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Deutscher Reichstag.

Am Freitag wurde die Spezialberatung des Etats für ben Reichskanzler zunächst durch eine lange Rede des sozial­demokratischen Abg. Frank- Mannheim fortgesetzt. Redner frittsterte öte Haltung des Reichskanzlers in der Abri­ftungsfrage und behandelte dann in längeren Ausführun= gen die innere Politik, dabei betonend, daß seine Partet mit der Fortschrittspartei kein Bündnis auf Leben und Tod geschlossen, aber sie wolle mit ihr in allem Ernst die Re­aftion bekämpfen. Dann folgten sehr temperamentvolle Aus­führungen des konservativen Grafen von 2estarp, die er felbst als eine Kampfrede" bezeichnete, zu der er sich aber durch die Ausführungen des Abg. Bassermann und Wiemer In der Donnerstagstzung für berechtigt hielt. Er kennzeich­nete die Stellung der Konservativen in der elsaß- lothringt­chen Verfassungsfrage und wies die Behauptung, daß es fich bei der Rede des Abg. von Heydebrand tin Abgeordne tenhause um einen persönlichen Vorstoß gegen den Retch­Tanzler gehandelt habe, zurück. Dann entwarf er noch ein­mal ein Bild von dem Entstehen und der Wirkung der Fi­nanzreform, indem er ihr diejenige von 1906 gegenüber­stellte, bei der die Nationalliberalen mitgewirkt haben: Da­mals ein Soll von 180 Millionen, ein wirklich erreichtes Resultat von 110 Millionen, diesmal schon im zwetten Fts nanzjahr Eingänge in Höhe von 84 Prozent des erwarteten Betrages. Begreiflicherweise wurde die Stimmung bet die­fer Auseinandersetzung recht lebhaft. Für die Reichspartei sprach Abg. Fürst von Hazfeldt. In der auswärtigen Politif werde man nur dann Erfolg haben, wenn man sich auf einen realen Standpunkt stellt. Von einer Einfreisungs­politik set keine Rede. Seine Partet hätte gewünscht, daß die Finanzreform in anderer Weise zustande gekommen wäre. Der Fehler wäre der. das man der liberalen Par­feien ermöglichte, den Kopf wieder aus der Schlinge zu ziehen. Wenn man sage, die Finanzreform set so schlecht ge­wesen, daß man sie nicht hätte mitmachen sollen, so wider­spreche das doch den Tatsachen. Die nationalliberale Par­tet habe sich doch erst später zur Erbschaftssteuer bekannt als die Reichspartet. Die gute Folge der Finanzreform für die Industrie, der langsame, aber stetige Aufschwung der Industrie, sei auch von Handelskammern bestätigt worden, und die Spareinlagen mit 15-16 Milliarden seien ein deut­licher Beweis, daß die neue Wirtschaftspolitik auch dent deutschen Arbeiter vorteilhaft ist. Der Abg. Fuhrmann( ntl.) suchte sodann nachzuweisen, daß dic Nationalliberalen von Tonservativer Seite herausgefordert seien, Reden zu halten, wie die des Abg. Bassermann. Er erkannte an, daß die Finanzen sich gebessert haben, leugnete aber. daß die Reform ein Erfolg sei. Er polemisierte unter Rechtfertigung der Haltung der Nationalliberalen bei den Finanzreformver­Handlungen scharf gegen die Rechte und schloß die Möglich­feit eines Zusammengehens der Nationalliberalen mit den Sozialdemokraten wegen ihrer unüberwindlichen Abneig ung gegen das Zentrum im Westen nicht aus. Hiernach sprach der Abg. Röside( kons.) noch einmal gegen die Abgg. Bassermann und Fuhrmann, von denen der erstere, wie der Redner erklärte, eine Wahlrede, letzterer eine Leichenrede gehalten habe. Nach dem süddeutschen Demokraten Hanß­mann wurde die Debatte geschlossen. Das Gehalt des Kanz­lers, der nicht mehr das Wort erbeten hatte, wurde gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Polen bewilligt. Bet den Abstimmungen über die Resolutionen wurden die fort­schrittlichen Anträge über Schiedsgericht und Abrüstung an­genommen, der weitergehende sozialdemokratische Antrag wurde abgelehnt.

