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überreichen. Der den Kaiser begleitende Flügeladjutant nahm das Schreiben entgegen, während Krause zur Fest­stellung seiner Person nach der Wache geführt wurde. Hier gab er an, daß das Schreiben ein Gesuch um Wiederauf­nahme einer Klage, die er seit langen Jahren gegen die Stadt Lüneburg wegen eines über sein Grundstück ge­führten Weges führe, enthalte.

Gestohlene Statisten. Im Stadttheater in Halle herrschte Sonntag früh große Aufregung. Es war nachts in dem Gänsestall im Magazingebäude eingebrochen wor­den und vier der gefiederten Mitwirkenden aus den Kö­nigskindern" waren gestohlen, und, wie aus den Blut­Spuren ersichtlich war, getötet worden. Die Kriminalpoli­zei mit dem Polizeihund Grete begab sich sofort auf die Suche und scheint dem Täter auf der Spur zu sein. Für das Stadttheater bedeutet dieser Diebstahl einen großen Verlust, da es nicht so leicht sein wird, jetzt schnell vier andere lebende Gänse zu bekommen und zu dressieren. Das Stadttheater hatte bei der Einstudierung der Königs­finder" auf die Inszenierung das Hauptgewicht gelegt und bie vier jetzt gestohlenen Gänse so gut dressiert, daß sie sich jetzt auf der Bühne wie zu Hause fühlten und auf einen Wink des Kapellmeisters hin mit dem Geschnatter begannen.

Ueber eine verhängnisvolle Löwenjagd, der ein Bru­der des britischen Ministers Edward Grey zum Opfer ge= fallen ist, werden aus Mombasa folgende Einzelheiten ge­meldet: Gren pürschte am vergangenen Sonntag mit meh­reren Begleitern am Atbufluß auf Löwen. In seiner Jagdpassion galoppierte er tollfühn vorwärts und schoß auf eine Gruppe Löwen. Im nächsten Augenblid sprang eine riesige Bestie auf ihn zu und riß sein Pferd zu Boden. Grey versuchte zu fliehen, doch der Löwe verfolgte und er­griff ihn. Als die Begleiter herbeigestürzt tamen, bot sich ihnen ein gräßlicher Anblick. Das Tier hielt Grey in sei­nem Rachen und schüttelte und würgte ihn wie eine Ratte. Nur mit der größten Mühe gelang es den Jagdgenossen, dem Raubtier seine Beute lebend zu entreißen; sie brach­ten den entsetzlich zerfleischten Jäger nach dem Hospital in Nairobi, wo er seinen Wunden erlag.

Ein Fall von Nitotinvergiftung bei einem Knaben wird aus Amsterdam gemeldet. Die eigenartige Ertran­fung betraf, wie der bekannte holländische Kliniker Pel in der Berliner klinischen Wochenschrift mitteilt, einen 13jährigen Jungen, der in einer Zigarrenfabrik arbeitet und täglich 10 bis 20 3igarren rauchte. Er litt schließlich an regelrechten Halluzinationen, an Schlaflosigkeit, bekam langdauernde Weinkrämpfe, während deren er wie ein fleines Kind nach seiner Mutter rief, zeigte sich öfters wie geistesabwesend und wechselte seine Stimmungen in trasse ster Weise. Die Untersuchung im Krankenhause ergab deutliche Erscheinungen einer Geistesstörung. Professor Pel warnt begreiflicherweise dringend vor dem Tabatge­nuß bei Kindern.

Das ohumächtige Gespenst". Ein tragikomisches In­termezzo unterbrach jüngst im Kleinen Theater in Lon­don die Vorstellung. Das zur Aufführung gelangende Stüd war zwar nicht von Shakespeare, doch hatte nichts­destoweniger ein Geist darin zu erscheinen. Diesem Geist nun, den eine verheiratete, junge Schauspielerin mit dem recht materiellen Namen Blount darstellte, passierte etwas echt Weibliches. Noch ehe setne Mission auf der Bühne er­füllt war, wandelte das in der Nähe des Zuschauerraumes sich aushaltende Gespenst eine regelrechte Ohnmacht an, und lautlos, wie es einem Geist geztemt, sant es über die Ram­pen hinweg dem Publikum in der ersten Parkettreihe zu Füßen. Schnell wieder zum Bewußtsein erwacht, konnte die leicht verlegte Künstlerin zu ihrer Garderobe geleitet werden, wo ihr ärztliche Hilfe zuteil wurde. Ihre Rolle als Geist zu Ende zu führen, erließ man ihr.

