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De in Gießen.

Gießener Zeitung

( Neueste Nachrichten)

Bezugspreis 50 Pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen

oiertelfährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­

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der Großherzoglichen

ausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mr. Erscheint Bürgermeisterei

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Mittags 3 Uhr. Die Illuftr. Weltrundschau" liegt alle 14 Tage einmal gratis bei. Redaktion: Seltersweg 83.- Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.

Nr. 104.

Telephon: Nr. 362.

Die allgemeine Webrpflicht.

Jm englischen Oberhause hat jüngst der angesehenste britische Feldherr, Lord Roberts, erneut die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht beantragt. In scharfer Kri­tik der bestehenden Heereseinrichtungen hat er dargelegt, daß es England auf dem Wege des Werbewesens nie­mals zu der Heeresstärke bringen könne, die erforder= lich sei, um einer feindlichen Einfallsarmee Lord Ro­berts schätzt sie auf mindestens 150 000 Mann- wirk­sam zu begegnen. Bei dem gegenwärtigen Stande der Kriegstechnik sei es unmöglich, wie das der deutsch= französische Krieg gelehrt habe, gegenüber einer gut ge­schulten, auf allgemeiner Wehrpflicht beruhenden Armee mit undisziplinierten Volksmilizen aufzukommen.

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England ist der einzige europäische Großstaat, der die allgemeine Wehrpflicht nicht eingeführt hat, obwohl Lord Roberts keineswegs der erste ist, der die Forder­derung mit Nachdruck vertritt, daß das britische Insel­reich dem Beispiele aller Festlandsmächte folgen muß. Diese Forderung würde schon erfüllt sein, wenn nicht in England noch immer das Vertrauen überwöge, daß seine Flotte Dank dem Uebergewicht über die übrigen See­mächte die Herrschaft über die Meere zu behaupten ver­mag und so die Gefahr des Einfalls einer feindlichen Landarmee ausschließt. Die Ueberlegenheit zur See ist es indes nicht allein, die seither die britische Weltmacht­stellung gesichert hat; diese beruht zum Teil auch auf der auswärtigen Politik, die England mit so bewunderns­würdigem Geschick zu treiben verstanden hat, daß vor der Notwendigkeit bewahrt worden ist, zur allge­meinen Wehrpflicht überzugehen. Die Einsicht jedoch, daß sich England nur vermöge der allgemeinen Wehr­pflicht eine leistungsfähige Landmacht schaffen kann, die die Gewähr der Aufrechterhaltung seiner Weltmachtpo­litik verstärkt, wird vermutlich auch jenseits des Aermel­fanals früher oder später zum Durchbruch kommen. Eine Zukunft haben nur Staaten, deren Kriegstüchtigkeit auf dem allgemeinen Heeresdienst begründet ist, und große weltgeschichtliche Entscheidungen werden zuletzt nicht auf dem Meere, sondern auf dem Lande ausgekämpft wer­den, und zwar nicht mit geworbenen Söldnertruppen, sondern mit Volksheeren.

Es steht heute unbestreitbar fest, daß Großmachtpo­litik die allgemeine Wehrpflicht als ihre natürliche Grund­lage voraussetzt. Das hat zuerst Preußen vor hun­dert Jahren erkannt, und ihm sind, nachdem die un= eingeschränkte Wehrpflicht die Siege von 1813, 1866 und 1870-71 errungen hatte, die übrigen Festlandsstaa­ten gefolgt. Die Not hat Preußen gezwungen, den all­gemeinen Heeresdienst, der schon vorher zum Teil un­ter König Friedrich Wilhelm 1. und Friedrich dem Gro­Ben verwirklicht worden war, durchzuführen. In der Zeit der tiefsten Demütigung Deutschlands, unter dem Joch der napoleonischen Tyrannei, wurde der Gedanke Tat, daß jeder Wehrfähige zur Befreiung des Vater landes zu den Waffen greifen muß. Den Kampf sein Dasein gegen den korsischen Gewaltherrscher hat Preu­ßen nur zu beſtehen vermocht; indem es die altdeutsche Auffassung von der Wehrpflicht aller förperlich und sitt­lich zum Waffendienst Geeigneten zu unbedingter Gel­tung brachte. Als Napoleons ungeheures Heer unter den Schneefeldern Rußlands begraben lag, entschloß sich König Friedrich Wilhelm 3., dem bereits 1809 und 1811 Gesetzentwürfe über die Einführung der allgemei­nen Wehrpflicht vorgelegt worden waren, alle seitheri­gen, für die gebildeten und gelehrten Stände noch zu­gelassenen Befreiungen vom Waffendienst aufzuheben und für die Dauer des Freiheitskampfes die Gesamt= heit des waffenfähigen Volkes für fahnenpflichtig zu er­flären.

