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Das Jukrafttreten der Reichsversicherungsordnung.

Ein Zeitpunkt für das Inkrafttreten von Bestimmun­gen des neuen Gesetzes ist bekantlich nur für die Hinter­bliebenenversicherung festgelegt, die mit dem 1. Januar n. J. zur Durchführung gelangt. Die Vorberet­tungen hierzu erstrecken sich im wesentlichen auf die Ver­handlungen mit der Reichspostverwaltung über die Her= stellung und den Verkauf der neuen Versicherungsmarken. Im übrigen ist das Inkrafttreten des Gesetzes oder seiner einzelnen Teile kaiserlicher Verordnung überlassen.

erfährt die Neue Frete Presse", daß die Beziehungen in der letzten Zeit besonders vertrauensvoll geworden sind. Der Verkehr ist sehr intim und rege, die gegenseitige Stimmung sehr warm. Die Gerüchte, daß der Kaiser einen Teil seiner Regierungsgeschäfte abgegeben habe, sind voll­ständig unrichtig.

Patriotische Kundgebungen in der italienischen Kam­mer. In der gestrigen Kammersizung gestaltete sich die Beratung des Gesetzentwurfs betr. die Pensionen für die Veteranen zu einer erhebenden patriotischen Kundgebung. Der Deputierte Carcano schlug der Kammer vor, den Ge­sehentwurf einstimmig im ganzen anzunehmen, das sei die beste Feier des Todestages Garibaldis, der heute sei. Der Kammterpräsident schloß sich dem an und dankte Carcano, daß er den Namen Garibaldis erwähnt habe, dessen An­gedenken doppelt hochgehalten werden müsse in einer Zeit, wo es Jtaliener gebe, die unwürdig dieses Namens seien und sich nicht schämten, die großen Errungenschaften des Vaterlandes zu verleugnen. Die Minister und die Depu­tierten hatten sich erhoben und begleiteten die Ausfüh­rungen des Präsidenten mit lebhaftem Beifall. Die Vor­lage wurde darauf angenommen.

Die umfangreichsten Vorarbeiten werden die Neurege= lung der Krankenversicherung notwendig machen, an denen die Reichsbehörden, der Bundesrat und auch die Landesbehörden beteiligt sind. Auf die letzteren entfällt in erster Linie die Umbildugn der Krankenkassen, Bildung der Allgemeinen Ortskrankenkassen, Zulassung bestehender Kaf­fen usw. Außerdem ist die Einrichtung der neuen Versiche= rungsbehörden Sache der Landesregierungen. Da für die­se Behörden eine ganze Nethe neuer Ausgaben ntstehen, für welche Mittel nicht vorhanden sind, so wird die Einrichtung der Behörden jedenfalls erst mit dem Etatsfahre 1912 zur Durchführung gelangen. Der Bundesrat hat für die in die Krankenversicherung neu einzubeziehenden Kreise, ins besondere für die Hausgewerbetreibenden, bei denen noch eine ganze Rethe schwieriger Fragen zr lösen ist, die allge­meinen Bedingungen für die Versicherung festzustellen. Außerdem dürfte die Errichtung eines neuen Normal­statuts für Krankenkassen erforderlich werden. Auf Grund dieses Normalstatuts werden dann die Kranken­fassen nach ihrer Neuorganisation thre Statuten aufzustellen haben, die der Genehmigung der oberen Verwaltungsbe­hörde oder aber bereits des Oberversicherungsamts bedür­fen. Erst wenn alle diese Vorarbeiten zum Abschluß ge= bracht sind, wird es möglich sein, die Krankenversicherung in ihrem neuen Umfange nach den Bestimmungen der Reichsversicherungsordnung in Kraft zu setzen. Daß dies vor Mitte des nächsten Jahres möglich sein wird, läßt sich kaum annehmen.

Der Reichstag und die Reform der Justizgesetze.

