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4.2.1911 Erstes Blatt
 
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Variété Gebirgshallen" unter den Linden gepachtet und bann mit überladenem Prunt ein Singetablissement_da­raus gemacht, das er nach seinem Pariser Vorbilde ,, Tro­fadero" nannie. Als echtes Nachtlokal öffnete es seine Pforten erst gegen 11 Uhr abends und suchte die Gäste durch Gesangsvorträge bekannter Soubretten und Schram­meln zu unterhalten. Dazu war die Weinkarte auf die Größe einer doppelten Visitenkarte reduziert: Gab es doch weiter nichts als vier Sorten deutschen Seft zu 10 unb ebenso viele Sorten echten Champagner zu 20 Mark die Flasche. Trotzdem war ein enormer Andrang, Abend für Abend war das Haus ausverkauft. Aber die Freude war nur von furzer Dauer. Die Polizei verbot dem Unter­nehmer, das Lokal nach 11 Uhr abends offen zu halten und entzog ihm auch die Singtonzession. Das führte zum Ruin. Jetzt sind der Unternehmer und seine Frau aus Berlin rerschwunden unter Hinterlassung von 150 000 M Schulden. Von den Gläubigern wurde beschlossen, wenig­ftens eine Kaution zu hinterlegen, um die Eröffnung des Konkurses zu ermöglichen, und gegen den Unternehmer Strafanzeige wegen betrügerischen Bankerotts zu er= statten.

Neue Millionen- Stiftung Carnegies. Andrew Car­negie hat den Carnegie- Dunfermline- Trust eine neue Schenkung von fünf Millonen Mark gemacht. Diese von Carnegie ins Leben gerufene Körperschaft ist nach seiner Der schottischen Geburtsstadt Dunfermline benannt. Trust verwaltet Bäder, Turnhallen, Bibliotheken, arbeitet Pläne für Erziehungsreform aus und gründet Institute für Frauen. Carnegie, der dem Trust bereits früher zehn Millionen gegeben hat, war mit der Verwaltung dieses Geldes so zufrieden, daß er weitere 5 Millionen schenkte. Maßregeln gegen die Tollfühnheit der Aviatiker. Eine seltsame Gesetzesvorlage ist dem nordamerikanischen Staate Missouri von einem Abgeordneten unterbreitet worden. Es soll demnach Aviatikern verboten werden, höher als 1000 Fuß zu fliegen, und jedes Uebertreten die­ses Verbotes soll als versuchter Selbstmord mit Strafen bis zu fünf Jahren Zuchthaus belegt werden. Auch soll jeder Flieger, ehe er aufsteigt, als Bürgschaft dafür, daß er sich an diese Bestimmungen hält, 10 000 Dollar hinter­Iegen.

Sie hat es nicht nötig! Der Schwarzw. Bote" erzählt Folgendes Geschichtchen: Einer Frau aus einem Nachbar­orte von Kenzingen fiel eine Erbschaft aus Amerika Es sollen etwa 11 000 Mart sein zu. Durch die Ver­mittlung des deutschen Konsuls war das Geld der Lan­beshauptkasse in Karlsruhe überwiesen worden und sollte nun gegen Quittung der glücklichen Erbin ausbezahlt wer­den. Die Sache hatte aber einen Haken. Die Frau ver= weigerte die Unterschrift mit der Begründung: Ich bruch kei Geld, d' Hühner lege wieder!" Alle Ueberredung war umsonst und so lagert das Geld noch in der Landeshaupt­kasse und wartet geduldig, bis die Hühner nicht mehr legen.

Rothschilds Resignation. Der bekannte Pariser Ban­fier und Millionär Rothschild wurde täglich mit Hunder­ten von Droh- und Bettelbriefen überschwemmt, in de­nen unter allen Vorwänden Geld von ihm erbeten oder brohend gefordert wurde. Eines Tages befand sich un­ter dieser unerquicklichen Post auch ein Schreiben, das aus der Picardie stammte und in dem irgend ein Schlaufopf Rothschild für einige Tausend Francs ein Lebenselixir anbot, dessen Geheimnis allein dem Schreiber bekannt sei. Der Brief atmete ein solches Gefühl der Ueberzeugtheit und Ehrlichkeit, daß Rothschild diesmal von seiner Ge= wohnheit abwich und das Angebot eigenhändig beantwor­tete. Verehrter Herr", so schrieb der philosophische Krö­sus an den Mann, der ihm das Leben verlängern wollte, ,, bis heute hat man von mir fast immer nur unter An­drohung des Todes Geld verlangt. Sie sind der erste, der mir das Leben bieter. Ich bin Ihnen für diese gute Ab­sicht dankbar, aber meine Antwort muß trotzdem ableh= nend lauten Gestatten Sie mir, Ihnen mitzuteilen, zwischen denen, die meine Tage verkürzen und denen, die meine Tage verlängern wollen, mache ich gar keinen Un­terschied

