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Gießener Zeitung
( Neueste Nachrichten)
Bezugspreis 50 pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen
vierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mr. Erscheint
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jeden Werktag früh.- Die„ Humoristischen Blätter" liegen wöchentlich einmal gratis bei. Redaktion: Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Herausgeber: Albin Klein& Otto Fischer.
Nr. 7.
Telephon: Nr. 362.
der Großherzoglichen Bürgermeisterei sowie vieler anderer
des Großherzoglichen Polizei Amfes
Behörden Oberhessens
Expedition: Seltersweg 83.
( Haus Brüder Schmidt.)
Montag den 9. Januar 1911
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Die Arbeitskämpfe des letzten Jabres. In einem Rückblicke auf das Jahr 1910 legt Dr. Tänzler im„ Arbeitgeber", Mitteilungen der Hauptstelle Deutscher Arbeitgeberverbände, der mit dem 1. Januar in das dritte Jahr seines Bestehens eintrat, dar, daß das Jahr ein Kampf- und Lernjahr für die Arbeitgeberverbände gewesen sei.
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Als Kampfjahr kennzeichnet sich das vergangene Jahr schon dadurch, das in den ersten Dreiviertel Jahren fast die vierfache Zahl der Arbeiter in Arbeitskämpfe widelt war gegenüber der gleichen Zeit des Jahres 1909, mehr aber noch durch die große grundsätzliche Bedeut ung, welche die großen Arbeitskämpfe des vergangenen Jahres für alle Teile gehabt haben. Aus diesen Kämpfen haben die Arbeitgeber und Arbeitgeberverbände zahlreiche Lehren zu ziehen und werden gegenüber dem erfolgreichen Vordringen der Gewerkschaften noch mehr darauf bedacht sein müssen, ihre Organisationen straffer und geschlossener zusammenzufassen, und die Verbände nicht nur nach der Breite, sondern durch sorgsame Kleinarbeit auch nach der Tiefe auszubauen.
Daneben ist eine umfassende Aufklärungsarbeit zu leisten. Von der Arbeiterseite, so bemerkt Dr. Tänzler, wird die Deffentlichkeit mit Nachrichten geradezu über= schwemmt, von Arbeitgeberseite wird wenig dem gegenübergestellt; das ist nicht so wunderlich, wenn man erfährt, daß auf 50 geistige Arbeitskräfte, die sich schließlich der Verteidigung der Arbeiterbewegung widmen, noch nicht eine volle geistige Arbeitskraft kommt, die die Interessen der Arbeitgeber wahrnimmt.
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Ein besonders unerfreuliches Moment bei den Arbeitskämpfen des vergangenen Jahres war das Anwachsen der Streikexzesse und des Streifterrorismus. Mit den Wahlrechts demonstrationen und-spaziergängen fing die Eroberung der Straße an, bis sie in Moabit und auf dem Wedding ihren blutigen Höhepunkt erreichte. Mit Bedrohung der Nichtorganisierten begannen zahlreiche Streifs, um mit schweren Kämpfen gegen Arbeitswillige und Polizei zu enden. Die Exzesse in Charlottenburg, Köln, Remscheid, Hamburg, Bremen 2c. stehen nach Tänzler mit blutiger Schrift auf dem Schuldkonto der Sozialdemokratie und ihrer Gewerkschaften.
Solchen Exzessen und der neuerdings immer mehr beliebten Sabotage muß, so schließt er, mit den schärfsten Mitteln entgegengetreten werden.
Es bedarf wohl nicht der nochmaligen Betonung, daß diese ganzen Darlegungen lediglich aus dem Gesichts punkt der Gruppe der Arbeit geber heraus gegeben worden sind. Als solche verdienen sie gleichwohl ein allgemeines Interesse, weil sie die Reibungsflächen mit der weit größeren Gruppe der Arbeit nehmer um so kla= rer erkennen lassen und einige Winke geben, nach welcher Richtung sich der soziale Kampf im Jahre 1911 weiter entwickeln wird.
Aus der Heimat.
Gießen, den 8. Januar.
Die Bevölkerung Hessens zählt nach einer vorläufigen Zusammenstellung der Großh. Zentralstelle für die Landesstatistik nach der letzten Volkszählung 1 282 109 Personen gegen 1 209 175 im Dezember 1905. Die Zunahme beträgt also nur 72 934 oder 5,7 Prozent.
Der Oberh. Geschichtsverein hält am Donnerstag abend im Cafe Ebel hier einen Vortragsabend ab. Prof. Dr. Anthes- Darmstadt wird einen Vor
halten.
Der hess. Landeslehrerverein hält am 21. Januar in Frankfurt eine Obmännerversamm lung ab, welche sich mit sehr wichtigen Standesfragen
beschäftigen wird, so z. B. mit den Besoldungsverhältnissen der Lehrer, der Witwen- und Waisenversorgung, Haftpflichtschutz und Lehrerwohnungsfrage.
