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Was ist Tripolis wert?

Um Tripolis, den letzten afrikanischen Besitz der Turket, ist der türkisch- italienische Krieg entbrannt. Wenn wirtschaftliche Interessen auf dem Spiele stan den, wenn das Heimatland die wachsende Zahl der Menschen nicht mehr faßte, die überschüssige Voltskraft einen Abfluß brauchte, dann wurden oft kolonialkriege geführt. Mit keinem dieser wesentlichen Argumente fann Italien seinen Angriffskrieg begründen. Gerade Italten hat noch Raum für viele Menschen, und die wirtschaftlichen Interessen in Tripolis Itegen noch weit in der Zukunft.

demokraten geplant. Die Sozialdemokraten wollen noch über die Handhabung des Reichsvereinsgesetzes und die Maßregelung der Eisenbahner in Elsaß- Lothringen Interpellationen an die Reichsregierung richten.

Die diesjährige Vertreterversammlung des Reichs= verbandes der Vereine der nationalliberalen Jugend findet am 3., 4. und 5. November in Karlsruhe t. B. statt. Neben den geschäftlichen Erörterungen wird jezt vor Beginn der Reichstagswahlen vor allem die polk­tische Aussprache im Mittelpunkt der Verhandlungen stehen.

Spanische Verstärkungen für Marokko. Die spant­sche Regierung sendet erneut Verstärkungen nach Me­lilla. Aus Malaga ist am Sonnabend der Dampfer La­zarone" mit 500 Soldaten an Bord abgegangen. Auf diesem Dampfer befand sich auch der Herzog Alfons von Orleans, der in einem Infanterieregiment als Leut­nant dienen wird.

Der türkische Besitz in Nordafrika umfaßt das et gentliche Tripolitanien mit der Hauptstadt Tripolis, das bts in die Sahara sich erstreckende Hinterland Fessan und die alte Cyrenaica. Tripolitanien, dessen Größe etwa der des deutschen Reiches gleicht, wird von unge­fähr 700 000 Menschen bewohnt. Einst war Tripolts eine der Kornkammern Roms, bis dann die Araber das Land eroberten und seine Kultur vernichteten. In den Tezten Jahrzehnten hat das Land einen geringen wirt­schaftlichen Aufschwung genommen. Doch noch immer tst nur ein winziger Bruchteil des Landes bebaut. Der Bodenkultur ist eine schmale 3one an der Küste, der ge­birgige Dichebel mit südländischem Gartenbau und ein­zelne Dafen im Innern erschlossen. Die Gerstenernte Tripolitantens erreicht in günstigen Jahren 750 000 Hektoliter, der Ertrag an Weizen ist bedeutend gerin­ger und das Olivenöl reicht nicht einmal für den Be­Barf des Landes aus. Nach einer vor Jahren vorgenom= menen Schäßung umfaßt die gesamte anbaufähige Fläche etwa 350 000 Quadratkilometer. Aber dieser ful­furfähige Boden kann erst in ferner Zeit unter großen Opfern dem Anbau erschlossen werden. Für den Han= del besitzt Tripolttanten eine nur geringe Bedeutung. Die Stadt Tripolis, die den einzigen guten Hafen thr elgen nennt, ist der Sammelpunkt des gesamten aus­wärtigen Handels. Einfuhr und Ausfuhr beziffern sich Insgesamt auf ca. 20 Mill. Mart. Der Sahara- oder der Karawanenhandel ist seit Unterdrückung der Stla­peret fast ganz erloschen. Um dieses Wüstenland, zu deffen Pacifizierung ungeheure finanzielle Mittel und große kolonisatorische Fähigkeiten gehören, hat Italien Ben Krieg begonnen.

Rundschau vom Cage.

Politisches

Kleine Nachrichten.