Ein Dorado für heiratsfähige Mädchen muß Kanada Jein. Obwohl in der letzten Zeit Scharen von jungen Engländerinnen nach der Kolonie ausgewandert und dort glücklich in den Hafen der Ehe eingelaufen sind, ist die Nachfrage nach Bräuten doch noch immer sehr stark. Mor­gen langt in England ein Mr. Thomas Howell aus Ka­nada an, der das Geschäft der Heiratsvermittlung im allergrößten Stile betreibt, und von einem Bräutigam­trust im großen Nordwesten mit der Einfuhr" von fünf­lausend betraut ist. Es handelt sich dabei um ein ganz reefles Unternehmen, das offenbar von der Regierung gutgeheißen wird. Die jungen Damen werden die Aus­wahl unter 50 000 heiratsfähigen Junggesellen haben, von benen vielleicht 30 000 ihre eigenen Farmen besitzen. Die anderen sind Angestellte auf diesen Farmen oder Hand­werfer in den flcinen Städten des Nordwestens von Ka­nada. Unverheiratete, junge Damen sind dort eine große Seltenheit. Sobald eine ledige junge Frauensperson auf einer Farm anlangt, werden große Gesellschaften und Tanzpartien zu ihren Ehren auf allen benachbarten Far­men veranstaltet.

Das Erbe Tolstois. Aus St. Petersburg wird der Frtf. 3tg. geschrieben: Bekanntlich hat Tolstoi in seinem Testamente das Recht auf alle seine Werke seiner Toch­ter Alexandra vermacht mit der Bedingung, daß sie vom Erlös dieser Werke das Gut Jasnaja Poljana für die da­rauf ansässigen Bauern austaufe. Der Wert des Gutes wird im allgemeinen auf etwa 3-400 000 Rubel geschätzt. von Tolstois Wann und ob überhaupt der Reinertrag Werken diese Eumme erreichen wird, läßt sich jetzt aller­dings nicht feststellen. Nun hat aber Tolstoi eine bedeu­tende Anzahl seiner noch ungedrukten Manuskripte in den letzten Jahren seiner Frau, der Gräfin Sophie Andrejew­na, geschenkt, darunter das Manuskript der Erzählung Chadi Murat", von der man sich sehr viel verspricht. Die Gräfin Sophie erklärt jetzt, daß sie zwar das Recht ihrer Tochter auf alle Werke ihres verstorbenen Mannes seit 1881 nicht bestreite, die Manuskripte Tolstois, die sich in ihren Händen befinden, aber ihr Eigentum seien, und weigert sich daher, diese Manuskripte auszuliefern, erklärt sich aber bereit. Kopien von allen diesen Manuskripten anfertigen zu lassen und ihrer Tochter zu geben. Die Gräfin fürchtet, daß sonst die Manuskripte in unberufene Hände geraten und für sie verloren gehen könnten. Die Tochter dagegen weigert sich, die Werke ihres Vaters bloß nach Kopien ohne genaue Durchsicht der Manuskripte zu veröffentlichen, und erklärt, daß mit dem Recht auf die Werke des Vaters ihr auch die Manuskripte gehörten. Man kommt zu feiner Einigung. Die Folge dieses un­erquidlichen Streites zwischen Mutter und Tochter ist die

daz die Herausgabe sämtlicher noch ungedruckter Werke Tolstois, auf die das russische Volt mit Spannung wartet, sich immer länger hinzieht und der Zeitpunkt, wann diese Werke erscheinen werden, immer noch nicht bestimmt wer­den kann.

