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rermeister Krause aus Charlottenburg als Zeugen. Dieser| Beuge wird Freitag geladen. Zeuge Bureauvorsteher Kö­fter war Revisor der Kaffe der Gendarmeriebrigade Mün­ster, die der damalige Rechnungsführer Münter zu verwal ten hatte. Bei einer unerwarteten Revision fehlten zwei Heiratsfautionen zu je 300 Mart. Ich fagte Münter, er solle das Geld beschaffen. Die Kasse war später auch in Ordnung. Münter führte einen leichtsinnigen Lebenswan­del. Er war immer unheimlich mit seinem stechenden Blick, außerdem fehlte ihm wohl auch der sittliche Halt.

Vermischtes.

Italienische Banditen. Kürzlich wurde der Tod des letzten Räubers auf Sardinien gemeldet. Anders in Süd­italien; dort blüht das Banditenunwesen nach wie vor. Letzte Nacht wurde der Postwagen, der von dem Bahn­hofe Potenza nach der Stadt fährt, auf dem kurzen Wege von 12 Bewaffneten überfallen. Der Kutscher wurde ge= bunden und gefnebelt. Dann wurden die Wertbriefe und Batete ausgeräumt. Hierauf wurde der Kutscher von seinen Fesseln befreit und mußte weiter fahren. Die Gen­darmerie ist den Banditen auf der Spur.

Von einem Studenten durch Unvorsichtigkeit erstochen. Aus Straßburg wird geschrieben: Durd) große Unvorsich­tigkeit hat gestern abend ein Student ein junges Mäd­chhen getötet. In der Wohnung einer befreundeten Fa­milie unterhielt er sich mit der Tochter. Plöglich hörte die Mutter, die im Wohnzimmer war, einen Schrei der Tochter. Sie sprang herbei und sah, daß ihre Tochter in die Brust gestochen war. Der Stich soll, wie die zwei sag­ten, so getommen sein, daß, während der Student sein Taschenmesser in der Hand hielt, er und das Mädchen in eine Neckerei geraten waren, in deren Verlauf es durch eine unglüdliche Bewegung zu dem Stich gekommen war. Der schnell herbeigerufene Arzt ordnete die Ueberführung des Mädchens nach dem Spital an. Bei der Ankunft des Krankenwagens im Spital war das Mädchen jedoch be­reits tot.

Auswanderung nach Deutsch- Südwestafrika. Der Frau­enbund der Deutschen Kolonialgesellschaft, der sich die Besie­delung und Deutschwerdung unserer mit großen Opfern an Gut und Blut erworbenen Kolonie Deutsch- Südwestafrika zur Aufgabe gemacht hat, vermittelt tüchtigen jungen Mäd­chen, vorzüglich solchen, die vom Lande stammen, häusliche Dienststellungen. Die Mädchen erhalten auf Antrag des ko­lonialen Frauenbundes von der Deutschen Kolonialgesell­schaft freie Ausreise in der 3. Schiffsklasse, und nach zwei­jährigem Kontrakt die freie Rückreise; sie werden nur sol­chen Familien vermittelt, die mit ihrem Gesuche eine Be­fürwortung des Kaiserlichen Gouvernements einreichen. Der Monatslohn beträgt in der Regel 50 Mart. Im Herbst des lekten Jahres hat der Frauenbund in Keetmanshoop, im Süden des Schutzgebietes, ein Heimatshaus eröffnet, das unter Leitung einer tüchtigen Oberin steht. Dorthin ent sendet er jetzt einen Teil seiner Bewerberinnen, die vom Heim aus passende Stellungen im Lande finden. Bewer­bungen sind zu richten an den Frauenbund der Deutschen Kolonialgesellschaft, Berlin W 9, Botsdamerstraße 134.

Was vorkommen kann! In einer der letzten Sigungen der Kieler Straffammer wurde ein fast Achtzigjähriger als Zeuge vernommen. Dabei stellte sich heraus, daß er noch niemals einer Gerichtsverhandlung beigewohnt und keine Kenntnis davon hatte, was ein Eid bedeute. Daraufhin äußerte der Vorsitzende, der Zeuge werde doch gelegentlich in der Zeitung gelesen haben, daß jemand einen Eid ge­leistet habe. Der Alte erwiderte, er habe in seinem Leben noch nie eine Zeitung gelesen!

