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4.2.1911 Erstes Blatt
 
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König Georg als Kläger.

Ein Londoner Sensationsprozeß.

Ein außerordentlicher Prozeß fand am Mittwoch vor bem Obersten Lord der Justiz in London statt. Als Kläger trat der reglerende König von England auf, nicht als Staatsoberhaupt sondern als Privatmann, Beklagter ist ein gewiffer Edward Mylius. Den Klagegrund bilden ver­leumdertsche Ausstreuungen, die Mylius in einem in Pa­ris erscheinenden Blättchen namens Liberator" veröffent­ficht hat. Seit Jahren hat in England das Gerücht fursiert und ist in manchen Kretsen geglaubt worden, daß König Georg als Prinz eine morgamatische Heirat ge­fchloffen habe; daß seine Frau, von der er nie geschieden set, zur Zeit seiner Verheiratung mit der Prinzessin Mary yon Teck am Leben war und er daher mit der Königin in Migamie lebe. Nach seiner Thronbesteigung im vorigen Jahre ist diese Geschichte wieder viel herumerzählt worden, und bereits damals wurde von dem Hofe nahestehenden Personen, vermutlich mit Genehmigung des Königs, dem Märchen nachdrücklich widersprochen.

Der Liberator" erscheint in Paris in unregelmäßigen Zwischenräumen. Seine Aufgabe tst die Verbreitung res publikanischer Ideen und die Bekämpfung der Monarchte. In diesem Blatte erschienen Ende vorigen Jahres mehrere Artikel von Mylius. In dem ersten, dessen Ueberschrift lautete: Geheiligte Bigamie", wird mit aller Bestimmt heit behauptet, der Mann, der fetz König von England set, habe 1890 auf Malta eine Tochter eines britischen Admt­rale Seymour rechtmäßig geheiratet und von ihr Nach­tommenschaft. Als er durch den Tod seines älteren Brus ders der Thronerbe wurde, habe er seine Frau im Stich gelassen. Diesen und einen ähnlichen Artikel hat der Ver­fasser Mylius dann in England auch zirkuliert und unter anderem an die Mauer eines Postamtes geheftet.

Rundschau vom Cage. Politisches.

Vorbereitungen für die Mittelmeerreise des Kaisers. Wie in Kiel verlautet, werden die Kaiserjacht Hohen­zollern" und ihre Begleitschiffe im Laufe dieses Monats die Ausreise nach Venedig für die Mittelmeerreise des Kaisers antreten.

Die gemeldete Ablehnung der Besteuerung der Bun­desfürsten durch die Reichswertzuwachssteuer, die die dritte Lesung des Gesezentwurfes im Reichstag brachte, ist, wie der Frantf. Generalanz." erfährt, ohne beson­deren Wert. Die Bundesfürsten lehnen entschieden ab, sich einem vom Reichstag ausgeübten Zwang zu fügen. Es schweben jedoch, nachdem der König von Preußen seine Bereiiwilligkeit zur freiwilligen Zahlung der Wertzumachssteuer erklärt hat, tatsächlich Verhandlungen, um eine freiwillige Verzichtleistung sämtlicher Bundes­fürsten auf das Steuerprivileg in aller Bälde durchzu­führen. Bedingungslose Voraussetzung hierfür ist jedoch, daß der Reichstag ablehnt, einen 3wang auszuüben und daß er die Verfassungsrechte der Bundesfürsten nicht an­greift.

