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Jahres mit zwei Kameraden den Entschluß, zu entweichen, um der Schlechten Behandlung zu entgehen, dann aber wohl auch, weil die Ruhe der Marokkaner den Leuten we­nig oder feine friegerische Beschäftigung gab. Die drei gelangten in forcierten Märschen bis zum Grenzflusse Mu­luya: diesen hatten sie unter Aufbietung der letzten Kräfte glücklich durchwatet und sie glaubten sich bereits gerettet, als plötzlich eine Schar berittener Marokkaner auftauchte und ein lebhaftes Gewehrfeuer gegen die drei Flüchtlinge eröffnete. 3wei von diesen wurden bald getötet, Heel Eil­heim zweimal verwundet, so daß er sich nur mit größter Mühe auf den dichtbelaubten Gipfel eines Baumes retten und so unsichtbar machen konnte. Dort blieb er zwei Tage und Nächte lang, bis die Marokkaner verschwunden waren, trotz der furchtbaren Qualen, die ihm Hunger, Durst und seine Wunden verursachten. Dann letterte der Mann herunter und hinkte, so gut es ging, nach dem Mi­litärposten zurüd, auf dem seine Kompanie stand, um sich felbst zu stellen. Das Kriegsgericht, das sonst den Frem­denlegionären gegenüber in der Regel nicht zur Nachsicht neigt, hatte mit dem bedauernswerten Manne doch einiges Mitleid und verurteilte ihn daher zu der gesetzlichen Min­deststrafe von fünf Jahren Gefängnis.

Ein Prinz als Flugmaschinen- Erbauer. Wie aus Pots­bam mitgeteilt wird, interessiert sich Prinz Sigismund, der 19jährige Sohn des Prinzen Friedrich Leopold von Preu­Ben, sehr für die Flugkunst. Allerdings ist er vorläufig nur Theoretiker und hat seine Ideen noch nicht praktisch er­probt. Prinz Sigismund hat mit dem Bau eines Flug­apparates begonnen. Bekanntlich ist der Prinz im Tisch­lerhandwerk ausgebildet und hat infolgedessen auch die Holzteile für sein Flugzeug selbst angefertigt. Die mashi­nellen Teile werden unter zuziehung eines Fachmannes eingebaut. Der Prinz hat sich im alten Glienicker Schloß einen Raum als Werkstatt eingerichtet und arbeitet mit unermüdlichem Eifer an seinem Flugzeug. Im kommenden Frühjahr will er es praktisch erproben lassen. Das Mo­dell für die Maschine hat sich bei der Prüfung bewährt. Alle Teile sollen aus deutschem Material hergestellt wer= ben.

Einer zaubernden" Zigeunerin sind in Berlin zahl= reiche Frauen zum Opfer gefallen. Im Westen erschien am Morgen des 1. Januar eine hübsche, etwa 20jährige 3i­geunerin bei Arbeiterfrauen und Dienstmädchen, denen sie die Karten legte. Dabei erklärte die Wahrsagerin, daß die von ihr geweissagten schönen Zukunftsbilder nur dann Wirklichkeit werden würden, wenn ihr die Betreffenden die drei wertvollsten Gegenstände ihres Eigentums auf ei nen Tag überließen, damit sie diese zu Hause ,, bezaubern" fönne. So plump dieser Schwindel auch ist, so sind doch viele von denen, die ,, nicht alle werden", darauf hinein­gefallen. So vertraute ein Dienstmädchen der Schwindlerin eine goldene Uhr, eine seidene Bluse und ein Portemon­nate mit 20 Mark an, während andere Frauen und Mäd­chen der Zigeunerin Broschen, Ringe, Armbänder usw. übergaben.

Eine Spur vom Ballon Hildebrandt"? Aus Kopen­hagen wird gemeldet: Ein großer Luftballon überflog Mittwoch abend in ziemlich geringer Höhe die Stadt Hö­ganäs( Schweden). Er schien von Südosten zu kommen und setzte die Fahrt über Mölle und Kullaberg in nordwest­licher Richtung nach dem Meere zu fort. Als er Mölle passierte, wurde der Scheinwerfer der Hafenbehörde auf ihn gerichtet. Soweit man erkennen konnte, flog er in etwa 20 Meter Höhe mit ziemlicher Geschwindigkeit dahin. Nach Auskunft von sachverständiger Seite erscheint es aus­geschlossen, daß es sich um den seit Donnerstag vermißten Ballon Hildebrandt" handelt, da dieser sich bis allerhöh­stens Conntag früh hat in der Luft halten können.

