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8.4.1911 Erstes Blatt
 
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Vermischtes.

Die Kälte in Deutschland. In Deutschland sind so falte Tage in der ersten Aprilwoche seit länger als sechzig Jah­ren nicht vorgekommen. Die verbreiteten Schneefälle, die fich nicht nur über Deutschland, sondern auch auf das Al­pengebiet, Desterreich- Ungarn und Oberitalien erstreden, find nur eine Folge der falten Luftzufuhr aus dem nord­westeuropäischen Maximum, das jetzt im Luftaustausch mit einem Minimum über Jtalien steht, wogegen das vor­her über Westrußland befindliche Tief sich weiter entfernt hat. In Greifswald liegt eine 8 Zentimeter hohe Schnee­dede, ebenso in Lübed und Umgebung. Der in Thüringen Stellenweise sehr scharfe Frost hat in der Erfurter Gegend schwere Schäden an den Obst- und Blumengärtnereien an­gerichtet. Sogar im Rheinland wurde an exponiert lie­genden Orten eine Kälte von 8 Grad gemessen. Der Ge­samtschaden an den schon weit entwickelten Kulturen dürfte namentlich in West- und Süddeutschland außerordentlich groß sein, zumal die scharfen Nachtfröste sich mehrfach wie­derholt haben, und die Wiedererwärmung länger auf sich warten läßt, als es zuerst den Anschein hatte. Befürch tungen für die bevorstehende warme Jahreszeit braucht man aber wegen dieses Kälterüdfalles nicht zu hegen.

Drei Todesstürze werden heute wieder aus Berlin ge­meldet. In der Böchstraße war der Fahrstuhl betriebs­unfähig geworden, weshalb ein Monteur bestellt wurde, der die Ausbesserung ausführen sollte. Die Firma schickte den Monteur Franke. Als dieser mit der Arbeit kaum be­gonnen hatte, tat er einen Fehltritt und stürzte in den Fahrstuhlschacht hinab. Man rief die Feuerwehr, die den Verunglückten nur noch als Leiche bergen konnte.

Auf

zurückliegt, eines der führenden auf dem Bremer und so­mit dem fontinentalen Baumwollmarkt war. Als eine bescheidene Genugtuung empfindet man es in all der Mi­sere, die durch den nun eröffneten Konkurs über eine Reihe angesehener Familien hereingebrochen ist, daß der Zusam menbruch nicht von der Firma an sich, sondern einzig und allein von deren jüngerem Teilhaber Adolf Christian Plate verschuldet worden ist, einem jungen Manne von etwa 30 Jahren, dessen kostspielige Lebemannsbedürfnisse ihn mit seinem reichlichen Einkommen aus seiner faufmännischen Tätigkeit nicht auskommen ließen, bis er zu dem verzwei­felten Mittel der Spekulation in Goldminen- Shares griff, zu deren Deckung er in gewissenlosester Weise den Kredit der Firma in Anspruch nahm. Die Frau Plates ist die Tochter des verstorbenen früheren Eisenbahnministers v. Thielen. Allgemein ist das Bedauern mit dem greisen 65 Jahre alten Seniorchef der Firma Emil Plate, einem Manne, der durch eisernen Fleiß seine Firma zu ihrer Be­deutung emporgebracht hat. Erst am Sonnabend wurde dem Vater ein Wechsel über mehrere hunderttausend Mark präsentiert, der die Unterschrift des Sohnes trug. Es stellte sich heraus, daß er seinen Vater hintergangen hatte. Der Vater lehnte es ab, die finanzielle Hilfe seiner Ver­wandten und Freunde, die für ihn einspringen wollten, in Anspruch zu nehmen.

Idyllische Preßverhältnisse herrschen auf der schönen Insel Tahiti im Stillen Ozean. Auf der ganzen Insel gibt es nur eine einzige Zeitung, La France Australe". Das Blatt trägt an der Spitze folgende beruhigende Worte: Erscheint nur, wenn das Bedürfnis sich fühlbar macht." Der Kraftfaffee. Frau Müller: Ihre Tassen haben ja alle Sprünge, Frau Käsebier?" Frau Käsebier: Das kommt von dem starken Kaffee bet uns."

