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Deutscher Reidstag

und Erler, dann muß man sich tatsächlich fragen, wo hier die große Ueberlegenheit der französischen Militäraviatik zu sehen sein soll. Der Gesamtflug der deutschen Offiziere beträgt 650 Alm. Es wurden einzelne Landungen vor­genommen, die auch Hauptmann Belenger bei seinem großen Fluge zu unternehmen gezwungen war. Die Lan­dungen waren auf beiden Seiten auf recht unangenehmem Boden und ohne Vorbereitungen zu vollziehen. Haupt­mann Belenger hatte eine kleine Banne aufzuweisen, die er allerdings selbst reparieren konnte. Unsere Fliegerof­fiziere kamen dagegen ohne jede Beschädigung des Appa­rates am Döberizer Flugfelde an. Ferner hat Haupt­mann Belenger die Reise allein gemacht, während die 650 Kim. lange Strecke von den zwei Offizieren Macken­thun und Erler zurückgelegt wurde. So sehen die besten Leistungen der beiden Heere aneinander gemessen aus.

Am Dienstag sollte der Etat endgiltig verabschiedet wer­den und die Osterferien sollten beginnen. Schon um zehn ühr fand man sich deshalb zusammen, denn der Verlauf der Montagsizung Iteß nicht darauf schließen, daß man sich eine rasche Förderung der Beratung besonders angelegen sein Abg. laffen würde. Mit dem Militäretat begann man. Brunstermaun( Reichspartei) bat die Heeresverwaltung, die Mannschaften des Beurlaubtenstandes möglichst nicht zur Erntezeit zu Uebungen einzuziehen, auch in Gewährung pon Ernteurlaub möglichst freigiebig zu sein. Er fand eine fehr entgegenkommende Erwiderung von seiten des Vertre­ters des Kriegsministers. Abg. Kunert( Soz.) wiederholte feine Angriffsrede aus der zweiten Lesung wegen des so= genannten schwarzen Fonds im sächsischen Kontingent, mit benen angeblich schwere Mißbräuche getrieben sein sollen. Nach den Mitteilungen des sächsischen Militärbevollmächtig­ten stellt sich der Sachverhalt jedoch ganz anders dar. Aber Abg. Kunert blieb unentwegt bei seinen Behauptungen ste= hen und so verging mit dieser Angelegenheit kostbare Zeit. Beim Marineetat wurde die Heizerzulage, gegen deren Kürzung sich auch bürgerliche Abgeordnete aussprachen, durch namentliche Abstimmung wiederhergestellt. Die Staatssekretäre v. Tirpitz und Wermuth hatten vorher dte Ursachen für diese Herabsetzung nochmals dargelegt und ihre Bereitwilligkeit, die Verantwortung zu tragen, erklärt. Beim Etat des Reichsschatzamts gab es einige heitere Sze­nen; der Abg. Dohrn( frs. Vp.) tronisierte in humoristischer Weise die künstlerische Ausstattung der Denkmünzen und der neuen Hundertmarkscheine. Aus den Ausführungen bes Staatssekretärs und anderer Redner aus dem Hause er­sah man jedoch, daß die Meinungen verschieden sind. Die Erhöhung der Veteranenbeihülfe wurde von mehreren Rednern freudig begrüßt. Das Verdienst daran kann übrigens, wie Freiherr von Gamp betonte, nicht eine Partei allein für sich in Anspruch nehmen. Der Kolonialetat wurde ohne Debatte angenommen. Beim Postetat forderte eine Resolution Giesberts( Sentrum), daß die nicht etatsmäßigen Unterbeamten sowie zum Auf­rücken in Unterbeamtenstellen bestimmte Arbeiter und Handwerker spätestens nach zehnjähriger Dienstzeit etats­mäßig angestellt werden. Abg. Dröscher( kons.) beantragte die Wiederherstellung der gestrichenen Postrats- und Ober­postdirektorstellen. Die Resolution Giesberts wurde ange­nommen, die Postrats resolution abgelehnt. Erledigt wur de noch der Etat der Zölle, ebenso der Hauptetat und das Etatsgesetz. Damit war die dritte Lesung des Etats beendet und mit den besten Osterwünschen entließ der Präsident die Abgeordneten. Nächste Sitzung am 2. Mat.

