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Aus den Gerichtssälen.

Zweimal zum Tode verurteilt. Das Schwurgericht in Neuruppin hat den Dienstknecht Franz aus Teterow( Med­lenburg) wegen Mordes in zwei Fällen zweimal zum Tode und wegen räubertscher Erpressung und Notzucht zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Franz hatte in der Nacht zum 29. September das Kleinsche Ehepaar in Schönhagen bei Pritwalt ermordet, an der einen Tochter ein Sitt lichkeitsverbrechen begangen und an der anderen durch Drohungen Erpressungen verübt.

Vermischtes.

Sinter die Kulissen eines großen Warenhauses führte der Deutsche Frauenbund seine Berliner Mitglieder, de­nen die Firma A. Wertheim gestattet hatte, die dem Pub­litum sonst nicht zugänglichen Räume zu besichtigen. Ge­führt von mehreren Herren ging es zuerst treppauf zu den weiten Bodenräumen des Hauses, wo neben großen Lager­räumen sich die Erholungsräume des Geschäftspersonals befinden, in denen nach der Mahlzeit die Angestellten in Daneben beuemen Liegestühlen sich ausruhen können.

find große Speisesale angelegt, wo das Personal für äu­ßerst mäßige Preise gute und nahrhafte Kost erhält. Sehr ansprechend wirkte auch, selbst in der jetzigen ungünstigen Jahreszeit, der Dachgarten, der, im Sommer mit Belt­dächern versehen und mit Pflanzen besetzt, dem Personal zum Aufenthalt während der Ruhepausen dient. Hier eben ist auch der Zwinger von 12 Polizeihunden", die seit einiger Zeit die Wächter des Hauses während der Nacht begleiten und erst vor wenigen Tagen einen Mann gestellt haben, der sich in einem Schranke verborgen hatte. Durch Bodenräume und andere große Räume ging es dann hinab in die Keller zu den großen elektrischen Maschinen, bie für 40 000 Glühlampen Strom liefern; die Straßen­und Häuserbeleuchtung einer Stadt von 60 000 Einwoh­nern lönnte damit bewirkt werden! Aus der Hitze der Hei­zungsröhren, zu deren Betrieb täglich sechs Wagenladun gen Kohlen nötig sind, ging es zu dem Raum, in welchem Die Eismaschinen stehen, die im Winter täglich 60 und Sommer 120 Blöde Eis herstellen. In weiten Hallen sind hier auch die Garderoberäume für die Angestellten unter­gebracht, von denen jeder Einzelne einen kleinen ver­schließbaren, mit einer Nummer versehenen Schrank er­hält. Auch die großen Padräume mit ihren musterhaften Einrichtungen erregten das lebhafte Interesse, ebenso die Kontrollvorrichtungen für das pünktliche Eintreffen der Angestellten und andere Einzelheiten, die einen Einblick in die musterhafte Ordnung geben, die zum Betriebe eines großen Warenhauses notwendig ist.

