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ten Stods und blieb mit zerschmetterten Gedern auf der Straße liegen. Giebner war Vorzugsschüler und wies in mtlichen Gegenständen die Note" fehr gut" auf, nur selchnen und Schönschrift waren seine schwache Seite. Als gestern sein Fachlehrer Erlinger in seinem Hefte einige usbesserungen machte und dem Knoben den Auftrag er­leilte, die Aufgaben noch einmal zu schreiben, wirkte dies auf den Knaben so deprimierend, daß er blitzschnell zum fenster lief und vom zweiten Stockwerf hinabsprang. Gieb­ner hat sich troß seiner Jugend schon seit längerer Zeit mit Selbstmordabsichten getragen. Es liegt unbedingt hanthafte Veranlagung vor. Der ältere Bruder machte box furzer Zeit einen ähnlichen Selbstmordversuch. Als Jamals die Mutter von dem Unglücksfall hörte, wollte sie leichfalls aus dem Fenster springen. Der Zustand des knaben ist hoffnungslos.

Eine neue Freistätte für Wasser, Strand: und Sumpf: ögel ist soeben vom Intern. Frauenbund für Vogelschutz ( Geschäftsstelle: Charlottenburg. Sefenheimerstr. 87) auf der Insel Hiddensee westlich von Rügen geschaffen worden. Ab­heulich war bis jetzt das Niederknallen der herrlichen Mö­ven, Seeschwalben, Kampfläufer und anderer Strandvögel feitens schießmütiger Badegäste und Fremder, die solchen Bogelmaffenmord zum Sport machten. Nun hat der Inter­nationale Frauenbund für Vogelschutz Verträge mit den Jagopächtern abgeschlossen, wonach diese sich verpflichtet ha­ben, federmann die Erlaubnis zum Eiersammeln und Schie­fen zu verweigern und selbst die Jagd einen großen Teil des Jahres auf alle Arten und auch auf eine große An­jahl besonders namhaft gemachter Arten sogar das ganze Jahr hindurch ruhen zu lassen. Zwei ortsansässige Vo­gelwärter sind verpflichtet, auf Innehaltung der Schutzbe= timmungen zu achten und jeden etwaigen Uebertretungs­fall unnachsichtlich zur Anzeige zu bringen. Auf dem be= fonders arg gefährdeten unbewohnten Süden Hiddensees, dem Gellen" soll im nächsten Jahre ein Blockhaus als Woh­nung eines ausschließlich mit der Aufsicht betrauten Wär­tere errichtet werden. Der Internationale Frauenbund für Bogelschutz richtet an alle Natur- und besonders an alle Bogelfreunde die herzliche Bitte um Beiträge zu einem Fonds für Unterhaltung zweier Vogelwärter auf Hidden­lee zum Schuße der dortigen Wasser- und Sumpfvögel. Die Ehrenvorsitzende des Vereins, Frau Gräfin von der Grö ben überwies dem Fonds für Hiddensee die von thr aus Anlaß des ersten deutschen Vogelschußtages gestifteten tau­fend( 1000) Mark. Hoffentlich folgen viele Naturfreunde ihrem Beispiele. Die Geschäftsstelle nimmt jede Gabe dank­bar an.

