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Die deutsche Marokko- Aktion.

Sowelt man nach den bis jetzt vorliegenden fran­zösischen und englischen Blättern urteilen fann, wird sowohl in rantreich, wie in England die An­gelegenheit in Agadir verhältnismäßig ruhig beurteilt. Daß man in Frankreich von der Sendung des Pan­ther" nicht erfreut sein und das auch zum Ausdruck bringen würde, war vorauszusehen. Um das, was die französischen Blätter schreiben, richtig zu würdigen, muß man das französische Temperament in Betracht ziehen, welches, wenn thm etwas gegen den Strich geht, einem Mißvergnügen gern äußerst lebhaft und ohne fede Burückhaltung Ausbruck gibt. Daß man in diesem Falle, abgesehen von Ausnahmen, die nicht sehr ins Gewicht fallen, eine, wenn auch nicht feindliche, so doch eine Haltung bewahrt, die sich bemüht, sachlich zu er scheinen, ist wohl ein Beweis dafür, daß man nicht gewillt ist, die Lage zu erschweren und eine gereizte Stimmung hervorzurufen. Dem Wunsch, die Angelegenheit von Agadir nicht in gefährliche Bahnen gelentt zu sehen, wird auch die Haltung der englischen Bresse wohl nüßen. Wenn man bedenkt, daß die Zeit gar nicht fern ist, wo ein nicht unerheblicher und nicht unwichtiger Teil der englischen Presse den fleinsten und nichtigsten Vorwand zu den leidenschaftlichsten Ausfäl­len gegen Deutschland benutzte, so fann man im gro­Ben und ganzen mit der Sprache der englischen Presse zufrieden sein, da sie nicht dazu beiträgt, Del ins Feuer zu gießen.

Die Tatsachen, daß es bisher zu keiner Landung deutscher Truppen in Maroffo gefommen ist, ferner, daß satser Wilhelm eine langere Nordland­fahrt angetreten hat und daß der Reichskanzler sowie von Riberlen- Wächter fern von Berlin weilen, rufen in Paris eine Beruhigung der allgemeinen Erregung hervor. Man glaubt an eine friedliche Beileg­ung des Maroffostreites. Die französische Regierung wiro fein Kriegsschiff entfenden und den Rückzug der Maroffotruppen beschleunigen. Die öffentliche Met­nung in Frankreich verurteilt jede Verschärfung der Maroffoangelegenheit und fordert die Herstellung des Bustandes, wie er vor der französischen Okkupation be­ffanden habe.

Das Kanonenboot Banther"

hat felt seiner Indienststellung im März 1902 eine sehr lebhafte Tätigteit entwidelt. Seine erste Dienstfahrt war eine Rheinfahrt bis Düsseldorf, die es in Beglet­fung von Sleipner" zur Eröffnung der dortigen In­duffries, Gewerbe- und Kunstausstellung machte. So­bann dampfte der Panther" zu einem fast fünffährt­gen Aufenthalt nach den ostamerikanischen Gewässern, wo er sich nichrfach hervorragend ausgezeichnet hat. So vernichtete er am 6: September 1902 ein haitisches Kanonenboot, daß den Hamburger Dampfer Marko­mannia", der Waffen und Munition an Bord hatte, gegen alles Völkerrecht anbfelt, durchsuchte und plün­Berte. Der baitische Admiral Stillid fand dabei seinen Tod. Bei der Blockade Venezuelas blockierte der" Pan­ther den Hafen von Maracaibo. Als das Fort San Carlos den Panther beschoß, entwickelte sich ein einstün­diges Gefecht, das dem Kanonenboot Ruhm und Aner­fennung brachte. Am 5. August 1907 verließ dann Panther" die amerifantsche Station, um nach seiner Anfunft in Kamerun dauernd auf der westafrikanischen Station stationiert zu werden.

Der Hafen von Agadir.

