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Gießener Zeitung
Bezugspreis 40 Pfg. monatlich
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( Neueste Nachrichten)
olerteljährlich 1,20 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den ZweigErscheint ausgabestellen vierteljährlich 90 Pfg. Dienstags, Dounerstags, Samstags. Redaktion: Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.
Nr. 206.
Telephon: Nr. 362.
Parteipolitisches.
Reichstagswahlen 1912.
- Der diesjährige allgemeine Vertretertag der N a= tionalliberalen Partei wird am 3. Dezem ber in Berlin zusammentreten, um über den Wahl= aufruf für die bevorstehenden Reichstagswahlen Beschluß zu fassen.
Limburg. Die Fortschrittliche Volkspartei hat an Stelle des zurückgetretenen Kandidaten Rechtsanwalt Güth- Wiesbaden den Landwirt, Lehrer a. D. Arnold Schuster in Cubach bei Weilburg als Kandidaten für den Reichstagswahlkreis Limburg- Diez aufgestellt.
Ein am Sonntag in Kassel abgehaltener, von über dreihundert Delegierten aus beiden Hessen und dem Fürstentum Waldeck besuchten hessischen Hand= werkertag faßte u. a. Beschluß über das Vorgehen des Bundes der Handwerker bei den nächsten Reichs= tagswahlen in Hessen und Waldeck. Es wurde die Parole ausgegeben, in dem Wahlkreis Friedberg= Büdingen, wo der Bund der Landwirte mit den Nationalliberalen zusammengeht, sich der Stimme enthalten, dagegen im Wahlkreis Alsfeld- Lauterbach Schotten den Kandidaten der Wirtsch. Vereinigung zu unterstützen.
Hessische Landtagswahlen 1911.
zu
§ Die Nationalliberale Partei Hessens wird sich auf ihrem Parteitage nächsten Sonntag, den 8. Oktober, im städtischen Saalbau zu Darmstadt ausschließlich mit den Landtagswahlen beschäftigen. Am Vormittag des genannten Tages wird der Landesausschuß zusammentreten. Nachmittags 3 Uhr findet die Landesversammlung statt, in der die Landtagsabgeordneten Bach- Mainz, Köhler- Worms und Dr. Os an n- Darmstadt über Fragen der hess. Politik sprechen werden. Zu dieser letztgenannten Versammlung sind alle Parteimitglieder, Freunde und Gesinnungsgenossen willkommen.
§ Jm Wahlkreise Nidda- Ortenberg wurde vom Bunde der Landwirte Landwirt W. Dorsch 2. aus Wölfersheim als Landtagskandidat nominiert.
Enthält alle amfl. Bekanntmachungen
der Großherzoglichen Bürgermeisterei
des Großherzoglichen Polizei Amtes sowie vieler anderer Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83.
( Haus Brüder Schmidt.)
Donnerstag, den 5. Oftober 1911.
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| versicherung zu tragen, derart, daß die Beiträge nicht mehr von den Ortskrankenkassen eingezogen werden sollen, sondern daß fünftig den Arbeitgebern die Entrichtung der Beiträge durch Einkleben der Marken zur Pflicht gemacht werden soll. Nach Anhörung der beteiligten Kreise hat sich die Handelskammer für die Beibehaltung des jetzigen Einzugsverfahrens, das sich zu beiderseitiger Zufriedenheit durchaus bewährt hat, unter Hin weis auf die Nachteile, die mit einer Aenderung dieses Verfahrens verbunden sein würden, ausgesprochen.
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( Gießener Tageblatt)
Anzeigenpreis 15 Pfg.
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Telephon: Nr. 362.
