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chinesische Soldaten auf der Station Gantichun japanische Angestellte. Der japanische Konsul hat Entschädigung der Verwundeten und Bestrafung der Schuldigen verlangt.

Kleine Nachrichten.

Bäderfrequenz. Davos 11 233; Rarlsbad 3422; Kis­ingen 1443; Nauheim 3599; Neuenahr 1084; Soden( Tau­nu8) 121.

Stiftung für Lebensretter im Gebirge. Andrew Car­negie hat der Schweiz eine Summe von 525 000 Mark über­wiesen, deren Zinsen Personen zufallen sollen, die sich durch beondere Heldentaten bei Hilfeleistungen im Gebirge auszeichnen. Im Falle des Todes eines solchen Retters soll die betreffende Summe an dessen Witwe oder seine sonstigen Erben ausgezahlt werden.

Ein sozialdemokratischer Nelkentag? Die sozialdemo­Iratische Arbeiterschaft beabsichtigt, nach Blättermeldungen, in Bremen dem für den 10. Mat geplanten Kornblumen­tage einen sozialdemokratischen Blumentag entgegenzustel= len. Frauen und junge Mädchen sollen amt 10. Mai rote Nelten zum Besten des sozialdemokratischen Wahlfonds ver­faufen.

Ein Lotteriegewinn auf dem Sterbebette. In Freising ( Bayern) hat ein Mann nur eine Stunde vor seinem Tode aus Hamburg die Nachricht erhalten, daß er 10 000 Mark In der dortigen Lotterie gewonnen habe. Der Gewinner lag jedoch bereits im Sterben und konnte über den ihm In letzter Stunde gewordenen und nun den Erben zufallen­den Gewinn nicht mehr verfügen.

Nordamerikanische Mormonenmiffionare entfalten in Jüngster Zeit in Nürnberg eine eifrige Propaganda. Da eine solche im Widerspruch zur bayerischen Verfassung stehen soll, wurde vorgestern abend eine geheime Mormonenan­hänger- Bersammlung polizeilich aufgelöst.

Der Ladendieb in der Rattenfalle. In Ludwigshafen stellte ein Kaufmann, dem fortgesetzt Geld aus der Laden­kaffe gestohlen wurde, abends eine Rattenfalle davor und setzte sich auf die Lauer. Nach zehn Minuten schon ertön­ten Schmerzensschreie, und ein 14jähriger Junge aus dem selben Hause hatte sich in der Falle gefangen.

Ein schwerer Unglücksfall hat sich am Sonnabend auf der Friedrich Wilhelmshütte bei Mülheim( Ruhr) ereig net. Dort stürzten vier Arbeiter von einem mit Eisenkou­struktion aufgeführten Neubau ab. Drei waren sofort tot, der vierte schwer verletzt.

Bluttat eines entlassenen Zuchthänslers. In Losheim bet Trier drang ein entlassener Zuchthäusler in das Haus setner inzwischen verheirateten früheren Braut ein, um fle zu erstechen. Er kam irrtümlich an das Bett der 14jährt­gen Schwester der Frau und stach diese nieder. Der Täter ist im Walde schlafend verhaftet worden.

Todessturz eines Aviatikers in China. Der französt­sche Flieger Ballon, der in Schanghai war, um der chine­sischen Militärverwaltung den Sommerapparat vorzufüh­ren, stürzte am Sonnabend bei einem Fluge aus mehr als zweihundert Meter Höhe ab. Mau zog ihn tot und fürch= terlich verstümmelt unter den Trümmern seines Apparates hervor.

Aus den Gerichtssälen.

Zum Tode verurteilt wurde vom Schwurgericht in Ulm der Taglöhner Johann Jakob Leutz von Höldis, der be­schuldigt war, in der Nacht vom 11. auf den 12. November v. J. den Bauern Jakob Knaupp auf dem Heimwege von einem Holzverkauf auf der Straße auf seinem Wagen über­fallen, erschlagen und ausgeraubt zu haben. Der Angeklagte hat kein Geständnis abgelegt.

Mahnung verjährter Schuld als Nötigung. Das Schöf fengericht Erlangen hat einen Zinngießer, der einen bereits als Arzt etablierten früheren Erlanger Studenten fortge­setzt zur Bezahlung einer verjährten Schuld von 22 Mark gemahnt hatte, wegen Nötigung zu 3 Mark Geldstrafe ver­urteilt.