Es folgte der Etat des Auswärtigen Amtes, an den fich ebenfalls eine lange Debatte knüpfte. Herr von Ki­derlen- Wächter wurde vom Zentrumsredner Pfeiffer nach dem Stande der deutschen Handelsinteressen in Finnland gefragt. Abg. David( Soz.) wandte sich gegen die Verge­waltigung dieses Landes durch das russische Reich, Görcke ( natl.) trat für die deutschen Interessen im Auslande, na­mentlich in Ostasien ein, der Staatssekretär von Kiderlen teilte mit, daß das Reichsangehörigkeitsgesetz fertiggestellt set. Ueber die Entschädigungsansprüche, die auf Grund von Verlusten im südafrikanischen Kriege angemeldet worden sind, ist eine Einigung mit England immer noch nicht er­ztelt ein Beispiel, wie das Schiedsgerichtssystem, nicht durch Deutschlands Schuld, versagt. Die Debatte drehte fich noch eine Weile um allerlei minderwichtige Dinge, bis der Etat des Auswärtigen schließlich erledigt wurde.

Zu den Debatten um die Abrüstung. 31 den Debatten um die Abrüstung wird, wie uns von militärischer Seite geschrieben wird, eine Uebersicht über die fionaren der europäischen Heere und Flotten von Interesse sein. In erster Reihe ist die Kriegs­stärke Deutschlands nach dem Stande vom 1. Januar 1911 zu betrachten. Die gesamte Kriegsarmee setzt sich aus der Feldarmee mit Reserveformationen, der Landwehr und dem Landsturm zusammen. Die Feldarmee mit Reserve­formationen beträgt rund 1 750 000 Mann. Die Landwehr ift auf 1700 000 Mann zu schätzen und der Landsturm auf 550 000 bis 600 000 Mann, sodaß die gesamte deutsche Kriegs­macht rund 4 Millionen Mann beträgt. Die Zusammen­setzung des Feldheeres ist folgende: Es besteht aus 28 Armeekops, oder 48 Infanterie divisionen, 11 Kavallertedt­

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Des Rätsels Lösung.

Roman von Ludwig Blümck e. Nachdruck verboten.

Vater und Sohn sind allein. Hardi steht zu sehr un­ter dem Eindruck dessen, das eben sein Herz bewegte, als daß er nicht lebhaft davon hätte sprechen mögen.

Eint reizendes Geschöpfchen ist sie, Papa. Ich bin ganz entzückt von der Erna Raben," kam es über seine Lippen, während sie mit großen Schritten dem Schlosse zustrebten.

In seinem Eifer sah er nicht, daß auf des Vaters Stirn plötzlich eine Unmutsfalte entstanden war. Es ftel thm auch nicht auf, daß derselbe dieses Thema gar so furz abbrach, um in sehr ernster, feierlicher Tonart auf aller! ci Familienangelegenheiten zu sprechen zu kommen.

Man hattte das uralte Portal des grauen Schlosses erreicht. Da prangte in verwittertem Gestein das Wap­pen derer von Eschenhold. Die mächtigen Ulmen winkten Hardi mit ihren entlcubten Zweigen einen traurigen Will­fommengruß zu und plötzlich war aller Frohsinn geschwun­den. Kalt und öde schien ihm das alte Gemäuer, der Tag des Begräbnisses stand wieder vor seiner Seele. So dunkel und still war es drinnen in den mit solider Eleganz ausgestatteten Räumen. Hardi durchrieselte es falt und plötzlich sah er des Vaters bekümmertes Gesicht, in das die Sorge, troz Glanz und Reichtum, gar manche tiefe Furche gegraben.

,, Ja, ja, seit Mütterchen nicht mehr hier schaltet und waltet, ist es falt und unfreundlich im Schloß geworden," Sprach der General mit einem tiefen Seufzer.

