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Gießener Beitung
( Neueste Nachrichten)
Bezugspreis 50 Pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen
oierteljährlich 1,50 Mk., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 1,20 m.- Erscheint Mittags 3 Uhr. Die„ Illuftr. Weltrundschau" liegt alle 14 Tage einmal gratis bei. Redaktion: Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b.§.
Nr. 105.
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Telephon: Nr. 362.
Dem Kronprinzen!
Morgen betritt Kronprinz Wilhelm die Schwelle eines neuen Lebensjahres. Innige Glück- und Segenswünsche aus allen Gauen unseres deutschen Vaterlandes begrüßen an diesem Festtage den künftigen Erben der Kaiserkrone. Es gehört zur Eigenart des monarchischen Lebens auf deutschem Boden, daß die Festtage der Herrscherhäuser vom Volte wie Familienfeste begangen werden. Aus dem Herzen kommt der Anteil, den das deutsche Volk an den Geschicken des Hohenzollernhauses und besonders auch an der Entwicklung seines Kronprinzen nimmt. Mit ihren angestammten Fürsten und deren Familien fühlen sich die Deutschen wie kein deres Volk der Erde in unverbrüchlicher wechselseitiger Treue verbunden. Unser Volk in seiner weit überwiegenden Mehrheit weiß noch immer, welch unvergleich lich hohes Besitztum ihm in den Hohenzollern und seinen Fürstengeschlechtern verliehen bleibt, und darum empfindet es Familienglück auf dem Throne wie eigenstes persönliches Glück.
an=
der Großherzoglichen Bürgermeisterei sowie vieler anderer
des Großherzoglichen Polizei- Amfes Behörden Oberhessens
Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.)
Freitag, den 5. Mai 1911.
gesordnung abgesetzt wurden. Gleich zu Anfang entspannen sich zwei interessante Debatten. Es wurde Protest erhoben gegen die Beschuldigung, die Handelskammer hätte in Verkehrsfragen ihre Pflicht nicht getan. Man erinnerte an die Zugverbindung nach Westfalen, welche man auf Betreiben der Handelskammer erhalten habe. Auch den beiden projektierten Bahnen durch das Bieber und Kleebachtal hätte man stets das größte Interesse entgegengebracht. Von Seiten der Stadt hätte man ebenfalls die Bahnangelegenheit nach Kräften gefördert, und es sei nicht zu verstehen, wie man sowohl die Handelskammer als auch der Stadt den Vorwurf machen könne, diese für Gießen so wichtige Fragen stiefmütterlich behandelt zu haben.
Durch die vom Bürgerverein am 28. April im Hotel Einhorn gefaßte Resolution, welche der Versammlung mitgeteilt wurde, kam man auf die Gründung der Universität in Frankfurt zu sprechen. Einige Stadtväter waren der Ansicht, daß die Frankfurter Universität der Gießener großen Schaden bringen würde. Dagegen wurde von anderer Seite betont, daß man eine so wichtige Sache nicht von kleinlichen Gesichtspunkten aus betrachten solle. Jede Vermehrung der Bildungsstätten sei mit Freuden zu begrüBen, und man solle weiter nicht vergessen, daß Konkurrenz auch hinsichtlich der Bildungsstätten von Vorteil sei. Als sog. Arbeitsuniversität hätte Gießen einen Ruf, und Studenten, denen es um ein ernsthaf= tes Studium zu tun sei, würden nach wie vor die hievon der Stadt Gießen und ebenfalls von dem hessischen Staate etwas getan werden, daß die altberühmte Universität auch nach Errichtung einer weiteren Universität in ihrer nächsten Nähe ihre Anziehungskraft bewahre.
