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Gießener Zeitung
( Neueste Nachrichten)
Bezugspreis 50 pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen
oiertelfährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mr. Erscheint Mittags 3 Uhr. Die„ Illuftr. Weltrundschau" liegt alle 14 Tage einmal gratis bei. Redaktion: Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung ,, G. m. b. H.
Nr. 156.
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Telephon: Nr. 362.
Hessischer Landtag.
Die Erste Kammer hielt gestern von 10 Uhr ab zunächst eine vertrauliche Beratung über die Ge meinde steuerreform. In der um ½ 12 Uhr beginnenden öffentlichen Sitzung wurden die Regie= rungsvorschläge mit wenig Aenderungen an= genommen. Nur bei Artikel 18( Warenhaussteuer) beschloß die Erste Kammer, auf ihrem früheren Beschluß zu beharren. Zum Schluß sprach der Vorsitzende des Finanzausschusses, Graf Erbach- Fürstenau, noch sein Bedauern darüber aus, daß es dem Ausschuß nicht mög lich gewesen sei, weitere Erleichterungsbestimmungen, namentlich hinsichtlich der Gewerbesteuer, in das Gesetz hineinzubringen, wie es der Wunsch der Gesetzgeber gewesen sei. Nach Annahme der Abänderungen über die Gemeindesteuervorlage stimmte die Kammer auch dem Initiativantrag Dr. Weber und Brauer in der ihm von der Regierung gegebenen Fassung zu. Der Antrag behandelt die Ablösung der Steuerfreiheit einzelner steuerfreier Gemarkungen.
Die 3 weite Kammer stimmte in der gestrigen Sitzung zunächst dem Gesetzentwurf über den Arbeiterschutz und die Unfallverhütung bei Bauten zu. Minister von Hombergk gab dabei die Erklärung ab, daß die Regierung eventuell die Anstellung von Hilfskontrolleuren aus dem Arbeiterstand veranlassen werde. Die Regierungsvorlage betreffend den Verkauf des Borheimer Hofes wird debattelos nach dem Ausschußantrag abgelehnt. Die Vorlage betr. die Ausübung der Stockholzbe= rechtigung wird angenommen. Darauf erklärte das Haus eine Reihe von Vorstellungen und Anträgen für erledigt und beschließt, den Antrag Dr. Csann u. Gen. betr. die Neuorganisation der Baubehörde der Verein fachungskommission zuzuweisen. Die Wahl des Justizrates Grünewald- Gießen wird für giltig flärt.
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Es folgt dann eine Debatte über den Antrag Ulrich, Reh und Molthan betr. die Revision des Eisenbahngemeinschaftsvertrages. Nach furzen Erklärungen der Antragsteller wird zur Abstimmung geschritten. Die Anträge Ulrich und Reh werden mit großer Mehrheit abgelehnt und der Kompromiẞantrag des Ausschusses, der im wesentlichen dem Antrag Molthan entspricht, einstimmig angenommen.
Die Neuwahlen für den Hessischen Landtag werden voraussichtlich Anfang November stattfinden. Die Kreisämter des Großherzogtums sind soeben vom Ministerium des Innern angewiesen worden, die Feststellung der neuen Wählerlisten für die kommenden Neuwahlen die bekanntlich die Hälfte der Kammermandate und je einen neuen Abgeordneten für die fünf größten Städte, sowie drei neue Abgeordnete für drei weitere ländliche Wahlkreise umfassen werden bei den Bürgermeistereien zu veranlassen. Den Bürgermeistern wird nach der Verfügung des Ministeriums zur Pflicht gemacht, die Listen mit größter Gewissenhaftigkeit aufzustellen und vor der Eintragung der Namen aller neuen Wähler genau zu prüfen, ob die Voraussetzungen für
Prinz Heinrich- Fabrt.