Neues von der Kaiserin Charlotte von Megito. Sel­ten dringt nur noch Kunde von dem Scheinleben, das die unglückliche Witwe des Kaisers Max von Mexiko führt, an die Oeffentlichkeit. In unheilbarer Geistesumnach­tung bringt sie ihr Dasein nahe bei Brüssel, der Haupt­stadt ihrer Heimat, seit 44 Jahren zu, und mehr als 70 Jahre sind schon über ihren Scheitel hingegangen. Jetzt meik ein französischer Schriftsteller einiges Neue von ihr Fu berichten. Die Kaiserin Charlotte bewohnt das kleine Solok Bouchout bei Brüssel, und es ist Sorge getragen, De tein Unbefugter in ihre Abgeschlossenheit zu dringen permag. Die Hüter des Schlosses sind mit Waffen ver­felen, und im Garten liegen Wolfsangeln versteckt. Nie­inals überschreitet die Kaiserin die Schwelle des Schlöß­bens. Ihre Brüder, König Leopold II. der Belgier und Graf Philipp von Flandern, die Königin Marie Henriette, ihre Schwägerin, und zuletzt auch noch ihre Nichte, die Prinzessin Klementine, die jetzt die Gemahlin des Prin­zen Napoleon ist, besuchten sie früher dann und wann, aber da sie niemand mehr erkannte, blieben sie schließlich alle fort. Und dennoch gibt es auch jetzt noch Augenblicke, wo der Verstand der wahnsinnigen Kaiserin plötzlich auf­zuleuchten scheint, sie sich der Vergangenheit und aller ihrer Schrecken erinnert, und dann ist es, als überwältige sie noch einmal der Zorn und der Schmerz, und sie wird das Opfer furchtbarer Anfälle, in denen die letzte Spur des Denkens schnell erlischt. Daß ihr Gemahl am 19. Juni 1867 unter den Kugeln seiner Feinde fiel, davon weiß sie nichts. Sie hat stets eine uniformierte Gliederpuppe von der Art, wie die Schneider sie zum Anprobieren brauchen, bei sich, und als im Jahre 1874 im Schlosse Tervaeren ein Feuer ausbrach, das vielleicht auf sie selbst zurückzu­führen war, fonnte man sie nur zum Verlassen des Hau­ses bewegen, indem man ihr erlaubte, diese Puppe, die sie für den Kaiser Mag hält, in ihren eigenen Armen fort­zutragen. Der Tod wird dieser schwergeprüften Dulde­

rin einst ein Erlöser sein!

Der geheimnisvolle Geizhals. Die Londoner Polizei sah sich dieser Tage genötigt, in der Behausung eines in der Nachbarschaft als ärmlich lebender Sonderling bekann= ten Mannes einzubringen, den seit dem 26. Januar nie­mand mehr gesehen hatte. Man fand den alten Mann tot auf seinem Bett; er war an doppelseitiger Lungenent­zündung gestorben. Harold John Stout war Instrumen­tenmacher gewesen und hatte gemeinsam mit einem Bru­der lange Jahre ein fleines Geschäft betrieben. Vor etwa zwei Jahren wanderte dieser Bruder mit seiner Familie nach Australien aus, und der Zurückbleibende schloß fort­an die Jalousie seines Ladenfensters, um sie nie wieder aufzuziehen. Auch die Ladentür war stets verschlossen, und nur spät abends sah man den Inhaber gelegentlich ausgehen; er besorgte dann seine bescheidenen Einkäufe, sprach aber mit niemand ein überflüssiges Wort. In dem Laden fand man nun eine Menge wertvoller Juwelen und anderer Kostbarkeiten hier und da in den Winkeln ver­stedt. Fremdländische Geldsorten lagen überall umher, und in einem Kasten von unansehnlichem Aeußeren ent­deckten die Beamten wohl einen Viertelzentner Gold- und Silbermünzen in wirrem Durcheinander. Auch ein Sched buch, über mehrere hundert Pfund Sterling lautend, trieb sich zwischen allerlei Wertsachen umher.

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Die Marien und George Englands. Entsprechend den Bestrebungen der englischen Maries", die einen so gro­Ben Erfolg hatten, haben sich nun auch die englischen., Ge­orgs" zusammengetan, um wie jene der Königin so diese dem König ein Krönungsgeschenk zu überreichen. wurden Echritte unternommen, die Georgs zu organisie­ren, Einschreibelisten zu veröffentlichen und Propaganda für ihr Vorhaben zu machen. Das Komitee der ,, Maries" seinerseits erklärt, daß es aus allen Bezirken Ermutig­ungen und Zeichen des größten Enthusiasmus empfangen habe. Die Gaben sind in den Grenzen von 1 Penny bis zu 1 Lstrl. festgesetzt und auf diejenigen beschränkt, die den Namen Mary, Maria, Marion oder Marie gen. Die Liste aller Geber wird der Königin überreicht werden.