Ein Denkmal für die Märtyrer der Flugkunst. In Frankreich wird in Kürze ein stattliches Denkmal entstehen, das die Namen der kühnen Flieger, die im Dienste des Fortschrittes ihr Leben geopfert haben, verewigen und der Nachwelt die Erinnerung an die Märtyrer der Flugkunst mach erhalten soll. Im Vordergrund des Denkmals steht ein realistisches Motiv: man sieht am Boden einen abge= stürzten Flieger, begraben unter den Trümmern seines Apparates, der bestimmt war, ihn zum Ruhme hinaufzu= führen. Dahinter steht eine geflügelte Gestalt, den Ober­förper leicht zurückgebeugt, die Arme wie klagend gegen den Himmel erhoben, der Schmerz der Menschheit über die Ungerechtigkeit des Schicksals. Auf der Rückseite des Denk­mals, wo die Namen der im Kampfe um die Eroberung der Lüfte Gefallenen eingemeißelt werden, sitzt eine trauernde Idealgestalt, von Schleiern umhüllt.

Menschenfresserei in Südkamerun.

Die deutsche Strafexpedition, die vor einigen Monaten gegen den Stamm der Südmaka ausgeschickt worden ist, hat, wie von folonialer Seite mitgeteilt wird, sehr inter­effante Beobachtungen gemacht, die jetzt bekannt werden. Bei den Maka ist heute die Menschenfresseret noch voll­ständig im Schwange. Dies ist um so bedauerlicher, als der Stamm im allgemeinen ziemlich bedeutende Intelligenz zeigt, und sein kulturelles Niveau bei einigen Anstregun= gen leicht gehoben werden könnte. Ihre mördlichen Stam­mesbrüder wurden im Jahre 1907 unterworfen und muß­ten strafmeise für den Eisenbahnbau Arbeiter stellen, diese Leute haben sich damals im höchsten Maße verwendbar ge­zeigt. Die Südmafa standen bisher mit Europäern oder mit bereits zivilisierten Stämmen nur in geringem Ver­fehr. Das Menschenfleisch bildet sogar ihre Hauptnahrung und zum Unterschiede von anderen Stämmen verschonen sie auch ihre eigenen Toten nicht, sondern verzehren sie ohne Scheu. Die Menschenfresseret ist bei ihnen nicht eine ge= legentliche, wie etwa bei anderen Stämmen sondern wird systematisch betrieben. Von anderen Stämmen werden Per­fonen eingekauft, in Sklaverei gehalten und gemästet, und hierauf geschlachtet und verspeist. Nur den wohlhabenden Mitgliedern des Stammes bietet sich immer die Möglich­keit, über frisches Menschenfleisch zu verfügen, die ärmeren müssen sich damit begnügen, das Fleisch erschlagener Feinde zu verwenden. Der Person, welche genügend Fett ange­setzt hat, um zum Schlachten reif zu sein, wird an dem Tage, am dem sie fällig wird, verkündet, daß sie nun sterben müsse. Der Betreffende wird nun gleich einem Stück Vieh gefesselt, aus seinen Gewahrsam geschleppt, und ohne viele Umstände zu einem Schlachtblock geführt, wo er durch einen Beilschlag in den Nacken getötet wird. Borzugsweise wird dann als besonder Delikatesse das Hirn und die Augen genossen, die fetten Fleischteile röstet man am offenen Feuer. Die minderschmackhaften" Partien unterzieht man einer Art Räucherprozeß. Diese wüsten Gebräuche bei den Makas sind nur erklärlich durch den Umstand, daß ihr Land an Fleisch äußerst arm ist, und sich weder Wild noch Fische vorfinden. Aus diesem Grunde kam die Menschenfresseret bet ihnen wieder, machdem sie vor etwa 20 Jahren schon starf im Abnehmen begriffen war, in Blüte. Die Straf­expedition, die gegen den Stamm ins Werk gesetzt wurde, hat aber ihre Wirkung nicht verfehlt, und jeder Fall von Menschenfresseret, der zur Kenntnis der Kolonialbehörden gelangt, wird unbarmherzig mit dem Tode bestraft. Ein

Der schwarze Cod in Charbin.

