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wohnende Frauen fiefen in Ohnmacht. Sogar der Mi­nisterpräsident Venizelos und der Justizminister, die eben­falls anwesend waren, gerieten in Bedrängnis. Schließ­lich gelang es doch, die Störenfriede hinauszuwerfen.

Ein Waldmensch. In Lobenstein hauste seit Jahren in einer Höhle ein sogenannter Waldmensch, der niemals den Wald verließ und niemals unter Menschen tam. Seine Nahrung wurde ihm von Kindern aus Lobenstein gebracht, die alle vierzehn Tage zu ihm tamen. Bei ihrem letzten Besuch fanden sie den Einsiedler als Leiche. Er lag schon Seit mehr als acht Tagen tot in seiner Höhle. Sein Wald­leben scheint seine Lebensdauer übrigens nicht verlängert zu haben, denn er ist nur 56 Jahre alt geworden.

Dreitausend Schüler in Feuersgefahr. Donnerstag nachmittag brach in einer von annähernd dreitausend Schülern besuchten höheren Lehranstalt in Neuyork ein Brand aus. Der Umsicht der Lehrer gelang es, eine Pa­nit zu vermeiden, so daß keinerlei Verluste an Menschen­leben zu beklagen waren. Sie führten sämtliche Schüler unter dem Vorwande, daß es sich um eine der häufigen Feuergefahrsübungen handle, in voller Ordnung aus dem Gebäude. Erst auf der Straße merkten die Schüler, daß das Gebäude wirklich in Flammen stand.

Wie man seine Schulden los wird. Aus Budapest wird gemeldet: Der Abgeordnee Zoltan Ugron hatte am Donnerstag seinen Bekannten in zahlreichen Telegram­men mitgeteilt, daß er durch einen Sprung in die Donau Selbstmord begehen würde. Man begab sich auf die Suche, fand ihn aber frisch und wohlbehalten in einem Hotel. Gegen das Versprechen, daß man alle seine Schulden be= zahlen werde, gab er sein Ehrenwort, daß er sich kein Leid antun werde.

Die Rache des Galeerensträflings. Aus San Remo wird gemeldet: Ein gewisser Palmeri war als junger Bursche wegen Mordes zu 30 Jahren Zuchthaus verur­teilt worden. Nachdem er 22 Jahre in der Strafanstalt zugebracht hntte, reichte er ein Gesuch ein, aus Gesund­heitsrücksichten entlassen zu werden. Das Gesuch wurde fedoch abschlägig beschieden. Nachdem Palermi noch meh­rere Jahre in einer Jrrenanstalt interniert war, tehrte er endlich dieser Tage in seine Heimat San Remo zurück. Hier tötete er gestern seine Schwägerin aus Rache darüber, weil diese vor 24 Jahren gegen ihn ungünstige Aussagen gemacht hatte. Dann suchte er einen Gendarmen auf, der ebenfalls damals als Belastungszeuge aufgetreten war, und erschoß auch diesen. Einen driten Zeugen fand er nicht zu Hause und tötete dessen Gattin. Hierauf begab er sich nach dem Kirchhof, wo er sich eine Kugel in den Kopf schoß.

Die ängstlichen Telegraphisten. Die französische Tele­graphenverwaltung begegnet in den Reihen threr Beamten einem gewiffen Widerstand gegen die Teilnahme an dem bevorstehenden internationalen Turiner Wettbewerb zur Erprobung der Schnelligkeit der Depeschenübermittelung. Es besteht nämlich unter diesen Beamten die Besorgnis, daß die bei diesem Anlaß zu erwartenden Höchstleistungen spä= ter als Maßstab der von den einzelnen zu fordernden Let­ftungen genommen werden könnten. Die Telegraphenver­waltung bemüht sich indessen, die Besorgnis zu zerstreuen, da es sich bet diesem Wettbewerb doch nur um Leistungen unter ganz speziellen Voraussetzungen handeln kann.

Telephon in Konstantinopel. Auch in Konstantinopel, die einzige große Stadt in Europa, die bis jetzt noch kein Telephon befitzt, wird nun damit versehen werden. Abdul Samid war bekanntlich ein derartiger Feind aller Neue­rungen und hatte vor allem eine so große Angst vor allem, was irgendwie mit Elektrizität in Verbindung stand, daß unter feiner Regierung weder Telephon noch elektrische Straßenbahnen, noch Autoomnibusse in der türkischen Hauptstadt zu finden waren. Der erste Autoomnibus er­schten auf den Straßen am Tage nach seiner Gefangen­nahme. Jetzt wird also auch das Telephon eingeführt wer= den. Die Kammer hat am letzten Dienstag die Konzession für die Errichtung eines Telephondienstes für Konstantt­nopel und Umgebung erteilt.

