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ander hatte. Neben den Bräuten" hatte er ferner auch eine Reihe von Liebschaften, die er mit dem Gelde der betrogenen Jungen Damen aushielt. Der Konkursverwalter hat festge= stellt, daß sich die Schulden des Angeklagten auf insgesamt 63800 M belaufen. Davon kommen gegen 36000 M auf die betrogenen Mädchen. Die medizinischen Sachverständigen bezeichneten Christin als erblich belastet, aber verantwort­lich. Das Arteil lautete auf fünf Jahre Gefängnis und fünf Jahre Ehrverlust unter Anrechnung von sechs Mona­ten Untersuchungshaft.

Vermischtes.

Ein Chinesenviertel in Berlin. Die chinesische Kolonie, die sich vor mehr als einem Jahre in der Umgegend des Schlesischen Bahnhofs gebildet hatte, und deren Mitglieder­zahl in der letzten Zeit merklich zurückgegangen war, hat In den Wochen vor Weihnachten wieder einen großen 3u­wachs erhalten. Männliche Personen aller Altersstufen sind aus dem Himmlischen Reich" nach Berlin gekommen, um hier Handel mit ihren selbstgefertigten Waren zu treiben. Bevorzugt wird von den Chinesen die Breslauer Straße, in deren Häusern man hier und da vier bis sechs der gel­ben Fremdlinge antrifft. Sie wohnen in möblierten Stu­ben und hausen meist zu zweien. Ihr Essen bereiten sie sich selbst und holen sich dazu alles Nötige vom Schlächter und aus anderen Geschäften. Während der Weihnachtszeit ha­ben sie durch den Verkauf ihrer Waren, die sie in Läden und namentlich in Gastwirtschaften feilzubieten pflegen, ein gutes Geschäft gemacht.

Eine Höllenfahrt. In der Umgegend von Neckarsteinach im badischen Nedartal fand dieser Tage früh morgens ein zum Eisenwerk gehender Arbeiter auf der Landstraße ei­nen Betrunkenen liegen; der Arbeiter lud den Betrun fenen kurzerhand auf den Rücken und schleppte ihn mit zur Werkstätte. Als dort der Bacchuspriester später aufwachte und die rotglühende Esse sah mit dem halbnackten, rußigen, ein gewaltiges Schüreisen schwingenden Mann, da fiel er in die Knie und stotterte: Liewer Deiwel! Herr Deiwel! Ach Gott, ach Gott! Ich bin scheint's geschtern im Rausch gschtorwe!"

Atlas" oder ein ergögliches Mißverständnis.- so könnte man die Geschichte betiteln, die der jetzt 73jährige Landtagsabgeordnete und Berliner Stadtverordnete Kreit­ling jüngst am ,, Köllneraner- Abend" erzählte. Kreitling ist in Neu- Zittau bei Schmödwitz als Sohn eines Schiffers ge= boren und erhielt den Anfangsunterricht durch einen Leh­rer, der zugleich Leineweber war. Als er neun Jahre zählte, zogen seine Eltern nach Berlin, und der Junge tam auf das Köllnische Gymnasium, das sich damals noch im alten Köll­nischen Rathaus in der Breiten Straße befand. Am zweiten Tage sagte der Ordinarius der Serta, daß die Schüler fol­genden Tages zur Geographiestunde den Atlas mitbringen sollten. Der junge Kreitling und seine Eltern hatten keine Ahnung davon, was damit gemeint war. Mutter Kreit­ling meinte aber, daß ihr altes Brautkleid aus Atlas be= stehe. Es sei zwar schon sehr altersschwach, aber ein Stück, vielleicht wie die Schulmappe groß, lasse sich noch heraus­schneiden. Gesagt, getan! Der junge Kreitling stedte darauf vergnügt den Stoff in seine Mappe. Als die Geographie­stunde herankam, befahl der Ordinarius, den Atlas vorzu­nehmen. Kreitling nahm sein Stüd Atlaszeug heraus und legte es vergnügt auf den Tisch, zum Staunen des Leh­rers und der Mitschüler. Natürlich klärte sich das Mißver­ständnis zu allgemeiner Heiterfeit rash auf. Seit dieser Zeit aber hatte Kreitling den Spitznamen Atlas".