Entsegliche Einzelheiten über das Wilten der Pest. Der Sonderberichterstatter des New York Herald in Charbin drahtet über die Pest: Am 31. Januar spielte sich in Charbin das entsetzlichste Schauspiel ab, das sich denken läßt: Man begann mit der Massenverbrennung der Pest­leichen und fährt jetzt damit fort. Die Särge wurden in vier tiefen Schächten aufgestapelt. Die zuletzt gefundenen Leichen, die man feine Zeit gefunden hatte einzusargen, wurden freuz und quer darüber geworfen, dann Petroleum in wahren Fluten über sie ergossen und das Ganze ange= zündet. Die Verbrennungsorte werden durch Truppen be­wacht Obwohl sich jetzt so ziemlich alle Welt der furcht­baren Ansteckungsgefahr bewußt ist, fehlt es doch in keiner Weise an Kulis. die für ein paar Stopcfen bereit wären, Kadaver und Särge an Ort und Stelle zu tragen. Sie tun es ohne die geringsten sanitären Vorsichtsmaßregeln. Die Unruhen, deren Ausbruch man von seiten der chine­fischen Bevölkerung befürchtete, haben sich nicht ereignet, denn das Volk ist durch die Furcht vor dem Tode gebändigt. Die Hangersnot wächst mit jedem Tage, denn die niedere chinesische Bevölkerung, deren einzige Existenzmöglichkeit darin bestand, in der Russenstadt zu arbeiten, ist nun wegen der Ansteckungsgefahr ausgeschlossen.

Weiterhin telegraphiert ein Doktor Graham Ashland von der englischen Mission in Pefing, der nach Charbin ge­fommen ist, dem Blatte: Die Heftigkeit der Seuche über­trifft jede Vorstellung. Zahlreiche Leute kommen und ge­hen, besorgen ihre Geschäfte und sagen, sie befänden sich in bester Gesundheit. Blötzlich steigt ihre Körpertemperatur auf 40 Grad, nnd in zwei oder drei Stunden sind sie tot. Man fonstatiert eine mittlere Sterblichkeit von hundert: fünfzig Menschen am Tage, wovon vierzig bis sechzig auf die Isolierbaracen entfallen. Die übrigen werden als Leichen in den Straßen aufgelesen, wo sie wie vom Blizz getroffen plötzlich umfallen." Auch in Mukden nehmen die Todesfälle, wie in letter Stunde gemeldet wird, täglich zu. In dem bei Charbin gelegenen Dorf Tschincha ist die ge= samte Bewohnerschaft an der Best gestorben. Das hungrige Vich brüllt in den Ställen. Niemand wagt, das Dorf zu betreten.

Aus Pefing wird gemeldet: Die Chinesen sträu­ben sich hartnäckig gegen die Verbrennung der Toten. Je­der Chinese muß in seiner Heimaterde ruhen. Infolge­dessen werden große Leichendepots eingerichtet, die die Best­leichen aufnehmen, um sie späterhin den Angehörigen aus­liefern zu können. Diese Depots sind weitere Herde der Seuche. Plünderer und Marodeure haben sich eingestellt. Die Toten der Straße werden beraubt die ausgestorbenen Häuser geplündert und die Zöpfe der Vestopfer abgeschnit= ten, um mit ihnen Handel zu treiben.

Der Pestherd in Fudsjadjan. Petersburger Meldungen aus Fudsiadjan, dem Haupt­herde der Pest, melden: Tausend chinesische Soldaten wur­den aus Mufden nach Fudsjadjan beordert, um die Stadt durch einen Kordon abzuschließen. Ohne chinesischen Ver­fehrsschein wird niemand durchgelassen. Ueber 3500.berge­hoch ausgetürmte Pestleichen wurden am Donnerstag auf einem mit Petroleum getränkten Holzstoße zu Asche ver wandelt, dennoch liegen Hunderte von Leichen auf den Fel: Seru umher, von Hunden und Raben umkreist. Die Leichen werden von den Trägern brutal behandelt und an den Zöpfen geschleift. Daneben werden anläßlich des achttägi­gen chinesischen Neujahrsfestes Tänze aufgeführt und Fren= Senfeuer abgebrannt von Leuten, die selbst schon dem Tode geweiht sind. Die Dörfer in der Umgebung von Fudsiad­jan sind gänzlich ausgestorben. Die chinesischen Aerzte grei­fen nirgends ein.

Ein Westfall in Neapel?

Aus Paris wird gemeldet: Die eben hier eingetroffe ne Meldung, daß in Neapel ein Pestfall zu verzeichnen sei, hat hier lebhafte Beunruhigung hervorgerufen. Die Be­stätigung der Nachricht bleibt abzuwarten.

Drabtnachrichten und neuestes.

Staatliche Wohnungsfürsorge.