Ein neuer Frauenberuf, der dem weiblichen Wesen in besonders günstiger Weise entspricht, wird heute von ver­schiedenen Seiten erstrebt, in dem zu schaffenden neuen Amte der Gemeindehelferin. Dieses ist in erster Linie für dichtbevölkerte Großstadtgemeinden gedacht, in denen die Kraft der Gemeindegeistlichen nicht mehr ausreicht, alle Schäden des Volkslebens, auch seitens der Kirche möglichst zu beeinflussen und fürsorgend, erziehend und seelsorgerisch so zu wirken, wie es die Kirchengemeinde als ihr Ziel an­sehen muß. Die vielfach im Segen wirkende freiwillige Frauenarbeit im Rahmen der Kirchengemeinde soll in dem besoldeten Amte der Gemeindehelferin nicht etwa drängt, vielmehr ergänzt, gefördert und zusammengefaßt werden. Es ist vor allem der Deutsch- Evangelische Frauen­bund, der sich die Aufgabe setzte, für die kirchliche Gemein­dehelferin einzutreten und ihr die Wege zu ebnen. Er erhofft von dem neuen Amte ebenso eine Belebung der firchlichen Gemeinde, wie eine neue Berufstätigkeit für die gebildete Frau, die in ihm ihre echt weiblichen Gaben aufs schönste entfalten kann. Weitere Auskunft gibt die Auskunftsstelle des Deutschen Ev. Frauenbundes, Hanno­ver, Ferdinandstraße 13.

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Sargdieb und Erpresser. Die Witwe eines Großindu­striellen in Mannheim erhielt dieser Tage einen anony­men Brief, in dem der Schreiber ihr mitteilte, daß die Grabstätte ihres Mannes erbrochen und daraus der Ma­jolikasarg mit zwei Urnen gestohlen sei. Der Briefschrei­ber erklärte sich bereit, gegen eine Summe von 2000 M den Sarg zurückzubringen, und bat, das Geld postlagernd abzusenden. Die Polizei, der Mitteilung gemacht wurde, perhaftete einen Mann, der den postlagernden Brief ab­holte, jedoch nur der Beauftragte eines Fremden war. Aus dem Wasserzeichen des Briefpapiers ermittelte man dessen Käufer. Als Täter wurde ein 39jähriger Arbeiter aus Nürnberg verhaftet, der alsbald eingestand, den Sarg gestohlen und auf einem Baugelände versteckt zu haben.

Fußball im deutschen Heer. Auch der Fußballsport hat seinen Einzug ins deutsche Heer gehalten. Wie es scheint, mit gutem Erfolge. Hauptmann von Sichart im Infante­rieregiment Nr 16 in Köln berichtet darüber, daß er ihn schon sett drei Jahren in einer Kompanie mit vorzügli­bem" Ergebnis betreibe. Mit großer Lust und Liebe gäben fich seine Leute in freien Stunden diesem Sport hin, der dazu gedient habe, ihre Glieder spielend" gelenfig zu machen, besser als die bekannten schematischen Freiübun­gen". Selbst nach anstrengenden Uebungen hätten sich ihm alle gerne gewidmet. Es seient auch Unteroffiziere und Lente durcheinander tätig, ohne daß dies für die Disziplin irgendwie nachteilige Folgen gehabt häte. Auf die Behand­lung der Untergebenen habe das Spiel durch Verminder­ung der Nervosität wohltätig gewirkt. Es mag dies für manchen nicht recht einleuchtend sein sagt Hauptmann v. Sichart aber ich kann in dieser Beziehung sehr gut aus Erfahrung reden."

Ein fatales Hochzeitsgeschenk. Zu einem gewaltigen Tumult und zu groben Auseinandersetzungen fam es an einem der letzten Tage bei der Verlobung eines Kaufman­nes mit der Tochter eines wohlhabenden Hausbesitzers im Süden Berlins. Bräutigam, Braut, und eine große Schar von Gästen saßen gerade beim Verlobungsmahl, als den