Mylius wurde im Dezember verhaftet und da er ble thm cuferlegte Kaution von 20 000 Pfund nicht stellen konnte, bis zur Verhandlung in Haft behalten. Vor Beginn der Berhandlung forderte der Angeklagte, daß der König per­sönlich vor Gericht erscheine, was der Lord- Oberrichter ab­wies. Mylius veteidigte sich selbst. Für den König erschie­nen die Kronanwälte, namens deren General Isaacs dte Anklage begründete. Er hob ausdrücklich hervor, daß fet­nerfci republikanische Aeußerungen oder sonstige politische Angriffe des Mylius zur Klage stünden, sondern nur der behauptete Sachverhalt. Man habe die Anklage nicht wegen hochverräterischer Ausstreuungen, sondern wegen gewöhn licher Berleumdung erhoben. Der König fordere bloß sein Recht als Mann, Gatte und Vater, wie jeder Bürger. An Mylius' Behauptungen set nicht der Schatten etner Wahr­helt. Dabei habe der König den Nachteil, micht wie andere Kläger. als Zeuge erscheinen und durch seinen Eid den An­geklagten zur Verurteilung bringen zu können. Nach dem Gesetz sei dies dem König unmöglich, selbst wenn er es wolle. Es müsse deshalb der Beweis erbracht werden, daß der behauptete Sachverhalt unwahr sei.

Der Oberpräsident von Westfalen, Freiherr von der Rece, wird demnächst sein Abschiedsgesuch aus Ge­sundheitsrücksichten einreichen. Freiherr von der Rede ist Seit dem 2. September 1899 Oberpräsident von Westfalen. Vorher war er bekanntlich vier Jahre lang preußischer Minister des Innern.

übergegangen ist, die Selbstverwaltung einzufuyren, ist der Danziger Stadtrat Houtermans gewählt worden.

Bei der Bestattung Singers, die am Sonntag mittag vom Hause der Verlagsanstalt Vorwärts" in Berlin aus erfolgen soll, rechnet man auf eine Beteiligung von zirka 50 000 Personen. Die Ordnung im Zuge wird durch von der Partei gestellte Ordner aufrecht erhalten.

Ein Mieterschutzverein, der durch Aufstellen schwarzer Listen, durch gemeinsame Regelung der Vertragsbeding­ungen usw. den Hausbesizern gegenüber die Interessen der Mieter wahrnehmen will, hat sich in Worms gebildet.

Unstimmigkeiten im Seniorentonvent des preußischen Abgeordnetenhauses werden von Berliner Blättern mit­geteilt. Danach ist es dem Abgeordneten Hobrecht, dem Borsitzenden des Seniorenkonvents, in letzter Zeit unmög­lich gewesen, eine Sitzung dieser in der Geschäftsordnung nicht vorgesehenen, aber durch den parlamentarischen Brauch eingeführten Körperschaft zustande zu bringen, da die Konservativen ihrer Ankündigung gemäß infolge der legten Zusammenstöße der Sozialdemokraten mit dem Präsidenten den Sizungen fernbleiben, solange ihr ein Sozialdemokrat angehört.

Als Zeugen wurden darauf Admiral Seymour, der frühere Kommandeur der britischen Mittelmeerflotte, dessen jetzt verheiratete Tochter Frau Napier sowie Seymours Sühne vernommen. Es wurde festgestellt, daß Admiral Seymour das Kommando in Malta erst übernahm, als der König bereits die Königin geheiratet hatte, nämlich im Jahre 1893. Ein Beamter der Admiralität wies aus den Logbücher der Schiffe, auf denen der König diente, nach, daß dieser zwischen 1888 und 1901 nie in Malta war. Fer­ner erschien: der Kronanwalt von Malta und beeidete, daß er sämtliche auf Malta geführten Trauregister von 1886 bis aum C. Juli 1893, an welchem das Königspaar heiratete, durchsucht habe, ohne den Namen des Königs oder den einer Mik Seymour zu finden.

Der Angeklagte machte zu seiner Entlastung keinerlei fachliche Angaben, sondern forderte nur heftig das Erschet­nen des Königs. Er sprach dem Gericht die Kompetenz ab und setzte sich dann unter Protest nieder. Die Jury fand that cinstimmig schuldig und er wurde zu zwölf Monaten Gefängnis verurteilt.

Eine Kolonialreise des Kronprinzen.

Eingestellte Brauereibetriebe in Bayern. Die dem reichsten Manne in Bayern, Freiherr von Cramer- Klett, gehörige Klosterbrauerei Wessobrunn in Oberbayern hat, weil sie den Bierpreis nicht erhöhen wollte, den Betrieb ein­gestellt. Ebenso hat Graf Freysing in Moß schon vor einiger Zeit den Betrieb eingestellt.