Braunfels, 5. Juli. Die grauen, runden Türme des efeuumsponnenen und in stiller Waldabgeschiedenheit liegenden Schlosses des alten Grafen- und Fürstengeschlechts zu Solms= Braunfels sahen heute ein Leben von so eigenartigem Reiz, wie sie es wohl noch nie erblickt haben. Herrlicher Sommersonnenschein blitzte durch die schattigen Alleen, und lustig flatterten die bunten Fahnen zu Ehren der Gäste, die aus allen Teilen des deutschen Reiches und jenseits des Kanals gekommen sind, um im friedlichen Wettbewerb ihre Kräfte zu messen, im Morgenwinde.
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Morgens 7 Uhr. Noch sind die holprigen, engen Straßen leer. Aber bald wird es lebendig, per Rad und Auto kommen sie herbei, die Schaulustigen; Wetzlar und Gießen stellen das größte Kontingent. Kurz nach Uhr donnert der erste Wagen heran; doch das Tempo ist nur mäßig, da die zahlreichen und gefährlichen Serpentinen, die zum Schlosse emporführen, größte Vorsicht gebieten. Namentlich die letzte haarscharfe Kurve, die außerdem noch von einer größeren Menschenmenge dicht besetzt ist, stellt große Anforderungen an das Können der Fahrer: das Steuer mußte förmlich nach rechts herumgerissen werden, um nicht in die Menge hineinzu fuhrwerken.
der Großherzoglichen Bürgermeisterei
des Großherzoglichen Polizei- Amtes Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.)
sowie vieler anderer
Donnerstag, den 6. Juli 1911.
die Berechtigung zur Teilnahme an der Wahl nach den Vorschriften des neuen Wahlgesetzes auch vorhanden sind.
Aus Stadt und Cand.
Gießen, den 6. Juli.
( Gießener Tageblatt)
Anzeigenpreis 15 Pfg.
die 44 mm breite Inseratenzeile.- Stellen: gesuche und Familienanzeigen 10 Bfg. Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pfg. Extrabetlagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Berbindlichkeit. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b.§.
Telephon: Nr. 362.
23. Jahrg.
Buchhaltung der Ministerien des Innern und der Justiz ernannt.
*) Alsfeld, 6. Juli. Die nationalliberale Partei will als Kandidaten für die nächste Reichstagswahl den Direktor der landw. Winterschule, Heck, aufstellen. == Schotten, 6. Juli. Zwei gute Freunde gerieten in Streit, in dessen Verlauf der eine dem anderen einen Pflasterstein an den Kopf warf und sehr schwer verletzte.
*) Marburg, 5. Juli. Ein eigenartiger studentischer Umzug, der anscheinend das Athletenfest, von dem wir gestern berichteten, illustrieren sollte, durchzog ge=
* Eine Veränderung in dem Personal der Kreisbauinspektionen der Streise Gießen, Alsfeld und Lauterbach wird am 1. Oktober d. Js. eintreten. Der Kreisbauinspektor Hechler in Lauterbach wird an Stelle des in den Ruhestand tretenden Baurats Diehm nach Gießen und der Kreisbautern nachmittag unter dem tosenden Beifall der Menge inspektor Fischer in Alsfeld nach Lauterbach versetzt. Mit Versehung der Stelle des Kreisbauinspektors in Alsfeld ist der Vorsteher des dortigen Hochbauamtes, Baurat Berth, in Aussicht genommen. Eine Neubesetzung der letzteren Stelle wird vorläufig nicht eintreten, da wohl das Eingehen dieses Hochbauamtes mit der beabsichtigten Neuorganisation im Bauwesen zu erwar ten ist. Die Funktionen des Hochbauamtes werden künftig durch die betreffenden Kreisbauinspektoren mitversehen.
* Der Fall Soxhlet nennt sich eine umfangreiche Denkschrift, in der Geheimrat Wagner- Darmstadt, der Vorstand der Großh. Landw. Versuchsstation, sich und den Bund der Landwirte sowie das Kalisyndikat Das gegen die Vorwürfe Soxhlets zu schützen sucht. Buch hat zu einem großen Teil fachtechnischen Inhalt und ist in der Hofbuchhandlung von Joh. Waitz- Darmstadt erschienen.