Mehr als zuvor ist Kronprinz Wilhelm im verflossenen Lebensjahre in die Oeffentlichkeit getreten. Durch die Art, wie dies geschehen ist, hat sich sein Anspruch auf die herzliche Teilnahme und Anhänglichkeit des Voltes noch fester begründet, zumal es gleich ihm seine Gemahlin, die Kronprinzessin Cecilie, verstanden hat, die Herzen allerwärts zu erobern. Wie sich unser Kronprinz bisher betätigt hat, das bezeugt durchaus die kernge- fige Universität aussuchen. Selbstverständlich müsse auch sunde Tüchtigkeit seiner Persönlichkeit und gibt Bürg= schaften einer verheißungsvollen Zukunft. Mit gutem Recht war es als ein erfreuliches Zeichen gedeutet wor den, daß den ersten Schritten, die der Kronprinz nach Abschluß seiner Erziehung in die Deffentlichkeit getan hatte, zögernde, vorsichtige Zurückhaltung zu eigen schien, wie sie der Natur schlichter Bescheidenheit und ruhiger, maßhaltender Besonnenheit entspringt. Der älteste Kaisersohn hat inzwischen erkennen lassen, daß er
( Gießener Tageblatt)
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Telephon: Nr. 362.
23. Jahrg.
luste aus, die der Landwirtschaftsminister ablehnte. Der Antrag Hammer auf Verschärfung der Bestimmungen gegen die Wanderlager ist nach kurzer Debatte, in welcher sich auch der Regierungsvertreter für eine solche aussprach, angenommen. Der Antrag Hammer auf Besteuerung der Konsumvereine wurde ebenfalls an eine Kommission verwiesen.
Der Hessische Richterverein hält seine diesjährige ordentliche Hauptversammlung Samstag, den 27. Mai, vormittags 11 Uhr, in Mainz im Kasino Hof zum Gutenberg statt. Auf der Tagesordnung stehen u. a. ein Referat des Landgerichtsrat Schudt über„ Die Vorbildung der Juristen" mit anschließender Diskussion.
-b Die Internationale Hygiene Ausstellung in Dresden( 6. Mai bis Ende Oktober) wird in ihrer wissenschaftlichen Abteilung eine Sondergruppe Alkoholismus aufweisen. In 11 Unterabteilungen will diese Gruppe die Alkoholfrage auf Grund wissenschaftlicher Forschungen und Erhebungen in den verschiedenen Kulturländern mit besonderer Berücksichtigung Deutschlands durch graphische Tabellen, Wandfarten, Literaturwerke, Bilder, Präparate, Modelle 20. zur Anschauung bringen. Um allen Besuchern eine rasche Orientierung in der Gruppe Alkoholismus und das Verständnis der wissenschaftlichen Darstellungen zu ermög= lichen, hat die Gruppenleitung für die ganze Dauer der Ausstellung zwei mit der Alkoholfrage vertraute Führer, die täglich mehrere Führungsvorträge halten wer= den, angestellt. Ueberdies wird ein reich illustrierter Spezialkatalog Alkoholismus und Volksgesundheit", herausgegeben von der Geschäftsstelle des Deutschen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke, Berlin W. 15, das Studium der Gruppe und die nachherige Verarbeitung des Geschauten erleichtern.
Der Rhein- Main- Gastwirte- Ver= band hielt am Mittwoch in Pfungstadt seinen 28. Delegiertentag ab. Eine Anzahl Anträge der Vereine G i e- ßen, Mainz und Darmstadt, welche die Boykottierung
auf seinem Werdegange zu charaktervoller Selbständig Samstag( Sonntag) 6.( 7.)- Mai nicht von Streiks betroffener Wirtschaften, die Festsetz
feit heranreift. So legte er mit erfrischender Entschiedenheit und Offenheit im vorigen Jahre als er im August an die Lehrer der Königsberger Universität eine Ansprache richtete, ein edles Bekenntnis echter deutscher Gesinnung mit den denkwürdigen Worten ab.„ Wir( die deutsche Jugend) sehnen uns nach Betonung unseres deutschnationalen Volkstums im Gegensaze zu den internationalisierenden Bestrebungen, welche unsere ge= sunde völkische Eigenart zu verwischen drohen." Wer sich also zum deutschen Volkstum bekennt, gibt Gewähr, daß er die Voraussetzungen mitbringt, um die Aufgaben, die ihm dereinst als Träger des deutschen Kaisertums ge= stellt sein werden, in rechtem Geiste zu erfüllen.