23. Jahrg.
Der Vorbesitzer weigerte sich jedoch, das Tier zurückzunehmen. In diesem Stadium der Sache bat ein anderer Wirt den Weinhändler, ihm doch sein Eselsgespann auf 8 Tage leihweise zu überlassen. Es wurde ihm mitge= teilt, daß er einen Esel geborgt erhalten könne, wegen des anderen Tieres aber mit seinem Kollegen verhan= deln solle. Dieser war vergnügt, daß er auf diese Art aber, das Grautier nach 8 Tagen zurückzunehmen und den Esel aus seinem Stalle los wurde, weigerte sich so kam es wieder mit seinem Genossen an seinen früheren Besitzer. Der Weinhändler leitete wegen Abnahme, Zahlung des Kaufpreises und eines täglichen Futtergel des von 1.50 Mt. gegen den Wirt die Klage ein, welche zwei Instanzen beschäftigte und nach 420 Tagen durch Urteil zu Ende kam. Der Wirt wurde verurteilt, gegen Uebergabe des von ihm gekauften Esels den Kaufpreis und die entstandenen Futterkosten zu zahlen. Die
n Die Gießener Freiw. Feuerwehr hielt letzte Woche ihre Schlußübung ab. An dem als Brandobjekt dienenden Schulgebäude in der Schillerstraße wurde den beiden Löschzügen eine Aufgabe gesteilt, die unter dem Kommando des Brandinspektors Wiegandt sehr befriedigend gelöst wurde. Der Uebung wohnten Branddirektor Braubach, Regierungsrat Langermann, Beigeord- Ordnung der Angelegenheit sollte nun vor einigen Ta= neter Keller und Kommandanten von auswärtigen Feuerwehren bei.
n Maßnahmen gegen die Teuerung. Die Handelskammer Gießen hat beschlossen, gemeinsam mit den übrigen hessischen Handelskammern bei der Großh. Regierung dahin vorstellig zu werden, daß sofort Maßnahmen unternommen werden, welche geeignet sind, der Preissteigerung der Lebensmittel entgegenzu wirken; als solche Maßnahmen sind neben Eisenbahn tarifmaßnahmen im Inlande eine vorübergehende Auf hebung der bestehenden Futtermittelzölle und Einschränk ung des Einfuhrscheinsystems anzusehen.
gen zwischen den Parteien in Gegenwart ihrer Anwälte durch einen Gerichtsvollzieher vorgenommen werden. händlers vorgeführt. Der Wirt besichtigte das inzwiſchen Das Klageobjekt wurde auf Veranlassung des Wein
klärte dann- dies sei nicht der Esel, den er gekauft dick und fett gewordene Tier von allen Seiten und erhabe, es sei der andere Esel, mit dem er nichts zu tun hätte und dessen Annahme er verweigere. Der Gerichts
vollzieher stellte die Einrede, daß angeblich versucht sei, bei der Uebergabe einen falschen Esel unterzuschieben, protokollarisch fest und nun hat sich über die Einrede des falschen Esels ein neuer Rechtsstreit ent
nommen hat.
o Bad Nauheim. Bis zum 28. September 1911 sind 33 798 Kurgäste angekommen, wovon am genannten Tage noch 2635 anwesend waren. Bäder wurden bis zum 28. September 448 662 abgegeben.
o Vom Vogelsberg. Die Kartoffelernte ist hier in vollstem Gange. Die Resultate sind sehr verschieden untereinander. Teilweise erntet man schöne und auch viel Kartoffeln, aber auf einem anderen Acker erntet man so wenig und so schlechte Früchte, daß sich kaum die Erntearbeiten rentieren. Jm allgemeinen ist eine schlechte Ernte zu verzeichnen, deren Ergebnisse selbst in den schlechtesten Jahren bisher überholt worden sind.