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Eine Millionen- Erbschaft- bildet, wie dem Frankf. Gen. Anz." berichtet wird, in einigen Taunusorten das Tagesgespräch. Es ist festgestellt worden, daß ein junger Mensch namens Johann Christoph Kilp aus Oberjosbach in der letzten Hälfte des 18. Jahrhunderts nach Holland reiste und während seines dortigen Aufenthaltes einem reichen holländischen Grafen das Leben gerettet hat. Zum Dank dafür setzte der gerettete Graf den J. Ch. Kilp zu seinem Universalerben ein. Dieser unverheiratete Erbe hat sein Riesenvermögen einem Brüder- oder Schwestern­haus in Amsterdam, wohl wegen darin empfangener Pflege, mit der Bestimmung vermacht, daß der Zinsen­genuß 100 Jahre lang dieser Wohltätigkeitsanstalt zu­falle und nach dieser Zeit das Kapitalvermögen nebst den inzwischen auflaufenden Zinsen unter seinen Verwandten zu verteilen sei. Die Erbschaft soll samt Kapital und Zinsen die Höhe von 159 Millionen erreicht haben. Um das Jahr 1860 sollen die hundert Jahre verflossen und fünf Jahre soll die Erbschaft ausgeschrieben gewesen sein. Wie die Erbschaft jetzt wieder auf der Bildfläche erschien, wird in einer Versammlung, die am 12. b. M. in Kelt­heim stattfindet, von den Interessenten largelegt werden. Der Erblaser hat seinerzett für die Pfarrkirche seines Ge­burtsortes Oberjosbach eine goldene Monftranz mit ein­graviertem Namen gestiftet, die sich noch heute dort be­findet. Die Erben sind entschlossen, die Mittel zur Er­öffnung des Testaments aufzubringen.

Bereitelter Racheatt. Aus Cöln wird gemeldet: In Lindfort wurden in der vorvergangenen Nacht drei Ar­beiter verhaftet, die einen Anschlag auf das Leben des Landwirts Goetzens dadurch verübten, daß sie eine Höllen­maschine auf das Fensterbrett des Hauses des Landwirts stellten und diese vermittels einer Zündschnur in Brand zu stecken suchten. Die Maschine war gefüllt mit Kugeln und Pulver und hätte ungeheure Verwüstungen angerich­tet, wenn sie nicht rechtzeitig entdeckt worden wäre. Unter den drei Arbeitern befindet sich einer, der vor einigen Ta­gen von dem Landwirt entlassen worden war.

Der Schaden der Landwirte durch die Maul und Klauenseuche. Die in den hannoverschen Kreisen Hoya, Achim und Verden auftretende Maul- und Klauenseuche fügt fortgesetzt den von den strengen Absperrmaßregeln Massenab­betroffenen Landwirten großen Schaden zu. Schlachtungen sind unter dem 3wange der Verhältnisse in So wurden den Sperrgebieten an der Tagesordnung. erst vorgestern wieder in Beppen aus zwei dortigen Mä­stereien 80 fette Schweine an Ort und Stelle geschlachtet, die von einem Viehhändler zum Preise von 35 M für Bei 100 Pfund Lebendgewicht angekauft worden waren. einem Anbauer in Uesen wurden durch einen Bremer Schlachter mit einem Male 42 Borstentiere getötet.

Die Hochzeit einer Dollarprinzessin. In Neuyork hat am Dienstag die Hochzeit eines englischen Lords mit der zweiten Tochter George Goulds stattgefunden. Ein großes Polizeiaufgebot sperrte die viele Tausende zählende Zu­schauermenge von der Kirche ab, und die Hochzeitsfutschen wurden von einer Abteilung berittener Schutzleute gelei­tet. Die Ursache für diese ganz ungewöhnliche Maßnah men war, daß der Bräutigam in zahllosen Briefen mit dem Tode bedroht worden war, falls er es wagen würde, dis Dollarprinzessin zu einer englischen Lady zu machen. Die Hochzeit verlief jedoch programmäßig und mit der gewohnten prozigen Pracht.