Agadir ist der Haupthafen der marokkanischen Proving Sus und hat von feber in dem Rufe gestanden, elnen der besten Ankerpläße der westmarottanischen Küste zu befizen. Agadir wurde im 16. Jahrhundert von den Portugiesen erobert, die der Stadt den Namen Santa Cruz gaben. Nachdem sie später wieder in den Besitz der Sultane von Maroffo gelangt war, wurde fie von diesen dem fremden Handel verschlossen und ge­hört seitdem, d. b. feit etwa 1770, zu den gesperrten Hafenpläßen". Angeblich sab sich die marokkanische Re­aterung zu der Maßregel der Sperrung durch den Wunsch gezwungen, die Einfuhr europäischer Waffen im Gebiete zu verhindern, deren Einwohner zu den ge­fährlichsten Gegnern der berrschenden Dunastie zähltent. Die Stadt hat infolge dieser Maßregel ihre ehemalige Bedeutung an Mogador verloren, den nächst gele­genen nördlichen Hafenplaß, der erst 1770 gegründet wurde und nach dem man den politisch rubigeren Tell der Bevölkerung von Agadir überführte. Agadir ist mit dem Aufblühen des Nachbarplages immer mehr in Ver­fall gekommen und zählt gegenwärtig nur noch etwa 1000 Einwohner. Wenn nun zwar unter diesen, in der Hauptfache von Fischerei lebenden Bewohnern der Stadt, fich fein einziger Fremder befindet, so ist doch der Wert der Stadt fir den europäischen Handel sehr groß.

6)

Jugendfreundschaft.

Roman von G. v. Schlippenbach.

( Nachdruck verboten.) Gott behüte Euch alle!" sagte der Zurückbleibende. Der Zug setzte sich in Bewegung, die Reise war angetreten.

In Berlin blieb nan eine Nacht, da Irma ge schont werden mußte; am folgenden Tage gegen Abend war Rügen glitcklich erreicht. Thekla war froh erregt, Klopfenden Herzens sah sie dem Wiedersehen mit der Jugendfreundin entgegen. Nun stehen sie sich gegen­über nach langen Jahren, awet reife Frauen, die des Levens Leid und Lust kennen lernten. Beide sind be wegt und balten sich stumm umfangen, in warmen Worten heißt Anna Haldeck alle willkommen.

" Du hast mir Deine Kinder so genau beschrieben, daß ich sie gleich erkenne, tebe Thekla," sagte die freundliche Wirtin, doch nun kommt, ich will Euch den Weg zeigen."

Sie gingen über die breite Steintreppe, die zur Loggia führte, und von da durch den großen herrlichen Garten nach der Villa Petersburg, die für die Groten­bachs mit dem bequemsten Komfort eingerichtet war. Karla und Evchen schlenen schon gut Freundschaft ge­schlossen zu haben, sie gingen Hand in Hand und plau­derten munter. Von der Loggia übersah man den Ha­fen des Badeortes Saßnis, in vier Stunden konnte man mit den Tourendampfern Reese" und" Impera­tor" die Küste Schwedens erreichen. Hier ist es hübsch unter dem Sonnenzelt," sagte Karla zu Evchen, hier wollen wir oft sitzen."

Nochmals herzlich willkommen auf Rügen," sagte Frau Haideck, als sie die Villa Petersburg betraten, möchte es Euch hier gefallen!" Lächelnd hielt sie der Freundin die Hand entgegen.

Als die Grotenbachs allein blieben. sagte der Kleine

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Eine Stärkung des Handwerks in den Parlamenten verlangte der rheinische Handwerkertag, der am Sonn­tag in Steele bet Essen tagte. Jede direkte oder in­dirette Unterstützung von sozialdemokratischen Kandi­daturen auch in den Stichwahlen bei den kommenden Reichstagswahlen wurde unbedingt abgelehnt. Unter dem lebhaften Beifall der Anwesenden gab ein Vorstandsmitglied die Erklärung ab, daß nach dem letz­ten Hansa- Bundestage ein Anschluß des Handwerks an den Hansabund unmöglich set.

Auf dem sächsischen Provinzialverbandstag des Flottenvereins in Magdeburg rechtfertigte Groß­admiral Röster die Nürnberger Resolution und fuhr dann fort: Man hat in sehr interessierten Kreisen von einer Nebenregierung gesprochen, die der Flottenverein ausübt. Das kann nicht zugegeben wer­den. Jeder, und auch der Verein hat das Recht, seine Meinung zu äußern. Des weiteren hat man von einer Differenz zwischen dem Staatssekretär und mir gespro­chen. Auch das ist nicht richtig. Ich bin nur Wort­führer des Präsidiums, und was beschlossen ist, bringe ich in den Hauptversammlungen zur Sprache. Es liegt auch gar kein Grund zu irgendwelchen Differenzen vor, denn wir stehen beide auf dem Boden des Flottenge­setzes. Wir halten fest am Flottengesetz. Man kann jedoch einem großen, nationalen Verein nicht verargen, wenn er für dringliche Forderungen eintritt, die er schon seit Jahren als richtig anerkannt hat."

