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Verlobung der Prinzessin Viktoria Luise?

Leute, die viel Zeit und Muße haben, beschäftigen sich neuerdings wieder intensiv mit der Frage, wer wohl der Hünftige Gemahl der Prinzessin Viktoria Luise sein wird Man sucht, so schreibt die M.- 3tg.", der Angelegenheit badurch etwas Pifanterie beizumischen, daß man erzählt, ber Kaiser, der sehr an dem Prinzeßchen" hänge, habe geäußert: Ich gebe doch die Kleine nicht für die Politik her; fte soll glücklich werden!" Damit betrachtet man die Kombinationen, die sich an die Person des Prinzen Eduard Albert von Wales, wie an die des Erzherzogs Karl Franz Joseph oder eines fumberländischen Prinzen knüpften, als abgetan und meint nun, die seit langem in Potsdamer Softreisen umgehende Version werde recht behalten, daß nämlich die Verlobung der Prinzeß mit ihrem Jugend­freund und Verehrer, dent Erbgroßherzog Adolf Frisd rich von Mecklenburg- Streliz, beschlossene Sache sei und baß möglicherweise bereits am 17. Juni, am 29. Geburts­tage des Erbgroßherzogs, die Veröffentlichung dieses an die alte preußisch- mecklenburgische Tradition aus den Ta­gen der Königin Luise anknüpfenden, sicherlich in Preu­Ben und in ganz Deutschland sympathisch berührenden Bundes erfolgen werde. Der Erbgroßherzog hat unlängst mit dem Kaiserpaar und mit der Prinzessin Viktoria Luise in England geteilt, gehörte bis vor Jahresfrist, als er noch beim 1. Garde- Ulanen- Regiment in Potsdam Dienst tat, zu den ständigen Intimen des Neuen Palais und war von Kaiser wie Kaiserin gleich gern gesehen, die mit der Prinzeß nach den Pfingsttagen einen Besuch in Neu- Stre­lip planen. Nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst erhielt der Prinz den Oberleutnant von Hahn als Ordonnanzoffizier zugeteilt und hat seither in Neu- Stre lib in den Bureaus der Landesregierung gearbeitet.

3ur Flottenvergrößerung,

die der deutsche Flottenverein anregt, indem er fordert, daß von 1912 ab fährlich ein großer Kreuzer mehr auf Sta­pel gelegt werde, als das Flottengesetz vorsieht, schreibt Die Kreuzzeitung u. a.

Die Veröffentlichung des Fischereigesegentwurfs ist in dem Bericht über die Verhandlungen der Kommission des Landesökonomiekollegiums, die zur Beratung des Ent­wurfs eingesetzt war, soeben erfolgt. Der Entwurf umfaßt 97 Paragraphen und zerfällt in zehn Abschnitte.

Gründung einer elsaß- lothringischen Nationalpartei. In der von Vertretern aus allen Kreisen des Landes be= suchten Versammlung wurde am Sonnabend die Bildung einer elsaß- lothringischen Nationalpartei beschlossen. Am Sonntag wurde in deutscher und französischer Sprache ein Aufruf veröffentlicht, der von den Abgg. Blumenthal, Wetterle und zahlreichen Mitgliedern des Landesaus= schusses unterzeichnet ist.

Flugstationen an der französischen Grenze. Die natio­nale Liga für Luftschiffahrt hat an den Senat das Er­suchen gerichtet, für die Errichtung von Flugstationen an der Grenze 10 Millionen Franks zu bewilligen. Von der Senatsgruppe für Flugtechnik wurde beschlossen, das Ge­such zu befürworten.