Die Revolution in Südchina. Nach amtlichen Mel­dungen besiegten die chinesischen kaiserlichen Truppen die Revolutionäre in Südchina. 300 Personen wurden getötet und viele Gefangene gemacht und hingerichtet. Die Auf­ständischen bilden neue Banden, um die Provinzen Kwan­tung und Kwangsü abzuschneiden und selbständig neue Republiken zu schaffen. Nach der Mongolei gingen Trup­pen ab, um dort den Aufstand niederzuwerfen. Auch Ar­tillerie wurde abgesandt.

Je näher das Ende der Legislaturperiode heranrückt, Je größer die Zahl der den. Reichstag immer noch obliegen­den Arbeiten ist, je mehr auf der anderen Seite die Ueber­zeugung sich durchringt, daß die im Reichsjustizamt tagende Kommission zur Reform des Strafrechts auf dem besten Wege sich befindet, eine durchgreifende Reform des Straf gesetzbuches zu schaffen, desto mehr ist die Frage berechtigt, welches das Schicksal der Reform der Strafprozeß­ordnung und des Gerichtsverfassungsge= sebes sein wird. Reichstagsabgeordneter Landgerichts­rat Dr. Müller- Meiningen meint in der Deutschen Juristen- Zeitung" über die parlamentarischen Aussichten der Justizgesetze, daß eine nervös überhastete Durchpeit­schung des Gerichtsverfassungsgesetzes und der Strafprozeß­ordnung schädlich sei; sie widerspräche den berechtigten Ins tereffen des Parlaments, des Richterstandes, vor allem aber des rechtsuchenden Publikums selbst; er hofft dagegen, daß die bekannte kleine Strafgesetzbuch novelle noch in diesem Reichstag zustande gebracht wird, während er nicht nur seine persönliche Ansicht, sondern, wie er bemerkt, zu­gleich die einflußreicher Mitglieder des Reichstags, auch an­derer Fraktionen, und die Meinung anderer Mitglieder der Justizkommiffion des Reichstags dahin zum Ausdruck bringt, daß die Novelle zur Strafprozeßordnung nicht mehr zustande kommen möchte, ein Wunsch dem bei der großen Arbeitslast des Reichstags wohl Crfüllung zutell werden wird.

Rundschau vom Cage. Politismes.

Kleine Nachrichten.

gerettet wurde, ist jetzt bei der Huckkehr aus dem Kranken Haus von ihrem Mann durch Revolverschüsse getötet worden.

Auf einer Hochzeit erschossen. In Mayfen bet Babinis in Schlesien bajonettierte ein zur Hochzeit der Tochter des Hausbesitzers Hanulock als Gast geladener Grenzbeamter zum Scherz mit dem Vater des Bräutigams, Bogiel, wobei er sein geladenes Gewehr benutte. Dabet entlud sich das schlecht gesicherte Gewehr, und Bogiel stürzte tot zu Boden. Eine ganze Familie vergiftet. In Groß- Solt in Schleswig- Holstein erkrankte eine zehnköpfige Familie nach Einnahme des Mittagessens unter Vergiftungserscheinun gen. Der herbeigeholte Arzt konnte die Ursache der Ver­giftung nicht feststellen. Drei Personen starben am Don­nerstag unter furchtbaren Schmerzen. Die Behörde hat eine Untersuchung eingeleitet.

20 Millionen bayerische Jubiläumsmarken, die zur Feier des 25jährigen Regierungsjubiläums des Prinz­regenten ausgegeben sind wurden innerhalb zwei Tagen im voraus bestellt. Mar rechnet auf einen Umsatz von min­destens 30 Millionen Marken im Monat Junt.

Der Göthetag in Weimar, zu dem Literaturfreunde aus ganz Deutschland und Deutsch- Desterreich eingetroffen sind, wurde gestern abend durch eine eindrucksvolle Darstellung von Göthes Drama Die natürliche Tochter" eingeleitet. Ein neues Waisenhaus der Reichsfechtschule soll im Taunus demnächst errichtet werden. Der Fonds zum Bau ist bereits auf 85 000 Mark angewachsen.

