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Aus den Gerichtssälen.

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Ueber die Verhandlung gegen den Berliner Rektor Bod, die am Sonnabend begonnen hat, weiß die National­zeitung" zu berichten: In der Sonnabendverhandlung, die um 25 Uhr abgebrochen und auf Montag vormittag ver­tagt wurde, sind 37 Beugen vernommen worden. Aussagen erstreckten sich lediglich auf die Charakterschil­derungen des Angeklagten. Es wurde festgestellt, daß Bock von Haus aus erblich belastet ist. Auch soll er eine etwas lofe Zungen haben und in seinen Aeußerungen sehr un­vorsichtig sein. Es traten mehrere Zeugen auf, die bekun­deten, daß Bod auch im Gespräch mit Lehrerinnen mit Las­zivitäten nicht zurückhtelt. Bock bestreitet alle diese ihm nachgesagten Eigenschaften.

Wegen Gotteslästerung, begangen durch das Anzünden einer Bigarette nach dem Abendmahl in der Kirche in Velden in Mittelfranken, ist ein junger Wirtssohn von der Nürnberger Straffammer zu einer Woche Gefängnis verurteilt worden.

Wegen Selbstverstümmelung wurde ein Soldat des 19. Infanterieregiments in Nürnberg, der sich die Hälfte des rechten Zeigefingers abgehauen hatte. um militärfrei zu werden, mit einem Jahr Gefängnis bestraft und zum Sol­baten zweiter Klasse degradiert.

Vermischtes.

Ueber den tödlichen Unglücksfall, der sich wie gemeldet, im Beuthener Gymnasium durch das Spielen eines Schü­lers mit einem Revolver ereignet hat, wurden der Bres­lauer Zeitung noch folgende Einzelheiten gemeldet: We­gen der naßkalten Witterung hielten sich am Freitag in der Ruhepause die Gymnasiasten in ihren Klassenzimmern auf. In der Tertia demostrierte ein Obertertianer den Mechanismus einer Browningpistole. Infolge unvorsich­tigen Hantierens entlud sich die Waffe, und mit einem Aufschrei brach der Obertertianer Brüning, der Sohn des Beuthener Oberbürgermeisters, zusammen. Das Geschoß hatte erst einen Mitschüler leicht gestreift, war dann et­nem zweiten Jungen durch die Kleider gedrungen und traf zuletzt Brüning in den Unterleib. Jm Amtszimmer des Direktors bemühten sich zwei Aerzte um den Verwundeten, an dessen Krankenlager auch die Eltern herbeigeeilt waren. Das Geschoß hatte dem Unglücklichen mehreremale den Darm zerrissen und die Hauptschlagader verletzt. Der Schwerverletzte wurde von Primanern, unter denen sich auch sein Bruder befand, auf einer Tragbahre nach einer Klinik gebracht, wo eine Operation vorgenommen wurde, die allerdings von Anfang an nur ganz geringe Aussicht auf Erfolg hatte. Sonnabend morgen um 3 Uhr ist Brü­ning gestorben. Der Urheber des Unheils war nach der Tat geflohen und hatte einen Selbstmordversuch unter­nommen. Mehrere Mitschüler verfolgten ihn und brachten ihn zurück. Auf dem Schulhofe unternahm er dann noch einen zweiten Selbstmordversuch, doch konnte auch dieser vereitelt werden.

Ein grauenhaftes Verbrechen ist, wie aus Friedland in Medlenburg gemeldet wird, am Sonnabend dort aufge­deckt worden. Der siebenjährige Sohn des Arbeiters Wo­tansti in Friedland war im Juni v. J. auf dem Wege zur Schule spurlos verschwunden. Spaziergänger sahen nach einigen Tagen eine Schülermüze auf dem Stadtteich schwimmen, und bald darauf wurde auch die Leiche des Kleinen aus dem Wasser gezogen. Allgemein glaubte man damals an einen Unglücksfall. Jetzt hat sich aber heraus­gestellt, daß das Kind von mehreren um einige Jahre äl­teren Gemeindeschülern ins Wasser geworfen worden ist. Wenn der Junge an die Oberfläche kam und um Hilfe rief, wurde er immer wieder untergetaucht, bis er schließ= lich auf diese Weise ertrank.

