Ausgabe 
8.4.1911 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Der französische Kriegsminister über den

Ursprung des Krieges von 1870.

Am 2. d. M. Hat in Paris eine Gambetta- Feier statt­gefunden, bei der neben anderen Rednern der Kriegsmi­iftster Berteaux die Verdienste des großen französischen Volksmannes um die Reorganisation der Wehrkraft Frank­reichs schilderte. Nach dem Bericht des Temps" hat Kriegs­minister Berteaur in seiner Rede u. a. folgendes gesagt:

Im Morgenrot seines politischen Lebens nährte Gam­betta, wie viele edle Männer, den Traum einer allgemei= nen Brüderlichkeit Indessen, eine Unruhe suchte ihn heim. Das Kaiserreich, dem Staatsstreich entsprossen, er­schien ihm geneigt, in auswärtigen Ablenkungen das Mittel zu suchen, das im Innern eine täglich schwan= kendere, unsichere Macht befestigen sollte. Er täuschte sich nicht; das Verhängnis wollte bald, daß schmerz­liche Stunden für unser Land schlugen."

Der Ursprung des Krieges von 1870 wird hier rund und nett der französischen Seite zugeschrieben, näm lich der Absicht Napoleons, seinen wankenden Thron durch einen kriegerischen Erfolg zu stützen. Diese Auffassung ist nicht neu; Beachtung aber verdient die Tatsache, daß sie vom Kriegsminister Berteaux vorbehaltlos geteilt wird, also von einem französischen Staatsmanne, de man nicht Unrecht tut, wenn man eine starke chauvinis Aber sein eigen nennt. In Deutschland sollten, so schr der Hann. Cour.", die sozialdemokratisch- welfischen Historiker", die

-

nach Art des verstorbenen Liebknecht in der Fäl­schung der Emser Depesche" durch Bismard den Ursprung des Krieges erblicken, den Standpunkt Gambettas und des Kriegsministers Berteaur zur Berichtigung ihrer Ansicht benutzen.

Die Borkumer Spione auf der Festung.

Die beiden englischen Spione, Trench und Brandon, die im Dezember vorigen Jahres in Leipzig verurteilt wurden, haben, wie gemeldet, aus Glatz und Wesel, wo sie gefangen Friedensmann Briefe sitzen, an einen englischen geschrieben, aus denen hervorgeht, daß sie mit ihrer Behand= lung auf den deutschen Festungen zufrieden sind. Da sie auf einer deutschen Festung interniert sind, und zum Glück nicht in ein englisches Konzentrationslager, südafrikanischen An­gedenkens geraten sind, ist das eigentlich selbstverständlich. Wie gut es die beiden Herren aber haben, die Deutschland durch ihre Spionage in die schwerste Gefahr gebracht haben, zeigt der Brief des Kapitäns Trench aus Glaß, in dem es heißt:

Man gestattet mir täglich Stunden, in denen ich mit den Zivilbeamten verkehren kann. Mit Ausnahme die­ser Stunden bin ich an mein Zimmer gebunden. Meinen Spaziergang mache ich im Schloßhof. Seit des Kaisers Ge­burtstag ist die hierfür bestimmte Zet auf zwei Stunden ausgedehnt worden, und man erlaubt mir, bis zu den Festungswällen zu spazieren, von wo ich eine Aussicht auf die Stadt und ihre wunderbare Umgebung habe. Ich ver­köstige mich selbst. Mein Diner erhalte ich aus einem be= nachbarten Hotel. Alle anderen Speisen bereite ich mir selbst. Mein Zimmer ist gut geheizt; da es für eine Person eingerichtet ist, werde ich es wohl immer für mich allein be­halten können.

Und Herr Brandon, schreibt aus Wesel:

Es wird sogar erlaubt, daß man sein Zimmer elegant einrichtet. Ich habe das meine sehr komfortabel und wohn­lich ausgestattet mit Photographien und anderen Bildern, Tischdecken, Teppichen, Vorhängen und dergleichen. In die­sem Sanatorium, wie wir die Festung getauft haben, kommt man mit allerhand Patienten" zusammen, und der gesell­schaftliche Verkehr, dessen man sich erfreut, wird immer mal wieder aufgefrischt.