Wer eine neue Flottenvermehrung fordert, wird an der Frage, ob auf dem Gebiete des Heerwesens noch wich tige Aufgaben vorliegen, nicht vorbeigehen können. So sollte mit Ruhe abgewartet werden, ob die verantwort Itchen Stellen eine weitere Vermehrung der Rüstungen für erforderlich halten. Dabei wird aber die Reichslei tung unter feinen Umständen von den Grundsäßen einer gesunden Finanzpolitik abgehen wollen und dürfen, die felt der Reichsfinanzreform als Gemeingut der Regierun gen wie der Parteien angesehen werden dürfen. Soll fen wirklich neue Flottenbauten sich als notwendig er weisen, so darf diese Maßnahme auf keinen Fall dazu führen, daß wiederunt wie in den Jahren 1900 bis 1908 die Deckungsfrage unentschieden bleibt! In den Jahren 1906/09 sind die Reichseinnahmen um einen Betrag ver­mehrt worden, der bereits jett 600 Millionen nahezu er retcht und kmr Beharrungszustand diese Sumine über­steigen wird; das ist eine Mehrleistung, wie sie in der parlamentarischen Geschichte afler Völker in Friedenszei ten niemals dagewesen ist. Nun wäre zu wünschen, daß bas politische und wirtschaftliche Leben auf längere Zeit hinaus vor den Erschütterungen bewahrt bleiben könnte, die mit großen Erhöhungen der Steuerlast untrennbar ver­bunden sind."

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Ein italienisches Versicherungsgeset. Der italienische Handelsminister hat der Kammer ein Projekt zur Durch­führung von Lebensversicherungen durch ein nationales Institut vorgelegt. Das Versicherungsprojekt setzt fest, daß mit dem Inkrafttreten des Gesetzes die Lebensversicherun= gen unter dem Monopol einer nationalen Anstalt durch­geführt werden sollen, die mit dem Sitz in Rom begründet werden soll.

Eine englische Absage an Marotto. Mehreren Blät­tern zufolge hat die englische Regierung dem in Paris weilenden marokkanischen Minister des Aeußeren El Mokri, der als Vertreter des Sultans den Londoner Krönungs­feierlichkeiten beiwohnen sollte, durch ihren Pariser Bot­schafter mitteilen lassen, daß ihr die Anwesenheit einer marokkanischen Abordnung bei den Londoner Festlichkeiten nicht erwünscht sei. Der Schritt wird damit begründet, daß die Grausamkeiten, welche dieSultanstruppen nament­lich bei den letzten Ausfällen gegen Weiber und Kinder begangen haben sollen, als entehrend für die Regierung des Sultans angesehen würden. Es set zu befürchten, daß die öffentliche Meinung Englands den Vertretern Mulay Hafids einen unfreundlichen Empfang bereite, was man aus Courtoisie vermeiden möchte.

Ueber den verflossenen Sessionsabschnitt des Reichss tags schreibt die Nordd. Allg. 3tg.": Das Gesamtergebnis der Tagung ist ein beredtes Zeugnis für die Arbeitsfähig­lett und Arbeitswilligkeit dieses Reichstages, dessen vor= zeitige Auflösung während der letzten zwei Jahre vielfach gefordert wurde. Ein Beweisgrund zugunsten dieser For derung ist aus der positiven Leistung des Reichstags nicht herzuleiten. Selbst in solchen Blättern, die an den von der Regierung eingebrachten Entwürfen oder an der endgül­tigen Gestalt der Gesetze Kritik übten, wird beim Vergleich der parlamentrischen Lage vom Herbst 1909 mit der heuti­gen Situation anerkannt, daß der Reichskanzler mit seiner Hoffnung, der 3wang zum Schaffen werde sich über alle Barteiwirren hinweg geltend machen, recht behalten habe.

aus Anlaß der Radbober Grubenkatastrophe, bet der 850 Bergleute den Tod fanden, gegen 44 Betriebsführer und Steiger wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet wurde, ein­gestellt.

Der Gefangene der Balkanräuber. Ingenieur Richter aus Jena, der im Olympgebirge von Räubern gefangen wurde, ist noch immer in der Gewalt der Entführer. Alle Bemühungen, thre Spur zu verfolgen, find bisher ergeb­nislos gewesen.