Die Militäraviatik in Deutschland und Frankreich.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Die mißliche Geschäftslage des Reichstages ist in den letzten Wochen nicht besser geworden. Zahlreiche Vor­lagen liegen, wie bekannt, unvollendet da. Wie die ,, N. G. C." aus parlamentarischen Kreisen hört, werden die verbündeten Regierungen die Osterpause benutzen, um tit den Vertretern der bürgerlichen Parteien unverbinche Besprechungen zu führen, wie die wenigen noch zur Ver­fügung stehenden Wochen nutzbringend verwendet werden tönnen. Nur so wird es möglich sein, wenigstens einige von den Vorlagen, deren Erledigung das Volk dringend verlangt, zu retten.

durch seine Geraöhelt bekannte Stadtrak Matter begleitete seine Hammerschläge mit dem Spruch: Bewahre uns des Kaisers Hand vor Groß- Berlin und Zweckverband." Einen Augenblick war alles starr, dann brach eine gewaltige Heiter, feit aus.

Die Kommission zur Reform des Strafrechts ist am Dienstag nachmittag im Reichszustizamt zu ihrer ersten Sigung zusammengetreten. Sie soll bekanntlich auf Grund des im Jahre 1909 veröffentlichten Vorentwurfs eines Strafgesetzbuches einen verbesserten Entwurf ausarbeiten. Den Vorsitz führt anstelle des verhinderten Staatssekre= tärs des Reichsjustizamtes der frühere Ministerialdirektor im preußischen Justizministerium Wirklicher Geheimer Rat Lucas.

Eine Revolversteuer beabsichtigt das englische Ministe rium des Innern einzuführen. Die Höhe der Steuer ist auf 20 M für jeden angekauften Revolver bemessen. Die Pisto­len sollen so registriert werden, daß sie, wenn sie gefunden werden, einen Anhalt für den Eigentümer geben. Der un­gefegliche Besitz eines Revolvers soll mit Gefängnis bestraft werden.

Die Differenzen im Mannheimer Hafengebiet haben fetzt zu einer vollständigen Arbeitseinstellung geführt, nachdem die erneut aufgenommenen Verhandlungen mit den Arbeitgebern resultatlos verlaufen sind. Dienstag mor­gen legten sämtliche Arbeiter, Heizer und Maschinisten, zu sammen etwa 2000 Personen, die Arbeit nieder. Der Be­trieb im Hafen ruht vollständig.

Ein schreckliches Brandunglück ereignete sich am Diens­tag nachmittag in Oberschöneweide bei Berlin. In der Edisonstraße spielten in der Wohnung der Eltern zwei klet­ne Kinder im Alter von 1 und 4 Jahren mit Streichhölzchen. Es entstand ein Brand. Das 1jährige Kind erstickte, wäh= rend das 4jährige auf den Tod darntederltegt.

Die Wünsche der preußischen mittleren Gerichtsbe: amten in der Kommission. Die Budgetkommission des preußischen Abgeordnetenhauses überwies die Petitionen um Verbesserung der Anstellungsverhältnisse der Kanzlei­diätare und Gehilfen der Oberlandes-, Land- und Amts­gerichte sowie der Staatsanwaltschaften sowie die um Er­höhung des Anfangsgehalts der Gerichtsassistenten auf 1800 M und Festsetzung der Gehaltsstufen wie bei den Assistentenklassen der Reichsbehörden der Regierung als Material. Alle übrigen Petitionen von Justizbeamten um Besserstellung bezw. anderweitige Anrechnung ihres Besoldungsdienstalters wurden durch Uebergang zur Ta­gesordnung erledigt.

