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befehl wird aufgehoben. Der Angeklagte Knöfel wird fretgesprochen. Der Staatsanwalt fam auf Grund des Ergebniffes der Beweisaufnahme zu dem Resultat. daß von Ben 15 Fällen, die dem Reftor Bod zur Last gelegt wer ben, 10 fallen gelassen werden müßten. Bei dem Angeflagten Lehrer Anöfel hielt der Staatsanwalt von fünf Fällen nur einen für erwiesen und beantragte gegen Bod zwei Gahre Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust, gegen Knöfel ein Jahr Gefängnis. Das Gericht erkannte wie oben berichtet.
Vermischtes.
Bom täglichen Leben des Prinzregenten Luitpold ent wirft der Münchener Professor Graf Du Moulin- Eckart ein anzichendes Bild in einer Festschrift, die er zum 90. Geburtstage und zum 25. Regterungsjubiläur des greisen Fürsten erscheinen läßt. Im Gegensatz zu Ludwig II. hat Prinzregent Luitpold gern Offiziere und Beamte, Künstler Gern fährt und Gelehrte an seiner Tafel versammelt. der Regent in den stillen Morgenstunden nach dem englischen Garten, wo man ihn früher so oft zu Fuß und zu Roß mitten unter den Spaziergängern sehen konnte. Dann teigt er wohl aus dem Wagen und tritt ans fer, um bie Schwäne und Enten zu füttern. In dem schönen Nymphenburg, seinem Lieblingsaufenthalt, ist er bei den Schwänen nicht minder gut bekannt. Er hat im Kleinhesseloher See zahllose Enten verschiedener und seltener Art einseben lassen. Wenn er auf seinen Spaziergängen während des Sommeraufenthaltes im Gebirge weidenden Kühen begegnet, geht er auf sie zu und streichelt sie, läßt sich auch wohl von einer Schafherde umringen, der er dann Futter reicht. Alljährlich fährt er noch zur Winterszeit nach Berch= tesgaden, um den aus den verschneiten Waldbergen hervortretenden Rehen und Hirschen zuzuschauen, die zu ihren wohlvertrauten Futterstellen kommen. Mit Nymphenburg ist Name und Gestalt des Regenten innig verknüpft; in dem alten Park wandert er spazieren; an Sommerabenden nimmt er das Abendbrot auf der Terasse der Badenburg ein, in einem engen Kreise, zu dem Künstler und Professorent, bisweilen auch seine Minister, gehören. Diese Genoffen stiller Stunden sind auch seine Gefährten beim Bad, das der immer rüstige königliche Herr vom Frühling big in den Herbst hinein in Nymphenburg zu nehmen pflegt. Die von Jugend auf gehegte Freude an Leibesübungen, zumal am Schwimmen, hat er sich bis tus hohe Alter bewahrt. Wie ein Freund der Tiere ist er auch ein Freund der Blumen. Er freut sich an der blühenden Pracht setner Treibhäuser, und wenn der Schnee im Winter den Park bedeckt, dann wandelt er still und sinnend durch den Wintergarten, wo ihm die Blütenfülle der Orchideen, Kamelien und Azaleen einen ewigen Frühling entgengträgt.
Prinzregent Luitpold für den Jugendsport. Prinzregent Luitpold hat anläßlich seines 90. Geburtstages be= stimmt, daß an den Mittelschulen alljährlich zur Abhaltung eines Schulfestes im Sommerhalbjahr ein Tag vom Unterricht freigegeben werde. an dem der Erfog der körperlichen und Ausbildung durch öffentliche Turnvorführungen Turnwettspiele dargetan werden soll. Zugleich stiftete er für jeden Ort, an dem sich eine oder mehrere Mittelschulen befinden, eine Medaille, die für ein Jahr als Ehrenpreis derjenigen Anstalt oder Anstaltsklasse zufallen soll, die bei diesem Schulfest Siegerin in den turnertschen Vorführungen oder den Wettspielen geworden ist.