Die Monarchisten in Portugal. Bei der Lloydsagentur in London werden dem B. T. zufolge gegenwärtig viele Versicherungen von reichen portugiesischen Kaufleuten ge­gen Beschädigung ihrer prächtigen Wohnhäuser in der Hauptstadt durch Aufstand und Revolution abgeschlossen. Die Versicherer sind meistens Royalisten, und diese Tat­sache wie der Umfang der Geschäfte führen zu der Annah­me, daß demnächst eine royalistische Erhebung in Portugal bevorsteht.

Die nächste Plenarsizung des Herrenhauses ist auf Freitag, 16. Juni, anberaumt worden. Auf der Tagesord nung steht eine Reihe kleiner Vorlagen, die teilweise das Herrenhaus bereits beschäftigt hatten. Am 17., 19. und 20. Juni stehen ndie Zweckverbandsgesetze zur Beratung. Es folgen am Schlusse der Woche die Beratungen des Eisens bahnanleihegesetzes, des Feuerbestattungsgesezes, des Ges fetes über die Entlastung des Oberverwaltungsgerichtes, des Gesetzes zur Bekämpfung des Prämienschwindels, der Entwurf zum Erwerbe von Fischereiberechtigungen und an­dere kleine Gesetze.

3wei Kirschen an einem Stengel.

23)

Roman von A. von Biltencron. ( Nachdruck verboten.)

Tödlicher Absturz in den Bergen. Am Sonntag stürz te am Totenkirchl im Wilden Katsergebirge in Nordtirol der Leutnant Theodor v. Falt ab und erlag den dabei er­littenen Verlegungen. Der Verunglückte war ein Enkel des früheren Kultusministers v. Falk aud zur Kriegsaka­demie nach Berlin kommandiert.

Ein türkisches Riesendefizit. Wie nunmehr amtlich festgestellt ist, beträgt die Unterbilanz des Jahresbudgets der türkischen Kammer über 14 Mill. Pfund Sterling. Das große Defizit erklärt sich aus den ungeheueren Aus­gaben für Militärzwecke im letzten Jahre.

Bei einem Grenzkonflikt zwischen griechischen und türkis schen Soldaten wurden vier türkische Soldaten erschossen. Das Dazwischentreten der Offtztere machte dem Kampf ein Ende.

Julius wandte sich zur Seite, damit sie ihm nicht in die Augen sehen konnte. Irgend etwas hatte ihn ver­brossen, das merkte sie, denn sonst hatte er sich immer sehr rücksichtsvoll über den alten Herrn geäußert, und ste im­mer wieder zum Hingehen aufgefordert. Ehe Kathi ihn aber nach dem Grunde seiner Verstimmung fragen fonnte, flärte er sie selbst auf.

Kleine Nachrichten.

Bei dem Entgleisen eines Straßenbahnwagens in Stal bridge in England wurden gestern 40 Personen, meist Ar­beiter, zum Teil schwer verletzt.

Drei Fabriken niedergebrannt. Großfeuer vernichtete in der Nacht zum Sonnabend in Düsseldorf die Holzin­dustriefabrik Blasberg, die Papierfabrik Müller und die Kalanderfabrik Henckels u. Co. Der Schaden beträgt meh­rere Millionen.

Das Befinden des Prinzen Joachim von Preußen ist durchaus befriedigend. Der Prinz erhielt nach Vornahme der Punktion eine bedeutende Erleichterung. Die Schmers zen haben nachgelassen. Es scheint, daß die Heilung nun­mehr einen regelrechtn Vrlauf nimmt.

Ich meinte, wir sollten heute früh hinkommen, um ein großartiges Hochzeitsgeschenk in Empfang zu nehmen," nurrte er, statt dessen kriegten wir eine ellenlange Pre­bigt aufgetischt, und mit dem Geschenke wars Essig."

Große Fenersbrunst. In Steinheim im Kreise Hörter sind am ersten Feiertag neun Wohnhäuser niedergebrannt und elf Familien obdachlos geworden. Der Schaden wird auf mehrere hunderttausend Mark geschätzt.

Ein gewaltiger Waldbrand wüfete in einem Tannen­wald in der Nähe von Segeberg bei Lübeck. Ueber 1000 Hek tar, zum Teil Hochwald, find vernichtet.

