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Gießener Zeitung

( Neueste Nachrichten)

Bezugspreis 40 pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen

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oierteljährlich 1,20 Mr., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 90 Pfg. Erscheint Dienstags, Donnerstags, Samstags. Redaktion: Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.

Nr. 181.

Telephon: Nr. 362.

Die marokko- Verbandlungen. Augenblidlich macht durch die deutschen Blätter wie­der eine Mitteilung der englischen und französischen Presse die Runde, wonach der Inhalt der grund­sätzlichen Einigung sich dahin zusammenfassen läßt, daß Deutschland und Frankreich, soweit es über­haupt noch möglich ist, zu dem deutsch- französischen Ab­fommen von 1909 zurückkehren, und daß Deutschland für die durch Frankreich herbeigeführte Unmöglichkeit, das Abkommen in vollem Umfange wieder herzustellen, eine Gebietsentschädigung außerhalb Marokkos erhält. Frank­reich bekommt in Marolto politisch freie Hand; Deutsch­land bekommt ein Stück von Französisch- Kongo und ohne Anschluß an den belgischen Kongostaat; daneben behält Deutschland die wirtschaftliche Gleichberechtigung in Marokko gemäß dem Abkommen von 1909, und es sollen Garantien geschaffen werden für die wirtschaftliche Freiheit und Parität.

Herzerhebend ist diese Mitteilung nicht. Das Stück Tropenland hinter Kamerun wollen wir nicht gerade ein Dankesgeschenk nennen; aber es sieht doch einem Rumpelkammergeschent etwas ähnlich. Wert­voll wären die Garantien für die Freiheit und die Gleichberechtigung des deutschen Handels und Unter nehmungsgeistes in Marokko, wenn es nur wirksame Garantien wären. Aber das ist ja gerade das heillos schwierige Problem, den Schikanen der französischen Machthaber und ihre marokkanischen Kreaturen gegen deutsche Waren und deutsche Unternehmungen einen Rie­gel vorzuschieben. Wenn Herr v. Kiderlen- Wächter und die beteiligten Reichsressorts diese Frage in praktisch und dauernd befriedigter Weise löst, so wollen wir den Scharfsinn hoch preisen. Aber erst schön nachprüfen! Bis dahin werden wir den Zweifel nicht los, ob sich ein wirtschaftliches Verhältnis zwischen Kaze und Hund in Marokko schaffen läßt.

So lange wir uns mit diesen Aussichten" begnü­gen müssen, bleibt natürlich die Stimmung matt und das geduldige Abwarten" ungemütlich. Die Regierung darf sich nicht verhehlen, daß die Enttäuschung über einen mageren Vergleich um so größer sein wird, je länger die Geduldsprobe dauert und je mehr Aergernisse die ausländischen und inländischen Eiferer und Hetzer noch anzustiften vermögen. Darum ist in der Tat die Bitte berechtigt: Nun laßt genug sein des langwierigen Spie­les, bringt die Verhandlungen zum schnellen Ab­sch I u ß, mag es biegen oder brechen! Sonst bringen uns die Begleiterscheinungen der andauernden Unsicher= heit mehr Schaden, als durch die voraussichtlichen Kom­pensationen ausgeglichen werden kann.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 8. August 1911.

Der Hassia bezirk Gießen hielt am ver­gangenen Sonntag im Lenz'schen Felsenkeller seinen Bezirkstag ab, der stark besucht war. Neu aufgenommen wurde der Verein der 116er in Gießen. Nach dem Be­richt des Bezirksvorstehers wurde einstimmig beschlossen, dem verunglückten Kamerad Hamann in Biebesheim eine größere Summe aus den Bezirksbeiträgen zu spenden. Dazu wurde noch eine Sammlung veranstaltet, sodaß 135 Mark zusammengebracht wurden. Der Antrag des Vereins Klein- Linden, die Bezirksvereine möchten tun­lichst die Kriegsveteranen durch Erlassung der Vereins­beiträge und Errichtung von Ehrentafeln ehren, wurde dem Verein empfohlen. Das Bezirksfest für 1912 er­hielt Allendorf a. d. L.

