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Kein Grund zur Beunruhigung.

Die vielfachen englischen Nachrichten über die im Laufe der leßten Monate gegen Deutschland getroffe nen Kriegsvorbereitungen haben in manchen Kreisen die Vorstellung erweckt, als ob in Deutschland der or­ganisatorisch erreichbare Grad der Bereitschaft geringer als auf der anderen Seite der Nordsee set. Demgegen über hat der Reichskanzler am 9. November auf das be­stimmteste erklärt, daß in keinem Augenblick bezüglich der Berettschaft von Armee und Marine Zweifel be­standen. Wie es oft geschteht, wurde dieses Wort von verschiedenen Setten ganz verschieden aufgefaßt. Die einen, nämlich diejenigen, die jeder Verstärkung unserer Wehrkraft sich widerseßen, schlossen daraus, daß Deutsch­land seinen Gegnern durchaus gewachsen und daher weitere Rüstungen überflüffig feten. Andere wieder dachten daran, daß auch wir auf einen Krieg uns vorbe­reitet hätten. Beide Auffassungen sind falsch; der Sinn der Aeußerung fonnte nur der sein, daß in Armee und Marine derjenige organisatorische Berettschaftsgrad vor­handen war, der von ihnen verlangt werden muß. Es dürfte vielleicht nützlich sein, zu zeigen, worum es sich dabet im Gebiete der Marine handelt.

Was die Küste betrifft, so werden im Kriege die Operationen des Feindes dadurch erschwert, daß man die Seezeichen forträumt, die Leuchtfeuer löscht und die Fahrwasser durch Minen sperrt. Naturgemäß trifft man diese Vorkehrungen so spät wie möglich. Einem Gegner gegenüber, der die Feindseligkeit ohne Kriegs­erklärung oder vor derselben eröffnet, müffen sie aller­dings schon früh getroffen werden, weil er fie andern­falls wenigstens feilweise verhindern könnte. Wefent­lich früher würde die Bereitschaft der Küstenwerke zu erreichen sein, well durch sie die Schiffahrt oder andere friedliche Interessen nicht leiden.

Was die Flotte selbst betrifft, so unterscheidet man bei ihr dauernde und vorübergehende Vorbereitungen zum Gefecht. Im Gegensatz zu einem Truppenteil der Armee fann tedes in Dienst gestellte Schiff jederzeit als mobil betrachtet werden. Es hat den größten Teil seiner Kriegsmunition an Bord, ebenso darf der Kohlen- und Proviantvorrat niemals unter ein gewisses Maß fin­fen; Alle Offiziere und Mannschaften sind in friegsmä­Biger Stärke vorhanden. Binnen zwei Stunden kann Dampf für höchste Geschwindigkeit aufgemacht werden. Trotzdem sind vor einem Kriege noch allerhand Vorbe­reitungen zu treffen: Es müssen Kohlen und Heizöl aufgefüllt werden. Alle Gegenstände, die brennbar oder der Geschäftstätigkeit hinderlich sind, werden an die Werften abgegeben. Beides kann auch zur Not in See geschehen, indem man erstere Stoffe aus Transport­bampfern entnimmt, während man letztere einfach über Bord wirft, was heutzutage überall auf funkentele­graphischen Befehl geschehen könnte. Daneben sind aber noch einige andere Borbereitungen zu treffen, die nur im Hafen schnell auszuführen sind.

Neben diesen größeren dauernden Vorbereitungen finden vor jedem Kampf fleinere statt, dte bestimmt sind, Schiff, Waffen, Maschinen und Menschen in den Zu­stand höchster Bereitschaft zu sehen. Denn der Gefechts­Azustand macht ein Schiff unwohnlich und verbraucht da­her die Kräfte der Besatzung. Sie erfordern nur Bruch­felle einer Stunde und sind natürlich längst beendet, nachdem die Aufklärungsschiffe die Anwesenheit des Feindes gemeldet haben. Gegenüber einem Ueberfall, wie er nach der bekannten Meldung der Ball Man anis Gazette" möglich erschten, ist natürlich eine Flotte so wenig geschüßt wie ein Straßenpassant trotz aller po­Izet gegen ein Attentat. Das deutsche Volk darf zur Flotte das Zutrauen Hegen, daß sie es mit der Wacht an der See so ernst nimmt wie irgendeine Flotte der Welt.

Rundschau oom Cage.

Politisches.