Hohe kaiserliche Auszeichnung für Ballin. Der Kaiser hat dem Generaldirektor Ballin aus Anlaß seines 25jäh­rigen Jubiläums mit einem in den wärmsten Worten ge­haltenen Handschreiben die Brillanten zum Kronenorden 1. Klaffe verliehen.

Gelynchte Räuber. Im Kirchdorfe Poleshny in Süd­rußland wurden drei Räuber, die das Haus des Geistlichen überfallen und mehrere Bauern verwundet hatten, von den ergrimmten Dorfbewohnern in einen Sumpf gejagt und erschlagen.

Der erste Kongreß für Luftschiffahrt hat in Paris seine Arbeiten beendet und 17 Artikel angenommen, die den Versuch zu einem neuen Gesetz über den Luftverkehr dar­stellen.

Was war denn das? So hatte er sich in ihrer Gegen­wart noch nie geäußert! Ste war empört, und ihre Augen blitzten ihn entrüstet an. Wie funnst Du es über das Herz bringe, so zu sprechen- so" sie wollte noch mehr fagen, aber sie beherrschte sich. Doch nicht allein der Wille, an diesem Tage feinen 3ant heraufzubeschwören, ließ ste Ichweigen, sondern es war ein leiser Schreck, der sich gleich einem dumpfen Drucke lähmend auf ste senkte.

Wissenschaft, Kunst und Literatur.

Das erste deutsche Freilichtmuseum. Nach dem Vorbilde des Freilichtmuseums in Skansen bei Stockholm wird dem­nächst ein Freilichtmuseum in Königsberg t. Pr. als erstes in Deutschland der Oeffentlichkeit übergeben werden. Die Anlage ist dem Tiergarten angegliedert. Sie enthält un­ter anderem ein litauisches Bauerngehöft, ein oberländi­sches Haus in der Bauart des alten Ermland, ein masuri­sches Bauernhaus, eine Grabanlage usw. Später soll eine Stabkirche mit Friedhof als Beispiel nordischer Einflüsse und andere bauliche Anlagen hier erhalten werden, die sonst in der Provinz Ostpreußen mehr und mehr ihrem Untergang entgegengehen.

Abschaffung der Geldbriefträger in München. In Mün­chen werden die Geldbriefträger zum 1. Jult abgeschafft und die Bestellung der Postanweisungen durch das ver­stärkte Brtefträgerpersonal vorgenommen.

Die bekannte Frauenzeitschrift Die Modenwelt", wel­che nach dem Tode ihres Begründers, des Freiherrn Franz v. Lipperheide an die Verla sanstalt F. Bruckmann A. G. verkauft worden war, geht am 1. Jult dieses Jahres in ben Verlag des Hauses unstein u. Co., Berlin, über.

Ganz erfüllt von dem Ernst des Tages, hatte sie den Bräutigam, der ihr zum Onkel erst nachgekommen war, hur mit einem flüchtigen Blick beim Hereintreten gestreift und nachher nicht weiter auf ihn acht gehabt. Jetzt fiel the etwas unftätes in seinem Blick auf, und der Gang Ja, wahrhaftig, es war ein schwankender Gang.

Das Testament Johann Orths. Am Sonnabend wurde das Testament Johann Orths dem Kaiser überreicht. Die Publikation des Testamentes erfolgt nach Einsichtnahme durch den Kaiser am heutigen Dienstag.

Das Mädchen brachte kein Wort mehr über die Lip­pen, angstvolle Gedanken durchfagten ihr Hirn, ein Schreck­gespenst tauchte vor ihr auf, das ste marterte. Ja, ein Shred, ein Sputgespenst, das sie sich selbst geschaffen, wei­ter war es nichts, suchte ste sich zu beruhigen. In der Haustür stand Frau Röschen. Sie warf dem Sohn einen scharfen Blick zu und sah böse aus.