Der Regen bringt es an den Tag. Durch einen töst­lichen Zwischenfall wurden vor einigen Tagen einige Die­binnen entlarvt, die auf einem Rittergute im Schlesischen eine größere Anzahl non Getreidesäden entwendet hatten. Man tonnte die Diebe nicht ausfindig machen, und auch haussuchungen in den Häusern der Angestellten des Do­miniums führten zu feinem Ziel. Die Diebe blieben un­entdedt. Andererseits aber konnte man nicht begreifen, wie die Säde verkauft oder verwendet werden konnten, da fie alle das Zeichen des Rittergutes in weithin sicht­barer schwarzer Farbe trugen. Dazu war die Zahl der Säde folgendermaßen vermerkt: Dominium M... Nr. 27". Nun ereignete sich ein eigenartiger Umstand, daß man von jetzt an nicht nur wird sagen fönnen: Die Sonne bringt es an den Tag", sondern auch: Der Regen bringt s an den Tag". Es war nämlich ein Gutsbeamter ge= torben. Zu seiner Beerdigung tamen alle Frauen der Gutsarbeiter. An dem Beerdigungstage regnete es aber in Strömen. Um thre schön gestärkten Kleider nicht hmuzig zu machen, nahmen nun die Frauen, die in dem rau erzuge mitgingen, nach schlesischer Bauernsitte ihre breiten bauschigen Röde über den Kopf. Auf diese Weise honten sie ihre Kleider und können einen Regenschirm entbehren. Der Direktor des Dominiums, der am Ende des Juges mitging, hatte nun einen seltsamen Anblick, der ihn trotz des Trauerzuges zum Lachen brachte. Auf den nun fichtbaren Unterröcken der Arbeiterfrauen, die vor ihm in tiefer Trauer einherschritten, las er zu seinem Erstaunen: Dominium M... Nr. 27" und alle die anderen Num= mern der Säcke, die bei dem jüngsten Diebstahl abhanden gelommen waren. Sie hatten einfach die Säcke zu Unter­tiden verarbeitet, und aus diesem Grunde fonnten sie nicht gefunden werden, da niemand auf den Gedanken kam, hh die verschwundenen Säcke zu Toilettegegenständen ver­arbeitet worden seien. Nach der Rückkehr ließ er alle auen zu sich kommen und ersuchte sie, die Oberkleider ab­legen, was nach einigem Sträuben geschah. So brachte s der Regen an den Tag.

Die größten Passagierdampfer. Für kurze Zeit nur wird England den Triumph genießen, den größten Ozean­ampser zu besitzen, denn der am Sonntag der öffentlichen Besichtigung auf den. Docs in Belfast übergebene neue Lurusdampfer ,, Olympic" von der White Star Linie wird furzer Zeit, trotz seiner schon ungeheuren Dimensionen Such von dem Imperator", dem in Stettin seiner Vollen­Cung entgegengehenden Dampfer der Hamburg- Amerika­Linie, überholt werden. Der englische Olympic" hat 5000 Tons, d. h. 12 000 Tons mehr wie die bisher größte Mauretania". Das Schiff hat 9 Deds, ist mit einem Epimmbad von 33 Fuß Länge und 17 Fuß Breite auf om Mittelded ausgestattet und besitzt sogar ein türkisches b. Daß ein Tennisplatz und ein mit allem Raffinement sgestatteter Saal für Gymnastik vorhanden ist, ist selbst­ständlich. Eine besondere Neuheit ist aber der höchst gant eingerichtete Salon für die Kammerjungfern und Herren Kammerdiener, welche von den 730 Passagieren ter Klasse, zu denen ja die amerikanischen Millionäre mmer den Hauptanteil stellen, mitgeführt werden. Au­adem besitzt das Schiff 560 Betten zweiter Klasse und 130 dritter Klasse, und gewährt mit der Bemannung 46 Personen Unterkunft. Das Eintrittsgeld für die Be­tigung des Schiffes am legten Sonntag ergab 40 000 M, The dem Seemannshaus in Belfast zugute kommen. Die Olympic" wird ihre erste Reise nach Neuyork von Sou­mpton am 14. Juni antreten, ihr Schwesterschiff wird sbald nach seinem Stapellauf fertiggestellt werden.

Ein Salsband der Maria Stuart für zwölf Mart. Eine merkwürdige Geschichte wird dem Pariser Journal" England berichtet. Eine junge Frau, die auf dem Zwei­a das nördliche England berekste, trat vor einigen Mo­ten in den Laden eines kleinen Kurzwarenhändlers in ent Dorfe, um die Kette ihres Augenglases, die bei nem Sturz zerrissen war, ausbessern zu lassen. Der Kauf­ann suchte vergebens in seinem kleinen Lager nach einem enden Ersaz, bis er schließlich ein altes schwarzes Per­hal sband mit einer feinen Kette fand und es der Dame 12% Mart zum Kauf anbot. Die Radfahrerin war gebracht über den übertriebenen Preis, aber da ste kei­en amderen Ersatz fand, kaufte ste das Halsband. Bei ge­1 terem Zusehen erwies es sich, daß die schwarzen Perlen besonderer Schönheit waren, daß die Dame einen Antiteen händler aufsuchte. Dieses bot thr ohne weiteres 200000 Mart. Es war auf welche Beweisgründe sich Annahme stützt, wird nicht verraten das Hals­

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band der Maria Stuart, das feit über 300 Jahren ver­fchollen war und das die unglüdliche Königin an dem Morgen ihrer Hinrichtung getragen hatte. Jetzt ist es für 320 000 Mart weiter verfauft worden.