Warnung vor Schwindelkassen. Vor der„ Deutschen Krankenunterstützungskasse( einge= schriebene Hilfskasse) zu Werne" und der„ Rheinisch= Märkischen Krankenunterstützungskasse( eingeschr. Hilfs fasse) zu Bochum wird von den maßgebenden Behörden dringend gewarnt. Da diese Kassen auch in unserem Bezirk Mitglieder suchen, heißt es auch hier dring= end aufgepaßt! Die Verwaltungskosten dieser Kassen sind so hoch, daß für andere Ausgaben kein Geld übrig bleibt.
* Das Verbot der Abhaltung von Vie h- märkten zieht immer weitere Kreise. Nachdem in der Rheinpfalz, in Rheinhessen und anderwärts alle Vieh- und Schweinemärkte verboten worden sind, wurde durch landespolizeiliche Verfügung nun auch für den Hunsrück und umliegende Gebiete ein solches Verbot er
lassen. Die Abhaltung von Vieh- und Schweinemärkten den, Sobernheim, Meisenheim und Kirn wurde, da die zu Kastellaun, Simmern, Kirchberg, Kreuznach, GemünAusbreitung der Maul- und Klauenseuche auch für diese Gebiete zu befürchten ist, bis auf weiteres untersagt.
Darmstadt. Die Bürgermeisterwahl in Großzimmern wurde durch den Provinzialausschuß der Provinz Starkenburg für ungültig erklärt.
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gutes Obbornhofen, das dem Verkauf ausgesetzt wer= Hungen. Hier wird der Erwerb des Hofden soll, durch die Gemeinde erwogen. Das Gut bildet fast ein Drittel der Gesamtfläche des bewirtschafteten Bodens der Gemeinde Hungen.
* Grünberg. Die Verpachtung der hiesigen Feldund Waldjagd findet am 8. Februar statt.
Büdingen( Oberhessen). Bekanntlich wurde seinerzeit durch eine Kommission für die hilfsbedürftigen Kassenmitglieder der in Konkurs befindlichen Vorschußund Kreditkasse von Obermockstadt eine Geldsammlung cingeleitet, die zirka 34 000 Mark ergab. Dieser Kommission sind nunmehr gegen 100 Gesuche um Beihilfen von solchen Kassenmitgliedern zugegangen, deren Befriedigung einen Betrag von etwa 75 000 Mt. erfor
dern würde.
( Gießener Tageblatt)
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Telephon: Nr. 362.
23. Jahrg.
Nationaldenkmal zu prüfen hat, im Düsseldorfer Kunstpalast seine Arbeit. Am 15. Februar werden die Modelle zum ersten Male öffentlich ausgestellt werden und zwar im Kunstpalast zu Düsseldorf. Mit der Eröffnung dieser Ausstellung soll eine Gedenkfeier für den großen Kanzler verbunden werden.
Sobernheim( Nahe). Beim Rasieren entwendete bei einem Friseur hier ein Lehrling einem Herrn eine Vorstecknadel im Werte von 150 Mt., als er dem Herrn die Serviette abnahm. Erst später wurde ermittelt, daß der Lehrling den Diebstahl begangen hatte. Er wurde verhaftet.
Aus dem Gerichtssaal.
Strafkammer.
Gießen, 6. Januar 1911. Der in Breitenbach, Kreis Biedenkopf, geborene Kaufmann Leopold Sonneborn, welcher in Gießen ein Manufakturwarengeschäft betrieb, hatte keine ordnungsmäßige Buchführung, weshalb gegen ihn Anklage wegen Konkursvergehens erhoben wurde, pachdem das Konfursverfahren über sein Vermögen eröffnet worden war. Da dem Angeklagten keine betrügerische Absicht zur Last gelegt ist, er vielmehr der Ansicht war, die Buchführung sei ausreichend, kam er mit einer Geldstrafe von 20 Mark durch.
Die Ehefrau des früheren Dozenten an der Gewerbeakademie zu Friedberg, Dr. Henze, ist zur Last gelegt, in einem Friedberger Geschäft ein Stück Seide und eine Einsatzgarnitur entwendet zu haben. Das Schöffengericht gelangte zum Freispruch, da nicht ausgeschlossen erschien, daß ein Irrtum oder Schabernack irgend einer Person vorlag. Die Staatsanwaltschaft legte Berufung ein, diese war aber ohne Erfolg, denn das Urteil fand seine Bestätigung.
Voriges Jahr fuhr der Kaufmann Jos. Eugen Pfaff aus Cöln zu Nieder- Eschbach mit einem Automobil an der Schule vor, wo sich der frühere von ihm erzogene Neffe befand, der ihm kurz zuvor weggenommen worden war. Er gab dem Lehrer an, er wolle dem Jungen„ Adieu" sagen, weshalb man ihn hinausließ. Pfaff nahm den Jungen trok Sträubens in sein Automobil und fuhr davon; der Junge entlief ihm aber in Wiesbaden. Die gegen Pfaff erhobene Anklage wegen Kindesentführung fonnte nicht aufrecht erhalten werden, da nicht feststand, daß der Angeklagte den Jungen gegen den Willen seiner Mutter mitnahm. Es erging deshalb Freisprechung.