Für die erfte Sigung des preußischen Abgeordneten­hauses nach den Ferien, die Freitag, den 16. Juni, nach­mittags 2 Uhr stattfindet, ist nunmehr die Tagesordnung ausgegeben worden. Sie enthält an erster Stelle Wahl­prüfungen und dann eine Reihe von Anträgen und Pe= titionen.

Das Herrenhaus wird am 16. Juni seine Sigungen wieder aufnehmen, es dürften vier bis fünf Sigungen hin­tereinander stattfinden, in denen: nebst zahlreichen kleinen Vorlagen die Zweckverbandsgesetze und die Feuerbestat= tungsvorlage beraten werden.

Ein Grab aus der Zeit der Völkerwanderung ist in der Nähe von Mühlhausen t. Th. aufgedeckt worden. Ge­funden wurden in ihm ein Beigabegefäß, ein Knochen­tamm und eine eiserne Schnalle.

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Folgenschwerer Einsturz eines Neubanes. Von einem Neubau in Kiew in Rußland stürzte gestern das sechste Stockwerf ab, fiel auf das hölzerne Nebenhaus und zerstör­te es. Ein Student wurde getötet, fteben weitere Personen erhielten schwere Verlegungen.

Unterbrochene Amerikafahrt. Die Kriminalpolizei ver­haftete Donnerstag nacht in einem Hotel in Essen den Bäcker Leibenceder aus Nürnberg, der nach Unterschlagung von 30 000 M auf der Fahrt nach Amerika war.

Am elektrischen Leitungsdraht verbrannt. In der Ap­paratefabrik der Allg. Elektrizitätsgesellschaft zu Berlin trat ein Anstreicher fehl, ftel auf die 10 000 Bolt starke Leitung und blieb mit den Füßen daran hängen. Um ihn zu be­freien, mußte der Strom ausgeschaltet und der ganze Be­trieb stillgelegt werden. Dem Verunglückten waren beide Beine und der linke Arm ganz verbrannt.

Ein Opfer des Spiels. Ein in Berliner Anwaltkreisen bekannter junger Rechtsanwalt hat sich seit einiger Zeit unter Hinterlassung einer Schuldenlast von 150 000 bis 200 000 Mart ins Ausland begeben. Er hat in einem Spiel­klub in Berlin sein ganzes bedeutendes Vermögen verlo ren. Hierzu meldet das B. T., daß die Summe nicht so hoch sein soll.

Der erste Reichsdeutsche Mittelstandstag wird am 23., 24. und 25. September in Dresden abgehalten. Am 23. September finden neben dem Begrüßungsabende Delegier­tenversammlungen und Sondertagungen beteiligter Ver­bände statt, am 24. September wird die Hauptversamm­lung abgehalten und am 25. September wird die Tagung mit einem Dampferausflug nach Meißen ihren Abschluß finden.

Gegenüber den Gerüchten von einer Entfremdung zwischen dem Kaiser Franz Joseph und dem Thronfolger

3wei Kirschen an einem Stengel.

22)

Roman von A. von Lilteneron. ( Nachdruck verboten.)

Aus den Gerichtssälen.

Frau

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Verurteilung berüchtigter Geldschrankknacker. Drei der gefährlichsten Geldschrankknacker, die lange Zeit in Berlin und in der Provinz viele Einbrüche begangen hatten, stan­den gestern vor der 3. Straffammer des Landgerichts Ber­lin 1. Der Arbeiter Gustav Krebs wurde zu 8 Jahren, der Arbeiter Theodor Jugend zu 6 Jahren und der Arbeiter Gustav Klowacek zu Jahren Zuchthaus und zu je 10 Jah­ren Ehrverlust und Zulässigkeit von Polizeiaufsicht verur­tellt. Außerdem wurde beschlossen, die zahlreichen Einbre cherwerkzeuge mit Beschlag zu belegen. Der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Lieber, wies in der Urteilsbegründung darauf hin, daß die Angeklagten lange Zeit eine große Gefahr für die öffentliche Sicherheit gewesen seien.