Vermischtes.

Drei schwere Einbrecher, die in Bingen bei einem Spe­diteur den Kassenschrank erbrochen und dobei 300 Mark erbeutet hatten, wurden am Freitag abend am Mainzer Hauptbahnhof festgenommen. Durch ein Versehen war der Koffer der Einbrecher in Bingen stehengeblieben; er tam erst mit einem späteren Zuge hier an, wo er durch seine außerordentliche Schwere auffiel. Als man ihn einer nähe­ren Prüfung unterzog, fanden sich darin die modernsten Einbrecherwerkzeuge, u. a. Gebläse, Einrichtungen zum Schmelzen von Stahlplatten usw. Die Einbrecher, die nach Frankfurt fahren wollten und sich noch im Wartesaal zwei­ier Klasse aufhielten, wurden daraufhin festgenommen. Die Verhafteten sind der 27jährige Schlosser Peter Hanke­thel aus Westhagen, der 22jährige Karl Rappmann aus Sangerhausen und der 35jährige Kellner Karl Hartmann aus Erfurt.

Eine Familientragödie hat sich Sonnabend ebend in Niederschönhausen bei Berlin abgespielt. Nach einem ehe­lichen Zwist suchte sich dort in ihrer Wohnung die vierzig­jährige Frau des Straßenbahnschaffners Bergmann mit ihren beiden Kindern im Alter von fünf Monaten und sieben Jahren mit Leuchtgas zu vergiften. Die Tat wurde aber noch rechtzeitig von anderen Hausbewohnern, die durch den starken Gasgeruch aufmerksam geworden waren, entdeckt, so daß Mutter und Kinder nach längeren ärztlichen Bemühungen ins Leben zurückgerufen werden konnten. Die Frau hatte sich sonntäglich angekleidet und auch ihre Klet­nen geputzt, um so in den Tod zu gehen. Frau und Kinder wurden in der Küche aufgefunden, wo sämtliche Gashähne geöffnet waren. Einige Minuten später, und das Unglück wäre geschehen. Der Mann erhielt im Dienst Mitteilung

vollständiges ausgewachsenes Tier, stürzt sich sogleich mit ständig wachsender Begierde auf den Dompteur und es beginnt ein Kampf um das Fleisch, das der Dompteur durch geschickte Wendungen dem Tiger eine Zeitlang zu entziehen sucht, bis er es schließlich aus der Hand des Dompteurs als Belohnung erhält. Bei diesem Kampfe Schnappte Royal" am Dienstag nach der Hand des Domp­teurs und grub seine Zähne hinein. Wagner trug eine erhebliche Wunde davon. Es gelang ihm, den Tiger von sich abzuschütteln und mit der Peitsche von weiteren An­griffen abzuhalten.

Eine Monster- Hochzeit. Wie aus Baczka- Madaras in Ungarn mitgeteilt wird, fand dort kürzlich eine jener gro­Ben Bauernhochzeiten statt, bei denen die gesamte umwoh­nende Bevölkerung tagelang bewirtet wird. Das Komitat Bacs- Bodrog ist eines der fruchtbarsten Gebiete Ungarns, und die reichsten Bauern des Landes sind dort ansässig. Von dem Wohlstande des Brautvaters, der unlängst sein Töchterlein Mali, das schönste Mädchen in meilenweitem Umkreise, einem reichen Nachbarssohn zum Weibe gab, fann man sich einen Begriff machen, wenn man hört, was bei der vier Tage dauernden Hochzeitsfeier an Speisen und Getränken vertilgt wurde. Mehr als 1400 Gäste wa ren erschienen und taten sich gütlich an den wohlzubereite ten Braten von drei Mastochsen, acht Schafen, sechs Käl­bern, 650 Gänsen, 425 Buten, 1200 Hühnern und 600 Tau­ben; dazu wurden verzehrt 3400 Brötchen, 400 Pakete 3wie­back und annähernd zwei Zentner Reis. Zur Anfeuchtung dieser guten Dinge leerten die Schmausenden 1320 Gallo­nen Wein und 106 Tonnen Bier. Fünf Kapellen spielten abwechselnd Tag und Nacht zum Tanz auf.