Ein Kleinbahnidyll. Aus der Provinz Sachsen wird den ,, L. N. N." das folgende Eisenbahnidyll mitgeteilt: Stand da an einem nebligen, naßtalten Dezembermorgen bas Züglein der Wolmirstedt- Kolbitz- Kleinbahn, die durch bas alte Jagdrevier des Kaisers, den Leylinger Forst, führt, zur Abfahrt an der Anfangsstation bereit. Schwer lagerte sich der dicke Qualm, der dem Schlot des Dampfros­ses entqquoll, auf das kleine Bahnhofsgebäude; im unsiche= ren Schein der Morgendämmerung brannten die Gaslater­nen noch trüber als sonst. Nur wenige Reisende, fast alles Stammgäste", waren auf den hohen, unbequemen Stufen in die Abteile geklettert; aber diese wenigen wurden durch berufliche Pflichten gezwungen, auf Pünktlichkeit bedacht zu sein. So wurde der alte Herr mit der roten Tasche von allen Seiten bestürmt, warum es nicht losginge". Es wäre doch schon fünf Minuten zu spät" usw. Der Alte zudte mit den Achsein: Uns fehlt die Post, müssen halt noch ein bissel warten." Aber der Jünger Stephans fam nicht und kam nicht, so daß schließlich doch das langersehnte ,, Abfahren!" erscholl. Aechzend und pustend zog die Loko­motive die drei Wagen aus dem Bahnhof, fuhr einige hun­dert Meter, als gerade oben an der Wegebiegung der Post­bote, wild in die Pedale seines Dreirades tretend, sichtbar wurde. Und selbst den pünktlichsten Bureaumenschen er­griff jetzt das Mitleid. Man schrie zur Lokomotive hinauf: " Salt, halt!" und ermunterte durch verschiedene Feste, feste!" den schnellen Radler, und siehe da, auch den Zug­führer ergriff ein menschliches Rühren. Schrill ertönte die hielt der Zug auf freiem Felde. Unter dem begeisterten Händeklatschen und Bravorufen des Volks" holte jetzt der Briefträger den Zug ein und übergab seine kostbare Sen­dung dem Beamten. Für diesmal war ihm dank der Gut­mütigkeit unseres wackeren Zugführers eine tüchtige, Nase" erspart worden.

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geleistet, dem Oberbürgermeister Habermehl in edelmütigr Absicht zehn Mark zu übersenden mit der Bestimmung, die­se Summe auf Zinsen und Zinseszinsen bis zum Jahre 2300 anzulegen, um die hierdurch gewonnene Summe zu wohl­tätigen Zwecken zu verwenden. Den klugen Stadtvätern von Pforzheim schien aber das gegenwärtige Wohl und Wehe ihrer Stadt mehr am Herzen zu liegen als eine so verwegene Wirtschaftspolitik, und so forderten sie denn den Anonymus in öffentlicher Erklärung auf, feine Einwillig­ung dazu zu geben, daß das Geld schon jetzt einer wohl­tätigen Stiftung zugeführt werde. Falls er binnen vierzehn Tagen eine Gegenerklärung abgebe, werde demgemäß ver­fügt werden. Damit war aber der edle Menschenfreund durchaus nicht einverstanden, und er machte geltend, daß das Stiftungsfapital, Zinsen und Zinseszinsen nur zu Pro­zent jährlich gerechnet, schon im Jahre 2000 auf 120 M, bis zum Jahre 2100 auf 3300 M, im Jahre 2200 auf nahezu 90000 M und im Jahre 2300 auf rund 2% Millionen Man­gewachsen sei, so daß also vom Jahre 2301 an alljährlich die stattliche Summe von rund 100 000 M zur Verteilung gelangen könnte.

Der erste große militärische Ueberlandflug. Der bekann­te Aviatiker Hauptmann Mackentun und Leutnant Förster ( als Passagier) stiegen Montag nachmittag auf einem Avia­tif- Doppeldecker( mit 50pferdigem Motor) auf demlebungs­plate in Döberitz auf und landeten in Magdeburg auf dem Kracauer Anger. Die Veranstaltung der Fahrt wurde ge­heim gehalten. Der Aviatiker Brunhuber begleitete den Aeroplan im Automobil und kam eine Viertelstunde später an, als die beiden Flieger. Kurz nach der Landung des Aviatikers Mackentun landete noch ein zweiter Militär­aeroplan, der gleichfalls die Strecke Döberitz- Magdeburg zu­rückgelegt hatte. Es ist dies der erste große militärische Ueberlandflug.