*) Der Plan über die Herstellung unter= irdischer Telegraphenlinien in Gießen liegt bei dem Kaiserlichen Telegraphenamt in Gießen von heute ab 4 Wochen aus.
* Marktverbot. Nachdem die Maul- und Klauenseuche im Kreise Gießen ausgebrochen ist und besonders in Holzheim den Viehbestand vernichtet, hat die Behörde sämtliche Schweinemärkte in der Stadt Gießen bis auf weiteres verboten.
Flugtage in Herborn. Der Aviatiker Oswald Kahnt ist für die Tage des 7. bis einschließl. 10. ds. Mts. gewonnen worden. Am Abend des 10. werden mehrere Schauflüge stattfinden. Wie man hört, will K. auch von Herborn nach Wetzlar fliegen.
-a- Bad Nauheim, 6. Juli. Das amerikanische Unabhängigkeitsfest, das alljährlich hier gefeiert wird, Dollzog sich in diesem Jahre in einem glanzvolleren Rahmen. Die ganze amerikanische Kolonie versammelte sich in dem prächtig ausgeschmückten Saal des Konzerthauses, der für das am abend stattfindende Blumen fest reich mit lebenden und künstlichen Blumen dekoriert war. Mit großen Jubel wurde das Erscheinen des Ex- Präsidenten Diaz von Mexiko begrüßt. Auch der frühere ungarische Minister Franz v. Kossuth nahm am Feste teil.
*) Friedberg, 6. Juli. Der Finanzaspirant Werner Tönges wurde zum Ministerialrevisor bei der
Die Fahrtteilnehmer wurden von den Zuschauern lebhaft begrüßt. Prinz Heinrich hatte sich, wie viele andere Fahrer auch, beim Kilometerstein 51,3 verfahren; statt rechts nach Braunfels abzubiegen, war er geradeaus nach Weilburg weiter gefahren, und so kam es, daß der graue Benzwagen des Prinzen, der die Startnummer 1 trug, erst um 9.45 Uhr eintraf. Da der hohe Fahrer nicht vermummt war, auch keine Autobrille trug, so wurde er sofort von dem Publikum erkannt und mit lauten Hurrarufen empfangen; von verschiedenen Seiten wurden Blumen in den Wagen geworfen. In dem prachtvollen alten Rittersaal fand die Frühstückstafel statt, zu der auch der Landrat des Kreises, Dr. Sartorius= Wetzlar geladen war. Nach ungefähr einstündigem Aufenthalte wurde die Weiterfahrt durch den lieblichen Mühlengrund fortgesetzt. Auf dem Schloßhose war vorher noch eine photographische Aufnahme von den gerade anwesenden Prinz- Heinrich- Fahrern gemacht worden.
Besonderes Interesse erweckten auch die englischen Wagen, die vielfach durch ihre eigenartige Form auffielen. An der Fahrt nahmen u. a. teil: The Duke of Connaught, der bei der jüngst stattgefundenen englischen Königsfrönung eine Hauptrolle spielte, und Sir Arthur Conan Doyle, der Schöpfer der weltbekannten Detektivfigur„ Sherlok Holmes". Daß der berühmte Autor auch sein. couragierter Sportsmann ist, dürfte vielen neu
die Straßen der Stadt. Eröffnet wurde der Zug von einer urkomisch zusammengesetzten Dilettantenkapelle. Die übrigen Zugteilnehmer, deren einzelne Gruppen Schilder mit Dorfnamen vorangetragen wurden, hatten sämtlich verbundene Köpfe und Gliedmaßen. Auf der Ketzerbach veranstalteten die Zugteilnehmer ein Meisterschaftsringen.