Der falsche Tolstoi. Wie aus Petersburg gemeldet wird, hat ein abenteuerlustiger Bauer seine Aehnlichkeit mit dem verstorbenen Tolstoi dazu benutzt, von den Beu­ern große Geldsummen zu erschwindeln. Er redete ihnen vor, Tolstoi sei gar nicht gestorben, die Zeitungen hätten ihn nur tot gesagt, um ihn, der von den Gerichten zum Tode verurteilt worden sei, zu retten. Er sei Tolstoi und bitte, daß ihm Jaßnaja Poljana erhalten bleibe.

Ein föniglicher Wagenpark zum Verkauf. Die herr­lichen Staatsfarossen, in denen die Könige Portugals bei fcierlichen Anlässen, von prunkvollen Vorreitern ange= fündigt und von einer glänzenden Suite umgeben, sich dem Volke zeigten, sollen nun einem sehr prosaischen Schick­sal verfallen. Die jezige Regierung hat beschlossen, die­se Gefährte, die zum Teil sehr alt sind und Wunderwerke der Karosseriekunst darstellen, öffentlich zum Verkaufe auszubieten. Der Park dieser von Gold und Glas glän­zenden Prunkwagen steht jetzt zum letztenmale vereint in einer der großen Stallungen des Palastes. Bald wer­den die Wagen in alle Winde zerstreut sein. Wahrschein­lich fahren dann die amerikanischen Dollarprinzessinnen darin zur Hochzeit. Die portugiesischen Könige werden sich das kaum haben träumen lassen.

Eine Sparkünstlerin. Als der Totenschaurichter ei­nes Londoner Vororts die Todesursache einer plötzlich verstorbenen Frau Anni Draper feststellen sollte, fragte er den Ehemann, den Angestellten einer Omnibusgesellschaft, ob die Tote gelegentlich dem Alkohol zugesprochen habe. Der Manu verneinte und führte als Beweis für die Ent­haltsamkeit seiner Lebensgefährtin eine Tatsache an, die allgemeines Erstaunen erregte. Von dem etwa 130 Mf. betragenden Monatsgehalt ihres Gatten hatte die Frau über im Laufe ihrer 28jährigen Ehe ein Kapital von 12 000 Mark zusammengespart. Dabei hätten sie wie Draper versicherte stets gut und reichlich zu essen ge= habt, immer pünktlich ihre Miete und Steuern gezahlt Von seinem und seien anständig angezogen gegangen. Fleinen Vermögen hatte der Mann übrigens bis zur Er­frankung der Frau teine Ahnung. Er übergab ihr stets seinen Verdienst bis auf wenige Mark und kümmerte sich nicht weiter darum, was seine Anni damit tat. Es ge­nügte ihm, daß sie ihn gut versorgte und nie über Geld­mangel flagte. Als nun vor wenigen Tagen die Frau plötzlich frank wurde, begab er sich nach ihrer Weisung zur Pennysparbank, um von ihren Ersparnissen einen Be­trag für Arzt und Medizin abzuheben. Zu seinem Er­staunen ersah Draper aus dem erst im Bankbureau_ge= öffneten Sparbuch, daß seine Frau über ein großes Gut­haben verfügte. Die Zinsen waren nie abgehoben worden.

Ein Opfer religiösen Wahnsinns. Die sogenannte Pfingstbewegung, die die hinterpommersche Landbevölke­rung einem religiösen Wahnsinn in die Arme treibt, hat einen neuen Fall gezeitigt. In dem bei Köslin gelegenen Drte Sydow überfiel ein Mann, der sich der Pfingstbe­wegung angeschlossen hatte, seine Ehefrau, um sie zu schlachten und dem Gott der Sette als Opfer darzubrin­gen. Nur nach hartem Kampfe konnte die Frau im letzten Augenblick entfliehen und suchte bei der Kösliner Polizei Schutz. Der Ehemann aber, der nicht von seiner Wahn­idee abkam, daß er ein Opfer brinden müsse, begab sich

in den Stall und begnügte sich mit einem Kalb, das er] schlachtete und opferte. Die Polizei hat inzwischen die rötigen Schritte in die Wege geleitet und sich an die Auf­sichtsbehörden gewandt, damit diese endlich ernsthafte Schritte gegen das Umsichgreifen der Gefte treffe.

