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Sieben Mädchenhändler festgenommen. In Marseille And sieben Individuen verhaftet worden, die einen Handel mit minderjährigen Mädchen trieben; es sind zumeist junge Italiener. Die Gesellschaft wurde den Gerichten über­wiesen.

Vom Mast der elektrischen Leitung erschlagen. In Brzozowitz bei Beuthen fiel beim Auswechseln der Masten für die elektrische Leitung ein schwerer eiserner Mast um und stürzte in eine Schar auf der Straße spielender Nin­der. Ein elfjähriger Knabe wurde sofort getötet, sein flet­ner Bruder erlitt lebensgefährliche, zwei andere Knaben schwere Verlegungen.

Ein schredlicher Fund wurde am Mittwoch morgen in einem Hause der Huttenstraße in Berlin gemacht. Man fand dort die Leichen zweier etwa drei Monate alter Kin­der in Bettungspapier eingewickelt. Es handelt sich um ein Zwillingspaar. Von der Mutter fehlt jede Spur. Die Kinder sind erwürgt worden.

Aus den Gerichtssälen.

Ein hochdramatischer Vorfall spielte sich am Mittwoch mittag im großen Saale des Berliner Schwurgerichts ab. Es wurde eine Anklage wegen Meineides gegen den Ge­schäftsführer Emil Wulff verhandelt. Dieser war bei dem verstorbenen Kaufmann Martin Ball angestellt. In dem Meineidsverfahren handelte es sich darum, daß Wulff zu­gunsten des Kaufmanns Ballin, mit dem der verstorbene Ball Vestechungen im Handel versuchte, diese Straftaten, als sie ruchbar wurden, auf seine Buchhalterin Fricke ab= zuschieben versuchte. Diese bestritt sie energisch und stand deshalb in Gefahr, wegen Meineids verhaftet zu werden, da sowohl der Angeklagte Wulff, als auch die Inhaberin einer Konditorei Frau Nagel, bei der die Fricke und Ballin thre Zusammenkünfte gehabt haben sollten, bestätigten, daß fie beide gesehen hätten. In der Verhandlung gab nun Ballin als Zeuge und ebenso auch Frau Fricke unter Eid an, daß sie nie zusammen in der Nagelschen Konditorei gewesen seien. Darauf erklärte der Verteidiger der Frau Fride, er bitte den Vorsitzenden, dem Angeklagten Gelegen= heit zu geben, einzugestehen, daß er alles zu Unrecht gesagt habe, damit Frau Nagel vor Vollendung des Meineides be­wahrt werde. Unter wohlwollendem Zureden des Vor sitzenden gestand Frau Nagel, daß sie alles zu Unrecht aus­gesagt, weil der verstorbene Ball sie durch Wulff darum ge= beten habe. Sie brach dann ohnmächtig zusammen. Nun­mehr gestand auch Wulff unter größter Erregung ein, daß er alles falsch geschworen und zu Unrecht die Zeugin Fride belastet habe. Er bäte sie um Entschuldigung. Nach dem Geständnis brach der Angeklagte gleichfalls schluchzend zu­sammen mit den Worten: Meine armen Kinder!" Gleich­zeitig sah man im Zuhörerraum eine Frau in sich zusam= mensinken und in konvulsivisches Schluchzen ausbrechen; es war die Frau des Angeklagten. Mit Erlaubnis des Vor­sitzenden durfte sie sich zu dem Angeklagten begeben. Wulff und seine Frau hielten sich dann, sich gegenseitig Trost zu­sprechend, eng umschlungen. Wulff hatte immer nur die Worte: Frau, jetzt bin ich wieder rein." Der Anwesenden bemächtigte sich bei dieser Szene tiefste Erregung. Wulff wurde zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Die Geschwo­renen wollen das Gnadengesuch des Verurteilten auf Um­wandlung der Strafe in eine Gefängnisstrafe unterstüßen.

Vermischtes.