Berlin, 3. Februar. Dem Abgeordnetenhaus ist ein Ge febentwurf betr. Bewilligung weiterer Staatsmittel zur Verbesserung der Wohnungsverhältnisse der im Staatsbe trieben beschäftigten Arbeiter und der gering besoldeten Staatsbeamten zugegangen. Die Regierung stellt hierzu 12 Millionen zur Verfügung.

Gasexplosion in einem Krankenhause.

Weimar, 3. Februar. Im städtischen Krankenhaus erfolgte, als eine Krankenwärterin mit einem Licht eint Simmer betrat, eine heftige Explosion. Die Wärterin wur de aus dem Zimmer geschleudert und schwer verletzt. Durch einen Zufall war die Gasleitung an dem Sterilisierungs apparat offen geblieben, so daß das ausströmende Gas sich an dem Licht entzündete.

Freiwillig gestellt.

Breslau, 3. Februar. Am 2. Oktober v. J. wurde der Amtsrichter Siebe aus Gleiwit in seinem Jagdrevier er schoffen aufgefunden. Nach dem Ergebnis der Untersuchung nahm man an, daß er von Wilderern getötet worden war. Jetzt hat sich der Täter in Breslau der Polizei gestellt. Es tst ein seit der Tat flüchtiger Artist, ein Kunstschütze namens Dittrich. Er sagte aus, er sei von Siebe beim Wilderern betroffen und von ihm zuerst beschossen worden. Darauf habe er ebenfalls geschossen und Siebe getötet. Auf die Er­greifung des Täters waren 3000 Mart Belohnung ausge­fett.

Sensationeller Freispruch.

Trier, S. Februar. Der 18jährige Bergarbeiter Baer aus Ruemelingen, der im November v. J. den Liebhaber seiner Mutter totgeschossen hatte, wurde vom Zuchtpolizei­gericht in Luremburg freigesprochen.

Ein bankerotter russischer Fürst.

Petersburg, 3. Februar. Großes Aufsehen erregt hier der finanzielle Zusammenbruch des Fürsten Galizin, der von seinem Vater immense Besitzungen im Permer) Gouvernement geerbt hatte. Er machte aber so viele Schul den, daß auch dieses kolossale Vermögen nicht ausreichte, unt seine Verpflichtungen zu decken. Wie verlautet, foll gegen den Fürsten ein Verfahren wegen betrügerischen Banke-). rotts eingeleitet werden.

Acht Personen im Aeroplan.

Paris, 3. Februar. Bleriots Militäraeroplan- Ein­decker unternahm gestern in Beau zum ersten Male einen Flug und zwar mit sieben Passagieren außer dem Führer. Der Flug dauerte fünf Minuten, die Geschwindigkeit be­trug etwa 70 Kilometer per Stunde das Gesamtgewicht des Apparats bei dieser Fahrt 520 Kilogramm.

Untergang eines svanischen Dampfers.

Madrid, 3. Februar. Wie der Liberal aus Sagunto meldet, ist der Kohlendampfer Lepanto gefunken, wobei 22 Mann den Tod gefunden hätten. Zwei andere Dampfer sollen schwere Beschädigungen erlitten haben.

Madrid, 3. Februar. Nach einer dem Imparcial zugegangenen Meldung handelt es sich bei dem in der Nähe von Sagunto untergegangenen Schiff um den spanischen Dampfer Apanto. Die ganze Mannschaft soll ertrunken sein. Das Meer hat bereits sechs Leichen an den Strand geworfen. Die Lage der beiden anderen Schiffe soll gefähr lich sein.

Bei Schießübungen verunglückt. Rom, 3. Februar. Bei Schießübungen der Tor­pedoschule in dem italienischen Kriegshafen Spezia platte ein Torpedo. 3 Unteroffiziere wurden getötet, 10 Schüler verwundet.

Großfeuer auf einer englischen Werft.

London, 3. Februar. Gestern abend brach auf der Werft einer Schiffsbaugesellschaft in Cowes ein gefährlicher Brand aus. Man befürchtet, daß die Modell- und Mascht­nenräume zerstört sind. 3wet Torpedobootszerstörer fonn­ten noch rechtzeitig aus dem Bereich der Flammen entfernt werden.

Schneestürme in Kanada.

London, 3. Februar. Wie aus Ottawa gemeldet wird. haben schwere Etürme und starte Schneefälle in vielen Teis len Kanadas die Züge aufgehalten und den Verkehr lahm= gelegt. In Montreal und in Ottawa mußte die Straßen­bahn den Betrieb einstellen.

