zentrum einige Size mehr erhalten soll.

Das deutsch- russische Abkommen perfekt geworden? Dem Londoner Standard" wird aus Berlin telegraphiert, daß die Verhandlungen über ein Abkommen zwischen Deutschland und Rußland, welche mit der Kaiserbegegnung in Potsdam begannen, zu einem erfolgreichen Ende geführt find. Das Abkommen sei jetzt perfekt. Nur die Unterschrift sei aus Höflichkeit gegen den russischen Minister des Aeu­Bern Sassonow bis nach dessen Wiederherstellung verscho­ben. Für alle praktischen Zwecke aber müsse das Abkom­men zwischen den beiden Kaiserreichen als eine vollendete Tatsache gelten.

Sozialdemokratische Maiumzüge werden, wie eine Ber­liner Korrespondenz erfährt, in Preußen auch diesmal nicht

11)

Des Rätsels Lösung,

Roman von Ludwig Blüm& c. Nachdruck verboten.) Doch, wo er so viel erreicht, da mußte er genügsam sein und nicht gleich noch mehr begehren, sagte sich der glückliche Bräutigam.

3. Kapiel.

gestattet werden. In einzelnen kleinen Staaten hat im vorigen Jahre die Polizei den Sozialdemokraten ein Ent­gegenkommen gezeigt, insofern, als sie die Umzüge unter gewissen Beschränkungen erlaubte; später freilich wurde diese Erlaubnis zurüdgezogen. In Hamburg ist der Um­zug der Sozialdemokraten erlaubt. Die Berliner großen Metallwerte werden malfeiernde Arbeiter für einige Zeit aussperren.

Die französische Kammer beriet am Freitag das vor­her zurückgestellte Kapitel des Kriegsbudgets, das die Schwarzen Truppen in Afrika betrifft. Kriegsminister Ber­teaux erklärte, die Versuche, die in Algier gemacht worden seien, hätten gute Ergebnisse gehabt und müßten fortge­setzt werden. Er hoffe, vom Finanzminister die Zustim= mung zu dem Gesetzentwurf zu erlangen, der die Vermeh­rung der schwarzen Truppen in Algier um ein Bataillon noch in diesem Jahre vorsehe. Darauf wurde das Kapitel angenommen.

Die freundschaftlichen Gefühle der Japaner für Ame: rifa scheinen rapide nachzulassen. Es wird aus Tokio ge­meldet: In der öffentlichen Meinung herrscht die Ansicht vor, der Handelsvertrag mit Amerika diene einseitig dem amerikanischen Interesse. Ein Blatt meldet, der Vertrag fet für Japan entehrend, fordert den Rücktritt des Kabi­netts und tadelt den Minister des Aeußern scharf.

Auch nach seines Freundes Abreise pflegte Hardi fäg­lich bei Rentmeisters vorzusprechen, um Erna wenigstens für ein paar Minuten zu sehen. Doch diese Freude sollte thm während der nächsten Tage nicht beschieden sein, denn Frau Raben, die mit Argusaugen über ihr Kind wachte, Sorgie dafür, daß ihr Töchterlein stets rechtzeitig unsicht­bar wurde. Heute nun, am Tage vor Weihnachten, wo Erna Braut geworden war, streifte Hardi wieder einmal unstet in den Waldungen umher. Wohl trug er die Büchse auf der Schulter, aber er dachte nicht daran, wie über­haupt nicht in letzter Zeit, des Wildes Spur zu verfolgen und Mord und Grausamkeit zu üben. Nur draußen wollte er sein, ganz allein mit sich, fern von jeglicher menschlicher Kreatur.

Kleine Nachrichten.

Der Hosenrod als Kellnerinnentracht. In manchen Berliner Damenkneipen" ist der Hosenrod als Kellnerin­mentracht eingeführt worden. Einzelne Kneipen mit Be­dienung von zarter Hand kündigen sogar für eine bestimmte Abendstunde eine große Hosenrockparade" an! Ein neues Bugmittel."

Wie es dann Abend wurde und die Sterne am Him­mel funkelten und die Glocken vom Dorf so feierlich das Fest der Freude, die liebe Weihnacht einläuteten, da trieb es ihn zurück an die Stätte, wo auch ihm einmal eine Mutter den Christbaum geschmückt. Er mußte an die treuen Mutterhände denken, an das gute Herz, das so voll reinster Liebe für ihn geschagen und nun kalt und tot war.

Im Dienste vom Tode ereilt wurde in Halle der Wei­chensteller Kluge. Er wurde beim Reinigen der Weichen auf der Strecke Magdeburg- Leipzig von einem Güterzug überfahren und in drei Teile zerschnitten.