Die mecklenburgische Verfassungsfrage. Auf Don­nerstag den 13. Juli ist, wie die mecklenburgischen Ta­gesblätter melden, im Ständehaus zu Rostock ein Kon­vent der Ritterschaft beider Mecklenburg einberufen worden. Zur Verhandlung steht als einziger Punkt die Frage der Abänderung der Landesverfassung beider Mecklenburg. Man hofft, daß sich die Führer der Rit­terschaft jetzt zu einer Aenderung ihrer bisherigen rein ablehnenden Haltung befehren werden.

Eine internationale Konferenz von Post- und Te­legraphenbeamten hat auf französische Anregung hin am 6. und 7. Junt in Paris stattgefunden. Vertreten waren Frankreich, England, Italien, Holland, Schweiz, Bulgarien. Beschlossen wurde die Gründung einer Internationalen Vereinigung des Personals der Post-, Telegraphen- und Telephonverwaltungen. Durch zahl­reiche Tageszeitungen war die Nachricht verbreitet wor den, die deutsche Postverwaltung habe ihren Beamten bezw. deren Organisationen die Teilnahme an der Kon­ferenz untersagt. Demgegenüber stellt die Deutsche Postzeitung", das Organ des Verbandes der mittleren Bostbeamten, der größten Postbeamtenvereinigung, fest, daß ihr von einem derartigen Verbot nichts bekannt ist, es sei vielmehr von dem Verbande aus freier Ent­schließung auf die Teilnahme verzichtet worden. Ieb­rigens könne nach dem ganzen Verlauf der Verhand­lungen von einer Beteiligung deutscher Beamtenorga­nisationen an den gekennzeichnetn Bestrebungen der internationalen Vereinigung auch in Zukunft nicht die Rede sein.

Eine neue Maroffo- Konferenz? Dte Agadirfrage wird nach der Meinung eines ausländischen Diplo­maten in Berlin laut Berl. Tagebl." zu einer neuen Marottokonferenz führen. Deutschland könne nicht ein­fach zusehen, wie sich Frankreich und Spanien über den Besitz Marokkos unter der Hand einigen. Das Erschet­nen des Panthers" vor Agadir werde Frankreich zet­gen, daß Deutschland sich diese Ausschließung aus dem diplomatischen Komplex nicht gefallen lassen will.

Der portugiesische Verfassungsentwurf. Die Son­derkommission, die beauftragt ist, der Nationalversamm­lung den Verfassungsentwurf vorzulegen, hat folgende Bestimmungen angenommen: Die Republik wird einen Präsidenten haben, dessen Gehalt festgesetzt wird. Vor seiner Wahl wird es zwei Kammern geben, deren eine von den Munisipalräten des ganzen Landes gewählt wird. Der Präsident wird mit den gesetzgebenden Körperschaften durch Botschaften verkehren, die Mint­ster werden sich dem Parlament nicht vorzustellen haben.

Kieine Nachrichten.

Von den Teilnehmern am Deutschen Rundflug sind Montag abend in Cassel eingetroffen: Vollmöller um 6.57, Hoffmann 8,37, Wiencaters 9,05 Uhr; letterer lan­dete zwei Kilometer vor Cassel.

Kurt: Lina, sind wir hier im Feenschloß der Prin­deffin Rosenrot?"

Alle lachten, aber das viele Neue und Schöne über­wältigte sie fast, die es so einfach gewöhnt waren.

Nach dem trefflich zubereiteten Mahl schlug Frau Haldeck einen Rundgang durch den Garten vor, der sich wetthin erstreckte und im englischen Stil gehalten war. Ueberall waren große geschorene Rasenpläße, feltene Bäume und Ztersträucher boten Schatten, und lauschige Bänke luden zum Ausruhen ein; Karla und ihre Mut­ter weideten sich an der Bewunderung ihrer Gäste.

Die Jugend und die Kinder sind mit Tennisspte­len oder Schaukeln beschäftigt, die Jugendfreundinnen find allein geblieben, fie fizzen nebeneinander, die vie­Ten Jahre der Trennung schwinden.

Weißt Du noch?"