* Der Land- Kalender für das Groß­herzogtum Hessen", Ausgabe 1912, ist soeben im Gr. Staatsverlag zu Darmstadt erschienen und durch die in allen Städten und Gemeinden des Großherzog tums befindlichen Verkaufsstellen zum Preise von 25 Pfennig zu beziehen. Dieser Land- Kalender" ist einer der ältesten, wenn nicht überhaupt der älteste aller in Deutschland erscheinenden Kalender, denn er steht jetzt im 202. Jahrgang. Außer dem amtlichen Kalendarium für 1912 und dem amtlichen Verzeichnis aller im Jahre der 1912 stattfindenden Messen und Märkte bringt Land- Kalender" noch zahlreiche jedermann nützliche Mit­teilungen, Ratschläge und Tabellen, sowie erstklassige Originalaufsätze unterhaltenden und belehrenden In­halts. Als Kunstbeilagen erscheinen diesmal ein bisher noch ganz unbekanntes, reizendes Gruppenbild Die Großherzoglichen Herrschaften und ihre hohen Anver­

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der Großherzoglichen des Großherzoglichen Bürgermeisterei Polizei- Amtes sowie vieler anderer Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83.

( Haus Brüder Schmidt.)

Dienstag, den 8. August 1911.

und ferner ein großes doppelseitiges Kunstblatt Rhein­Ansicht von Mainz". Eine Higperiode von so langer Dauer wie die jetzige, die am 18. Juli eingesetzt hat, ist noch selten verzeichnet worden. Seit diesem Datum waren sämtliche Tage sogenannte Sommertage, d. h. die Temperatur erreichte mindestens 25 Grad Celsius im Schatten. Ferner lieferte der 21. Juli bis 3. August einschließlich eine ununterbrochene Reihe von sogenann­ten Hitz oder Gluttagen, d. h. solchen, an denen ein Stand von 30 Grad erreicht wurde. Am 6. August wurde der 32. Sommertag gezählt, so daß zur Erreich­ung des langjährigen Durchschnitts von 43 jetzt noc 11 fehlen. Wie außerordentlich kühl die Sommer des Jahrzehnts 1901-1910 meist waren, geht aus der Tatsache hervor, daß nur 1904 und 1905 die Zahl der Sommertage den Durchschnitt überstieg, während der bezw. 22 betrug. Ausfall in den fühlen Jahren 1907-1910 12, 10, 23

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Mit eigener Lebensgefahr rettete der Geschäftsdiener Arthur Pitz am Samstag vormittag den 10jährigen Karl Wagner im städtischen Freibade an der Lahn vom Tode des Ertrinkens.

Alkoholfreier Wein beim Abend= mahl. In Hessen ist kürzlich zum ersten Mal mit ausdrücklicher Genehmigung des Großherzoglichen Ober­konsistoriums bei einer Abendmahlsfeier alkoholfreier Wein verwendet worden. Es geschah dies bei einem Abendmahlsgottesdienst in Haus Burgwald bei Nie­derramstadt, der hessischen Heilstätte für männliche Alto­holkranke.

-t Bettenhausen, 8. Aug. Die Maul- und Klauenseuche breitet sich hier immer mehr aus. Bis heute sind zirka 30 Gehöfte verseucht; vier Tiere sind an einem Tage gefallen.

-g= Buzbach, 6. Aug. Einem Hizschlag erlag ein Infanterist des Regiments 168.

-u- Friedberg, 8. Aug. Gegenüber den immer wieder auftauchenden Gerüchten von einem bevorstehen­den Kuraufenthalt des russischen Kaiserpaares in Fried­berg und Bad- Nauheim wird nach Informationen des Frankfurter Polizeipräsidiums mit aller Bestimmtheit versichert, daß diese Gerüchte jeder Grundlage entbehren, und daß der Besuch in Friedberg und in Bad- Nauheim für dieses Jahr aufgegeben ist.

