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voll und dicht, und das Vieh auf den eingehegten Weiden ruhte wohlgenährt in dem hohen, saftigen Mitchell Gras. Bisher waren wir in stetiger Gefahr, den Hals zu brechen, auf unglaublichen Wegen gereist, jetzt ritten wir auf einem breiten, festen Fahrweg, der sich mit mancher deutschen Chaussee gut vergleichen könnte. Von dem nächsten Hügel aus sahen wir ein Bild, das mich unwillkürlich in die alte Heimat zurückversetzte; ich wollte zuerst nicht glauben, daß ich mich in Australien, 12000 Meilen von Deutschland entfernt, befände.
Aus einem Kranze der schönsten Obstgärten, die alle in rosa- weißem Blütenschmucke standen, lugten die roten Dächer der deutschen Farmhäuser hervor, bläulicher Rauch stieg schläfrig aus den Schornsteinen hinauf in die heiße, zitternde Mittagsluft. Die Tauben schlie
fen auf den Dächern, und ab und zu krähte ein Hahn, sonst lag tiefe Stille über diesem idyllischen Ort. Als wir das Dorf betraten, sahen wir auf der breiten, wohlgepflegten Dorfstraße keinen Menschen. Die Häuser waren alle schneeweiß gemalt, aus Fachwerk gebaut und mit kleinen Fenstern versehen; daneben und bis weit hinter die Häuser zogen sich wohlgepflegte Gärten. Manche Häuser hatten Strohdächer, und andere verrieten durch die Bauart ihrer Giebel mit den gekreuzten Pferdeköpfen, daß ihre Bewohner Westfalen waren. Hinter den blankgeputzten Scheiben eines Hauses bemerkten wir zwei flachsköpfige Kinder, die neugierig ihre Stumpfnasen an den Scheiben plattdrückten und uns nachschauten. Vom Dorfe durch einen raschfließenden Bach getrennt, den man auf einer schwankenden Holzbrücke überschritt, erhob sich auf einem Hügel die Dorftirche. Wie ich später vernahm, braucht sich der Pfarrer hier niemals über zu schwachen Kirchenbesuch
Ingenieure geworden. In Australien braucht niemand zu hungern, der Arbeit nicht scheut, und jede Arbeit wird gut bezahlt. Sweatshops, deren es so viele in New York gibt, eriſtieren nicht. Die Regierung bewacht auch nur ähnliche Blutsaugersysteme mit argwöhnischem Auge und hat einen Minimum- Lohnsatz für alle Branchen und überhaupt für jede Art von Arbeitsleistung festgesetzt. Der Deutsche, der irgendein Handwerk gründlich versteht, mag er nun Schneider oder Schuster, Zimmermann oder Schmied, Bäcker, Schlosser, Maurer oder Tischler sein, findet in Australien sicher sein gutes Fortkommen, wenn er fleißig ist. Die Regierung läßt Riesenwerke ausführen, die vielen Tausenden auf Jahre hinaus Beschäftigung sichern. Neue Eisenbahnen mit einer Schienenlänge von 2400 Meilen werden gebaut, große Wasserwerke
und Hafenbauten sind im Entstehen begriffen, dabei herrscht überall in Australien Mangel an Arbeitskräften. Da die weiße Bevölkerung von nur vier Millionen Menschen unmöglich alle Arbeitskräfte stellen kann, die ein Erdteil von der Größe Australiens zur Ausbeutung seiner Mineralschäße und zur Kultivierung der Hunderttausenden von Quadratmeilen, die noch der ErschlieBunz harren, benötigt, so muß eben diesem Mangel durch Einwanderung abgeholfen werden.
Australien hat, wie schon erwähnt, bei einem Flächeninhalt von mehr als drei Millionen Quadratmeilen eine Bevölkerung von nur vier Millionen Köpfen. An Bodenschätzen steht das Land keinem anderen nach. Der Kohlenreichtum ist ein so großer, daß die Kohle her noch in großen Mengen abgebaut werden wird, nach dem die Bergwerke Englands längst erschöpft sind. An Holz leidet dieser Erdteil ebenfalls keinen Mangel. Der Waldbestand hat eine Ausdehnung von 185 Millionen Acres, und man findet hier die verschiedensten Hölzer vom kostbaren Mahagoni und der Jarrah, das dem Feuer länger widersteht als Stahl und Eisen, bis zu den vielen Abarten des Eukalyptus.
Ein australischer Riesenbaum.
der Männer zu beklagen. Die Leute sind hier alle protestantisch, die Väter hatten die Heimat religiöser Gründe wegen verlassen, und die Söhne haben den religiösen Sinn bewahrt. Das Dorfwirtshaus mit der Dorflinde fehlte auch nicht, und wie im alten Deutschland tanzt, trinkt und ist Jung und Alt am Sonntagabend im Kruge, während drei Musikanten ihre Weiseft ertönen lassen. Die Kinder spielen unterdessen unter der Linde und lassen sich von Großmutter Geschichten aus der alten Heimat erzählen.
Auf dem Lande beschäftigt sich der Deutsche meistens mit Ackerbau, Milchwirtschaft und Viehzucht. Auch der Weinbau ist ausschließlich in deutschen Händen, und der südaustralische Wein ist vorzüglich.. In den Städten findet man den Deutschen in allen Handwerken und Gewerben beschäftigt. Andere wieder sind Kaufleute, Ärzte, Pfarrer, Lehrer und
Das Klima von Australien kann nicht übertroffen werden und ähnelt im Winter dem von Kalifornien. Die Sterblichkeitsziffer ist eine verhältnismäßig niedrige. Die dort lebenden Deutschen, obwohl Untertanen einer fremden Macht, haben keineswegs die Fühlung mit der alten Heimat verloren. Im Gegenteil, sie sind vor allem stolz darauf, daß sie Deutsche sind, und abgesehen von mehreren guten deutschen Zeitungen, die es sich angelegen sein lassen, deutsche Sitte und deutsche Art unter den Deutschen zu erhalten, arbeitet jeder an seinem Teile, das Deutschtum zu heben und angesehen zu machen. Der Einfluß der Deutschen ist deshalb auch nicht zu verkennen. Im Innern des Landes sind die
Ein
Chinesische Prüfungshäuser.