Von einer Reise durch das dunkelste Afrika ist Miß Oliv- Macleod, die Tochter des früheren Unterstaatssekre tärs für Schottland, wieder nach England zurückgekehrt, nachdem sie rund 4000 Meilen in den schwer zugänglichsten Teilen Mittelafrikas zurückgelegt hat. Das Ziel der ge­fährlichen Reise war Maifrei und ihr ausschließlicher 3wed galt dem Wunsche Miß Macleods auf das dort be­findliche Grab ihres Bräutigams, des Leutnants Bond Alexander, der bei einer Forschungsreise von verräterischen Eingeborenen ermordet worden war, einen Kranz nieder­zulegen. Miz Macleod, die im vergangenen August Eng­land verlassen hatte, landete in Plymouth in Begleitung von zwei Löwenbabys, die sie dem Zoologischen Garten zum Geschent machen will. Wie ste den sie empfangenden Berichterstattern erzählte, hat sie den Tschadsee, den Niger und Brunn im Kanoe befahren, das mit halbwilden Ne­gern bemannt war. Nach der Durchquerung von Süd- und Nordnigera zog sie durch Nordkamerun und gelangte im Oftober nach Französisch Ubangi. Hier gelang es der wagemutigen jungen Dame auch die geheimnisvollen Fälle des Maotabi, die bisher noch niemand gesehen, zu ent­decken, denen die französischen Behörden mit Bewilligung der Entdeckerin den Namen Macleodfälle" beilegten. Vier Monate durchzog die Expedition, die sich aus Miß Macleod, dem englischen Ehepaar Talbot and acht eingeborenen Trägern zusammensette, unbekanntes, von englischen Rei­senden bisher noch nicht betretenes Gebiet, und sechs Mo­nate hielt sie sich in Gegenden auf, in die bisher noch keine weiße Frau gekommen war.

Des Königs Tiere. Der Londoner Zoologische Garten hat eine neue Sehenswürdigkeit erhalten: Die Allee der Tiere des Königs". Dieser neue Weg mit den stattlichen Käfigen, die ihn zu beiden Seiten einfassen, ist nötig ge­worden durch eines der zahllosen Geschenke, die für den König Georg zur Krönung aus allen Teilen der Welt zu­sammenströmen. Die Südafrikanische Union, d. h. der Bund der Länder unter englischer Hoheit in Südafrika, hat König Georg zur Huldigung eine vollständige Samm­lung aller Tiere, die in Südafrika leben, gesandt. Die stattliche Sammlung umfaßt etwa fünfhundert Tiere: Lö­wen, Elefanten, Antilopen, Adler, Leoparden, Zebras, Bären usw.

8000 Mart für ein Paar Tanzschuhe. In Paris gibt es einen Schuhmacher, richtiger gesagt: einen Schuhkünstler, der, ohne Beihilfe eines Lehrlings oder Gesellen, jedes Paar Schuhe mit seinen eigenen Händen anfertigt; dabei stellt er nur Tanzschuhe oder Pantöffelchen für den Haus­gebrauch her. Jedes Paar, das er ausstellt, ist ein Mei­sterwert. Dieser Schuster trägt zwar beim Arbeiten sein Schurzfell, aber sonst erinnert den Besucher in seinem Ate­lier nichts an sein Gewerbe. Doch steht man in einem großen Glaskasten zahlreiche Wunderwerke seiner Kunst ausgestellt. Kein Paar ist darunter, das für weniger als 160 bis 200 Mark verkauft wurde. Es ist der furze Rod, dem er seinen großen Ruhm verdankt, denn die Pariser Damen und noch mehr die Amerikanerinnen legen unter dem Zwang dieser Mode einen übertrieben hohen Wert auf ihr Schuhwerk. Jüngst hat sich eine Südamerikanerin bei ihm ein Paar Schuhe anfertigen lassen, die er ihr mit 8000 Mark berechnet hat. Etwa 200 Kolibribrüste hat der Schuhmacher sich verschaffen müssen, um diese Schüh­chen herzustellen. Die Seltenheit dieser Vögel, wie die Mühe, ste zu fangen, verursachte den hohen Preis. Der Künstler behandelte das Gefieder so zart, daß, als die Schuhe fertig waren, sie so aussahen, als beständen sie aus starker und reicher schillernder Seide. Die Täuschung wird noch gesteigert dadurch, daß die Absätze zu dem tiefsten Ton des Gefieders passen. Kleine Federn, die rund um das Schühchen befestigt sind, vollenden das Meisterwerk, das ganz schnallenlos ist. Ein zweites Paar ebenso kostbarer Fußbekleidung besteht aus Gold- und Silbergewebe, das mit echter Spize besetzt ist; diese Spize ist natürlich sehr alt und von hohem Wert. Winzige Schnallen, besetzt mit imitierten Edelsteinen, und der Einsatz einer einzigen Brust eines Kolibris, deren Farbe das ganze bestimmt, frönen das Werk. Das ist ein klassisches Beispiel dafür, wie die Eitelkeit und Gedankenlosigkeit des Menschen verwüstend und zerstörend in der Natur haust. Damit eine eitle Dame mit einem Paar außergewöhnlich teuerer Schuhe ihre Ne­benbuhlerinnen ausstechen und ärgern kann, müssen 200 der seltensten und schönsten Vögel ihr Leben lassen. Eine empörende Roheit.