Eltern gemeldet wurde, daß dret Damen noa ein Verlo­bungsgeschenk persönlich abzugeben wünschten. Den ange= meldeten Damen wurde auch wirklich der Zutritt gesttattet. Da die drei einen großen überdeckten Korb tugen, waren alle Gäste überaus neugierig auf die Geschenke, die in die­sem Korbe verborgen sein sollten und beachteten nicht, daß der Bräutigam abwechselnd rot und weiß im Gesicht wurde. Dann aber zog die eine der drei Damen die Decke vom Korb und es zeigten sich die Geschenke" es waren drei Säug linge, die friedlich schlummerten. Der Vater von diesen niedlichen Kindchen war der junge Manu, der hier Verlo­bung fcierte und der nach und nach drei andere Bräute hatte fitzen lassen. Einen Augenblid war die Gesellschaft verdutzt, dann aber begann ein Durcheinander von Schreien, Weinen und Schimpfen, wie es wohl bei einem Verlo­bungsfeste selten vorkommen dürfte. In eine besonders pre­färe Rage kamen noch d teEltern der Braut, weil die dret hintergangenen Mädchen die Pfänder ihrer Liebe durchaus nicht wieder mitnehmen wollten. Der Don Juan mit den drei verlassenen Bräuten hat jetzt auch eine Braut zu bu= chen, die ihm den Laufpaß gegeben hat.

Auch ein Jubiläum. Seit dem Jahre 1711 febte Berlin es durch, daß der Schauspieler Jakob Scheller au fdem da­mals noch die Nikolaikirche umgebenden Kirchhof der Ge­meinde beigesetzt wurde. Die Geistlichkeit erhob zwar Ein­spruch, aber der gesamte Rat von Berlin widerstand, so daß Scheller wirklich ein ehrliches" Begräbnis erhielt, allerdings auch nur am äußersten Rande des Kirchhofes, aber immerhin in geweihter Erde. Nur zwei Jahrhum­derte trennen uns also von dieser erstmaligen Durchbre­chung eines alten Vorurteils. Im übrigen bestand aller­dings, wie wir im Türmer lesen, noch das ganze 18. Jahr­hundert hindurch die Mißachtung der Komödianten" fort, denn noch 1784 wurde in Berlin ein Edikt wiederholt, durch das den Bürgern und Kaufleuten eingeschärft wurde, de­nen Schauspielern" nichts zu borgen, da Klagen auf Bah­lung der Schuldbeträge gegen Schauspieler vom feinem Ge richt angenommen werden durften, die Gläubiger also das Nachsehen hatten.

Eine Sängerin als Nachnahmesendung. Etsenbahnen, Post und Schiffahrtsgesellschaften haben sicher schon die merkwürdigsten Dinge als Nachnahmesendungen befördert

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aber daß eine lebendige Sängerin gegen Rachnahme verschickt wird, dürfte jetzt wohl zum erstenmale passiert sein. Der Direktor eines Bukarester Tingeltangels wollte kürz= lich für sein Theater eine exzentrische Sängerin, die sich Gräfin Viscontina nennt, engagieren. Die angebliche Grä­fin, die sich in Alexandria in Aegypten befand, war derart verschuldet, daß der Bukarester Direktor mit Sicherheit an­nehmen konnte, daß die Gläubiger der Dame das Reise­geld mit Beschlag belegen würden, wenn er sich einfallen ließe, es ihr in barem Gelde auszahlen zu lassen. Deshalb faßte er den etwas ungewöhnlichen Entschluß, sich die Brettl­diva gegen Nachnahme zuschicken zu lassen; zu diesem Zwecke schloß er mit einer rumänischen Schiffahrtsgesellschaft einen Vertrag, nach welchem die Gesellschaft fich verpflichtete, die " Divette" ohne Schiffskarte an Bord eines ihres Dampfers zu nehmen und sie von Alexandria nach Konstanza zu brin= gen; hier sollte sie von dem Direktor gegen Erlegung der gesamten Reisekosten in Empfang genommen werden. Alles ging vortrefflich bis zu dem Augenblicke, in welchem ge= zahlt werden sollte; der Direktor hatte sich ausgerechnet, daß er alles in allem 200 M zu zahlen haben würde; dte ,, Chanteuse" hatte aber, d afte wußte, daß alles bezahlt wer­den mußte, während der Ueberfahrt wie eine Prinzessin gelebt und einer erklecklichen Anzahl Champagnerflaschen den Hals gebrochen. So fam es, daß dem Direktor eine Nachnahmerechnung in Höhe von 640 M vorgelegt wurde; zuerst weigerte er sich ganz entschieden, zu zahlen; als der Vertreter der Schtffahrtsgesellschaft aber kategorisch erklärte, daß unter solchen Umständen die Ware" zurückgehen würde, bequemte er sich seufzend zur Einlösung der Nachnahme= sendung.