Nachklänge zur Katastrophe von Radbod. Das Landge richt Münster hat nunmehr das Verfahren, das seinerzeit

Vermischtes.

Bhwere

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Erdbeben in Belgien. In der Gegend von Charlerot wurden in der Nacht zum Sonntag einem Telegramm zufol= ge, heftige Erdstöße verspürt, die sich im Laufe des Tages wiederholten. Der erste Stoß, der um 11 Uhr nachts erfolg te, hat besonders in zahlreichen umliegenden Gemeinden Schaden angerichtet. Es wurden Schornsteine zertrümmert und Möbel von der Stelle gerückt, sowie Gegenstände zu Boden geworfen. Der Bevölkerung bemächtigte sich eine lebhafte Panik, die Leute stürzten ins Freie, in Erwartung weiterer Eröstöße. Die Erdbewegungen stehen augenschein­lich in Zusammenhang mit den vor einigen Tagen in der Aachener Gegend wahrgenommenen Beben.

chen," redete sie ihn an, und er, gewöhnt, sich unter diesen starten Willen zu beugen, ging gehorsam in sein Zimmer.

Julius, ich habe in Deiner Stube mit Dir zu spre=

Die Tragödie einer Bauernfamilie. Zu dem Mord bet Ergolding in Niederbayern, wo der Landwirt Hopfensper­ger seinen 17jährigen Sohn im Schlafe überfallen und nie­dergeschlagen hat, werden noch nachstehende Einzelheiten gemeldet: Der Streit zwischen der Familie und dem außer ordentlich jähzornigen Sohn entstand vor allemt über den beabsichtigten Verkauf des auf 20 000 Mark gewerteten schul­denfreien Anwesens. Man überlegte oft, wie man den Sohn los werden könnte. Der Vater hat sich nach seinem eigenen Geständnis den ganzen Winter über mit dem Mordplan ge­tragen. Die Mutter schlief aus Furcht vor ihrem Sohne im Schweinestall. Als am Abend vor dem Morde wieder ein Streit gewesen war und der Sohn im Jähzorn darüber das Vieh unmenschlich mißhandelt hatte, war der Vater zum Aeußersten entschlossen. Er trat frühmorgens 3 Uhr an das Bett des noch schlafenden Sohnes und schlug ihn mit dem Betl tot. Dann zog er sein Feiertagsgewand an und stellte sich der Gendarmerie. Der Mörder erzählte ganz gelassen alle Einzelheiten und verhielt sich bei der Konfrontation mit der Leiche seines Sohnes kalt und herzlos. Der Bauer ist 56 Jahre alt. Die öffentliche Meinung in Ergolding ist auf seiner Seite.

Frau Röschen aber, die Kathis verstörtes Gesicht sah, mochte ahnen, daß zwischen den beiden etwas vorgefallen set. Freundlich wandte sie sich an Kathi: Mußt ihm das nicht übelnehmen, Käthchen, er ist ein bißchen überwacht. Gestern, am letzten Junggesellenabend, hat er wohl etwas länger, als not tat, mit den alten Bekannten zusammenge­sessen, das merkt man ihm heute früh noch an. Jetzt soll er sich ein bißchen hinlegen, dann verschläft er's und ist hernach wieder frisch."

Rathi gab keine Antwort, müde, mit schweren Schrit­ten ging ste hinauf in ihr Stübchen.

Frau Rosa hatte dafür gesorgt, daß die Hochzeit stan­desgemäß", wie sie sich ausdrückte, ausfiel, und nach ihrer Ansicht war denn auch alles großartig gelungen.

Julius hatte der Schlaf gut getan. Er war wieder der Liebenswürdige, so wie Kathi ihn bisher nur gekannt, und hatte sogar mit einer gewissen Verlegenheit gemur­melt: Der gute Onkel," als Kathi ihm, ehe sie zum Stan­desamt fuhren, einen Brief des Paten gezeigt, den er thr geschickt hatte.

Meine Hochzeitsgabe für mein Patenkind," stand da rin, sie soll es sich aufheben für die Zeit, wenn sie es mal brauchen sollte." Fünf Hundertmarkscheine lagen dabet.