Fräulein Räuberhauptmann. Die Petersburger Zei­tung meldet: Am 2. Mai hatte man im Dorfe Beketowskaja des Jegorjewster Kreises ein Pferd gestohlen. Die Bau­ern verfolgten die Spur des Diebes und trafen auf ein junges Mädchen, das das Pferd geraubt hatte und gerade im Begriff war, es im Dorfe Staro- Spas zu verkaufen. Die Pferdediebin wurde festgenommen und erwies sich, zu neuer Ueberraschung, als eine ehemalige Novize des Jew­lewski- Klosters. Durch das weitere Verhör wurde ermittelt, daß die ehemalige Klosternovize Führerin einer gut orga­nisierten Bande von Einbrechern und Pferdedieben ist. Die Bande hat im Kreise Jegorjewsk und anderen Kreisen ihr Unwesen getrieben. Die verhaftete Diebin gibt alle ihre Genossen an, unter denen sich wohlfituierte Personen befinden sollen. Auf ihre Hinweise werden zahlreiche Ver­haftungen vorgenommen.

Wie man Taubstummen- Simulanten entlarvt. Bei der Feststellung des Hörvermögens ist der Ohrenarzt nach dem heutigen Stande der Wissenschaft fast ausschließlich auf die Angaben des zu Untersuchenden angewiesen. In­folgedessen ist jeder Fortschritt zu begrüßen, der uns auch nur einigermaßen von den Angaben des Untersuchten, von seiner Intelligenz und seinem guten Willen unabhängig macht. Eine sehr interessante Neuerung bringt nun Dr. Richard Müller in der Frankfurter Zeitschrift Die Um­schau" in Vorschlag. Sie besteht darin, daß im Ohr des Patienten plöglich durch eine kleine Lärmtrommel ein starter Lärm hervorgebracht wird, wodurch das Ohr völlig taub wird. Macht man nun nach diesem Verfahren bei einem regelmäßig Hörenden, der mittellaut aus einem Buche vorliest, plötzlich beide Ohren taub, so spricht der Vorleser alsbald merklich lauter, ohne sich dessen bewußt zu sein. Dagegen liest ein Tauber, der den Lärm nicht ver­nimmt, mit gleicher Stimme weiter. Eine bewußte Re­aktion des Patienten, Simulation ist also unmöglich.

Die Kochtüle. Es ist noch nicht lange her, daß die Kochtiste eine Revolution in der Küche verursacht hat und von allen Seiten die glänzendsten Erfahrungen mit diesem Rochinstrument mitgeteilt wurden. Jetzt ist es darüber wieder still geworden, aber eine neue Revolution in der Küche wird von England aus vorbereitet, wo eine große

