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4.11.1911 Erstes Blatt
 
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Sozialisten gebildet, die auf großen Tafeln bezeichnende Inschriften trugen. Auf den vorliegenden Fall ging freilich nur die Inschrift: Die Hausbefizer, welche fin derreiche Familien aufzunehmen fich weigern, find Banditen". Die Famille Unlaud hafte tm 20. Pariser Bezirk ihre Miete regelmäßig bezahlt und erklärte sich bereit, das nächste Viertelfahr vorauszubezahlen, und dennoch wurde ihr wegen der großen Bahl der Kinder gekündigt. Umsonst suchte Unlaud ein anderes Quar­fter. Niemand wollte dte elfgliedrige Familie aufneh men und diese mußte daber, nachdem der Termin ver strichen war, mit ihrem Mobiliar im Treppenhaufe vorlieb nehmen. Als das Syndikat der Mieter des 20. Bezirkes hiervon erfuhr, übernahm es den Umzug der yamilie Unloud, beschloß aber daraus eine Kundge­bung vor dem Elysee und vor dem Ministerium des Innern zu machen. Das ließ jedoch die Polizet nicht zu, der Bug wurde gesprengt und die Familie Un­laud über eine Stunde eingesperrt. Endlich fand sich ein gemeinnütiger Hausbesizer, der schon zwet große Familien beherbergt und nun auch die Unlauds dazu­nimmt.

Ein amerikanischer Millionär als Brandstifter. Großes Aufsehen erregt die in Olbridge( New Versey) erfolgte Verhaftung des Millionärs Appelby. Er steht in dem dringenden Verdacht der Brandstiftung und wird beschuldigt, die seit mehr als einem Jahre in Old­bridge vorgekommenen zahlreichen Brandstiftungen, bet denen mehrfach Personen ihren Tod in den Flammen fanden, veribt zu haben. Auffälligerweise handelt es sich bei diesen Bränden nur um Appelby gehörende Häuser. Man glaubt, daß der Millionär die Brandstif= fungen aus dem Grunde verübte. um sich in den Besit der hohen Versicherungsprämien zu setzen.

Bier Mädchenhändler in Saft. Die Altonaer Po­Itzet hat eine Gruppe gefährlicher Mädchenhändler vers haftet. Es handelt sich um einen gewissen Laurent aus Madrid, Wenzel aus Budapest und den Former Sunde und seine Frau aus Rußland. Laurent unterhielt ein Darlehensgeschäft. Für dieses hatte er eine be Kontoristin engagiert mit der Absicht, sie nach Ungarn zu verschleppen. Er stellte ihr Wenzel als einen sehr begüterten Herrn aus Ungarn vor, und dieser sollte sie nun unter einem Vorwande nach Ungarn bringen. Die Polizei bekam jedoch von der bevorstehenden Reise Kenntnis und verhaftete die ganze Gesellschaft. Bet der Durchsuchung ihrer Wohnung in Altona wurde eine sehr umfangreiche Korrespondenz beschlagnahmt, dte feinen Zweifel läßt, daß die Verhafteten mit Mädchen­händlern in aller Herren Länder in Verbindung standen.

Der Berliner Sportpalast Vor einigen Monaten waren bereits Gerüchte über Zahlungsschwierigkeiten tm geschäftlichen Betriebe des Sportpalastes im Umlauf. Als dann die Gründung einer Attiengesellschaft zur Sa­nierung erfolgte, glaubte man, daß das Unternehmen nun in geordnete Verhältnisse tommen werde. Wie sich jezt herausgestellt hat, dürfte sich der Sportpalast auf feiner bisherigen Grundlage trozdem nicht halten fön­nen. Es ist daher geplant, dte Elsfläche je nach Bedarf mit einem Parkett ußboden zu versehen, damit andere Unternehmungen, Versammlungen, Feste usw. dort ab­gehalten werden können. Schon mit Beginn der näch= ten Woche wird der Betrieb auf der Eisfläche einstwet­len ausgesetzt werden.