Kutscher und Pferd ertrunken. Ein verhängnisvoller Irrtum ereignete sich am Sonnabend im Hönowsee bet Mahlsdorf in der Mark. Dort trieb der Kutscher Schulz die beiden Pferde des Bauerngutsbesitzers Gatow, bet dem er sett fünf Jahren angestellt war, zur Schwemme in die See. Die Tiere gerieten dabei in eine tiefe Stelle. Sch. versuchte, die Pferde wieder herauszubringen, wurde aber dabet mit auf Grund gerissen und ertranf. Eins der Pfera de konnte sich durch Schwimmen retten, während das anz dere ebenfalls seinen Tod in den Fluten fand. Nach meh­reren Stunden erst gelang es, die Leiche des Kutschers und später auch das verunglückte Tier zu bergen.

,, Ein wunderlicher Kauz ist er doch," meinte der an­gehende Ehemann, als er nicht nur das Geld gesehen, son­dern auch die Zeilen gelesen hatte, und Kathi beides zu­rüdgab. Na, brauchen wirst Du die blauen Lappen schon bald genug."

Aufheben will ich sie mir," gab sie zur Antwort. Vom Standesamte gings in die Kirche und von der Kirche zum Festessen in einem fremden Restaurant. Dann fuhr das junge Paar auf drei Tage nach Dresden. Ja, wer hätte in Hennigbach gedacht, daß Kathi, das Häuslerkind, eine richtige Hochzeitsreise machen würde! Ihr selbst kam das ganz verwunderlich vor, und mit offenen Augen und

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empfänglichem Gemüte nahm sie all das Schöne und Neue hin, das hier auf sie wirkte.*****

Nach diesen Tagen sette das Alltagsleben wieder ein, und nun war es die Arbeit, die rastlose Arbeit, die der jungen Frau über Stunden verzehrenden Heimwehs fort half und ihr die Frische bewahrte, die auf die Gäste noch immer erquickend wie reines Quellwasser wirkte. Acht Wochen waren sie verheiratet, da geschah es, daß Frau Rosa schwer erkrankte. Ihr Zustand wurde immer hoffnungsloser trotz aller aufopfernden Pflege, die Kathi ihr angedeihen ließ.

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Die Sterbende fühlte, daß es mit ihr zu Ende ging, und in stiller Nachtstunde, als die Schwiegertochter bei ihr wachte, griff sie nach deren Hand und zog sie dicht zu sich heran. Kind, ich muß Dir etwas sagen," raunte sie ihr zu, der Julius ist ein guter Junge, aber schwach schwach ich mußte ihn immer fest am 3ügel halten, dann gings!" Sie machte eine Pause, das Sprechen wurde ihr schwer, aber sich wieder zusammenraffend, fuhr sie fort: " Dich hat er ja unbändig lieb, denn er wollte nur partu Dich, obgleich er sonst hinterm Gelde her ist. Darum habe ich mir gesagt, so brav und flink wie die Kathi ist, wird ste auch ohne Geld die Rechte für ihn sein; ihren Kopf weiß sie auch durchzusetzen, und das ist gut, da wird sie dem Ju­Itus einen Riegel vorschieben, daß er sich nicht aufs Trin­fen legt mit den guten Freunden."

Sie hätte gern noch mehr gesagt, der Schwiegertochter allerhand Ratschläge geben mögen, aber sie vermochte jett nicht weiter zu reden. Angstvoll sah sie ihr in das Gesicht. Die junge Frau war totenblaß geworden, erschrocken stammelte sie: Jemersch, jemersch! Steht's so! Letthin wollts mi allweil so scheine, und es gruselte mich; aber ich hab dann gemeint, ich tät dem Julius unrecht. Mutter, Mutter, stirb mir nit weg! Ich schaffs nit allein, wenns is, wie Du ſeggst." Jn jäh aufsteigender Angst barg fie schluchzend ihr Gesicht in die Hände. ( Fortsetzung folgt.)

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