Die Herren haben also über nichts zu klagen, hoffentlich reizt aber diese gemütliche Gefangenschaft feinen englischen Offizier an, in die Fußstapfen der beiden Herren zu treten. Abschreckend können diese Briefe ut mine Festungstid" je= denfalls nicht wirken.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Zur Geschichte der Reichsfinanzreform wird dem Münchener Vertreter der Tägl. Rdsch." von bestunterrich­teter diplomatischer Seite eine interessante Reminiszenz mitgeteilt. Danach hatte Fürst Bülow die Absicht, dem Blockreichstag als erste Aufgabe die Reichsfinanzreform zu übergeben, ließ sich aber schließlich doch überreden, es nicht zu tun, da diese Probe denn doch zu gewagt sei. Die Finanzreform wurde dann verschoben mit der Begrün­dung, daß sie noch nicht fertiggestellt sei, in Wirklichkeit aber befand sie sich schon fertig wohlverwahrt in den Schub­fächern. Als dann die Finanzreform zustande kam, der Block zertrümmert wurde und Fürst Bülow gehen mußte, bedauerte er, an seiner ersten Idee nicht festgehalten zu haben.

Keine Kandidatur des Grafen Posadowsty. Aus Chemnitz war die Meldung verbreitet worden, daß Graf

10)

Des Nätsels Lösung.

Roman von Ludwig Blümce. ( Nachdruck verboten.)

Und dann erzählte er ihr von des Generals großer Sorge. Daß der alte Herr sich wirklich noch auf sein Auge verlassen konnte, wurde dem Rentmeister sehr bald zur traurigen Gewißheit. Ganz mechanisch ilang alles, was er da sagte von Selbstverleugnung, von edlem Entsagen, von jugendlichen Dummheiten und Schwärmereien, von Verstoßung und einem großen Unglück, das über das Schloß kommen würde. So, nun hatte er seine Pflicht getan. Eindruck mußten seine Worte auf Erna gemacht haben, denn sie schluchzte an seiner Brust zum Herzzer­brechen und konnte nur das eine hervorstoßen: Ich will ihm sein Glück nicht stören, ganz gewiß nicht! Ich will Dir teinen Kummer bereiten, lieber Vater!" Vater Raben war zufrieden. Jhn dünkte die ganze Sache nach einigem Ueberlegen nicht so tragisch. Er be­ruhigte, gutmütig und zärtlich wie er war, seine Tochter und sagte: Dann ist ja alles in Ordnung. Ich glaube Dir, mein Kind. Laß alle dummen Schwärmereien und ergreife das Glück, das sich Dir bietet, ehe es zu spät ist." Er hatte nichts dagegen, daß Erna sich früh auf ihr Stübchen zurückzog, und von ihrem Seelenschmerz, von ih­rem Kämpfen und Ringen hatte er, der Korrekte, Nüch­terne auch nicht die entfernteste Ahnung.

Ach, nun wußte sie, daß Hardi sie liebte.- Wenn er es seinem Vater sogar eingestanden, diesem harten, stolzen Herrn, dann mußte es ja wahr sein. Aber sie wußte auch, was sie zu tun hatte, ja, nach einer Nacht voll Kämpfens und Ringens, voll blutiger Tränen wußte sie es!

Es war Raben sehr angenehm, daß Woltersdorf sich noch am selben Abend bei ihm einfand, um, wie gewöhn­lich ein Stündchen zu verplaudern Da konnte er dem­selben auch gleich reinen Wein einschenken und auch ihm

Posadowsky sich bereit erklärt hätte, unter gewissen Vor­aussetzungen in Chemnitz eine nationale Reichstagskan­didatur zu übernehmen. Wie jetzt Graf Posadowsky einem Mitarbeiter eines Berliner Blattes erklärt, ist es zwar richtig, daß von Chemnitz eine Anfrage an ihn wegen Uebernahme einer Kandidatur für die nächsten Reichstags= wahlen ergangen sei. Er habe aber gegenüber dieser An­frage dasselbe erklärt wie früher, nämlich, daß er, wenn in einem Kreise alle bürgerlichen Parteien auf ihn als Kandidaten sich vereinigen, er es für eine patriotische Pflicht halte, die Kandidatur zu übernehmen. Er möchte sich jedoch nicht persönlich an der Agitation beteiligen. Da­durch, daß aber in Chemnitz verschiedene bürgerliche Kan­didaturen aufgetaucht seien, sei seine Reichstagskandida­tur in Chemnitz hinfällig.

