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4.2.1911 Zweites Blatt
 
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Jahr, bis endlich 1878 die liberale handwerkerfeindliche Mehrheit des Reichstages gebrochen wurde. Die rüd­sichtslose Ahlehnung der Handwerkerwünsche noch im Jahre 1877 als da waren Aenderung im Lehrlings= wesen, Beschränkung der Frauen- und Kinderarbeit, Be­schränkung der Wanderlager und des Hausierhandels ließen das längst volle Maß an Geduld überlaufen und bei den Neuwahlen zum Reichstag kam dieser ganze Un­wille des Volkes gegen diese liberalen Weltverbesserer zum Ausdruc.

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Eine wohltuende Veränderung zeigte sich bereits im Jahre 1878. Abänderung der Gewerbeordnung, Vor­schriften für den Hausierhandel, für Wanderlager, In­nungen, Meister- und Gesellenprüfungen beschäftigten nun die gesetzgebenden Körperschaften. Ein Fortschritt nach dem andern wurdes nun erreicht und langsam wurde seitens der neuen Mehrheit wieder aufgebaut, was der Liberalismus rücksichtslos niedergerissen hatte. 1881 kam das erste handwerkerfreundliche Gesetz zustande: Aenderung der Gewerbeordnung( Innungswesen) betr. 1884 folgte das Gesetz betr. Lehrlingswesen, 1884-85 der Antrag bezüglich des Befähigungsnach weises, der natürlich wie alle vorangegangenen An­träge gegen den Liberalismus angenommen wurde. Leider versagte der Bundesrat diesmal, sodaß der Be­fähigungsnachweis wieder fiel. Doch die Bresche war geschlagen. Bereits 1890 teilte die Regierung mit, daß eine Regelung der Verhältnisse der KonsuRvereine, der Gefängnisarbeit und des Submissionswesens im Ver­waltungswege seine Reformation finden werde und daß Gesetzentwürfe bezüglich der Abzahlungsgeschäfte, des Hausierhandels sowie der Handwerkerkammern vorbe­reitet würden.

Mochte auch nicht alles sich erfüllen, was man in Handwerkerkreisen sehnlichst erhoffte, es war doch ein völliger Umschwung gegen früher unverkennbar. Diese Entwickelung der Gesetzgebung in handwerkerfreund= lichem Sinne hat angehalten. Nach und nach ist man­ches, ja vieles erreicht, viel gut gemacht, soweit das über­haupt möglich ist, was Liberale und Nationalliberale verdorben. Nur der Liberalismus, vom rechten bis zum linken Flügel, ist sich treu geblieben. Er hat genau wie früher auch bis in die allerletzte Zeit immer noch dem Handwerk versagt, worauf dasselbe berechtigten Anspruch erhebt. Soweit die Nation alliberalen in Frage kommen, will ich aus neuerer Zeit nur erwähnen, daß sie stimmten(

Zur Gesangspflege auf dem Lande.

Edle Sänger

Sie machen uns den dürren Scepter blüh'n; Sie flechten den unsterblich grünen Zweig Des Lebens in die unfruchtbare Krone; Sie stellen herrschend sich den Herrschern gleich Aus leichten Wünschen bauen sie sich Throne, Und nicht im Raume liegt ihr harmlos Reich. Drum soll der Sänger mit dem König gehen, Sie beide wohnen auf der Menschheit Höhen."

( Schiller.)

Ja, es ist eine wundersame, fast unbezwingliche Ge­walt, die der Gesang auf jedes unverdorbene Menschen­herz ausübt, und unser Bestreben muß es sein, in freu­dig- ernster Vereinigung die hehre Kunst des Gesanges zu pflegen. Kann es da Wunder nehmen, wenn selbst in dem weltverlorensten Dörschen der Gesang hoch und wert gehalten wird? Ueberall sind Gesangvereine ge= gründet und sei die Ortschaft noch so klein. Wird aber auch immer in idealer Weise der Gesang gepflegt? Die Frage ist unschwer zu beantworten. Man denke nur an unsere ländlichen Ge­sangfeste. Ist es da häufig nicht geradezu ein Hohn, wenn ein 8-10 Mann starker Verein darunter viel= fach noch 5 unmusikalische und stimmschwache Sänger

auf der Tribüne erscheint und im Biedermeiertone einige Lieder im Genre des dummen August" in die Lüfte schmettert und am Ende noch zum Ueberfluß den Schlußton der Melodie um eine volle Terz zu tief singt? Es liegt uns vollständig fern, verallgemeinern zu wollen. Aber man sehe-selbst einmal zu, wie es bei einem ländlichen Gesangsfeste zugeht. Da strö­men sie zusammen auf Wagen, per Rad, zu Fuß, es fommt der programmäßige Umzug mit dem üblichen Hurrageschrei beim Passieren einer Ehrenpforte, und der Gesang ist bei den meisten Nebensache. Die größte Zahl der Besucher ist eben nur darum gekommen, um nach Beendigung der musikalischen Genüsse" in grö­Berer Gesellschaft das Tanzbein zu schwingen. Es ist nur eine verschwindend kleine Schar, die andächtig in der Nähe der Tribüne steht, um dem Gesange zu lau­schen.