Der letzte aktive Unteroffizier mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse. Der Wachtmeister Kettlig vom Schwedter Dra­gonerregiment, dem letzten Unteroffizier mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse, ist bei seinem Abschied aus dem Heer ein Schreiben des fommandierenden Generals des 3. Armee­torps v. Bülow zugegangen, das folgenden Wortlaut hat: Mein lieber Herr Wachtmeister Kettlig! Am Tage Ihres Webertritts in den Ruhestand möchte ich es mir nicht ver­sagen, Ihnen meinen Dank auszusprechen für die treuen und ersprießlichen Dienste, die Sie dem Vaterlande 44 Jah­re hindurch in Krieg und in Frieden geleistet haben. Mit Ihnen scheidet der letzte Unteroffizier aus der Front, dessen Brust das Eiserne Kreuz 1. Kl. schmückt, die schönste Aus­zeichnung, die dem Soldaten zuteil werden kann. Möge es Ihnen noch viele Jahre vergönnt sein, sich ihrer zu er= freuen und in wohlverdienter Muße auf ein Leben zurück­zublicken, das der Arbeit und der strengsten Pflichterfüllung gewidmet mar. In aufrichtiger Wertschäzung v. Bülow, General der Infanterie und fommandierender General."

Lebensgefährlicher Fußbodenbelag. In der letzten

Stadtverordnetenversammlung um ihre prinzipielle Zu- prozeßordnung nicht gewesen, dann würden vielleicht nur

stimmung zu dem Projekt, das nur etwa 20 000 Mart Kosten verursachen würde.

Yorids Schädel. In schallende Heiterkeit löste sich jüngst bei einer Aufführung des Hamlet in dem piemontesischen Orte Graglia die Darstellung der berühmten Totengräber­Szene auf. Eben hielt der melancholische Dänenprinz seine tiefsinnige 3wiesprache mit Yorics Schädel, als ein stram­mer Karabiniere die Bühne betrat und im Namen des Ge­setzes den aus den Wolfen fallenden Musenjünger um die Auslieferung des besagten Schädels ersuchte. Wie sich her­ausstellte, hatte der für naturalistische Inszenierung schwär­mende Regisseur den freundlichen Totengräber des Ortes um die Ueberlassung der notwendigen Requisiten gebeten, worauf dieser gegen ein gutes Trinkgeld echt shakespearisch feine Bedenken getragen hatte, sich an dem seiner Obhut unterstellten fremden Gut und Eigentum zu vergreifen.

Der schweigsame Gatte. Das Verhalten eines Ehe­mannes, der ein ganzes Jahr hindurch seiner Gattin gegen= über vollständige Schweigsamkeit bewahrt hat, bot den An­Iaß zu einem Ehescheidungsverfahren, das seine Gattin vor dem Londoner Polizeigerichtshof eingeleitet hat. Der Richter fragte die trostlose Frau, ob sie wünsche, daß er ihren Mann zum Sprechen bringe, worauf die Gattin er­widerte, daß sie gerne auf das Vergnügen verzichte, alles, was sie wünsche, sei eine Scheidung von ihrem Gatten, der die Eintönigkeit seines Stillschweigens durch wiederholte Prügeleien unterbreche. Wenn sie sich auch nichts aus dem Schweigen machen würde, die Prügel könne fie aber nicht länger ertragen. Der Richter gab der Frau den Rat, den Mann zu verlassen und sodann ein Scheidungsverfahren wegen fortgesetzter Mißhandlung einzuleiten.

Vater Gregors" Tod. Krankheit und Nahrungssorgen haben den 70 Jahre alten Droschkenfutscher Franz Gregor in Berlin in den Tod getrieben. Der alte Mann saß 39 Jahre lang auf dem Kutscherbock und war allen seinen Berufsgenossen als Vater Gregor" bekannt. Die letzten sechs Jahre mußte er sich als Witwer sein Hauswesen selbst besorgen, dazu kam, daß er seit 13 Wochen wegen eines Fußleidens erwerbsunfähig war. Als er am 2. Januar die Miete bezahlte. legte er sie der Hausverwalterin mit den Worten hin: Das ist das letzte Geld". Die Ersparnisse wa­ren aufgebraucht und Krankengeld gab es nicht mehr. In dieser Lage griff Vater Gregor zum Strick und erhängte sich am Bettpfosten. Als eine Arbeiterin, die bei ihm wohnte, am Abend nach Hause fam, war er tot.