Der Kabinettsrat der Kaiserin, Dr. v. Behr- Pin­now, tritt jetzt von seiner Stellung zurück, die er seit 1904 innegehabt hat. Den zahlreichen Wohltätigkeitsan­stalten unter dem Protektorat der Kaiserin ist sein her­vorragendes Organisationstalent und seine tatkräftige Mitarbeit überall zugute gekommen.

Zur Uebersiedlung der kronprinzlichen Familie nach Danzig wird gemeldet: Die Kronprinzessin mit th ren Kindern wird schon am 12. Oktober dort eintref= fen, während die Ankunft des Kronprinzen erst am 15. Oktober erfolgen wird. Die Renovierung der Villa, welche der Kronprinz beziehen wird, ist beendet. Vor­gestern sind bereits auf dem Langfuhrer Bahnhof meh­rere Möbelwaaen aus Berlin eingetroffen. Der per­fönliche Adjutant des Kronprinzen ist mit seiner Fa­milte bereits in Danzig anwesend.

Der japanische Major Joshida, der dem Infanterie­Regiment Nr. 9 zugeteilt ist, und der seinerzeit auf dem Truppenübungsplatz Hammelburg der Spionage ver­dächtigt wurde, erhielt den Bayerischen Militärver­dienstorden 3. Klasse.

bende einer norweaischen Expedition, die sich im vorigen Jahre zur Jagd nach Spitzbergen begeben hatte, aber im Herbst infolge der ungünstigen Etsverhältnisse von der Rückkehr abgeschnitten und gezwungen worden war, auf Spizbergen zu überwintern. Die aus fünf Mit gliedern bestehende Expedition hatte während des Win­fers die furchtbarsten Qualen und Entbehrungen zu er letden gehabt. Drei Mitglieder waren im Februar Hun­gers gestorben. Die beiden jetzt Geretteten haben sich seit Monaten ohne Lebensmittel befunden und thr Le­ben zuletzt nur noch dadurch aufrechterhalten, daß sie das Leder ihrer Stiefel und ihre Belzwerkbekleidung kochten und verzehrten. Ste hatten längst alle Hoffnung auf Rettung aufgegeben und befanden sich, als sie von der Besatzung des Schiffdampfers aufgefunden wurden, in äußerster Not und halbtot vor Kälte und Hunger.

Verhaftung eines Rechtsanwalts. Der Justizrat und Notar Kayesr in Zabern im Elsaß ist am Freitag nach Unterschlagung von 150 000 M. flüchtig, furz bevor er verhaftet werden sollte.

Der neue Bürgermeister von London. Zum Lord­mayor und Bürgermeister von London wurde der be­reits 87 Jahre alte Direktor des Hospitals St. Thomas, Crosby, gewählt.

Reichskanzler v. Bethmann Hollweg, der am Frei­tag von seinem Gute Hohenfinom nach Berlin zurück­gekehrt war, hatte gleich nach seiner Ankunft eine län­gere Besprechung mit dem Staatssekretär v. Kiderlen­Wächter und prästöterte darauf einer Stzung des Staatsministertums. Auch am Sonnabend vormittag tonferierte der Kanzler erneut mit dem Staatssekretär des Aeußeren.

Aus einem Eisenbahnabteil gestoßen. Auf dem Bahnhofe Beusselstraße in Berlin wollte ein Arbeiter ein stark besetztes Abteil besteigen, wurde aber von den Insassen zurückgestoßen und geriet mit dem rechten Bein zwischen Trittbrett und Bahnsteig. In diesem Augen­blick fuhr der Zug an, wurde aber sofort zum Halten ge= bracht. Der Mann erlitt lebensgefährliche Verlegungen.