Ein außerordentlich frecher Einbruchsdiebstahl wurde in der Stadtkasse zu Eberbach am Neckar verübt. Die Diebe erbrachen den eisernen Kassenschrank und entwendeten da­raus etwa 3000 Mark in bar. Durch einen Polizeihund wurde die Spur aufgenommen. Sie führte zum Bahnhof, woraus zu schließen ist, daß die Diebe von auswärts ge­kommen waren.

O, wie fühlte er sich arm und verlassen, wie padte Ihn die Sehnsucht und ein Heimweh, das er sonst nie ge­fannt.

Der Vater ist ja noch da! Mit ihm will ich den heiligen Abend feiern!" rief er aus, seine Schritte be= flügelnb.

Wegen Nahrungssorgen in den Tod gegangen ist die 45 Jahre alte Frau eines Schuhmachers in der Gubener Straße in Berlin. Sie öffnete sich erst mit einem Messer die Pulsadern und erhängte sich dann. Ihr Mann fand sie bei seiner Rückkehr von einem Geschäftsgange bereits entseelt vor.

Ein blutiger Kampf mit russischen Banditen, die kürz­lich einen Zug der Warschau- Wiener Bahn beraubten, und den zu ihrer Verfolgung aufgebotenen Polizisten entstand am Freitag im Tuschiner Walde an der russischen Grenze. Es entwickelte sich ein heftiges Gewehrgefecht, wobei ein Polizist schwer verletzt, und ein Bandit gefangen wurde. Auch fand man im Walde noch 17 571 Rubel von dem ge= raubten Gelde.

Eine Schmugglertragödie hat sich an der österreichisch­italienischen Grenze am Fugazzapaß, einem Grenzpfad zwi­schen Südtirol und der Provinz Vicenza, abgespielt. Dort wurden 13 italienische Schmuggler, die aus Oesterreich Ta= bak und Zucker herbetholen wollten, von einer Lawine überrascht. Zehn von ihnen wurden dreihundert Meter weggeschleift und fielen dann in einen 200 Meter tiefen Abgrund, wo ste mit zerschmetterten Gltedern liegen blie­ben.

Zur Strandung des deutschen Dampfers Prinzeß Irene" dreihundert Meter von der amerikanischen Küste wird aus Neuyork gemeldet, daß die Ausschiffung der Pas­sagiere, für die schon alle Vorbereitungen getroffen waren, am Freitag unterbleiben mußte, da tm leßten Augenblick eine starke Brise sich erhob und die See bewegter wurde. Es herrschte starker Seegang, so daß die Wellen über das Oberdeck schlagen. Es befinden sich 2100 Personen an Bord.

Aus den Gerichtssälen.

Gefängnisstrafen für zwei Jenaer Studenten. Wegen gemeinschaftlichen Hausfriedensbruches und ruhestörenden Rärmes verurteilte das Schöffengericht in Jena die Stu­denten Rauch und Schlegel zu je 2 Wochen Gefängnis. Die beiden Angeklagten waren in der Nacht zum 11. Feb­ruar gewaltsam in die Polizetwache eingedrungen, hatten dort skandaliert und konnten erst durch mehrere Schutz­Ieute entfernt werden.

Wegen Beleidigung einer Telephonistin war der Rechts­anwalt Emil Rothschild in München vom Schöffengericht zu 30 Mart Geldstrafe verurteilt worden. Er hatte, ge­reizt durch wiederholt unrichtige Bedienung, seinem un­mut mit einem recht draftischen Wort Luft gemacht. Im Berufungsverfahren vor der Straffammer des Landgerichts war die von der Vorinstanz abgelehnte Beweiserhebung über Mißstände im Münchener Telephonbetrieb zugelassen worden, und alle Zeugen sagten auch sehr ungünstig da=

rüber aus. Das Landgericht hat jedoch die Berufung fosten­fällig verworfen mit der Begründung, es fel bekannt, daß Mißstände im Telephonbetrieb vorkämen. Das berechtige aber die Teilnehmer noch lange nicht, ihrem Unmut das rüber in Schimpfworten gegen die Telephonistinnen Aus­druck zu geben, und gerade der Angeklagte habe sich als Rechtsanwalt der Tragweite seiner Handlungen bewußt sein müssen.

Wissenschaft, Kunst und Literatur.