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Die große Reise des letzten Jahres wird ferner dazu beigetragen haben, das Urteil und die Erfahrung des fünftigen Kaisers und Königs auf dem unerschütterlichen Grunde deutschen Sinnes und Strebens zu weiten, zu klären, zu vertiefen. Was der Kronprinz draußen fremden Ländern geschaut, gelernt und geprüft hat, dient der Vorbereitung für seinen verantwortungsschweren Beruf auf der höchsten Höhe menschlichen Wirkens. Insbesondere gilt dies von den Besuchen des Kronprinzenpaares in Rom und in Wien. Alle Berichte stimmten darin überein, daß es dem deutschen Kronprinzen und seiner Gemahlin gelungen ist, in den Hauptstädten der beiden uns verbündeten Dreibundstaaten von Herzen kommende Anerkennung zu erwerben und so unserem Reiche Freundschaft und Bundesgenossenschaft aufs neue zu sichern.
Sonnenhaftes Glück strahlt und leuchtet über dem Leben unseres Kronprinzen. So ungetrübt, so rein und hell ist kaum jemals das Kronprinzentum eines früheren Hohenzollernfürsten verlaufen. Möge unseres Kronprinzen Laufbahn auch ferner reich gesegnet bleiben!
Reichstagswahlvorbereitungen.
Die konservative Vereinigung für den Regierungsbezirk Wiesbaden stellte am Mittwoch in Wiesbaden für den 2. nassauischen Wahlkreis den Regierungspräsidenten Dr. von Meister auf. Man hofft, daß durch die Zugehörigkeit des Kandidaten zur Reichspartei, wie durch seine ganze Persönlichkeit den Zusam menschluß aller monarchisch- nationalen Wähler zuführen und so den Sieg des Bürgertums zu sichern. v. Meister hat die Kandidatur angenommen.
Aus Stadt und Land.
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Gießen, den 5. Mai 1911.
** Die gestern abgehaltene Stadtverordne ten Versammlung hatte 28 Verhandlungsgegenstände zu besprechen, von denen aber vier von der Ta
Hessisch. Blumentag!
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ung eines Prozentgehaltes seitens der Bierbrauereien, die Führung des Weinbuches, die Interessenvertretung der Gastwirte, den Flaschenbierhandel, Rostgebereien 2c. betreffen, wurden genehmigt. Die Vorstandswahl gab die einstimmige Wiederwahl der seitherigen Mit******** glieder. Als Ort der nächsten Delegiertenversammlung wurde hierauf Erbach i. Odw. bestimmt.
Es werden nun eine Anzahl kleinere Punkte erledigt. Längere Zeit wird über das Baugesuch des Herrn Horn, Marktstraße 4, debattiert. Schließlich wird in namentlicher Abstimmung die Dispens mit 16 gegen 14 Stimmen erteilt.
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Ferner genehmigt man die Weiterbelassung des Gebäudes Ecke Frankfurter- und Liebigstraße für Zwecke der Ohrenklinik bis zum 1. April 1914, mit dem zu satze, daß eine nochmalige Fristverlängerung ausgeschlos= sen sei. Die Mittel zur Beschaffung von Einrichtungen im Schlachthaus zur Brauchbarmachung bedingt tauglichen Fleisches werden bewilligt. Weiter erfüllt man den Wunsch der Luftschiffer, Luftballons aus der städtischen Gasanstalt mit Gas füllen zu dürfen. Die Kosten, welche durch die Anlage entstehen, wurden vom Gaswerk mit 1025 Mt. berechnet. Die Summe übernimmt die Stadt. Für das Kubikmeter Gas sind 9 Pfennig zu zahlen. Die Stadt stellt aber die Bedingung, daß in der Zeit vom 25. November bis 25. Dezember, wo die Stadt selbst viel Gas braucht, kein Gas abgegeben wird. Der Vertrag wegen Versicherung der Straßenbahnwagen soll gekündigt werden. Für einen Wagen stellt sich die Prämie jährlich auf 50 Mark, und da 16 Wagen in Betrieb gestellt werden, so müßte ein Betrag von 800 Mt. pro Jahr gezahlt werden. Da aber bei Kollisionen mit anderen Wagen Schäden unter 100 Mark die Stadt selbst zu zahlen hat und die Fahrer gut eingefahren sind, so hat die Stadt infolgedessen noch keinen Pfennig an Versicherung erhalten. Aus die sen Erwägungen heraus beschließt man die Kündigung der Versicherung.- Jn zirka 14 Tagen wir das Frei bad eröffnet, und es werden für die Frauen folgende Badezeiten festgesetzt: Montag, Mittwoch und Freitag von 2-5 Uhr nachmittags. Die letzten Punkte, Erlaubnis zu Gastwirtschaftsbetrieben 2c., werden ohne Debatte genehmigt.