Der König der Taschendiebe" ist von der Berliner Kriminalpolizei auf frischer Tat ertappt worden. Es ist ein aus Ungarn gebürtiger Kaufmann Paul Weiß, der besonders in Berlin arbeitete". Mit ihm wurde ein Hehler Wünschbach verhaftet, der seit langem inter­nationalen Taschendteben Unterschlupf gewährt. Wäh­rend der Caruso- Vorstellungen im Berliner Opern­hause erwischte die Kriminalpolizet im Gedränge einen fungen Taschendieb, der sich als ein 19 Jahre alter aus Ofen- Pest stammender Kellner Liffat entpuppte. Er hatte zwet Damen die Handtaschen geöffnet und ihre Geldbörsen herausgenommmen. Liffat war noch ein Neuling und legte bald ein Geständnis ab. In Ofen­Best hatte er Weiß kennen gelernt, und dieser hatte ihn veranlaßt, sich in seiner Taschendiebesschule aus­bilden zu lassen. Weiß war schon im Laufe des Som= mers in Berlin und ließ besonders an den Straßen­bahnhaltestellen, wie in Treptow und Tegel, und vor den großen Vergnügungslokalen, wie dem Lunapart, sechs ausgebildete Schüler für sich arbeiten". Sein Pech aber wollte es, daß einer feiner Gehilfen nach dem anderen ertappt und hinter Schloß und Riegel gebracht wurde. Nach der Verhaftung des Lissat setzte die Po= Itzei alle Hebel in Bewegung, auch des Meisterdiebs habhaft zu werden. Am Mittwoch sahen Kriminalbe­amte, die alle Weiß' Photographie besaßen, an einer Haltestelle an der Ecke der Königsgräßer- und Voß­straße zwei Männer, die ihnen bekannt vorkamen. Als­bald rief der eine künstlich ein Gedränge hervor und deckte den anderen, der diese Gelegenheit benußte, in fremde Taschen zu greifen. Jetzt griffen die Beamten zu und hatten den lange gesuchten Häuptling". Weiß und Wünschbach am Kragen. Betde wurden nach Moa­bit gebracht.

" Jawohl, ungefähr, Herr Doktor!" Sie wurder am Morgen zu den beiden Toten gerufen, kurz verhört, ka­men nach Hause und wurden von den Agenten über­fallen, der Ihnen die Hölle heiß machte. In Ihrer Erregung über das eben Gesehene und in Ihrem Zorn über das Auftreten des verhaßten Menschen warfen Ste ihm schließlich das Geld hint. War's nicht so?" Der Doktor ntckte.

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" Smt. Ich möchte nicht in Ihrer Haut gesteckt ha= ben an jenem und dem folgenden Tage und der da= zwischen liegenden Nacht! Danten Sie Ihrer ausge= zeichneten Konstitution, daß das nicht zu einem gänzli= chen Zusammenbruch bei Ihnen geführt hat! Aber nun ist ta alles vorüber, und wir sind am Ende. Was mich betrifft, so muß ich sagen, daß Sie keine Schuld trifft. Ob Sie vor der öffentlichen Meinung so rasch reha= bilittert sein werden, tst freilich eine andere Sache."

Das heißt also, Herr Untersuchungsrichter, metn Verhör ist beendet und ich bin entlassen?" fragte der Doktor aufatmend.

" Ja. Wollen Ste nur dieses kurze Protokoll unter­schreiben?"

Er zeigte auf einen Bogen hin, auf den er vorher schon einige Säße geschrieben hatte, denen er jetzt in größerer Geschwindigkeit mehreres hinzufügte.

Der Doktor las es durch, unterschrieb mit unruht­ger Hand, begrüßte die Herren kurz und ging langsam hinaus. Gott set Dank! sagte er zu sich. Dieser Mann durchschaut viel und weiß viel, aber alles weiß er doch nicht. Ob ich es je werde vergessen können? Gib mir Kraft, himmlischer Vater, dieses Grauenhafte aus met­nem Innern zu tilgen!

Drin im Zimmer aber fragte der Untersuchungs­richter den Kommissar von Bardekow:" Nun? Sind Sie jetzt zufrieden? Oder beharren Ste bet Ihrem Verdacht?"

Der Kommissar sah thn und seinen Kollegen bedenk­

Angst. Dein Mann schimpft entsetzlich daheim!" Er werd doch net am End an Arbeit g'funden haben?"

Das Rätsel von Tripolis.

Die sonst so redselige römische Presse ist auffallend [ Hl geworden. Welche zurückhaltung sie fich neuer­dings in der Berichterstattung über die Vorgänge in Tripolis selbst auferlegt, wissen unsere Leser, und über die Lage in Tobruk, Derna, Benghast und Homs, wo bekanntlich auch italienische Truppen, zum Teil nach hartem Kampfe gelandet find, schweigt sie sich völlig aus mit der Begründung, daß die Witterungsverhältnisse feine radiotelegraphische Berichterstattung zulassen. Es ist immerhin befremdlich und unseres Wissens auch neu, daß die Witterung einen derartigen Einfluß auf die drahtlose Telegraphie auszuüben vermag. Aber das afrikanische Klima hat schon zu mancher Enttäuschung geführt.