Großer Bernsteinfund an der Ostsee. Etwa eine Meile vom Ostseebade Kahlberg bei Elbing entfernt trat vor einigen Tagen dicht am Ufer eine große Menge Bernstein zutage, die die bisher gefundenen einzelnen Mengen bei wei tem übertraf. Mit Windesetlé verbreitete sich die Kunde hiervon im Orte, und jung und alt eilte mit Schaufeln, Haden, Spaten und Körben herbet, um sich an der Bergung des Schatzes zu beteiligen. Es begann ein emsiges Schöpfen, Graben und Sammeln. Leider nahm der Reichtum bald ein Ende. Auch weitere Grabungen in die See hinaus blieben erfolglos. Seit vielen Jahren ist an der Nehrungsfüste nicht ein so reicher Fund gemacht worden, der den armen Fischern von Herzen zu gönnen ist. Hat doch die Bernsteinfischerei an der früher so reich mit dem föst= lichen Harz gesegneten Küste ziemlich aufgehört, während vordem die Fischereibevölkerung im Winter durch Bernsteinfischen den Lebensunterhalt gewann. Der größte Fund in jüngerer Zeit geschah übrigens im Jahre 1862, in welchem in der Gegend von Palmnicken an einem Tage 40 Zentner Bernstein dem Meere abgewonnen wurden.
Ein schöner Wolkenkratzer. Selbst unter den Amerifanern ist in der letzten Zeit der Widerspruch gegen die Wolfenkrazerarchitektur rege geworden, die so oft das StraBenbild amerikanischer Städte entstellt. Daß aber diese Vertikalbaukunft mit Schönheit der Form und Eleganz der Linien harmonisch vereinigt werden kann, beweist der Jüngste Neuyorker Wolkenkrazer. Das mächtige Bauwerk wird von einer Kuppel bekrönt, die nicht weniger als 250 Meter über dem Straßenpflaster liegt. Damit rückt dieser Neuyorker Wolkenkraber in der Reihe der höchsten Bauwerke der Welt an die dritte Stelle. Die breit angelegte Basis enthält 28 Stockwerke, die durch zehn elektrische Aufzüge bedient werden; dazukommen aber auch noch fünf Kellergeschosse. Oben endet der Bau in einem stattlichen, allmählich sich verjüngenden turmartigen Aufbau, der für sich allein wiederum 25 Stockwerke aufweist, so daß dieser neue Wolfenkrazer zusammen 58 Stockwerke hat.
Gegen den Hntnadelkampf machen jetzt die Frauen Front. Eine Künstlerin schreibt:„ Wenn man Front macht gegen die Gefahr der Hutnadeln, was gewiß zum großen Teile gerechtfertigt ist, möchte ich nur erwähnen, daß es neben der„ stechenden" Frage auch eine„ brennende" gibt. Bekanntlich haben die Herren die Gewohnheit, auch auf der gedrängt vollen Plattform der Straßenbahnen zu rauchen. Dies könnte ebenfalls Unheil zur Folge haben, da dadurch die Damen leicht Branwunden im Gesicht und an der Hand erleiden, wie es schon vorgekommen ist. Auch die Kleider werden den Damen dadurch leicht versengt."
Die größte Herrlichkeit. Ein bitter- lustiges Wort aus Kindermund teilt die Berliner„ Nationalzeitung" in einem Schulgeschichtchen mit. Es spielt in der Volksschule bet flebenjährigen Großstadtkindern. Das Wort„ König" ist ge= fallen. Die ganze Märchenpracht des Königsschlosses tut fich vor den Kindern auf. Gold und Seide, Reichtum und Leckerbissen, Schloß und Dienerschaft, Krone und Zepter, Karossen und glitzernde Uniformen. Die Phantasie spielt; ein Kind sucht das andere zu überbteten im Ausdenken immer neuer Herrlichkeiten. Da es ist eine kleine Pause hebt noch ein blasses Knäbder Ermüdung eingetreten lein den Finger. Nun, was weißt du denn noch?" Bei Königs hat Jedes ein Bett!"