Ein riesiger Heuschreckenschwarm ging am Donnerstag in der Nähe von Boulogne sur mer nach einem heftigen Ge­witter nieder. Die Heuschreden ließen sich auf einer Wiese nieder, wo sie an einzelnen Stellen so dicht lagen, daß man fie fortschaufeln konnte.

Bligschlag in eine Truppenabteilung. In der Nähe des Badeortes Uriage bet Grenoble schlug der Blitz in eine Abteilung der dort übenden Artillerie ein. Ein Unter­offizier wurde getötet, ein Offizier und sechs Mann wur­den verwundet.

Rindel, prüfe Dich, ob Du auch wirklich für den Vet­ter die rechte Liebe hast, die aushält in guten und bösen Tagen, die mit dem andern durch dick und dünn geht," hatte er ihr gesagt.

Verhängnisvoller Ringkampf. Auf der Schiffswerft von Blohm& Voß in Hamburg führten während der Ar­beitspause zwei Arbeiter im Scherz einen Ringkampf auf. Sie famen dabet der Ufermauer zu nahe und stürzten in ein dort vertautes Boot. Der eine war sofort tot, der andere erlitt schwere Verlegungen.

Vermischtes.

Die wiedergefundenen Diamanten des Maharadscha. Die Diamanten des Maharadscha von Bikanir, die vor fur­zem in London verschwunden sein sollten, sind nicht, wie anfangs vermutet wurde, amerikanischen Gaunern in die Hände gefallen, sondern haben sich wiedergefunden: Ein Knabe namens Duffin fand sie auf der Straße, und als er von dem Verlust in den Zeitungen las, erschien er im Hause des Maharadscha und gab sie zurück. Das wenigstens ist die Geschichte, die der indische Fürst der Presse als Erklärung gegeben hat. Sir Ganga Sing Bahadur, der Maharadscha von Bikanir, Oberst der indischen Armee, ist ein Mann von 31 Jahren; sein Land gilt als eines der reichsten in Indien. Er soll sich an dem Tage, da er den ungeheuer wertvollen Schmuck verlor, London einmal gründlich angesehen haben. Der Knabe Duffin wurde für seine Ehrlichkeit reichlich be­Johnt.

Raubmordversuch. In der Reinickendorferstraße in Berlin versuchte gestern mittag der 17 Jahre alte stellungs­lose H. Knoblauch den Messerschmied Baumann in seinem Laden durch drei Revolverschüsse zu töten um dann die Ladenkasse auszurauben. Baumann wurde an der Brust, am Unterarm und an der linken Seite verletzt. Der Atten­täter wurde festgenommen.

Dem Mädchen war heiß geworden bei seinen Worten, aber sie hatte mit fester Stimme geantwortet: Ich will thm a treues Weib sin, und so wie Du minst, wüll ich allweil mit ihm gahn, ob die Sünn schint, oder obs grau­peln tät, ich bliem tapfer als sin gauder Kamerad. Er hätts um mi verdient, weil er nie nit anders als fründ­zu mir wast und nu so'n arm Madel zu sin Wib macht, wo er doch ganz andre funnt friege."

Lebendig verbrannt ist in Spandau ein Dienstmädchen. Das Mädchen goß auf einen brennenden Spirituskocher Spiritus nach. Hierbei schlug plößlich eine hohe Stich­flamme auf und setzte die Kleider des Mädchens in Brand. Lichterloh brennend ellte das Mädchen auf die Straße, wo von Passanten das Feuer gelöscht wurde. Seinen schweren Verlegungen ist es alsbald erlegen.

Letzteres leuchtete dem Onkel wohl ein, und die Tat­sache, daß der Julius gar nicht nach Geld gefragt, sondern allein nach der Tüchtigkeit und ein einfaches, braves Mäd­chen allen anderen vorgezogen hatte, achtete er an dem jungen Manne, von dem er sonst weder Gutes noch Schlech­tes wußte. Daß die Kathi so klipp und klar erklärte, wie fte in Treue alle Lebenserfahrungen mit ihm teilen würde, geftel ihm, und er übersah dabei, daß das Mädchen nicht mit einer Silbe von ihrer Liebe gesprochen hatte.