Die verschluckte Gabel. Ein eigenartiger Vorfall, der sehr leicht einen tragischen Ausgang hätte nehmen können, hat sich, wie aus Wien geschrieben wird, in Mariazell zu­getragen. Der Hotelknecht Buder, der sich mit einem Bau­berer befreundet hatte und von ihm in seine Geheimkunst einweihen ließ, produzierte sich im Kreise seiner Kamera­den mit dem Berspeisen" einer Eßgabel. Die Gabel wird natürlich nicht hinuntergeschluckt, sondern nur in die Schlundrohre so weit hineingeschoben, daß sich der Mund schließen und der Eindruck hervorbringen läßt, daß die Gabel wirklich verspeist sei. Als nun Buder vor einigen Tagen das Experiment wiederholen wollte, wollte die Schlundröhre nicht. Sie streifte und die Gabel ging nicht wieder heraus. Die Zechgenossen Buders fanden die Si tuation fomisch und ermunterten den Gabelschluder, noch ein paar Glas Wein draufzugießen". Auf diese Weise rutschte die Gabel noch tiefer in den Magen hinein, was den Hausdiener jedoch nicht hinderte, sich in aller Seelen­ruhe schlafen zu legen. Am anderen Mittag machte sich die Unverdaulichkeit des Fremdkörpers doch weniger an­genehm bemerkbar, und Buder mußte ein Krankenhaus aufsuchen. Der Eisenfresser wurde operiert, und zwar mußten ihm Bauch und Magen geöffnet werden, und so kam die verhängnisvolle Gabel wieder zum Vorschein. Buder konnte jedoch bereits nach acht Tagen wieder das Bett verlassen und fühlt sich bereits so gesund, daß er wie­der mit der verschluckten Gabel essen kann.

Frauenlogik. Kaufmann( über die unwirtschaftliche Haushaltung seiner Frau verzweifelt): Merke dir ein für allemal als erste ökonomische Regel: die Ausgaben müssen fich immer nach den Einnahmen richten!"- Junge Frau: Nun so nimm doch mehr ein!"

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Aus der Garderobe einer Königin.

Im Londoner Buckingham Palast, der Residenz des Königs Georg V. von England und seiner Gemahlin, grenzt an das Ankleidezimmer der Königin Mary ein gro= ßer Raum, der nichts anderes als gewaltige, an den Wän­den aufgestellte Mahagonischränke enthält. In diesen Schränken befinden sich die Kleider der Königin, sowohl die kostbaren Staats- und Gesellschaftstoiletten, wie die einfacheren Kostüme, die für den täglichen Gebrauch die­Eine Kammerzofe verwaltet, von zwei Gehilfinnen unterstützt, diese umfangreiche Garderobe. Am Abend ei­nes jeden Tages wird der Kammerfrau auf einem Bettel mitgeteilt, welches Kleid die Königin am nächsten Morgen anzuziehen wünscht und um welche Zeit es im Ankleide­zimmer bereit liegen soll. Das Kleid wird nur durch eine Zahl bezeichnet, denn sämtliche Kleider in dem Gardero­benraum sind mit Nummern versehen. Es wird genau über den Zeitpunkt, zu dem sie geliefert, und über jeden Tag, an dem sie in Gebrauch genommen wurden, Buch ge­führt.

Der Regel nach behält die Königin ein Kleid sechs Mo­nate lang und trägt es ungefähr achtzehnmal. Dann wan­dert es in einen Schrank, der zum vorläufigen Aufenthalte für die abgelegten Kleider bestimmt ist. Zehnmal jährlich werden diese abgelegten Kleider hervorgeholt, un entwe­der verschenkt oder verkauft zu werden. Der Erlös des Verfaufes wird für wohltätige 3wede verwendet, und die Londoner Firma, die ihn vermittelt, muß die Verpflichtung übernehmen, daß die Kleider nicht in London selbst blei­ben, sondern nach auswärts wandern. Diese Maßregel ist eingeführt worden, seitdem die Königin Alexandra, die in ähnlicher Weise mit ihrer Garderobe verfuhr, sich bei einer festlichen Gelegenheit einer Dame gegenüber befand, die ein Kleid an hatte, das sie selbst bis vor kurzem actra­

gen hatte und das die meisten Anwesenden wiedererkann ten.

