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Parlamentsarbeiten und Herbstsession.

Nunmehr hat der Reichstag nach der Osterpause seine Arbeiten wieder aufgenommen und voraussichtlich mit Voll­bampf, denn es gibt im Reichsparlament noch eine Unsum= me zu tun, um nur einigermaßen die dringlichsten Vor­lagen der Erledigung zuzuführen. Sicher geplant ist set, tens der Regierung eine Herbstsession, aber in parlamen­farischen Kreisen ist man jedenfalls nur zum Teil bis jetzt damit einverstanden, da die Wahlen mit ihrer nervösen Vor­bereitung dann vor der Tür stehen und jeder Reichsbote für seinen Wahlkrets sorgen will. Andererseits ist als fest= stehend anzunehmen, daß bis zur Sommerszeit, wenn die Abgeordneten nach Hause streben, mit einer genügenden Er­ledigung der Geschäfte nicht zu rechnen ist. Es ist eine eigene Sache, wenn die Parteien gestehen müssen, daß sie die bedeutsamen Sachen nicht haben durchberaten können, da es zu spät" wurde. Eine besondere Empfehlung ist das nicht, und blamabel würde es sein, wenn der jetzige Reichstag die Gesetze, deren Vorlegung er besonders ge­wünscht hat, nicht verabschieden würde.

Das neugewählte Parlament, wer weiß wie es aussieht- hätte dann die Beratungen von neuem zu beginnen, und die Gestaltung der durchzuberatenden Borlagen ist natürlich gar nicht abzusehen. Sie werden vielleicht ganz anders aussehen, als es sich jetzt die Par­teten jede für sich wünschen. Oder sie scheitern über­haupt. Alles dies drängt mit Notwendigkeit auf die Herbst= tagung, und zwar auf eine solche, die auch ein arbeitsfähiges Haus vorfindet. Bis jetzt kann noch niemand so recht sagen, was werden wird, richtig scheint zu sein, daß man regie­rungsseitig den Neuwahltermin auf den 25. Januar legen will. Aber auch hier ist noch nicht das letzte Wort gesprochen, zumal die Regierung sich beharrlich in Schwei­gen hüllt, und der Presse das Rätselraten überläßt.

In Paris sah man der Maifeier mit einiger Besorg­nis entgegen, da das ministerielle Verbot der geplanten Straßendemonstrationen Zwischenfälle befürchten ließ. Die Befürchtungen haben sich auch als gerechtfertigt erwiesen. Für nachmittags hatte der allgemeine Gewerkschaftsausschuß zu einer öffentlichen Kundgebung, auf dem Invaliden- und dem Konkordienplatz eingeladen, jedoch waren beide Plähe schon seit Vormittag durch Polizei und Truppen besetzt. Die Manifestanten wurden bei ihrer Ankunft zum Weitergehen gezwungen, sodaß jede Ansammlung unmöglich war. Auf dem Konkordienplatz waren nicht weniger als zwet Regi­menter Kavallerie und zwei Regimenter Infanterie aufge­boten. An einer Stelle fam es zu einem ernsteren 3wt­schenfall. Dort stieß der Polizeipräfekt Lepine auf eine Schar von etwa 500 Manifestanten, welche der Aufforde­rung, sich zu zerstreuen, nicht sofort Folge leisten wollten. Lepine ließ die Kürassiere auffordern, die Gruppe zu zer­streuen. Es kam zu einem Handgemenge, wobei ein Mani­festant, welcher einen Schuß aus einem Browning abgab, verhaftet wurde. Ein Polizeileutnant erhielt einen Messer­stich in die Schulter. Mehrere Kürassiere wurden von den Pferden abgeworfen. Einige Zuschauer, welche sich nicht schnell genug fügen konnten, erhielten leichtere Ver­Tetungen.