Charlottenburg als Millionenerbin. Die verstorbenen Eheleute Rauschendorff haben der Stadtgemeinde Char­lottenburg zur Erbin ihres großen Vermögens eingesetzt. Es beträgt nach Ablauf der Legate bei günstigem Verkauf der Nachlaßgrundstücke rund Millionen Mark. Nach den Bestimmungen der Erblasser soll mit% des Nach­lasses ein Altersheim begründet werden, das für gebildete männliche und weibliche Personen bestimmt sein soll. Vom Nachlasse sind ferner für die Charlottenburger Ferienko­lonien und zugunsten der Armen und Hilfsbedürftigen bestimmt worden.

Ein Opfer der X- Strahlen. Der englische Arzt Ernest Wilson ist das tragische Opfer seines Berufes geworden. Bereits vor Jahren machte sich an seinem Körper der un­heilvolle Einfluß der X- Strahlen geltend, die er bei Be­handlung seiner Kranken häufig verwandte. Er ließ sich operieren, im Jahre 1906 Hautstellen an den Händen ent­fernen, im Jahre 1908 Fingerglieder amputieren, und vor wenigen Wochen sogar einen Arm abnehmen. Doch nichts tat dem fortschreitenden Leiden Einhalt. Vergebens suchte Dr. Wilson den verderblichen Einfluß der X- Strahlen durch Sonnenbäder zu bekämpfen. Unter furchtbaren Echmerzen ist er gestern seinem Leiden erlegen.

Von einem wütenden Stier aufgespießt. In Rache­ringen bei Arlon an der französisch- luxemburgischen Gren­je ist der Landwirt Tripten von einem plötzlich wütend ge= wordenen Stier aufgespießt worden. Der Unglückliche er­lag furze Zeit darauf seinen schweren Verletzungen. Zwei seiner Söhne sowie ein deutscher Stallknecht, welche dem Landwirt zu Hilfe eilen wollten, wurden ebenfalls von dem wütenden Tier erheblich verwundet; die Verlegungen des Stallknechts sind derart, daß an seinem Aufkommen ge= zweifelt wird.

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Die Lockengefahr. So schön nach Ansicht vieler Damen eine Lodenfrisur sein mag, so birgt sie doch, wenn die Loden nicht aus gut gereinigtem Haar hergestellt sind, große Gefahren für die Gesundheit der Trägerin. Ein warnen­des Beispiel dafür ist der folgende Fall, der aus Breslau mitgeteilt wird: Vor einigen Tagen erkrankte in Breslau die Frau eines Rechtsanwaltes an Lepra. Wie festgestellt wurde, erfolgte die Uebertragung dieser furchtbaren Haut­frankheit auf die erwähnte Dame durch künstliche Locken. Die Kranke wurde nach den Leprabaracken in Eydtkuhnen übergeführt.

Die gefräßige Frau. Vor dem Ehescheidungsgericht in Neuyork tam gestern ein Fall zur Verhandlung, der selbst die an mancherlei Absonderlichkeiten gewöhnten amerikanischen Richter in Erstaunen sezte. Ein Herr Wil­liam Hayes hatte mit 70 Jahren ein bildschönes Mädchen Don 22 Jahren geheiratet. Jetzt, schon nach drei Monaten, verlangt Herr Hayes die Trennung der Ehe. Seine Frau ißt ihm zu viel. Nach dem Frühstück müsse sie in ein Restaurant gehen und dort eine zweite Mahlzeit ein­nehmen. Zur Hauptmahlzeit am Abend esse sie nicht nur für zwei, nein, für vier. Es gebe Tage, an denen er allein hundert Mark für ihre Beköstigung verwende. Bei ihrem gewaltigen Appetit treibe ihn seine Frau dem finanziellen Rain entgegen. Die einzige Rettung hiervon sieht Hayes In der Ehescheidung. Herr Hayes hat die Richter noch nicht

von der Notwendigkeit einer Trennung überzeugen kön­nen. Der Fall wurde vertagt.