Die Königin Mary ist nicht in glänzenden Verhältnis­sen aufgewachsen und gilt für sparfam. Aber die Repre sentationspflichten, die auf ihren Schultern ruben, find doch so mannigfaltig, daß ihr Toilettenbudget recht beträcht lich ist. Wenn sie die Absicht hat, ihre Garderobe zu ers gänzen, so wird dem Schneideratelier, das die Toiletten der Königin liefert, mitgeteilt, daß die Königin an einem be­stimmten Tage und zu bestimmter Stunde erscheinen werde, und die Art des Kleides, das sie wünscht, genau beschrieben. Natürlich wird die Königin in einem besonderen Raume des Ateliers empfangen. Mehrere Modelle Itegen bereit und werden an einem Probierfräulein, einem Manne quin", vorgeführt. Dieses Probierfräulein darf von der Anwesenheit der Königin, weder von ihrem Kommen, noch von ihrem Gehen, feine Notiz nehmen. Dann wählt die Königin eins von den Modellen und gibt die Menderungen, die sie vorgenommen haben will, an. Ihre Befehle wer den stenographiert und ihr dann vorgelesen. Die Anpro­ben finden im Buckingham Palast statt, und zwar liebt die Königin nicht mehr als eine Anprobe fitr jedes einzelne Kleid, so daß es nicht ganz leicht ist, für fie au arbeiten. Sinzugefügt mag noch sein, daß den Hofdamen der Königin beim Antritt ihrer Stellung nahe gelegt zu werden pflegt, sie möchten sich in ihrem Kleidergeschmacke nicht nach der Königin richten und sich vor allem nicht einfallen lassen, jemals eins ihrer Kleider zu kopieren.

Drabtnachrichten und neuestes.

Die Reise des Kronprinzen.

Berlin, 9. Februar. Der Kronprinz wird voraussichts) lich am 25. Februar von Bombay aus die Rückreise an­treten, und zwar bis Suez an Bord des Dampfers Arabia. Die Meldung über eine Erkrankung des Kronprinzen ist, unrichtig.

Eine neue Ostasienreise des Kronprinzenpaares?

0 Petersburg, 9. Februar. Die Nowoje Wremja bringt folgende noch sehr der Bestätigung bedürfende Nach richt aus Berlin: Das deutsche Kronprinzenpaar wird im nächstem Jahre Petersburg besuchen und sich von dort aus über Sibirien nach China, Japan und Amerika begeben. Die Rückreise erfolgt über London.

Keine Podengefahr in Duisburg.

0- Duisburg. 9. Februar. Nach amtlicher Meldung) sind gestern zwölf Personen, die aus Anlaß des ersten hier festgestellten Pockenfalles isoliert worden waren, aus der Isolierung entlassen worden. Das Befinden der übrigen gibt zu Besorgnissen feinen Anlaß.

Entsetzlicher Kindesmord.

Petersburg, 9. Februar. Vor einiger Zeit gingen auf dem Gute eines Arztes bei Dinaburg zahlreiche Schweine ein. Es stellte sich jetzt heraus, daß eine Frau ihr Kind mit Arsenik vergiftet und die Leiche den Schweinen) zum Fraß vorgeworfen hat.

Massentod von Singvögeln.

Petersburg, 9. Februar. Da den ganzen Herbst über' an den Südabhängen der waldbedeckten kaukasischen Berg­rücken überaus warmes Wetter Herrschte, so hatten die mei ften Zugvögel aus dem Norden dort Halt gemacht. Als jetzt plötzlich schnelle Kälte und Schnee einsette, war es für den Abzug der Vögel zu spät. Die Bergabhänge am Ufer des Schwarzen Meeres sind mit Millionen kleiner Vogelleichen, hauptsächlich mit Finken, Stieglitzen, Rotfehlchen und Flie­genschnappern bedeckt.

Brudermorb.

Fiume, 9. Februar. In der Nähe von Castua wurde ein entsetzlicher Brudermord begangen. Der Bauernsohn Ma­thtas Peter aus Sarsoni führte, um in den alleinigen Be sitz des väterlichen Erbes von einigen tausend Kronen zu gelangen, seinen 20jährigen blinden Bruder Josef in dent Wald und ermordete ihn durch Messerstiche. Der entmenschte Bruder wurde verhaftet und gestand die Tat.

Schneesturm in Syrien.

Konstantinopel, 9. Februar. Aus Aleppo wird berich tet, daß die Stadt infolge eines seit 25 Stunden andauern, den Schneesturmes von der Außenwelt fast völlig abgeschnit ten set. Der Eisenbahnverfehr stockt. Der Ausbruch von Hungersnot und Unruhen wird befürchtet.