Viel verlangt. Bauer( an der Theaterkasse): I möcht' a anders." Kassierer:" Sie wollen ein anderes Billet?" Bauer: Na, a anders Stück, well i dos schon gesehen hab'."

einem Neubau in der Badenfchen Straße in Wilmersdorf Ein neues Mittel gegen Schwindsucht. fiel ein Malergehilfe aus der Höhe des vierten Stodmerts herab und starb auf der Stelle. Endlich stürzte auf dem alten Johannisfriedhof in der Seestraße beim Bau eines Erbbegräbnisses von dem vier Meter hohen Gerüst ein Steinmetz und fiel so unglücklich mit dem Kopf auf einen Marmorblock, daß der Tod sofort eintrat.

Ein Doppelselbstmord im Luftballon. Ein seltsamer Anblick bot sich vor wenigen Tagen den Einwohnern des Dorfes Beuron in der Nähe der Bretagne dar. Ein Luft­ballon senkte sich nämlich in der Gegend zur Erde, aus dessen Gondel ein anscheinend lebloser Frauenkörper her­aushing. Obwohl der Ballon schon ziemlich tief gesanken war und fortwährend die Baumkronen streifte, fiel es den herbeigeeilten Bauern schwer, ihn festzuhalten, da er vom Winde hin- und hergerissen wurde. Endlich, als sich die Gondel in einem Aste verfing, konnte der Ballon zur Erde gezogen werden. Man entdeckte neben der Frau, am Bo­den des Korbes liegend, einen jungen Mann, der auch kein Lebenszeichen mehr von sich gab. Es ergab sich, daß beide durch Revolverschüsse ihrem jungen Leben ein Ende ge­macht hatten. Papiere, die man bei ihnen vorfand, gaben über die Persönlichkeiten nähere Auskunft. Es stellte sich heraus, daß der junge Mann der Sohn des bekannten Luft­Schiffers Baron Flenry aus Amiens war. Die Veranlas sung zu dem Selbstmord war feineswegs eine ungewöhn­Itche. Der junge Baron hatte sich in ein junges Bürger­mädchen verliebt, und gedachte sie auch zu heiraten. Da er aber noch nicht großjährig war, bedurfte er hierzu der Einwilligung seines Vaters, die ihm verweigert wurde. Das junge Paar beschloß also, in den Tod zu gehen und mit der solchen jungen Leuten eigenen Ueberspanntheit wählten sie den höchst ungewöhnlichen Tatort im Luft­ballon.

Eine neue Zeitungsfusion in Berlin ist jetzt vollzogen worden. Die ,, Deutsche Warte" ist bereits seit dem 1. Ja­nuar d. J. mit den Berliner Neuesten Nachrichten" und der Deutschen Zeitung" verschmolzen und wahrte ihre Selbständitgeit nur dadurch, daß das Hauptblatt seine eigene Redaktion hatte. Jetzt ist auch dieses dahin, nur der Titel ist geblieben. Seit einigen Tagen ist nun ein vierter in den Bund getreten. Es sind dies die, Deut­schen Nachrichten", die bekanntlich die Vertretung der Interessen der Beamtenschaft auf ihre Fahne geschrieben hatten. Alle vier Zeitungen haben jetzt zum Teil einen gemeinsamen Inhalt.

Ueber den Attentäter in der Peterskirche, der auf Priester mehrere Schüsse abgegeben hatte, werden aus Triest, der Heimat des Täters, folgende Einzelheiten be­fannt. Desanti, so ist sein Name, war seit frühester Ju­gend sehr schlecht beleumundet. Er lebte mit einem Onkel zusammen, der ihn bewegen wollte, seine Nichte zu hei­raten und ihm versprach, ihn zum Erben einzusetzen. De­santi hatte damals bereits ein Verhältnis mit einem an­deren Mädchen, und da seine Verwandten noch rüstig waren, und er nicht Aussicht hatte, bald in den Besitz der Erbschaft zu gelangen, beschloß er, sie zu töten. Eines Tages er war damals 24 Jahre alt durchschnitt er seiner Tante die Kehle. Die Frau war sofert tot. Dann versetzte er dem Onkel 27 Messerstiche und ergriff die Flucht. Erst nach drei Tagen wurde der Onkel noch lebend aufge­funden. Er sagte aus, daß sein Neffe der Mörder gewesen [ ei; er verzeihe ihm zwar, aber er setze doch einen anderen Neffen zum Erben ein. Der Mörder konnte nicht verhaf­tet werden, trotzdem mehr als fünfzig Gendarmen wäh= rend der ganzen drei Monate aufgeboten waren. Endlich Lonnte man seiner habhaft werden. Er wurde zum Tode verurteilt und zu zwanzig Jahren Zuchthaus begnadigt. Nach Verbüßung der Strafe kehrte er in sein Haus zurück, das bald darauf niederbrannte. Es wurde Brandstiftung angenommen. Als Brandstifter galt Desanti. Mit dem Versicherungsgelde reiste er nach Amerika, seitdem wurde er nicht mehr gesehen, bis es zu dem Zwischenfall in der Peterskirche tam.