Schwerer Antomobilunfall. Gestern nacht hat sich am Ausgange des Ortes Wannsee auf der Straße nach Potsdam ein schweres Automobilunglück ereignet. Der Chauffeur Trieb unternahm spät abends mit dem Auto seines Herrn, der gegenwärtio verreist ist, eine Fahrt nach Potsdam. In seiner Begleitung befand sich sein Freund Bethmann. Die beiden fuhren mit dem schweren Reisewagen in rasender Fahrt durch Wannsee und wollten an einem Möbelwagen vorbeifahren, der in der Mitte der Straße hielt. Triet ver­lor jedoch die Herrschaft über das Auto, das mit voller Wucht in den Möbelwagen hineinfuhr. Der Zusammenstoß hatte die schlimmsten Folgen. Trieß, der am Steuer saß, wurde arg zugerichtet. Man mußte ihn aus den Trüm­mern, zwischen denen er bewußtlos eingefeilt lag, hervor holen. Sein Freund Bethmann war herausgeschleudert worden und hatte außer verschiedenen Knochenbrüchen noch erhebliche innere Verlegungen erlitten. Das Auto ist zer­trümmert, auch der Möbelwagen ist stark beschädigt. Die beiden Verunglückten wurden noch in der Nacht in das Kreiskrankenhaus Groß- Lichterfelde eingeliefert.

Das Martyrium einer Frau. Die Arbeitersfrau Ahl­mann in Bochum, die sich vor einigen Tagen wegen Miß­handlungen durch ihren Mann zu ertränken versuchte, aber

So wurde nun die Hochzeit für den Monat Mai fest­gesetzt. Auf den Brief der Lene hatte Kathi nur mit der furzen Mitteilung geantwortet: Wannst Fruhjahr kummt, und de Kuckuck schrit, mach ich Hort mit min Cousin, wat a grotes Glüd is, dat kunnst nu alle Welt vertelle. Die Kathi is a Städtsche geworde."

ich kenn mich hier nit aus," tam wohl jeden Tag ein Dutzendmal über ihre Lippen.

Kathi hatte sie mit einer fast stürmischen Freude em­pfangen, gelacht und geweint hatte das Mädchen in einem Atem und Mutterle, mein Herzensmutterle," dazwischen gejauchzt.

Der Frau Amrum war dabei ganz weich ums Herz geworden, sie hatte ihr Kind zärtlich umarmt und ihr froh­bewegt gestanden: Weißt, daß Du bi all Din grotes Glück doch noch so an Din Mutterle hangen tust, is for mi a grote, grote Früd."

Frau Amrum tam zur Hochzeit nach Friedenau, denn Schwester Röschen ließ es sich nicht nehmen, daß sie die Sochzeit bei sich ausrichten wollte, und das Jettchen war es auch zufrieden, denn sie hätte nicht gewußt, wie sie es den Städtern zu paß gemacht. Etwas ängstlich und un­behaglich war es ihr doch zu Mute in Friedenau, und das

Trinkfeste Hausfrauen. In einem Gingesandt im Co­falblatt von Oberweißbach unweit Rudolstadt ist zu lesen: " Daß nun die Männer einmal ein Stündchen länger sizzen und eins übern Durst trinken, ist wohl eine erbliche Be lastung von unseren Vorfahren, den alten Germanen, und mithin zu verzeihen. Daß aber einige Frauen, sei es Sonn­oder Wochentags, immer bis um 3 bezw. 4 Uhr kneipen, das ist wohl eine ganz neue Tugend der soviel gepriesenen deutschen Hausfrau und steht jedenfalls auch nur verein­zelt da."

Und die Mutter brauchte sich nicht zu beklagen, das ,, Käthchen der Stadt" war womöglich noch aufmerksamer, noch herziger in ihrem Umgange mit dem Mutterle, als die Kathi vom Lande es gewesen war. Aber etwas Frem­des steckte doch in dem Kinde, das fühlte die einfache Frau heraus. Es war nicht nur die städtische Kleidung, und daß sie jetzt versuchte, etwas hochdeutsch zu sprechen, son­dern es war anderes, das tiefer lag. Blaß war sie gewor= den und schwächlicher, aber von Ermüdung merkte man ihr nichts an, sie tummelte sich noch ebenso flink wie immer.