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Das preußische Heer, aus der allgemeinen Wehr­pflicht hervorgegangen, hat dem Weltkaisertum des vor­her noch unüberwindlichen Napoleon den Garaus ge= macht. Daher enthielt das preußische Wehrgesetz vom 3. September 1814, das in seinen grundlegenden ersten Paragraphen bestimmt: Jeder Eingeborene, sobald er das 20. Jahr vollendet hat, ist zur Verteidigung des Vaterlandes verpflichtet", als Einleitung die denkwür­digen Worte: Die allgemeine Anstrengung unseres treuen Volkes ohne Ausnahme und Unterschied hat in dem so­eben glücklich beendeten Kriege die Befreiung des Va­terlandes bewirkt; und nur auf solchem Wege ist die Behauptung dieser Freiheit und der ehrenvolle Stand­punkt, den sich Preußen erwarb, fortwährend zu sichern." Auch die in Deutschland heute maßgebende Auffassung, daß unser Heer die Schule der männlichen Tugenden des Volkes sein soll, hat bereits den Schöpfer jenes Grundgesetzes des preußischen Staates, den Kriegsmi­nister von 1814, Hermann von Boyen, erfüllt. Gnei­senau schrieb damals an Boyen: Ihre Idee, die Ar­mee zu einer Schule für die Nation zu gestalten, ist die erhebendste, die es geben kann. Dadurch wird

es

des Großherzoglichen Polizei Amtes Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.)

sowie vieler anderer

Donnerstag, den 4. Mai 1911.

( Gießener Tageblatt)

Anzeigenpreis 15 Pfg.

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Telephon: Nr. 362.

23. Jahrg.

stehende Heer statt eine Last eine wohltätige Einrichtung." =)(= Nidda, 3. Mai. Die Schafzucht, die in den Zum Staat der Neuzeit gehört die allgemeine Wehr- letzten Jahren im oberen Niddatale sehr zurückgegangen pflicht. Indem der Staat des 19. Jahrhunderts alle war, beginnt sich langsam wieder zu heben. Die Zahl und der Schafherden hat sich seit einiger Zeit wieder ver­Vorrechte und Begünstigungen einzelner Klassen Stände beseitigt und damit den Grundsatz der allgemei- mehrt. Hoffentlich kommt dieser Zweig der Landwirt­nen Rechtsgleichheit aufgestellt hat, ergibt sich folgerich- schaft wieder zur alten Bedeutung. tig, daß kein wehrfähiger Bürger von der Pflicht der Verteidigung des Vaterlandes befreit sein darf. In der Dreiheit der neuzeitlichen Staatspflichten: Wehrpflicht, Schulpflicht, Steuerpflicht steht die Wehrpflicht obenan. Denn sie bedeutet die edelste Betätigung des Staatsge­dankens und der Vaterlandsliebe, weil sie vom Staats­bürger das höchste und letzte, Blut und Leben, bean sprucht; und sie ist mehr als bloß eine Pflicht: sie ist auch insofern sittlicher Natur, als von ihr der Verbre­cher ausgeschlossen bleibt und das Recht, die Waffen zu be= tragen, als ein Ehrenrecht des freien Mannes zu

werten ist.

Reichstagswahlvorbereitungen.