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Sonderfahrt nach dem Bodensee. Die Ortsgruppe Mainz des Deutschen Luftflottenvereins veranstaltet vom 25. bis 28. Juni cr. einen Ausflug nach dem Bodensee, unter Einschluß des Besuchs der Zeppelin- Luftschiffwerft, Friedrichshafen.
Das Ausführungsgesetz zum Viehseuchengesetz wurde vom Abgeordnetenhause nach längerer Debatte einer Kommission überwiesen. Sämtliche Redner sprachen sich für eine stärkere Heranziehung des Staates zu den Entschädigungskosten für Viehver
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Gießen. Oberlehrer Professor Dr. Friedrich Kraft ist mit Wirkung vom 1. April 1911 an auf sein Nachsuchen aus dem Staatsdienst entlassen.
= 0= Gießen, 5. Mai. Zu dem in heutigem Inseratenteil enthaltenen offiziellen Programm für den Blumentag wird noch folgendes bemerkt: Für die Zwecke des Blumenverkaufs sind 3 Bezirksstellen er= richtet, und zwar für den 1. Bezirk Asterweg 9, für den 2. Bezirk das Torhäuschen am Stadttheater, für den 3. Bezirk das Bahnhofsgebäude. An diesen Stellen kön nen die Verkäuferinnen ihre Bestände an Blumen 2c. ergänzen sowie Wechselgeld erhalten. Die Verkäuferinnen, die die eingehenden Beträge in geschlossenen Büchsen sammeln, sind an einer rotweißen Armbinde mit der Aufschrift„ Hessischer Blumentag" kenntlich. Nur diejenigen, die das offizielle Abzeichen tragen, sind zum Verkauf berechtigt. Um den Verkäuferinnen das Geld= wechseln zu ersparen, wird gebeten, sich im Voraus mit Nickelmünzen zu versehen. Die Bank für Handel und Industrie sowie die Mitteldeutsche Kreditbank halten einen reichlichen Vorrat von Nickelmünzen zum Wechseln bereit. Ebenso haben die genannten Banken das Zählgeschäft freundlichst übernommen. Es ist dabei die Einrichtung getroffen, daß jederzeit festgestellt werden kann, wieviel jede einzelne Dame vereinnahmt hat. Für die Konzerte und Tanzvergnügen in Garten und auf der Liebigshöhe wird ein Eintrittsgeld von 30 Pfg. für die Person erhoben. Selbstverständlich fließt der Reinertrag den Zwecken des Blumentags zu.
Steins
* Wetzlar. Gestern ist der bekannte Rentner Jean Kessel im Alter von 59 Jahren gestorben. Er war Gründer des nach seinem Namen bekannten Hotels.
* Marburg, 4. Mai. In Gemünden ist durch einen hiesigen Kriminalbeamten ein des Raubmordversuchs an dem Techniker Mauß dringend verdächtiger Mann festgenommen worden. Bei einer in der Wohnung der Braut des Verhafteten vorgenommenen Haussuchung fand sich ein Revolver, den der Verdächtige ohne Wissen des Mädchens dort aufbewahrte. In der Trommel des Revolvers befanden sich zwei abgeschossene Patronen.
* Darmstadt. Am 8. Mai, vormittags 1012 Uhr, findet hier im Rathaussaale die Ersatzwahl eines Landtagsabgeordneten für den Stadtwahlbezirk Darmstadt an Stelle des Oberbürgermeisters Dr. Glässing, der sein Amt niederlegte, statt.