Dänische Zuchthäusler.

Aus Kopenhagen wird geschrieben: Der frühere Justiz­minister Alberti ist bekanntlich wegen Urkundenfälschung, Betrugs und strafbarer Zuwiderhandlung gegen das Spar­fassengesetz zu einer Gesamtstrafe von acht Jahren Zucht­haus, der gesetzlichen Höchststrafe, verurteilt worden. E8 wird von Interesse sein, etwas näheres von dem Schicksal zu erfahren, dem der einstige oberste Hüter der Gerechtig­feit" in Dänemark entgegengeht. Die Buchthausstrafe wird in Dänemark, wenn sie, wie hier, die Dauer von 6 Jahren überschreitet, immer im Zuchthause zu Horsens( Jütland) verbüßt; Verbrecher, gegen die eine Zuchthausstrafe von un­ter 6 Jahren verhängt ist, können dem sogenannten Ver­besserungshause" zugewiesen werden, wo das Einzelhaft­system herrscht. Im Zuchthause zu Horsens, dessen Insasse Alberti ist ist ein progressives System" durchgeführt, das sich hauptsächlich außer durch Zwangsarbeit, auch durch ge­meinsame Beschäftigung der Zuchthäusler charakterisiert. Alberti wird nach dem Horsener Zuchthausreglement fol= gende sogenannte Strafstadten" im Zuchthause durchzu­machen haben:

Das erste Stadium, das sogenannte Vorbereitungssta­dium dauert drei Monate und dient wohl hauptsächlich da= zu, den neuen Insassen zu afklimatisieren". In diesem Stadium darf sich der Zuchthäusler entweder in einer ge= meinsamen Arbeitsstube oder in Einzelhaft befinden( nach seiner eigenen Wahl). Jede Extraverpflegung ist hier schon ausgeschlossen. Der Arbeitstag dauert mit den Unterbre­chungen, welche die Mahlzeiten und die Spaziergänge im Zuchthause mit sich führen, von 5% oder Uhr früh bis 8 Uhr abends. In den beiden hierauf folgenden Stadien wird die Strafe immer in gemeinsamen Arbeitsstuben, in Arbeitsfolonnen verbüßt. Das erste dieser beiden Stadien ist das eigentliche Zwangsstadium"; dies Stadium hat wiederum 4 Klassen, der Zuchthäusler bekommt eine durch genaue Bensuren gekennzeichnete Beurteilung seines Be­nehmens und seiner Führung; hiernach wird wiederum sein Aufrücken in die höheren Klassen bestimmt; fede höhere Klasse zeichnet sich gegenüber den niedrigeren durch eine etwas weniger strenge Aufsicht aus; die Freiheiten und das Arbeitsverdienst werden allmählich etwas größer. Das nächste dritte Stadium wird im besten Falle nach 4 Jahren erreicht. Es heißt das Uebergangsstadium" und ist dazu bestimmt, eine Art Uebergang zur Freiheit zu bilden.

Das letzte Stadium ist dasjenige der bedingten Be­gnadigung". Dies Stadium wird im besten Falle nach 6 Jahren erreicht und setzt voraus, daß der betreffende Zucht­häusler durch sein Betragen im Zuchthause zu der Hoff­nung berechtigt, daß er fortan ein nübliches Mitglied der Gesellschaft werden kann. Das Stadium wird Alberti frit­hestens im Jahre 1916, als 65jähriger erreichen.