Die Fortschrittliche Volkspartei des Reichstagswahlkreises Alzey- Bingen hält näch sten Sonntag in Alzey eine Vertrauensmännerversamm­lung ab. Auf der Tagesordnung steht u. a. die Auf­stellung der Kandidaten zur nächsten Reichstagswahl. Seitens der Parteileitung werden in Vorschlag gebracht: 1. für den Wahlkreis Wöllstein, der seitherige Abgeord­nete Landwirt und Bürgermeister Eibach- Pfaffenschwa­benheim, 2. für den Wahlkreis Wörstadt: Pfarrer Ko­rell- Königstädten, 3. für den Wahlkreis Nierstein der Landwirt und Bürgermeister Schuckmann in Bechtols­heim. Auch in allen übrigen rheinhessischen Landtags­wahlkreisen stellt die Fortschrittliche Volkspartei Kandi­daten auf.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 4. Mai 1911. Mit dem Schuh der Singvögel be­schäftigt sich eine in der heutigen Nummer enthaltene Bekanntmachung des Großh. Polizeiamts, worauf be­sonders hingewiesen sei.

* Der Verband der Vereine Kredit­reform e. V. in Leipzig hält vom 22. bis 24. Juli seinen diesjährigen 30. Verbandstag in Braunschweig ab. Dem Verbande, einer internationalen Vereinigung mit mehr als 80 000 Mitgliedern, gehören etwa 350 Vereine und mehr als die gleiche Anzahl Filialen und Vertretungen an.

Dienstjubiläum. Gestern feierte Oberpost­assistent Kinzenbach sein 25jähriges Dienstjubiläum.

Sonderfahrt nach dem Bodensee. Die Ortsgruppe Mainz des Deutschen Luftflottenvereins veranstaltet vom 25. bis 28. Juni cr. einen Ausflug nach dem Bodensee, unter Einschluß des Besuchs Zeppelin- Luftschiffwerft, Friedrichshafen.

der

Sterblichkeitsstatistik. Der Sterblich­

keitsbericht für Hessen im allgemeinen ist in der Zeit vom 16.- 22. April wenig erfreulich, da er in allen größeren Städten eine Vermehrung der Todesfälle zeigt. Die einzige Ausnahme hiervon macht Offenbach, wo die Sterblichkeit von 20 Personen der vorletzten Statistik auf 11 der letzten, oder auf 1 Jahr und 1000 Einwohner berechnet von 13,5 auf 7,4 gesunken ist. Mainz ist mit 30( 29) Toten und der Sterblichkeitsziffer von 14( 13,6) an zweiter Stelle zu nennen. In Darmstadt erhöhte sich die Zahl der Todesfälle von 20 auf 22 oder die Ziffer von 11,9 auf 13,1, in Worms sind statt 9 Toten in die­ser Woche 14, d. h. eine Sterblichkeitsziffer von 15,5 gegen 9,9 der vorigen Woche zu verzeichnen, während die Steigerung in Gießen mit 17( 10) Toten und der Ziffer 28,2( 16,4) am größten war.

* Karl Schönherrs Tragödie S onnwendtag" hat in der vom Dichter umgearbeiteten Form bei der ersten Aufführung am Hoftheater in Kassel eine tief gehende Wirkung erzielt. Den Hauptdarstellern wurde stürmischer Beifall gezollt.

-sch Lützellinden, 3. Mai. Am 6. und 7. Mai findet hier die 6. Bundesausstellung des Mittel­deutschen Kaninchen- und Geflügelzüchterverbandes statt.

Wetzlar. Die Vorlage betr. Abänderung der Gemeindeordnung für die Rheinpro= vinz wurde vom Abgeordnetenhause an eine Kom­mission von 21 Mitgliedern verwiesen. Bei der Bera­tung wurde betont, daß eine allgemeine organische Ab­änderung der rheinischen Landgemeindeordnung vor allem in der Stellung des Gemeindevorstehers nötig sei. Seine Stellung, als Vertrauensperson der Ge­meinde, müsse selbständiger sein. Auch sprach man sich für die Oeffentlichkeit der Gemeinderatssitzungen

das aus.