Von dem Kinderreichtum, der in zahlreichen Familien der Westpfalz und des Saargebietes zu finden ist, wo steben bis neun Kinder fast die Regel und ein Dutzend und mehr ganz alltägliche Erscheinungen sind, geben folgende Zahlen Zeugnis. Das 16 000 Einwohner zählende St. Ingbert hat 2485 Kinder in der katholischen, zirka 600 in der protestantischen und rund 250 in seinen Mittelschulen, also 3350 schulpflichtige Kinder, mehr als ein Fünftel sei­ner Einwohnerschaft! Nicht geringer dürfte die Zahl der noch nicht schulpflichtigen Kinder sein. Der Industrie wird's also lange hinaus nicht an Arbeitern fehlen.

Das Doppelleben eines Defraudanten. Die Unter­schlagungen des städtischen Landmessers Wölfert in Ber­lin, der, wie seinerzeit berichtet, in seiner Eigenschaft als Kassierer des Frauenvereins vom Roten Kreuz für die Kolonien die Summe von 200 000 Mart unterschlug, hat­ten zu der Vermutung Veranlassung gegeben, daß Wölfert einen großen Teil des unterschlagenen Geldes beiseite ge= schafft habe. Man konnte sich anfangs nicht erklären, wo er außer seinen eigenen Bezügen die veruntreuten großen Beträge gelassen haben sollte. Die Vermutung trifft aber nicht zu. Wölfert, dessen geistiger Verfall wohl auf eine Krankheit in der Jugend zurückzuführen ist, war eigent­lich schon seit 1904 geschäftsunfähig. Damals erlitt er den ersten Schlaganfall, und seitdem ging es mit ihm förper­lich und geistig immer mehr bergab. Es steht nach dem Urteil der Aerzte, wie schon berichtet, fest, daß er nicht nur das veruntreute Geld, sondern auch seine Einnahmen, die mit Nebenbezügen bis zu 12 000 Mart im Jahr betrugen, und sein eigenes Vermögen von 12 000 Mart aufgebraucht hat. Der in kinderloser Ehe lebende Mann war zu Hause so geizig, daß er seiner Frau das Wirtschaftsgeld bis auf die Groschen nachrechnete. Um so verschwenderischer war er in seiner Lebenshaltung außerhalb der Häuslichkeit. Wohl selten hat jemand ein Doppelleben so konsequent durchgeführt wie er. Sobald er das Haus verlassen hatte, spielte er den Grandseigneur. Er machte mit Frauen und Mädchen große Reisen und gab seinen Geliebten in ele­ganten Lokalen die teuersten Diners. In mehr als einer Familie war Wölfert der gute" Onkel", der sich von dem Ehemann anborgen ließ, während er die Frau reich be­schenkte.

Das Gewicht der englischen Krone. Die englische Presse die sich ausführlich mit den bevorstehenden Krönungsfeier­lichkeiten beschäftigt, widmet natürlich dabei auch den Krö­nungsinsignien, die für diesen einen Tag aus den festen Mauern des Tower herausgeholt werden, eine ganz be­sondere Beachtung. Noch kein Blatt hat aber auf das außerordentlich schwere Gewicht der Krone aufmerksam ge­macht, die der König während der mehrere Stunden dau­ernden Feier zu tragen hat. Durch das Gewicht der Krone, mehr als vier Pfund, wird die Krönung für den Herrscher überaus anstrengend. Es läßt sich verstehen, daß er am Ende müde und abgespannt ist. Als König Eduard VII. bei der Anprobe" der Krone( denn die Kronen werden dem Herrscherpaare angeprobt, um die richtige Weite her­stellen zu können) zu seinem Schrecken ihr Gewicht kennen lernte, erteilte er seinem Zeremonienmeister, der das Pro­gramm zu entwerfen hatte, den ausdrüdlichen Befehl, an mehreren Stellen Pausen in Aussicht zu nehmen, nicht nur, um kurze Minuten ausruhen zu können, sondern um nor allen Dingen die schwere Last der Krone nicht unausgesetzt tragen zu müssen. Am Schlusse einer derartigen Pause äußerte er lächelnd zu seiner Umgebung: Dichter und Philosophen reden und schreiben stets von der Last einer Krone; sie wissen aber doch nicht, wie schwer es ist, eine Krone zu tragen.

von dem traurigen Vorfall und eilte sofort nach Hause. Der Kaiser und die Erben von Cadinen.