Der unzweifelhafte Erfolg, den der erste große deut­sche Militärflug darstellte, regt zu einem Vergleich zwi­schen der deutschen und französischen Militäraviatik an. Man konnte in allen Pressestimmen bei aller Anerkennung der Leistungen unserer Fliegeroffiziere stets die Bemer­fung lesen, daß unsere Militäraviatit allerdings noch weit hinter den Erfolgen der Franzosen zurückbleibe. Diese Anschauung erscheint nach den aus Frankreich herüberkom­menden Meldungen allerdings berechtigt. Ein Fachmann, der das französische Flugwesen aus eigener Anschauung kennt, wird aber, wie der Inf." von militärischer Seite geschrieben wird, noch manche gelinde Zweifel an der Richtigkeit dieser Ansicht hegen. Wir haben z. B. jüngst gelesen, daß der französische Aviatiker Breguet vor eini­gen Tagen einen Flug mit 11 Passagieren gemacht habe. Das klingt sehr erstaunlich, verliert aber sofort an Be­deutung, wenn man gesehen hat, daß diese 11 Passagiere tatsächlich Kinder im Alter von 6 bis 8 Jahren waren. Das Gewicht dieser 11 Passagiere" war also nicht größer als das von 3 bis 4 fräftigen erwachsenen Männern. An diesem Beispiel kann man erkennen, wie Erfolge" gemacht werden. Die deutsche Militäraviatik hat durch den letzten großen Ueberlandflug bewiesen, daß sie selbst bei den schlechtesten Winden ohne jede Gefährdung von Personen und Flugapparaten große Strecken zurücklegen kann. Der Flugapparat des Leutnants Mackenthun erreichte manch­mal eine Geschwindigkeit von 100 Kim. in der Stunde. Die deutschen Fliegeroffiziere haben bisher bewiesen, daß fie ihre Aufgaben, die ihnen gestellt werden, in muster­hafter Weise erfüllen. Sie sind noch niemals ohne völlige und glänzende Durchführung ber thnen gestellten Arbeit nach Döberig zurückgekehrt. Aber dieses ist gerade für Kriegszwecke die Hauptforderung, die man an Flieger und Apparat stellen muß.

Die hessische Ständekammer nahm das neue Wahlge­setz an, das für Hessen das direkte Wahlrecht mit einem Pluralwahlrecht für Wähler über fünfzig Jahre bringt.

Der beste französische Fliegeroffizier ist der Haupt­mann Belenger, dessen Leistungen nur durch die Flüge des bekannten Flugapparatkonstrukteurs und Reserveofft­ziers Blériot überboten werden. Die größte Leistung Be lengers war bisher ein Ueberlandflug von 600 KIm., den er in 7 Stunden durchführte. Hält man dagegen den Jüngsten Ueberlandflug der beiden Leutnants Madenthun

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Des Rätsels Lösung.

Zwei Schülerselbstmorde werden aus Ratibor gemeldet. Der Obertertianer Janetki vom dortigen Realgymnasium hat sich im Schulzimmer erschossen. Der Obertertianer Guder vom Königlichen Gymnasium hat sich im Elternhause erhängt. Beide Schüler waren nicht versetzt worden.

Eine Familientragödie hat sich Dienstag nachmittag in Berlin abgespielt. Der 65jährige Kassierer Tamterus er­drosselte seine Frau und erhängte sich darauf. Der Grund zur Tat sind Nahrungssorgen.

Aus dem Fenster gesprungen und tödlich verletzt. In einem Haufe der Pestalozzistraße in Charlottenburg sprang dte von ihrem Mann getrennt lebende Frau Elisabeth Schreiber aus dem Fenster ihrer im vierten Stock gelegenen Wohnung in den Hof. Ste erlitt einen Bruch der Halswtr­belsäule und war sofort tot.