Ein liberales Wahlabkommen für Thüringen ist nach längeren Verhandlungen zustande gekommen. Von dem Wahlabkommen werden zwei Wahlkreise, Jena- Neustadt und Koburg, nicht berührt. In fünf Wahlkreisen, und zwar inEisenach, Gotha, Schwarzburg- Rudolstadt, Schwarz­burg- Sondershausen und Reuß j. L. werden die national­liberalen Reichstagskandidaten von der Fortschrittlichen Volkspartei unterstützt, während diese in den Wahlkreisen Meiningen- Hildburghausen, Weimar, Sonneberg- Saal­feld und Altenburg von den Nationalliberalen unterstützt werden wird.

Herr Bruhn als Sieger. Aufsehenerregende Strafen verhängte am Donnerstag das Schöffengericht Berlin über eine Anzahl Zeitungsredakteure, die sich wegen Beleidi­gung des Reichstagsabgeordneten Bruhn zu verantwor­ten hatten. Die Redakteure des ,, Coburger Tageblattes", Lorenz, und der Eisenacher Tagespost", Niemeyer, wur­den wegen Veröffentlichung eines beleidigenden Artikels während des noch schwebenden Bruhnschen Prozesses zu je 1000 Mark Geldstrafe verurteilt. Der Redakteur Rö­ther vom Zentralanzeiger" in Magdeburg wurde wegen Veröffentlichung eines das Urteil kritisierenden Artikels zu 150 Mark Geldstrafe verurteilt.

Die Vorlage zum Schuh der Ladenangestellten, die das britische Unterhaus in der zweiten Lesung ohne ernste Opposition annahm, enthält recht drastische Bestimmun= gen. Die Arbeitszeit aller Ladenangestellten darf 60 Stunden wöchentlich, die Zeit für die Mahlzeiten nicht gerechnet, nicht überschreiten mit einem Höchstmaß von 60. Stunden Ueberzeit im ganzen Jahre. Kein männlicher Angestellter unter 16 und fein weiblicher unter 18 Jahren darf mehr als 14 Stunden an irgend einem Tage beschäf­tigt werden. Jeder Angestellte muß einen Nachmittag in der Woche frei haben. Sonntag müssen alle Läden ge­schlossen sein, mit Ausnahme der jüdischen, die am Sab­bath schließen, bestimmter Straßenmärkte, der Wirtschaf= ten, der Zeitungsläden und der Läden für Automobil- und Fahrräderbedürfnisse. Die Gemeinden können an Wochen­tagen die Stunden des Ladenschließens gesetzlich bestim= men, wenn Dreiviertel der Läden zustimmen. Die Stunde darf nicht früher sein, als 7 Uhr an fünf Tagen und 1 Uhr an einem Tage. In der Zeit, wo die Läden geschlossen sein müssen, dürfen auf der Straße nur Zeitungen ver­kauft werden.

Kleine Nachrichten.

Eine evangelische Abordnung bei Kaiser Franz Josef. Während der gestrigen Audienz wurde eine Abordnung der evangelischen Gemeinden in Desterreich von Kaiser Franz Josef empfangen zur Ueberreichung einer Erinne­rungsmedaille an das 50jährige Bestehen der Anerkennung des Protestantismus. Der Kaiser sagte dabei u. a.: Sie fënnen versichert sein, daß h auch fernerhin meine För derung Ihrer Kirche werde angedeihen lassen. Ich bin überzeugt, daß Sie auch ferner mit der gleichen Treue und Loyalität auf den Geist der Gemeinden einwirken werden."

Oberitalien unter Schnee. In Mailand schneit es fast ununterbrochen fett 30 Stunden. Auch aus den meisten Gegenden Oberttaltens, sogar von den Ufern des Garda­fees, werden starke Schneefälle gemeldet.