Jm Speisezimmer war ein einfaches Mahl zugerichtet, an dem außer Vater und Sohn noch der Inspektor Wol­tersdorf teilnahm, der dem General nicht nur als tüchtiger Beamter, sondern auch als angenehmer Gesellschafter ans Herz gewachsen war und darum mancherlei Vorrechte ge= noß, um die ihn viele beneideten.

vifionen und ungefähr 25 Reservedivisionen. Genauer be­stimmt wird die Feldarmee durch folgende Berechnung: Sie besteht aus 962 Bataillonen Infanterie und Jäger, 828 Batterien, 528 Schwadronen, 16 Maschinengewehrabteilun­gen, 12 Maschinengewehrkompanien mit 888 Maschinen­gewehren, 95 Pionierkompanien und rund 5000 Geschützen.

Demgegenüber hat Frankreich 19 Armeekorps mit 40 Infanteriedivisionen aufzuweisen. Diese Zahl wird noch vermehrt durch zwei Armeekorps aus Nordafrika und der Kolonialarmee mit insgesamt 6 Infanteriedivisionen. An Reservedivisionen, von denen in Frankreich 36 vorhanden sind, übertrifft es Deutschland bedeutend. Genauer betrach= tet ergibt sich, daß das französische Heer eine Kriegsstärke von 1090 Bataillonen, 823 Batterien und 580 Schwadronen Kavallerie aufweist. An Geschüßen verfügt es über eine Anzahl von 3500 Stück. Es ist also in mancher Beziehung der Bahl nach stärker als das deutsche Heer. Natürlich ste= hen diese Zahlen in Frankreich nur auf dem Papier, da nicht genügend Leute vorhanden sind, um alle Forma­tionen vollzählig zu machen.

In Oesterreich beträgt die Summe der Streitkräfte 680 Bataillone, 350 Schwadronen und rund 1850 Geschütze. Für Rußland sind folgende Zahlen maßgebend, wenn utan die Kriegsstärke in Betracht zicht: Das Heer setzt sich dann aus 1960 Bataillonen Infanterie, 1530 Schwadronen, 1. und 2. Linie Kavallerie und aus 772 Batterien Artillerie zusammen. Endlich ist noch zu erwähnen, daß die Kriegs­stärke der Türkei jetzt rund 1750 000 Mann beträgt, Ru= mänten 350 000 Mann, Serbien 400 000 Mann. Als lette Kriegsstärke sei die der Großmacht Italien ge= nannt. Die Gesamtorganisation des Heeres besteht aus 12 Armeekorps und 25 Divisionen. Seine Kriegsstärke beträgt 1 450 000 Mann.

Aus diesen Zahlen, die immer nur den ungefähren Stand umfassen, geht zur Genüge hervor, daß die Kriegs­rüstung auf allen Gebieten noch in einem solchen Umfange betrieben wird, daß von einer Abrüstung nicht viel zu cr= warten ist. Bei diesem Niesenumfang der Rüstungen läßt sich vor allen Dingen nicht die Art und Weise bestimmen, wie die Abrüstung vor sich gehen soll.

Rundschau vom Cage. Politisches.

Kaiser Wilhelm und der türkische Sultan. Nach einer Meldung der Frff. 3tg. aus Konstantinopel dankte Kaiser Wilhelm dem Sultan für sein Kondolenztelegramm an= läßlich des Todes des Oberstleutnants Schlichting. Der Kaiser hob in seinem Telegramm besonders hervor, daß Der Heimgang dieses tüchtigen Offiziers ihm sehr nahe ge­gangen sei.

Die Ankunft des Kronprinzenpaares auf Korfu er­folgte Freitag nachmittag. Der Kaiser und die Kaiserin sowie Prinzessin Vittoria Luise hatten sich sich mit kleinem Gefolge vom Achilleion zum Hafen und an Bord der Ho­henzollern" begeben, um das Kronprinzenpaar zu em­pfangen. Der Dampfer Prinzregent Luitpold" lief um 3 Uhr 15 Min. ein. Der Kronprinz und die Kronprin­zessin standen auf Deck des Dampfers, der Kaiser auf der Kommandobrücke, die Kaiserin und die Prinzessin auf dem Promenadendeck der Hohenzollern". Die Herrschaften winften einander zu. Das Kaiserpaar empfing dann mit der Prinzessin die tronprinzlichen Herrschaften am Fall­reep mit Ruß und Umarmung. Nach 4 Uhr begaben sich die Herrschaften gemeinsam an Land und fuhren im Auto­mobil zum Achilleion, wo der Tee eingenommen wurde und abends Tafel stattfand.