Der Papst als Erbe. Beim Landgericht Würzburg ist Jetzt die Klage erledigt worden, die seinerzeit 21 Intestat­erben der Privatiere Elisabeth Endreß von Würzburg ge­gen Pius X. angestrengt hatten. Im Frühjahr 1910 war, wie erinnerlich, die Privatiere Endreß in Würzburg mit Hinterlassung eines notariellen Testaments gestorben, in dem sie den Papst zum Universalerben ihres 80 000 Mark betragenden Vermögens einsetzte. Ihre in den ärmlichsten Verhältnissen lebenden Verwandten fochten das Testament an und klagten gegen Pius X. Dieser ließ jetzt durch den Teffamentsvollstrecker den Rechtsstreit durch Vergleich in der Weise beenden, daß er sich bereit erklärte, an die 21 Intestaterben die Hälfte der Erbschaft als Abfindungs­Summe herauszuzahlen. Die anderen. 40 000 Mark sollen zur Erbauung einer katholischen Kirche in Oberndorf bei Schweinfurt verwendet werden. Die Ausbezahlung der 40 000 Mark Abfindungssumme an die Intestaterben er= folgt bereits dieser Tage.

Tragödie eines Kindes. Eine traurige Geschichte hat sich in Jüterbog abgespielt. Dort lebt eine Frau Krause, die von ihrem Mann verlassen worden ist und sich in bit­terster Not befindet. Sie hatte nicht einmal so viel Geld, um sich Brennmaterial zu kaufen. In dieser Not beschloß die zehnjährige Tochter der Frau Krause, auf den Bahn­hof in Jüterbog zu gehen und dort einige herabgefallene Kohlen zu stehlen. Plötzlich sah sich das Mädchen von ei­nem Bahnbeamten beobachtet und versteckte sich hinter ei­nem Güterwagen. In diesem Augenblick setzte sich der Wagen in Bewegung und überfuhr das Mädchen. Die Räder gingen dem Kind über die Beine, die beide unter­halb der Knie abgetrennt wurden. Das bedauernswerte Kind wurde in das Krankenhaus transportiert, wo es Hoffnungslos darniederliegt.

Der Adventist Naumann gehorsam. Der Fall des Sol­daten Naumann, der als strenger Anhänger der Sefte der Adventisten vom siebenten Tage mit unglaublicher Hart­nädigkeit sein Prinzip verfolgte, den Sonnabend als Sab­bat zu heiligen und an diesem Tage jegliche Arbeit zu un­terlassen, hat seinerzeit großes und berechtigtes Aufsehen erregt. Das Kriegsgericht in Berlin hatteNaumann, wie mitgeteilt, wegen Gehorsamsverweigerung an den Sonn­abenden zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, er wurde dann nach Spandau gebracht und hier im Gefängnis häuf­ten sich seine Straftaten so, daß er schließlich eine Gesamt­Strafe von fünf Jahren und sechs Monaten erhielt. Nau­mann erklärte vor dem Oberkriegsgericht, er sei als christ­lich vereidigter Soldat nicht verpflichtet, Gottes Gebot zu schänden und am Sabbat zu arbeiten. Jetzt scheint er hier­in anderen Sinnes geworden zu sein. Eine teilnahmsvolle Berliner Dame sandte ihm einen Ostergruß. Naumann bedankte sich dafür und schrieb der Dame: Ich bin anderer Meinung geworden und arbeite seit fünf Wochen Sonn­abends.

Eine Sprachlehrerin unter dem Verdacht der Spionage. Die in Cöln lebende französische Sprachlehrerin Thirion, eine geborene Pariserin, wurde unter dem Verdacht der Spionage verhaftet. Sie hatte in Cöln Kunden aus den feinsten Kreisen. Fräulein Thirion soll eine entfernte Verwandte des französischen Ministerpräsidenten Monis sein. Wie verlautet, hat sie sich durch einen Offizier einen Mobilmachungsplan zu verschaffen verstanden. Sie be­Streitet dies aber mit der Begründung, sie habe den Of­fizier heiraten, ihn aber vorher jedoch auf die Probe stellen wollen. Denn wenn ein Offizier in solchen Dingen fest­bleibe, so sei er ein echter Charakter.

König Leopolds Nachlaß. Die Brüsseler Chronique" will aus bester Quelle erfahren haben, daß man im Nach­Taß des verstorbenen Königs Leopold wiederum erhebliche Werte entdeckt hat, von denen bis jetzt kein Mensch etwas

gewußt haben soll. Einer der Testamentsvollstrecker, der frühere Vertraute des Königs Leopold, Goffinet, habe die­ser Tage erklärt, daß er in den Coburger Gründungen des verstorbenen Königs Werte von beträchtlicher Höhe auf­gefunden habe. Diese Werte sollen nicht nur aus Staats­papieren sondern auch aus Liegenschaften sich zusammen­setzen. Die Prinzessin Luise von Belgien hat nun auf Grund dieser Erklärungen eines der Testamentsvollstrecer die Testamentsvollstreder und den belgischen Staat vor das Zivilgericht zitiert, um feststellen zu können, ob die auf­gefundenen neuen Werte zum Nachlaß des Königs, auf den die Kinder des Königs Leopold Anspruch haben, oder dem Staate gehören.