Eine tragikomische Geschichte spielte sich dieser Tage in der Dölauer Hetde bet Halle a. S. ab. in junger in Sans wonnenver Schriftsteller hatte eine Braut, in die er sterblich verliebt war. Das junge Mädchen trug sich nun fett einiger Bett mit Selbstmordgedanken, die ihr der junge Dichter vergeblich zu vertreiben suchte. Als sein Zureden und Flehen nichts half, griff er zu einer List, um seiner Ge­Hlebten die Lust am Leben zurückzugeben. Er erklärte sich also bereit, mit ihr in den Tod zu gehen. Er kaufte sich einen Revolver, lud ihn mit einigen Plazpatronen, und beide begaben sich an einem Vormittage nach der Dölauer Heide. Unter den wehmütig rauschenden Wipfeln der Kte= fern las er noch sein letztes Gedicht Abschied vom Leben" vor. Dann gab er seiner Braut den Revolver und for derte sie auf, ihn zuerst zu töten und aus einiger Entfer nung auf ihn zu feuern. Der lebensmüde Poet lehnte fich an den Stamm einer Kiefer und verbarg sein Gesicht in den Händen. Ein Schuß donnerte durch den Wald und ber junge Mann stürzte zusammen. Mit einem lauten Aufschrei warf seine Geltebte die Feuerwaffe weg unb eilte davon. Schleunigst erhob sich der Tote"; er schnitt der Davoneilenden den Weg ab, indem er durch eine Scho­nung Itef. Als er plößlich wieder vor seiner Braut stand, gertet sie erst recht in Angst. Wie eine Wahnsinnige machte fie Kehrt, lief noch einige Schritte, stürzte dann aber be­wußtlos nteder. Inzwischen war ein Waldwärter hinzut­gekommen, der das Paar nachdem sich das junge Mädchen wieder erholt hatte verhaftete. Die Folge war, daß der Schriftsteller vom Schöffengericht wegen unerlaubten Tra­gens einer Waffe und wegen Unfugs zu je 10 Mark Geld­ftrafe verurteilt wurde.

Der Papierverbrauch der Welt. Im Jahre 1904 belief fich die gesamte Papierproduktion der Welt auf 4% Milliar­den Kilogramm; dret Jahre später hatte sie sich verdoppelt; fte wächst noch unaufhörlich. Der größte Teil dieses Papie­res wird gegenwärtig aus Holz hergestellt. Es sind insbe= sondere die Nadelhölzer, die das Material Itefern. Die Produktion des Jahres 1908 verbrauchte etwa 7 300 000 Bäume, was die Zerstörung eines Waldes von 600 000 Hef­tar bedeutet. Schweden allein hat die Hälfte dieser Ent­Holzungstätigkeit zu ertragen, so daß dort in stebzig Jahren wenn es so weitergeht, alle Wälder verschwunden sein wer= den. Um der drohenden Entholzung der Erde entgegenzuar beiten, hat man verschiedene Vorschläge zum Ersatz des Bolzpapieres gemacht. Aber das Lumpenpapier genügt Jaum, um einzelne Sorten von Buchpapier, das Löschpapier und das Zigarettenpapier herzustellen. Man hat ferner Patente darauf genommen, altes, vom Teer gereinig­tes Tauwerk zu benußen, ferner Bambus, Maulbeerbäume, Stechginster und Zuckerrohr. Frankreich denkt daran, sich die gewaltigen Spartgrasfelder setner afrikanischen Kolo­nten nußbar zu machen, und man hat auch vorgeschlagen, wieder Papyrus zu verwenden, der im Kongolande und im Sudan in Massen gedeiht.