Ein falscher Huttanus. In große Verlegenheit wurde ein in Neuwied eingetroffener Fremder durch einen Neu­wieder Bürger gebracht, der ihn mit den Worten: Guten Morgen, Herr Huttanus!" am Bahnhof anredete. Huttanus nennt sich bekanntlich jener Bonner Telegraphenassistent, der nach Unterschlagung von 130 000 Mart flüchtete und auf dessen Ergreifung 1000 Mart Belohnung ausgesetzt sind. Diese Begrüßungsworte wurden von einem jungen Manne gehört, der alsbald die Polizei verständigte, worauf drei Polizisten dem Verdächtigen nachspürten, die Ausgänge ei­nes Restaurants, in das der tatsächlich Huttanus ähnlich se hende Fremde eingefehrt war, besetzten und ihn schließlich festnahmen. Glüdlicherweise besaß der Herr einen Bekann­ten in Neuwied, der ihn sofort legitimierte, so daß seine Freilassung sofort erfolgte.

Fürst Hendel von Donnersmard und sein Vertrauens­mann. Man schreibt der Tgl. Rosch.": Großes Aufsehen macht in Schlesien der Konflikt, der zwischen dem Fürsten Hendel v Donnersmard und dem früheren Regierungsrat Glazel, seinem Vertrauensmann, in dessen Händen die oberste Leitung der fürstlichen Vermögensverwaltung lag. ausgebrochen ist und bereits das Gericht beschäftigt. Glazels Einfluß war sehr bedeutend, und zwar umsomehr, als er

im guten, streichelte und liebtofte ihn unter em Kinn, dann wandte fie Mittel an, auf die ander eheinänner sehr deut­lich zu reagieren pflegen, fie lie Boie Suppe aubrennen, streute Salz in feinen Kaffee, und als das nichts nupte, legte sie Reißnägel auf seinen Stuhl. Aber auch dann re dete der Mann nicht, sondern ließ höchstens durch eine Kopfbewegung erkennen, daß ihm die Bemühungen seiner Fran doch nicht ganz entgangen wären. Die Aussagen der Frau erschienen den Richtern übertrieben, aber sie brachte eine Reihe von Zeugen vor, die bestätigten, daß er der sparsamste Mensch in der Welt mit seinen Worten sei". Da fahen die Richter ein, daß die Frau recht hatte, und gaben ihrem Klageantrag statt.

Dieser schönen Geschichte fügt die englische Zeitschrift, in der wir sie lesen, eine andere hinzu, in der ein Phono­graph als Hauptzeuge in einem Ehescheidungsprozeß auf­tritt. Mrs. Hollum in Newark wollte geschieden werden, weil ihr Mann ihr untreu geworden war. Ihr Gatte hatte, so behauptete fie, einen leidenschaftlichen Gefühlserguß an eine junge Dame in einen Phonographen gesprochen, der danu vor die Tür der angebeteten gesetzt wurde, um ihr die nicht unwillkommenen Liebesschwüre immer wieder her­zusagen. Der Gatte und die junge Dame, die das Ziel seiner Sehnsucht sein sollte, stellten entrüstet jede Schuld in Abrede, aber Mrs. Hollum hatte den Phonographen ind die Walze in ihren Besitz gebracht und stellte ihn nun vor den Richtern auf: die Worte, die nun dem ehernen Munde ertströmten, waren so beweiskräftig, daß die Anflägerin ohne weiteres ihren Prozeß gewann.

fehr bald in die Verwaltung zahlreicher Geſellſchaften ge Schwere Dynamiterplosion in Neunort.

wählt wurde, an denen der Fürst interessiert war. Er galt allgemein als die rechte Hand des Fürsten, der ihm großes Vertrauen schenkte. Wie nun die Kattowißer Zeitung" berichtet, trat Herr Glaẞel sehr scharf auf, und zwar auch gegenüber alten fürstlichen Beamten. Darüber hätten sich diese beim Fürsten beschwert und der Fürst zu ihren Gun­sten interveniert. Da soll der frühere. Regierungsrat auch dem Fürsten scharf geantwortet und solche Intervention zu­rückgewiesen haben. Daraus sei der Konflikt entstanden, in dessen Verlauf jener seine Entlassung erklärte. Der Fürst habe ihn halten wollen, aber nichts erreicht. Herr Glazel sei nun ersucht worden, freiwillig die Aufsichtsrats­stellen in den fürstlichen Gesellschaften niederzulegen; das habe er abgelehnt, worauf rasch hintereinander bei den betreffenden Gesellschaften außerordentliche Generalver= sammlungen einberufen worden seien, um Herrn Glatzels Absetzung auszusprechen. In unterrichteten Kreisen glaubt man, daß weitere Auseinandersetzungen aus diesem Kon= flikt entstehen werden.