Nach einer anderen Version hat die Frau die Tat aus Gram darüber verübt, daß gestern vor Jahresfrist ihr elfjähriger Sohn totgefahren wurde.

Unter dem Verdacht großer Kautionsschwindeleien sind die Inhaber eines Berliner Detektivbureaus in der Großen Frankfurter Straße verhaftet worden. Das Bu­reau trug den Namen Roland". Wie festgestellt ist, sind die beiden Inhaber ein früherer Maurer namens Schnei der und ein Kaufmann Liedemann. Sie hatten eine gan= ze Anzahl von Angestellten engagiert und sie um höhere Kautionen betrogen. Als einige der Angestellten sich da= rüber beschwerten, daß sie keine Beschäftigung hätten, und thre Kaution zurückverlangten, wurde der ganze Schwindel aufgedeckt und die beiden Inhaber konnten noch rechtzeitig verhaftet werden. Die Kautionssummen hatten sie ver­braucht.

Von einem Tiger angefallen. In der Abschiedsvor­stellung des in Eisleben gastierenden Zirkus Charles wur­de der Dompteur Wagner am Dienstag von einem Tiger angefallen. Die Schlußnummer des Zirkusprogramms bringt die Vorführung von sieben wildeingefangenen Ti­gern durch den Dompteur Wagner. Bei dieser Dressurnum­mer spielt sich auch eine Szene ab, die sich Kampf zwischen Mensch und Tiger" betitelt. Wagner erscheint dabei in der eisenumfriedigten Manege, in der rechten Hand ein Stüd rohen Fleisches haltend. Der Tiger Royal", ein

Durch den gemeldeten Zwischenfall bei Genua, wo die Erben des Landrats Birkner dem Kaiser wegen des Gutes Cadinen mehrere Dokumente in den Wagen warfen, ist die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit auf den Erwerb des Gutes von Cadinen gelenkt worden. Es werden darum, wie der Inf." von hervorragender Seite mitgeteilt wird, einige authentische Einzelheiten über den Erwerb des Gu­tes von Cadinen von Interesse sein. Dem Kaiser wurde von dem Landrat a. D. Birkner, der mit seiner greisen Gattin ohne direkte Erben dastand, das Gut Cadinen ange­boten, da es völlig verfchuldet und ziemlich stark ver wahr lost war. Dieses Angebot erfolgte im November 1897. Der Kaiser, der Geschenke grundsählich ab­Iehnt, sobald Erben vorhanden sind, ließ sich über die ein­schlägigen Verhältnisse erkundigen. Er erfuhr, daß das Gut an sich in dem jezigen Zustande nur ein sehr geringes Vermögensobjekt darstelle, und daß Gefahr bestehe, daß es an polnische Hände übergehe, da der feßige Besitzer es nicht halten könne. Nun handelt es sich um einen alten Besitz des Deutschen Ritterordens", der mit diesem Gute im Jahre 1442 den Ritter Hans von Baisen belieh. In dessen Familie verblieb es viele Jahrhunderte. Um nun dem bisherigen Besizer, Landrat Birkner, einen Gegenwert zu verleihen, der das greise Ehepaar vor den Sorgen des Lebens bewahren sollte, nahm der Kaiser im Oktober 1898 das Gut unter der Bedingung an, daß der Landrat Birk­ner und seine Gattin als Ersatz dafür eine sehr bedeutende lebenslängliche Jahresrente annähmen, die den Ertrag des Gutes sehr bedeutend übertraf. Das Gut Ca­