Donnerstag, den 9. Febr., abends 8 Uhr in Matthäussaal: Bibelstunde.( Bilder aus der Apostelg schichte.) Pfarrer D. Schlosser.

Nächstkünftigen Sonntag, den 12. Febr., findet in Abendgottesdienst Beichte und hl. Abendmahl für Ma thäus- und Markusgemeinde gemeinsam statt. Anmel ung vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. In der Johanneskirche. Vormittags 9% Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde Pfarrer Bechtolsheimer. Abends 5 Uhr: Pfarrer Ausfeld.

Beichte und hl. Abendmahl für Lukas- und J hannesgemeinde. Anmeldung vorher bei dem Pfar jeder Gemeinde erbeten.

Abends 7 Uhr: Versammlung der konfirmierten weib lichen Jugend der Lukasgemeinde und Versamm lung der konfirmierten männlichen Jugend der Jo honnesgemeinde.

Mittwoch, den 8. Febr., abends 8 Uhr: Bibel stunde im Lukassaal. Pfarrer Bechtolsheimer. Freitag, den 10. Febr., nachmittags 4 Uhr: Ver sammlung des Frauenmissionsvereins der Lukas- Ge

meinde.

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Abends Uhr: Versammlung der konfirmierten weiblichen Jugend der Johannesgemeinde.

Bath lische Gemeinde Samstag, den 4. Februar.

Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Ge legenheit zur hl. Beicht.

Sonntag, den 5. Februar. 5. Sonntag nach Epiphanie. Mariae Lichtme ß.

Vorm. von 6% Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beicht. Vorm. um 7 Uhr: Die erste hl. Messe. Vorm. um 8 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion. Vorm. um 9 Uhr: Hochamt mit Predigt. Vorm. 11 Uhr: hl. Messe mit Predigt. Nachm. um Uhr: Christenlehre; darauf Festandacht.

Aber auch die Sänger ſelbſt können von Schuld nicht Die Ernährung u. das Blut

freigesprochen werden. Es hat sich nämlich der Brauch herausgebildet, daß jeder anwesende Verein zwei Lie­der zum Vortrag bringt, und so sind in den meisten verzeichnet, und bei Fahnenweihen, wo durchschnittlich

in den Jahren 1881, 83 und 84 gegen das Gesetz Fällen zwanzig Gesangsnummern auf dem Programm

bezüglich Erweiterung der Innungen,

1883 gegen Beschränkung des Hausierwesens, 1884 und 90 gegen den allgemeinen Befähigungs

nachweis,

1897 gegen Beschränkung der Lehrlingshaltung( Lehr­

lingszüchterei),

1897 wurde auf Antrag der Nationalliberalen der Ge­werbeordnung der§ 100qu einverleibt, welcher den Innungen nicht gestattet, einheitliche Preise

festzusetzen,

1897 gegen den Befähigungsnachweis im Bau- Ge­werbe,

1907 gegen Aufhebung des§ 100qu der Gewerbe­Ordnung.

Doch auch auf Kongressen und Parteitagen haben die Nationalliberalen auf ihre Handwerkerfeindlichkeit nicht

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verzichtet. Auf der Tagesordnung des Parteitages in Goslar 1906 stand rein schandehalber auch ein Referat über Mittelstandspolitik, also aus reinen Agitations gründen. Das ließ die Kölnische Zeitung" jedoch nicht schlafen, in heftiger Polemik sprach sie vom toten Stein", der dieser Tagung nur den Weg versperre. Der betr. Referent, der frühere Nationalliberale Abgeordnete Pa­Big leistete sich folgenden Erguß: Die Gewerbefreiheit haben wir dem deutschen Reiche mit auf den Weg gegeben, das war eine vornehme(? D. Verf.) Leist­ung der Partei." Einschränkend bemerkte er nachher, ,, daß wir keinen Mißbrauch der Gewerbefreiheit dulden dürfen und gegen Auswüchse müssen wir uns ener= gisch wenden." Daß auch dieser Ausspruch nur dem

Agitationsbedürfnis entsprach und nicht aus eigenem Trieb entstand, beweist die Haltung der nationalliber alen Partei dem Handwerk gegenüber sowohl in früh eren wie auch in späteren Jahren. Nur die Sorge um ,, ihren Besitzstand" war es, daß man öffentlich sich dem Handwerkerstand so gewogen zeigte, denn die zügellose

mehr Vereine versammelt sind als an den gewöhnlichen Gesangsfesten, sind 30 Lieder keine Seltenheit. Warum eine solche Belastung des Programmes? Ist nicht schon die Hälfte vollkommen ausreichend? Ist es auch äußerst ungünstigen Sitzverhältnissen so lange auf das Marterholz zu spannen? Das ewige Einerlei ermüdet schließlich auch den, der selbst den besten Willen mitge­bracht hat, von Anfang bis zu Ende auf seinem Platz

nicht eine geradezu starke Zumutung, die Zuhörer bei

auszuharren.