Mit diesen Worten Teiten sie ihr Gespräch ein und frischten die alten Erinnerungen auf und das fast gelockerte Band schlingt sich fester. Währenddessen fitzen Karla und Evchen mitde vom Tennisspiel unter dem Sonnenzelt des Hafenplatzes. Die beiden Mädchen bil­den einen reizenden Kontrast, sie sehen wie zwei Iteb­liche Knospen aus, noch unberührt von den Stürmen des Lebens.

Du gefällst mir," erklärte Karla in ihrer offenen Art, weißt du, wir müssen ebensolche Freundinnen werden wie unsere Mütter, ich habe nie Geschwister ge­habt und habe mir immer eine Schwester gewünscht, ket­nen Bruder."

Aber warum nicht, Brüder sind doch auch lieb." " Nein!" Karla schüttelte den hübschen Kopf, ble Jungen von Mamas Vetter, die oft herkommen, find schrecklich wild, find Adam und Kurt es nicht?" Ich dachte an Alfred," versetzte Eva. " Wer ist das?" forschte Karla neugierig. " Unser ältester Bruder; er ist dreiundzwanzig Jah­re alt und Mediziner und bat in Königsberg ftudiert."

Nach der legten Blehzahlung in Brenßen von 1910 war beim Rindvich eine Abnahme von 170 640 Stüd, bei den Kälbern eine Zunahme von 72 155 Stild au verzeichnen. Der Rindviehbestand betrug 11 592 521 Std. Bei den Schweinen war in einem einzigen Jahre eine Vermehrung um 2 329 192 Stück auf 16 491 559 Stück zu fonstatieren.

Für die Jathospende sind bisher insgesamt über 90 000 Mart von etwa 700 Personen gezeichnet worden. Unter den Zeichnern sind etwa 300 Rölner. Bemer­fenswert ist, daß sich unter den Zeichnern eine Lehrerin aus Elberfeld befindet, welche nicht weniger als 500 Mart von ihren Ersparnissen hergegeben hat.

Selbstmord eines Konfiftorialrais. Konsistorialrat Westphal- Dessau, der vergangene Woche von der An­flage der wissentlich falschen Anschuldigung eines Amts­bruders von der Straffammer freigesprochen worden war, hat sich in einem Magdeburger Hotel erschossen. Der Staatsanwalt hatte gegen den Freispruch Revision angemeldet. Westphal hatte in einer Eingabe an das Konsistorium behauptet, ein Diatonus habe durch mehrfache Verlobungen Anstoß und Aergernis erregt. Die türkische Regierung und die Baltanräuber. Die türkische Regierung hat den Betrag von 800 türkischent Pfund, ungefähr 15 000 M, aur Ausführung der Anord­nungen bezüglich der Verfolgung der Räuber Richters angewiesen. Es wird gehofft, durch Geld Leute zu ge­winnen, die das Versteck der Räuber verraten.

Beraubung eines deutschen Konsuls. Auf der Reise nach Graz wurde der deutsche Konsul Oswald, während er im Schnellzug der Südbahn schlief, seiner Börse mit 4000 Mart und 12000 Kronen Bargeld sowie einer An­zahl Schriftstücke beraubt. Im Wagen machte sich Chlo­roformgeruch bemerkbar. Anscheinend ist der Konsul, von den Tätern fünstlich eingeschläfert worden.

Bergmanus Los. Auf dem Schacht Lohberg bet Duisburg gerteten vier Bergleute unter herabfallen­des Gestein. Einer wurde sofort getötet, einer Hoff­nungslos verlegt, zwei wurden leichter verwundet. Auf der Zeche Borussia in Dortmund wurden durch Zubruchgehen einer Strede vier Bergleute verschlittet. Drei der Unglücklichen wurden bereits als Leichen ge­borgen.

Die schwarzen Boden sind bei einem Kaufmann in Stendal amtlich festgestellt worden. Es wurden die um fangreichsten Sicherheitsmaßnahmen getroffen. Auch in dem altmärkischen Orte Borstel sind zwei Pockenfälle festgestellt worden, von denen einer tödlich verlaufen ist. Man glaubt, daß die Seuche von den in Borstel be­schäftigten Sachfengängern eingeschleppt ist.

Ein französischer Ballon in Sachsen gelandet. In Schwarzenberg t. S. landete Sonntag vormittag auf einem Fabrifgrundstück ein französischer Ballon, der mit zwei Main, einem Eisenbahnangestellten und et nem Kaufmann aus Paris, besetzt war. Der Ballon war am Sonnabend nachmittag gegen 5 Uhr gleichzet­tig mit neun anderen Ballons in Paris zu einer Wett­fahrt aufgestiegen. Die Insassen des Ballons gaben an, daß sie den für die zurücklegung der längsten Strede ausgesetzten ersten Preis von 40 000 Francs erhalten würden.