Eine Beinamputation auf dem Bahndamm. Wenige chirurgische Operationen sind wohl unter so erschwerenden Umständen ausgeführt worden wie die Amputation eines Beines, die kürzlich auf dem Bahnhof des englischen Städtchens Charlestown in Lancashire von einem Arzt an einem Verunglückten vorgenommen werden mußte. Ein Passagier des von Warrington kommenden Zuges war im Glauben, daß man schon halte, aus seinem Abteil gestiegen, und, zwifchen Trittbrett und Perron stürzend, geriet er unter die noch im Rollen befindlichen Räder. Der Zug wurde zwar lofort zum Halten gebracht, doch erwies es sich als unmögtch, den Unglücklichen aus seiner schrecklichen Lage zu befreten. Der herbeigeholte Arzt stellte fest, daß der Mann nur hervorgezogen werden könnte, wenn man ihm an Ort und Stelle ein Bein amputieren würde. Die Instrumente wurden schmell herbeigeschafft, und bei dem trüben Licht et= niger von Bahnschaffnern aebaltenen Stationslampen und
den von anderen Personen angezündeten Streichhölzern vollzog der Arat in unbequemster Position unter dem Trittbrett des Zuges fast auf der Erde liegend die schwierige Operation schnell und mit bestem Erfolg. Das bedauernswerte Opfer fonnte nicht einmal chloroformiert werden und befand sich während der ganzen Prozedur bei voller Befinnung. Der nach überstandener Operation von einer Lotomotive nach dem Krankenhaus von Warrington zurückgebrachte Patient hat die beste Aussicht, dem Leben erhalten zu bleiben.
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Um fünf Millionen betrogen. Bei einer gerichtlichen Verhandlung in Dublin stellte es sich heraus, daß ein alter Mann namens Edwin Cororan eine amerikanische Erbschaft von fünf Millionen Mark für 24 000 Mark an amerikanische Anwälte und andere gewissenlose Menschen, Die die sein Vertrauen mißbrauchten, übertragen hat. fünf Millionen waren Cororan von seinem Better Sullivan zugefallen. Cororan, der gar nicht begreifen konnte, daß es überhaupt so viel Geld auf der Welt gab, nur ein armer Sattelflider- wurde von seinem ameritanischen Anwalt fortwährend im Rausche gehalten, bis er alle Dokumente unterzeichnet hatte, durch die sich der amerikanische Betrüger und seine irischen Spießgesellen in den Besitz der Erbschaft sehen fonnten. Die 24 000 Mark, die man ihm dann auszahlte, hatte Cororan bald in den Schnapstneipen ausgegeben, und in den letzten drei Monaten lebte er in äußerster Dürftigkeit und mußte alle seine Durst Kleider und Habseligkeiten verpfänden, um nicht zu leiden. Das Gericht wird einen Suchwalter ernennen, um für den alten Mann zu retten, was noch von den MilItonen zu retten ist.
Ueber das furchtbare Brandunglüd in dem russischen Orte Bologoje wird noch gemeldet: Aus den rauchenden Trümmern des Kinematographentheaters sind bisher 85 verkohlte Leichen und 60 Schwerverwundete herausgezogen worden. Das Theater war, als das Unglüd ausbrach, überfüllt, da am Sonntag alle übrigen Vergnügungsstätten geschlossen waren und die Lichtbilder somit die einzige Berstreuung der Dorfbewohner bildeten. Vor der letzten Programmnummer teilte der Mechaniker des Theaters dem Publikum mit, es werde eine künstliche Explosion" stattfinden, die Zuschauer möchten daher nicht erschrecken. Als nun die wirkliche Explosion stattfand ein Benzinbecken hatte Feuer gefangen- blieb das Publikum ruhig sizzen und bemerkte die Gefahr erst, als es zu spät war. In panifartiger Flucht stürmten die Anwesenden dem einzigen Ausgange zu, der jedoch durch eine lange Holzbank versperrt war. Auch die Fenster waren verrammelt. Zwei Frauen wurden irrsinnig. Von den Schwerverlezten wird unzweifelhaft ein großer Teil ihren Wunden erliegen. Es fehlt auch an ausreichender ärztlicher Hilfe.
Die Flucht der Frau Kainz aus Berlin. Wie dem Morgen" aus Berlin gemeldet wird, ist Frau Grete Kainz, Sie Witwe des Hofschauspielers Josef Kainz, aus Berlin verschwunden. Es handelt sich hier um eine RiesengeldStrafe wegen Zollhinterziehung. Frau Kainz hatte nämlich die kostbare Sammlung thres verblichenen Gatten an der Grenze als Erbgut und Uebersiedlungsgut angemeldet. Die Waren hätten mit 5000 Mart 3oll belegt werden sollen. Frau Kainz hatte in Berlin feine ständige Wohnung aufgenommen, sondern die Sachen sofort in die Kunsthandlungen gegeben, wo sie bald zur Auktion gelangen. Die Zollbehörde, die davon erfuhr, daß die Wohnung zum Scheine nur angenommen war, legte Frau Kainz den fünfzehnfachen Betrag als Strafe auf, demnach rund 80 000 Mark. Daraufhin flüchtete Frau Kainz aus Berlin.