Chinesische Straßennamen. Die Straßenbezeichnungen Befings muten den Europäer, der sie zum erstenmal hört, oft recht originell an. So heißt eine Straße z. B. die Straße der glücklichen Spaßen", denn gerade in ihr sollen Mch diese beschwingten Gassenbuben besonders lustig tum­

meln. Eine andere führt den friedevollen Namen Die Straße der ewigen Ruhe". Zufälligerweise ist gerade sie die verkehrsreichste und lärmendste von ganz Peking. Das Wort Gehorsam" als Straßenbezeichnung wirkt recht ei­gentümlich. Außer einer Der steinerne Tiger" benann= ten Verkehrsader besitzt die chinesische Hauptstandt auch eine " Barbarenstraße", so benannt zu Ehren der Europäer. Sackgassen nennt man im Reiche der Mitte tote" Stra­Ben; das Gegenteil davon sind lebende". Auch Pekings Tore tragen für unsere Begriffe drollige Bezeich­nungen. So heißt z. B. eines von ihnen Das Tor der standhaften Unschuld".

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Der Klub der Hosenrodträgerinnen. Halle ist eine der wenigen Städte, in denen das erste Erscheinen des Hosen­rockes ohne Aufruhr und Standal ablief. Das Neueste ist aber, daß sich in Halle ein Klub der Hosenrockträgerinnen gebildet hat, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, für die neue Frauentracht Propaganda zu machen, da sie nach ihrer Meinung in ästhetischer und hygienischer Hinsicht der bisherigen vorzuziehen sei. Dem Klub gehören bereits elf Damen an, die sich jeden Nachmittag in einem größeren Familiencafee treffen. An Zuschauern fehlt es natürlich nicht. Doch ist noch nicht das Geringste vorgefallen. Für Ostern hat der Klub der Hosenrockträgerinnen einen Aus­flug auf das Land in Aussicht genommen, bei dem er aber wohl Sicherheitsmaßregeln wird treffen müssen.

Wissenschaft, Kunst und Literatur.

Der 100. Geburtstag Bunsens. Selten geschieht es, daß unter den Gelehrten der Name eines Chemikers po­pulär wird; denn die Chemie ist den meisten Menschen ein Buch mit sieben Siegeln. Unter den Chemikern ist nur ein Name allgemein bekannt: derjenige Justus von Lie­bigs, und zwar nicht durch die Haupttaten seines wissen­schaftlichen Wirkens, sondern durch eine in wissenschaft­licher Hinsicht nebensächliche, dagegen praktisch wichtige Leistung: die Darstellung des bekannten Fleischertraktes. Neben ihm ist der Name eines anderen Chemifers in vie­ler Munde: derjenige Rob. Wilh. Bunsens, der am 31. März seinen 100. Geburtstag hatte. In jedem Labora torium, in technischen Werkstätten usw. bedient man sich des Bunsenschen Brenners, dessen Konstruktion auch bei den im Haushalte gebräuchlichen Gaskochern zur Anwen­dung gelangt; sie besteht in der Mischung des Gases mit Luft, bevor sie die Entzündungsstelle erreicht, so daß das Gas auch im Innern der Flamme der Verbrennung unter­liegt, was zur Folge hat, daß die Flamme heißer und nicht­leuchtend ist, also nicht rußt. Auch bei Bunsen liegt seine eigentliche Bedeutung nicht in dieser kleinen, wenn auch praktisch nicht unwichtigen Erfindung, ebensowenig wie in der Konstruktion des nach ihm benannten galvanischen Elements, sondern in seiner äußerst vielseitigen rein wissenschaftlichen Tätigkeit. Seine bedeutendste Leistung ist die ihm in Gemeinschaft mit Kirchhoff im Jahre 1860 gelungene Entdeckung der Spektralanalyse, die es ermög­licht, auf Grund der Flammenfärbung durch Metalldämpfe die in einem Stoff enthaltenen metallischen Elemente fest­zustellen. Mit Hilfe der Spektralanalyse konnte auch die physische Beschaffenheit der selbstleuchtenden Himmelsför­per Sonne und Fixsterne- ermittelt werden, und sie führte ferner zur Entdeckung zweier chemischer Elemente: des Rubidiums und des Cäsiums, die durch Bunsen statt­fand.. Bunsen war am 31. März 1811 in Göttingen ge­boren, studierte seit 1828 in Göttingen, Paris, Berlin und Wien, ließ sich 1833 als Privatdozent in Göttingen nieder, wurde 1836 Professor der Chemie in Cassel, 1838 in Mar­burg, 1851 in Breslau, 1852 in Heidelberg, trat 1889 in den Ruhestand und starb am 16. August 1899 hochbetagt in Heidelberg. Wissenschaft und Technik gedenken seiner als eines hervorragenden Förderers der Naturerkenntnis.