Für den Reichstag liegt eine Fülle von wichtiger und dringlicher Arbeit vor, die meist sozialpolitischer Art ist. Zunächst ist das Arbeitskammergesetz anstands­halber" in zwetter Lesung durchzuberaten, wenn es die Re­gierung nicht zurückziehen sollte, da ja bekanntlich in An­betracht des Widerstreits der Meinungen auf das Zustande­kommen der Vorlage, für die fein Interesse mehr besteht, Verzicht geleistet worden ist. De erste Lesung haben das Hausarbeitsgesetz, die Novelle zur Gewerbeordnung und die Reichsversicherungsordnung passiert. Zuerst nach den Fe­rien soll mit der Beratung des Einführungsgesetzes zur Reichsversicherungsordnung sowie des Hilfskaffengeseßes be­gonnen werden. Der Kommissionsbericht für die Versiche­rungsordnung wird demnächst erstattet, sodaß man im Ple­num mit der zweiten Lesung des Riefenentwurfs bald be­ginnen kann. Ob sie bis zum Sommer wird durchberaten werden können, steht dahin, weil eben noch viel andere Ar­beit vorliegt. Vor allem die Strafprozeßreform, deren zweite Lesung abgebrochen wurde, und über die noch erhebliche Meinungsverschiedenheiten bestehen. Politisch am wichtigsten und sehr heikel ist die elsaß- lothrin= gische Verfassungsreform, deren zweite Lesung aleichfalls bevorsteht, ebenso die Schiffahrtsabgaben, deren Erledigung mit einem Fragezeichen zu begleiten ist, das Kurpfuschergeset, mit dem es auch nicht zum besten steht, und der Entwurf über den Patentausführungszwang. Die Vorlagen über den Kolonialgerichtshof, die Tagegelder usw. der Kolonialbeamten und die Fernsprechgebührenordnung, die auch recht gefährdet erscheint, sollen" auch noch erledigt werden. Selbstverständlich ist gar kein Gedanke daran. Es kommen ferner noch die Handelsverträge mit Schweden und Japan, sowie vor allem das Privatbeamtenver­sicherungsgesetz hinzu, das jetzt beim Bundesrat liegt und einer teilweisen Neubearbeitung unterzogen wird, dte demnächst fertig gestellt sein dürfte. Allein die Rück­ficht auf die Reichsversicherungsordnung, die Strafprozeßre= form und die Privatbeamtenvorlage erfordern gebieterisch eine Herbstfession.

Die Maifeier

am vergangenen Montag hatte eine noch geringere Teil­nahme als in den früheren Jahren aufzuweisen. In ganz Deutschland war, den eingegangenen Berichten zufolge, die Arbeitsruhe verschwindend gering. In Berlin ist der 1. Mat fast unbemerkt vorübergegangen. Ganz selten nur traf man auf kleinere Gruppen festlich gekleideter Arbeiter. Im allgemeinen hatte die Aussperrungsandrohung der Me­tallindustriellen und des Verbandes der Baugeschäfte sehr hemmend auf die Beteiligung gewirkt, nur ein ganz gerin­ger Bruchteil der Arbeiter verspürte Neigung, die Feier mit einer längeren unfreiwilligen Arbeitseinstellung zu bezah­Ien, so daß fast überall gearbeitet wurde. Die Versamm­Iungen am Tage wiesen denn auch einen verhältnismäßig schwachen Besuch auf. Ueberall wurde die übliche Resolu­Hon angenommen. Zu Ruhestörungen kam es nirgends. Abends fanden weitere 80 Versammlungen statt. Eine grö­ßere Ausdehnung hatte die Feier nur in Hamburg ange­nommen, wo u. a. auf der Vulkanwerft öreitausend Arbet­ter der Arbeit fernblieben. Sie werden bis zum 11. Mat ausgesperrt werden. In der Eisenindustrie hatten sich die Arbeiter ebenfalls ziemlich zahlreich an der Maifeier be­teiligt. Diese Industrie wird dadurch stark betroffen, wet! auch hier bis zum 11. Mai keine Arbeiter mehr eingestellt werden.

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Des Rätsels Lösung.

Roman von Ludwig Blüm ck e.

Nachdruck verboten.)