Ein Lloyddampfer gestrandet. Der Dampfer des Nord­deutschen Lloyd Prinzeß Frene" ist am Donnerstag nach etner Neuvorfer Meldung 16 Seemeilen östlich des Leucht­turms von Jera Island gestrandet. Bei ruhiger See hofft man das Schiff zur Flutzeit mit Schleppern wieder los­zubekommen. Die Prinzeß Irene" war nach Neuyork vom Mittelmeer her unterwegs und hat etwa 1000 Personen an Bord.

Die verschwundene Familie Wagner aus Nixdorf, von der man, wie gemeldet, befürchtete, daß sie sich ein Leid an­getan hatte, ist wiedergefunden worden. Geschäftliche Schwierigkeiten, insbesondere die Pfändung eines Pferdes, hatten die nervösen Leute so mitgenommen, daß sie den Kopf verloren. Sie irrten planlos in Berlin umher, bis

-

gegenüber seine Pflicht erfüllen. Der tat nun feineswegs verwundert, als er hörte, einen wie gefährlichen Neben­buhler er hatte. Achselzuckend erwiderte er dem Rent­meister: Ist bloße Spielerei! Wer könnte es selbst einem so tugendsamen Jungfräulein, wie Ihre Tochter es ist, verargen, wenn sie sich von einem Herrn von Eschenholdt, Leutnant bei den Kürassieren, Sohn Sr. Exzellenz usw., ein wenig den Kopf verdrehen läßt! Glauben Sie es mir, Herr Raben, der hat schon Fürstentöchter in seine Nege gelockt! Wüßte Fräulein Erna, ein wie leichtsinniger Mensch der hohe Herr ist, sie würde ihn nicht schlecht ab­weisen! Ich würde nichts ausplaudern, stände nicht das Glück Jhrer Tochter auf dem Spiel, nach Ihrer Meinung wenigstens. So will ich Ihnen, wenn Sie mir strengste Diskretion, auch gegen Ihren Sohn zusichern wollen, aber doch einige Enthüllungen machen, die Sie in Verwunde­rung segen dürften."

Nur zögernd versprach Raben, zu schweigen, worauf der andere mit tückischen Blicken folgendes erzählte: In meinen Augen ist der Leutnant seinem Charakter nach ein sehr ordinärer Mensch. Er hat dem Vater sein Ehren­wort darauf gegeben, daß er nicht mehr Hazard spielen wolle, und dabei machte er es toller als all die anderen Glücksjäger in unserer verrufenen kleinen Garnison". Er geht im blauen Stern" ein und aus, verkehrt intim mit dem Grafen Rossau und hat erst unlängst eine ge= waltige Summe gewonnen, um sie tags darauf wieder zu verlieren. Und, was seine andere Schwäche anbe trifft, die Vorliebe für das Ewigweibliche, so kann ich Ihnen mitteilen, daß eine seiner Flammen aus der Re­sidenz in die kleine Garnison" übergesiedelt ist und Arm in Arm mit ihm in den Anlagen gesehen wurde.

Der Rentmeister schüttelte den Kopf und fragte sehr ernst: Wissen Sie das auch genau?"

Nun beruhte Woltersdorfs erste kühne Behauptung lediglich auf einer falschen Vermutung, während die zweite eine freche, direkt aus der Luft gegriffene Lüge war.

Verwandte sie in einem Bierausschank trafen und zu sich nahmen.

Heftiger Kampf im Eisenbahnkoupee. Auf der Strede Fürth- Schwandorf entspann sich, wie aus München gemeldet wird, in einem Eisenbahnzuge zwischen einem Brauerei­gehilfen und einem diesen transportierenden Gendarm ein heftiger Kampf. bis es schließlich gelang, den Burschen zu überwältigen.

Ans Liebeskummer in den Tod. Die 25jährige Tochter eines Gastwirts in Dessau nahm sich ein Zerwürfnis mit ihrem Verlobten derart zu Herzen, daß sie sich mit Petro­leum begoß, dasselbe anzündete und auch noch Gift nahm. Der eigene Vater löschte die Flammen. Nach kurzer Zett starb die Bedauernswerte.