Das Recht des Vaters. In der Schule zu Dingsda war der Lehrer eben damit beschäftigt, einem Jungen ein ge­höriges Trattement aufzuzählen, als gerade der Kreis­Schulinspektor eintrat. Wissen Sie denn nicht," herrschte der Gestrenge den Lehrer an, daß derartige harte Züch­tigungen wider die Instruktion verstoßen?"" Instruktion hin, Instruktion her," entgegnete der Lehrer, die bösen Raders müssen ihre Schläge haben. Sie haben leicht reden," fuhr der Schulinspektor fort ,,, was soll ich aber an­fangen, wenn mir die Mutter des Jungen gelaufen kommt, um sich zu beschweren?" Einfach' rausschmeißen, Herr Schulinspektor." ,, Und wenn der Vater kommt und sich beschwert?" Ach, der Vater kommt nicht; denn der Va­terder bin ich!"

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Zum Zusammenbruch der Baumwollgroßhandlung Plate in Bremen wird noch gemeldet, daß die Paffiven rund Millionen Mark betragen. Es handelt sich um ein Haus, bas in seiner eigentlichen Blütezeit, die auch schon Jahre

1339 Schwindfüchtige in 8 Monaten geheilt. Der weltbekannte Pariser Bakteriologe und Arzt, Prof. Dr. Doyen, hat, wie der Jnf." von maßgebender Seite mitgeteilt wird, ein neues Mittel gegen Lungen­schwindsucht gefunden, das er erst jetzt nach dem Ab­schluß einer großen Zahl von Versuchender Oeffentlich­feit bekannt gibt, zumal damit ungeahnte Heiler­folge erzielt worden sind. Die Inf." ist in der Lage, zum ersten Mal weitere Einzelheiten über diese aussehen­erregende Erfindung, die bei dem stetigen Anwachsen der Opfer der Lungenschwindsucht von allergrößter Bedeutung werden dürfte, mitzuteilen:

neuen

Die Versuche, die Professor Dr. Doyen mit seinem neuen Mittel gegen Lungenschwindsucht, das er Myco­Iysine" nennt, machte, wurden von ihm am 17. Juli 1910 begonnen. Bisher sind in setnem Krankeninstitut insgesamt 2080 Lungenschwindsüchtige mit dem Mittel völlig unentgeltlich behandelt worden, um die Wirkungen des Heilmittels auf den Verlauf der Krankheit studieren zu können. Von den 2080 Patienten sind 87%, die sich in dem dritten Stadium der Krankheit befanden, also 1339 Krante völlig geheilt worden. Das Mittel hat sich demgemäß auch bei schweren Fällen bewährt, zumal die typischen Krankheitserscheinungen der Lungenschwind­sucht bei diesen Patienten völlig geschwunden sind. 741 Pa­tienten, bei denen eine Heilung bisher noch nicht völlig erzielt wurde, haben aber eine bedeutende Besserung ihres Allgemeinbefindens aufzuweisen. Nachdem