Die Giftmörderin von Nenorleans. Zur Verhaf­tung der des mehrfachen Giftmords beschuldigten, den besten Gesellschaftskretsen angehörenden Anny Craw­ford in Neuvrlcans wird noch gemeldet, daß die Ver­haftete innerhalb 14 Monaten ihren Vater, ihre Mut fer und zwet Geschwister durch Gift getötet hat. Die entfeßliche Tat hat die Mörderin bereits eingestanden. Ueber die Beweggründe sagte sie aus, sie habe ihre Fa­milie deshalb ums Leben gebracht, um in den Besitz des acht Millionen Mark betragenden Vermögens ih­rer Eltern zu gelangen

Wüste Straßentrawalle fanden Sonnabend abend in Dublin infolge des Bäckerstreiks und der dadurch verursachten Hungersnot unter der armen Bevölkerung statt. Frachtwagen wurden auf den Straßen umge­stürzt, und ihr Inhalt wurde unter die hungernden Frauen und Kinder verteilt. Die Lage ist äußerst ernst.

Für 50 000 Mart Brillanten geraubt. Bei der Ju­welierfirma Friedrich Weiland in Stettin wurde nachts ein schwerer Einbruch verübt. Die Diebe hatten sich in das Haus einschließen lassen und durchbrachen dann vom Keller aus das Gewölbe. Ste raubten Brillanten im Werte von 50 000 Mart.

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Die deutschen Opfer der Aviatik. Die B. 3. a. M." gibt eine Liste derjenigen deutschen Flieger, die ein Opfer der Aviatik geworden sind. Die Städtenamen bes zeichnen die Orte, wo die Piloten tödlich verunglückten: 18. 6. 1910: Tod. Robl, Stettin. 28. 8. 10: Ernst Bloch­mann, Habsheim in Elsaß. 1. 10. 10: Heinrich Haas, Trier. 25. 10. 10: Oberleutnant Willy Mente, Magde­burg. 6. 2. 11: Leutnant Stein, Döberib. April 11: Hans Bockemüller, Johannisthal. 23. 5. 11: Charles Laemmlin, Straßburg. 9. 6. 11: Georg Schendel und setu Passagier Voß, Johannisthal. 6. 9. 11: Oberleut­nant Neumann und sein Passagier J. Lecomte, Habs­heim. 10. 9. 11: Raymund Eyring, Weil- Stuttgart. 29. 9. 11: Paul Engelhardt. Johannisthal.

Bei Sturmwetter im Kanal strandete bei Boulogne der Dampfer König Friedrich August" von der Ham­burg- Amerika- Linte. Er wurde gegen den Wellenbre= cher getrieben und liegt noch dort. Der Dampfer hat mehrere hundert Passagiere für Amerika an Bord.

Die Marokkoverhandlungen dauern an. In Blät­tern wie der Bost" wird verlangt, daß Deutschland die Marokkoverhandlungen vertagen solle, weil der Aus­bruch des türkisch- tfaltenischen Krieges die politischen Verhältnisse von Grund aus verändert habe. Wie aber die neueren Nachrichten aus Parts zeigen, rechnet man dort noch immer mit dem baldigen Abschluß des eigent= Itchen Marokkovertrages und dasselbe nimmt man in Berlin als gar nicht zweifelhaft an, weil es sich in der Hauptsache nur noch um redaktionelle Festlegungen einzelner Bestimmungen handeln soll, über die man fachlich bereits einig fet. Der inzwischen ausgebrochene Kriegszustand zwischen Italten und der Türket ändere am Fortgang und Abschluß dieser Verhandlungen nichts. Ihr vielfach beklagtes langsames Fortschreiten erkläre sich zum großen Teil durch die Natur der Dinge, über die es gelte, detaillierte Abmachungen zu treffen. Bei der am Freitag in Düffeldorf stattgefundenen Reichstagsstichwahl erhielt Bankdirektor Dr. Friedrich ( Bentr.) 35 894, Partetsekretär Haberland( Soz.) 89 283 Stimmen. Die Sozialdemokratte ist also als Stegerin aus dem Kampfe hervorgegangen.

Aus dem Reiche der Technik.