* Offenbach, 4. Juli. Durch Offenlassen der Schranken wurde gestern nachmittag beim Bahnübergang bei Mühlheim durch den von Berlin kommenden Schnellzug das Pferd eines durch einen Jungen gelenkten Bauernfuhrwerks getötet.
== Darmstadt, 5. Juli. Im Kaisersaale fand gestern abend eine von der Fortschrittlichen Volkspartei einberufene Versammlung statt, in der im Gegensatz zu den Ausführungen Prof. Biermers Gießen der Stadtverordnete Hennrich für eine Revision der hess.- preußischen Eisenbahngemeinschaft eintrat. Auch Landtagsabgeordneter Reh sprach sich für die Revision aus und erläuterte seinen in der Kammer gestellten Antrag, der dahin geht, daß die Regierung feststellen wolle, ob und in welcher Höhe die hessischen Linien seither über das ursprüngliche Teilungsverhältnis hinaus Transporte geleistet haben, für welche der Staat nicht die entsprechenden Bezüge erhalten habe, und ferner, daß und in welcher Höhe Aufwendungen für Neu- und Umbauten, sowie für Fahrzeuge usw. zur Bewältigung dieser Transporte von Hessen geleistet worden sind. Den beiden Reden folgte lebhafter Beifall. Den Verhandlungen wohnten Vertreter aller Parteien bei; auch ein Vertreter der Eisenbahndirektion Mainz war anwesend.
* Koblenz, 5. Juli. Die Straffammer verhängte eine empfindliche Strafe über einen 18 Jahre alten Schreinerlehrling aus Essen, der mit einem anderen an einer gefährlichen Stelle der Hunsrückbahn 2 schwere Steine auf die Schienen gewälzt hatte. Ein herankommender Personenzug konnte eben noch rechtzeitig zum Salten gebracht werden, so daß ein Unglück verhütet wurde. Die Straffammer verurteilte den Lehrling mit vier Jahren Gefängnis. Rücksicht auf die Gemeingefährlichkeit seines Tuns zu
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Nierstein, 4. Juli. Eine Herde von zehn Gänsen und zwei Enten wackelte gestern lustig auf dem Bahngleis in der Nähe der hiesigen Station einher, als plötzlich ein Schnellzug dahergebraust kam. Die Tiere vermochten sich nicht mehr zu retten. Sie wurden alle überfahren und auf der Stelle getötet.
| Auf den Kühlern hatten die englischen Wagen neben phantasiereichen Verzierungen vielfach abenteuerliche Gestalten angebracht. Am meisten war der Teddybär vertreten, der hin und wieder in die Gestalt eines Teddyaffen ausartete. Der schon erwähnte Doyle hatte nicht etwa den bekannten„ Hund von Baskerville" als Fahrtbegleiter mitgenommen, sondern einen ausgestopften Papagei und ein Glückshufeisen aus bunten Blumen. Ziel des heutigen Tages war Köln. Am Freitag werden die Wagen in Bremerhaven verladen und mit dem Dampfer„ Großer Kurfürst" nach England transportiert. Montag, den 10. Juli, wird die Fahrt in England fortgesetzt; Donnerstag, den 20. Juli, ist Fest- Bankett und Preisverteilung in London.
Möge die diesjährige Prinz Heinrich- Fahrt, die kein internationaler Wettbewerb ist, sondern eine freundschaftliche Geselligkeitsfahrt, alle die Erfolge bringen, die der hohe Stifter des wertvollen Ehrenpreises und die Veranstalter von ihr erhoffen!
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* Die Ankunft in Köln. Um 2 Uhr 35 Minuten passierte als erster Wagen der Wagen der Fahrtleitung und als zweiter der Wagen des Prinzen Heinrich die Ziellinie. Es folgt nunmehr Wagen auf Wagen. Bis 74 Uhr hatten 60 Wagen in Konkurrenz die Ziellinie passiert.
in Gießen.