die 150 Zeugen der Anklage vernommen worden sein und die der Angeklagten gar nicht. Wenn irgend ein Prozeß, so hat es dieser bewiesen, wie dringend notwendig gerade diese Bestimmung der Strafprozeßordnung ist, wenn nicht ein ganz schiefes Bild erzeugt werden soll. Es ist über­haupt interessant, welche Wandlung in den bürgerlichen Kreisen von Moabit im Verlaufe der Unruhen eingetreten ist. Zuerst war die Entrüstung über das Verhalten der Menge natürlich, aber dann entrüstete man sich über die Polizei. Die Bekundungen unserer Zeugen sind hier mit einer Ruhe und Objektivität gemacht worden, daß man ſa= gen muß, diese Zeugen haben absolute Glaubwürdigkeit für sich. Diese Aussagen kann man mit ein paar wohlfeilen Redensarten nicht aus der Welt schaffen. Wo wir auch nur das geringste Bedenken hatten, da haben wir die Zeu­gen gar nicht in unsere Sammlung aufgenommen, die im übrigen 675 3eugen umfaßt. Unsere Zeugen haben posi= tive Tatsachen befundet. Auffällig sei auch, daß die Polizei­offiziere von den massenhaften Mißhandlungen nicht das geringste gesehen haben wollen. Es haben Zeugen bekundet, daß die Mißhandlungen in nächster Nähe der Offiziere, ja vor den Augen der Offiziere vorgekommen sind. Ich habe das volle Recht, in diesem Falle zu sagen: Ich glaube nicht, daß die Polizeioffiziere es nicht gesehen haben. Es kommt ja auch vor, daß Beamte mit Absicht etwas nicht sehen wol­len. Es ist gesagt worden, daß die Polizeioffiziere sich um= drehten und daß dann ein Schritt hinter ihnen die Leute niedergeschlagen wurden. Dann müssen die Offiziere es aber doch wenigstens gehört haben. Wenn sich die Polizet übrigens nicht einmal im Falle der englischen Journalisten zu einer offenen, rückhaltlosen Entschuldigung bereit ge= funden. sondern auch hier versucht hat, das Vorgehen der Beamten zu rechtfertigen und ihre Erklärung einzuwickeln in Redensarten, um es erscheinen zu lassen, als ob die Journalisten die Schuldigen wären, dann kann sich doch kei­ner wundern, wenn die unteren Polizeiorgane es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen.

Vorsitzender Landgerichtsdirektor Lieber mit erregter Stimme: Ich muß es als durchaus unzulässig erklären, daß Sie hier in ziemlich deutlicher Weise dem Polizeipräs fidcuten unwahrheiten vorwerfen, noch dazu in einem Falle, dessen Erörterung das Gericht ausdrücklich abgelehnt hat. Bald darauf bricht Rechtsanwalt Heine sein Plädoyer ab, um es Freitag fortzusehen.

Drabtnachrichten und neuestes.

Ein Jagdansflug des Kaisers.

Berlin, 6. Januar. Der Kaiser hat sich heute vor­mittag auf einige Tage nach dem Jagdschloß Hubertus stock bei Eberswalde begeben.

Unfall eines D- 3uges.

Berlin, 6. Januar. Der gestern 9 Uhr abends auf dem Stettiner Bahnhof fällige D- Bug Kopenhagen- Berlin hatte fahrplanmäßig 5 Minuten vor 8 Uhr die Station Gransee verlassen. Etwa 10 Minuten später wurden die Insassen durch einen furzen, kräftigen Ruck, dem bald darauf weitere Stöße folgten, durcheinandergeworfen. Es bemächtigte sich der Mehrzahl der Reisenden eine große Bestürzung. Sie spraugen aus dem Zuge, der sich in der Nähe der kleinen, fürzlich eröffneten Station Buberow befand. Es bot sich ihnen ein aufregender Anblick. Die Lokomotive des D- Zuges war in einen Güterwagen, in dem sich 8 bis 10 Ochsen be­fanden, mit solcher Wucht hineingefahren, daß sie sich tief in den Wagen hineingebohrt hatte und mit den Vorderrädern hoch in die Luft ragte. Die Tiere lagen teils tot, teils schwer verletzt auf den Schienen. Das Zugpersonal des D= Zuges und die Insassen famen glücklicherweise mit leichten Kontusionen und Hautabschürfungen davon. Anseinend war der Zusammenstoß durch ein Versehen beim Rangle­ren des Güterwagens entstanden. Vom D- Zuge sind die Lokomotive und der Gepäckwagen völlig zertrümmert. Die Beförderung der Reisenden wurde durch Umsteigen bewerk­Stelligt.

Offizierstragödie.

Berlin, 6. Januar. Eine Offizierstragödie hat sich gestern abend im Nordwesten Berlins abgespielt. In seiner Wohnung im Hause Luisenstraße 24a verübte der 27jährige Leutnant Walter vom Dragonerregiment Königin Olga von Württemberg Selbstmord, indem er sich eine Kugel in den Kopf jagte. Die Tat wurde erst einige Stunden später ent­deckt, als der Bursche des Offiziers feinen Einlaß in die Wohnung fand. Die Ursache zum Selbstmord ist noch nicht aufgeklärt doch wird angenommen, daß der Leutnant die Tat in einem Anfalle von Nervenüberreizung began­gen hat.

Durch flüssiges Eisen verbrannt.

