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Honni soit qui mal y pense.
Honni soit qui mal y pense.
Von Wilhelm Wolters.
Das Gespräch verstummte, der Hausherr las: Auf dem schönen Dampfer Kronprinz Wilhelm" waren sie von Bremen aus hinübergefahren nach Southampton und von dort mit der Bahn nach dem herrlichen„, sea side resort", dem Seebad Bournemouth am Ärmelmeer, der Stadt der drei Millionen Kiefern und der heidekrautbewachsenen Kliffs und der waldigen„ chines" mit den blühenden Rhododendronhängen in dem immergrünen Tal des Südens. Vierzehn Tage saßen sie nun schon dort im„ First Class Boardinghouse" auf dem St. Michaels Road, er und sein ger Freund, der Assessor,„ the fair German", wie ihn die Pensionsgenossen wegen seines blondlockigen Haupthaars nannten, während er nur" the Doctor" hieß. Und der Assessor drängte, man solle doch nun endlich weiterwandern und sich auch ein paar andere meerbespülte Plätze anschauen: Seaton und Exmouth und Torquay und Swanage und Dartmouth und Plymouth, und wie sie alle heißen, die am English Channel liegen.
"
Aber er war nicht fortzubringen. Nach Plymouth kommen wir noch zeitig genug," hatte er erwidert, wenn unser Dampfer uns abholt, die Heimreise anzutreten" Denn die Dampfer des Lloyds legen auf der Ausreise nach Amerita Southampton an und auf der Seimreise Plymouth. Und in keinem von all den Plätzen kann es schöner sein als hier."
" Du bist verliebt", fluchte der Assessor. Die hübsche Miß Violet hat dir's angetan mit ihren Veilchenaugen. Sage ihr doch, daß sie mitkommt!"
Aber da war der Doktor zornig geworden und hatte sich solche Reden verbeten.
" Na schön, dann fahre ich allein", hatte der Assessor gesagt. " Schön, dann fahr allein", hatte der Doktor entgegnet. Und dabei war's geblieben. Morgen wollte der Assessor abreisen. Und am Tage vor der Trennung gingen die Freunde noch einmal, wie sie es so oft getan hatten, nach dem Lunch auf ein paar Stunden along the sands, am Strande entlang auf dem weichen Sande hin, der sich stundenweit unter den Kliffs hinzieht. Wie aus der Spielzeugschachtel genommen standen die Badetarren, die„ machines", in Reih' und Glied, an denen man vor. über mußte. Mitten durch das Damenbad und das Familienbad schlenderten sie, obgleich gebadet wurde; keine warnende Fahne deutete an, daß der Weg für die Herren gesperrt sei.
Da spricht man immer vom prüden England", sagte der Doktor. Sieh!" Vor ihnen her, wenn auch weit weg, wanderte eine Gesellschaft junger Herren und Damen. Alle miteinander hatten sie Schuhe und Strümpfe ausgezogen, die Herren die Beinkleider hochgekrempelt, die Damen die lichten Sommerröcke gerafft, und plätscherten vergnügt durch das Wasser.„ Das kannst du bei uns in Deutschland auch haben", knurrte der Assessor." Dir gefällt eben alles besser hier, weil du verliebt bist. Der Doktor wollte abermals aufbrausen.
„ Gesteh's doch! Man müßte ja ein wahrer Esel sein, wenn man's nicht mertte! Wenn dir's mit der Sache so ernst iſt, warum gehst du nicht zu deinem Schwiegervater in spe und sagst ihm einfach, wie's üblich ist: Ich liebe Ihre Tochter, und Ihre Tochter liebt mich, ich bitte um Ihren Segen!?"
„ Weil er mir gutwillig seinen Segen nie und nimmer geben wird!"
„ Warum?"
Weil er seine Tochter niemals einem Deutschen geben wird!" Warum?"
" Weil er Deutschland haßt."
" Woher weißt du das?"
" Weil er's gesagt hat. Mehr als einmal. Sast du's nicht gehört?"
,, Dann mußt du ihn eben bekehren", lachte der Assessor. " Aber wie? Mir scheint ich habe kein Glück damit. Je mehr ich's versuche, um so schlimmer wird's."
,, Wie wär's mit einer kleinen Entführung?"
„ Ich bitte dich, spaße nicht!"