Erlebnisse eines Hamburgers in der französischen Frem dentegion. Im November 1908 verließ ein junger Tisch­lergeselle K., der als Knabe vom Hamburger Waisenhaus nach Neeze bei Lüneburg gekommen war, seinen Lehrort. Er wandte sich nach Paris und im Handumdrehen war er für die französische Fremdenlegion angeworben. Zwölf Tage später befand er sich bereits im Innern Afrikas. Da ihm das Leben der Fremdenlegion aber gar nicht behagte, beschloß er schon nach sechs Wochen zu desertieren, nach­dem er noch ein paar Wochen vorher einer mißglückten Massendesertion deutscher und österreichischer Fremdenle= gtonäre aus seinem Regiment teilnahmslos gegenüberge­standen hatte. Zusammen mit einem Kameraden entfernte er sich am 3. Januar 1909 aus feiner Garnison. Nach dreitägiger Wanderung durch unbekannte und unwirtliche Gebiete Algiers, bet der sie empfindlich unter Hunger und Kälte zu leiden hatten, stellten sie sich wieder der Behörde. Während K. wegen Verkaufs feiner Kleidung mit ½ Jahr Festung davonfam, erhielt sein Kamerad zwei Jahre Fe­stung. Nach verbüßter Strafe wurde er in ein anderes Regiment eingereiht. Aber auch hier ließ ihm die Sehn­sucht nach der deutschen Heimat keine Ruhe. Er machte ei­nen zweiten Fluchtversuch, der, wenn auch unter großen Schwierigkeiten glückte. Sein Verschwinden war nämlich bald entdeckt und die Verfolgung aufgenommen worden, an der sich auch die Eingeborenen gern beteiligen, da ihnen von den Behörden für die Ergreifung eines Deserteurs Prämien zugesichert sind. In diesem Falle nüßte das glück­licherweise nichts. K. kamt schließlich an einen Fluß; er ent= ledigte sich seiner Kleidung, band sie sich auf den Rücken und durchschwamm den Fluß. Vor seinen Verfolgern, die am User standen, tauchte er unter. Sie sandten ihm zwar noch einige Schüsse nach, die ihn aber nicht trafen. So kam er endlich auf spanisches Gebiet und durch Vermittelung eines deutschen Konsuls nach Deutschland zurück. Jezt genügt er seiner Militärpflicht in Flensburg- Im allgemeinen ist der Hamburger noch glimpflich weggekommen, den meisten ergeht es in der französischen Fremdenlegion schlimmer. Immer wieder muß es jedem Deutschen zur Pflicht gemacht werden, junge Leute vor dem Eintritte in die Idemden­legion zu warnen. Ein Deutscher muß sich doch wahrlich selbst für viel zu gut halten, als daß er sich an die fram­zösischen Soldatenschinder verkauft, ganz abgesehen davon, daß es, patriotisch genommen, eine Nichtswürdigkeit ist.

In der Verlegenheit. Dem Herrn Nat hat der Arzt streng das Biertrinken untersagt. Trotzdem kann er es nicht unterlassen ab und zu einen Seitensprung zu machen; er schickt dann sein Faktotum, den alten Friedrich, dem na­türlich strengstes Stillschweigen gegenüber der Gemahlin des Vorgesetzten zur Pflicht gemacht worden ist, heimlich zu dem nahegelegenen Hirsch". Eines Tages wird der Vertraute aber doch von der Frau Rätin, die ihren Mann besuchen will, auf dem Korridor erwischt und gestellt: Was haben Sie denn da unter dem Mantel, Friedrich?" fragt sie mißtrauisch. Friedrich: Dös, dös is a' Amtsgeheimnis, Frau Rätin!"

Wissenschaft. Kunst und Literatur.

Die Rekonstruktion eines römischen Prachtschiffes. Die diesjährige Jubiläumsausstellung in Rom wird neben an­deren Clous" auch die Rekonstruktion eines großen römit­schen Prachtschiffes bringen. Auf einem 13 000 Quadratme­ter großen Wasserbecken wird das 100 Meter Iomge und 25 Meter breite Schiff schwimmen, das auf den verschiede­nen Decks eine Arena für Sport und Tanz, ein griechisch­römisches Theater und schließlich in einem Tempel der Ve­nus und Roma- ein großes Restaurant beherbergen wird. The Ausführung wird in Holz, Eisen und Zement geplant. Nach Schluß der Ausstellung soll das Schiff nach Monte Carlo gebracht werden.