Infolgedessen ist man hinsichtlich der Lage in tenen Hafenpläßen auf Vermutungen angewiefen, die sich in der Annahme zusammenfassen lassen, daß der Nachrich tendienst wohl nicht in dem Maße versagen witrde, wenn er fitr die Jtaltener Günstiges tu melden hätte. Türkische Quellen versagen in diesen entlegenen Gebie­ten natürlich fast ganz. In der Bevölkerung der titr­tischen Hauptstadt steigt die Erregung über die von den Italienern in Tripolis begangenen Grausamfet= ten. Nach einer Meldung aus Salonikt hat das dor­tige jungtürkische Komitee einen Ausschuß gebildet, um Offiziere und Geldmittel nach Tripolis und der Kure­naita zu bringen; es soll ihm bereits gelungen sein, eine größere Bahl mit Geld woblausgestatteter Offt­ziere dorthin zu entfenden In Tripclis sollen bisher 2500 Mann italienischer Verstärkungen eingetroffen fein. Die Konsulate von Desterreich und den Bereinig= ten Staaten sind in das Innere der Stadt verleat mor­ben, da die italienische Leitung anscheinend nicht mehr In der Lage ist, die Sicherheit außerhalb des enaften Stadtbezirkes zit verbirgen. Die Cholera nimmt nach bisher afferdings unbenlaubigten Meldungen in bedenklichem Make zit: angeblich maren am Sonntag 87 tallentsche Soldaten von der Teutche befallen, von benen 9 im Laufe der Nacht starben. Wie weit fte in der Bevölkerung verbreitet ist, läßt sich nicht feststellen. Vorbereitungen für einen Waffenstiftand. Nach einer Meldung der Frankf. Sta." aus Kon­ftantinopel erhielt die forte aus London die wichtige und zweifellos zutreffende Melduna. daß von einer Großmacht in der vorigen Woche die Anregung zu et­nem ollektivschritt der Mächte bet der Türkei ausging. Die Anregung ist auf fruchtbaren Boden gefallen und wurde von allen Großmächten akzeptiert. Die Ausfüh= rung des Schrittes ist bisher nicht erfolgt, der einge­tretene Szenenwechsel in Tripolis mitrde ihr auch nicht förderlich sein. Jeder Vermittlungsversuch der Mächte fann zur Stunde nur mit einem tasto endiaen. Wie ferner verlautet, sind bereits zwischen verschiedenen ent­ropäischen Kabinetten Besprechungen im Gange, melche die Basis für einen Waffensttilstand zwischen der Türket und Italten schaffen wollen. Die Türket dürfte bereit sein, in einen Waffenstilstand einzutreten, und Friedensverhandlungen zu begimen. falfa talten auf alle politischen Aspirationen in Tripolis verzichtet. Dafitr fit die Türket berett, Italten bedeutende Zuge­ständnisse ökonomischer und kommerzieller Natur in Trinolis zu machen.

Eine benorftehende Aktion der italienischen Flotte? Malta, 8. November. Ster ist die Nachricht eingetroffen, daß ale italienischen Kriegsschiffe Tripo­His verlassen und sich vereinigt haben, um nach den türkischen Gemässern zu gehen.

Die Revolution in China.

Nur felten erhelt ein Lichtstrahl das Dunkel, wel­ches über dem Chans im Nangtsetal lagert und läßt einen Blick fun in das fortwährende Sin und Her in dem verzweifelten Ringen beider Gegner. So wird Jetzt der deutschen Kabelgrammgesellschaft aus Schang­hat gemeldet: Die fatserlichen Trupen haben nach vor­heriger Ankündigung die Chinesenstadt in San­fau ir Brand geseßt, um weitere Straßenkämpfe zu verhitten. Es mittet eine riesige Feuers­brunst. Die Niederlassungen der Europäer find von dem Brand unberührt geblieben. Der Angriff der kat­ferlichen Truppen auf Hanyang und Wutschang und die 1tebersetzung der Truppen über den Hanfluß und den Manatse merden vorbereitet. Demnach scheinen die Regierungstruppen noch immer im Vordringen zu fein. Nach amtlichen englischen Berichten bleibt die Lage in China ä it ßerst gefährlich. Das Edikt des Kat­fers macht nur geringen Eindruck, dte Revolution be= herrscht vollständig die sechs Provinzen Setschuan, Houve, Canton, Klangfe, Sonan und Schansi, greift aber auch auf die übrigen Provinzen über. In Peking selbst wird der Ausbruch der Revolution und die Ab­febung der Dunaftie feden Augenblick befiirchtet.

lich an. Glauben Ste denn beide, meine Herren, jezt an die vollständige Unschuld des Doktors?"

