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macht dus allgemeine Zusammenleben angenehm und gesittet; sie ist ein Zügel gegen wilde 3ornausbrüche und Exzesse und hält den Menschen vor großen Lastern zurück. Daß China, dieses heidnische Bolt, sittlich so hoch steht, verdankt es zum nicht geringen Teile dem Zwange der Anstandsregeln. Es hat aber diese Sorge, den äußeren Anstand zu wahren, auch ihre großen Schattenseifen.

Zur Psychologie des chinesischen Voltes.

Eine andere Tugend des Chinesen ist seine Geduld und unverwüstliche Ausdauer, seine Genügsamkeit und seine freudige Zu­friedenheit. Die Mehrzahl der Chinesen führt einen harten schweren Kampf ums Dasein. Deshalb sind die Leute auch arbeit­sam, sparsam, haben wenig Bedürfnisse und bringen es im Ausland durchgängig zu einem gewissen Wohlstand; ihrer Kon. kurrenz kann niemand standhalten. Für geringen Lohn leisten sie lange Tages­arbeit. Der Arbeiter denkt, es ist besser, ich verdiene etwas, als nichts. Ein Muster von Ausdauer und Geduld ist der chinesische Bettler. Allen, welche eine Reise ins Innere gemacht haben, wird das aufgefallen sein. Besonders interessant in dieser Be­ziehung ist die Umgegend des Cai schan. So­bald sich eine chinesische Reisekarre zeigt, erscheint ein Kind oder ein Mann oder eine Frau; sie stoßen mit dem Kopf auf die steinichte Straße oder schlagen sich mit einem alten Schuh auf die Brust, bitten und betteln in den rührendsten Worten um ein Almosen; die Kinder laufen dem Wagen 1/2 bis 1 km weit nach, singen ihr Liedchen herunter, unbekümmert um die heiße Sonne, die auf ihren splitternackten Leib brennt; und das alles für einen einzigen Käsch!

Der Chinese trägt unger und Durst und sagt kein Wörtchen der Klage. Der franke Chinese nimmt die wider­lichste Medizin ohne Widerspruch, ohne den Mund zu ver­ziehen; das gehört eben mit zum Kranksein.

Oder man beobachte den Chinesen auf der Reise. Mitten in der schwülen Sommerhitze bis 30 und mehr Grad Reaumur liegen sie auf dem Schiffe oder nachts in den Herbergen zu­

Chinesische Schauspielerinnen­

Kulis bei der Arbeit.

sammengepfercht, geduldig und zufrieden, sie murren nicht, sie flagen nicht, sie suchen alles Ungemach zu überwinden durch den Schlaf des Gerechten oder durch Schlürfen ihres Tee­wassers und durch ihre Pfeife; oder sie schwäßen miteinander und unterhalten sich in ruhiger, friedlicher Weise. Was Ge. duld und unermüdliche Ausdauer angeht, ist der chinesische Diener das Jdeal eines Dieners auf Reisen. Während der Herr reitet, geht er zu Fuß hinterdrein, 50, 60 km, selbst Tage. In der Herberge bedient er seinen Herrn, als wenn er noch ganz frisch wäre, füttert das Pferd, bereitet das Nachtlager, trägt das Essen auf, läuft hierhin, dorthin. Erst nachdem der Serr zu Bett gegangen ist, findet er Zeit, sich auszuruhen; er raucht dann seine Anzahl von Pfeifchen, läßt sich das Essen gut schmecken, löscht seinen Durst am Tee, den er nicht tassen­weise, sondern fannenweise trinkt. Er sieht noch einmal nach dem Pferde und legt sich dann mitten in dem Hofe auf einer Matte für einige Stunden zur Ruhe nieder. So geht es oft 3, 4, 5, 6 Tage lang. Und dabei ist der Junge immer freundlich und dienstfertig. Er ist gewiß müde und fühlt die Beschwerden der Reise und seines Dienstes sehr wohl, aber er klagt nie. Alle diese Beschwerden bringen eben seine Stellung mit sich. Woraus erklärt sich nun diese Geduld, Ausdauer und Zufriedenheit? Sie ist zunächst zum Teil Frucht der Er. ziehung und einer glücklichen zufriedenen Naturanlage.