Zeitung die Methode der Kochtüte verkündet. Diese Tüte ist aus einem wasser- und fettdichten Papier gefertigt und in den verschiedensten Größen zu haben. Die zu kochenden Speisen tommen mit den nötigen Zutaten in die Tüte, dann wird diese geschlossen, wie man bei uns Drudsachen­fuverts schließt, mit Drahtpinnen. Auf dem Herd, der vorher stark geheizt ist, wird die Tüte auf ein Drahtgestell oder ein Blech gelegt. Die Vorzüge der Tüte gegenüber dem Topf sind: die Speisen behalten ihren spezifischen Geschmack, ihren vollen Nährwert, es entwickelt sich beim Kochen kein Rauch und der Herd bleibt sauber. Man kann auf einem und demselben Blech die verschiedensten Speisen in den Tü­ten nebeneinander zubereiten, die bedeutend schneller als in Töpfen gar werden, so daß Gas- und Kohlenverbrauch geringer sind. Ob die Kochtüte, deren Erfinder ein Lon­doner Küchenchef- Mr. Soyer ist, sich über den Leser­freis der betreffenden Zeitung hinaus Geltung verschaffen wird, kann man noch nicht sagen. Diese Leser wenigstens, die gegen Einsendung der Abonnementsquittung je eine Tüte gratis zugesandt erhalten, interessieren sich lebhaft dafür und berichten bereits von den glänzendsten Erfolgen ihrer neuen Kochmethode. Viele die das lasen, sagten al­lerdings: Nicht in die Tüte!"

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Der Zauntönig als Wetterprophet. Auf diese vielleicht wenig bekannte Eigenschaft des niedlichen Sängers macht Prof. Dr. Gustav Jägers ,, Monatsblatt" aufmerksam. Ein Landschneidermeister", so schreibt darin ein Leser ,,, be­hauptete von ihm, und ich habe es durch eigene Beobach­tung bestätigt gefunden, daß der kleine Vogel jeden Witte­rungswechsel, fel es vom Sonnenschein zum Regen oder umgekehrt, durch sein schmetterndes Lied fünf bis sechs Stunden vorher, ja manchmal noch früher, ankündigt, wäh= rend er sich bei Fortdauer des herrschenden Wetters schweigsam verhält. Gewiß ein gutes Beispiel dafür, mit welch feinem Empfindungsvermögen die Tiere ausgestattet sind." Aehnliches gilt von vielen Vögeln, besonders von denen, die man deshalb Regenpfeifer" heißt.

Jm Zeichen der Luftschiffahrt.

Der 2. 3. 10", das 10. Luftschiff Zeppelins, das voraus­sichtlich den Ersatz für die zerstörte Deutschland" bilden und als Passagierluftschiff nach Baden- Baden gehen wird, ist, wie der Korrespondenz Heer und Politik" aus Luftschiffer= freisen geschrieben wird, kurz vor seiner Fertigstellung und dürfte in nächster Zeit den ersten Aufstieg unternehmen. Es werden darum einige Angaben über die Bauweise dieses Luftschiffes von Interesse sein. Das Luftschiff hat im Ge­gensatz zu dem 2. 3. 9" eine Länge von 148 Meter und einen Durchmesser von 14 Meter, der der Normaldurch­messer der Zeppelin- Luftschiffe ist. Der Inhalt des Luft­schiffes beträgt 19 300 Rubifmeter. Von besonderem In­teresse sind die Motore des Luftschiffes. Es sind die in der etgener Motorwerkstatt des Luftschiffbau Zeppelin herge­stellten Maybach- Motore. Insgesamt werden an dem Luft­schiff 3 Motore tätig sein. die über eine Leistung von440 Pferdekräften verfügen. Bisher waren die Zeppelin- Luft­schiffe bekanntlich nur mit 360 Pferdefrästen ausgestattet. Zur Führung und Bedienung des Luftschiffes sind 9 Personen notwendig. In der Passagierfabine können 24 Personen als Fahrgäste Platz finden, sodaß die gesamte Personenbe fazung des Luftschiffes sich auf 33 beläuft. Das Luftschiff wiro mit Hilfe der neuen Motore eine Eigengeschwindig feit von 16,5 bis 17 Metern in der Sekunde erreichen, wird also die Durchschnittsgeschwindigkeit der früheren Zeppe­Itne bedeutend übertreffen. Die Kraftübertragung findet durch Stahlrohren auf Schrauben statt, die einen Durchmes­fer von 4,4 Meter haben. Die Steuerung wird von dem verbesserten Typ der Steuerung des L. 3. 8" sein. Das Luftschiff hat eine Tragfähigkeit von 5500 Kilogramm Nutz­last in Meereshöhe. Der Nußauftrieb n'mmt um 200 Nilo­gramm bet je 80 Meter Höhe über dem Meeresspiegel ab. Im übrigen hat das Luftschiff dieselbe Ausstattung wie die bisherigen Luftschiffe aufzuweisen und gleicht darin dem früheren Passagierluftschiff Deutschland". Man nimmt an, daß die ersten Passagierfahrten schon in wenigen Wochen unternommen werden können.