Professor

Donen diese Erfolge seines Heilmittels unzweifelhaft fest­gestellt hat und erkannte, daß kein einziger der mit Myco­Infine behandelten Lungenschwindsüchtigen ohne bedeuten­de Besserung seines Krankheitszustandes die Anstalt ver­ließ, tritt er jetzt zum ersten Mal damit vor das Forum der Oeffentlichkeit. Ueber Art und Zusammensetzung des Heilmittels verlautet bisher noch nichts. Es ist anzuneh­men, daß sich in ärzlichen Kreisen Bedenken und Zweifel an der Wirksamkeit des Heilmittels geltend machen wer­den. Man wird darum fordern müssen, daß auch möglichst bald andere Krankeninstitute in die Lage gesetzt werden, Versuche mit dem Mittel zu machen, um schon im Interesse der ungeheuren Anzahl von Lungenschwindsüchtigen ein objektives Urteil darüber erhalten zu können. Man wird sich noch der großen Enttäuschung erinnern, die das Heil­mittel des Professors Koch erregte, da es vorzeitig, bevor noch alle Einzelheiten der Anwendung feststanden, den Aerzten übergeben wurde, dann nicht ganz vorschrifts­mäßig gebraucht wurde und wenig Nuzen stiftete. Man muß darum jetzt schon fordern, daß das Mittel sofort vie­len Krantenanstalten zur Prüfung zugänglich gemacht und nicht eher der Allgemeinheit zum Gebrauch übergeben wird, als bis unzweifelhaft die Behandlungsart, die Dosis usw. feststehen. Professor Doyen errichtet jezt in Paris 2 Krankeninstitute mit 800 Betten, in denen er weitere Ver­suche und Studien mit dem Mycolysine anstellen will.

Drabinachrichten und Deuestes.

Die Trinksprüche in Rom.

Rom, 7. April. Bei der gestrigen Galatafel zu Ehren des deutschen Kronprinzenpaares hielt der König einen Trinkspruch, in dem er sagte: Der sehr angenehme Besuch ist eine Rundgebung und Unterpfand der intimen Freund­schaft Italiens und Deutschlands. Nach den großen, unter sich eng verknüpften Ereignissen, aus denen die Einheit Italtens und diejenige Deutschlands hervorgegangen sind, hat sich eine internationale Lage ergeben, die durch wirk­fame Mitarbeit des Dreibundes Europa eine lange Periode des Friedens gesichert hat und noch sichert. Der Kron­prinz erwiderte, indem er u.a. sagte: Nach der Begegnung in Mailand im Jahre 1875 hatte mein Urgroßvater, Kaiser Wilhelm I. dem unvergeßlichen König Viktor Emanuel II. folgendes Telegramm gesandt: Unsere Begegnung war ein Ereignis von historischer Bedeutung. Denn wir beide sind von Gott an die Spize zweier Nationen gestellt worden, die nach langen Kämpfen ihre Einigung errungen haben. Wir und unsere Söhne müssen immer Freunde bleiben." Das prophetische Kaiserwort hat sich verwirklicht und die Freundschaft zwischen den beiden Herrscherhäusern und Desterreich- Ungarn hat die Gestalt eines Bündnisses ange­nommen, das länger als 30 Jahre zur Aufrechterhaltung des Friedens beigetragen hat. Seit zehn Jahrhundertent verbunden durch die Zivilisation und Geschichte, haben Deutschland und Italien fast zu derselben Zeit zur politi­schen und nationalen Einheit, nach der sie so lange schmach­teten, gelangen können."

Die Reichstagswahlen für den Herbst anberaumt? Berlin, 7. April. Wie bestimmt verlautet, hat der zu­ständige Bundesratsausschaß einstimmig sich für die Ande­raumung der Reichstagswahlen schon im Oktober ausge= sprochen. Damit würde die Herbstsession des Reichstags hin­fällig sein und eine ganze Reihe von Vorlagen nicht mehr erledigt werden können.

Berlin, 7. April. Die Meldung hiesiger Blätter über den Termin der Reichstagswahlen wird in politischen Kreisen als unzutreffend bezeichnet.

Der Aufstand im Yemen beendet. Ronstantinopel, 7. April. Der kommandierende e neral im Yemen, Jazet, meldet dem Kriegsministerium, daß gestern die aufständischen Bedninen von den türkischen Trup pen geschlagen wurden und diese in Sanaa eingezogen sind. Die Aufständischen wurden unter dem Verlust von mehreren hundert Toten und Verwundeten in die Flucht geschlagen. Saloniki, 7. April. Nach heftigem Kampf wurde der aufrührerische Stamm der Malissoren von der Grenze ver­trieben und nach Montenegro gedrängt. Alle weiteren An­griffe auf die türkischen Wachhäuser wurden zurückgeschla­gen. Diese wurden mit stärkeren Abteilungen besetzt.