n Ausschaltung des freien Wettbewerbs bei der Er- wickelt, der erst seinen Anfang in der ersten Instang gerichtung von Ueberlandzentralen. In fast allen deutschen Bundesstaaten schweben gegenwärtig noch Projekte für die Errichtung elektrischer Ueber= landzentralen. Dabei treten in Gestalt von Materialund Installationsmonopolen Erscheinungen zutage, die sowohl die Allgemeinheit als auch die elektrotechnischen Spezialfabriken und die selbständigen Elektroinstallateure auf das schwerste schädigen. In einer Denkschrift der Vereinigung elektrotechnischer Spezialfabriken, welche den einzelnen Bundesregierungen und den amtlichen Handelsvertretungen zugegangen ist, wird nun die Aufmerk samkeit auf diese Monopole mit ihren Nachteilen hingelenkt und daran die Bitte geknüpft, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln dahin zu wirken, daß bei der Errichtung von Ueberlandzentralen der freie Wettbewerb bei der Herstellung der Ortsverteilungsnetze und der Anschlußanlagen nach jeder Richtung hin gewahrt wird. Die Handelskammer Gießen hielt soweit die Herstellung der Fernleitung, der Ortsverteilungsnetze, der Hausanschlüsse bis zum Zähler in Betracht kommt, ein Installations- und Materialmonopol für nicht unberechtigt, weil die städtischen oder staatlichen Elektrizitätswerte ein erhebliches Interesse an der sorgfältigsten Ausführung aller dieser Anlagen haben. Im übrigen aber muß jede monopols als ein Eingriff in die Gewerbefreiheit verweitere Ausdehnung des Installations- und Materialworfen werden. In diesem Sinne wird die Handelsfammer gemeinsam mit den übrigen hessischen Handelskammern bei der Großh. Regierung vorstellig werden.
§ Entgegen einer Zeitungsnotiz, wonach die Verhandlungen der Landesausschüsse der nationalliberalen und der fortschrittlichen Volkspartei wegen eines ge= meinsamen Vorgehens für die Landtagswahlen in ganz Hessen oder doch in den Städten bis jetzt kein Ergebnis gehabt haben sollen, stellt die„ Sess. Liberale Wochenschrift" fest, daß derartige Verhandlungen zwischen den Landesausschüssen der beiden Parteien überhaupt nicht stattgefunden haben und daß auch feiner Seite bisher ein Versuch zu Verhandlungen zwischen den Landesausschüssen über die Landtagswahlen gemacht worden ist.
Hus Stadt und Land.
von
Gießen, 5. Oktober 1911. *. Ernannt wurden u. a. die Lehramtsreferendare: Christian Stephan und August Rühl in Grünberg, August Schlörb in Friedberg, Siegfried Kann in Gießen, Karl Göbel in Schotten, Dr. Theodor Jilke in Gießen, Wilhelm Meyer und Adam Schier in Fried berg und Dr. J. Keilmann in Gießen zu Lehramts= assessoren.
n Kanzlist Geilfus beging am 1. Oktober die Wiederkehr des Tages, an dem er vor 30 Jahren als Schreiber ins Landgericht eintrat.
n) Stiftung. Bankier J. Grünewald in Gießen hat für Zwecke der Mutter- und Säuglingsfürsorge in Hessen 10 000 Mark gestiftet.
n zwei beliebte Baubeamte, die sich außerordentlicher Beliebtheit im ganzen Kreise Gießen erfreuten, sind am 1. Oktober vom hiesigen Kreisamt ausgeschieden. Baurat Diehm hat Urlaub genommen und Regierungsbaumeister Knöll ist nach Alsfeld ver= setzt. Das hiesige Kreisbauamt übernimmt Regierungsbaumeister He ch I er= Lauterbach.
n) Heute Donnerstag früh gegen 26 Uhr wurde der ständige Nachtwächter Karl Maxter im hiesigen Bahnhof überfahren und tot aufgefunden.
n Einziehung der Beiträge für die Invaliden versicherung. Nach einer der Handelskam= mer von der Ortskrankenkasse Gießen zugegangenen Eingabe scheint man sich an maßgebender Stelle dem Gedanken einer Aenderung des seitherigen Ver= fahrens bei Einziehung der Beiträge für die Invaliden
mit
Turnerische s. Der Turngau Hessen hat für 1911-12 folgenden Turnplan aufgestellt: Eine Gauvorturnerstunde findet am 1. Oktober in Gießen und die Vorturnerstunden in den einzelnen Bezirken am 15. Of tober, 3. Dezember 1911 und am 21. Januar 1912 statt. Um die Spielbewegung im Gau zu fördern, findet am 29. Oktober 1911 in Gießen auf dem Trieb eine Spielstunde statt. Eine Uebungsstunde sür Leiter und Leiterinnen der Frauenabteilungen wird am 12. Nov. 1911 in Gießen abgehalten. Ein Turnen der geübteren Turner des Gaues ist für den 26. November in Gießen geplant. In dem Turnplan ist neben den Geräte- und volkstümlichen Uebungen auch dem Turnspiel besondere Würdigung geschenkt.