Der Assessor und der Doktor spähten den Strand hinunter in die Ferne, aber es war niemand mehr zu sehen. Die Ge. sellschaft war jedenfalls seitwärts in eine der Chines hineingegangen, eine der schönen bewaldeten Schluchten, die quer die Kliffs durchschneiden, und in denen man langsam nach der Hochebene hinauf gelangte, auf der die Villen von Bournemouth erbaut sind.
" Gib her", sagte der Assessor.„ Ich will mir Finderlohn verdienen."
„ Du wirst doch nicht fremdes Gut nach Plymouth mitnehmen wollen."
,, Dann behalt ihn und berausche dich bei dem Gedanken, er gehörte an Miß Violets Füßchen!"
Da der Doktor wieder zornig werden wollte, sprang der Assessor mit seinen langen Beinen in großen Sätzen über den Sand davon. Der Dotior steckte den grauen Seidenstrumpf zer. streut in die Tasche seines Jacketts, er dachte schon wieder an etwas anderes. Als der Assessor und der Dottor nach Haus tamen, hörten sie, daß die Boardinghousegesellschaft bereits voll. zählig im drawing- room beim afternoon tea versammelt sei. Dieser afterncon tea im drawing- room war für den Doktor die wichtigste gesellige Versammlung des ganzen Tages. Beim Breakfast, Lunch und Diner unten im dining- room ging es ver. hältnismäßig steifer zu, auch saß der Doktor gerade am entgegen. gesetzten Ende der Tafel, weit von Miß Violet entfernt. Bei dieser afternoon tea- Versammlung aber konnte man sich einander zwangloser nähern, ja, bei diesem afternoon tea wurde sogar ab und zu Klavier gespielt und gesungen, und man machte sich bei den Damen beliebt, indem man das kleine Bambustischchen mit Teegebäck von einer zur andern trug. Da für diese Teeſtunde kein feierliches Gewand vorgeschrieben war und es im Seebad überhaupt nicht so genau genommen wurde, eilten der Assessor und der Doktor rasch in den drawingroom. Miß Violet warf dem Doktor einen Blick zu, der zu sagen schien: warum läßt du so lange auf dich warten?-
Hier wurde der Leser durch ein energisches: Das ist Schwindel! unterbrochen. Alle lachten.
Der Hausherr aber ließ sich nicht stören und fuhr fort: Auch Mr. und Mrs. Parker, der holden Miß Violet Eltern, durchbohrten den verliebten Doktor mit ihren Blicken, aber es schien dem Ärmsten, als ob es durchaus keine aufmunternden" Blicke wären. Weiß der Himmel, wie der Assessor das Gespräch auf den Tanz brachte, in bezug auf den er sich einbildete, Autorität zu sein. Selbstverständlich wurde der Unterschied zwischen deutschem und englischem Tanzen erörtert, der Assessor behauptete, daß der deutsche Walzer schöner sei als der englische, wohingegen Mr. Parker finster erklärte, er tenne den deutschen Walzer nicht, aber der englische sei schöner.
Das werde ich Ihnen sofort widerlegen!" rief der übermütige Assessor und bat Miß Jones, eine liebenswürdige alte Dame mit silbernen Ringellocken, aus dem„ Walzerbuche" den Blauen- Donau- Walzer zu spielen. Miß Jones spielte, und der Assessor walzte mit Miß Violet im Zimmer herum, daß es nur so wirbelte. Die Eifersucht stieg dem Doktor glühend in die Schläfen, er bat Miß Violet gleichfalls um einen Tanz, den Miß Violet errötend gewährte. Der Walzer mit der Geliebten hatte den Doktor ein wenig erhitzt, und als er seine angebetete Miß Violet wieder an ihren Platz geführt hatte, zog er, während er sich mit einer eleganten Verbeugung von ihr verabschiedete, sein Taschentuch aus der Tasche und wischte sich den Schweiß von der Stirn. In diesem Augenblick stieß Miß Violet einen markerschütternden Schrei aus, schwankte und fiel dem Doktor ohnmächtig in die Arme. Ihr Körfchen ruhte an seiner Brust, mit seinen beiden Armen hielt er sie zärtlich umfaßt und preßte sie an sich damit sie nicht falle.
Mr und Mrs. Parker waren entsetzt aus ihren armchairs in die Söhe gesprungen. Mrs. Parker wollte die Tochter
" Ich spaße gar nicht." Der Assessor blieb plötzlich stehen. aus den Armen des Doktors in ihre eigenen übernehmen, aber
„ Was ist das?"