Gewiß!" fagte der alte Herr, und Weide fragte fetnersetts: Warum denn nicht?"

Warum nicht?" Ja, haben denn die Herren nicht die Miene und die Haltung des Doktors gesehen, als das Verhör zu Ende war, als er seinen Namen unter­schrieb und dann hinausging? Das war nicht das Ver­halten eines mun völlig schuldlos Entlassenen, der auch selber das Gefühl hat, daß er fret von aller Schuld ist, sondern vielmehr das Verhalten eines völlig Gebroche­nen, der noch trgend etwas auf dem Herzen hat. Ich bin überzeugt, daß er noch ein Geheimnis mit sich her­umträgt, das er uns ängstlich verborgen hält. Und des­halb mochte ich die Augen von ihm auch noch nicht weg­wenden 44

,, Netn, netn," unterbrach thn der Untersuchungs­richter, lassen wir doch diese Fährte fezt! Ste bringt uns nichts weiter und nur von anderen wichtigen Din­gen ab, Herr von Bardekow."

Der Angeredete trat gekränkt etwas zurück. Sollte sein Kollege die bessere Spur haben? Das wollte er doch erst noch sehen!

Wie steht es mit der falschen Diakonissin und th= rem Spießgesellen, Herr Wetde?" fragte der kleine Herr. Noch nichts gefunden, versetzte dieser.

" Suchen Ste! Suchen Ste!" mahnte Herr von Scharffenstein dringend. Es ist in der letzten Zeit so viel unentdeckt geblieben, wir müssen endlich einmal einen Schlag tun."

Die beiden Kommissare verließen nach dieser Auf­forderung mit ernster amtlicher Miene das rote Back­steingebäude. Herr von Bardekow begab sich nach einem gemütlichen Restaurant, um bei einem guten Glase Bter über die Lage des Doktors Waldow nachzudenken. Weide ging nach Hause, trat aber bald darauf wieder

Beute meldet der Draht:

Peking, 3. November. Ein Regiment, das den Kaiserlichen in Schenat an Hilfe geschickt worden ist, hat gementert, den Brigadegeneral getötet und über tausend Mandschus ermordet, unter ihnen den Gouver neur und seine Familie. Der Yamen des Gouverneurs wurde zerstört.

Petersburg, 3. November. Die Revolution in China greift jetzt auch auf die Mongolei über. Die Mongolen verlangen die fulturelle und ökonomische Entwicklung des Landes durch Gewährung von Han­dels- und Industrtefonzesstonen an Ausländer, was vorher von den chinesischen Behörden stets hintertrie­ben worden sei.

London, 3. November. Die Revolutionäre in Wutschang haben in einer Volksversammlung die Un­abhängigkeit der Swangsi- Provinz mit Wutschang als neue Hauptstadt erklärt. Sie beschlossen, feine Steuern mehr nach Peking zu zahlen und ein unabhängiges Heer zu schaffen.

Drabtnachrichten und Deuestes.

Die Luftschiffmanöver in Göln. Gölu, 3. November. Gestern haben die Luft­schiffmanöver ihren Anfang genommen. Die Luftschiffe haben einen aluminiumgrauen Anstrich erhalten wie die Kriegsschiffe.

Drei Personen bei einem Brande umgekommen. 0 Neumünster, 3. Oktober. In Schönebeck bet Bordesholm entstand nachts in der Gastwirtschaft Harb Feuer, das schnell um sich griff. Der Gastwirt, seine Frau und ein Kind sind in den Flammen umgekom­men, während zwei andere Kinder von Nachbarn ge­reftet wurden.

Im Kampf mit russischen Revolutionären. Lodz, 3. November. Drei Männer verwunde ten einige ihnen auf der Straße begegnende Geheim­polizisten und flüchteten indem sie Schüsse abgaben, in ein Haus. Sechs Straßenpassanten wurden verwundet. Das Haus wurde von der Polizet umstellt. Man glaubt, daß die Männer Revolutionäre find.

Berliner Getreide und Schlagtvichmarkt.