n Die 2000. Gallenblasenoperation wurde gestern vormittag in der hiesigen chirurgischen Klinik ausgeführt, seit Professor Dr. Poppert die Leitung der Klinik hat. Das ist die größte Zahl derartiger Operationen, die jemals in einer Klinik in Europa ausgeführt worden ist.
n Ein Eselprozeß, der über ein Jahr schon die Gießener Gerichte beschäftigt und jetzt von neuem entbrannte, ist das Tagesgespräch in Gießen. Ein ehemaliger Weinhändler kutschierte früher seine Ware zur Kundschaft mit einem Eselsgespann. Vor 1½ Jahren verkaufte er eines der Grautiere an einen bekannten Wirt, für 125 Mt. Das Tier wurde auch dem Käufer überliefert und stand einige Tage in dem Stall seines neuen Herrn, bis diesem der Handel leid gemacht wurde, weil angeblich der Esel mit der Räude behaftet sei.
o Grünberg. Fabrikant H. Schmidt verkaufte seine Weberei auf dem Marktplatz für 48 000 Mt..an Kaufmann Hellwig aus Rauschenberg.
o Grünberg, 1. Okt. Der seitherige Bürger= meister 3 immer, der mit Rücksicht auf sein hohes Alter eine Wiederwahl abgelehnt hatte, legte heute die Bürgermeistergeschäfte nieder. Beigeordneter Fuldat ist mit der Führung der Geschäfte beauftragt worden, da gegen die Wahl des neuen Stadtoberhauptes Ranft Berufung eingelegt ist.
o Lich, 2. Okt. Hier wird erzählt, in einem benachbarten Städtchen sei einem Arzt das Malheur passiert, daß er bei der Geburtshilfe dem Kind das linke Aermchen abgerissen habe. Das Kind lebt, durch Operation soll nun noch der Schultergelenkknochen entfernt werden, damit die Stelle glätter verwächst.
o Lauterbach. Samstag fand die Abschieds= feier für den von hier nach Gießen versetzten Kreisbauinspektor He ch Ier statt. Zahlreiche Freunde, viele Geschäftsleute, das Personal des Scheidenden, die Beamten des Kreisamtes und selbst Männer aus dem Schlitzerland hatten sich eingefunden, um noch einige vergnügte Stunden mit dem hier so beliebten Streisbauinspektor zu verleben.
o Lauterbach. Unsere Kreiskasse erhielt aus den Gemeinden 97 000 Mark, die Gesamteinnahmen betrugen 251 240 Mark. An Kriegsteilnehmer wurden 15 860 Mark gezahlt, die Kreisstraßen erforderten Mt. 117 000 Mart, die Armenunterstützung 20 715 Mt., an die Provinzialkasse gingen 26 560 Mart.
s Heppenheim. Das Ministerium des Innern hat dem hiesigen Ortsgewerbeverein zur Gewinnung von Mitteln für Handwerkerschutzwerke die Erlaubnis zur Veranstaltung einer Verlosung von Gegenständen, insbesondere von Erzeugnissen der dem Vereine angehörenden Handwerker für den 17. Dezember 1911 erteilt.
! Budenheim, 3. Okt. Heute nachmittag brannte die Delfabrik Eugen Roeder bis auf die Umfassungsmauern nieder. Der entstandene Schaden dürfte sich auf mehrere 100 000 Mark belaufen, ist aber durch Versicherung gedeckt.