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Ueber den Aufbruch der Kaiserfamilie von Korfu wird gemeldet: Die faiserliche Familie verließ Montag mittag gegen 1 Uhr an Bord der Hohenzollern", der sich der Kreuzer Königsberg" und das Depeschenboot Sleipner" anschlossen, Korfu. Die Korfioten, welche für die Ueber­nahme der Ausgrabungen dem Kaiser außerordentlich dankbar sind, bereiteten ihm auf der Fahrt vom Achilleion zum Hafen und beim Anbordgehen in Korfu stürmische Ovationen. Gegen 11 Uhr hatte sich der Kaiser noch zum letzten Male zu den, Ausgrabungen begeben. Beim Ab­schied ließ der Kaiser den Arbeitern abermals 100 Mark überweisen. Gegen mittag holte die Kaiserin in Beglei­tung der Prinzessin Viktoria Luise ihren Gemahl von der Ausgrabungsstätte ab, worauf das hohe Paar dem König von Griechenland einen Abschiedsbesuch abstattete.

Jetzt hilft keine Ausrede; Erna teilt der Mutter alles mit und fügt, freilich durchaus nicht in einem Ton felsen­festester Ueberzeugung, hinzu:

Eine schändliche Verleumdung ist das natürlich! Hardi hat mir alles bekannt, was er einmal verbrochen."

Zum Ableken des Fürsten Georg von Schaumburg­Lippe schreibt die Nordd. Allg. 3tg.": Die aus der fürst­lichen Residenz Bückeburg unerwartet eingetroffene Nach­richt von dem Ableben des Fürsten Georg verseht unser Kaiserhaus in Trauer und erweckt in ganz Deutschland warme Teilnahme. Jm Schaumburgischen Lande herrscht tiefe Betrübnis um den Landesherrn, von dessen großer Beliebtheit noch vor wenigen Jahren die Beteiligung der Bevölkerung an der Silberhochzeit des fürstlichen Paares allgemein sichtbares Zeugnis ablegte. Der nun hingeschie­dene Fürst, der 1870-71 beim Stabe des 7. Armeekorps ins Feld rückte, wichtigen Entscheidungen des Krieges bei­wohnte und mit dem Eisernen Kreuz erster Klasse heim­fehrte, hat seine bundestreue Gesinnung stets bewährt. Das Andenken des edeldenkenden und gütigen Fürsten wird in Ehren bleiben."

Frau Raben fiel in Ohnmacht, als sie den Brief ge­lesen, und es bedurfte langen Bemühens, bis sie wieder zu sich kam. Ihr Gatte aber, der auf Ernas lauten Auf­Schrei herzugekommen war, sagte, nachdem er ebenfalls das ominöse Schreiben gelesen:

,, Vielleicht ist uns der Himel abermals gnädig, in­dem er uns rechtzeitig warnt! Ich scheine mich also doch nicht getäuscht zu haben, mein armes Kind. Ein Glück, daß Hans für seine literarische Arbeit 500 Mark verdient hat und daß wir nicht ganz mit leeren Händen dasigen. Ich werde noch heute nach der Residenz reisen und die Sache flar stellen. Er soll mir Rechenschaft ablegen und wehe thm, wenn er es nicht kann!"

Dabei schlug der alte Herr auf den Tisch, daß Erna erschraf. So aufgebracht hatte sie ihren Vater noch nie zuvor gesehen. Blaurot war sein Gesicht geworden, und bie Augen funkelten unter den blanken Brillengläser in ge= radezu unheimlichem Glanz.

Der Schauplatz einer Monarchenbegegnung wird die Stadt Karlsruhe am 4. Mai sein. Der König von Schwe den, der mit seiner Gemahlin, der Schwester des Großher­zogs von Baden, auf der Rückfahrt von Rom in Karlsruhe schon einige Tage Aufenthalt genommen hat, hat sich näm­lich entschlossen, seinen Aufenthalt um mehrere Tage zu verlängern. Er wird somit dem Besuche beiwohnen, den das deutsche Kaiserpaar auf der Rückkehr von Korfu dem badischen Großherzogspaar abstattet.