Die japanischen Rothschilds". Aus Tokio wird der Inf." geschrieben: Die reichste Familie in Japan, die sich dem Handel und der Industrie gewidmet hat, ist die Familie der Mitsuis, die weder an Reichtum. noch an geschäftlicher Begabung den europäischen Rothschilds nachsteht. Die Mit­suis gleichen ihnen noch in einer anderen Hinsicht, da auch fie vor noch nicht allzu langer Zeit sich aus kleinen An­fängen zu ihrem heutigen Reichtum emporgearbeitet haben, der 250 Millionen Yen, nach unserem Gelde über eine Mil­liarde Mark, betragen soll. Die Mitsuis zerfallen in ein­zelne Familien, die alle untereinander aufs engste ver­wandt sind und im ganzen Reiche großen geschäftlichen Un­ternehmungen vorstehen. Die Zentrale dieser Riesenor­ganisation befindet sich in der Hauptstadt Tokio, wo gleich­fam das Muttergeschäft ist. In erster Reihe stellt das Unter­nehmen dieser Millionärsfamilie ein Riesenbankhaus dar, das völlig von ihnen abhängig ist. Nach echt amerikanischem Muster haben die japanischen Rothschilds sich aber damit nicht begnügt, das Geld in reinen Bankgeschäften anzule= gen, sondern haben bedeutende industrielle Unternehmun­gen damit geschaffen. Die meisten Straßenbahnen sind von ihnen erbaut worden und ihnen zinspflichtig. Sie haben riesige Kohlenbergwerke angelegt und sind die Besizer oder Teilhaber der meisten großen Dampfschifflinten. Auf Sa­chalin haben sie nach dem Friedensschluß Fischfang und Seeverfehr mit so großem Erfoge organisiert, daß dieselbe Insel, die früher den Russen eine jährliche Einnahme von ganzen 150 Rubeln brachte, die der Oberst Pawlow als Pacht für die Fischereigerechtsame zahlte, schon nach Ablauf des ersten Jahren den Japanern einen Reingewinn von 17 Mill. Rubeln in den Schoß warf, trotzdem sie nicht über die ganze Insel verfügen dürfen. In letzter Zeit hat dieselbe Fa­milie fich auch mit dem Luftschiffwesen befaßt. Es ist haupt­sächlich ihrem Einflusse zuzuschreiben, daß heutzutage Ja­pan schon eine sehr aufblühende Luftschiffindustrie besitzt, zu der jetzt noch mehrere Fabriken für Flugapparate fommen.

Fußballspiel im Tanzsaal die neueste Kotillontour". Das gesellschaftliche Leben unserer Zeit ist in seinen For­men und Regeln so genau festgelegt, daß es teine geringen Schwierigkeiten bietet, einige Abwechslung hinein zu brin­gen. Die Festordner, die jetzt alle Hände voll zu tun haben, sind daher nicht zu beneiden. Vielleicht ist es ihmen will­kommen, zu hören, daß in England und Nordamerika ge= genwärtig eine Kotillontour Aufsehen macht, weil sie ebenso unterhaltend wie einfach ist. Man braucht für sie feine langen Vorbereitungen, und die Ausgaben. die sie erfordert, sind nicht der Rede wert. Diese Tour verpflanzt das Fuß­ballspiel, das fa auch auf dem alten Festlande viele Freunde und Anhänger zählt, in den Tanzsaal, freilich in scherz­hafter und ungefährlicher Form. Sie besteht darin, daß die an die Reihe kommende Dame einen jener roten, mit Gas gefüllten Luftballons, wie sie die Straßenhändler für Kinder feilbieten, an langer Schnur auf den Boden wirft. Der Herr, dem es gelingt, den Ballon durch einen wohlge= zielten und fräftigen Fußtrit zum Plazen zu bringen, er­wirbt dadurch das Recht, mit der Dame zu tanzen. Nun ist aber solch Ballon ein launisches, bewegliches Ding und durchaus nicht so leicht zu erfaffen, als man sich vorstellt. Dadurch ergeben sich die lustigsten Bilder, und es dauert meist eine grausame Weile, bis einer der Herren das Kunst­stück zuwege bringt. Die Tour ist nicht sehr geistreich, aber Iuftig und gibt, wie gesagt, zu Szenen Anlaß, über die man herzlich lachen kann.

Drudfehler.( Aus einem Festbericht.) Bet dem nun fol­genden Erntezug erregte der Chor der Schnatterinnen be­sondere Aufmerksamkeit.

Aus dem Reiche der Technit.