Friedhöfe als Vogelheime. Eine nachahmenswerte Bekanntmachung erläßt der Landrat von Münsterberg Dr. Kirchner. Er führt darin aus, wie bei der zuneh= menden Erschwerung der Lebensverhältnisse für die Vogel­welt verhältnismäßig rasch und leicht ein großes Netz von Vogelschutzgehölzen über das ganze Land gleichmäßig sich verteilen würde, wenn auf jedem Friedhof Vogelschutz getrieben würde. Hier finden die Vögel vor allem Ruhe. Unbeaufsichtigte Kinder stören ebensowenig die Stille wie umherstreifende Hunde. In der Regel finden sich ältere Bäume und niedere Gebüsche vor oder lassen sich leicht anlegen. Fast regelmäßig findet man hier alte Exemplare von immergrünen Pflanzen, Lebens-, Burbäumen und Efeu, die den Vögeln eine Stätte für Frühbrut gewähren. Auch Wasser ist vorhanden, und es wäre leicht, im Som­mer für Vogeltränken zu sorgen. Die Friedhöfe stellen somit allerorten kleine Vogelschuhgehölze dar. Der Land­rat ersucht daher die Geistlichen, Amts- und Gemeinde­vorsteher seines Kreises, sich für die Sache zu interessieren und die Anregung zu verwirklichen.

Der Gepäckschein" als Verräter. Ein Zufall hat der Neuyorker Polizei den Anführer einer Bande internatio­naler Diebe in die Hände gespielt. Einer der bekannte­sten Neuvorfer Juweliere, Mr. Jacobs, holte am 30. April seine Frau und Tochter, die aus Europa zurückkehrten, vom Landungsplatz ab. Unbemerkt entfiel ihm ein un­scheinbarer Zettel, auf dem die Adresse einer Frau Drum­mond verzeichnet war, die im Februar d. J. das Opfer eines aufsehenerregenden Diebstahls geworden war. An Bord des Dampfers Amerika" war sie ihrer sämtlichen Schmucksachen, die auf über 500 000 M geschätzt wurden, be= raubt worden, ohne daß es gelungen wäre, der Täter hab­haft zu werden. Den Behörden, denen der Zettel in die Hände fiel, erklärte Jacobs, daß das ihm entfallene Papier ein harmloser Gepäckschein" sei, der sich auf die Effekten seiner Angehörigen bezöge. Die Polizei glaubt jedoch, in Jacobs den Anführer einer internationalen Diebesbande, die auch in europäischen Ländern ihr Unwesen treibt, ge­faßt zu haben. Die Bande soll nach den bisherigen Ermit telungen Beute im Werte von 20 000 000 M gemacht haben. In Berlin und Paris war man auf diese Bande bereits aufmerksam geworden.

Ein verhängnisvoller Irrtum der Wissenschaft. Ein Justizirrtum, den die Wissenschaft verschuldet hat, ist jetzt wieder gutgemacht und einer fast vernichteten Existenz wie­der zu ihrem Rechte verholfen worden. An den Küsten Neu- Seelands sind in der letzten Zeit Neuaufnahmen ge= macht worden und hierbei wurde festgestellt, daß auf allen Karten die an der Nordspitze dieser Inselgruppe vor dem Kap Reinga lagernden Drei Königsinseln" zwei Meilen zu weit füdlich verzeichnet sind. Jahrelang waren hier die schwersten Schiffsunfälle vorgekommen, so auch am 19. No­vember 1902 der Dampfer Elingamite" mit Mann und Maus untergegangen. Nur wenige Personen blieben am Leben, und der gleichfalls gerettete Kapitän Altwood wurde zur Verantwortung gezogen und verurteilt. Vergebens hat er damals seine Unschuld beteuert und erklärt, mit aller Vorsicht zu Werke gegangen zu sein. Die Karten bewiesen das Gegenteil. Seine Verurteilung schnitt jäh seine Lauf­bahn ab. Jetzt aber, nachdem die Neuvermessungen seine Schuldlosigkeit ergeben haben, ist er wieder in Dienst ge­stellt worden und hat eine entsprechende Entschädigung er­halten.