Im schwedischen Reichstag haben freisinnige Abge­ordnete einen Vorschlag zur Verfassungsänderung gestellt, der dahin geht, daß das Recht des Königs, Bürgerliche in den Adelstand zu erheben und Freiherrn- und Grafen­titel zu verleihen, aufgehoben werde. Der Verfassungs­ausschuß des Reichstags hat die Annahme des Vorschlags empfohlen, und die Zweite Kammer des Reichstags hat hierauf den Vorschlag mit überwältigender Mehrheit an­genommen. Die Erste Kammer dagegen hat die Verfas­sungsänderung abgelehnt, und zwar mit einer Mehrheit von 85 gegen 45 Stimmen.

Roman von Ludwig Blümce. ( Nachdruck verboten.) Erregt erwiderte Erna auf diesen Scherz: Aber das war einmal!- Der Herr Leutnant ist ganz anders ge­worden! Fragen Sie nur meinen Bruder. Seine Aben­teuer waren übrigens allesamt recht harmloser Art, das weiß Hans sehr genau. Gott, ein bischen austoben muß so ein Junker doch auch. Wenn er nur nicht vergißt, was er seinem Stande schuldig ist."

Einer eigenartigen Gasvergiftung zum Opfer gefallen ist in Köpenick bei Berlin ein Wäschereibesizer. Er setzte sich ermüdet auf einen in der Küche dicht am Herd stehenden so­genannten Großvaterstuhl", um auszuruhen. Beim Hin­setzen berührte er mit dem Aermel den Gashahn, der sich da= bet halb öffnete, bemerkte dies jedoch nicht und schlief bald fest ein. Am nächsten Morgen fand man den alten Mann tot in der mit Gas gefüllten Küche auf.

Die Tat eines Trinkers. Der Arbeiter Milerski in Laurahütte( Oberschlesien), Vater von 8 Kindern, der ange­trunken nach Hause kam, forderte von seiner Frau Geld, um weiter trinken zu können. Als ihm die Frau nichts gab, packte er sie und warf sie zum Fenster hinaus. Die Frau erlitt mehrere Rippenbrüche und eine Gehirnerschütterung und dürfte kaum mit dem Leben davonkommen. Der Täter wurde verhaftet.

Ueber die Kriegsstimmung in China wird der Voss. 3tg." aus Peking gemeldet: Die Kriegsrüstungen der Mandschutruppen werden im Geheimen fortgesetzt. Die Bestellungen von Waffen und Munition sind größer als je. Der Kriegsminister wird in seinem Bestreben, für den Krieg Propaganda zu machen, von den Agitatoren, meist in Europa und Japan ausgebildete Chinesen, eifrig un­terstützt. Der neue Streitfall mit Japan, der die Gemüter stark erregt, wird, obgleich ein unverhohlener Haß zwischen Japan und China besteht, dennoch eine günstige Regelung finden, da das Solidaritätsgefühl der gelben Rasse einen Kampf unter sich nicht zulassen wird. Der Ausbruch eines Krieges gegen Rußland set, obgleich die offizielle Regie­rung ihn verschweigen wolle, nur eine Frage von Wochen oder Monaten.

Gnädiges Fräulein haben vollkommen recht, wie im­mer!" sagte Woltersdorf mit verbindlichem Lächeln. Ich will ganz gewiß nichts schlechtes von einem Abwesenden reden, das liegt nicht in meiner Art. Was des Herrn Leutnants Liebesabenteuer anbetrifft, so dürfte hier wohl niemand genauer über dieselben orientiert sein, als ich sel­ber. Die Schwestern meiner beiden intimsten Freunde in der Residenz haben nämlich leider auch eine Rolle in denselben gespielt. Nun, Ihr Herr Bruder müßte ja davon wissen. Es ist ja vorbei. Sprechen wir von etwas anderem!"