Warum der Reichstag nicht aufgelöst wurde, be­antwortet die" Nordd Allg. 3tg.", worin sie feststellt, daß der Schluß des Reichstags im Einverständnis mit dem Präsidium erfolgt set, dem daran gelegen habe, Zeit zu bekommen, die Beglaubigung der Beschlüsse des letz­fen Sigungstages vorzunehmen und die sonstigen Ge­

den der Zwetten Kammer wurde Dr. Ricklin( 3entr.) zum ersten Vizepräsidenten Böhle( Soz.) und zum zweiten Vizepräsidenten der Liberale G. Wolf gewählt. Dr. Ricklin erklärte bet uebernahme der Präsidentschaft er werde darauf achten, daß ein der Würde des Hau­ses entsprechender Ton gewahrt werde, denn nicht nur ganz Deutschland, sondern auch die ganze Welt sehe auf Stefes Parlament, des aus der allgemeinen, direkten und geheimen Wahl hervorgegangen sei.

Der Erlaß einer kaiserlichen Vorordnung über die Auf­16fung des Reichstags und über den Zeitpunkt der Neuwahlen stehe unmittelbar bevor. Danach scheint die Meldung der Berl. Pol. Nachr.", daß die Auflösung am Freitag erfolgen soll, sich zu bewahrheiten. Die Einberufung des neugewählten Reichstages ist, wie die Neue politiche Correspondenz" mittellt, für etwa Mitte Februar f. J. vorgesehen.

Kehrt die Erbschaftssteuer im Reichstag wieder? Die Berliner Nationalzeitung" glaubt versichern zu fönnen, daß dem neuen Reichstag bald nach seinem Zusammentritt eine neue Vorlage über die Ausdehnung der Erbschaftssteuer auf die direkten Nachkommen vor­gelegt werden wird, verbunden mit einer Aufhebung der Zündhölzchensteuer und der Fahrkartensteuer. Man rechnet damit, daß die neue Vorlage von dem künftigen Reichstag, wenn auch mit geringer Majorität, verab= schiedet werden dürfte, da nach Andeutungen von fon­fervativen Parteiführern auch von dieser Seite ein prinzipieller Widerstand nicht mehr zu erwarten sei. Die Mehrerträgnisse der Erbschaftssteuer sollten zum rascheren Ausbau unserer Flotte verwendet werden.

Die Eröffnung des reichsländischen Landtags er­folgte am Mittmoch mit der Verlesung einer Thronrede durch den Statthalter. Staatssekretär Rorn von Bulach eröffnete darauf die erste Sibung zunächst mit der Ver­eidigung der neueingetretenen Abgeordneten. Dann erfolgte die Wahl des Bureaus. Burt ersten Vorsitzen­

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Aus Eifersucht.

Roman von Max Hoffmann. ( Nachdruck verboten.)

" Das ist nicht wahr!" rief ste erregt.

Zur Dreibundfrage versichert der römische Korres­pondent der Wiener Reichspost" auf das bestimmteste, daß seine Meldung über den beabsichtigten Austritt Italiens aus dem Dreibund trotz aller Dementis auf Wahrheit beruhe, und daß tatsächlich diesbezüglich im Palais der französischen Botschaft in Rom Verhand­lungen stattgefunden hätten.

Eine deutsch- englische Friedenskundgebung. Eine Mitteilung, die von allen Mitgliedern der Arbeiter­partei des englischen Barlaments unterzeichnet ist, ist an die sozialdemokratischen Mitglieder des deutschen Reichstags geschickt worden. Diese werden dringend ge­beten, allen Bevölkerungsklassen, die sie vertreten, die Versicherung der Freundschaft der britischen Arbeiter­schaft zu übermitteln. Es sei der Wunsch Englands, alle Streittafetten zwischen belden Ländern durch ein Schiedsgericht zu regeln.

und Ste verdanken es lediglich dem rücksichts­vollen Verhalten jener Familie, die einen Eklat ver­meiden wollte, daß Sie nicht bestraft, sondern nur Knall und Fall entlassen wurden."

Ste war wieder im Begriff, etwas darauf zu ent= gegnen, aber Scharffenstein verhinderte es.

Ueber die nationale Begeisterung in Italien für den Tripolisfeldzug meldet der Draht aus Rom: In ganz Italien finden fortgesetzt Kundgebungen der ganzen Bevölkerung für die Eroberung von Tripolis statt. Für das Rote Kreuz sind 15 000 Lire eingefom­men. In Ferrara bereitete die Bevölkerung der nach Tripolis abgehenden Artillerie große Kundgebungen.

Das interessiert uns ja nicht weiter," sagte er gleichgültig. Wohin begaben Sie sich dann in Stel­lung?"