Je mehr man über den Brief nachdachte, desto fester wurden die alten Rabens wenigstens der Ueberzeugung, daß der Inhalt desselben nicht aus der Luft gegriffen sein tönnte. Der Ring, der Ring, ja, wäre der nicht dabei ge­wesen!

Eine neue Marottokonferenz? Die Auslassungen der ,, Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" über Maroffo find in Paris Gegenstand eifrigster Debatte. Nach einer Mel dung der Preßzentrale aus Paris besteht in französischen Regierungsfreisen nicht die geringste Absicht, ohne vor­herige Verständigung mit den Signatarmächten der Alge cirasatte Schritte zu unternehmen, die als den darin ent haltenen Bestimmungen zuwiderlaufend gedeutet werden fönnten. Ebenso bestimmt wird versichert, daß die Mög lichkeit einer durch zwingende äußere Umstände herbeige­führten Durchbrechung wesentlicher Bestimmungen der Al gecirasatte bereits seitens des Kabinetts erwogen worden ist. Sollte sich die Notwendigkeit hierzu ergeben, so werde Frankreich entweder in direkte Verhandlungen mit den Signatarmächten treten, oder die Einberufung einer neuen internationalen Marokkofonferenz vorschlagen. Als wahr scheinlicher gelte, daß Frankreich den letzteren Weg ein­schlagen werde. Es wird abzuwarten sein, ob sich diese Meldung bestätigt.

Ernste Erkrankung des Königs von Spanien. Pariser Blätter wollen erfahren haben, daß das Befinden des Kö­nigs Alfons von Spanien, der fürzlich in Bordeaux einen Spezialisten zu Rate zog, zu Besorgnissen Anlaß gebe. Die Aerzte hätten eine sehr ernste Diagnose gestellt und hielten umfassende Maßnahmen für notwendig, um einFortschreiten der Tuberkulose, woran der König leidet, zu verhindern.

Die gute Frau Rentmeister fand es geradezu leuf­lisch, daß man ein Andenken an die verstorbene Mutter perschenken konnte. Das schien ihr der beste Beweis da­für, daß der Leutnant, selbst wenn alles andere nicht wahr fein sollte, ein erbärmlicher Mensch wäre.

Die Periode der Veruntreuungen in Frankreich. Die französische Regierung muß gegenwärtig ein recht pein­liches Fegefeuer der Kritik durchleiden. Zu den zahlreichen übrigen Fällen" hat sich ein neuer gesellt. Wie mehrere Pariser Blätter melden, hat der Kolonialinspekteur Fre zouls, der von einer Besichtigung der französischen Besitzun­gen in Aequatorialafrifa zurückgekehrt ist, dort eine große Anzahl Unregelmäßigkeiten, ja sogar Veruntreuungen fest­gestellt.

Der Religionsunterricht in den preußischen Fortbil dungsschulen. Die Abgeordnetenhauskommission für das preußische Fortbildungsschulwesen begann am Montag ihre Beratungen und setzte an den Anfang die wichtigste Brinzipienfrage: Der Religionsunterricht in den Fortbil­dungsschulen. Ebenso wie im Plenum traten auch in der Kommission die Redner der Konservativen und des Zen­trums dafür ein, daß die Fortbildungsschule als allgemei­nes Bildungsinstitut auch religiösen Unterricht erteilen misse, und zwar mindestens 20 bis 30 Minuten in der Woche. Ein fortschrittlicher und ein nationalliberaler Redner widersprachen dieser Forderung. Daß der Unter­richt auf allgemein sittlicher Grundlage zu geschehen habe, sei selbstverständlich, und deshalb sei der Religionsunter­richt entbehrlich. Zu einer Abstimmung kam es noch nicht.

Eingeborenenaufstand in Kamerun? Laut telegraphi schen Meldungen aus Kamerun, welche bei Hamburger Firmen eingegangen sind, ist an der Küste das Gerücht von einen Eingeborenenaufstande in Südkamerun verbreitet. Die Europäer sollen in Sicherheit, die Schuhtruppe unter­wegs sein.