Ein Wettbewerb um den größten Pfingstkuchen.

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Aus Paris wird der Inf." geschrieben: In der Pro­vence herrscht ein eigenartiger Pfingstbrauch, der vor eini­gen Tagen zum Austrag gekommen ist Alljährlich wird dort ein Wettbewerb um den größten Pfingstkuchen der Welt veranstaltet. Vorher wird feierlichst ein Preisrichter­kollegium aus zwei Dorfschulzen und 15 erfahrenen Haus­frauen ausgewählt, das über Größe und Beschaffenheit des Kuchens entscheidet. Sind zwei Kuchen von gleicher Größe dann erhält derjenige den Preis zuerkannt, der am schmack haftesten zubereitet ist. Können sich was bei der Ver­schiedenheit der Geschmäcker nicht selten vorkommt- die Preisrichter über den Vorzug des einen Kuchens vor dem anderen nicht einigen, dann werden Kostproben an Leute des Dorfes, in dem die Entscheidung fällt, verteilt und eine Volksabstimmung muß den Preis zuerkennen. Einige Tage vor Pfingsten backen also alle Hausfrauen ungeheure Kuchen, um vor den Preisrichtern zu bestehen. Jede bäckt ihn zuhause und geheim, damit die Konkurrentir nicht erfährt, wie groß er ist und mit welchen Kostbarkei­ten er zubereitet wurde. Am Tage des Preisgerichtes zie­hen nach dem Dorfplatz wunderliche Karawanen, die un­geheuere schwankende Türme aus Kuchenteig tragen. Das Gejohle der Menge begleitet sie, und der Jubel des Vol­fes wird immer größer, je größer die Kuchenungetüme werden, die zur Schau ausgestellt werden. Es wird interes= fieren, einige Einzelheiten über den Kuchen zu erfahren, der in der diesjährigen Woche vor Pfingsten den Preis da­vontrug. Der Kuchen hat eine Höhe von 3,25 Meter und einen Durchmesser von 1,15 Meter. Die Verfertigerin die­fes preisgekrönten Kuchens muß auch ziemliche Bildhauer­künste besitzen, da sie in einer Säulenhalle aus Kuchenteig die ziemlich gut getroffene Porträtbüste des Präsidenten angebracht hat. Es ist eine junge Bäuerin im Alter von 21 Jahren, deren Name Emily Bédier hiermit der Mit­welt verkündet sei. Sie ging aus einem Wettbewerb von 5 Dörfern als Siegerin hervor, da sich immer mehrere Dörfer zu einem großen Preis- Kuchenbaden" zusammen­tun. Bei ihrer Preiskrönung gab es keinerlei Zwiespalt und Meinungsverschiedenheiten, denn sie erhielt, was nicht sehr oft der Fall ist, den Preis einstimmig zuerkannt. Mit diesem Preisfuchenbacken ist auch ein wohltätiger 3wed verbunden, der des schönen Festes durchaus würdig ist. Alle Hausfrauen, die sich an dem Wettbewerb beteiligen, verzichten von vornherein auf das weitere Anrecht an dem Erzeugnis ihrer Backkunst. Die Riesenkuchen werden zer­schnitten und den Armen der Dörfer umsonst als Feier­tagskuchen überwiesen. Will jemand den Kuchen, der den Preis erhalten hat, wegen seiner Schönheit und Schmack­haftigkeit erwerben, dann steht es ihm frei: das Geld wird dann den Armen zugeteilt. Sind mehrere Bewerber vor­handen, dann wird eine Auftion veranstaltet und der Ru= chen versteigert. Der preisgekrönte Kuchen dieses Jahres hatte wegen seiner Schönheit und Kostbarkeit mehrere Be­werber aufzuweisen, so daß eine Versteigerung stattfand. Es beteiligten sich an ihr 21 Mitbieter, unter ihnen Graf de Moir, der sich an dem Wettbewerb seiner Dorfbewohner beteiligte und den Kuchen endlich für den Preis von 2974 Francs erstehen konnte.