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Alsfeld, 8. Aug. Das seltsame Schauspiel einer Zebrajagd hatten verflossene Woche die Bewohner unserer Stadt und Umgebung. Das Zebra des Blu­menfeld'schen Zirkus ging beim Verladen durch. Es entstand eine mehrstündige Jagd. Das flinke Tier konnte sich wiederholt seinen Verfolgern, die zu Pferde waren, entziehen. Mit Lassos wurde es schließlich eingefangen. in - Lauterbach, 8. Aug. Ein Einwohner Lanzenhain hatte in seinem Stall einen Stier, der eines Tages nicht mehr fressen wollte. Ein Nachbar gab seiner Ansicht dahin Ausdruck, daß der Stier jedenfalls in etwa 3 bis 4 Wochen schon wieder seine gewöhn= lichen Tagesrationen vertilgen würde, er habe einen gleichen Fall schon früher beobachtet. Nach 3 Wochen zeigte das Tier wieder verstärkten Appetit. Bei dem Besitzer begann sich aber schwarzer Argwohn gegen den Nachbar zu regen. Er glaubte nämlich, der letztere könne hexen", denn wie könnte dieser sonst die Dauer des Krankseins des Stieres vorhersagen? Er häufte eine Flut von Schmähungen auf das Haupt des ahn­ungslosen Nachbarn und beschuldigte ihn offen der Hererei. Und das Ende der verherten Geschichte ist bit­tere Feindschaft an Stelle des früheren freund nachbar­lichen Verkehrs.

-0- Schotten, 8. Aug. Während des abgelaufe­nen Ferienmonats Juli war das nahe gelegene Lehrer­heim Vogelsberg nicht nur vollständig besetzt, sondern es konnten sogar eine ganze Reihe von Anmeldungen keine Berücksichtigung finden. Von den Erholungssuchenden weilte eine ganze Anzahl zum wiederholten Male auf dem Heim, ein Beweis, daß der Aufenthalt allen be­rechtigten Anforderungen entspricht, die an einen Luft­furort gestellt werden.

-d- Nidda, 8. Aug. Während der Fahrt nach Gießen erlitt der Zugführer Schneider einen Hizschlag, sodaß er vollständig gelähmt wurde und die Sprache verlor.

( Gießener Tageblatt)

Anzeigenpreis 15 Pfg.

die 44 mm breite Inseratenzeile.- Stellens gesuche und Familienanzeigen 10 Pfg. Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 fg. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs. zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.

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Telephon: Nr. 362.

23. Jahrg.

| chlag betroffen, an dessen Folgen er bald darauf starb. Darmstadt, 8. Aug. Wegen Unregelmäßig­feiten in seiner Kasse und sonstiger Unordnung in sei­nen Verhältnissen hat sich Freitag nachmittag der in das Kasino des Feld- Art.- Regts. Nr. 25 abkomman­dierte Vizewachtmeister Bade von der 2. Batterie frag­lichen Regiments einen Schuß in den Unterleib beige­bracht. An seinem Aufkommen wird gezweifelt.

Bingen, 8. Aug. Bei dem niedrigen Wasser­stande des Rheines sind Schiffsunfälle im Ge­birge und im Rheingau an der Tagesordnung. Zwi­schen Bingen und Mainz ragen die Sandbänke aus dem Wasser hervor, oder sie sind dicht unter dem Was­serspiegel bemerkbar.

-)(- Rodheim a. d. Bieber, 8. Aug. Am Sams= tag rannte oberhalb der Amtmannsmühle", wo Straße und Biebertal eine scharfe Kurve schneiden, der auf dem Gießener Braunsteinbergwerk beschäftigte Bergmann M. aus Frankenbach mit seinem Fahrrad so unglücklich mit dem Bähnchen zusammen, daß er in die Klinik gebracht werden mußte.

== Dornholzhausen, 8. Aug. An Mil 3- branderkrankung starb in der Klinik zu Gießen der 50 Jahre alte Wasenmeister A. Viehmann. Eine Kuh war an Milzbrand verendet. Beim Deffnen der Ruh verletzte sich der kräftige Mann leicht und alsbald zeigten sich Spuren des Milzbrandes. Die ebenfalls in­fizierte Tochter konnte gerettet werden.