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dinen, das einen Flächenraum von 1635 Hektar umfaßt, brachte, als der Kaiser es im Herbst 1898 übernahm, nicht einen Pfennig Ueberschuß, sondern es wurde im Gegen teil durch die schlechte Bewirtschaftung und Verwaltung mit ungeheurer Unterbilanz gearbeitet. Bevor man überhaupt aus dem Gute irgend einen Vorteil herauswirtschaften fonnte, mußten alle Einrichtungen erneuert werden, mußte eine rationelle Bewirtschaftung unter Aufwendung größe rer Mittel eintreten. Jetzt ist hier eine Kanalisation ges schaffen, es ist eine wirtschaftliche Wasserversorgung einge richtet worden, der landwirtschaftliche Betrieb wurde durch neue Maschinen gehoben, es wurden Wohnungen für die Arbeiter gebaut, fura, aus einer Wüste wurde durch bc= trächtliche Mittel ein rentables Gut geschaffen. E3 wurden Terrafottenfabriken eingerichtet, die sich im Jahre 1905 zu den Cadiner Majolikawerkstätten auswuchsen. So wurde Cadinen ein wertvoller Besitz.

Drabtnachrichten und neuestes.

Vom Aufenthalt des Kaisers in Straßburg. Straßburg( Elsaß), 8. Mai. Der Kaiser, der Herzog und die Herzogin von Sachsen- Koburg, der Reichskanzler, der Statthalter, Fürst zu Fürstenberg und die Herren der Umgebung haben am Sonntag um 1 Uhr 15 Minuten mit Automobilen eine Fahrt nach der Hohkönigsburg ange= treten. Im Automobil des Kaisers hatten der Reichs­fanzler, der Statthalter und Staatssekretär Zorn von Bu lach Platz genommen. Die Fahrt erfolgte über Benfeld, Schlettstadt und St. Pilt. Kurz vor 3 Uhr traf der Kaiser auf der Hohkönigsburg ein. Nach 5 Uhr erfolgte die Ab­fahrt nach Straßburg, wo die Ankunft um 6 Uhr 45 Min. stattfand. Um 8 1hr nahm der Kaiser das Diner bei dem Staatssekretär Freiherrn von Bulach.

Herr v. Kröcher über die politische Lage.

Cöln, 8. Mai. In einer Cölner Wählerversammlung wandte sich der Präsident des Abgeordnetenhauses von Kröcher gegen den Vorwurf, daß der schwarz- blaue Block bei der Finanzreform den Fürsten Bülow gestürzt habe. Den Nationalliberalen warf der Redner vor, daß sie den Gouverneursposten von Berlin im Etat hätten stretchen wollen, einen Posten, auf den heute im Hinblick auf die So­ztaldemokraten der beste Mann Preußens gehöre.

Der spanische Vorstoß in Marokko.

Madrid, 8. Mai. Der längst angekündigte Vormarsch der Spanier auf Tetuan begann Sonnabend abend. Laut einem Telegramm des Imparcial" aus Ceuta ließ dort der kommandierende General Alfau durch eine Kompanie Piontere Schanzgräben anlegen, 250 Riffschüßen anholen und Fedrigo und Johama besetzen, die den Weg nach Te­tuan beherrschen. Zwei große Dampfer vor Ceuta sollen die Truppen nach der Mündung des Flusses Martin beför= dern, der Tetuan durchfließt. Der Imparcial" bemerkt dazu, diese Operation erfolge in Ausführung des Spanien durch die Algecirasakte gegebenen Auftrags behufs Besei­tigung der Räubereien um Tetuan und Ceuta und Lahm­legung des Waffenschmuggels.

Bedrohliche Lage in Persien. Teheran, 8. Mai. Infolge einer Hungersnot ist in Jspahan ein Aufstand ausgebrochen. Eine Volksmenge zer­störte das Polizeibureau und das Stadtamt und tötete ein Mitglied der Stadtverwaltung. Sie stürmte sodann das Haus des Gouverneurs, wurde jedoch zurückgeworfen. An dem Aufruhr nahmen auch Soldaten und Bachtiaren teil. Die Bewegung trägt einen antifonstitutionellen, flerifalen Charakter. Der russische Konsul hat von den Behörden ge­fordert, die Sicherheit der russischen Untertanen zu gewähr­Teisten.

Teheran, 8. Mai. Zwei Brüder, die Häupter einer angesehenen Familie, die sich mit einer Eskorte auf dem Wege nach Schiras befanden, wurden überfallen. Einer wurde getötet, der andere ist vermutlich entkommen. Das Verbrechen wird dem Kaschgaistamme zur Last gelegt. Präsident Diaz will abdanken.