Das größte Unterseeboot der Welt, das französische Boot Mariotte", mit einer Wasserverdrängung von 1100 Tonnen, ist am Donnerstag in Cherbourg vom Stapel ge­Taufen.

Keine Deffnung der belgischen Grenze. Eine erneute Eingabe mehrerer niederrheinischer Städte und Korpora­tionen auf Deffnung der belgischen Grenze für Einfuhr von beschränkten Mengen lebenden Schlachtviehes ist, wie aus Cöln gemeldet wird, vom preußischen Landwirtschafts­minister abermals abschlägig beschieden worden un­ter der Berufung auf seine früher im Reichstage abgegebe= nen Erklärungen. In interessierten Kreisen will man sich nunmehr mit einer Immediateingabe an den Kaiser wenden./

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In große Aufregung wurden in vergangener Nacht die Reisenden des D- Zuges Berlin- Bromberg versetzt. Ein Reisender wurde plößlich irrsinnig, fobte und schrie, entle­digte sich sämtlicher Kleidung und rannte nackt auf dem Seitengange des stark besetzten Wagens hin und her. Als der Zug in Bromberg eintraf, wurde der Unglückliche aus dem Wagen entfernt und in das Krankenhaus gebracht. Der Mann ist ein russischer Rechtsanwalt.

Eine Konferenz über wichtige militärische Eisenbahn­fragen hat am Dienstag nach der Germania im Berliner Generalstabsgebäude stattgefunden. Die sog. Linienkom­mandanten, verschiedene Generalstabsoffiziere aus dem Reiche und die Präsidenten der Eisenbahndirektionen wa­ren hierzu eingetroffen. Ueber die Einzelheiten der Ver­handlungen with Schweigen beobachtet.

Eine überraschende Entdeckung machten Möbelträger in Steglitz bei Berlin. Eine in der Schloßstraße dort woh­nende Rentiere zieht nach Leipzig um. Als nun am Mitt­woch die Möbelträger ein Sofa auf der Straße auseinan­dernahmen, um es besser verpacken zu können, fielen dret Tausendmarkscheine heraus. Die Besizerin hatte das Geld vor Jahren im Sofa versteckt und es inzwischen verges­fen! Die chrlichen Möbelträger erhielten eine anständige Belohnung.

Der bayerische Bauernbund in Franken, der einst mit großen Hoffnungen ins Leben gerufen wurde, hat sich voll­ständig aufgelösi. Ein Teil des Bundes ist dem Deutschen Bauernbunde beigetreten und bildet eine Abteilung Bayern. Ein anderer Teil hat in einer Generalversamm­lung in Kissingen den Anschluß an den Bund der Land­wirte beschlossen.

Auf Grund der Mitteilungen des Staatssekretärs des Reichsmarineamts in der Kommission wird der Korrespon­denz Deer und Politik" aus Hoffretsen versichert, daß man mit ziemlicher Bestimmtheit auf eine Reise des Kronprinzen In die deutschen Kolonien wird rechnen können. Die Reise ist fibrigens schon früher an maßgebender Stelle erörtert worden, bevor die näheren Bestimmungen über die Kron­prinacnreise nach Ostasien getroffen wurden. Es hat sich aber herausgestellt, daß neben den Schwierigkeiten der Zeit­einteilung auch noch andere Bedenken dem Plane vor der Hand entgegenstehen. Selbstverständlich ist über den Ter­min, sowie über nähere Einzelheiten der Reise noch nicht das geringste festgesetzt, zumal der Kronprinz noch unter­wegs ist. Es ist nur zu sagen, daß sowohl der Kaiser wie auch derkronprinz von jeher einer Reise des Kronprinzen in die Kolonien geneigt waren, und daß dieser Plan jetzt nach vorzeitigem Abbruch der Asienreise cifriger erwogen wird und seiner Verwirklichung näher geführt worden ist. Man wird annehmen dürfen, daß entgegen anderen Meldungen eine Wiederholung der Ostasienreise unterbleibt.