Der Gipfel der Sparsamkeit. Unter dieser Spitzmarke teilt der Duisburger Generalanzeiger" eine köstliche Blüte des Bureaukratismus mit. Bei einem größeren Postamt sei die Bestimmung getroffen, daß die Beamten, die Blauſtifte geliefert erhalten, die nicht mehr verwendbaren Stümpfe ab= zuliefern haben. Es wurde nun fürzlich ein Beamter von diesem Amt nach einem anderen Ort versetzt. Er vergaß die Ablieferung seines völlig wertlosen Blaustumpfes. Bald darauf wurde er durch sein früheres Amt aufgefordert, un­verzüglich den Blaustumpf einzusenden. Da er diesen nicht mehr beitragen konnte und weitere Unannehmlichkeiten vermeiden wollte, schnitt er einen Stumpf von einem an­deren Blaustift ab und sandte ihn gut verpackt und ver= siegelt an sein früheres Amt ab, wo der Stumpf dann ver­nichtet wurde. Wahrscheinlich hat das ganze mehr gekostet, als der Beamte in einem Jahr an Blauſtiften verbrauchen fonnte.

Ausrede.( Im Restaurant.) Gast( zum Kellner): Wie fönnen Sie mir nur so eine schmutzige Serviette geben?" Kellner: Entschuldigen Sie mein Herr, die ist nur falsch zusammengelegt."

Der Festtag der Pariser Bettler.

Der Neujahrstag verlief in Paris sowie in den Pro­vinzen in gewohnter Ruhe. Die große, vom allgemeinen französischen Arbeiterbund und der Vereinigung der Syn­dikate angekündigte Demonstration zugunsten des zum Tode verurteilten Kohlenverladers Durand in Havre hat nicht stattgefunden, weil der Präsident der Republik ein reich­liches Maß von Gnade über das Haupt des Mannes ausgoß, An dessen Prozeß nun schleunigst revidiert werden soll. Stelle der gefürchteten Manifestanten ergossen sich nur wie an jedem Neujahrstage dichte Schwärme berufsmäßiger Bettler durch die eleganten Straßen des Pariser Westens und hingen sich gleich Kletten an die Rockschöße der ihre Neujahrsbesuche machenden oberen Zehntausend.

Diese Bettler und Bettlerinnen, die für diesen Fest­tag das Schlechteste anziehen, das sie besitzen, und niemals versäumten, sich mit dem durch alte Gewohnheit geheiligten Jammerkinde zu versehen, dem die Rolle eines Mitleider­regers zufällt, kommen mit den Vergnügungszügen aus allen vier Ecken Frankreichs nach der Hauptstadt, die regu­lär abgegraft wird. Da sieht man Unglückliche, die einen kunstvoll errichteten Buckel mit sich herumschleppen, Einar­mige und Beinlose, die ein oder mehrere Gliedmaßen unter­schlagen, und hin und wieder sogar Aussäßige, wie man sie schöner selbst nicht am japanischen Nationalfeiertag in den Straßen Tokios beobachten kann.

Einige von diesen auf die Pariser Mildtätig­feit spekulierenden Gewerbetreibenden sind Privatunter­nehmer und handeln auf eigene Rechnung und Gefahr. Die weitaus meisten dagegen sind, wie der Rapport eines Poli­zeiinspektors. lehrt, von Großunternehmern in der Pro­vinz, zumal in der Bretagne, dann aber auch im schönen Spanien, geheuert und per Extrazug nach Paris verfrachtet worden, und wer über kein mitleiderregendes Jammerfind verfügt, bekommt von seinem Impresario ein auf den Mann dressiertes geliefert! Die Bettler erhalten freie Fahrt hin und zurück, die nötigen Subsistenzmittel und erforderlichen­falls auch einige besonders abschreckende Lumpen. Dafür müssen sie einen gewissen Prozentsaz ihres Reingewinns an den Unternehmer abliefern, der in der Regel ausge­zeichnete Geschäfte macht. Von dem ihnen verbleibenden Reste leben die Leute dann bis zum 14. Juli, dem franzö= sischen Nationalfeiertag, an dem ebenfalls Freibettel be­steht und der sie ein zweites Mal im Jahre nach Paris führt.

Dampfpfeife, und nach etlichem Schwenken und Schaukeln Der sprechende Hand vor der Prüfungskommiſſion.