Ein Druckfehler, der ein Menschenleben kostete. In Paris ist dieser Tage ein seltsamer Prozeß entschieden wor= den: Am 16. September vorigen Jahres kam der Kunst­tischler Tournieur in angetrunkenem Zustande nach Hause und bat seine Frau, ihm aus der Apotheke irgend etwas zu besorgen, das gegen seinen unangenehmen Zustand helfe. Sie schlug ihr Hausapothekenbuch auf und fand darin ein Rezept, das aus 100 Gramm Wasser, 15 Gramm Pfeffer­minztinktur und 15 Gramm Ammoniak zusammengesetzt werden sollte. Dieses Getränke nahm ihr Mann zu sich und war sofort völlig nüchtern, aber noch am selben Tage tot. Seine Witwe verklagte nun den Verfasser ihres Haus­apothekenbuches, das die zweite Auflage eines älteren Wer­tes war. Die erste Ausgabe hatte ganz richtig 15 Tropfen Ammoniak angegeben, in der neuen aber hatte sich ein Druckfehler eingeschlichen, durch den aus Tropfen Gramm geworden waren. Das Gericht entschied, daß der Verfasser die Korrekturen nicht mit genügender Sorgfalt gelesen habe und verurteilte ihn zu drei Monaten Gefängnis und einer Geldstrafe von 80 M, während der Apotheker, weil er ohne ärztliches Rezept eine Arznei verkauft hatte, zu einem Monat Gefängnis und der gleichen Geldstrafe verurteilt wurde. Beide aber wurden ferner dazu verurteilt, der Witwe erstens einen Schadenersatz von 800 Mart, zweitens eine lebenslängliche Rente von 240 Marf und drittens je= dem ihrer Kinder bis zur Großjährigkeit eine ebenso hohe Rente zu zahlen.

Der kleinste Papagei der Welt. Die britische Expedi­tion, die gegenwärtig das unbekannte Massiv der Schnee­berge im Herzen von Neu- Guinea erforscht, hat dem Natur­historischen Museum von South Kensington bereits 14 000 Vogelbälge und 300 Säugetierfelle, darunter eine Anzahl Stücke von hohem Wert, zusenden können. Besondere Auf­merksamkeit erregt ein ausgewachsener Papagei mit dun­felgrünem. Gefieder, dessen Länge von der Schnabelspitze bis zum Schwanzende nur 75 Millimeter beträgt, so daß man hier die kleinste bisher bekannte Papageienart vor sich hat. Außerdem werden zwei neue Paradiesvogelarten hervorgehoben, deren Gefieder von einer ganz außerordent­lichen Farbenpracht ist.

Napoleon I. auf dem Sterbelager.

Am 5. Mai kehrt Napoleons I. Todestag zum 90. Male wieder. Etwa acht Tage vor seinem Ende diftierte der schwerkranke Kaiser dem Grafen Montholon folgende Zei­len in die Feder die dieser nach seinem Ableben an Sir Hudson Lowe, den Gouverneur von St. Helena, schreiben sollte: Herr Gouverneur, Kaiser Napoleon ist am. infolge einer langen schweren Krankheit gestorben. Ich habe die Ehre, Sie davon in Kenntnis zu setzen. Er hat mich ermächtigt, Ihnen, wenn Sie es wünschen, seine lez­ten Wünsche mitzuteilen. Ich bitte Sie, mich wissen zu lassen, welcher Art die von ihrer Regierung vorgeschriebe­nen Dispositionen für die Ueberführung des Leichnams nach Europa und diejenigen sind, die sich auf die Personen seines Gefolges beziehen." Am Abend des 2. Mai 1821 ver­suchte der Gefangene von St. Helena seinem Kammerdiener Marchand noch einige testamentarische Bestimmungen zu­gunsten seinesSohnes und. der Prinzessin Pauline in die Fe­der zu diktieren, aber jetzt versagten ihm schon die Worte; es war, als ob er sich im Halbdunkel des erlöschenden Le=