Der Familienschmuck der Wallutjeffs.

Kriminalroman von Freifrau G. v. Schlippenbach. ( Nachdruck verboten.)

23)

Ein schweres Brandunglück ereignete sich Donnerstag früh in der Rauchstraße im Berliner Tiergarten. In der dort belegenen Villa eines Rentters brach durch Unvor= sichtigkeit ein Brand aus, bei dem der Rentier lebensge­fährliche Brandwunden davontrug, sodaß er nach dem Kran fenhaus geschafft werden mußte. Vier junge Mädchen, die infolge starter Verqualmung die Treppe nicht mehr passie­ren fonnten, flüchteten auf das Dach eines Wintergartens und wurden von hier ans durch die Feuerwehr über Lei­tern in Sicherheit gebracht.

Opfer des Eissports. In Wartenburg( Bez. Magde­burg) ertrank ein 14jähriges Schulmädchen bei der Rettung seiner im Eise eingebrochenen Schwester. In Eldelstedt bei Hamburg brachen zwei Brüder beim Schlittschuhlaufen ein und ertranken.

Der deutsche Konsul Freudenberg in Colombo, der Hauptstadt Ceylons, ist, wie von dort gemeldet wird, ge= storben. Konsul Freudenberg hat vor wenigen Wochen erst den deutschen Kronprinzen in Colombo empfangen. Freudenberg ist seit 1873 in Colombo. Anfänglich befaßte er sich nur mit dem Kaffeeexport nach Europa; jetzt hat das Haus Freudenberg& Co. auch eigene Fabrikanlagen zur Herstellung von Cocosöl und Knochenmehl. Das deut­sche Vizekonsulat in Colombo wird von einem Sohne des Verstorbenen verwaltet; er dürfte nunmehr der Nachfol­ger seines Vaters werden.

Die glückliche Ehe mit Jegor Wallutjeff ver= Scheuchte vollends alle Schatten, die sich einst über das Gemüt des jungen Mädchens gelegt hatten, und seit der Geburt ihres Knaben meinte Marie oft, daß es kein glück­licheres Los auf Erden geben könne, als das ihrige.

Der Plan zu einem großen Nanb in der Mostaner Kirche zur Erscheinung der heiligen Jungfrau, die enorme Reichtümer besitzt, wurde den Behörden verraten. Die Diebe wurden bei der Arbeit überrascht. Einer von ihnen wurde im Altarraum verhaftet.

Die Opfer des Erdbebens auf den Philippinen. Nach neueren Angaben beträgt die Zahl der bei dem jüngsten vulkanischen Ausbruch auf den Philippinen und der damit verbundenen Springwelle ums Leben gekommenen Per­fonen etwa 600.

Eine neue Russenanleihe in Frankreich? Die Pe­tersburger Telegraphenagentur" ist zu der Erklärung er­mächtigt, daß das Gerücht, an der Pariser Börse stehe die Emission einer russischen Eisenbahnanleihe im Betrage von 1200 Millionen& rancs bevor, jeder Begründung entbehrt. Die russische Regierung beabsichtigt nicht, Kreditoperatio= nen vorzunehmen, und bedarf nicht einer solchen. Ebenso steht für die nächste Zeit keine Staatsanleihe zu Eisen­bahnzwecken bevor.

Kleine Nachrichten.