Merifo, 8. Mai. Präsident Diaz hat ein Manifest erlassen, in dem er erklärt, er habe die Absicht zurückzu­treten, sobald der Friede wiederhergestellt sei. Der Ent­schluß des Präsidenten zurückzutreten, wurde überall mit Jubel aufgenommen. Diaz behält sich vor, selbst zu ent­scheiden, wann der Friede wiederhergestellt fci.

Selbstmord eines Geisteskranken.

Frankfurt a. M., 8. Mai. Der 35jährige Strecken­arbeiter August Steinbach, Schwälmerstraße 14, der morgen in die Irrenanstalt gebracht werden sollte, wurde hente früh mit durchschnittenem Halse in seiner Wohnung aufge= funden. Als die Rettungswache Hilfe bringen wollte, be­fam er einen Tobsuchtsanfall. Infolge des erlittenen Blut­verlustes ist Steinbach gestorben.

Zwei Briefträger vom Zuge überfahren. Triebes( Neuß 1. L.), 8 Mai. Sonnabend abend wurden auf der hiesigen Station zwei Briefträger von einem Zuge überfahren. Der Briefträger Elert war sofort tot, der Briefträger Köhler wurde schwer verletzt.

Große Textilarbeiteraussperrung in Westfalen. Münster( Westfalen), 8. Mai. Der Verband der Textil­industriellen des Münsterlandes hat am Sonnabend allen organisierten Arbeitern und Arbeiterinnen gefündigt. Es tommen 12 000 bis 15 000 Personen in Betracht. Schweres Unglück auf der Heimfahrt von einer Hochzeit.

Dresden, 8. Mai. Gestern morgen scheuten auf der Heimfahrt von einer Hochzeit die Pferde des Gutsbesitzers Naecke in Dippoldiswalde und gingen durch. Der Wagen wurde gegen einen Baum geschleudert und die mitfahrende Frau Kestner wurde getötet. Herr und Frau Naece er­litten Schädelbrüche und innere Verletzungen, während Kestner und ein Knecht mit leichten Verletzungen davon­kamen.

Zum Morde an der Frau des Schlächtermeisters Nicel in Berlin.

Berlin, 8. Mai. Heute morgen wurde der Schläch­tergeselle Försterling, der als Mittäter bei der Ermordung des Schlächtermeisters Nickel in Frage kommt, in seiner Wohnung in der Dragonerstraße verhaftet.

Bootsunfall auf der Spree.

Berlin, 8. Mai. Sonntag vormittag mieteten drei Per­sonen bei Nieder- Schöneweide ein Wasservelosiped zu einer Spazierfahrt; unterwegs nahmen sie noch drei Personen auf, so daß das Wasserrad überlastet war. Durch Dumm­heiten von zwei jungen Burschen schlug das Rad um, und alle stürzten ins Wasser. Mannschaften eines Ruderklubs retteten zwei junge Mädchen und zwei junge Männer. Die beiden Urheber des Unheils ertranken.

Sensationelle Meineidsaffäre.

Berlin, 8. Mai. Aus Deutsch- Ostafrika meldet ein heute eingelaufenes Telegramm, daß der Referent beim Gouvernement, Regierungsrat Freiherr v. Wächter, am Sonnabend wegen Meineides zu 16% Monaten Gefängnis verurteilt worden ist.

Ein Flug über den Sund.

Kopenhagen, 8. Mai. Der belgische Flieger Cozio über­flog gestern von Malmö aus den Sund in 45 Minuten und landete auf dem Kopenhagener Flugplatz. Er gewann damit 2000 kronen.

Schwerer Ballonunfall.

Zürich, 8. Mai. Ein Freiballon geriet gestern gegen die Hochspannung eines Fabrikbetriebes. Das Schleppsett verfing sich in den Leitungsdrähten. Sofort schoffen elef trische Strahlen aus der 45 000 Volt starken Leitung her­vor. In diesem Augenblick fiel ein Passagier aus dem Korb etwa 40 Meter teif hinab und wurde am linken Fuß schwer verletzt. Der Verunglückte soll ein deutscher Offizter sein, der in Konstanz mit dem Ballon aufgestiegn war.