Selbstmord eines Achtjährigen in der Schule. Unter ganz eigenartigen Umständen hat in Wien ein achtjähriger Schüler Selbstmord begangen. Die Tat ereignete sich um 11 Uhr vormittags in einer Volksschule des 19. Wiener Bezirks. Der achtjährige Schüler Bernhard Gtebner stürzte sich vor seinem Lehrer und vor allen seinen Klassens fameraden aus einem Fenster des Schulzimmers des zwet­

,, Das Mädchen rackert sich zu toll ab," erklärte Rös­chen. Seitdem sie Braut ist, hat sie es auch mir zu arg getrieben mit dem Arbeiten. Sie gönnte sich kaum Zeit für den Julius."

kam auch dorthin. Wie sie nun beide vor dem Lehnstuhle standen, auf dem der Onkel in seinem Sonntagsstaate saß, sprach er zu ihnen schlichte, aber gar bewegliche Worte. Er legte ihnen die Pflichten an das Herz, die sie als Gott wohlgefällige Eheleute zu erfüllen hätten, einander in Liebe zu tragen, gegenseitig miteinander zu arbeiten und sich zu stützen auf dem Pilgerwege zur ewigen Heimat. Miteinander arbeiten, miteinander beten und treu bei­einander aushalten bis zuletzt, das ist, was man eine Gott und Menschen wohlgefällige Ehe nennt," schloß er seine Ansprache.

Das Stübchen von Onkel Leberecht wurde für Frau Amrum das Friedensasyl, wohin sie flüchtete, wenn das laute Treiben im Gasthaus ihr den Kopf verwirrte. Die beiden schlichten Leutchen vom Lande konnten sich gut ver­stehen und hatten einander viel zu erzählen. Zu Frau Amrums und Kathis Leidwesen wollte es immer noch nicht so recht mit der Gesundheit des Onfels gehen, so daß gar nicht davon die Rede sein konnte, daß er zur Hochzeit käme. Dieser festliche Tag war nun angebrochen, strahlender Sonnenschein, herrliches Maienwetter.

Kathi ging in früher Morgenstunde zu Onkel Lebe­recht, das hatte der alte Herr sich erbeten, ihr Bräutigam

Der Bräutigam hatte mit schlecht verhohlener Unruhe zugehört, oder richtiger gesagt, daneben gestanden, Kathi aber war kein Wort verloren gegangen. Ein paar helle Tränen hingen an ihren Wimpern und rollten jetzt lang= sam über ihre Backen.

,, Onkel," bat sie ,,, gib uns Deinen Segen." Sie kniete vor seinem Lehnstuhle nieder, den Kopf in ihre Hände ver­graben. Unbeholfen und nur widerwillig folgte der Bräu­tigam ihrem Beispiele.

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Der alte Herr richtete sich auf, seine zitternden, abge­magerten Hände berührten leicht die Häupter der Knien­den. Gott geleite und behüte Euch in Ewigkeit. Sein Segen sei mit Euch und stärke Euch zu Eurem Tagewerte," sagte er. Ein warmer Blick aus Kathis Braunaugen dankte, als Sie sich erhob, Onkel Leberecht für seine Worte. Gleich da rauf war das junge Paar auf dem Heimwege.

Na, das wäre überstanden! Es war eine endlose Salbaderei," murrte der Bräutigam. Das Mädchen sah ihn erstaunt, fast erschrocken an, während er fortfuhr: Lange macht der es nicht mehr, in den nächsten Monaten wird er schon ins Gras beißen, das steht fest."

Beileibe nicht," warf Kathi das Wort dazwischen, was sie immer gebrauchte, wenn sie sich mit aller Macht gegen irgend etwas auflehnte.( Fortsetzung folgt.)

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