Wer seine Mutter so wenig in Ehren hält, der wird auch niemals gut zu seiner Frau sein," meinte sie mit einem tiefen Seufzer, während ihr Gatte mit hastigen Schritten, ganz seiner Gewohnheit entgegen, in dem engen Zimmerchen umherlief, als würde er von dämonischen Ge­walten gehetzt.

Die Unruhen in der Stadt Kanton in Südchina neh­men einen bedrohlichen Umfang an. Massen von Revolu tionären marschieren auf Kanton, um sich mit den Re­bellen zu vereinigen. Ein ernster Zusammenstoß zwischen Regierungstruppen und Aufständischen hat bei Fat- schan stattgefunden. Ein chinesisches Kanonenboot nahm die Aufständischen unter Feuer und fügte ihnen einen Verlust von zweihundert Toten zu. Es ist schwierig, authentische Nachrichten zu erhalten, da die Telegraphenlinien unter­brochen sind. Aus der Mongolei wird gemeldet, daß die chinesische Regierung radikale Mittel anwendet, um den russischen Einfluß in der Mongolei zu vernichten. Ein neuer Aufstand ist in der Provinz Jll ausgebrochen. In der Provinz Sytschuknschuli ist eine Revolution von 20 000 Hungernden ausgebrochen, welche raubend und brennend das Land durchziehen, die Gefängnisse stürmen und die Ge­fangenen befreien. Zur Wiederherstellung der Ordnung ist Militär aufgeboten worden. Bei einem Zusammenstoß gab es massenhaft Tote und Verwundete.

Gerade als der Rentmeister reisefertig war, um mit dem nächsten Zug nach der Residenz zu fahrens traf Hans mit Fahrgelegenheit in Wedelstein ein. Er hatte sein Assessoreramen soeben glänzend bestanden und wollte cinige Tage bei den Eltern verweilen.

O, wie atmete Erna erleichtert auf, als sie den Bru­der sah! Der müßte Rat wissen, der würde Hardi nicht verdammen, Hardi, seinen besten und wahrsten Freund, wie er selber erst unlängst versichert.

Ruhig und fachlich prüfte der junge Jurist das Schrift­stück. Vergeblich suchte Erna in seinen Mienen ein Urteil zu lesen. Er faltete den Brief zusammen, betrachtete den Ring sehr genau und sagte dann:

,, Vater, ich werde selber mit Hardi sprechen. Das wird besser sein, als wenn Du es tätest. Wie spät ist es? Hm, der Zug kommt in zehn Minuten.- Schwesterchen, nicht traurig sein!"

Auf alle Fragen, die ihn umschwirrten, hatte er nur die kurze Antwort:

.. ,, Man darf erst urteilen, wenn man beide Parteien gehört."

Aber er sah so ernst dabei aus, daß Erna zu erraten glaubte, was er vermutete.

Kleine Nachrichten.

Als erste Abteilung der internationalen Ausstellung in Turin wurde am Montag die deutsche feierlich eröffnet. Der deutsche Botschafter brachte das Hoch auf die beiden ver­bündeten Souveräne aus. Der Bürgermeister von Turin toastete auf die deutsche Arbeit und das deutsche Volk.

Eine Riesen- Ueberlandzentrale wird in Spandau ge= baut werden. Sie soll für Spandau und die drei Landkret­se Osthavelland, Westhavelland und Ruppin in Tätigkeit treten. Die Landwirte der drei genannten Kreise haben den Vorberatungen in Spandau beigewohnt und ihre Zu­stimmung zu dem Projekt gegeben.

Stunden der höchsten Folterqualen brachen für das liebende Mädchen an. Sie wollte es nicht glauben, sie fämpfte mit schier unnatürlicher Kraft dagegen an, und das arme Herz drohte dabei zu brechen.