Schwerer Fliegerunfall. Der Wiener Aviatiker In­genieur Sablatnig, der gestern mit dem Passagier Set­del von Wiener Neustadt nach Wien hin- und zurückflog, hatte eine Höhe von 400 Metern erreicht, als der Ap­parat in Brand geriet. Die Maschine stürzte mit gro­ßer Schnelligkeit zur Erde. Der Flteger wurde unver­sehrt unter den Trümmern hervorgezogen. Sein Pas­fagter hatte schwere Verlegungen erlitten und mußte nach dem Krankenhaus gebracht werden.

Bluttat eines ehemaligen Schuttrupplers. Der bisherige Schußtruppler, feßige Schreiber auf der kat­serlichen Werft Danzig, Großnick, kam in der Nacht zum Sonntag mit einem Kameraden in angetrunkenem zu­stande in eine Liförstube der Altstadt in Danzig, wo mehrere Bürger saßen. Ohne ersichtliche Veranlassung zog Großnick plötzlich einen Revolver und feuerte fünf Schüsse in das Lokal. 3wet Kugeln trafen den Tischler Wobbe in die Brust. Der an einem anderen Tische sitzende Lokomotivführer Bohl erhielt einen Schuß in die Schulter. Wobbe wurde in hoffnungslosem Zu­stande ins Krankenhaus gebracht, ebenso der leichter verletzte Lokomotivführer. Der Revolverheld, der vers haftet wurde, soll während seiner Dienstzeit in Süd­westafrika an Malaria gelitten haben und die Tat an scheinend unter den Nachwehen der Krankheit ausge führt haben.

2% Kilometer unter der Erde. Die dret ttefften Bohrlöcher der Erde befinden sich in Preußen; alle dret erreichen eine Tiefe von über 2000 Meter. Es sind dies das Bohrloch bet Paruschowitz im Kreise Rybnik mit 2003,3 Meter Tiefe, das von Schubin in der Provinz Po­sen gelegene, das 2149,4 Meter unter die Erde geht, und das tiefste mit 2239,7 Meter, das bet Czuchow, ebent= falls im Kreise Rybnik gelegen ist. Es wurde von der Königlichen Bohrverwaltung zu Schönebeck a. E. zwecks einer Untersuchung der Lagerungsverhältnisse des Steinkohlengebirges in den Feldern der Berginspektion Knurow angelegt. 7% Türme von der Höhe des Eifel­turmes würden, aufeinandergestellt, die gleiche Höhe über der Erde erreichen.

Bevorstehende Reichstags- Interpellationen. Wenn der Reichstag Mitte Oktober seine Arbeit wieder auf­nimmt, wird er neben dem reichen gefezgebertschen Stoff. den er bewältigen soll, auch eine Reihe von In­terpellationen vorfinden. Ueber die Marokkofrage wol len nahezu alle Parteien, von der Rechten bis zur äu­Bersten Linken, den Reichsfanzler interpellieren. Eine Interpellation über die Lebensmittelteuerung wird so­wohl von der bürgerlichen Linken wie von den Sozial­

5)

Aus Eifersucht.

Roman von Mar Hoffmann. ( Nachdruck verboten.)

Das größte Geschütz der Welt. Die Befestigungs­werke, die den Eingang des Kanals von Panama schüßen sollen, werden das größte Geschütz der Welt auf­nehmen. Das Rohr hat danach ein Kaliber von 488 Millimeter, es wiegt 130 Tonnen und vermag ein Ge­schoß von 1090 Kilogramm auf eine Entfernung von 16 Silometern zu schleudern. Jeder Schuß wird tausend Dollars fosten. Dieses Geschütz ist ein wahres Meister­werk moderner Technik, da es so subtil gearbettet ist, daß ein einziger Soldat genügt, diesen Koloß zu bedie= nen. Der Guß des Geschützes hat beretts begonnen, die Fertigstellung wird aber erst in zwet Jahren er­folgen.