Jap, die Insel der Verbannten.
Die Insel Jap wurde zum Aufenthalt der wegen des Aufruhrs auf Ponape gefangen genommenen Dschokatschleute bestimmt, weil sie rein geographisch einen geradezu idealen Verbannungsort darstellt. Jap liegt nicht zentral, sondrn ist die westlichste Insel der eigentlichen Karolinen. Weiter draußen liegen nur noch einige kleine Inseln. Jap ragt nicht wie die meisten Glieder des langgestreckten Archipels eben über dem Wasser empor, sondern ist( ebenso wte Ponape) gebirgig. Vom höchsten Punkte, den 300 Meter hohen Berge Köbull, kann man die ganze Insel Jap bis zum letzten Fußbreit Boden rings überschauen, wie der Inspektor eines modernen Gefängnisses sein ganzes Bereich kontrolliert. Der Flächeninhalt Japs ist mit seinen 207 Quadratkilometern noch nicht so groß wie der des deutschen Bundesstaates Bremen. Ganz im Norden haben die Fluten zwei besondere Inseln vom Hauptkörper Japs abgetrennt, was strategisch" unter Umständen von großem Vorteil ist. Dem Bezirksamte in Jap find insgesamt 185 Inseln unterstellt, nämlich die Zentral- Karolinen, die Marianen mit der kaiserlichen Station Saipan( wo jetzt eine Seifenfabrik aus maschinell gepreßtem Kokosöl ein gutes Fabrikat erzeugt). Auf diesen 135 von Jap aus verwalteten Inseln wohnen zurzeit 19,118 Menschen, darunter 95 Deuts sche, 16 andere Weiße, 81 Japaner, 115 Chinesen, 18,806 Farbige. Dazu kommen also jetzt noch die unbotmäßigen Dschofatschgesellen.
Das Klima der Insel Jap ist keineswegs angenehm, der Gesundheitszustand immer noch nicht befriedigend. Schwere Epidemien von Erkältungskrankheiten treten auf und raffen die alten Leute schnell hinweg. Die Tuberkulose ist leider stark im Vorrüden begriffen. Die Nuhr herrscht endemisch im Lande. Die Eingeborenen schieben alle Schuld auf die hellen Rassen, die die Infektonsfeime gebracht hätten. Richtiger dürfte wohl sein, daß der Schmutz und die Indolenz der Schwarzen die Hauptschuld an der Verbreitung der Krankheiten tragen. Allerdings ist der Eingeborene gegen vieles, wogegen der Weiße immun ist, nicht widerstandsfähig. Trotz des tropischen Klimas fröstelt der Japmann sofort, wenn Wolfen vor die Sonne treten. Er flappert mit den Zähnen, wenn die ersten Regentropfen seine Haut berühren. Er stürzt sich dann am liebsten in die stets warme See und wartet mit kaum aus dem Wasser herausragendem Kopfe, bis der Regenschauer vorbei ist. Die Feuchtigkeit auf Jap ist allerdings so groß, daß Eisen in wenigen Tagen verrostet, Vernickelungen in wenigen Wochen vollkommen abblättern. Geringe Erdbeben kommen auf der Insel Jap häufig vor.
Der Schrecken der Insel sind die Taifune. Die Palmen leiden seit Jahren an der Schildlaus, und alle Mittel, die Krankheit zu beseitigen, haben bis jetzt versagt. Die Handelsfirmen in Jap wandten sich infolge des Rüdgangs der Kopraausfuhr mehr der Gewinnung und Ausfuhr von Perlschalen zu. Mit den Eingeborenen gibt sich die Verwaltung die größte Mühe. Für eine intensive Bodenkultur sind sie aber leider nicht zu haben. Die Erfolge der deutschen Regierungsschulen sind gut. Der Regierungslehrer von Saipan z. B unterrichtet, unterstützt von vier eingeborenen Hilfslehrern, 324 Schüler in 4 Klassen. 13. Schulpflichtig sind alle Kinder bis zum vollendeten Jahre. Allmählich werden drei begabte Eingeborene auf die Werft nach Tsingtau geschickt, um dort in selbstgewählten Handwerken ausgebildet zu werden. Einen Teil der Kosten trägt die Spar- und Leihkasse der Eingeborenen. Jap ist mit den übrigen Inseln durch eine Dampferlinie verbunden. Außerdem laufen alle vier Wochen zweimal
die Dampfer der Auftral- Japantinte des Norddeutschen Lloyd an. Die verbannten Dschofatschleute befinden sich also fünftig unter schärfster Aufsicht inmitten„ hellster Deffentlichkeit".