Zum Bürgermeister in Windhuk, dem Regierungssitz unserer südwestafrikanischen Kolonie, das kürzlich dazu

Die Trauerfeier verlief mit all dem Pomp, der bei solchen Gelegenheiten durch die Etikette vorgeschrieben war. Ein zahlreiches Trauergefolge füllte die Schloß­firche, in deren Mitte der Metallfarg, welcher Anastasias Sterbliche Hülle barg, von Herrlichen Treibhausblumen umgeben, stand. Die Bauern der beiden gräflichen Güter versammelten sich vor dem Schloß. Die Dorfältesten hat­ten um die Ehre gebeten, ihre gütige Herrin zur letzten Ruhestätte tragen zu dürfen, denn Anastasia Pawlowna war allgemein beliebt gewesen. Sie sorgte- als sie noch unter den Lebenden weilte, für ihre Untergebenen, nahm sich der Armen an und besuchte sie, sobald sie in Walkowa weilte, was jeden Sommer geschah; denn die Ruhe des einsamen, waldumrauschten Stammsizes der Familie tat der alten Dame unendlich wohl nach dem anstrengenden geselligen Leben in der Zarenstadt. Nur die letzten Jahre mußte Gräfin Anastasia aus Gesundheitsrücksichten die ausländischen Bäder und Luftkurorte besuchen; sie blieb ihrem geliebten Wallowa fern. Und nun kehrte sie sür immer zurück, um ihr Grab neben dem des ihr im Tode vorangegangenen Gatten zu finden.

Aus den Gerichtssälen.

Eine Gerichtsentscheidung über den Impfzwang. Das preußische Oberverwaltungsgericht hatte zu der für viele Eltern überaus wichtigen Frage Stellung zu nehmen. ob Eltern verpflichtet sind, ihre Kinder impfen zu laffen. Der Kaufmann T. war in Strafe genommen worden, weil er seine Tochter nicht hatte impfen lassen; in letzter In­stanz war er aber freigesprochen worden. Alsdann erhielt er die polizeiliche Aufforderung, sein Kind impfen zu lassen, andernfalls würde die Polizeibehörde die Impfung auf Kosten des T. ausführen lassen. Nach fruchtloser Beschwerde erhob T. Klage und betonte, ein Jmpfzwang bestehe nicht; der Zwang in dem Entwurf des Impfgesches sei durch den Reichstag beseitigt worden. Das Oberverwaltungsge­richt wies jedoch die von T. erhobene Klage ab und führte u. a. aus, es habe unzweifelhaft in der Absicht des Gesetz­gebers gelegen, einen Imp fawang einzuführen. Die Po­lizeibehörde könne die Impfung auf Kosten des Vaters durch einen Arzt vornehmen lassen, wenn der Vater nicht dafür sorge, daß sein Kind geimpft werde. Abweichend von anderen Oberlandesgerichten nimmt ferner das Kammer­gericht an, daß ein Vater nicht nur einmal, sondern wieder­Holt verurteilt werden könne, falls er sein Kind impfen lasse. Nur in dem Falle branchen Eltern ihre Kin­der nicht impfen zu lassen, wenn damit im einzelnen Falle eine Gefahr für Leben und Gesundheit verbunden sei. Auch besteht ein Impszwang nur für Kinder, nicht aber für er= wachsene Bersonen.

Die treue Jrinja war mit dem Grafen in Wallowa eingetroffen; sie sollte dem persönlichen Dienste Maria's beigegeben werden, denn so hatte die Verstorbene es oft geäußert. In aufrichtigem Schmerze stand das der Fa­milie treu ergebene Fräulein unter den Leidtragenden.

Das Erbbegräbnis lag etwa vier Werst von dem Schlosse entfernt, mitten im dichten Walde. Hier ruhten viele Generationen des alten russischen Magnatengeschlechts, das seinen Adel auf Iwan des Graufamen Regierung zu­rückführte.

War nicht der Mörder Andreis indirekt auch der Mörder der Mutter Jegors gewesen? Ohne jenes grau­sige Verbrechen hätte sie wohl noch leben können. Der Sohn dachte es, und mehr als je wünschte er, daß Clairons Bemühungen, den Raubmörder zu entdecken und der ge­rechten Strafe zu überliefern, von Erfolg gekrönt sein möchten.