bens mit seinen Gedanken nicht mehr zurechtfinden könnte. In der Nacht zum 3. Mat erhob er sich plötzlich mit krampf haften Zuckungen von seinem Lager, um aus dem Bett au springen; das in seinem Innern brennende Feuer war ihm zur unerträglichen Qual geworden. Nur mit Mühe vermochte Montholon ihn in die liegende Stellung zurüc zudrücken. Der folgende Tag und die folgende Nacht ver­liefen ziemlich ruhig; in der Nacht zum 5. Mai trat jedoch eine Krisis ein, in der Napoleon mit so unwiderstehlicher Wucht aus dem Bette sprang, daß er den General, der ihn daran zu hindern suchte, mit sich auf den Fußboden nieder­riß. Mit dieser letzten außerordentlichen Anstrengung aber hatte sich die Lebenskraft des Sterbenden erschöpft, wenige Stunden später begann schon das Todesröcheln, und von jenem Augenblick an war nach den Beobachtungen Mon­tholons von einem Todeskampf nichts mehr zu spüren. Ruhig lag er auf dem Rücken da, mit der rechten Hand außerhalb des Bettes, ohne irgend welche Schmerzen zu verraten, mit dem Ausdruck tiefen Nachdenkens, die Lip­pen zusammengepreßt. Behn Minuten vor sechs Uhr abends am 5. Mai 1821 fam in Frieden das Ende für den, der die Welt mit Waffenlärm und dem Ruhm seines un­sterblichen Namens erfüllt hatte. Während Napoleon im Sterben lag, brauste ein gewaltiger Sturm über die ein­same Ozeaninsel hin, als ob die entfesselten Elemente ihm den Sterbegesang singen wollten.

Drabtnachrichten und neuestes.

Verschlimmerung der Lage in Meriko.

Neuyork, 4. Mai. Wie aus Washington gemeldet wird, ist man in amerikanischen Regierungskreisen nicht sehr zu­versichtlich über den Ausgang der Friedensverhandlungen. Die Zustände in der Stadt Meriko sind beunruhigender als bisher. Es herrscht eine ununterbrochene Massenflucht von Ausländern. Wer nicht flieht, bewaffnet sich. Die Insurgenten stehen auf zwei Seiten in der nächsten Nähe der Stadt. In Cuernavaca fühlen sich die Ausländer eini­germaßen sicher, nachdem auf die Vorstellungen des deut­schen Geschäftsträgers 500 Soldaten dorthin geworfen wor­den sind. Ein Insurgentenangriff wird aber doch jeden Augenblick erwartet; auch soll die Besatzung nicht zuver­lässig sein. Hunderte von Ausländern befinden sich in Ma­zatlan ohne eine Möglichkeit zur Flucht, da Kanonenboote von der Seeseite und die Insurgenten auf der Landseite feden Ausweg gesperrt halten. Ueberdies ist die Drahtver­bindung abgeschnitten. Die Zustände in verschiedenen an­deren Staaten sind ebenfalls bedrohlich.

Der Abgeordnete Stadthagen erkrankt. Berlin, 4. Mai. Der sozialdemokratische Abgeordnete Stadthagen ist während der Mittwochsitzung des Reichstages schwer erkrankt. Ein altes Bruchleiden trat mit solcher Heftigkeit wieder auf, daß er noch im Reichstage die Hilfe des Abg. Mugdan in Anspruch nehmen mußte, der mit dem Abg. Struve sich um den Kranken bemühte. Es stellte sich bald herans, daß eine genaue Untersuchung und eventuelle längere Behandlung erforderlich sei. Infolgedessen brachte Dr. Struve den Patienten in einem Wagen in ein Kranken­Баиз.

Zwei Selbstmörderinnen.

Berlin, 4. Mai. Im Spreekanal bei Treptow wur­den, wie gemeldet, vor einigen Tagen zwei weibliche Lei­chen geländet, die schon längere Zeit im Wasser gelegen haben. Jetzt ist festgestellt, daß es sich um die Telephoni­stinnen Martha Litsche und Martha Kaiser handelt, die bei einer hiesigen Seidenfirma angestellt waren. Den Mädchen war zum 1. Mai ihre Stellung gekündigt worden. Ste hatten sich das so zu Herzen genommen, daß sie gemeinsam den Tod in der Spree suchten.

Tod eines bekannten Hamburger Reeders.

0 Hamburg. 4. Mai. Der Seniorchef der bekannten Reederfirma C. Wörmann, Adolf Wörmann, der seit ei­niger Zeit leidend war und gestern abend einen schweren Schlaganfall erlitten hatte, ist heute früh gestorben.