Am Berliner Markt machte sich nur geringe Un­ternehmungslust bemerkbar. Neben den schwächeren Marktberichten vom Auslande wirkte das den jungen Saaten vorteilhafte Wetter einschränkend auf die Kauf luft. Die Ablieferungen der Landwirte, die noch mit Feldarbeiten beschäftigt sind, waren zwar nicht groß, aber die Vorräte durchaus genügend für die Versorgung des Bedarfs Außerdem geht der Mehlabsatz außeror­dentlich schlecht, und der Export stockt wegen zu niedri ger Preisgebote des Auslands. Zuletzt wurde die Stim­mung für Weizen etwas fester, da sich für Lieferung im Mat etwas mehr Intereffe zeigte. Roggen fand in dem Umstande eine Stüße, daß Rußland voraussichtlich für diese Getreideart nur in geringem Maße von der dies­jährigen Ernte sich ausfuhrfähig zeigen dürfte. Hafer war zu nachlassenden Forderungen im Januar Fe­bruar von La Plata angeboten, während die russischen Haferofferten knapper und verhältnismäßig teurer wur­den; inländisches Material wird hoch im Preise gehal­ten. Das Geschäft in russischer Futtergerfte war im all­gemeinen sehr ruhig, erst in den letzten Tagen wurde etwas mehr gehandelt. Mais war sehr still. Am legten Tage der Berichtswoche stellten sich die Preise für Liefe­rung im Dezember wie folgt: Weizen 207,25 M., Roggen 180,25 M. Safer 185.00 M, Mats 160,00 M

Preise des städtischen Schlachtvieh- Marktes. 1. Och­sen: a) vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwer­tes, ungejocht 78-86 M., 6) junge, fleischige, nicht aus­gemästete und ältere ausgemästete 73-80 M., c) mäßig genährte junge und gut genährte ältere 58-72 M. 2. Bullen: a) vollfleischige, ausgewachsene höchsten Schlachtwertes 75-80 M., b) vollfleischtge jüngere 71 bts 79 M. c) mäßig genährte füngere und gut genährte äl­tere 62-74 M. 3. Järsen und Kühe: a) vollfleischige, ausgemästete Färsen höchen Schlachtwerfes, bis zu 7 Jahren 67-70 M, c) ältere ausgemästete und wentg gut entwickelte jüngere ühe und Färsen 60-65 M, d) mäßig genährte Kühe und Färsen 49-57 M., e) gering genährte Kühe und Färsen bis 56 M, f) gering genähr­tes Jungvich( Freffer) 52-60 M. 4. Kälber: a) Dop­pellender fetnster Mast 107-140 M., b) feinste Mast fälber 103-110 M, c) mittlere Mast- und beste Saug­fälber 95-103 M, d) geringere Mast- und gute Saug fälber 88-98 M. e) geringe Saugkälber 53-76 M. 5. Schafe: a) Maftlämmer und füngere Masthammel 72 bis 82 M., b) ältere Masthammel, geringere Mastlämmer und gut genährte junge Schafe 64-72 M, c) mäßig ge­nährte Hammel und Schafe 44-68 M. 6. Schweine: a) Fettschweine über 3 Zentner Lebendgewicht 63-64 My b) vollfleischige Schweine 240-300 Pfund 62-63 M, c) vollfleischige 200-240 fund 60-63 M., b) vollfleischtge Schweine 160-200 fund 57-61 M, e) vollfletschige Schweine unter 160 Pfund 53-57 M, f) Sauen 55 bts 58 M.

wie ein Strolch gekleidet auf die Straße, um einige Ver­brecherkeller im Norden der Stadt zu durchstöbern.

7. Kapitel.

Weide vermutete, daß lene falsche Diakonissin fami dem, der sich wahrscheinlich thren Bräutigam" nannte, viel leichter nachmittags in einem der sogen. Bouillon­feller" als des Nachts in einem Cafee aufzufinden sein würde. Diese Keller waren neuerdings in den weniger besuchten Gegenden entstanden und zeigten sich von außen ganz harmlos als alkoholfreie Erfrischungsstät= ten an, in denen man Kaffee, Kakao, Milch, Selters­wasser, Limonade und den ganzen Tag über Bouillon erhielt. Von dem letzteren Getränkt, einer heißen, sal­zig schmeckenden Flüssigkett, auf der einige verdächtige Fettaugen schwammen, hatten diese Keller thren anhet­melnden Namen erhalten. Da das alles sehr harmlos aussah, so bot sich hier gerade ein Schlupfwinkel für mancherlei lichtscheues Gesindel. Besonders günstig war die Gelegenheit, dort zu jeder Tages- und Nachtzelt eine offene Tür zu finden, denn bet diesen unschuldigen Ge­tränken brauchte der Inhaber keine polizeiliche Schank­fonzession. Für Eingeweihte gab es freilich auch starke Getränke in genügender Anzahl, und es bedurfte nur der Kenntnis gewisser Zauberformeln, daß sich wie auf etn, Sesam, tu dich auf!" einige hinter dem Büffet ver­schlossen gehaltenen Türen öffneten und allerlet leh­Itche Flaschen mit den verschiedensten gebrannten Was­fern zum Vorschein kamen.

Fortsetzung folgt.)