Elektrische Anzeige der Schiffahrtslinie. Eine Erfin­duna. die für die Küstenschiffahrt non großer Bedeutung werden kann, wenn ihre Ruverlässigkeit sich erprobt, ist, mie die Magdeburgische Rettung" berichtet, dem ehemaligen Magdeburger Gewerbeafftstenten, Dr. Karl Arnold in Do­beran patentiert worden. Sie betrifft eine Vorrichtung zur elektrischen Webermittlung von Reichen die namentlich Verwendung finden soll. um in Flukmündungen, Hafen­etnfahrten usw. die Schiffahrtslinie fenntlich zu machen, wenn infolge unsichtigen Wetters die optischen Signale ver­fagen, oder, wie im Kriegsfalle, die Seezeichen eingezogen sind. Ferner soll die Vorrichtung dem paffierenden Schiffe etwa vorhandene Minensperren anzeigen. Die prinzipielle Einrichtung ist folgende: In der Kursrichtung des Fahr­wassers wird ein Kabel aelegt und mit Stromstößen, z. B. intermittierendem Gleichstrom. Wechselstrom oder Hochfre= quenzftrom, gefneist. Diefe Stromstöße wirken auf zwei ant Schiffe angebrachte Empfänger, durch deren Beobachtung an Bord festgestellt werden kann, ob das Schiff sich über dem Kabel befindet oder nicht. Der eine der beiden Empfänger ist in der Kiellinie des Schiffes, der andere brettschiffs an= gebracht. Je nach der Stellung des Fahrzeugs zum strom= führenden Kabel wird der eine oder der andere Apparat stärker ansprechen so daß es ohne weiteres möglich sein wird, das Schiff über oder neben dem Kabel. d. h. in der richtigen Fahrrinne zu halten. Diefelbe Einrichtung ge= stattet auch, von der Landstation aus Signale, z. B. Morse­zeichen, nach dem Fahrzeuge zu übermitteln und umgekehrt.

Eine Republik im russischen Reich.

In der Nähe des Pestherdes liegt jenes seltsame, un­definterbare Mittelding zwischen Staat und Anarchie, das unter dem Namen Imansche Republik" erst vor kurzem etwas genauer bekannt geworden tst, und noch in keinem Konversationslexikon oder Handbuch der Geographie zu fin­den ist. Es handelt sich um den sogenannten Primoffschen Kreis südlich des Bogaljadfagebirges und westlich vom Stchota- alin im Tale des Imanflusses, der bei der gleich­namigen Stadt in den Ussuri einmündet.

In diefer an Jagdtieren noch überreichen, von uner­meßlichen Wäldern bedeckten Gegend, die etwa 400 lm. von Wladiwostok entfernt Iteat, lebt trotz der großen Nähe der Utsuribahn eine nach mehreren tausend Köpfen zählende Bevölkerung weißer und mongolischer Rasse, ohne daß die russischen Polizeiorgane fich bisher um sie gefümmert hät­ten, nach thren eigenen Gesetzen, von denen die Eingebo­renen behaupten, daß sie durch die chinesische Regierung bestätigt worden seien. Als vor einiger Zeit unheimliche Nachrichten über gräßliche, in der Imanfchen Republif ver­übte Untaten nach Wladiwostok drangen. wollten die rus­fischen Behörden die Existenz Bieses Staates im Staate gar nicht für möglich halten, bis eine ausgesandte Kommission die Wahrheit der Tatsache bestätigte.

Die Veranstaltung des den Ostasiaten unentbehrlichen Hazardspieles ist dort nur während der Zeit vom 15. No­vember bis 15. Dezember eines jeden Jahres gestattet und wird außerhalb dieser Zeit mit 20 Stockschlägen auf die Fuß­fohlen und 200 la. Fleisch geahndet, dte in Gestalt leben­der Haustiere, meistens Schweine, zu entrichten sind. Sehr fretgebig ist der Stroffoder in der Verhängung der Todes­strafe. Wer ein Zobeifell stiehlt, wird lebendig begraben, auf den Diebstahl der von anderen vergrabenen, feltenen und kostbaren Jen- tschen- Wurzel steht als Strafe der Tod durch Ertränken. Jeder Hausbesitzer ist verpflichtet, einen Hund als Wächter zu halten oder sich von seinem Nachbarn einen auszuleihen, und wird, wenn er dies unterläßt. mit schweren Stockpritgeln bestraft. Dagegen hat jeder im Lande reisende Fremde überall das Recht, in jedem Hause drei Tage umsonst zu wohnen und für ieder weiteren Tag nur