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Unsere deutsche Schrift. In der jetzt wieder einmal an­gefachten Streitfrage: Fraktur oder Antiqua dürfte ein im Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel" veröffentlichte Erklärung bedeutungsvoll werden. Es heißt darin: Die gegen die deutsche Schreib- und Druckschrift immer wieder vorgebrachten Anklagen halten wir für unrichtig. Insbe sondere ist eine gut geschnittene deutsche Druckschrift nicht schlechter, sondern beffer lesbar und gesunder für die Au­gen als eine gleich breite und hohe Antiquaschrift. Vor al­Tem aber ist die deutsche Schrift, seit es gedruckte Bücher gibt, diejenige Schrift, von der das deutsche Volt sich niemals trennen kann und, wie die gegenwärtige machtvolle Gegen= bewegung zeigt, sich niemals trennen wird, weil sie allein den besonderen Bedürfnissen unserer Sprache in vielhun­dertjähriger Entwicklung angepaßt ist. Von einem solchen Volfsgut soll man nichts abbröckeln, nicht von oben her reg­Iementieren wollen. Und das gar Ausländern zuliebe, die angeblich es ist aber in Wirklichkeit anders zu unge­schickt sein sollen, um bei Bewältigung der schwierigen deut­schen Grammatik auch deutsche Schrift zu lesen. Dabei ist Stefe deutsche Schrift, die für unsere deutsche Sprache not­wendige Spielart der Weltletter, dem Anspruch des deut­schen Volkes auf Weltgeltung seiner Kultur nicht nur nicht hinderlich, sondern bietet erwiesenermaßen dem Ausländer, selbst des Deutschen unkundigen Kindern keinerlei Schwie­rigkeiten, ist vielmehr dem Lernenden eine Hilfe zum Ver­ständnis der schwierigen deutschen Sprache. Solche Preis­gabe einer berechtigten, niemand beeinträchtigenden deut­schen Eigenart lehnen wir als deutsche Verlagsbuchhändler ab. Wir werden vielmehr, ohne der lateinischen Schrift, wo sie am Plate ist, feind zu sein, in unserer Berufsarbeit helfen, die deutsche Schrift zu hüten und zu verbreiten." Diese Erklärung ist sofort von 304 Buchverlegern unterzeich­net worden, unter denen wir die bekanntesten und größten Verlagsstrmen finden. Es sind Sachverständige, die sich so geäußert haben.

Kalt, grau und dunkel lag auch heute das alte Schloß da hiner den mächtigen schneebeschwerten Ulmen und Ei­chen. Eine gewaltige Schar schwarzer Dahlen umkreiste frächzend die hochragenden Zinnen und ließ sich auf den beeisten Zweigen der Baumriesen nieder, Hardi anschau­end, als wollten sie sagen: Was willst Du junges Blut hier in unserem falten Reiche? Gehe hin, wo der Frühs ling ist, wo das Leben blüht!"

Der Vater saß müde und abgespannt mit vergräm­tem Gesicht in seinem uralten Sessel, dem Sorgenstuhl seines Vaters und Großvaters, am Kamin und schaute sinnend in die flackernde, das große Gemach nur sehr spär­lich beleuchtende Glut.

Er wollte keinen Weihnachtsbaum. Seit dem Tode seiner Gattin hatte er diesen Abend ganz für sich allein haben wollen. Darum sagte er auch sehr kurz zu dem eintretenden Hardi: Mein Junge, lasse mich, bitte, allein. Ich habe wieder meine Kopfschmerzen. Du sollst heute mit den Fröhlichen fröhlich sein, wie ich es in meiner Jugend auch getan. Gehe also nach drüben in den Saal, wo die Leutebescherung stattfindet. Da wirst Du viele frohe Gesichter sehen. Was ich Dir zu schenken habe, findest Du später auf Deinem Zimmer. Nun gute Nacht, mein lieber Junge."

Armer Papa, tann ich Dich nicht auf andere Gedan= ken bringen? Ich möchte es so gern," erwiderte Hardi.

,, Ach, bitte, gehe ich muß allein sein! Morgen wer­den wir sehen," Stöhnte der alte Herr, und sein Sohn ging in traurigster Stimmung.

Aus dem Reiche der Technik.