Berlin, 6. Januar. In einer Eisenfabrik in Köpenick spritzte, als Altmaterial sich im Schmelzofen befand, ein Teil des kochenden Eisens aus dem Kessel und floß einem Schmelzer auf den Rücken. Der Verunglückte mußte so­fort lebensgefährlich verletzt nach dem Krankenhaus ge­bracht werden.

Raubüberfall auf einem Postamt.

Berlin, 6. Januar. In einem Berliner Bostamt verübte gestern abend ein junger Mann einen Raubüber­fall auf einen Hausdiener einer Handlungsfirma. Er streute dem Hausdiener, der ein Wertpaket über mehrere hundert Mark aufgeben wollte, Pfeffer in die Augen, riß

Sigung des Düsseldorfer Architekten- und Ingenieuver Staatsanwalt und Verteidiger in Moabit. faenen nahmen verschiebene Personen die Verfolgung des

eins wurden die Anwesenden mit einer Tatsache bekannt gemacht, welche die weiteste Kenntnisnahme verdient: Es find nämlich sehr unangenehme Erfahrungen mit Fußbo­denbelag und Gasröhren in Neubauten gemacht worden, die erst seit wenigen Jahren vollendet waren. Ihre Be­tondecken waren mit einer 6 Zentimeter starken Bimsbeton­schicht überdeckt, in welche eiserne Nohre für die Gasleitung gelegt waren. Ueber dem Bimsfies war eine Schicht Kork­Estrich als Unterlage für Linoleum oder fugenlose Fuß­böden angebracht. Dieser Estrich besteht aus einer Mischung von Chlormagnesium, Magnesit und Abfallstoffen von Kork. In dem Hause machte sich starker Gasgeruch bemerkbar; die Böden wurden aufgehoben, und es zeigte sich, daß die meisten Gasrohre zerfressen, stellenweise sogar verschwunden waren. Das Gutachten eines chemischen Sachverständigen sagt, daß zuviel Chlormagnesium verwendet worden sei. Wenn der Bimsboden einen Kalfzusatz erhalten hätte, oder nicht zu mager und durchlässig, sondern von oben her durch eine Zementschicht geschützt gewesen wäre, hätte das Chlor= magnesium nicht eindringen können, oder es wäre chemisch anders gebunden gewesen.

Eine Gasanstalt als Schwimmbad. Ein ebenso origi­neller wie praktischer Vorschlag ist von seiten des Breslauer Magistrats dem Stadtverordnetenkollegium zugegangen. Es handelt sich um die Nutzbarmachung einer städtischen Gas­anstalt, die nach Erbauung mehrerer neuer Gasanstalten überflüssig geworden ist. Der Magistrat ist aber zu dem Ergebnis gekommen, daß die Kosten des Ausbaues zu einer Turn- oder Reithalle unverhältnismäßig hoch sein würden. Dagegen ließe sich der wertvolle Wasserbehälter im Grunde des Gebäudes wohl noch ausnuten, wenn er im Sommer mit Wasser gefüllt und der Jugend des dicht bevölkerten Stadtteils zum Baden und Schwimmen zur Verfügung ge= stellt würde. Bei dem stetig zunehmenden Besuch der städti­schen Freibäder und der hohen Bedeutung der Badegelegen heit für die Volksgesundheit erscheint die Ausführung des Projektes erwägenswert. Der Vorzug einer solchen Bade­gelegenheit gegenüber einem Hallenschwimmbade beruht fo= wohl in seiner Größe als auch in seiner freien Lage. Der Magistrat will das Bad im wesentlichen als Wohlfahrts= einrichtung betrachtet wissen und es daher zeitweilig auch der freien Benupuna zugänglich machen. Er bittet dté

Im Moabiter Krawallprozeß, der jetzt, wie gemeldet, in das letzte Stadium gerückt ist, fuhr der Erste Staatsan= walt Steinbrecht am Donnerstag in der Stellung der Strafanträge fort. Gegen den Angeklagten Bock, der zwei Schubleute mit einem Messer gestochen hatte, beantragte er Jahre Gefängnis; im übrigen variierten die Strafan­träge im Maße von 2 Monaten für die leichten Ver­gehen, wie aufreizende Zurufe usw.- bis zu einem Jahr 3 Monaten Gefängnis.