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Einen Vergleich der Entwicklung der Lebenskosten and Löhne in Deutschland und England, und zwar auf Grund der amtlichen Statistik beider Länder, brachte kürzlich die Agrarpol. Korresp. Es werden die Löhne und Lebens­mittelpreise während eines Zeitraumes von 1901-1905 Diese Jahresgruppierung ist gewählt worden, weil mit dem einerseits und 1906-1908 anderseits miteinander verglichen. 1. März 1906 der neue deutsche Zolltarif in Kraft getreten tst, von dem viele bekanntlich fagten, er werde das Arbeiter­elend in Deutschland noch steigern. In England sind in dem Zeitraume 1906-1908 im Vergleiche mit den Jahren 1901 bis 1905 die Lebensmittelpreise um 6 Prozent, die Löhne im Bergbau nur um 5,9 Prozent gestlegen. In Deutschland stiegen die Lebensmittelpreise in der genannten Zeit allerdings stärker und zwar um 13,6 Prozent, die Löhne im Bergbau aber stiegen in derselben Zeit um rund 20 Prozent. In England ist also die Lohnsteigerung hinter der Lebensmittelpreissteigerung etwas zurückgeblieben, in Deutschland war die Lohnsteigerung um 6 Prozent stärker als die Erhöhung der Lebensmittelpreise. Nach amtlicher englischer Darstellung brachte sonach der außerordentliche Aufschwung der Industrie von 1906 für die Lebenshaltung des Arbeiters einen kleinen Rückgang mit sich, während in Deutschland die Verstärkung des Schutzzolles eine Er­höhung der Lebenshaltung des Industriearbeiters im Ge­folge gehabt hat.

Ueber einen heiteren Zwischenfall bei der gestrigen Grundsteinlegung zum Rathause in Spandau berichten dortige Blätter: Der durch seinen gesunden Humor sowie

Das schien Frau Raben nun gar nicht so notwendig. Gerade dieses Thema interessierte sie, und darum hätte fte gern Genaueres aus Hardis Liebesleben erfahren. Doch ber ehrenwerte Woltersdorf ließ es bei ein paar sehr dunk­len, aber dennoch recht vielsagenden Andeutungen bewen­den. Er mochte eben, wie er wiederholt beteuerte, über ben liebsten Nächsten hinter dessen Rüden nichts Böses fagen.

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Wie ich dieses Geschlecht kenne, ist es in der Tat eines ber untadeligsten. Aber was nüßen Gelübde, wenn die Vergangenheit noch lebt und grausam ihre rächende Hand ausstreckt nach dem reuigen Sünder? Seine Zukunft fann durch die Vergangenheit vernichtet werden, jeden­falls wird dieselbe wie ein dunkler Schatten seine Beglei­terin bleiben."

Das konnte Herr Raben nur billigen. Der meinte: Unser junger Herr hat seinem Vater alles eingestanden und sein Wort darauf gegeben, daß das alte Leben gänz lich abgebrochen sei. Das Wort eines von Eschenholdt aber ist von jeher heiliger als der heiligste Schwur ge­wesen."

,, Davon bin ich überzeugt," fuhr Woltersdorf fort

" Solche philosophischen Worte versteht unsereins nicht," warf Frau Raben ungeduldig ein. Wenn Sie immer nur in Rätseln reden wollen, Herr Woltersdorf, dann müssen sie sich an flügere Leute halten, als wir sind."

Erna aber schien den Philosophen nur zu gut ver­standen zu haben. Sie war blaß geworden und sah auf einmal recht müde und abgespannt aus. Es war ihr eine Wohltat, daß Woltersdorf sich bald empfahl. Seinen Abschiedsgruß erwiderte sie talt und formen, nicht zu­traulich wie sonst.