Papier aus Zuderrohr. Papier kann aus allem mög­lichen gemacht werden, und es gibt schon jest fast unzählige Sorten von Papier, allein nach Material und Herstellung. Daß auch aus den Fasern des Zuckerrohrs Papier gemacht werden kann und zwar ein solches von vorzüglicher Qua­Ittät, ist schon längere Zeit bekannt, aber es ist nicht zu einer eigentlichen Industrie auf dieser Grundlage gekom­men. Die Maschinen, die überall, wo Zuckerrohr gebaut und zur Gewinnung von Zucker verarbeitet wird, zur Ber­malmung des Rohrs benutzt werden, besorgen ihre Arbeit so gründlich, daß die Fasern zu keinem andern Zweck mehr gebraucht werden können. Die Abfälle werden infolge= dessen nur noch als Brennmaterial benutzt. Nach der Mit­teilung einer englischen Fachzeitschrift besteht jedoch die Aussicht, daß in den Vereinigten Staaten die Verfertigung von Zuckerrohrpapier eine feste Begründung und vielleicht bald auch größere Ausdehnung erfährt. Die Papierfabri­tation in Amerika hat bisher mit Holzfasern gearbeitet und eine solche Waldverwüstung angerichtet, daß diefer Stoff jetzt schon recht teuer geworden ist, zumal auch der Staat die Notwendigkeit eines verstärkten Forstschutzes ein­gesehen hat. Infolgedessen sind größere Versuche eingelet­tet worden, um durch Einführung besonderer Maschinen die Fasern des Zuckerrohres in einem Zustand zu erhalten, der ihre Verwertung gestattet. Diese Versuche sind zu vol­Ier Zufriedenheit ausgefallen. Das Verfahren läßt die Fasern ganz unbeschädigt, und das daraus hergestellte Pa­pier ist nicht nur von ausgezeichneter Beschaffenheit, son­dern kommt sogar noch billiger zu stehen als das aus Holz­stoff bereitete. Von Abfällen nach der Auspressung des zuckerhaltigen Marks fann sogar noch ein minderwertiges Papier hergestellt werden. Außerdem soll auch der Grad der Zuckergewinnung bei diesem Verfahren ein noch grö= Berer sein als bei dem früheren, so daß zwet Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden.

waren, hatte in dem Waggon Piazz genommen. Ole Tente wurden in den Koupees durcheinandergeschüttelt und zum Teil übel zugerichtet. Einige Abteile wurden zertrümmert und die darin befindlichen Passagiere schwer verletzt. Unter lautem Gepolter stürzten die Waggons zum Entsetzen der die an der Bahn sich hinziehenden Stormstraße passieren­den Fußgänger die Böschung hinab. Den sofort zu Hilfe eilenden Beamten und Fahrgästen bot sich ein schrecklicher Anblick. Eine ganze Reihe von Fahrgästen lag einge quetscht in den Trümmern der zerstörten Abteile. Man vernahm das Jammern und Stöhnen der Verwundeten, und ein Wagen dritter Klasse drohte nachzustürzen. Mit großer Energie wurde sofort das Rettungswerk begonnen. Vom Schlesischen Bahnhof wurde ein Hilfszug mit Mon teuren und Aerzten requiriert. Als dieser die Unfalls. lle erreicht hatte, waren die Verunglückten schon teilweise ge­borgen. Aerzte aus der Nachbarschaft eilten hinzu und stellten sich zur Verfügung. Der größte Teil der Ver­letzten wurde an Ort und Stelle verbunden und dann in Krankenhäusern untergebracht. Einige konnten nach An­legung von Notverbänden ihre Wohnungen aufsuchen. Die Verlegungen bestehen aus Knochenbrüchen und starken Quetschungen. Zum Teil haben die Verunglückten auch innere Verletzungen erlitten. Wie die ärztlichen Unter suchungen in den Krankenhäusern ergaben, liegt Lebensges fahr nur bei zweien der Verwundeten vor. Die Schuldfrage

ist nach amtlicher Meldung ziemlich geklärt. Als Schuldt ger soll der Lokomotivführer des vom Potsdamer Bahnhof abgegangenen Zuges in Frage kommen. Dieser überfuhr das Haltesignal und rannte dem andern Zug in die Flanke. Die Zahl der Leichtverletzten hat sich inzwischen auf 27 er­höht. Der Betrieb auf der Strecke ist gestern mittag wie­der aufgenommen worden.