Keine Nachricht vom Ballen Hildebrandt". Von dem vermißten Ballon Hildebrandt", der am Donnerstag unter Führung des Rechtsanwalts Dr. Kohrs in Schmargendorf aufgestiegen ist, liegt noch immer keine Nachricht vor. Der Passagier, der mit dem Hildebrandt" mitfuhr, war Profu­rist Keidel. Rechtsanwalt Dr. Kohrs, der am Silvester sei= nen 30. Geburtstag feiern wollte, hatte sich seit ungefähr zwei Jahren dem Ballonsport gewidmet. Es war seine 5. Fahrt, die erste als Ballonführer, zu der er am Donnerstag aufgestiegen war. Bei einer früheren Fahrt, die er im Au­gust unternommen hatte, war er in Rußland gelandet und verhaftet worden. Keidel, der im 32. Jahre steht, hatte seine erste Fahrt mit Dr. Kohrs unternommen.

Riesenunterschleife beim russischen Roten Kreuz. Nach einer Petersburger Meldung des B. L.-A." fand eine zehn= stündige Haussuchung bei der Präsidentin des Roten Kreu­zes der Fürstin Lobanow Rostowsky, durch den Unter­suchungsrichter statt. In Alexandrowo wurden massenhaft Dokumente über Spenden aus Jetonverkäufen, besonders während des russisch- japanischen Krieges, beschlagnahmt. Die Fürstin Lobanow hatte eine Menge Agenten im Innern Rußlands mit Jetonverkäufen beauftragt. Die dafür ein= gegangenen großen Summen flossen nur zum geringsten Teil dem Roten Kreuz zu. Der größte Teil wurde unter­schlagen. Gleichzeitig fand eine Haussuchung bei dem näch­sten Mitarbeiter der Fürstin, dem Eisenbahnagenten Rado­minski statt. Auch hier wurde ein enormes Dokumenten­material beschlagnahmt.

Eine Millionenstiftung" von zehn Mark. Eine schnurrige Geschichte wird einer Berliner Korrespondenz aus Pforzheim erzählt.. Ein Anonymus hatte sich den Scherz

Der sprechende Hund" Don" des Hegemeisters Hermann Ebers in Theerhütte( Leylinger Heide) hat jetzt vor einer wissenschaftlichen Prüfungskommission sein Eramen abge= legt und, wie wir gleich vorausnehmen wollen, glänzend bestanden. Seitdem dieses Genie der Hundewelt entdeckt worden ist und in der ganzen Welt Aufsehen erregte, hat man natürlich fleißig mit dem Tier geübt, und es spricht seine Worte fetzt in geradezu verblüffender Klarheit. Auch hat sich der kluge Hund ganz aus sich selbst bemüht, neue Worte, die er im Hause bäufig hört, nachzusprechen, so daß sein Repertoire sich erweitert hat.

Vor einigen Tagen, so berichtet das Hamburger Frem­denblatt", begaben sich, mit Phonographen- und Photogra= phicapparat ausgerüstet, einige Herren zu dem Zweck nach Theerhütte, Don" wissenschaftlich zu untersuchen. In die­fer Kommission befand sich u. a. der bekannte Tierpsychologe Dr. Pfungst vom Psychologischen Institut der Berliner Uni versität sowie Prof. Dr. Vosseler, Direktor des Zoologi­schen Gartens in Hamburg. Mehrere einwandfreie Privat­lente befanden sich in der Begleitung der Gelehrten, um die aufzunehmenden Protokolle mit zu unterzeichnen. Gleich nach der Ankunft der Kommission in Theerhütte führte Herr Ebers seinen Hund vor, der zum größten Staunen der Be­jucher, insbesondere auch der wissenschaftlichen Kritiker, gleich beim ersten Versuch laut und deutlich seine Antwor­ten gab, ohne zu zögern oder sich zu irren.

Der Hegemeister fragt: Wie heißt du?" Der Hund antwortet mit tiefem Kehllaut:" Don." Zweite Frage: " Was hast du?" Antwort: Hunger," wobei die zweite Silbe besonders afzentuiert wird. ,, Was wolltest du?" " Don" rufi: Haben, haben!" Jetzt hält der Hegemeister ein Stückchen Kuchen hoch und fragt: Was ist dies?" Wie ein Jubelruf klingt es: Kuchen!" Neuerdings hat" Don" noch ein Wort hinzugelernt. Wenn die anderen Hunde, die im Hause sind, draußen Skandal machen, ruft der Haus­herr häufig das Wort Ruhe!" Als nun kürzlich die Hunde draußen wiederum kläfften, erhob Don" sich und rief zum Erstaunen der Anwesenden ebenfalls aanz deutlich Rvbe!"