Ueber die Revolution in China wird heute gemel= det: Der Minister des Aeußern der Revolutionäre, Wutingfang, hat dem französischen und amerikanischen Konful in Beting mitgeteilt, daß, falls die Anleihen der Mandschus von den fremden Mächten bewilligt würden, die Revolutionäre gegen diese Mächte eine feindliche Haltung(?) annehmen würden. Dem deut­schen Konsul gegenüber hat Wutingfang erklärt, daß ein Boykott der deutschen Waren nicht beabsichtigt set und daß die Revolutionäre einen solchen Boykott auch niemals gestatten würden. Deutschland möge jedoch verhindern, daß den Mandschus weiterhin durch deutsche Firmen Waffen und Munition geliefert werde, da sonst Unannehmlichkeiten für Deutschland hieraus entstehen könnten.

" Ich fand nicht gleich etwas passendes und ging nach Berlin, wo ich von Sprachunterricht lebte." Und hier lernten Sie den Bruno Majewskt ken­nen?"

Bruno Majewskt?" fragte sie verwundert. Das muß ein Irrtum sein."

Ich bitte Ste!" fiel Weide ein. Was soll denn biese Verstellung? Ihr Komplize hat beretts alles ge= standen und auf Sle hingewiesen, und Sie wollen uns hter vormachen. daß Ete nicht die Gesuchte wären?"

Der Elende!" entfuhr es ihr. Sie wußte nicht, daß der Kriminalfontmiffar die kleine Lüge benutzte, um fte zum Geständnis zu bringen.

Ste lernten ihn also vor einem halben Jahre Lennen?"

Kleine Nachrichten.

Das Befinden der Kaiserin ist wieder befriedigend. Die gemeldete Erfältung ist verschwunden. Die Fahrt der Kaiserin nach Brimfenau ward hauptsächlich des halb aufgegeben, weil sich die Prinzessin Vittoria Lutse eine leichte Erkältung zugezogen hat und mehrere Tage das Zimmer bliten soll.

Nach einigem Zögern gestand sie leise: Ja, in etnem Konzert."

Das Linienfchiff Kaiser Wilhelm II, das, wie gemeldet, in der Keteler Föhrde festgekommeit war, tst wieder flott geworden und hat keinerlet Beschädigungen erlitten.

Neuer Rekord der drahtlosen Telenramble. Dia Hamburg- Amerika- Cinte hat von dem Kapitän ihres Dampfers Corcovado" die Mitteilung erhalten, daß das Schiff auf der Reise von Hamburg nach Havanna noch 13 Tage nach der Abfahrt drahlos übermittelte Nachrichten von der Station Norddeich über eine Ent­fernung von annähernd 2400 Seemeilen in der Luft= linie erhalten hat.

Das heißt, das ist auch wieder nur die halbe Wahrhett," bemerkte Welde mit unerschütterlicher Ruhe. Bon Matemsft haben wir beretts vernommen, daß Ihre gegenseitige Bekanntschaft in einem fener Barte= tees gemacht wurde, die jetzt in der Hauptstadt wie Bilze aus dem Boden schießen und wo man bet freiem Ein­

Frau getötet, die dret anderen erlitten schwere Vera legungen. Ein Unfall, der leicht schwere Folgen hätte nach fic ziehen können, ereignete sich gestern abend auf der Ber Itner Vorortbahn bet Spandau. Wegen Reparaturar beiten war dort ein Graben von ungefähr einem Me­ter Tiefe und ziemlicher Länge ausgehoben worden. Der Graben war vorschriftsmäßig gesperrt und durch eine Signallaterne bezeichnet. Der um 6% Uhr von Berlin einlaufende Personenzug überfuhr die Signal­laterne, fodaß die beiden ersten Wagen vor dem Graben hielten. Die aussteigenden Fahrgäste, etwa 50 Perso nen, stürzter: in den Graben. Mehrere trugen leichte Verlegungen davon, doch wurde niemand schwerer ver­letzt.

Durch anonyme Briefe in den Tod getrieben wurde in Berlin eine 69jährige Renttere. Ste hatte sich in ihrer Wohnung erhängt. In der letzten Zeit hatte der Hauswirt der Greifin wiederholt anonyme Briefe be= kommen. in denen diefe fälschlicherweise der Kuppelet beschuldiat wurde. Aus Gram über diese gänzlich halt= lose Beschuldtaung ist die Frau in den Tod gegangen. Blutiger Streit unter Schülern. In Mülheim a. d. Ruhr entstand nach Beendtaung des Unterrichts un­ter den Schülern ein Streit, bet dem ein 15jähriger Schüler mit Stöcken und Gummifnütteln totgeschlagen und ein anderer durch Messerstiche lebensgefährlich ver­legt wurde.