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Die Militärflieger in Hannover gelandet.

burg, dann nach Rathenow und zurück bei schwerem Winde usw. Schon seit mehreren Wochen trug sich der junge Offizier mit dem Gedanken, eine mehrtägige Luftreise zu unternehmen, deren Plan er ausgearbeitet hatte.

Katastrophe auf dem Kreuzer ,, Nori".

Drei Mann durch eine Explosion getötet. Auf dem in der kaiserlichen Werft in Kiel liegenden Kreuzer or t" erfolgte Freitag nachmittag gegen 4% 11hr bei Uebernahme von Spiritus eine Explosion. Ein Obermaschinistenmaat und zwei Maschinistenmaate wurden getötet. Verwundet wurden ein Maschinistenmaat, zwet Heizer und ein Werftarbeiter. Die Flotte im Hafen hat auf Halbstock geflaggt.

Das Unglück ereignete sich im Hauptmaschinenraumt. Man war dort mit dem Füllen der Tanks mit Spiritus beschäftigt. Dabei entwickelten sich Gase, die explodierten. Es entstand eine furchtbare Detonation, so daß das ganze Schiff erzitterte. Eine Scheidewand im Schiffe wurde zer­trümmert und drei Unteroffiziere unter den Trümmern be= aben. Sie waren auf der Stelle tot. Der Maschinen­raum geriet in Brand. Der Kieler Feuerwehr und der Werftfeuerwehr gelang es jedoch, die Maschinen unter Wasser zu setzen und das Fener zu löschen. Die Namen der Toten sind Obermaschinistenmaat Genske, Maschinisten­maat Eid und Maschinistenmaat Poethe. Die Namen der drei Verwundeten sind: Maschinistenmaat Jansen, Oberheizer Hanowsky und Heizer Czeky. Die Verunglück­ten wurden sofort nach dem Marinelazarett übergeführt.

Drabtnachrichten und Deuestes.

Große Aussperrung in der bayerischen Textilindustrie. Hof, 1. April. Eine stark besuchte Textilarbeiter versammlung beschloß gestern abend, am Montag die Ar­beit nicht wieder aufzunehmen. Infolgedessen werden vom 8. April ab 5000 Tertilarbeiter ausgesperrt.

Neue heftige Kämpfe in Merifo.

Frankfurt a. M., 1. April. Der Frff. 3tg." wird aus Neuyork gemeldet: Die tausend Tote im Gefecht bet Ures werden für übertrieben gehalten. Der Kampf war jedenfalls sehr heftig. Der Korrespondent des Herald" er­klärt, daß die Insurgenten gestegt hätten, entgegen der von der Regierung verbreiteten gegenteiligen Nachricht. E8 verlautet, gutbewaffnete Yaqui- Judianer seien vollzählig zu den Insurgenten übergegangen. Ein weiterer heftiger Kampf, in dessen Verlauf die Insurgenten 300 und die Re­gierungstruppen 200 Mann verloren, haben südwestlich um Santa Barbara stattgefunden, das die Insurgenten nahmen und die Truppen vergeblich wieder zu nehmen versuchten. Es werde noch gekämpft und von beiden Seiten schicke man noch Verstärkungen. Von seiten der Insurgenten wird er­klärt, die Aussichten auf Frieden seien wieder recht schwach. In Washington erwartet man, daß Präsident Diaz ehestens Amerika verlassen werde. Sein Privatsekretär bereite schon die Abreise nach Deutschland vor.

Eine Ausstellung für Reise- und Fremdenverkehr. Berlin, 1. April. Heute vormittag 11 Uhr wurde dte internationale Ausstellung für Reise- und Fremdenver fehr in den Ausstellungshallen im Zoologschen Garten feierlich eröffnet.

Zum Tode von Schlichtings.

Berlin, 1. April. Die Witwe des in Konstantinopel ermordeten Oberstleutnants v. Schlichting wandte sich an den türkischen Botschafter mit der Bitte, den Sultan zu er suchen, daß er den Mörder ihres Gatten begnadige. Die heutige vorläufige Beisetzung v. Schlichtings auf dem pro­testantischen Friedhof in Konstantinopel wird zu einer gro­ßen Kundgebung der türkischen Armee werden, deren Füh­rer es nicht unterlassen wollen, dem Verstorbenen die höch­sten militärischen Ehren zu erweisen.