Drabinachrichten und neuestes.
Prinz Adalbert.
Niel, 8. März. Das Befinden des Prinzen Adal bert, der, wie gemeldet, an einer leichten Blinddarmentzündung erkrankt ist, war gestern zufriedenstellend. Die Kaiserin ist gestern abend 10 Uhr von Potsdam nach Kiel abgereist, um sich an das Krankenbett thres Sohnes zu begeben..
Die Stichwahl in Immenstadt. Immenstadt, 8. März. Bei der gestrigen Reichstagsstichwahl wurden für Dr. Thoma( lib.) 14 286 Stimmen abgegeben, für den Zentrumskandidaten 12 774 Stimmen. Dr. Thoma ist somit gewählt. Antiflerikale Kundgebungen in Portugal. Lissabon, 8. März. Bei der gestrigen Ankunft des Bischofs von Oporto, der sich hier vor dem Justizminister verantworten soll, fanden Kundgebungen gegen den Bischof statt.
Eine Erklärung Delcassés.
Paris, 8. März. In der gestrigen Nachmittagsfizung der Kammer sagte Delcassé: Die Reformen, die ich als Präsident der Marinekommission verlangt habe, werde ich als Minister energisch durchführen. Ich werde die Arbeitsmöglichkeit im Arsenal verbessern und von der Privatindustrie immer günstigere Bedingungen zu erlangen suchen. Weiter will ich durch Verkauf vor wertlos gewordenen Einheiten die Mittel gewinnen, um für unsere nationale Verteidigung zur See entsprechend vorzusorgen. Ich werde trachten, unsere Flotte durch zweckbewußten theoretischen und praktischen Unterricht und fleißige Uebungen so schlagfertig zu machen, daß sie auf den ersten telegraphischen Ruf aur Aktion bereit ist.
Der Berliner Messerstecher entdeckt.
Berlin, 8. März. Jener Unhold, der vor zwei Jahren in den Monaten Februar und März 1909 in Berlin und einzelnen Vororten etwa 30 Messerattentate auf Frauen und Mädchen verübt hat und trotz der größten Anstrengungen und Vorsichtsmaßregeln nicht ergriffen werden fonnte, ist ermittelt. Es ist, wie schon kurz angedeutet, der 28 Jahre alte Maler Richard Bennewitz, der im Herbst vergangenen Jahres wegen einiger ähnlicher Messerstechereien festgenommen worden ist und seitdem in Untersuchungshaft sitzt. Durch zehn Zeugen ist Bennewitz als jener Mann festgestellt worden, der vor zwei Jahren die Messerattentate verübt hat. Der Beweis ist so lückenlos, daß Bennewitz, der alles in Abrede stellt, als überführt gelten darf.
Selbstmord eines Crefelder Husaren.
Crefeld, 8. März. Der Selbstmord eines Crefelder Husaren namens Spohr zeitigt am Niederrhein allerhand sen= sationelle Gerüchte. Spohr, der über Zapfenstreich ausgeblieben war, weshalb die ganze Stube feinen Urlaub erhielt, soll von seinen Stubengenossen zu Tode mißhandelt worden sein. Nach den Erkundigungen an zuständiger Stelle soll die Untersuchung ergeben haben, daß Spohr bei der Rückkehr in die Kaserne von Kameraden bedroht worden ist. Jedenfalls flüchtete er vor seinen Gegnern und wurde darauf im Eskadronstalle, in den er durch eine Lufe eingedrungen war, erhängt aufgefunden. Spuren von Mißhandlungen waren jedoch an seinem Körper nicht zu entdecken. Sieben seiner Stubengenossen sollen in Untersuchungshaft genommen worden sein.
Vom Thüringer Ueberlandflug.