Frankfurt a. M., 7. April. Der Frff. 3tg." wird aus Konstantinopel gemeldet: Die Großmächte erteilten der Pforte Kenntnis von einer in Cetinje erfolgten Note. Diese fordert von Montenegro die Bewahrung der strikten Neu­tralität; andernfalls würde Montenegro verantwortlich ges macht werden. Die Großmächte fordern Montenegro auf, sich aller materiellen und sonstigen Beihilfe an die flüchtl­gen Albanesen zu enthalten. Sie verlangen auch, daß das Königreich der Schwarzen Berge den Uebertritt der Alba­nesen verhindert, wozu es nach Ansicht der Großmächte voll­kommen in der Lage ist.

Bersicherungsbetrug.

Berlin, 7. April. Ein junger Kaufmann, der Sohn eines angesehenen Berliner Geschäftsmannes, ist verhaftet worden, weil er im Verdacht steht, aus Leichtsinn sein Auto­mobil in Brand gesteckt zu haben, um so in den Besitz der hohen Versicherungsfumme au gelangen. Der Beihilfe zu diesem Betrug wird der Chauffeur beschuldigt, der im Sep­tember vorigen Jahres ein Privatautomobil vorsätzlich in Brand steckte, um die Versicherungssumme zu erlangen.

Kunde vom vermißten Bürgermeister Troemel. Swinemünde, 7. April. Der vermißte Bürgermei fter Troemel aus Usedom hat aus Paris an den Beigeord­neten Mann ein Schreiben gerichtet, in dem er mitteilt, daß er auf ihm unerklärliche Weise dazu gekommen sei, in die weite Welt zu reisen. Er bat, ihm bei der Regierung einen Urlaub zu bewirken und entschuldigt sein Fortgehen mit großer Nervosität, hervorgerufen durch Ueberarbeitung. Selbstmord eines jugendlichen Liebespaares. München, 7. April. Im Hotel Tubinger Hof in Starnberg hat der 18 Jahre alte Kaufmann Paul Engel­hardt aus Ludwigshafen seine gleichaltrige Geliebte Marie Huber in Kopf und Brust geschossen und dann sich selbst einen Brustschuß beigebracht. Beide lebten bei ihrer Auf­findung noch, starben aber kurz nach einander im Kranken­Hause.

Das Luftschiff Deutschland auf der Fahrt nach Stuttgart. Friedrichshafen, 7. April. Das Luftschiff Ersatz Deutschland" ist unter Führung des Grafen Zeppelin heute vormittag 8,20 Uhr zur Fahrt nach Stuttgart aufgestiegen. Explosion in einer Salpetersäurefabrik. Brüssel, 7. April. In einer Salpetersäurefabrik zu Vilvorde erfolgte eine Explosion, bei der zwei Personen getötet und fünf schwer verletzt wurden.

Auschlag auf ein Goldbergwerf.

Budapest, 7. April. In dem fiskalischen Goldbergwerk bei Nagylanya erschtenen gestern nachmittag, als nicht mehr gearbeitet wurde und nur einige Wächter anwesend waren, fünf fremde Männer. Die Räuber schleuderten kleine Dy­namitbomben gegen die Wächter und trieben sie in die Flucht. Die Bomben explodierten kurz hintereinander, trafen jedoch keinen der Wächter, die sich in einem Seiten gang in Sicherheit brachten. Ein Räuber hielt mit der Bombe in der Hand Wache vor dem Stollen. Inzwischen fonnten seine vier Spießgesellen große Goldvorräte fort­schaffen. Auf die Anzeige der Wächter wurde festgestellt, daß sich die Räuber an einem Strid in einen außer Betrieb gefeßten Schacht hinabgelassen hatten, wo sich der Goldvor­rat befand. Dabei mußten sie mehrere Türen sprengen. Im ganzen sind den Räubern Golderze im Werte von 100 000 Kronen in die Hände gefallen. Es wird angenommen, daß ein entlassener Arbeiter Führer der Bande war.