Seitdem hat man auch dieses Wort mit ihm geübt, und er antwortet nun auf das Kommando: Was bittest du dir aus?" fiets das Wort: Ruhe". Außerdem sagt er noch: " Ja" und Nein", aber undeutlicher.

Nachden der Hund auch von Frl. Martha Ebers mit demselben schönen Resultat vorgeführt worden war, nahm Dr. Pfungst Notizen und ein Protokoll auf; auch wurden alle Bunkte im Leben und in der Entwicklung Dons" fest­gestellt, dann fanden mehrfache körperliche Untersuchungen statt. Am Nachmittag, als der Hund mehr als zehnmal ohne Ermüdung und ohne Widerwillen sein Pensum herunter­gesagt hatte, arbeiteten Prof. Dr. Vosseler und Dr. Pfungst ganz allein im geschlossenen Raum mit dem Hund, der sich den beiden wildfremden Herren gegenüber ebenso willig zeigte wie seinem Herrn. Alsdann wurden etwa zehn pho­nographische Aufnahmen gemacht; die Walzen befinden sich jetzt im Psychologischen Institut der Universität Berlin. Ausdrücklich wurde festgestellt, daß das phänomenale Tier weder knurrt noch bellt, sondern daß man die Hervorbrin­gung seiner artikulierten Worte nur mit Sprechen" bez zeichnen kann. Ganz seltsam nehmen sich die Stimmen der Menschen und des Hundes nebeneinander im Phonograph aus. Da der Hund viel lauter spricht", so scheinen die Stimmen von Mensch und Tier in der Wiedergabe wie ver­wechselt. Nachdem Prof. Vosseler noch eine Anzahl photo­graphischer Aufnahmen von dem Wundertier, der Familie und dem Haus, in dem es lebt, gemacht hatte, wurde die Sigung geschlossen. Während die Apparate eilig zusammen­gepackt wurden, begab sich etwas Ergötzliches." Don", der von einem zum andern ging, begann seiner Gewohnheit nach ohne Aufforderung zu sprechen. Hunger- haben- Kuchen." Niemand hätte sich gewundert, wenn der Hund Adieu" gesagt hätte.

Tr. Pfungst arbeitet über seine Untersuchungen und Beobachtungen ein Attestat aus, aus dem wohl demnächst das Hauptsächlichste veröffentlicht werden wird. Gelehrte und Laien schieden aus Theerhütte hochbefriedigt und mit der Anerkennung, daß sie die ersten Zeitungsberichte durch­aus bestätigi fanden. Das Wundertier wird übrigens dem­nächst in einer Reihe erster wissenschaftlicher Institute öf= fentlich vorgeführt werden.

Die Erkrankung Kaiser Franz Josefs

wird in Wiener Hoffreisen nach wie vor optimistisch beur teilt. Man legt ihr gar keine Bedeutung bei und glaubt, der Kaiser werde bald wieder völlig gesund sein. Bei dem hohen Alter des Monarchen verdient die Erkrankung in­dessen die größte Beachtung. In einem längeren Tele­gramm wird uns dazu aus Wien gemeldet:

Wien, 3. Januar. Die Nachrichten aus Hoffreisen be­sagen, daß die ganze Woche vergehen wird, ehe der Kaiser Schönbrunn zu einer Ausfahrt verlassen kann. Sein All­gemeinbefinden fann als ein gutes bezeichnet werden, doch verlangt sein Zustand alle mögliche Schonung. Seine Krank­heit besteht, wie eine am Abend aus Schönbrunn kommende Nachricht besagt, in einem Rachen- und Kehlkopfkatarrh, der von einem starken Schnupfen begleitet ist. Namentlich beim Schlucken treten einige Beschwerden auf, auch hat sich der Appetit des Kaisers etwas verringert. Man nimmt in Hof­freisen an, daß sich der Kaiser die Erkältung bei einer der letzten Ausfahrten zugezogen hat, bet denen er entgegen den Vorstellungen des Leibarztes einen offenen Wagen be­nußte. Die Umgebung des Kaisers weiß ganz genau, daß der Zustand des Monarchen trotz der Unbedenklichkeit der Krankheit angesichts des hohen Alters des Patienten die größte Vorsicht gebietet. Für den Optimismus, mit dem man den Zustand des Kaisers beurteilt, ist es charakteri­stisch, daß der Leibarzt des Kaisers keinen permanenten Dienst hält. Eine hochstehende Persönlichkeit, die gestern längere Zeit mit dem Kaiser zusammen war, gibt folgende Erklärung über das Befinden: Zu einer Beunruhigung ist auch nicht die Spur vorhanden, um so weniger als das System Herrscht, dem Publikum alles mitzuteilen und nicht das geringste zu verschweigen. Der Gewährsmann kann bestätigen, daß von einem Unwohlsein nicht gesprochen wer­den kann, höchstens von Unpäßlichkeit. Der Kaiser neigt zu fatarrhalischen Erscheinungen und der Leibarzt Dr. Kerzel beobachtete mit großer Freude, daß im Jahre 1910 der üb­liche Schnupfen des Kaisers ausblieb. Alle Vorsichtsmaß= regeln gelten der Verhinderung, daß sich der Katarrh auf die Bronchien ausdehnt. Der Kaiser war gestern nach­mittag guter Laune, es verstimmt ihn nur, wenn von In­achtnehmen die Rede ist.