Die sterbliche Hülle der Gräfin Anastasia Pawlowna war nun der Mutter Erde wiedergegeben; die Nachbarn und Freunde verabschiedeten sich von Jegor und Maria. Die junge Frau hatte sich tapfer gehalten. Jetzt aber, wo sie allein ist, und die festen Mauern des Schlosses ste umfangen, bricht sie kraft- und mutlos zusammen; sie weint herzbiechend und flammert sich an ihren Mann.

Du mußt schlafen," sagt der Graf, ich werde Dir ein Schlafpulver eingeben."

Sie ist so müde und nervös, daß sie willenlos gehorcht.

Vermischtes.

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Mit 150 000 Mart Schulden verschwunden. Das nächt­liche Berlin ist um eine bedeutende Attraktion ärmer ge= worden. Ein findiger Unternehmer aus Wien hatte, um einem dringenden Bedürfnisse" abzuhelfen, das alte

Bald decken die langen Wimpern die dunkelblauen Augen. Jegor sitt neben dem Bett. Krampfhaft hält sein junges Weib seine Hand umflammert, als ob sie sich fürchtete. Einige Male versuchte er, sich zu entfernen, aber jedes Mal erwachte Maria.

Get' nicht fort," flehte sie halb im Schlaf. Und er bleibt; er hält treue Wacht, bis seine Frau wirklich fest und tief schläft.

nach Beute. In mehr als einen Stall der entfernt lie­genden Bauerngehöfte brachen sie ein, und sogar ein klei= nes Kind versuchten sie zu erwürgen. Zum Glück ver­scheuchte der Vater die Bestien noch rechtzeitig.

Jegor Wallutjeff hat dies erfahren, und sein Jäger­herz regt sich mächtig. Er muß noch ungefähr eine Woche auf dem Gut Wallowa bleiben, um mit seinen Verwaltern noch manches zu ordnen. Der Graf will auf die Wolfsjagd. gehen; sein sicherer Schuß hat noch selten gefehlt, er hofft, einige Wölfe zu erlegen. Eine große, dunkle Gestalt läuft da soeben über den Platz vor dem Schloß. Sie ist zu groß für einen Hund; grünliche Augen funkeln aus dem Kopf. Einige Sekunden bleibt das Untier stehen; es ist ein riesengroßer Wolf. Des Grafen Hand zuat nach der doppelläufigen Flinte, die an der Wand hängt; aber er sagt sich, daß er den Schlaf seiner Frau nicht stören darf, und gerade an dem heutigen Trauertage widerstrebt es ihm, seiner Jagdleidenschaft nachzugeben.

Der Graf tritt an das Fenster seines nebenanliegen­den Schreibzimmers und blidt hinaus. Es ist eine mond­helle Nacht. Wie gespenstische Schatten ragen die das Schloß umgebenden hohen Bäume empor. Und plötzlich ertönt wieder das unheimliche Geheul der Wölfe aus dem Walde herüber. Der Schnee, der in den letzten Tagen gefallen ist, hat die Erde an manchen Stellen fußhoch) be­deckt. Die wilden Raubtiere hungern: Sie suchen gieria

Na warte," murmelte er leise, ich kriege Dich schon noch."

Er meint damit den Wolf, der sich leise davonschleicht. Die Bestie muß wohl nichts gefunden haben, was ge­eignet gewesen wäre, ihren Hunger zu stillen. Ihr wil­des Geheul erklingt nach einer Weile schauerlich aus dem Walde. Weiter und weiter dringt es herüber, bis es in der Ferne erstirbt.

Jeger!" ruft Maria ängstlich.

Er eilt zu ihr und beruhigt sie, dann legt auch er sich zur Ruhe.

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Am liebsten wäre die Gräfin schon am Tage nach der Beerdigung zurückgereist; aber Mallutjeff bat ste, noch zu bleiben, bis er die dringendsten Geschäfte geordnet hatte. Alle Tage bekamen die Eltern eine Depesche aus Petersburg von Lisaweta Borissowna; der kleine Aleret war gesund und munter. Durch diese guten Nachrichten beruhigt, blich Maria in Walkowa; die Stille des Waldes tat ihren Nerven gut. ( Forts. folgt.) 7

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