Gin tödlicher Automobilunfall hat sich gestern bet Zwickau ereignet. Ein mit vier Personen besetztes Auto prallte gegen ein Haus. Bon den Insassen wurde eine

tritt und von zarter Hand fredenztem Bier allerlet Vor­träge und Vorführungen aus der gesamten Sphäre des Brettls genießen kann."

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Vermischtes.

Fürsorge für die Mannschaftsküchen. Den Inha bern der Militärkantinen ist eine Verfügung zugegan­gen, nach der in den Truppenküchen die Verwendung von Margarine und ähnlichen Kunstspeisen nicht mehi gestattet ist. Dagegen dürfen zum Kochen und Braten ungemischte Fette verwandt werden, wenn sie nach dem Urteil des Sanitätsamtes für die Truppenverpflegung geeignet sind. Die Schlächterinnungen wollen darum nachsuchen, Margarine, die unter Verwendung von Fetten in Deutschland geschlachteter und der Fleischbe= schau unterworfenen Tieren hergestellt ist, auch in den Truppenküchen weiter zuzulassen.

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Diebesfahrten eines Eisenbahnsekretärs". königlicher Eisenbahnsekretar" gab sich ein Heirats­schwindler aus, der gestern in Berlin verhaftet wurde. Es ist der 36 Jahre alte Kaufmann Paul Weddy, der erst kürzlich seine lezte Strafe verbüßt hatte. Weddy zeigte unter den verschiedensten Namen an, daß er eine Frau suche und erhielt als töniglicher Eisenbahnsekre­tär" eine große Menge Zuschriften von heiratslustigen Mädchen und Witwen. Er borgte diese nicht nur an, sondern bestahl sie auch in ihren Wohnungen. Einer Witwe entwendete er für 1200 Mart Schnucksachen. Gestern wiederholte er seinen Trick in der Elisabeth­straße. Die Dame überraschte ihn aber, als er eine Schublade durchwühlte. Sie folgte ihm auf die Straße und ließ ihn von einem Schußmann verhaften.

,, Und Sie verliebten sich in diesen Menschen?" D, das beruhte auf Gegenseitigkeit! Und warum nicht?" fragte sie trotzig. Die Herren der Schöpfung, die ich bisher kennen gelernt hatte," ste biß sich auf die Lippen- oder vielmehr gesehen hatte, waren höchst schwächliche Exemplare edler Männlichkeit gewe­sen. Hier aber sah ich Entschlossenheit, Kühnheit, Kraft - und Liebe ist Kraft, meine Herren!"

Mit boshaften Blicken betrachtete sie dabet den klet­nen alten Mann, der da vor thr saß, und dann den etwas verlebt aussehenden zarten Assessor.

Was die Könige verdienen. Im Gil Blas" Itest man: Schelten wir nicht allzusehr über die Kosten, die die Könige uns verursachen, wenn sie als Gäste zu uns fommen. Sie stellen sich, wenn sie zu Hause bleiben, für ihre Untertanen noch weit teurer. Man hat z. B. be­rechnet, daß die Könige von Belgien und von Griechen­land auf den Kopf der Bevölkerung 40 kosten, der Kaiser von Oesterreich 36, der König von Italien etwas über 35 s, die Könige von Schweden und von Norwegen 32 3, der Bar 28, der deutsche Kaiser et was mehr als 24. Weit billiger arbeiten die Präst­denten von Republiken; der Präsident der Vereinigten Staaten belastet seine Untertanen" nur mit etwas mehr als 17 für den Kopf, Herr Fallieres nur mit etwas mehr als 7 ch und der Präsident des Schweizerischen Bundesrats faum mit ½ d. Das ist rein geschenkt!

Der letztere runzelte die Stirn und nahm ste ener= gisch mit seinem Einglas aufs Korn, wobei er etwas von frechem Frauenzimmer" zwischen den Zähnen murmelte. Herr von Scharffenstein aber lächelte gut­mütig, während seine Itnke Hand mit der goldenen Dose spielte, die er zwischen den mageren Fingern auf dem Schreibtisch herumwälzte.

Und bet diefer kraftvollen Weltanschauung impo= nterte Ihnen eben jemand, der imstande sein konnte, einen Menschen zu ermorden, ganz gehörig, nicht wahr?" fragte er gelassen.