Drabtnachrichten und Deuestes.

M. 3 auf der Fahrt nach Meg.

Gotha, 7. Februar. Das Militärluftschiff M. 3 ist heute früh 6,05 Uhr zur Fahrt nach Metz aufgestiegen und wird versuchen, die Linie Bebra- Hanau- Frankfurt einzu­halten. Von dort wird die Fahrt wahrscheinlich über Worms und Kaiserslautern gehen.

Hersfeld, 7. Februar. Das Militärluftschiff M. 3 passierte vormittags 9 Uhr auf der Fahrt nach Metz unsere Stadt. Das Luftschiff hatte mit starkem Gegenwind zu fämpfen, flog aber in ruhiger flotter Fahrt in etwa 400 Meter Höhe nach Süden.

Ordensverleihungen des Königs von Sachsen. Dresden, 7. Februar. Gelegentlich seiner Auwe senheit in Berlin beim Geburtstag des Kaisers verlieh der) König von Sachsen dem Staatssekretär des Reichsamts des Innern Delbrück das Großkreuz des Albrechtsordens mit, dem goldenen Stern, dem Staatssekretär des Reichsschatz­amts Wermuth das Großkreuz sowie dem Unterstaatssekre tär Wahnschaffe und dem Direktor des Reichsamts des Innern Lewald das Komturkreuz 1. Klasse desselben Dr dens. Gefährlicher Brand in der Reichshauptstadt. Berlin, 7. Februar. In große Lebensgefahr ge­rieten in der vergangenen Nacht zahlreiche Bewohner des) Hauses Müllerstraße 145 bei einem Brande, der unbemerkt in einer Küche des Vorderhauses ausgebrochen war. Als die Feuerwehr eintraf, waren die Treppen und mehrere Wohnungen schon vollständig verqualmt. Ueber zwei me­chanische Leitern wurden zwölf Personen gerettet und so=) fort mit Sauerstoffapparaten behandelt. Acht Personen wurden in das Krankenhaus geschafft. Mehrere Feuer­wehrleute hatten Brandwunden und Verlegungen durch Glassplitter erlitten. Ums Leben gekommen ist bei dem, Brande niemand.

Das englische Königspaar in Gefahr.

London, 7. Februar. Als der König und die-) nigin gestern die Tore des St. Jamespark erreichten, er­schreckte beim Einsetzen der Musik das erste Pferde­paar derartig, daß es heftig zur Seite sprang und die übrigen Pferde mit sich riß, so daß sie fast in das Tor des Wachtlokals einbogen. Die Kutsche schwankte bedenk­lich. Im nächsten Augenblic sprangen aber die Diener vor die Tiere und rissen sie wieder auf den rechten Weg. Gerettete Fischer.

Helsingfors, 7. Februar. Die Eisscholle, auf der die 253 Fischer ins Meer getrieben wurden, ist an der Insel Sestar gelandet. Die Fischer wurden sämtlich gerettet. Eine Falschmünzezbande verhaftet.

Prag, 7. Februar. Die Polizei in Saaz verhaftete den 20jährigen Graveur Wopat und zwei Komplizen, weil sie falsche Kronenstücke angefertigt hatten. Die Komplizen be­schuldigten Wopat, auch in Deutschland falsche Hundert markscheine auf photographischem Wege hergestellt zu haben. Alle drei legten schließlich ein Geständnis ab.

Neues von der Pest.

Petersburg, 7. Februar. Aus Charbin wird gemel­det: In allen Dörfern auf dem Wege nach Beking ist die Best konstatiert. In Pefing selbst ist eine Panik ausge­brochen. Sämtliche Konsulate in Tientsin sind augenblick­lich isoliert. Der Verkehr auf der chinesischen Bahn ist ein­gestellt. Die chinesische Regierung ist vollständig kopflos geworden und erwartet eine antidynastische Bewegung. Die deutsche Behörde verbietet das Anlegen der Dampfer an der Kiautschoubucht. Ueber das Gebiet wurde der Kriegs­zustand verhängt. Im Petersburger Ministerrat wurde der Vorschlag. den Pestherd Fudsjadjan mit einem Militär­fordon abzuschließen, aus internationalen Rücksichten ab­gelehnt. In Charbin sind gestern an der Pest 20 Chinesen und 2 Europäer gestorben.

Die eigene Frau verkauft.