Ueber die letzten Dispositionen für die Kronprinzen­reisen wird der Inf." mitgeteilt: Der Kronprinz wird mit der Kronprinzessin bis zum 3. April in Korfu als Gäste des Kaisers auf dem Achilleion weilen. Anschließend hieran erfolgt die Fahrt nach Rom anläßlich der Jubi­läumsfeierlichkeiten Italiens; der Aufenthalt dort soll vom 5. bis 8. April währen. Von Rom aus begibt sich das Kronprinzenpaar zum Besuche des Kaisers Franz Josef nach Wien, wo es am 9. April eintrifft. Hier ist Aufent­halt für einen vollen Tag zunächst vorgesehen. Man wird also damit rechnen können, daß die kronprinzlichen Herr­schaften am 10. oder 11. April in Potsdam wieder ein­treffen werden.

Die französische Presse über die Kanzlerrede. Die Rede des deutschen Kanzlere über Abrüstung und Sujieds: gericht hat in Paris einen sehr tiefen Eindruck gemacht und wird allerseits viel besprochen, wobei die Nationa­listen hervorheben, Frankreich wisse nun, woran es sich zu halten habe. Die Rede sei geeignet, gewisse Träume englischer und französischer Schwärmer zu zerstören, die Frankreichs Wehrkraft lahmzulegen drohten. Im allge= meinen glaubte man hier niemals an eine deutsche Rü­stungsbeschränkung, ist dem Kanzler aber für seine gestrige Offenheit dankbar und ermahnt die Regierung, die nöti­gen Folgerungen daraus zu ziehen und Frankreichs Wehr­macht intakt zu lassen.

Hardi konnte freilich diesem gar zu unterwürfigen, furchtbar zungengewandten Herrn nicht viel Geschmad ab­gewinnen. Es schien ihm auch, als könnte ihm derselbe nicht fest und frei ins Auge schauen. Daß der Vater gerade in diesem Mann wieder etwas besonderes sah, war ihm völlig unverständlich, und unwillkürlich ftel ihm ein, daß Bruder Kuno, der Herr Gesandte, bereits vor drei Jahren behauptete, der Papa wäre für seine fündundsechzig Jahre schon recht altersschwach. Es möchte das vielleicht auf die Kopfwunde, die er bei Mars la Tour erhalten, zurückzu­führen sein.

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Am nächsten Tage galt Hardens erster Besuch der Fa­milie Raben. Da sah er Erna wieder. Errötend empfing sie ihn und führte ihn in die gute Stube. DieEltern waren noch nicht aus der Kirche ück, darum hatte sie die Ver= pflichtung, ihn ein Viertelstündchen allein zu unterhalten. Selige Minuten dünkten Hardi das, sein Herz pochte so wild, so ungestümt wie nie zuvor, und übermächtig kam die Liebe über ihn, die Liebe, die er bisher nur geahnt, aber nicht gekannt. ,, Den verliebten Leutnant" hatten sie ihn in der Residenz genannt, den schönen Leutnant mit dem Schmetterlingsherzen", und was war es sonst noch alles gewesen. Und dabei hatte er niemals ein weibliches We­sen richtig geliebt; ein Spiel nur war es gewesen, eine leichte Liebeständelei.

,, Bin ich denn ganz und gar verwandelt?" Was soll daraus werden?" mußte er sich sagen. ,, Wie kann nur ein so zartes, süßes Wesen eine solche Macht ausüben."

Ach, es war gut, daß die Viertelstunde so schnell ver= strich, daß die biederen Rabens aus der Kirche heimkehr­ten. Bei seinem lebhaften Temperament hätte Hardi sonst zweifellos bald ein Wort zu viel gesprochen.