Die Pest in der Mandschurei.

Peking, 9. Februar. In den mandschurischen Pestzen­tren Mufden, Charbin und den Orten an der Bahn ent lang bis Tsitsikar ist die Pest zum Stillstand gekommen. Die strengen sanitären Maßnahmen haben die Zahl der Erfran-, fungen und Todesfälle zwar noch nicht verringert, doch ist seit einigen Tagen auch feine Zunahme zu verzeichnen. Da gegen breitet sich die Senche in den kleineren Orten, die sa­nitärer Maßnahmen und ärztlicher Hilfe entbehren, mit ra sender Geschwindigkeit aus und dringt immer weiter nach Süden vor. So wurden in einem Fleinen Orte südlich Charbins in einer einzigen Hütte 34 Beitleichen gefunden. Berlin, 9. Februar. Die deutsch- asiatische Bank hat eine Mitteilung erhalten, daß in ihren Abteilungen in Tientsin und Pefing alles wohl sei. In dem Chinesen­viertel der beiden Städte feien allerdings Pestfälle vorge­kommen, jedoch sei durch die umfassenden Maßnahmen der chinesischen Regierung ein Umfichgreifen der Pest verhin dert worden. Für die Europäer bestehe feine Gefahr. Folgenschwere Explosion einer Lokomotive. 0- Neuyork, 9. Februar. Nach einer Meldung aus Smithville in Teras sind bei der Explosion einer Lokomo­tive in der Reparaturanstalt zehn Personen getötet und sie­ben schwer verletzt worden.

Handel und Verkebr.

Cassel, 7. Februar. Schlachtviehpreise. 1. Rinder. A. Ochsen: a) vollfleischige angemästete höchsten Schlachtwer­tes, die noch nicht gezogen haben( ungefocht) Schlachtgem.. .M, b) vollfleischige ausgemästete im Alter von 4 bis 7 Jahren Schlachtgew. 80-84 M, c) junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete Schlachtgew. 75-78 M, d) mäßig genährte jüngere, gut genährte ältere Schlacht­gew. 68-78 M. B. Bullen: a) vollfleischige ausgewachsene höchsten Schlachtwertes Schlachtgew. 78-80 M. 6) vollflel= schige junge Schlachtgew. 75-76 M.c) mäßig genährte jün­gere, gut genährte ältere Schlachtgew. 72-73 M. E. Fär­sen und Rühe: a) vollfleischige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes Schlachtgew. 79-81 M, b) vollfleischige aus­gemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren Schlachtgew. 75-77 Al, c) ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färfen Schlacht­gew. 70-74.M, d) mäßig genährte Kühe und Färsen Schlacht­gew. 55--60 A, e) gering genährte Kühe und Färsen Schlachtgew. 48-52. D. Gering genährtes Jungvieh ( Fresser) Schlachtgew. M. 2. Kälber. a) Doppellender, feinster Mast Lebendgew. M, b) feinste Mastfälber Le­bendgew. M, c) mittlere Mast- und gute Sangfälber Lebendgew. M, d) geringere Mast- und gute Saugtäl­ber Lebendgew. 49-52 M, c) geringere Saugfälber Lebend­gew. 45-48 M. 8. Schafe. A. Stallmastschafe: a) Mast­lämmer und jüngere Masihammel ohne Wolle Schlachtgew. 75-76 Al, b) ältere Masthammel, geringere Mast lämmer und gut genährte junge Schafe Schlachtgero. 72-74 M, c) M. mäßig genährte Hammel und Schafe( Meraschase). M, a) geringere B. Weidemastschafe: a) Mastlämmer Lämmer und Schafe M. 4. Schweine. a) Fettschweine über 150 Kg. Schlachtgew.-M, b) vollfleischige von 120 bis 150 g. Schlachtgew. 66-67 M, c) volifleischige von 100 bis 120 g. Schlachtgew. 64-05 M, 6) vollfleischige von 80 bis 100 Kg. Schlachtgew. 62-63 M, e) vollfleischige unter 80 Kg. Schlachtgew. 60-61 M, f) unreine Sauen und geschnit tene Eber Schlachtaew. 54 M.