Glanzfahrt eines Parsevalballons.

Bitterfeld, 4. Mai. Das Luftschiff P. L. 1 des kai­serlichen Aeroklubs vollführte gestern abend eine ausge­zeichnet verlaufene Fahrt nach Leipzig und zurück. Die Fahrt dauerte nur eine Stunde 55 Minuten. Kurz vor der Ballonhalle in Bitterfeld trat ein Motordefekt ein, wodurch das Luftschiff abgetrieben wurde. 3wischen Dessau und der Domäne Wehlau landete das Luftschiff bei starkem Winde glatt. Es wurde entleert und demontiert und da­rauf nach Bitterfeld zurücktransportiert.

Spionageprozeß vor dem Reichsgericht. Leipzig, 4. Mai. Vor dem vereinigten 2. und 3. Straffenat des Reichsgerichts begann heute der Spionage­prozeß gegen den ehemaligen Angestellten des polnischen Theaters in Posen Sigismund 3bierski. Er wird des ner­suchten Verrats militärischer Geheimnisse beschuldigt.

Die Gölner Spionageaffäre.

Göln, 4. Mai. Die unter dem Verdacht der Spionage verhaftete Sprachlehrerin Thirion befindet sich bereits seit drei Wochen in Haft. Sie wird als große Schönheit ge= schildert, die einen Weseler Offizier in ihre Netze zu locken suchte, um von ihm den Mobilmachungsplan zu erlangen. Ein Richter vom Reichsgericht weilt seit einiger Zeit in Cöln, um die Untersuchung zu leiten und das umfangreiche Material zu sichten.

Traurige Folgen einer Maifeier. Guben, 4. Mai. Die Beteiligung an der Maifeier trug einem Bauarbeiter Vorwürfe seiner Mutter ein. Da­rauf ließ dieser sich von einem Zuge überfahren.

Das Urteil im Prozeß Marlitt. Rostock, 4. Mai. In dem Prozeß Marlitt und Ge­nossen wurde Marlitt wegen Betruges und Vergehens ge­gen die Konkursordnung zu einer Gesamtstrafe von fünf Monaten und drei Tagen Gefängnis verurteilt. Die Strafe wurde als durch die Untersuchungshaft verbüßt er­klärt. Zwei Mitangeklagte wurden freigesprochen.

Verurteilte D- Zugdiebe.

Cölu, 4. Mai. Eine exemplarische Strafe verhängte die hiesige Straffammer über drei internationale Schnellzugs­diebe, Mitglieder jener Bande, die seit Jahren speziell die internationalen Züge Paris- Berlin unsicher machten. In einem Falle hatten sie die Koffer reicher Russinnen mit beträchtlichem Inhalt gestohlen. Von den Dieben erhielten zwei je 4 Jahre Zuchthaus, einer Jahre Gefängnis und 5 Jahre Ehrverlust.

Folgen der Schundliteratur.

O Raiserslautern, 4. Mai. Ein 16jähriger Bursche und ein gleichaltriges Mädchen hatten sich, angeregt durch die Schundliteratur, im Waldesdickicht bei Kaiserslautern eine regelrechte Räuberhöhle eingerichtet, zu deren Einrich­tung fie ihre ersten Einbruchsdiebstähle in einem Möbel­lager machten. Ebenso wurden Wäsche, Kleider und Nah­rungsmittel beschafft. Das Mädchen begleitete seinen Ge­nossen in Männerkleidern und stand Wache. Acht Tage lang führten die beiden ihr Räuberleben, dann wurden sie bei der Heimkehr von einem Raubzuge abgefaßt.

Folgenschwere Pulvererplosion. Lissabon, 4. Mai. Bei der Explosion eines Pulverma­gazins in Caparica bei Lissabon sind viele Personen ver­letzt und mehrere auch getötet worden.

Das Familienleben eines Petroleumkönigs. Baku, 4. Mai. Aufsehen erregt das Verschwinden zweier Söhne des Petroleumfönigs Tagiew. Die beiden Knaben, die im Alter von 12 und 14 Jahren stehen, vers ließen das Vaterhaus, weil sie angeblich schlecht behandelt wurden. Das Vermögen Tagiews, der ein Armenter ift, wird auf 50 Millionen Mark geschätzt.