Lodz. 7. Februar. Der Sohn eines wohlhabenden hie­figen Fabrikanten hat, wie fich jetzt herausstellt, seine eigene Frau an ein Freudenhaus in Buenos Aires verkauft. Die

Das Unglück auf der Berliner Stadtbahn. Frau war früher Erzieherin im Hauſe eines Ingenieurs

Einzelheiten über den folgenschweren Zugzusammenstoß.

Auf Bahnhof Baumschulenweg der Berliner Stadtbahn fuhr, wie bereits telegraphisch gemeldet, am Montag früh furz vor 6 Uhr ein von Potsdam fommender Vorortzug in einen von Niederschönweide- Johannisthal nach Berlin fahrenden Zug. Mehrere Wagen entgleisten; ein Wagen zweiter und ein Wagen dritter Klasse wurden die Böschung des Eisenbahndammes hinuntergeworfen. Von den Fahr­gästen wurden nenn schwer und zwölf leicht verlegt. Der Schauplatz der Katastrophe befindet sich etwa 100 Meter vom Bahnhof Baumschulenweg entfernt in der Stormstraße, die fich unmittelbar an den Bahnkörper entlang hinzieht. Auf der einen Seite stehen neuerrichtete Häuser, die andere Sei­te wird durch einen Zaun vom Bahngelände getrennt. Die­ses liegt etwa sechs Meter über Straßenhöhe, eine leicht auf­steigende Böschung führt hinauf. Die beiden Wagen, die bei dem Unfall heruntergeschleudert worden sind, haben den Zaun durchschlagen. Sie liegen am Fuße der Böschung, un­mittelbar am Trottoir. Der starfe Bretterzaun hat ihnen einen Halt geboten, sonst wären sie weiter auf den Straßen­damm gerollt. Glücklicherweise passierte zur Zeit der Kata­strophe niemand die Straße an der Seite der Bahn.

Als der Zusammenstoß erfolgte, entstand unter den Fahrgästen eine furchtbare Panik. Man vernahm laute Hilferufe und das Geschrei der in den verunglüdten Waggons befindlichen Fahrgäste. Die unglücklichen wur­den mit in die Tiefe gerissen, ohne daß sie sich aus ihrer ent­feblichen Lage zu befreten vermochten. Besonders stark war der Wagen dritter Klasse besetzt. Eine große Anzahl von Arbeitern. die zur Arbeitsstelle zu fahren im Begriff

in Lodz. Es gelang ihr, aus ihrer Gefangenschaft in Bue nos Aires einen Brief an diesen Ingenieur zu richten, worin sie ihn von der schamlosen Handlungsweise thres Mannes verständigt, der sie mit Liſt nach Südamerika ge= schafft hatte, ohne sie ahnen zu lassen, wohin er sie zu brin­gen gedachte. Der Ingenieur übergab den Brief sofort der Behörde.

Der Brand des türkischen Regierungsgebäudes. Konstantinopel, 7. Februar. Zu dem Brande auf der Pforte wird noch gemeldet: Von den hundert Amtsdienern, die das Erdgeschoß bewohnen, wurden 20 verhaftet, ebenso zwei Polizisten. Die Polizei und die öffentliche Meinung sind der Ueberzeugung, daß eine verbrecherische Brandle-, gung seitens derselben unentdeckten Urheber vorliege, die seinerzeit den Brand des Parlamentsgebäudes verursacht haben. Die Regierung soll mehrere Drohbriefe eines ge= heimen Komitees erhalten haben, daß alle öffentlichen Ge­bäude niedergebrannt werden würden.

Aeroplane im merikanischen Feldzuge. Neuyorf, 7. Februar. Der Generalstabschef der Bun desarmee ordnete die Absendung eines Aeroplanes nach der merikanischen Grenze zum Refognoszierungsdienst an, wofür die Kavallerie wegen der Gebirgigkeit des Gelän des unbrauchbar ist. Man hofft, damit die merikanischen Insurgenten und auch die Regierungstruppen, die jetzt, vielfach, ohne von den Bundespatrouillen bemerkt zu wer den, amerikanisches Gebiet frenzen, rechtzeitig entdecken und abfangen zu können. Der Aeroplan wird mit einem Ap­parat für drahtlose Telegraphie ausgerüstet; falls er sich bewährt, werden weitere folgen, die alle von Privatleuten. zur Verfügung gestellt sind. Die Resultate des Versuchs werden mit Spannung erwartet.