Der Kriminalkommissar wies sogleich auf die Fuß­spuren hin, die nur von einem Manne herrühren konn­ten. Er holte ein Zentimetermaß aus der Tasche und stellte durch sonstige Messung fest, daß der Betreffende die Schuhgröße Nr. 44 habe.

Er lebt also auf ziemlich großem Fuße," versuchte der Assessor zu scherzen.

Der Untersuchungsrichter warf thm einen seiner durchdringenden Blicke zu, um thm verstehen zu geben, daß diese Sache sich durchaus nicht zu einem Spaß eigne. ,, und Ste meinen, Herr Kommissar, daß der Täter dann dort an dem Spalier hochgeklettert set?" Allerdings."

" Schön! Wollen mal sehen!"

Der kleine Herr erfaßte eine der graugrünen Let­ften und begann troß seiner Jahre wie eine Kate em­porzuklettern. Aber er hatte sich kaum einen Meter boch gezogen, so brach der Stab, auf dem er stand, und er wäre zur Erde gefallen, wenn ihn der kräftige Kom­missar nicht aufgefangen hätte.

Vermischtes.

Ein zum Tode verurteilter Fremdenlegionär. Der Fremdenleginonär Kartal ist in Paris zum Tode ver­urteilt worden, da er einem Feldwebel einen Faustschlag ins Gesicht versetzte, als dieser ihn wegen eines Diszip linbruches tadelte. Karkal hatte, nachdem schon Stil­gestanden" kommandiert war, mit seinem Nebenmann noch eine lanie Unterhaltung geführt. Darüber stellte thn der Feldwebel zur Rede und ließ ihn für einige Zeit in die Straffompagnie versetzen. Der Fremdenlegionär war darüber so erbost, daß er gegen seinen Vorgesezten handgreiflich vorging.

Martyrium einer Forschungsexpedition. An Bord eines Fischdampfers, der gestern von Spitzbergen nach Tromsö zurückgekehrt ist, befinden sich zwet ueberle=

hergehen. Sie blieben schließlich an dem Vorgitter des Gartens haften.

Was ist das, was dort an der Untermauerung des Gitters Itegt?"

Gefälschte Banknoten als Trangebühr. Ein eigen­artiges Verfahren, gefälschte Banknoten an den Mann zu bringen, hat ein Gaunerpaar in Chicago mit bestem Erfolg in die Verbrecherpraris eingeführt. Vor eint­gen Tagen erschten in der Wohnung eines der befannn­festen Chicagoer Geistlichen ein junges Brautpaar, das unter Vorlegung der Heiratslizenz um Vollziehung der Tranung bat. Der Geistliche entsprach auch der Bitte, und traute das Paar in seinem Empfangszimmer, was in Amerifa als eine durchaus legale Prozedur zu gelten hat. Nach der Eheschließung erklärte der frischgebackene Ehemann, daß er dem Geistlichen als Traugebühr 30 Dollars zugedacht habe, daß er aber leider nur eine 50­Dollarnote bet sich habe und deshalb bitten müsse, ihm den Schein zu wechseln. Der Geistliche tat das auch be­rettwillig und gab 20 Dollar heraus, mußte aber bald die Entdeckung machen, daß ihm der Gauner einen oe­fälschten 50- Dollarschein hingelegt hatte. Durch die eint­geleitete Untersuchung fam es erst heraus, daß das sait bere Pärchen den gleichen Trick vorher schon bet etwa fünf Geistlichen mit gleichem Erfolg zur Anwendung gebracht hatte.

Der Boltzist begab sich, in wettem Bogen die Fuß­spuren vorsichtig umgehend, nach der angegebenen Stelle und hob eine Letter hoch.

Aha," sagte Herr von Scharffenstein sichtlich be­friedigt, der Mensch hat die Leiter hterher und wie­der zurückgeschleppt und dabet der Bequemlichkeit halber jedesmal auf die Erde gestoßen. So sind die vier­eckigen Stapfen entstanden."