Schwere Gasvergiftung.

Kreuznach, 1. April. Der Glasermeister Hermann Göhler ist gestern abend in der St. Nikolauskirche, als er die Dampfheizung abstellen wollte, durch ausströmendes Gas bewußtlos zusammengebrochen. Als er so lange weg blieb, ging seine Frau mit seiner Tochter fort, um nach ihm zu sehen. Auch sie ereilte das gleiche Schicksal. Kurz darauf ein, bekam aber keine Antwort. Darauf holte sie Hilfe. Einige beherzte Männer drangen in den Raum suff ten sie dret Rewatifen in die Kirche. Der Mann war bereits tot, während es den Aerzten gelang, die Frau und die Tochter ins Leben zurückzurufen.

gelandet. tam die älteste Tochter und rief in den Heizungsraum hin­

Die Freitag früh auf ihrem großen Ueberlandflug in Verden mit ihrem Albatros- Doppeldecker aufgestiegenen wieger veutnant Madenthun und Oberleut­nant Erler sind Freitag abend um 6 1hr 37 Minuten vor dem Flugschuppen auf der Vahrenwalder Heide in Hannover glatt gelandet. Die Leistung der beiden Milt­tärflieger ist außerordentlich gut, wenn man bedenkt, mit welch widrigen Windverhältnissen die beiden Offiziere wäh­rend des ganzen Tages zu kämpfen hatten. Bet bestem Wetter begann am Freitagmorgen der Flug in Verden. Kaum war der Doppeldecker aber eine halbe Stunde in der Luft, als ein heftiger Wind einsetzte, der den Zweidecker hin und her warf. Die Flieger waren nach halbstündiger Fahrt zu einer Zwischenlandung bei Eystrup gezwungen, der eine zweite Landung bei Langendamm und gegen Mit­tag die dritte Zwischenlandung bei Scheffinghausen folgte. Kurz vor Mittag hatte der Wind noch mehr an Heftigkeit zugenommen. Die Flieger hatten eben ihren Flug von Langendamm bet Ntenburg fortgesetzt, als der Zweidecker von einer starken Böe erfaßt und in der Nähe von Schef= finghausen mit großer Heftigkeit in eine sumpfige Mulde gedrückt wurde. Aus dieser Mulde den Ap­parat herauszubringen, erwies sich trotz mehrfacher Ver­suche als unmöglich, und die Flieger mußten den Flug nach Hannover bis zum Abend verschieben. Um 5,52 Uhr konnte endlich, nachdem der Wind stark abgeflaut war, die Weiterfahrt angetreten werden. Um den Doppeldecker nicht zu beschweren, bestieg Lt. Mackenthun allein den Apparat, brachte ihn aus der Mulde heraus und nahm vor Neustadt seinen im Auto vorausgeeilten Kameraden, Oberlt. Erler, in dem Zweidecker auf. Dann ging es in ruhigem, ſchö= nem Fluge nach Hannover, wo auf der Vahrenwalder Heide, von einem zahlreichen Publikum jubelnd begrüßt, um 6 Uhr 37 Minuten der Apparat mit den beiden Offizieren glatt zur Erde niederging. Der Zweidecker wurde für die Nacht in einem Flugschuppen eingestellt und von einem Militär­fommando bewacht. Bei günstigem Wetter hoffen die beiden Militärflieger Sonnabend nachmittag ihren Ueberlandflug fortsetzen zu können, sie wollen versuchen, über Braun­schweig nach Stendal zu kommen. Die beiden kühnen Flieger haben ihren großen Ueberlandflug, der vom Dö­berizer Flugplatz angetreten wurde und über Wandsbek und Bremen nach Hannover führte, bisher ohne jeden ern­sten Unfall ausgeführt.

leber die Persönlichkeit der beiden Flieger dürften folgende Angaben von Interesse sein:

Oberleutnant Erler hat bei Kapitänleutnant Engelhardt in Johannisthal das Fliegen auf Wright- Dop= peldecker gelernt. Er hatte viel Pech, stürzte wiederholt bei seinen Uebungsflügen, und als er am 14. Februar das Pilotenzeugnis erwerben wollte, strandete er mit seinem Zweidecker auf dem Hügel vor dem Schuppenplaße. Seit vier Wochen ist Oberleutnant Erler auf dem Militär- Flug­plate Döberitz tätig, wo er im Steuern der Farman- und Albatros- Zweidecker unterwiesen wurde. Leutnant Mackenthun ist einer der ersten deutschen Offiziere, die von dem Fluglehrer Brunnhuber in Döberitz im Fliegen ausgebildet worden sind, und gilt al der schneidigste und fähigste Offizierpilot unserer Armee. Durch mehrere grö­Bere Ueberlandflüge hat er seinen Namen in weiteren Kreisen bekannt gemacht. So flog er einmal nach Magde­

Der Dichter Martin Greif.

0 Kufstein, 1. April. Der Dichter Martin Greif ist heute früh hier gestorben. Er lebte bisher in München, wo er eine fruchtbare dichterische Tätigkeit entfaltete. 1839 in Speyer geboren, hat er ein Alter von 72 Jahren er­reicht.

Wegen Ausschreitungen bestrafte Soldaten. Trier, 1. April. Ein Sergeant und sieben Mann vom Infanterieregiment Nr. 69 verübten, als sie von der letzten Kaisers Geburtstagsfeier zurückkehrten, auf der Straße Lärm und wurden deshalb von dem Wächter eines Hauses mit Wasser beschüttet. Der Sergeant befahl hierauf den Soldaten, das Haus zu stürmen. Die Soldaten drangen in das Haus ein, verletzten mehrere Personen und richte­ten Sachschaden an. Das Kriegsgericht verurteilte den Sergeanten zu 3 Monaten, einen Musketier zu 7 Wochen, einen zu 3 Wochen und vier zu 10 Tagen Gefängnis. Einer wurde freigesprochen.

Die Bevölkerungszahl Wiens.

Wien, 1. April. Nach dem offiziellen Ergebnis der letz ten Volkszählung beträgt die Gesamtbevölkerung Wiens 2 039 803 Personen, davon 98 400 Tschechen. Im Jahre 1900 betrug die Gesamtbevölkerung 1674 000 mit 102 970 Tsche chen.

Vom elektrischen Strom getötet.

Lissabon, 1. April. Drei Arbeiter, die das Lei­tungskabel der elektrischen Straßenbahn ausbesserten, wur­den vom elektrischen Strom getroffen. Einer wurde sofort getötet, die beiden anderen lebensgefährlich verletzt.

Randel und Gerkebr.

Frankfurt, 30. März. Viehmarktpreise vom 30. März. Preise für 1 Zentner Kälber: a) Doppellender, feinste Mast ( Lebendgewicht) M 00-00,( Schlachtgewicht) M 00-00, 6) feinste Mast( Vollmilch- Mast) und beste Saugfälber( Le­bendgewicht) M 57-61,( Schlachtgewicht) M 95-102, c) mittlere Mast- und beste Saugfälber( Lebend­gewicht) M 52-56,( Schlachtgewicht) M 88-95, d) ge- rin= gere Saugfälber( Lebendgewicht) M 82-85. Schafe. A. Stallmastschafe: a) Mast lämmer und jüngere Masthäm­mel( Lebendgewicht) M 41,( Schlachtgewicht) M 85-86, 6) ältere Masthämmel, geringere Mastlämmer und gut ge= nährte junge Schafe( Lebendgewicht) M 34-35,( Schlacht­gewicht M 82-84, c) mäßig genährte Hammel und Schafe ( Märzschafe)( Lebendgewicht) M 00-00,( Schlachtgewicht) M00-00, 5) Marschschafe oder Niederungsschafe( Lebend. gewicht) M( Schlachtgewicht) M 00. B. Weidemastschafe:

Schweine: a) vollfleischige Schweine von 80 bis 100 Klgr Lebendgewicht( Lebendgewicht) M 47% bis 50,( Schlachtge­wicht) M 62-64, 6) vollfleischige Schweine unter 80 Igr. Lebendgewicht( Lebendgewicht) M 46-48%,( Schlachtgewicht) M 59-62, c) vollfleischige Schweine von 100-120 Klgr. Le­bendgewicht( Lebendgewicht) M 47-49,( Schlachtgewicht)

M 59-61, d) vollfleischige Schweine von 120-150 gr. Le­bendgewicht( Lebendgewicht) M 48-50,( Schlachtgewicht) M 60-62.