Wien, 3. Januar. Der Kaiser hat gestern ein in warmen Worten gehaltenes Telegramm von Kaiser Wil­helm erhalten, in welchem sich dieser nach seinem Befinden erkundigt und ihm baldige Genesung wünscht. Kaiser Franz Josef hat Auftrag gegeben, das Telegramm sofort in beru= higendem Sinne zu beantworten.

Drabtnachrichten und neuestes.

Tod eines Diplomaten.

Berlin, 3. Januar. Der hessische Gesandte in Ber­lin, Maximilian Freiherr von Gagern, ist heute hier ge= storben.

Die Berliner Frauen protestieren. Berlin, 3. Januar. Eine Frauenprotestversammlung, die gestern zu den Vorkommnissen in Mieltschin Stellung nahm, war zahlreich besucht. Schließlich wurde Siß und Stimme in den Stadtverordnetenversammlungen sowie in Allen Deputationen und Körperschaften verlangt, die mit der Durchführung des Fürsorgegesebes betraut sind.

Der Ballon Hildebrand bleibt verschollen. Berlin, 3. Januar. Vom Ballon Hildebrand und seinen Insassen, dem Rechtsanwalt Dr. Kohrs und dem Prokuri= ften Reidel aus Berlin war auch gestern bis spät nachts noch keinerlei Nachricht eingetroffen. Somit schwindet die Hoffnung, ein Lebenszeichen von den Luftschiffern zu er halten, immer mehr, zumal schon fünf Tage vergangen sind, seitdem der Ballon verschollen ist.

Schwere Straßenbahnzusammenstöße. Berlin, 3. Januar. In der Chausseestraße fam es ge­stern zu einem Zusammenstoß zwischen einem Straßenbahn­wagen und einem Kraftomnibus. Der Anprall war so hef= tig, daß die linke Seitenwand des Omnibusses zertrümmert und der Vorderperron des Motorwagens eingedrückt wurde. 3 Personen wurden schwer verletzt. Ein zweiter 8u­sammenstoß zwischen einem Straßenbahnwagen und einem Omnibus ereignete sich gestern abend an der Ecke Oranien= straße und Moritzplatz. Der Vorderperron des Straßens bahnwagens und das Vorderteil des Omnibusses wurden erheblich beschädigt. Eine ganze Anzahl Personen wurden verletzt, darunter besonders schwer der Omnibusschaffner und eine Frau.

Die Bewegung unter den russischen Studenten. Petersburg, 3. Januar. Studententrupps durchfluteten gestern die Hauptstraßen Petersburgs. Die hier eintreffen­den Züge brachten zahlreiche auswärtige Studenten, die sich den akademischen Demonstranten anschlossen. Aus Odessa kommen ebenfalls beunruhigende Nachrichten. Der Präst­dent des Odessaer Lehrbezirks beurteilt die Lage an der Universität äußerst pessimistisch. Er erklärte einem Inter­viewer: Ich komme mir vor wie ein Mann, der mit rau­chender Pfeife auf einem Bulverfaß sitzt und jeden Augen­blick gewärtig sein muß, in die Luft zu fliegen."

Die gestohlenen türkischen Geheimdokumente. Saloniki, 3. Januar. In eingeweihten Kreisen wird behauptet, unter den in der türkischen Gesandtschaft in So­fia gestohlenen Dokumenten befinde sich auch eine wichtige Korrespondenz des jungtürkischen Komitees mit dem Gez fandten, wodurch eventuell Verwicklunaen entstehen könnten.