Die Chinesen sind eine Nation von Fatalisten. Sie glauben, der Mensch sei blind waltenden Kräften anheimgegeben; sie sprechen viel vom Schicksal, von Fatum. Geht es einem Chinesen schlecht, so sagt er höchstens: Tschä tsiusche uodi ming, das ist mein Geschick. Der Chinese trägt also das Unglück als etwas, was nicht zu ändern ist, er fügt sich in stumpfer Ergebung ins Unvermeidliche.

Ein zweiter Grund liegt im Mangel an Sensibilität der Nerven.

Die Kultur macht die Leute nervös. In Europa muß alles schnell gehen, alles schnell erledigt werden. Selbst Dampf und Elektrizität arbeiten zu langsam. Auf den Straßen der Städte rennt der eine am andern vorüber, im Straßenbahn­wagen oder auf der Eisenbahn muß rasch die Zeitung ge­lesen werden. Der Chinese geht langsam über die Straße, bleibt bald hier, bald dort stehen, schaut sich alles mit Muse an. Wir können nicht lange still und ruhig sitzen, der Chinese sitzt stundenlang in hockender Stellung, sein Pfeifchen rauchend, ohne etwas zu tun oder auch zu denken. Selbst in der Unterhaltung müssen wir etwas in der Sand halten oder in den Fingern herumdrehen; das geringste Geräusch stört unsere Nachtruhe und macht uns das Wiedereinschlafen schwer. Der Chinese kann überall schlafen, selbst auf belebter Straße, ohne Bett und ohne Kopftiffen, mit offenem Munde, in welchem sich oft Fliegen niederlassen. Wenn uns jemand auch nur beim Schreiben oder beim Lesen zuschaut, so werden wir aufgeregt und können kaum mehr ordentlich denken. Der Chinese bringt es fertig, die diffizilsten Arbeiten zu machen draußen vor dem Sause, umgeben von einer Menge Neu­gieriger, die nicht bloß zuschauen, sondern auch laut ihre Be­merkungen zum besten geben.

Sommertage am Rhein. geschichten, der Loreleifels weckt die poesievolle Sage von der schönen, blonden Lorelei, von Undine und Kühleborn, und hoch auf felsiger Höhe steht die Germania und hält triumphierend die deutsche Krone mit starker Hand. Wenn dann die Abendsonne ihren rot­goldenen Glanz über Berg und Tal ausgießt, das " Rheingold" in der Tiefe des Flusses funkeln läßt, wenn allmählich die Dämmerung die scharfen Umrisse der Berge zu weichen, verschwimmenden Linien formt und in der traum­haften Abendstimmung alte Märchen und Sagen lebendig werden,

Wenn in der Aferweiden Dunkel Der Elfenchor den Reigen schlingt Und aus dem Strom ein leis' Gemunkel

Der Niren auf zum Tage dringt:

Das ist die allerschönste Stunde,

Wo Tag und Nacht in gleichem Bunde

Dich fränzen mit dem goldnen Schein,

Du Fürst der Ströme, deutscher Rhein!"

Wir besitzen in dem Rhein den schönsten Strom der Welt. Zwar kann er sich an Breite und Länge mit manchem andern nicht messen und gewiß haben der Mississippi, der Amazonenstrom und der Nil großartige Naturschön­heiten, die der Rhein nicht aufweisen kann. Aber dafür hat er die Lieblichkeit vor allen seinen Brüdern voraus und die Poesie der Romantik, die ihn mit unvergleichlichem Zauber umgibt und zum Reiseziel Tausender, nicht nur der Deutschen, macht.

ভোকে

Ein Wechsel des Herzens.

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Das Kammerzellsche aus in Straßburg, ( Das Erdgeschoß wurde im Jahre 1465, der obere Teil 1589 erbaut.)

Ein Wechsel des Herzens.

Von Louise Elisabeth Dutton.

Jedermann weiß, daß Träume das Gegenteil bedeuten. Wenn

man aufwacht, gejagt von etwas, ohne fäbig zu sein, einen Schritt zu tun, kann man sicher sein, daß etwas Angenehmes in Aussicht steht. Träumt man, bei den Klängen des Hochzeits­marsches durch die Kirche zu gehen, mit gelben Schuhen unter dem Seidenkleid und einer Musselingardine statt des Braut. schleiers, so steht sicher keine Hochzeit zu erwarten. Man hat ein schlechtes Ei zum Frühstück, Unglück mit der Untergrundbahn oder noch Schlimmeres, wenn es Schlimmeres gibt.