Internationale Weltblitze.
Chinesische Prüfungshäuser.
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China ſteht jetzt vor großen Veränderungen. Das Volk verlangt die seit langem versprochene Einführung einer Verfassung, und die modern angehauchte chinesische akademische und militärische Jugend besteht auf der Europäisierung der und anderer uralter chinesischer Einrichtungen. Unser Bilo zeigt nur eine der alten chinesischen Institutionen. Die Eramina spielen in der Laufbahn des gebildeten Chinesen eine wich ige Rolle. Drei Hauptprüfungen müssen abgelegt werden: Die erste( Magister-) Prüfung wird in den Kreisstädten abgelegt, die zweite( Dottor-) Prüfung in der Provinzstaot und die dritte und letzte in Peking. Bei der Prüfung ist jeder Examinant in einer besonderen Zelle untergebracht. So besitzt z. B. Canton eine ganze Examensstadt für die Unterbringung der Examinatoren und Prüflinge. In einer langen Allee ziehen sich zur Seite von schmalen Gassen etwa 16000 aus Ziegeln gebaute, weißgetünchte Prüfungszellen hin, von denen jede nichts als einige übereinander gelegte Bretter enthält, die als Sitz und Tisch für den Examinanten dienen. Der Zweck dieses Abschlusses der Prüflinge in besonderen Zellen ist natürlich der, ihnen bei den schriftlichen Arbeiten das ,, Mogeln" unmöglich zu machen. So pflegen bei den alle drei Jahre in Canton abgehaltenen Examina 10000 bis 12000 Prüflinge zusammenzukommen und kaum 150 das Examen zu bestehen. Und dabei sind zum Teil recht bejahrte Herren unter den Examinanten.
Die Pest im fernen Osten.
in grausiger Gast hat seinen Einzug in verschiedenen Gegenden des fernen Ostens gehalten. Elnaufhaltsam dringt der furcht. bare Würgengel in Gestalt der Pest dort vor und fordert täglich neue Opfer. Besonders die nördlichen Teile der Mandschurei scheinen von der so gefürchteten und verhängnisvollen Krantheit durchseucht zu sein. Angeblich soll die Plage, die schon früher mit dem Namen„ der schwarze Tod" bekannt war, durch Bären oder andere Tiere aus der Nachbarschaft von Wladiwostok eingeschleppt worden sein, in Wirklichkeit ist sie jedoch auf die Unsauberkeit der chinesischen und foreanischen Kulis zurückzuführen, die im letzten Sommer in den nördlich von Wladivostok gelegenen Ortschaften beschäftigt gewesen und im Herbst nach der„ Beherrscherin des Ostens" zurückgekehrt sind. Im Sommer verdingen sich nämlich die koreanischen und chinesischen Kulis in den ostsibirischen Städten und Ortschaften, um dann mit dem verdienten Gelde den Winter sorgenlos in der Heimat verbringen zu können. Die ersten Nachrichten von dem Ausbruch der Pest gelangten bereits im Oktober vorigen Jahres nach Wladivostof und man hat jedenfalls versäumt, dort rechtzeitig die nötigen energischen Schritte zur Unterdrückung der Seuche zu tun. Unser Bild zeigt uns den ganz in smaragdgrüner Farbe gehaltenen Bahnhof von Charbin, auf dessen Perron bekanntlich Fürst Jto ermordet wurde. Charbin gilt eigentlich als Zentrum des furchtbaren Pestherdes.
Eine fleine Negeransiedlung auf St. Thomas.
Bahnhof in Gharbin. Umsteigestelle des Transsibirier" nach Peking.
Ein schwarzer Konflikt.
Daum haben sich die revolutionären Wellen in Meriko und Ka Nicaragu etwas gelegt und schon gärt es an anderen Stellen in den mittelamerikanischen Regionen. Diesmal sind es Honduras, sowie auch die schwarzen Republiken Haiti und San
Derningo, die wegen einer Grenzfrage in Differenzen geraten sind. Wie immer bei diesen internen mittelamerikanischen Agelegenheiten wird auch diesmal viel Pulver und Blei vergossen, um der fleinen Bewegung den nötigen ,, Knalleffekt" zu verleihen. Haiti hat von jeher in dem Ruf gestanden, ab und zu ein kleines Revolutiönchen oder einen Streit mit seinen Nachbarn haben zu müssen. Die erhitzten schwarzen Gemüter beruhigen sich in der Regel jedoch schnell wieder, sobald einige internationale" Geschütze in Sicht fommen. In Haiti regiert zur Zeit der Negerpräsident Simon. Die Insel ist nach Kuba die größte unter den Großen Antillen und hat zirka 1 Millionen Einwohner, die sich fast durchweg aus einheimischen Negern zusammensetzen. Die Hauptstadt ist Port au Prince, auf dessen Reede im Dezember 1897 zwei deutsche Kriegsschiffe erschienen, um einer rechtmäßigen Forderung mit Erfolg etwas Nachdruck zu verleihen. Im Mai 1902 vernichtete das deutsche Kanonenboot„ Panther" die nur aus dem Schiffe Grête à Pierrol bestehende haittanische Flotte" im Hafen von Genaives. Unser Bild stellt eine typische haitianische Negersiedlung dar.


