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Hafen. Sie glaubten wohl nicht daran, daß sich Charbin innerhalb von vier Jahren zu einer Stadt von 30000 Ein­wohnern entwickeln würde, und so grup­pierten sie ihre elenden Bretterbuden um die Anlegestelle der Flußdampfer, welche den Verkehr mit Ostsibirien und der Mongolei aufnehmen sollten.

Die Millionen und Abermillionen russischen Geldes, welche der Bahnbau ins Land brachte, flossen zum größten Teile in die Taschen dieser Aben­teurer, welche- ungewohnt mit großen Summen kaufmännisch zu wirtschaften, und dem leichtlebigen Gott des Zufalls vertrauend in geradezu sinnloser Weise in dem Schlamme der Lagunen Stein­bauten aufzuführen begannen. Der Krieg, der neue Millionen von Rubeln

Der schwarze So0.

und ungezählte Schwärme frischer Abenteurer ins Land brachte, erhob das Pristan Charbins zu einem Höllen­pfuhl von Verderbnis und Verbrechen, dem in der Ge­

Eine Fansa.

Straßenszene in Mukden.

voraussichtlich eine brave, behäbige Stadt solider Krämer und Händler geworden, wenn es nicht den Chinesen in die Raffzähne geraten wäre.

( Die Chinesen errichten in der Mandschurei die Häuser aus getrocknetem Schlamm.)

schichte schwindelhafter Gründungen nichts Gleichartiges zur Seite gesetzt werden kann. Raub, Mord, Totschlag, Falsch spiel, Dirnentum und Sittenlosigkeit von gigantischem Maß­stabe haben den Namen Charbin für kommende Jahr­hunderte weit über jene Sodoms und Gomorras gestellt.

Wer, nach der Mandschurei verschlagen, hier landen mußte, kam in eine Atmosphäre so vollendeter Erniedrigung und Gemeinheit, daß selbst die besseren Charaktere, vom Trubel dieser rasenden Genußsucht erfaßt, sich endlich in die bacchantische Orgie, welche sie rings umtobte, stürzten und, nach wenigen Monaten an Leib und Seele gebrochen, ent­weder elendiglich verkamen oder dieses grauenhafte Leben mit einem Knalleffekt beendeten.

Heute, sechs Jahre nach dem Kriege, ist Charbin materiell ruiniert. Nicht Genußsucht, Unverstand, Verbrechen und Krankheiten waren die ärgsten Feinde des Lasternestes. Wir haben es ja in Amerika, Australien und Süd­afrika gesehen, daß selbst die traurigste Abenteurer sippe nur einen Kulturdünger vorstellt und auf dem durch den Auswurf der Menschheit, den Desparados, vorbereiteten Boden der energische Farmer und Kaufmann weiterbaut. Auch Charbin wäre nach Schluß der frenetischen Orgie

Denn hinter den Kosaken, den Ingenieuren und den Abenteurern folgten lautlos und verstohlen die Kulis. Sie kamen an und stellten sich vor, wie sie es überall zu tun gewohnt sind. Demütig, be­scheiden ,,, nur für ein Pfund Reis im Tag, großer, guter Herr! und dafür arbeiten- feste arbeiten von vier Uhr morgens bis sieben Uhr abends nur fünf Pfeifen dazwischen rauchen- jedesmal nur eine Viertelstunde."-

Und die Russen nahmen sie gern in Sold. Sie faulenzten zwar in himmelschreiender Weise- aber Nitschewo!.... Wir Russen sind gutmütig, und schließlich kosten ja die armen Kerle so gut wie nichts."

Der weiße Mann selbst wenn er Mosko­witer und dem Mongolen sehr freundschaftlich ge­sinnt ist, meidet gern die nähere Gemeinschaft mit den Knoblauchessern und Opiumrauchern. Man gab den Söhnen des Himmels einen freundschaftlichen Wink, zwischen sich und die Niederlassungen der Europäer eine

Russische Grenzsoldaten mit chinesischen Verbrechern.

Um den Verbrechern eine Flucht unmöglich zu machen, fesselt" man die Leute mit den Zöpfen aneinander.

Juustrierte Weltblige..

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Am Halbmond und am Golf.

mit Erfolg eifrig bemüht gewesen, sich dieses Weltinteresse zu erhalten und ihm auch gerecht zu werden. Denn in den zehn Jahren, die seit der großen Septemberfatastrophe vergangen sind, ist es wie ein Phönix aus der Asche nicht nur wieder­erstanden, sondern hat sich auch in eine moderne amerikanische Stadt metamorphosiert. Auch hat es eine Wiederholung der Katastrophe durch die Errichtung eines 41/2 englische Meilen langen und 17 Fuß hohen Dammes von Granitbeton unmöglich gemacht.