* Marburg. Oberbürgermeister a. D. Schüler wurde anläßlich seines 75. Geburtstages zum Ehrenfritz, der bereits vielfach bestraft ist, ist Diebstahl von bürger Marburgs ernannt.
Frankfurt a. M. Der Bund der Landwirte hält am 14. Januar hier im Börsensaal eine Protestversammlung„ gegen die Fleischnothetze" ab. U. a. werden Dekonomierat Lucke- Frankfurt und der pfälzische Landtagsabgeordnete Gebhardt- Lauterecken Ansprachen halten. In der Generalversammlung des Fortschrittlichen Volksvereins wurde auf Antrag des Vorstandes der bisherige Abgeordnete Rudolf Deser wieder als Kandidat aufgestellt.
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** Frankfurt a. M. Für das 28. Bundesfest des Deutschen Radfahrerbundes, das vom 5. bis 9. August 1911 hier stattfindet, sind die vorbereitenden Ausschüsse gebildet.
Hochheim. An dem Bahndamm der Taunusbahn, oberhalb Hochheim, werden gegenwärtig sämtliche Bäume und Gesträuche gefällt und niedergelegt, um mit der Vertilgung der überhand genommenen Kaninchen, welche den ganzen Damm unterwühlt haben, besser beikommen zu können.
* Worms. Das Vermögen der Stadt Worms betrug am 1. Oktober 1910 48 406 959 Mt., während die Ver= Schulden 25 771 683 Mt. betragen, so daß ein mögensüberschuß von 22 635 275 Mark erscheint.
Herdorf. Der Bergmann Martin Nassauer, der in der Neujahrsnacht 2 Bergleute erstach, wurde hier ermittelt und in das Amtsgericht nach Daaden überführt.
* Allendorf( Werra). Der Arbeiter Karl Füllgraf von hier verunglückte dadurch, baß ihm beim Steinebrechen ein eisener Keil mit großer Gewalt an den Kopf flog und ihm schwere Verletzungen im Gesicht beibrachte.
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Bingen. Das 9. Mittelrheinische Sängerbundesfest wird in den ersten drei Tagen des Juli hier abgehalten.
* Das Bismard National- Denkmal bei Bingerbrück. Am 23. d. Mts. beginnt das Preisgericht, das die Entwürfe für das neue deutsche
Dem Taglöhner Joh. Wilh. Kehm aus Sterb Kleidungsstücken, eines Pferdezaumes und einer Peitsche zu Nieder- Rosbach und Bieber b. Offenbach zur Last gelegt. Er bestreitet die Diebstähle, doch bestand an seiner Schuld kein Zweifel. Er wurde zu 1 Jahr 6 Monaten Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust verurteilt. Ein Monat Untersuchungshaft wird ihm angerechnet.
Gestorben:
Katharina Bonarius geb. Launspach, Witwe, GieBen- Frankfurt a. M.- Beerdigung 9. Jan., 2 Uhr. Katharine Wilhelmine Pfeil geb. Sax, Witwe, 80 J. alt, Gießen. Gustav Ehmke, Heuchelheim. 4 Uhr nachmittags.
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Beerdigung 9. Jan.,
Holzverkäufe und Versteigerungen. Fürstl. Oberförsterei Lich: Montag, 16. Januar, von vorm. 9½ Uhr an im Distrikt Riedwald. Zusammenkunft auf der sog. alten Laubacher Straße im Riedwald. Dienstag, 17. Jan., von vorm. 9½ Uhr an in den Distrikten Kolnhauserkopf, Fuchsstrauch und Höler. Zusammenkunft auf der Straße von Kolnhausen nach dem Höler beim Kolnhauserkopf. Kgl. Oberförsterei Krofdorf: Dienstag, 17. Jan., vorm. 10 Uhr, im Freundschen Saale in Krofdorf aus Schutzbezirk Waldhaus. Gemeinde Wi mar: Montag, 16. Jan., von 9½ Uhr ab bei Wirt Wolf aus Distr. Reizensteinerwald, Distr. 126 Kennelsheck und Distr. 14a und b. Kennelsheck.
Gemeinde Oberwe 3: Fichten- Nuzholzverkauf im Submissionswege. Die Gebote sind schriftlich bis zum 12. Jan., nachm. 1 Uhr, einzureichen.
Bürgermeisterei Wetzlar: Mittwoch, 11. Jan., nachmittags 2 Uhr, in der Gastwirtschaft von Fritz Henopp zu Garbenheim.