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Sodann nahm das Wort Staatsanwalt Stelzner. Er bespricht die Vorgänge nach dem 26. Dezember. Es hat sich, ganz außerhalb der vorgekommenen Gewalttätigkeiten ein geradezu ungeheuerer Terrorismus gegenüber den Ar­beitswilligen gezeigt. Bezeichnend dafür ist, daß die Ar­beitswilligen hier vor Gericht als Zeugen über das Vor­gehen der Streifleitung in Ausdrücken gesprochen haben, wie sie sonst nur inbezug auf die Staatsgewalt angewendet werden. Im einzelnen beantragt der Staatsanwalt für die Angeklagten, die wegen Vergehens nach dem 26. September angeklagt sind, Strafen von 2 Monaten bis zu 1 Jahr 6 Monaten. Die schärfste Bestrafung beantragt er für den Gastwirt Pilz, dessen Lokal in der Beweisaufnahme eine so große Rolle gespielt hat.

Hierauf ergreift Verteidiger Rechtsanwalt Heine das Wort: Man müsse staunen über die Fülle des Materials, die dieser Prozeß ergeben habe, und müsse bedauern, im Plädoyer nicht noch einmal das gesamte Material an sich vorüberpassieren lassen zu können. Auch der Erste Staats­auwalt, sagte er, stehe auf dem Standpunkt des Gerichs, daß alle Zeugen nach Erledigung des speziellen Teils über­flüssig gewesen wären. Ich weiß nicht, ob das Gericht auch heute noch der Meinung ist. Wären die an sich vielleicht wenig beträchtlichen Einzelfälle für sich einzeln behandelt worden, so wäre es nicht möglich gewesen, ein Gesamtbild in solchen Umfange zu bekommen. Wir haben von der Staatsanwaltschaft gehört, daß die Aussagen der Zeugen der Verteidigung keine Bedeutung hätten. Ich kann noch 200 Zeugen bringen, die öffentlich befunden werden was hier vorgeführt wurde. Es ist weiter die Strafprozeßordnung verantwortlich gemacht worden, daß die Beweisaufnahme einen solchen Umfang angenommen hat. Wäre die Straf=

Verbrechers auf. Dieser floh in das Nebenhaus und wurde dort auf dem Boden ergriffen. Das Wertpaket wurde der Firma zugestellt.

Ein glücklicher Finder. Charlottenburg, 6. Januar. Ein hiesiger Chauffeur fand im Dezember 1909 in seiner Autodroschfe eine Tasche enthal­tend 40 000 Rubel in bar und für 50 000 Mark Diamanten, Perlen und Goldgeschmeide. Da der Eigentümer sich bis= her nicht gemeldet hat, wurde der Chauffeur jetzt von der Behörde aufgefordert, den ganzen Fund abzuholen.

Gefährliches Treiben eines Brandstifters. Lübeck, 6. Januar. Ein Brandstifter äscherte in def drei letzten Nächten in den lübeckischen Dörfern Gronsforde, Reecke und Moorgarten fünf Häuser ein. Bisher konnte er nicht entdeckt werden.

Aus einem fahrenden Zuge gestürzt. Aöln, 6. Januar. Auf der Eisenbahnstrecke Troisdorfs Köln fiel eine Frau mit ihrem 12jährigen Mädchen aus dem fahrenden Zuge. Das Mädchen geriet unter den Zug und wurde überfahren.

Entdeckung eines geplanten ruchlosen Attentats. Amsterdam, 6. Januar. Auf einer Dampfstraßenbahn in Nordholland wurden zwei Flaschen Nitroglyzerin mit einer Lunte gefunden. Ein Mann aus Amsterdam, der der Tat dringend verdächtig ist, wurde verhaftet.

Was im franzöfifchen Heere alles möglich ist. Toulon 6. Januar. Eine Handwerkerkompanie des 10. Artillerieregiments hat heute wegen schlechter Nahrung die Arbeit verweigert und die Abendmahlzeit abgelehnt. Nach Intervention des Obersten war um 9 Uhr abends die Ord­nung wieder hergestellt.

Reformen der portugiesischen Regierung. Lissabon, 6. Januar. Das Ministerium wird demnächst eine Anzahl in demokratischem Sinn gehaltener Reformen in straft treten lassen, die später der konstituierenden Ver­sammlung unterbreitet werden sollen. Es handelt sich dabet um die Einrichtung eines wöchentlichen Ruhetages, Erlaß cines Wahlgesetes, staatlichen Schutz des Greisen- und Kin desalters sowie den Mutterschub, Verbesserung des Elemen­tarunterrichts, Entwickelung des Hochschulunterrichts, na= mentlich des medizinischen, und Verwaltungsreformen.