Vor ihnen im feuchten Sande lag etwas.
„ Eine Schlange!"
Der Doktor bückte sich und hob es auf.„ Ein Strumpf!" Wahrhaftig, ein Frauenstrumpf!"
" Und was für ein niedlicher! Dieses Füßchen, dies-" Wenn man sich mit Heiratsgedanken trägt", unterbrach der Assessor den Doktor, darf man nicht für fremde Strümpfe schwärmen!"
„ Er wird einer von den Damen gehören, die vor uns hergegangen find!"
" Die Ärmste! Sie wird schön erschrecken, wenn sie ihren Verlust bemerkt!"
Miß Violet schlug die Augen auf und eilte, von der Mutter gefolgt, zur Tür hinaus. Mr Parker trat auf den Doktor zu und erklärte ihm, daß er ein Wort mit ihm allein zu reden habe. Der Doktor und Mr. Parker begaben sich in des Doktors „ bed- room".
„ Sie haben die Ehre von Miß Parker gekränkt", sagte Mr. Parker.
Sie haben die Ehre von Miß Parker gekränkt!" wiederholte er lauter, als der Doktor einen Einwand zu machen ver. suchte.„ Sie haben Miß Parker umarmt- wenn in England ein Gentleman eine Dame umarmt, ist er verpflichtet, sie zu heiraten- ich verlange von Ihnen als Gentleman, daß Sie Miß Parker heiraten!"
Aber
mit
Honni soit qui mal y pense.
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dem allergrößten Vergnügen!" rief der Doktor glückstrahlend. Sie haben Miß Parker umarmt, ich verlange, daß sie sie auf der Stelle heiraten!" donnerte Mr. Parker.
„ Ich reise noch heute nach Deutschland und bringe alles in Ordnung!" rief der Doktor.
„ Sie haben Miß Parker umarmt, Sie werden England nicht verlassen", sagte Mr. Parker mit einem Blicke, der jeden Widerspruch im Reime erstickte,„ ehe Sie Miß Parker geheiratet haben! Mein Geldschrank wird alles in Ordnung bringen!"
Wenn Sie es wünschen", stammelte der Doktor, der sich vor Glück nicht zu fassen vermochte.
„ Ich wünsche es", sagte Mr. Parker.
Acht Tage darauf wurde der Doktor mit Miß Parker in London getraut. Der Hausherr machte eine kurze Pause.
„ Ja, warum ist denn Miß Violet eigentlich in Ohnmacht gefallen?" fragte eine aufgeregte kleine Baronin, die nie den Schluß einer Geschichte abwarten konnte.
" Pardon, das sollte eben noch kommen. Weil der Doktor statt mit seinem Taschentuche mit Miß Violets Strumpf über seine Stirn gefahren war." Man könnte deshalb die Geschichte auch:" Der Strumpf als Beiratsvermittler" nennen. Die ganze Gesellschaft lachte.
„ Und Mr. Parker- haßt er Deutschland noch immer?"
Am Halbmond und am Golf.
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„ Im Gegenteil er ist Vorsitzender eines Klubs zur Förderung der deutsch englischen Beziehungen geworden und ist außerordentlich rührig in dieser seiner Eigenschaft. Ja, er fährt jedes Jahr herüber, um seine praktischen Kenntnisse nach dieser Richtung hin zu erweitern."
Man sollte den Doktor zum Ehrenpräsidenten eines deutschen Klubs zur Förderung deutsch- englischer Beziehungen ernennen", sagte die kleine Baronin, solcher großen Verdienste wegen." ,,, er hat schon seinen Lohn", erwiderte der Hausherr lächelnd, und die ganze Gesellschaft lachte abermals.
Als die Freunde gegangen und die beiden jungen Gatten allein beieinander waren, sagte die goldlockige Violet, indem sie mit ihren Veilchenaugen ihren Mann anlachte:„ Du bist doch ein dummer Kerl, Charley!"
"
Warum?"
"
Was?"
" Daß du's bis heute noch nicht weißt."
" Ich bin damals gar nicht in Ohnmacht gefallen." Wie?"
„ Ich habe nur die Gelegenheit geschwind benutzt und die Ohnmacht geheuchelt, weil ich wußte, es war das einzige Mittel, um Papa herumzukriegen!"
" D! England ist uns doch über!" rief der Doktor und füßte seine geliebte Violet so viele Male auf den Mund, daß sie beinahe erstickt und wirklich in Ohnmacht gefallen wäre.