Ein schweres Automobilunglück wird aus Elmshorn in Holstein gemeldet. Ein von Quickborn kommendes Auto­mobil überfuhr in rasender Schnelligkeit einen Chaussee­bock. Der Chauffeur verlor hierbei die Macht über das Steuer und das Auto sauste in den Graben. Die beiden Insassen erlitten schwere Verlegungen. Der eine schlug mit dem Gesicht durch das dicke Glas des Fensters, hierbei wurde die halbe Nase abgerissen und außerdem wurde er im Gesicht schwer verletzt. Man befürchtet auch den Verlust eines Auges. Die Verletzten wurden in das Krankenhaus gebracht.

Volkswirtschaftliches.

Traurige Bilder vom Berliner Wohnungselend wurden in einer Versammlung vorgeführt, die der Berliner Aus­schuß für städtische Wohnungsaufsicht einberufen hatte. Der Privatdozent Dr. Weyl zeigte durch Lichtbilder das Innere von zahlreichen Wohnungen in den Außenbezirken, die die ganze Misere gewisser Berliner Wohnungen offenbarten. Da sah man Kellerwohnungen, wo in einem wenige Meter großen Raum ca. ein Dutzend Personen hausen, wo Kran fe und Gesunde, Kinder und Erwachsene und öfter auch noch Schlafburschen in vollständig ungenügenden, luft- und licht­losen Räumen sich aufhalten müssen. Der Redner gab ein reichhaltiges Zahlenmaterial zum besten, aus dem die Tat­sache hervorging, daß die Polizei im Laufe einiger Jahre mehrere tausendmal um Räumung ungesunder Wohngen angegangen wird. Dabei bleiben aber noch eine ganze Reihe Wohnungen unberücksichtigt, die gleichfalls nicht den gesundheitlichen Anforderungen in bezug auf Raum, Licht und Luft entsprechen. Nach der letzten Statistik im Jahre 1905 gab es in Berlin noch 25 000 Kellerwohnungen. Welche Fülle von gesundheitlicher Schädigung darin enthalten ist, läßt sich gar nicht ausdenken. Nachdem noch weitere Redner gesprochen, wurde eine Resolution angenommen, in der Magistrat und Stadtverordnetenversammlung von Berlin aufgefordert werden, geeignete Schritte zu tun, um die Er­richtung eines Wohnungsamtes und einer ausreichenden Wohnungsinspektion baldigst zu ermöglichen.

Aus den Gerichtssälen.

Das Reichsgericht verurteilte am Donnerstag in einer unter Ausschluß der Deffentlichkeit geführten Verhandlung den 28 Jahre alten Mechanifer Ludwig Koch aus Montigny wegen versuchten Verrates militärischer Geheimnisse, ver­suchten schweren Diebstahls und schwerer Urkundenfälschung zu zwei Jahren neun Monaten Zuchthaus, Ehrenrechts­verlust für fünf Jahre und Stellung unter Polizeiaufsicht. Koch hatte sich verschiedene Schriftstücke und Festungskarten von Metz mit Einzeichnungen verschafft, um sie in Besitz Frankreichs zu bringen, obwohl er wußte, daß dadurch die Sicherheit des Deutschen Reiches gefährdek würde.