Sehen Ste," belehrte der Untersuchungsrichter die abrigen, daß es gar nicht möglich war, an diesem alten Spalter emporzuklimmen! Ich wiege nur 112 Pfund, aber selbst bet weniger als 100 Pfund wäre dieses mor­sche Gestell gebrochen. Es ist aber nicht anzunehmen, daß der Mensch bet dieser Fußgröße ein so geringes Gewicht gehabt hat. Er muß also eine Letter zur Ver­fgung gehabt haben. Und nun schauen Sie einmal, meine Herren! Hier find ta neben den Fußspuren deutliche viereckige Stapfen, als wenn er beim Gehen etne Latte oder dergleichen in den Fußboden gestoßen bat!"

Er ließ seine spürenden Blicke in der Runde um­

missar.

Bringen Ste die Letter hterher!" befahl der Kom­Er ergriff die ziemlich leicht gebaute Letter und versuchte, ob die Seitenleisten in die Spuren paßten. Die Leiter ist von dem betreffenden getragen und der Fußboden gar nicht damit berührt worden," er­flärte er.

" So?" machte der Untersuchungsrichter enttäuscht. " Uubedingt! Wie Sie sehen, Herr Gerichtsrat, mitß­ten die Spuren sonst rund gewesen sein. Ste sind aber viereckig."

Das ist allerdings wahr! Die Sache wird dadurch rätselhafter. Dte Spuren sind eben frisch wie die Fuß­tapfen. Auf irgend eine Weise und zwar zu derselben Zeit müssen sie doch hierhergekommen sein!"

Der Assessor zuckte verlegen die Achseln, und Herr von Scharffenstein fuhr fort: Gehört diese Letter Hier zum Hause, Herr von Marleben?"

,, Vielleicht von einem eigenartigen Spazierstock?" witzelte der Affeffor wieder lächelnd.

Darüber wird das Dienstmädchen Auskunft geben können."

Sie wurde herbeigeholt und zeigte gleich ihre Ver­wunderung darüber, wie diese Letter, die sonst hinten im Holzstall zu stehen pflegte, hierher gekommen sein möge.

Ich möchte Ste doch bitten, Herr Assessor, die Sache etwas ernster zu nehmen! Bedenken Ste, es handelt sich hier um ein hingeopfertes Menschenleben!"

" Ich meinte es aber auch gar nicht scherzhaft", ver­suchte sich Herr Mallmitz zu verteidigen.

Ist der Holzstall verschlossen?"

" Nur durch einen Holzpflock, der vor die Kramme gelegt ist." " Nun dann konnte sie also leicht hierher gebracht werden." Er eilte wieder, gefolgt von den Herren, in das Haus zurück.

" Dann um so schlimmer! Sie müssen sich doch sagen, daß es keinen Spazierstock in viereckiger Form von 5 Bentimeter Dicke gtbt!"

Der Kretsphysikus hatte mittlerweile die photo­graphische Aufnahme des Raumes und der beiden Toten beendet, und Fritz stellte zur Abfassung des Protokolls den auf der anderen Seite des Korridors gelegenen Salon zur Verfügung.

" Noch eins," sagte der Untersuchungsrichter. Wissen Sie, in was für Geldsorten die Summe im Geldschrank lag, Herr von Marleben?"

" Jawohl! Ich habe selbst den Kassierer begleitet, der es hierher gebracht hat. Es waren zwanzigtausend Mark in Gold und zehntausend Mark in Banknoten, von denen nur zwet Tausendmarkscheine waren, das übrige waren Hundertmarkscheine." ,, Das ist aber doch merkwürdig! Ich meine so= viel Geld legt man sich doch nicht in Goldmünzen hin!" ,, Aber es war so! Es schien das eine Art Marotte meines Vaters zu sein. Er empfand eine, ich möchte fagen, findliche Freude bet dem Gedanken, feiner Frau soviel bares Geld zu vererben."

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