Die merikanische Regierung in schwerer Bedrängnis. Renporf. 3. Februar. Wie aus El Bafo gemeldet wird, hat die Polizei von Juarez in Mexiko die Pulvervor räte der Regierung in die Luft gesprenat, um zu verhin dern, daß sie in die Hände der Aufständischen fallen, die sich auf dem Vormarsch gegen die Stadt befinden. Berliner Getreide- und Schlachtviehmarlibericht.

Unter dem Einfluß des Auslandes gaben in Berlin die Weizenpreise etwas nach. erheblicherer Verflanung wirfte jedoch andauernder Erport nach Frantreich entgegen. Schlesischer Weizen wurde viel gehandelt, aber in letter Zeit ist das Angebot darin vorsichtiger geworden. Roggen war entschieden fefter gehalten. Die meist nur geringe Ver sorgung der Mühlen bewirkt, daß die Nachfrage ziemlich rege ist. Dagegen ist das Inland mit Offerten auf Abla­dung recht vorsichtig. Die Nachfrage nach gutem Auslands­roggen hat sich auch sonst gesteigert und es sind darin ver­schiedene Abschlüsse gemacht worden, obwohl die russischen Forderungen nicht nachgiebig waren. Der Wertunterschied zwischen Weizen und Roggen hat sich nicht unerheblich in dieser Mcche verringert. Das Hafergeschäft leidet unter der Abneigung der Verbraucher, die geforderten Preise zu zahlen; die Händler halten sich daher von Einkäufen bet der Landwirtschaft zurück. Dagegen trat eine sehr beden­tende Nachfrage nach russischer Futtergerste hervor, der Ver­brauch ist bedeutend gewachsen. Mais war wieder sehr still. Am letzten Tage der Berichtswoche stellten sich die Preise für Lieferung im Mai wie folgt: Weizen 204,25 M, Roggen 157,75 M, Safer 155,50 M. Mais 134,50 M.

Preise des städtischen Schlachtvichmarktes. J. Ochsen: a) vollfleischige ausgemästete höchsten Schlachtwertes, höch stens 6 Jahre alt 74 bis 79 M. 6) junge fleischige nicht aus­gemästete und ältere ausgemästete 69 bis 75 M, c) mäßig genährie, junge und gut genährte ältere 68 bis 74 M, d) ge­ring genährte jeden Alters bis M. II. Bullen: a) vollfleischige, höchsten Schlachtwertes 74 bis 77 M, b) voll­fleischige jüngere 68 bis 75 M, c) mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere 66 bis 68 M, d) gering genährte M. III. Färsen und Kühe: a) vollfleischige ausge mästete Färsen höchsten Schlachtwertes. bis M, b) voll­fleischig, onsgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes, höch stens 7 Jahre alt, 63 bis 70 M. c) ältere ausgemäftete und weniger aut entwickelte iüngere Kühe 61 bis 69 M, d) mäßig nenährte arsen und ühe 50 bis 63 M, e) gering genährte Kühe und Börsen bis 50 M, f) gering genährtes Jungvieh ( resser) 56 bis 66 M. IV. Kälber: a) Dopellender feiner Mast 104 bis 133 M, b) feinste Mastkälber 100 bis 107 M, c) mittlere Mast- und beste Saugfälber 94 bis 98 M, d) ge= ringere Mast und gute Saugfälber 84 bis 96 M, e) geringe Sangfälber 67 bis 85 M. V. Schafe: a) Mastlämmer und junge Masthammel 72 bis 80 M, b) ältere Masthammel, ge­ringere Mast lämmer und gut genährte jüngere Schafe 67 bis 7: M. c mäßig genährte Sammel und Schafe( März­schafe) 57 bis 70 M. VI. Schweine: a) Fettschweine über 3 Bentner Lebendgewicht bis 60 M. b) vollfleischige der feines ren Rassen und deren Kreuzungen über 2% Zentner Le bendgewicht 58 bis 60 M, c) vollfleischige der feineren Rassen und deren Kreuzungen bis Bentner Lebendge­wicht 57 bis 59 M, 5) fleischige Schweine 55 bis 58.M, e) ge­ring entwidelte Schweine 43 bis 55 M, f) Sauen 55 bis 50 Mark.