Rechtsverbindlichkeit von Belobigungen, bei denen kein Ringwechsel noch Publikation stattgefunden. Ein Bräutt­gam aus Stade war von seiner Braut wegen grundloser Auflösung des Verlöbnisses auf Schadenersatz verklagt wor­den. Der Beklagte stellte eine Verlobung in Abrede, denn es habe weder Ringwechsel noch Publikation stattgefunden, und es habe nur die ausgesprochene Absicht bestanden, sich demnächst zu verloben. Das Landgericht Stade hielt das von der Klägerin beigebrachte Beweismaterial nicht für ausreichend, um eine Verlobung zu begründen, und wies daraufhin die Klage ab. Vom Oberlandesgericht Celle er­fuhr das klägerische Vorbringen eine andere Bewertung. Das Berufungsgericht entschied an der Hand der Beweis­mittel folgendermaßen: Der Beklagte habe selbst zugestan­den, daß er die Klägerin als seine Braut und sie ihn als ihren Bräutigam bezeichnet habe. Er habe häufig und re­gelmäßig in dem Hause ihrer Eltern verkehrt und habe fie auch in Begleitung ihres Vaters seinen Eltern zuge­führt. Bei dieser Gelegenheit habe die Klägerin erklärt, sie sei mit dem Beklagten einig, sie wollten sich verloben. Niemand der Anwesenden habe widersprochen, im Gegen­teil zeigte ihr Verhalten, daß sie mit dem Heiratsplan ein­verstanden waren. Wenn auch der Vater der Braut dieser gegenüber Bedenken geäußert habe, so habe er sich doch nicht widersetzt. Auch die Tatsache, daß später ihre Mutter den Beklagten gebeten habe, ihre Tochter nicht sitzen zu lassen und seine feierliche Abweisung dieses Verdachtes rechtfertige den Schluß, daß eine rechtsverbindliche Verlobung hier in Frage komme. Der Klage sei daher stattzugeben.

Nichtsdestoweniger antwortete dieser Ehrenmann: Für die Wahrheit dieser Behauptungen stehe ich mit meinem Kopf ein. Ich kann Ihnen darauf mein Ehrenwort geben, und das ist mehr wert als das manches Edelmannes."

Da Frau Raben und Hans jetzt zurückkehrten, brach man dieses Thema schnell ab.- Aber es schien, als ob Vater Raben heute gar nicht aus den Ueberraschungen herauskommen sollte. Da schon wieder eine!

Denke nur an, Vater, ich muß schon morgen früh abreisen nach X., wohin ich versett bin, da ein Kollege schwer erkrankt ist. Also unsere Weihnachtsfreude ist uns gründlich verdorben!" ruft Hans aus, ein Telegramm aus der Tasche hervorziehend, das ihm der Postbote im Dorfe übergeben. Was wird nur Jda sagen?! O, der Tren­nungsschmerz!"

Hans war abgereist, nicht nur zu der Seinen größtem Bedauern, mehr noch zu Hardis Leidwesen.

Am Tage vor Weihnachten gestand Woltersdorf Erna seine Liebe und fragte sie, ob sie sein Weib werden wollte. Niemand hätte ergreifender sprechen können, als dieser zungengewandte Schurke, dem nichts auf Erden heilig war, wenn es galt, ein sich gestecktes Ziel zu erreichen.

Ach, einem so guten, edlen Menschen wie diesem hätte Erna fein Leid zufügen können. Ehrlich gestand sie ihm, daß sie bis jetzt noch keine Liebe zu ihm verspüre. Sie schäze ihn aber so hoch und wäre ihm für alles, was er an ihren Eltern getan, so dankbar, daß sie schon aus die­sem Grunde entschlossen sei, den heiligen Bund der von Gott gesegneten Ehe" so hatte er sich ausgedrückt mit ihm zu schließen. Nur um eines bat sie ihn: der Tag der Hochzeit möge noch weit hinausgeschoben werden. Sie wollte nicht vor ihrem älteren Bruder freien,- ein lächerlicher, findischer Wunsch sowohl in Woltersdorfs Au gen wie nach der alten Rabens Meinung.

-

( Fortsetzung folgt.)

-

Tage

ren 1

fich n

peng

And wefte mit e

her i hat.

dede,

Stelle

chwe

gerid

gend

fam

nam

groß

berh

wart

tung

man

meld

unfä

der

den

gon

Fah

Ver

eine

fiel

hera

alte

Erb

Stei

Ma

Anb

Dor

ball

desse

aus

war

herb

Wi

Gor

gez

den

Leb

dur

mac

übe

hero

Schif

fung

fiche

er c

Gin

Das

mit

wäh

ball

Wor

пис

der

Ge

eig der

vie

che

In

That

gen

Pr

Tr

far

ge

zu

ra

far der

wa Er

Σα

feir

ver

Er

fun lei

Ne

tet

ren

Lon

De

Na

bas

ang

Ver

er

Pet

der

hör

Schu

ber

fig

R

te

far

um

G

bef

ter

in

802-1