40 Kopeken zu bezahlen. Er ist aber, wenn seine Reife in die Zeit des Jahreswechsels fällt, gehalten, 15 Rubel zur Feter des Neujahrsfestes beizusteuern. Von wirklichen Wohlfahrtseinrichtungen ist selbstverständlich in diesem nur Erwachsene berücksichtigenden, staatsrechtlichen Gebilde nicht zu finden. Alle in ihm vorhandenen Institutionen sind nur der verzweifelte Notbehelf einer über den Urzustand des Kampfes aller gegen alle hinausstrebenden Bevölke rung, um die fich die wirklich zuständigen. staatlichen Dr. gane nicht gekümmert haben, und die sich deshalb zum Schutz aus eigener Machtvollkommenheit ein in Blut getränktes, grausames Recht gegeben hat, wie es in den Lynchjustiz der ersten Einwanderer nach Kalifornien um die Mitte des vo­rigen Jahrhunderts sein Gegenstück gefunden hat.

Drabtnachrichten und neuestes.

Der Kronprinz Kommandeur der Leibhnsaren. Berlin, 6. März. Der Kronprinz übernimmt am 1. Oktober das Kommando des 1. Leibhusarenregiments in Langfuhr bei Danzig. Bei seiner Ankunft in Kairo wird der Kronprinz ein Telegramm des Kaisers vorfinden, das ihm diese Ernennung mitteilt.

Verbandstag der Haus- und Grundbesitzer. Berlin, 6. März. Der Landesverbandstag preußischer Haus- und Grundbesitzer begann gestern seine diesjährigen Beratungen.

Großer Holzarbeiterstreik.

Breslau, 6. März. Eine stürmisch verlaufene Mit­gliederversammlung des deutschen Holzarbeiterverbandes, Zahlstelle Breslau, lehnte die Vorschläge des Berliner Schiedsgerichts ab und beschloß, heute in den Ausstand zu treten. Etwa 20 000 Arbeiter werden die Arbeit einstellen. Ein neuer Krawall in Met.

Mezz, 6. März. Gestern abend gegen 7 Uhr kam es hier wiederum zu einem Krawall. Zwei einheimische junge Leute randalierten auf der Römerstraße und gerieten in einen Wortwechsel und dann in Streit mit Unteroffizieren. E sammelte sich eine große Menschenmenge an. Schutz­leute mußten einschreiten und nahmen die beiden jungen Leute fest. Aus der Menge wurden Rufe: Es lebe Frank­reich! Nieder mit Preußen!" laut. Bei dem Zusammenstoß sollen die Unteroffiziere blank gezogen haben und auf der anderen Seite soll von dem Messer Gebrauch gemacht wor den sein. Eine authentische Darstellung war bisher nicht zu erlangen.

Verurteilung wegen Landesverrats. Wilhelmshaven, 6. März. Das Oberkriegsgericht ver­urteilte den bermatrosen Jacob wegen Landesverrats zu 12 Jahren Zuchthaus. Die erste Instanz hatte auf sechs Jahre Zuchthaus erkannt.

Unfall eines Ballons.

Wilhelmshaven, 6. März. Der Ballon Nordsee" des Offizierluftschiffervereins geriet vor seinem Aufstieg nach der Füllung von der Banter Gasanstalt in die Stachel­drahteinfassung der Gasometer und wurde vollständig zer­riffen.

Ueberfallene Gefangenenwärter.

Karlsruhe, 6. März. Der Russe Filipson, der seiner­zeit am Glaswaldsee im Schwarzwald den Kaufmann Ems­heimer aus Cöln erschoß, hat gestern im Zuchthaus zu Bruch­fal, in dem auch der frühere Rechtsanwalt Hau seine lebens­längliche Zuchthausstrafe verbüßt, mit einem Eisenstab vom Fenster. den er sich zugespitzt hatte, einen Gefangenenwärter erheblich verletzt und einen zweiten, zur Hilfe herbeieilen­den Wärter erstochen.