Nähert man sich von der Landseite, also von Houston, dem auf einer Insel gelegenen Galveston, so hat man furz vor der Stadt eine mehrere Meilen lange Trestebrücke zu passieren, die einen sofort an die Einfahrt von Venedig erinnert. Schon beim Verlassen des Bahnhofes gewinnt man den Eindruck, daß Galveston, eine sehr unternehmende und prosperirende Stadt ist und sich vor allem auch als Sommerfrische für den Eüden eignet. Tatsächlich bildet der Strand Galvestons im Sommer auch ein Buen Retiro für Leute aus ganz Texas. Und wie mancher New Orleanser läßt Bilori und die anderen Louisanaer Seebäder

links liegen und sucht in den Galvestoner. Brisen Erholung. Die Stadt war bereits vor 1909 reich an modernen und imposanten Bauten; heute sieht sie, wie das neue San Franzisko, in ihren Mauern Gebäude, die New York zur Ehre gereichen würden und von dem nach oben" strebenden Unternehmungs­geist der Galvestoner Zeugnis ablegen.

Um jedoch Galvestons maritime Bedeutung voll und ganz würdigen zu können, braucht man nur an die bevorstehende Er­öffnung des Panamakanals zu denken, denn hierin liegt Galvestons Zukunft. Nach 1915 wird die amerikanische Parole heißen: Chikago- Galveston Panama" und" New York Galveston­Panama". Bereits heute vermitteln gegen dreißig verschiedene Dampferlinien( darunter eine Sonderlinie des Norddeutschen Lloyd) den Verkehr zwischen Galveston und Europa, ein Handels­aufschwung, der, wie schon erwähnt, der Rivalin New Orleans arg zu denken gegeben und ihr den Rang abgelaufen hat. Galveston gilt bereits als der größte Baumwollhafen der Welt und rangiert heute, was den Export betrifft, direkt hinter New York.

Illustrierte Weltblitze.

Die internationale Brücke zwischen Juarez und El Paso del Norte.

An der amerikanisch- meri­kanischen Grenze.

ie amerikanische Mobilmachung gegen Mexiko erregte in der ganzen Welt ein begreifliches Aufsehen. Sie konnte aber nicht überraschend kommen, weil man längst wußte, daß die amerikanische Re­gierung über kurz oder lang doch einmal in der benachbarten Schwesterrepublik intervenieren würde. Da die Amerikaner in Mexiko niemals beliebt gewesen sind, stieg die Entrüstung des merikanischen Volkes über die beabsichtigte Inter­vention aufs höchste. Wie man sich nach der seinerzeit an der amerikanisch­merikanischen Grenze stattgefundenen Begegnung zwischen den Präsidenten Taft und Diaz erzählte, sollen bereits damals die beiden Landesoberhäupter Verabredungen wegen einer eventuellen Intervention der Vereinigten Staaten getroffen haben. Die Begegnung der beiden Präsidenten fand auf der Rio Grande Brücke statt, die das merikanische Städtchen Juarez mit dem amerikanischen Grenzort El Paso

del Norte verbindet. Die Brücke ist ein einfacher Holzbau, aber täglich findet ein reger Verkehr von der merikanischen Seite in Onkel James' Land statt. Auch eine elektrische Bahn, die die beiden Städte verbindet, fährt über die Brücke.

Ein modernes japanisches Theater. Seit einigen Jahren iſt in Japan ein

heftiger Kampf zwischen dem moder­nen und alten Theaterwesen entbrannt. Die Anhänger der alten Schule wollen das traditionelle japanische Drama und die alte dort übliche Spielweise beibehalten, wäh­rend die Jüngeren" das ganze japanische Theater zu europäiſieren gedenken. Zu den letzteren gehören die auch in Deutsch­land bekannte Tragödin Sada Vakko und ihr Gatte Kawakami, die sich in Osaka ein großes modernes Theater erbaut haben. In Tokio ist es Graf Yaganisawa, der für das europäische Theaterwesen Propaganda macht. Er steht an der Spitze der Gesellschaft, die das Vuraku- za" er­bauen ließ. Das Yuraku- za ist, wie unser Bild zeigt, ein moderner Bau, bei dem nur das Veſtibül etwas ans Japanische erinnert. Das Theater ist in erster Linie für das Vaudeville bestimmt und mit einem europäischen erstklassigen Restaurant ver­bunden. Außer Varietévorstellungen finden auch Konzerte, kinematographische Vor­führungen usw. statt.

Das Yurakuza- Thecter in Tofio.