Jn Ernas Sinn aber jubelte es: Er ist doch nicht im Strudel der Welt verloren gegangen! Er ist noch der alte liebe Junge mit den ehrlichen Augen und dem unverdor­benen Sinn."- Ach, stände ich doch nicht so tief unter

Die dänische Regierung beabsichtigt, die Arbeitsver­mittlung, die bisher von einigen Gemeinden ausgeübt wurde, zu verstaatlichen und zwar sollen in allen Städten des Landes über 7000 Einwohner kommunale Büros für fostenlose Arbeitsvermittlung eingerichtet werden. Das Personal wird teils von der Gemeinde, teils vom Staate bezahlt werden. Ein entsprechender Gesetzentwurf wird dem nächsten Reichstage vorgelegt werden, der ohne Zwei­fel dem Gesetze zustimmen wird.

Der Bürgerkrieg in Megito. Nach Gerüchten sollen in den Kämpfen, die seit Montag in der Nachbarschaft von Ures( Mexiko) zwischen den merikanischen Regierungs­truppen und den Aushändischen stattfinden, auf beiden Seiten etwa tausend Mann gefallen sein.

Kleine Daten.

Das abnorm warme zweter, das seit einigen Ta­gen über Mitteleuropa herricht, ochte Holland gestern den wärmsten Märztag seit dem Jahre 1849. In Rotterdam stteg das Thermometer bis auf 21.7 Grad Celsius.

Ein furchtbares Gewitter, das von 10 bis 1 Uhr nachts anhielt, ging am Freitag über Monsheim( Kr. Worms) und Umgebung nieder, von einem schweren Hagelschlag begleitet. In den Weinbergen wurde durch die gewaltigen Wasser­massen großer Schaden angerichtet; große Löcher wurden in den Boden gerissen und die Weinstöcke stellenweise eine Viertelstunde weit fortgeführt. In den Straßen liegt der Schlamm fast einen halben Meter hoch.

Oberpfarrer Hugo Greiner( Pseudonym: Friedrich von der Höhe), der Dichter vieler oft gespielter Volkstücke, ist in Halle a. S. im 47. Lebensjahre gestorben.

Ein wenig erfreuliches Ergebnis hatte in Jena die Prüfung der Referendare zum Assessor. Sieben junge Rechtsgelehrte hatten sich gemeldet, aber nur ein einziger erlangte die ersehnte Würde. Zwei wurden auf Grund threr unzureichenden schriftlichen Arbeiten zur mündlichen Prüfung überhaupt nicht zugelassen und vier fielen bet der mündlichen Prüfung durch. Ein solches Ergebnis im Assessorexamen ist in Jena noch nicht zu verzeichnen ge­wesen.

Sechzehn Grabdenkmäler total zerstört wurden auf dem israelitischen Friedhofe in Cöln. Man glaubt an einen Racheakt. Vor längerer Zeit sind Grabschändungen auch auf dem evangelischen Kirchhofe verübt worden. Die jü­dische Gemeinde hat für die Ermittlung der Täter eine hohe Belohnung ausgesetzt.

Eine tschechische Rüpelei wird den L. N. N." aus Reichenberg in Böhmen mitgeteilt. Bei einem Großfeuer in dem tschechischen Orte Plav durchschnitten die Tschechen der aus dem Orte Schumburg zur Hilfe herbeigeeilten deutschen Feuerwehr die Schläuche und bewarfen die Feu­erwehrleute mit Steinen, sodaß die Feuerwehr schließlich flüchten mußte.

Einen entsetzlichen Verbrennungstod erlitt Freitag früh die 44jährige Ingenieursfrau Herold zu Eichwalde bei Ber­Itn. Sie wollte in der Küche Feuer machen; dabei gerieten ihre Kleider in Brand. Da der Ehemann abwesend war und das neunjährige Töchterchen keine Hülfe zu bringen vermochte, hatte die Unglückliche beim Eintreffen der Nach­barn bereits so schwere Brandwunden an der Brust er­Ittten, daß sie nach wenigen Minuten starb.

Von einem Einbrecher erschossen wurde in Laurahütte in Oberschlesien der Schußmann Kettler. Der Täter, ein langgesuchter Verbrecher, der sett Monaten den oberschle= fischen Industriebezirk unsicher machte, entkam.