Unter die Räder eines Zuges geworfen. Auf die Reisenden eines den Bahnhof Branst in Rußland ver­lafsenden Zuges wurde ein Raubanfall verübt. Eine Frau, die Widerstand leistete, wurde von den Räubern unter die Räder des Zuges geworfen.

48 Personen durch Blitzschlag getötet. Im Kreise Pawlograd im russischen Gouvernement Jekaterinos­law wurden 43 Personen, die auf dem Felde arbeiteten, vom Blitz erschlagen.

Ein ungarisches Schloß in Flammen. Das in der. Nähe von Breßburg llegende Esterhazniche Schloß Lan­schütz ist gestern nachmittag abgebrannt. Nur das Erd­geschoß fonnte gerettet werden. Die sehr wertvollen Antiquitäten- und Kunstsammlungen und eine be­rühmte Napoleonssammlung sind vernichtet.

Die Size in Amerika dauert an. In Neuyork zeigte das Thermometer gestern 99, in Boston 102 Grad Fahrenheit. Die Luftfeuchtigkeit ist hochgradig, so daß die Size empfindlicher ist. In Neuyork gab es gestern zahlreiche Tote und Ertranfte.

Aus den Gerichtssälen.

Der Bederprozeß vor dem Reichsgericht. Das Ur­tell in dem Prozeß gegen den Rittergutsbesitzer Becker wurde vom Reichsgericht aufgehoben und die Sache dem Landgericht Stettin überwiesen. In der Urteils­begründung heißt es, daß die Beschwerde zu Recht be­stehe, die die Ablehnung des Abgeordneten Gothein als Zeugen rügt, ferner fet die Rüge anzuerkennen, daß Fragen an verschiedene Zeugen abgelehnt worden seien. Dem Antrag der Verteidigung auf Verweisung an ein anderes Gericht wurde aus zweckmäßigkeitsgründen stattgegeben. Das Gericht erkennt jedoch an, daß das Landgericht Greifswald vollständig einwandfret vorge­gangen ist.

Verurteilung eines Rechtsanwalts. Der ehemalige Rechtsanwalt Sievers aus Bechelde, jetzt in Schöneberg

" Ach, er ist schon so alt!" rief Karla, Ich dachte, er ist Kadett und wird Ofifzter, ich schwärme für sie, sie sind so schneidig."

" Alfred ist Reserveleutnant," sagte Eva stola. " Warum ist er nicht auch hier?"

Er begleitet eine russische Familie in die Schweiz als Hausarzt," entgegnete Eva.

Lina hate die fleine Irma zur Ruhe gebracht. Alle übrigen versammelten sich auf der großen, Hallenartigen Steintreppe Strandhofs, dort wurde der Tee gereicht.

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Der Ausblick auf das Meer und das genüberliegende Binz war sehr schön, der Mond war aufgegangen und umspann mit seinem Silberschein Land, Wasser und die herrlichen Buchenwälder, die sich bis an das Ufer ate­hen. Das eintönige Lied der Fischer flang von Saß­nig herauf und Frau Hatdeck erzählte von den alten Sagen Rügens, vom Herthasee und der Buche, die noch aus der Heldenzeit stammt.-Wie ein Märchen er­schienen die Tage und Wochen den Grotenbachs, so reich waren fie an Abwechslung und Freude für die­jenigen, die Jahr um Jahr in der staubigen Stadt bleiben mußten. Die Wangen der beiden Knaben bräunten sich und Jrmas zartes Geficht färbte sich ro= fig, während die dret älteren Schwestern frisch und blühend aussahen. Mit stiller Freude bemerkte es Frau Haideck auch, daß der müde Zug in Theklas Antlig weniger hervortrat, daß sie mehr und mehr der ein­stigen Jugendfreundin glich.

Strandhof bot reiche Abwechslung, es gab Boots­fahrten und reizende Waldspaziergänge. Ausflüge nach Stubbenkammer, Binz und dem Rugard, einem Aus­fichtsturm, das Granier Jagdschloß wurde besehen und noch mancher schöne Punkt besucht.

Die Grotenbachschen Kinder nannten Frau Haided auf ihren Wunsch Tante Anna.

( Fortsetzung folgt.)