Deshalb war Martin sehr erstaunt, als sein Traum wahr wurde. Die Überraschung wurde ihm durch das Telephon seiner Frau, deffen Sörrohr er- da er sie aus wußte und sicher in dem Vertrauen, daß sie keine Geheimnisse vor ihm hatte in die Hand genommen, um den Anruf zu beantworten.

" Dorothee, Liebchen" begann die Stimme seiner Schwester zu schnell für ihn, um dieser ungewöhnlichen Anrede zuvor. zukommen, ich kam nicht dazu, dir halb zu danken. Zwei Gäste hatten im letzten Augenblick abgesagt, und die Leute sind ja so verrückt auf, Bridge', daß mein Leben nicht sicher gewesen wäre, hätte ich vorgeschlagen, das Spiel aufzugeben. Es tut mir leid, daß sie so hoch spielten, ich hatte keine Ahnung, du seist ein Anfänger, deine Partnerin sagte,--" Was diese diese unbekannte Dame gesagt hatte, konnte Martin nicht hören, denn er hatte das Hörrohr, wie von einer Tarantel gestochen, fallen lassen.

" Bridge", der Fluch des Alters, Bridge", dessen schlechter Einfluß sein Lieblingsthema nach einem guten Essen mit Be­tannten war," Bridge", das ihn mit seinem besten Freunde entzweit hatte. Bridge, hatte er nicht geträumt, daß es einmal in seinem Leben eine Rolle spielen würde, und nun durch seine Frau, die trotz seiner Mahnungen und ihrer Ver­sprechungen endlich der Versuchung erlegen war und ihre Un­erfahrenheit der Geschicklichkeit von Gewohnheitsspielern, um hohe Einsätze, entgegengestellt hatte. Seine Frau, die lautlos die Treppe hinaufgekommen war und nun in der Tür stand, erhitzt und jung, in dem grauen Kleide, das er ihr vor kaum drei Stunden selbst zugehakt hatte.

" Ich habe mich wundervoll amüsiert," sagte sie, aber mein Kleid ist an zwei Stellen zerrissen, ich muß gehen und es vor dem Essen wechseln."

Sie warf ihm ihre verwellten Veilchen zu und verschwand. Martin hatte bemerkt, daß sie ihre silberne Börse vor ihm zu verstecken suchte, und vermutete, daß sie leer war. Er fragte sich, wieviel sie verloren haben mochte, und wie bald sie bekennen würde. Nach dem Essen fand er sie an ihrem Schreibtisch, über eine Reihe von Zahlen gebeugt, die sie mit ihrem Taschentuch bedeckte, als er sich über ihre Schulter beugte.

" Dick, willst du mir eine Frage beantworten?" sagte sie. Martin nahm ihre Hände in die seinen.

" Jede Frage, die du an mich zu stellen wünschest, Lieb," sagte er, oder alles anhören, was du mir zu sagen hast, du brauchst dich nicht zu fürchten."

" So schlimm ist's nicht," sagte sie. Ich wöchte nur wissen, ob du etwas gegen nachgemachte Juwelen hast."

Martin ließ ihre Hände fallen und starrte sie an. Außer ihrem Verlobungsring trug seine Frau einen braunen Diamanten und den Smaragd, welchen er ihr an ihrem letzten Geburtstag geschenkt hatte. Die Ringe waren wahllos oben dem Kasten entnommen. Plötzlich sah er, was sie meinte.

" Dorothee," sagte er, hab' feine Furcht. Ich möchte nur die Wahrheit wissen. Wieviel Geld brauchst du?" Dorothee ließ ihren Kopf auf den Schreibtisch sinten. Martin legte seine Sand auf ihre schlanken, zuckenden Schultern.

" Sab' doch keine Furcht, Kind," sagte er wieder." Freimut ist das beste. Ich werde die Summe schon aufbringen, ganz gleich, wie hoch sie ist. Du willst doch Gelb, nicht wahr?" " Nein," rief Dorothee, nach Atem ringend, nein, nein." Martin wandte sich ab. Nicht ihre Schulden waren es, die ihn verletzten, trotzdem diese, wenn sie das ihr Ausgesetzte über­schritten, hoch sein mußten. Es war ihre Bereitwilligkeit, ihren Schmuck zu verkaufen, und ihn lieber durch falsche Steine zu ersetzen, als ihm zu sagen, wieviel sie schulde, und ihn um Hilfe zu bitten. Auf der Schwelle drehte er sich noch einmal nach feiner Frau um. Sie hob ihren Kopf und begegnete seinem Blick. Sie lachte.--