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Am nächsten Vormittag fragte der General Hardi, nachdem er ihn eine Weile stillschweigend beobachtet: Fehlt Dir etwas, Junge? Dein Wesen kommt mir ver­ändert vor. Sage mir offen, bist Du in Erna Raben verliebt?"

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Wissenschaft, Kunst und Literatur.

Telephonieren auf 20 000 kilometer. Aus Neuyork wird berichtet: Mit Hilfe einer Reihe amerikanischer Kapitalisten ist der Prof. Carlos Venbergh in West- Nyack, New- Jersey, gegenwärtig an der Arbeit, ein neues Fernsprechsystem zu entwickeln, das die Möglichkeit bieten wird, telephonische Verständigung auf gewaltige Entfernungen zu erreichen. Einer der Mäzene, Mr. J. R. Junis Hoskins, hat kürzlich den Forscher in seinem Laboratorium aufgesucht und berich­tet, daß die Erfindung sich bei den bisherigen Proben über alles Erwarten gut bewährt habe. Dem Gelehrten soll es

Habe Kopfschmerzen, Papa, sehr sogar! Verliebt? Ja, leugnen will ich es nicht. Aber- reden wir ein andermal davon." So lautete Hardis eigentümliche Ant­Dann verließ er mit ein paar dürren Entschuldi= gungsworten das Zimmer, um trog Wintersturm und Schneetreiben, das sich während der Nacht eingestellt, im Park spazieren zu gehen.

wort.

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der alte Mann.

,, Gerade wie er so plötzlich über meine Felder und Waldungen gekommen, ist er auch über mich hereingebrochen.

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Er kann ja so schöne trauliche Stunden dem alten Jahr noch bringen, Weichnachtsglanz sogar, den der Lenz nicht einmal auszustrahlen vermag, aber für mich-? Wie fühle ich mich einsam! Der berühmte Sohn hat keine Zeit für den alten Vater. Die Tochter gar erst, ach, die hat zu viel gesellschaftliche Verpflichtungen, und mein Ge­neralstabshauptmann lächelt nur über des alten Generals veraltete Anschauungen. Er ist weiser als der Sieger in zwanzig blutigen Schlachten und Gefechten, trotzdem er noch kein Pulver gerochen hat. Und nun mein Hardi, Mütterchens Abgott, mein Liebling, der gute, ehrliche leichtsinnige Junge, der pfeift auf Ahnenstolz und Sitte, der verliebt sich ernstlich in ein bürgerliches Mädchen. Nein, nein, ich darf es nicht dulden! Seit zweihundert Jahren hat noch kein Eschenholdt eine Bürgerliche gehet­ratet. Ich gebe zu, daß überretebener Adelsstolz grausam wirken kann, aber unser Stand soll eben Hervorragendes leisten und muß eine Sonderftellung einnehmen; weichen wir von den ehernen Gesetzen unserer Ahnen ab, so gibt es bald feinen Adel mehr. Ich werde start sein und sollte ich meinen letzten Kampf im Leben damit fämpfen!" Hastig wandte er sich ab von dem traurigen Anblid des Winters, schaute auf zu den Bildern seiner Väter, die da aus den goldenen Rahmen mehr oder weniger wert­voller Gemälde ernst und würdig auf ihn herabblickten, als wollten sie sagen: Ja, so und nicht anders mußt Du handeln!"

Der General stand mit gerunzelter Stirn an einem der hohen Fenster seines Ahnensaales und schaute mit trü­ben Blicken hinaus in die Winterlandschaft, die Mutter Natur da in wenigen Stunden gezaubert hatte.

,, Ach, der Winter, der kalte, kalte Winter!" seufzte

Des Rentmeisters Kontor befand sich im Erdgeschoß des Schlosses. Es war ein großer, düsterer Raum mit vielen Bücherregalen, Kisten und Kasten und einem eiser­nen Geldschrank. An einem grünen Tisch saß eifrig bet der Arbeit der alte Raben.

Fortsekung folgt.)

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