Ein Geisteskranker in der Berliner Garnisonkirche. Berlin, 6. März. Gestern vormittag gegen 11 Uhr warf der frühere Oberfeuerwerker, jeßige Hilfsarbeiter beim Statistischen Landesamt, Franz Lufat, geboren am 23. De­zember 1870 in Julienfelde im Kreise Darkehmen, in der alten Berliner Garnisonkirche in der Neuen Friedrich­straße von der linken Empore einen Brief nach der kaiser= Itchen Loge hinab, in der sich die Kaiserin befand. Der Brief fiel vor dem großen Altar nieder, und wurde später dem diensthabenden Kammerherrn übergeben. Lukat ist fest­genommen und zur Polizeiwache geführt worden. Er hatte während des Gottesdienstes den Anfang des Briefes laut vorgelesen. Der Mann ist anscheinend geisteskrank und macht den Eindruck eines Schwindsüchtigen.

Liebes- und Eheaffären.

Regensburg, 6. März. Gestern mittag erschoß hier der Gärtnereibesizerssohn Georg Straubinger auf offener Straße aus Eifersucht seine Braut, eine Mühlenbesizers­tochter, beide aus der Umgebung von Regensburg. Der Täter eilte dann an die Donau und erschoß sich dort eben­falls. Das Mädchen starb kurz darauf, der Mörder war so­fort tot. Berlin, 6. März. Gestern morgen erschien der 50 Jahre alte Tischler Otto Lehmann, den seine Frau vor et­niger Zeit verlassen hatte, in deren Wohnung und bat, ihn wieder aufzunehmen. Die Frau weigerte sich aber. Der Mann entfernte sich dann und kam gegen mittag zum zwei­ten Mal wieder. Als die Frau auch jetzt wieder sich ableh­nend verhielt, zog Lehmann einen Revolver und feuerte einen Schuß auf seine Frau ab, der aber feh! ging. Leh­mann stürzte sich dann aus dem Fenster und war sofort tot. Vom elektrischen Strom getötet.

0 Berlin, 6. März. Ein Dachdecker hatte von einer hiesigen Elektrizitätsgesellschaft den Auftrag bekommen, mit einem Mechaniker das Dach der Schaltstation bei Ebers­walde einer Reparatur zu unterziehen. Bei der Arbeit kam der Dachdecker der Starkstromleitung zu nahe und wurde auf der Stelle getötet. Die Leiche ist teilweise verkohlt. Vertagung des Kwilediprozesses.

Leipzig, 6. März. Im Prozeß Kwilecki wegen Heraus­gabe des kleinen Grafen, der jetzt die Obertertia des Bres­lauer Magdalenen- Gymnasiums besucht, wird die Verhand lung vor dem Reichsgericht erst im Mai stattfinden.

Eine Ballon- Fuchsjagd.

Bitterfeld, 6. März. Gestern vormittag 11 Uhr 52 Mi­nuten nahm die vom Kaiserlichen Aeroklub veranstaltete Ballon- Fuchsjagd ihren Anfang. Ballon Delitzsch", der den Fuchs darstellte, stieg als erster auf, der letzte der 17 Ballons 1 Uhr 14 Minuten. Der Landungsplatz soll bet Dresden sein.

Dresden, 6. März. Der an der Bitterfelder Ballon­Zielfahrt beteiligt gewesene Ballon Schwaben" ist gestern nachmittag bei Helfenberg in der Nähe Dresdens niederge­gangen. Der Ballon blieb in den Bäumen hängen und mußte entleert werden. Die drei Insassen famen unver= sehrt davon.

Ueberseeflug eines französischen Militäraviatifers. Livorno, 6. März. Der Leutnant Bague von den alge­rischen Schüßen, der gestern früh in Nizza im Aeroplan aufgestiegen war und die Route nach Ajaccio eingeschlagen hatte, ist auf der Insel Gorgona bei Livorno gelandet. Wie ein von dort kommender Dampfer meldet, hielt Bague dte Insel für die Küste von Livorno. Der Aviatiker erlitt bei der Landung leichte Verlegungen, auch sein Apparat wurde beschädigt. Bague erzählte, er set um 7 1hr früh in Nizza aufgestiegen und habe so manches Mal befürchtet, ins Meer zit fallen. Die zurückgelegte Strecke beträgt 209 Kilometer.

Handel und Verkehr.

Cassel, 4. März. Weizen( 100 Kilogramm) 19.00 bis 19.50 M. Roggen( 100 Kilogramm) 15.60 bis 16.00 M. Gerste ( 100 Kilogramm) 15.50 bis 16.50 M. Hafer( 100 Kilogram) 15.50 bis 17.00 M. Heu( Bentner) 2.60 bis 3.30 M. St ( Bentner 1.60 bis 2.40 M.