Darmstadt, 4. Mai. Der Großherzog hat am 3. Mai den vortragenden Rat im Ministerium des Innern Geheimen Oberregierungsrat Dr. Eugen Wag­ner mit Wirkung vom 1. Juni 1911 an zum Kreisrat des Kreises Dieburg ernannt.

h Braunfels, 3. Mai. Die Herstellung der Fundamente mit angebautem Güterschuppen und frei­stehendem Nebengebäude auf Bahnhof Braunfels wurde dem Bauunternehmer W. Möglich aus Tiefenbach, die­jenigen auf Bahnhof Bonbaden Bauunternehmer K. Wagner und auf Bahnhof Kraftfolms Bauunternehmer J. Konrad Jung aus Brandoberndorf übertragen.

-h- Grävenwiesbach, 3. Mai. Der Durch­schlag des 1300 Meter langen Tunnels bei Gräven­wiesbach wird voraussichtlich am Freitag erfolgen. Eine Feier, an der Vertreter der Regierung und Eisenbahn­veranstaltet werden. direktion teilnehmen, wird anläßlich des Durchschlags

-u Dillenburg, 3. Mai. Am 5. und 6. Au­gust findet hier ein Gesangwettstreit statt, an dem sich 25 Vereine beteiligen werden.

Marburg, 3. Mai. Es ist bis jetzt noch nicht gelungen, den Wegelagerer, der am Samstag bei den Steinbrüchen bei Niederweimar den Raubanfall auf den Bautechniker Mauß verübte, ausfindig zu machen. Verschiedene Verdächtige mußten wieder freigelassen wer­

den.

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Koblenz. Zu den Städten mit Theater­jorgen gehört auch die unsrige. Die letzte Spielzeit hat mit einem Fehlbetrage von 37 000 Mark geendet.

-i Frankfurt, 4. Mai. Kornblumenta g. In Würdigung der nationalen Bedeutung des am 10. Mai hier stattfindenden Kornblumentages hat das Pro­vinzialschulkollegium angeordnet, daß der Unterricht an sämtlichen Frankfurter Schulen an diesem Tage ausfällt. Auch die hiesige Garnison hat einen dienstfreien Tag und am Nachmittag von 5 Uhr an wird der Helm ( Ordonnanzanzug) getragen. Sämtliche Mannschaften mit Ausnahme der diensttuenden Posten tragen als Schmuck die Kornblume. Am Vor- und Nachmittag werden an 12 verschiedenen Stellen der Innen­Außenstadt von 12 Musikkapellen Promenadekonzerte veranstaltet. Außer im Zentrum der Stadt werden diese Konzerte in Sachsenhausen, Bockenheim, Rödelheim, Bornheim und Oberrad stattfinden.

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Frankfurt, 3. Mai. Ein hiesiger Wirt, von dem wir meldeten, daß er mit 30 Mark Geldstrafe be­legt wurde, weil er seine Kellnerinnen in Hosenröden, d. h. auffällig", servieren ließ, hat bis jetzt drei weitere Strafmandate in gleicher Höhe von der Polizei erhal­ten, weil er, der Verfügung fortgesetzt entgegenhandelnd, auch weiter im Hosenrock bedienen läßt. Gegen Straferlasse hat er Einspruch erhoben und verlangt rich­terlichen Entscheid, ob die in seinem Lokal getragenen Hosenröcke wirklich als auffällig" zu betrachten sind.

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Heppenheim, 3. Mai. Bei der gestrigen Gemeinderatssitzung wurde die Wahl eines Ehrenbür­germeisters beschlossen. Von den Freunden eines Be­rufsbürgermeisters waren drei der Sitzung ferngeblieben und zwei verließen vor der Abstimmung den Saal. Da­mit dürfte der Streit um den Bürgermeister endlich aus der Welt geschafft sein. Es ist zu hoffen, daß sich die Bevölkerung nun nach dem bereits ein halbes Jahr wäh­renden Streit um den Bürgermeister beruhigt.

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() In Zehlendorf Berlin gewannen Tech­mer- Peter am Sonntag auf Brennabor das Verfolg= ungsrennen, Techmer sicherte sich auch im Hauptfahren vor Carapezzi, Arend u. a. den zweiten Platz, und A. Schulze, der die berühmte Marke gleichfalls benutzt, wurde im 20- Kilometer- Vorgaberennen hinter Motoren, welches am gleichen Tage in Chemnitz abgehalten wurde, Erster.

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