Als Opfer des aus Breslau gemeldeten Lustmordes wurde von der Polizei die 14½jährige Schülerin Martha Büttner ermittelt, die seit dem 27. April aus der elterlichen Wohnung in Breslau verschwunden war. Von dem Mör­der fehlt jede Spur. Die Leiche des Mädchens war in einem Wasserloch aufgefunden worden.

In Talbrüden mußte Hans noch zwei volle Stunden auf den Schnellzug, mit welchem er weiterzufahren ge­dachte, warten. Da kehrte er im Blauen Stern ein, um sich dort die Zeit zu vertreiben.

Eine Tragödie zweier Jugendlichen wird aus Lud­wigshafen gemeldet. Sonntag nachmitag wurde die 19jäh­rige Rosa Wagner mit drei Schüssen in der Brust in ihrer Wohnung tot aufgefunden. Neben ihr lag bewußtlos der 19fährige Küfer Klemens Thiesen, mit welchem die Wagner seit einiger Zeit ein Liebesverhältnis unterhielt. Vom Blizz erschlagen wurde in Goldberg eine vom Felde heimkehrende Arbeiterfrau. Ein neben ihr gehend Knecht wurde betäubt.

( Schlesien)

Leichenfund in einem Schornstein. Beim Reinigen ei­nes Schornsteins stieß in Zabrze ein Schornsteinfeger auf eine Leiche, der die Beine fehlten. Der Körper war mit Petroleum begossen und angezündet worden, sodaß er ver­fohlt war. Es handelt sich um die Leiche eines jungen Mädchens.

Schredenstat eines Irrfinnigen. Der Zahlmeister Le­gath in Marienburg, der in lezter Zeit Spuren geistiger Umnachtung zeigte und deshalb vom Amte suspendiert werden mußte, sollte am Montag in das Diakonissenhaus eingeliefert werden. Als die Wärter ihn in den Keller

Ah, guten Tag, mein lieber, neugebackener Assessor! Gratuliere recht herzlich!" Mit diesen Worten kam Ex­zellenz v. Eschenhold dem Eintretenden entgegen.

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Hans war es peinlich, den General hier zu treffen, denn es galt, schnell eine Ausrede für seine so plötzliche Abreise nach der Residenz zu finden. Sehr freundschaft­lich lud jener ihn ein, an seinem Tische Platz zu nehmen und bestellte eine Flasche Wein, um mit ihm auf das gut bestandene Examen anzustoßen. Als sie beide allein waren, da flüsterte der General Hans mit den Augen vielsagend blinjelnd hinzu:

Das nächste Glas, denke ich, werden wir bei einer ganz anderen Gelegnheit zusammen trinken, ich meine zu Ihrer Verlobung. Habe heute nämlich bei Geheimrats eine Lanze für sie gebrochen. Der Herr Schwiegerpapa heißt Sie willkommen, Herr Assessor, darf ich Ihnen ver­raten."

Hans hätte vor Freude laut aufjubeln und den alten Haudegen füssen mögen. Doch dieser winkte ihm mit der Hand und flüsterte weiter:

,, Da kommt der Wirt! Lassen wir das alte Klatsch maul nur nichts merken, sonst weiß es morgen die ganze Stadt."

,, Wissen die Herren schon die neueste Standalgeschich te?" fragte der Hotelbesitzer mit dem verbindlichen cheln, das er nun einmal nicht vermeiden konnte, selbst nicht, wenn er jemand mit bewegten Worten sein Beileid aussprach. Was ist denn schon wieder vorgefallen? Weiß von nichts!" erwiderte der General.

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,, Denken Sie nur an, meine Herren, die Komtesse Edelgard, Herrn v. Reythers Braut, ist verschwunden, nachdem vor ein paar Tagen der Gerichtsvollzieher ihre ganzen Juwelen gepfändet hat. Der arme Herr Assessor, mit dem sie zuvor einen wirklich nicht standesgemäßen Austritt gehabt, trägt sich ernstlich mit Selbstmordgedan fen." ( Fortsetzung folgt.)

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