Wäre es nicht weit besser, nach vorheriger Vereinbar ung eine bestimmte Anzahl gleicher Lieder auszuwäh 80 bis 100 Sänger, die doch wohl meistens anwesend

len und auf dem Gesangsfeste gemeinsam zu singen?

somit das Wohlbefinden des gan Der Zustand des Blutes und zen Körpers hängt intim mit dem Ernährungsprozeß zusamm men. Normale Ernährung is unbedingt notwendig, um ge sundes und mit allen nötigen Bestandteil. ausgestattetes Blut zu erhalten und dem Körper Ge fundheit und Kraft zu verlei hen.

sind, könnten bei einer derartigen Handhabung eine recht schöne Wirkung erzielen. Damit soll aber keines­Wenn das Blut in seiner wegs gesagt sein, daß nicht auch stärkere und zugleich Zusammenseßung mangelt und len. Sie sind ein gutes Vorbild für die anderen San- peziell arm an roten Blutför

auch tüchtige Gesangvereine sich einzeln hören lassen sol­

gesbrüder.

Und nun die Lieder selbst, die gesungen werden sollen? Auch hier ist die Antwort nicht schwer zu finden. Ganz schlichte Volkslieder. Hier ist das fruchtbare Feld, das

einer gedeihlichen Bearbeitung auch durch unsere länd= lichen Gesangvereine harrt.

Einfach und gut, das sei die Devise!

D. 5.

Lokal- Nachrichten. Siegen, 1. Febr. Die fürzlich stattgefundene Vertreterversammlung der Nationalliberalen beschloß, den jetzigen Vertreter des Wahlkreises Berghauptmann Vo­gel für die bevorstehende Wahl wieder aufzustellen.

Weilburg, 1. Febr. Die Kruppsche Bergver

waltung beabsichtigt den Bau einer Drahtseilbahn von Eppstein"-Obershausen nach Niedershausen- Waldhausen.

Eppstein" Obershausen nach Niedershausen- Waldhausen. Gewerbefreiheit hat Jahrzehnte ihre furchbare Schreckens- Die Verhandlungen mit den Grundstücksbesitzern und

den Gemeindevertretungen sind bereits im Gange.

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Nieder- Ingelheim, 3. Febr. Präparator Hilgert hat mit einer deutschen Forschungsexpedition die

Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde.

herrschaft ausüben dürfen, ohne daß von einem energi­schen Einschreiten der nationaliiberalen Partei auch nur etwas zu sehen gewesen wäre. Doch auch hier fehlt es bei dieser Art von Politikern nicht an Entschuldigungs- ser Tage seine vierte Afrikareise angetreten. gründen. So erklärt Pazig in Goslar überaus geist­voll ,, man sei immer mit anderen wichtigen Fragen be­schäftigt gewesen". Man wird versucht, unwillkürlich zu lachen, doch die Sache ist zu ernst. Glaubt die national­liberale Partei sich auf die Vaterschaft der liberalen Ge­werbeordnung als etwas überaus Guten, wichtig ma­chen zu dürfen, dann war es gerade ihre Pflicht, die Mängel dieses ihres Werkes zu beseitigen. Sich da­mit zu entschuldigen, man sei immer so sehr beschäftigt gewesen", ist eine so dummdreiste Verschleierung von Tat­sachen, die festgehalten werden muß.

Mögen aus diesen Zeilen unsere Handwerksmeister einmal wiederum ermessen, wessen sie sich bei den Na­tionalliberalen zu versehen haben.

Wilhelm Albertsmeier.

Sonntag, den 5. Februar, 5. Sonntag nach Epiphanias. Gottesdienst.

In der Stadtkirche. Vormittags Uhr: Professor D. Schian. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäus- Ge­Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäus- Ge­meinde. Pfarrer D. Schlosser.

Abends 5 Uhr: Pfarrer Schwabe. Abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männli­chen Jugend der Matthäusgemeinde. Dienstag, den 7. Febr., nachm. 4 Uhr im Mat­thäussaal: Frauenmissionsverein.

perchen ist, dann sind Blutar mut, Bleichsucht, die natürlicher Folgen. Die Kräfte schwinden, blasses, fahles Aussehen, Ner vosität, große Müdigkeit, Ab macherung und Darniederlie gen der förperlichen und geisti gen Kräfte gen Kräfte sind die Folgen.

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Die medizinischen Zeitschrif ten haben sich in höchst schmei helhafter Weise über Leciferis geäußert, als ein nicht hoch ge aug zu schätzendes Mittel um diese Zustände zu beseitigen. Der Preis von Leciferrin is Mt. 3 die Flasche:

enthält Ovo- Lecithin 0.5, Eisen als Eisenoxydhybrat an 8uder gebunden 0.75, ar matische Bestandteile in Cognac und Alkohol 40.0. Rest destilliertes Wasser.

Preis der großen Flasche Mt. 3, zu haben in Apotheken ganz sicher von:

Universitäts- Apotheke Gießer und Engel- Apotheke in Frant furt a. Main.

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