Am Halbmond und am Golf.
Die Würfel sind gefallen. New Orleans iſt San Franzisko in dem Kampfe um die große Panama- Weltausstellung unterlegen, und die Deputation ist blutenden Herzens von Washington nach der alten Kreolenstadt am Mississippi zurückgekehrt. New Orleans hat also eine kleine Niederlage erlitten, was jedoch die Stadt nicht abhalten wird, auch fernerhin zu leben, zu blühen und zu gedeihen. Aber New Orleans wird sich in Zukunft scharf ins Zeug legen müssen, wenn es sein bisheriges Weltrenommee fernerhin aufrechterhalten will, denn in der Golfstadt Galveston ist der„ Halbmondstadt" eine gefährliche Rivalin erstanden, die New Orleans in den letzten Jahren bereits arg zu schaffen gemacht hat.
New Orleans! Es war an einem trüben Dezemberabend, als ich zum ersten Male mit New Orleans Bekanntschaft machte. Wir hatten dreiundzwanzig Tage„ Ozean" hinter uns und freuten uns natürlich auf den ersten Schritt an das uns noch gänzlich fremde amerikanische Land. Gegen 4 Uhr morgens waren wir bei Port Eads in den„ Vater der Ströme", in die schlammiggelben Fluten des Mississippi eingelaufen, und hatten bis fünf Uhr abends die über einhundert englische Meilen betragende Entfernung bis zu der alten Kreolenstadt zurückgelegt. Unsere noch nicht amerikaerprobte Phantasie hatte uns den Mississippi heruntertreibende Baumstämme für- Alligatoren ansehen lassen, und die Einbildungstraft hatte sich New Orleans auch als etwas ganz besonders Erotisches ausgemalt. A18 jedoch der Dampfer die berühmte halbmondförmige Wasserkurve des Mississippi nahm,
Typisches Straßenbild in Galveston.
die New Orleans das Epitheton„ Crescent City" verliehen hat, begann unsere Phantasie abzuflauen. Denn die Stadt erschien in einem trüben, grauen und verräucherten Lichte, so daß man sich unwillkürlich sagte: Sier baue ich mir keine Sütte. Anders am nächsten Morgen. Goldiges Sonnenlicht überflutete die Stadt und
Sein ein und Alles!
,, je ne sais quoi", d. h. dasbekannte Konglomerat von internationalen tropischen, durch und durch chevaleresken und sorglosen Eigenschaften, die ibre Wirkungen auf den Menschen mit heiterem Temperament nie verfehlen und aus den Bewohnern des einstigen Dorado der Plantagenbarone einen reizenden Menschenschlag geschaffen haben.
Ob man seine Schritte in New Orleans heute hier, morgen dorthin lenkt, immer wird das Auge neue Reize finden. An der„ Levee" der intereffante und bunte Safen
die Kanalstreet, die Geschäftsader des amerikanischen Paris", das durch den Abbé Prevost und die Verfasserin von„ Onkel Toms Hütte", Harriet Beecher Stowe, sowie ihre Kollegin von der Feder Trollope und General Butler u. a. ,, unsterblich" geworden ist, wimmelte von New Orleansern Beautés in den duftigsten Sominertoiletten. Man vergaß, daß man im Dezember war, und glaubte an einen ideal schönen Sommertag. Und je befreundeter ich mit der Stadt wurde, desto lieber gewann ich sie so lieb, daß ich sie später zu meiner ameritanischen Heimat erkor und noch heute, nach vielen Jahren, ihr die freundlichste unter meinen zahllosen Weltreiseerinnerungen bewahrt habe.
Die Vereinigten Staaten sind reich an interessanten Städten, aber New Orleans„ takes the cake". Seit seiner Gründung ist es allen möglichen Gefahren und Katastrophen ausgesetzt gewesen, seine heutige Größe beweist jedoch sein siegreiches " J'y suis und j'y resterai". Man kann nach New York, Chikago, San Franzisko, Seattle, Butte oder Boston usw. kommen, man wird überall das typisch Amerikanische finden. Aber in New Orleans verändert sich das Nationalbild mit einem Schlage. Der eigentümliche innere und äußere Reiz der Stadt ist schwer zu definieren. Sie besitzt ein gewisses
Milchwagen in New Orleans.
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Postkarten
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Konzert und die W
Blümchens
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von der Ku
Darmstadt Tennis- Cafe mittags auf Terrasse und
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