Vom fünften Stockwerk des Rathauses abgestürzt ist in Weidau in Sachsen am Freitag die Frau etnes Schuhman­nes, die mit dem Pußen der Fensterscheiben beschäftigt war. Ste blieb auf dem mit Steinplatten belegten Fußwege mit zerschmetterten Gliedern tot liegen.

Oermischtes.

Die ominöse Aufschrift. Dem Inhaber eines bürger­lichen Restaurants im Norden Berlins ist in einer der legten Nächte ein loser Streich gespielt worden, der den Stammgästen des Lokals und den Sraßenpassanten noch heute ausreichenden Grund zum lachen gibt. An den Schaufenstern des Lokals steht angeschrieben: Echte Biere". Als aber der Wirt dieser Tage einmal sein Ge­schäft öffnete, brachte er in den Auschschriften nicht mehr ,, echte Biere" zum Verkauf, sondern schlechto miere". Une nithe Hände hatten in der Nacht das echte" in schlechte"

verwandelt.

Feinde der Frauengelehrsamkeit in Griechenland. In der Athener Universität fanden am Donnerstag bei Er­öffnung der Vorlesung der Privatdozentin für Medizin Fräulein Panagiotatu, die über epidemische Krankheiten liest, wüste Szenen statt. Eine Anzahl berufsmäßiger Radaumacher unterbrach mit den Rufen den Vortrag: Hinaus mit dir, geh lieber in die Waschküche oder in die Kinderstube!" Als vernünftige Elemente hiergegen auf­traten, entspann sich eine richtige Prügelei, wobei einige Bänke zerbrochen wurden. Mehrere der Vorlesung bei­

ihm, wäre er von bürgerlicher Geburt, welch ein Glück tönnte das sein!" mußte sie seufzend hinzufügen.

Herr Raben, der Rentmeister und langjährige treue Berater des Generals, zählte etwa sechzig Jahre. Er war von mittelgroßer, gedrungener Gestalt, hatte kurz gescho= renes, schneeweißes Haar, ein glattrasiertes, volles Ge­sicht, aus dem ein paar kleine Augen durch scharfe, blanke Brillengläser ungemein gutmütig in die Welt schauten. An diesem Manne war alles forrekt, äußerlich schon in Kleidung und Benehmen, innerlich aber im Denken und Empfinden erst recht.

Mit unverhohlener Freude, aber nicht ohne den ges bührenden Respekt begrüßte er Hardi und hörte glück­strahlend, was der ihm über seinen Referendar berichtete.

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Frau Raben, eine schöne Frau mit grauem Scheitel, ausdrucksvollen Augen, bleichem, verhärmtem Gesicht und einem eigentümlichen nervösen Zucken um den Mund, be­mühte sich, das, was ihr Gatte empfand und da er fein Mann von vielen Worten nicht recht auszusprechen vermochte, statt seiner beredt zum Ausdruck zu bringen. Rief Erna die Pflicht nunmehr auch von Zeit zu Zeit in die Küche, wo die bratende Martinsgans ihve Anwesenheit energisch verlangte, so fühlte Hardi sich in dem trauten Heim dieser guten Leute dennoch so behaglich, daß er rücksichtslos genug war, die übliche bür­gerliche Mittagsstunde zu vergessen. Und Rabens nah men ihm das, trotz des duftenden Gänsebratens, nicht übel. Die Hausfrau füllte ihm vielmehr immer von neuem sein Glas mit ihrem wohlgelungenen Johannisbeerwein und stellte immer neue Fragen an ihn betreffs der Familie Bolten, mit der verwandt zu werden, sie das Höchste auf Erden dünkte.- Und Erna steckte wieder und wieder ihr blondes Köpfchen zur Tür herein, um die Mutter irgend etwas ihr jedenfalls im Augenblick recht wichtig Scheinendes zu fragen. Ihre Wangen glühten, und ihre Blauaugen glänzten, wie wenn ihr eine ganz besondere Freude widerfahren wäre.

( Forts. folgt.)

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