Zugzusammenstoß Spanien.

Madrid, 7. April. Ein von San Sebastian kom­mender Zug ist in der Nähe von Olozaguita mit einem Son­derzug zusammengestoßen, der portugiesische Touristen nach Frankreich brachte. Die Zahl der Verletzten ist unbekannt. Die Verbindungen sind durch Schneestürme unterbrochen. Folgenschwerer Hanseinsturz.

Granada, 7. April. Wie aus Laja gemeldet wird, ist ein von zwei Zigeunerfamilien bewohntes Haus einge­stürzt, wobei neun Personen unter den Trümmern be­graben wurden.

Berliner Getreide und Schlachtviehmarktbericht

Im Getreidehandel hat sich am Berliner Markte wäh rend der am 5. April beendeten Berichtswoche eine wesent­liche Aenderung vollzogen. Die Neigung zu Preisab­schwächungen ist einer entschiedenen Befestigung gewichen. Weizen war fast bis zum letzten Tage auf ziemlich dringen des Angebot aus Argentinien, Indien und Südrußland nachgebend, folgte aber am lebten Tage dem Beispiele des Roggens und schloß sehr fest. Den Anstoß gab in erster Li nie das wieder sehr winterlich gewordene Wetter, das die Ernteaussichten nicht mehr in so rosigem Lichte erscheinen läßt wie bisher. Auf Roggen wirfte außer dem Wetter­umschlag namentlich der überraschend ungünstige Saaten­standsbericht der Preisberichtsstelle des Landwirtschaftsrats vom 1. April preissteigernd ein. Einen weiteren Anstoß für die Aufwärtbewegung mag auch die Erkenntnis ge= geben haben, daß unsere heimischen Roggenvorräte ange­sichts der letztjährigen etwas fleinen Ernte und der erheb­lichen Ausfuhr kaum noch reichliche sein werden. Hafer war gleichfalls fest bei reger Nachfrage für den Konsum und wegen der anscheinend nur schwachen Vorräte der Verbrau­cher und der Händler. Gerste ist schächer geworden infolge großer Zufuhren vom Auslande. Am letzten Tage der Ve­richtswoche stellten sich die Preise für Lieferung im Mai wie folgt: Weizen 201,25 M, Roggen 155,50 M, Hafer 156,50 M, Mais 181,25 M.

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Preise des städtischen Schlachtvichmarktes. 1. Ochsen: a) vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwertes, unge­jocht 78 bis 84 M, 6) junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 71 bis 80 M, c) mäßig genährte junge und gut genährte ältere 66 bis 72 M, d) gering genährte ieden Alters- bis- M. 2. Bullen: a) vollfleischige, höchsten Schlachtwertes 72 bis 77 M, b) vollfleischige jüngere 70 bis 76 M, c) mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere 62 bis 72 M, d) gering genährte bis M. 3. Järsen und Kühe: a) vollfleischige. ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes bts M, b) vollfleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes, höchstens 7 Jahre alt 63 bis 70 M, c) ältere ansgemästete und weniger gut entwickelte jüngere Kühe 58-64 M, d) mäßig genährte Kühe und Fär fen 51-58 M, e) gering genährte Kühe und Färsen bis 57 Mart, f) gering genährtes Jungvieh( Fresser) 56-74 M. 4. Kälber: a) Doppellender feinster Mast 104-133 M, 6) feinste Mastfälber 100-108 A, c) mittlere Mast- und beste Saugfälber 92-100 M, 5) geringe Saugfälber 73-85 M. 5. Schafe: a) Mastlämmer und jüngere Masthammel 74 bis 80 M, 6) ältere Masthammel, geringere Mastlämmer und gute genährte jüngere Schafe 68-72 M, c) mäßig genährte Hammel und Schafe( Märzfchase) 60-68 M. 6. Schweine: a) Fettschweine über 3 Zentner Lebendgewicht 57 M, 6) voll­fleischige der feineren Rassen und deren Kreuzungen über Zentner Lebendgewicht 56-57 M, c) vollfleischige der feineren Rassen und deren Kreuzungen bis 3entner Lebendgewicht 56-57 M, 5) fleischige Schweine 55-57 M, e) gerina entwickelte Schweine 53-56 M, Sauen 50-52 M.