== Dillenburg, 8. Aug. Dem von hier ge= schiedenen Landrat Oberregierungsrat v. Wussow ha ben die Kreisvertretung und die Bürgermeister des Krei­ses zur Erinnerung an seine verdienstvolle Tätigkeit im einer Dillkreise ein Geschenk zugedacht, bestehend in silbernen Relief- Tafel. Auf derselben befindet sich eine Ansicht des Kreishauses, ferner sind darauf verzeichnet die Namen der Kreisdeputierten, der Mitglieder des Kreis- Ausschusses, des Kreistages und sämtlicher Bür­germeister des Kreises.

Marburg, 8. Aug. Das hiesige Jägerbatatl­Ion wird sich vom 7. bis 21. September an den Ma­növern des 11. Armeekorps beteiligen, die auch dies= mal wieder in Thüringen stattfinden.

* Marburg, 8. Aug. In dem Konkursverfah­ren über das Vermögen des Konsumvereins für Marburg und Umgegend, e. G. m. b. H., zu Mar­burg hat der Verwalter zur Deckung des in seiner Bi­lanz berechneten Fehlbetrags von 19 827,92 Mark eine Vorschußberechnung aufgestellt, nach der die von ihm namhaft gemachten 612 Genossen je 30 Mt. vorschießen sollen. Jetzt ist an sie die Aufforderung ergangen, diese Summe bis zum 15. August an den Konkursverwalter einzusenden. Von den Mitgliedern sind auch viele zu­gleich Gläubiger, weshalb sie doppelten Schaden haben. Ob die namhaft gemachten 612 Genossen alle bezahlen, ist kaum anzunehmen, da viele von ihnen unpfändbar sind oder gar nicht mehr hier wohnen.

Geschäftliches.

Die Automobile der Adlerwerte vormals Heinrich Kleyer A.-G., Frankfurt a. Main, konnten bei den jüngsten automobilistischen Veranstal­tungen wieder glänzende Erfolge verzeichnen. Auf der Wertungsfahrt des Anhaltischen Automobilklubs errang ein Adlerwagen den ersten Preis und Ehren­preis der Stadt Schmiedeberg. Auf der Sternfahrt des Märkischen Automobilklubs fiel in der Klasse bis 5 PS. der erste Preis und die Pla= fette des Deutschen Rad- und Kraftfah­rerbundes ebenfalls einem Adler zu; dieser kleine mit 4 Personen besetzte 5-11 PS.- Wagen fuhr mit einem Durchschnittstempo von 46 Kilometer. Auf der Sternfahrt des Anhaltischen Automobilklubs erhielt ein Adlerwagen den Ehrenpreis des Märkischen Automobil- klubs, und auf der großen zwei­tägigen Gesellschaftsfahrt des Kartells Bayerischer Au­tomobil- Klubs Nürnberg- Koburg- Regensburg wur­den von 15 beteiligten Adlerwagen 13 Preisträger. Außer diesen die Schnelligkeit und 3uverlässigkeit der Adlerautomobile beweisenden Erfol­gen fand die Anerkennung ihrer außerordentlich ge= fälligen Form mehrfachen Ausdruck. Auf der von dem Märkischen Automobilklub veranstalteten Schön­

*) Nidda, 8. Aug. Der Lokomotivfüörer Karl Hilgärtner wurde auf sein Nachsuchen wegen geschwäch- heitskonkurrenz wurden zwei Adlerwagen ausgezeichnet, ter Gesundheit in den Ruhestand versetzt.

Stodheim, 8. Aug. In Rohrbach wurde

und auf der Sächs. Kraftsternfahrt" trug ein Adlerwa­gen den Schönheitspreis des R.-Kl. Anna­

wandten auf Schloß Wolfsgarten im Sommer 1910", der Landwirt Sauer auf dem Felde von einem Hizburg von 1900" davon.