Eine Vande ingendlicher Einbrecher, die aus nicht weniger als 15 Köpfen bestand und über 100 Einbruchs­diebstähle auf dem Kerbholz hat, wurde von der Berli­ner Kriminalpolizei hinter Schloß und Riegel gebracht. Die jungen Bengel hatten sich unter der Führung zweier bereits vorbestrafter Arbettsburschen zusammen­getan, um gemeinschaftlich besonders den Schaufenster­einbruch zu betreiben. Die Bande bestand erst sett et­nem Monat und hotte es in dieser kurzen Rett schon auf über hundert Einbrüche gebracht. Sie hätte vor­aussichtlich noch viel geleistet", namentlich in der Weth­nachtszeit, wenn nicht durch die Eifersucht der beiden Führer die Eintracht in die Brüche gegangen wäre. Einer der Häuptlinge hatte sich ein Mädchen erobert, das auch der anderen gefiel. Darüber gerieten die bet­den in einer Streit, der damit endete, daß sich zwet feindliche Loger bildeten. Die neue trat aus der Ge= meinschaft aus, betrieb aber das Geschäft" nach den alten Grundsätzen weiter. Ihr Hehlernest war dte Wohnung der neuen Braut des Führers, und sie ar­betteten" in den letzten Tagen mit großem Erfolge. Einige Milalteder erbeuteten hohe Werte in Gold- und Silbersacher, andere viel Wäsche. Als die feindlichen Brüder das erfuhren, wurden ste neidisch. Einer von thnen, den die Braut des Führers nicht fannte, ging nach deren Wohnung, während der Führer nicht zu Hause war, stelfte fich der Inhaberin als Kriminalbe­amter vor, feßte ihr auseinander, daß er endlich hinter thre Schltche gekommen set und beschlagnahmte" alles. was fic befaß. Die beschlagnahmte" Diebesbeute brachte er dann in das Hehlerlager seiner Partet. ATS der Geliebte des Mädchens dahinter fam, daß ein Mit­glied der Gegenpartet ihm in der Maste eines Krimt­nalbeamten den Stretch gespielt hatte, Itef er in seiner ersten Wut schnurstracks zur Boltzet, offenbarte sich thr und machte über die ganze Gesellschaft in genaue An­gaben, daß es gelanta, alle Mitglieder beider Parteien At ermitteln und festzunehmen.

Er sprach ganz leidenschaftslos, wie ein Arzt, der eine Pattentin vor sich hat, die vorsichtig behandelt wer= den muß.

Das brachte sie doch aus der Fassung. Sollte sie mit threm in aristokratischen Kreisen angenommenen selbst­bewußten Auftreten zu weit gegangen sein? Diefer fleine Herr war wohl von thr unterschäßt worden, er war offenbar etner von jenen Menschen mit zerbrech= licher Schale und hartem Kern, denen man es äußer­lich anmerkt, daß sie nicht mit sich spassen lassen. Sie blickte zur Erde und sann nach. Erst jetzt wurde ihr klar, daß an dieser Stätte tedes Wort gut überleat und

das Benehmen wohl berechnet fein mußte, wenn man einigen Eindruck machen wollte.

,, Ich ahnte es nicht, daß er einer solchen Tat fähig wäre," erwiderte sie auf die letzte Frage des Unter­fuchungsrichters.

Aber Ste hielten es immerhin für möglich, daß es dazu kommen könnte?"

,, Auch das nicht, im Gegenteil! Ich war der festen Ueberzeugung, daß die Aneignung des Geldes ohne trgend welchen Zwischenfall vor sich gehen würde." Und was dachten Sie nun, als Sie sahen, daß die junge Frau ermordet war?"

Ich war aufs höchste entsetzt, und eine furchtbare Angst packte mich."

,, Trotzdem hielten Sie es nicht für nötig, der Be­hörde zur rechten Zett Anzeige von Ihrer Kenntnis des Falles zu machen, fa, Ste trafen sogar gleich darauf wieder mit jenem Menschen zusammen!"

Ich war wie durch magische Gewalt an ihn ge­feffelt. Ich liebte thn zwar jetzt nicht mehr, aber ich-" Nun?"

" Ich hatte ein Gefühl der Bewunderung für ihn." " Und doch zeigten Sie ihn dann an?" ,, Well sich zu jenem Gefühl das des Hasses geſellte, als mir alles klar wurde und ich ihn ganz durchschaute." ,, Waren Sie nicht in alles eingeweiht?" " Das glaubte tch zuerst, aber es war nicht der Fall. Denn er verschwieg mir etwas und hinterging mich außerdem."

Was verschwieg er Ihnen?" " Nun, ich wußte doch aus den Zeitungen ganz ge= nau, daß er achtundzwanzigtausend Mark erbeutet ha­ben mußte, und er sprach mir immer nur von acht­tausend."

Die Herren fahen sich flüchttg einander an. Hier war eine klassische Zengin gegen den Einbrecher!

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