Elektrische Briefzustellungsautomaten. Sett langem be­schäftigt sich die Tehnik damit, einen Apparat zu konstruie ren, der es gestattet, die Brtefträger mit dem vielen Trep­pensteigen zu verschonen, ohne doch die Schnelligkeit in der Bestellung der Postsachen zu beeinträchtigen. In manchen Städten sind am Hause Kästen angebracht, in welche die Briefträger die für die Wohnparteien bestimmten Postsen­dungen legen. Doch hat dieses System der Postzustellung den Nachteil, daß die Parteten oder ihre Dienstorgane selbst Treppen steigen müssen, um zu ihren Postsendungen zu ge­langen. Diesen Unzuträglichkeiten abzuhelfen, scheint nun ein Briefzustellungs- Automat berufen, der, wie das Neue Pester Journal" berichtet, dieser Tage in Budapest in An­wesenheit der Vertreter der Post, der Hauptstadt und der Preise vorgeführt und dem Gebrauche übergeben wurde. Dieser erste Briefzustellungs- Automat ist an dem Hause ei­nes dortigen Advokaten aufgestellt und wird ständig zur Zustellung der Briefpost in dem genannten Hause verwen­det. Er ist liftartig konstruiert und besteht aus soviel Eisen­kassetten, als das Haus Stockwerke zählt. Jede dieser Kassetten ist in so viele versperrbare Boxes geteilt, als Par­teten auf dem betreffenden Stockwerke wohnen. Der Brief= träger verteilt die Postsendungen in die einzelnen Boxes und setzt mittels eines elektrischen Druckknopfes den Auto­maten in Bewegung. Dieser geht in die Höhe, und die ein= zelnen Kassetten bleiben auf dem entsprechenden Stockwerke stehen. Die Parteien, durch das Anklingeln des Briefträ­gers verständigt, begeben sich zum Automaten und entneh­men ihm ihre Post. Der Briefträger hat mit dem Apparat nichts mehr zu tun, da dieser wieder automatisch in die Tie­fe geht. Ein zweiter derartiger Automat, der demnächst in Betrieb genommen wird, soll nicht elektrisch, sondern hydraulisch betrieben werden und dadurch im Gebrauch billi= ger sein.

Der Jubel der Kinder, die strahlenden Gesichter der in diesem Jahre besonders reich beschenkten Tagelöhner, Mägde, Knechte und vieler Armen, die aus dem Dorfe ge­fommen waren, fa, das ließ auch in Hardis Herz einen Schimmer von wahrer, reiner Weihnachtsfreude fallen. Aber es duldete ihn nicht lange unter diesen Genügsamen,

Vermischtes.

Ein 52- Millionen- Konkurs. Im Konkurs des August Thyssen junior in Berlin, über den wiederholt berichtet wurde, fand am Freitag beim Amtsgericht Berlin- Mitte der offizielle Prüfungstermin statt. Wie der Verwalter Brinkmeyer berichtete, sind zurzeit 52,439,000 Mark For­derungen angemeldet, von denen erstererer zunächst

3 466 000 Mark anerkannte, und 9 499 000 Mark bestritt. Eine Dividende steht zunächst nicht in Aussicht, indessen wird auf die Beihilfe des Herrn Thyssen senior gerechnet. Die einzelnen Forderungen schwanken von den kleinsten

die sich über so geringfügige Dinge freuen konnten, daß er sie beneidete.

Nach wenigen Minuten stand er wieder draußen. Eisige Kälte herrschte heute, der Schnee knisterte unter seinen Tritten, und die Sterne leuchteten so klar und hell wie nur bei starkem Frost.

Wie Erna wohl den Abend feiert?" das war die Frage, die eben sein Hirn durchschwirrte. O möchte sie mit ihrer reinen, hellen Kinderstimme aus ihrem reinen Herzen ein Weihnachtslied singen, dann will auch ich fröh­lich sein!" Das war der Wunsch, der ihn hintrieb über den öden Schloßhof zu dem freundlichen Häuschen, das die Familie Raben bewohnte.

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Ach, da hörte er ja mit Klavierbegleitung diese füße Engelsstimme. O du fröhliche, o du selige, gnadenbrin­gende Weihnachtszeit" schallte es an sein andächtig lau­schendes Ohr. Mit Ungestüm drängte es ihn näher an das · Doch­traute Haus. Er wollte hinein. was soll das bedeuten? Die Haustür ist geschlossen. Warum nur? Das war doch sonst nie der Fall gewesen. Wollte man ihn heute nicht hineinlassen? Er, oder Woltersdorf, wei­ter fäme doch niemand in Betracht. Da schleicht er dicht an das Fenster, aus dem durch einen Spalt des Ladens sich ein Lichtstrahl nach draußen stiehlt. Ganz deutlich sieht er die alten Rabens mit glücklichen Gesichtern auf dem Sofa sitzen und da unter dem Christbaum da stehen Woltersdorf und Erna Arm in Arm. Woltersdorfs wi­derliches Gesicht glänzt in sinnlicher Lust, Ernas Antlik fann er nicht sehen der Zweig des Tannenbaumes verdeckt es. Ach, hätte der es ihm nicht verborgen! Das strahlte nicht, das war bleich und ernst, das trug die Miene einer gottergebenen Märtyrerin.

( Fortsetzung folgt.)

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