Erfurt, 8. März. Der Aviatiker Thelen, der gestern abend 27 11hr bei Frienstedt eine Notlandung vornahm, weil der Motor eine Schraube verloren hatte, konnte gestern nicht mehr aufsteigen. Er übernachtete in Frienstedt und setzte hente früh 8,30 Uhr die Fahrt nach Gotha fort. Thelen war auf freiem Felde bet Frienstedt gelandet, von wo heute morgen auch der Aufstieg erfolgte. Im 8.50 Uhr landete Thelen glatt vor der Luftschiffhalle in Gotha.
Ermordung eines französischen Majors in Marokko?
O Paris, 8. März. Aus spanischer Quelle liegt hier die Nachricht vor, daß der französische Major Mangin vom Sohne des marokkanischen Kriegsministers ermordet worden set. Als Motiv wird angegeben, daß Mangin beim Sultan das Versprechen der Europäisierung der Garnison von Fez durch neue französische Instruktionsoffiziere er= reicht hätte.
Im Eisenbahntunuel überfahren.
Paris, 8. März. Im Tunnel von Vincennes wurden mehrere Streckenarbeiter von zwei in entgegengesetter Richtung daherkommenden Zügen überfahren. Zwei Arbeiter wurden getötet und sieben schwer verletzt.
Amerika und die merikanischen Unruhen. Nenyork, 8. März. Der Kriegssekretär ordnete die Mobilisierung und Konzentrierung von 6000 Mann in der Nähe der merikanischen Grenze an. 14 000 weitere folger binnen fünf Tagen. Einer amtlichen Darstellung zufolge gelten die Truppenbewegungen an der merikanischen Grenze Manöverzwecken. Indessen werden allenthalben Kriegsschiffe feefertig gemacht zur sofortigen Abfahrt in den Golf von Merifo. Es verlautet, der merikanische Präsident Diaz fuche Hilfe, namentlich auch wegen der gemeldeten neuen Indianerwirren, die nur dadurch möglich wurden, daß der Bezirk Yucatan ziemlich von Truppen entblößt ist. Die Zahl der Aufständischen in Chihuahua, dem merikanischen Grenzorte, beträgt 8500. Dort bestehe eine derartige Strömung zu Gunsten der Revolutionäre, daß tatsächlich nur bas Beamtentum sowie einige Großindustrielle noch zuverlässige Anhänger Diaz' seien.
Handel und Verkebr.
Caffel, 7. März. Schlachtviehpreise: 1. Rinder. A. Ochsen: a) vollfleischige angemästete, höchsten Schlachtwertes, die noch nicht gezogen haben( ungejocht) Schlachtgewicht 84 M, b) vollfleischige ausgemästete im Alter von 4 bis 7 Jahren 80-81 M, c) junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 73-74 M, d) mäßig genährte jüngere, gut ge= nährte ältere--M. B. Bullen: a) vollfleischige ausge= wachsene höchsten Schlachtwerts 78-80 M, b) vollfleischige junge 75-76 M, c) mäßig genährte jüngere, gut genährte ältere 72-78 M. C. Färsen und Kühe: a) vollfleischige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes 80-82 M, b) vollfleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren 74-76 M, c) ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen 68-70 M, d) mäßig genährte Kühe und Färsen 64-66 M, e) gering genährte Kühe und Färsen 55-60 M. 2. Kälber: a) Doppellender, feinster Mast M, b) feinste Mastkälber- M. c) mittlere Mast- und beste Saugfälber 54-58 M, d) geringere Mast- und gute Saugkälber 50-52 M, e) geringere Saugfälber 45-48 M. 3. Schafe. Stallmastschafe:( Schlachtgewicht) a) Mastlämmer und jüngere Masthammel mit Wolle 78-80 M, desgleichen ohne Wolle 75 M, 6) ältere Masthammel, geringere Mastlämmer und gut genährte junge Schafe M. 4. Schweine.( Schlachtgewicht) a) Fettschweine über 150 Klgr. M, 6) vollfleischige von 120-150 Igr. 59-61 M, c) vollfleischige von 100-120 Igr. 57-58 M, b) volifletfchige von 80-100 gr. 57-58 M, e) vollfleischige unter 80 gr. 54 M, f) unreine Sauen und geschnittene Eber 50 bia 54 4