Weshalb man sich scheiden läßt.

Weil ihr Gatte so schweigsam war, reichte eine Mrs. Blickensdorf in Neujersey in den Vereinigten Staaten die Scheidungsklage gegen ihn ein. Zunächst erschien den Rich­tern die Begründung sehr merkwürdig, aber die genauere Aussage zeigte, daß die Frau in der Tat einige Gründe zur Beschwerde hatte. Seit seiner Hochzeit hatte der Mann jahrelang kaum ein Sterbenswörtchen dem Gehege seiner Zähne entfliehen lassen." Im Sommer." so flagte die Frau, fißt er den lieben langen Tag im Hofe, so still und schweigsam, als wäre er eine Holzfigur; und im Winter sett er sich dicht an den Ofen, brennt Holz und Kohlen, die ich herzutrage, sagt dazu aber kein Wort. Vor seiner Verheiratung konnte mein Gatte fließend prechen, wenn er auch niemals das war, was man einen geborenen Red­ner nennen könnte."

Die unglückliche Frau hatte alles mögliche versucht, ih= ren Gatten zum Reden zu bringen; erit versuchte sie es

Biele Tote und Verwundete. Aus Nenyort meldet der Draht:

Als gestern eine größere Menge. Dynamit an der Waf­serseite von Jersey aus einem Güterwagen in ein Boot itm geladen wurde, erfolgte eine furchtbare Explosion, welche erdbebengleich das Finanzviertel und das Wolkenkratzer­viertel Neuyorks erschütterte und in weitester Umgebung Gebäude crzittern machte. Die Baulichkeiten auf der Ein­wanderungsinsel wurden beschädigt. Die größte Panik ent­stand in der unteren Stadt. Minuten lang stockte der Ge­schäftsverkehr an der Börse und in den Banken. Tausende von Fensterscheiben wurden durch den Luftdruck zerstört. Die Zahl der Toten wird bisher auf 25 angegeben, die Zahl der Verletzten geht in die Hunderte. Verschiedene Personen wurden in den Hudson geschleudert. Der Schauplatz der Explosion bietet ein Bild großer Verwüstung. Durch die Explosion im Hafen wurden zahlreiche Personen in den Fährbooten verletzt. Das Boot, in welches das Dynamit verladen wurde, und ein anderes wurden zerstört. Aus den Wolfenfratern stürzten die Menschen auf die Straßen, welche bald unpassierbar wurden. Es sind die wildesten Gerüchte im Umlauf. Die Krankenhäuser in Jersey City sollen überfüllt fein.

Ueber die Ursachen der Explosion wird gemeldet:

0 Renyork, 2. Februar. Die Leute, die mit dem Aus­laden des Drnamits beschäftigt waren, ließen die 50 Pfund schweren Kisten eine schiefe Ebene hinabgleiten, zu deren Seite andere Arbeiter aufgestellt waren. um die Kisten zu führen und dadurch ein gefährliches Abrutschen zu verhüten. Wahrscheinlich hat einer der Leute die Gewalt über eine der herabrutschenden Kisten verloren.

Neuere Telegramme melden:

6 Neuyork, 2. Februar. Die Gewalt der Explosion war entsetzlich. Der Schlepper, auf dem das Dynamit la­gerte, mit elf Mann Besabung wurde in Atome zerrissen, so daß nicht die geringste Spur geblieben ist. 14 Arbeiter, die gerade frühstückten flogen in weitem Bogen in den Fluß und sind alle ertrunken. Auch viele andere ins Wasser geschleuderte Personen famen in den Fluten um. Alle Boote und Bahnzüge nahe der Explosionsstelle wurden gewaltig erschüttert. Alle Scheiben sind zertrümmert, sv daß der Glasschaden allein auf eine Viertel Million ge­schätzt wird. Durch Glassplitter wurden viele Personen verletzt. Die Gesamtzahl der Verletzten beträgt über tan: send. Unter den Einwanderern auf Ellis Island brach eine Panik aus, da sie glaubten, die ganze Insel gehe unter.

Frankfurt a. M., 2. Februar. Der Franff. 3tg.' wird über die Erplosion aus Neuvorf noch gemeldet: Die Explosion ist die furchtbarste, die sich je in diesem Landes teile ereignet hat. Die Totenliste weist jetzt über 30 auf Die Verletten zählen nach Tausenden. Außer dem Schlep per Catherine" wurden ein Leichter und acht Mann auf demselben in Stücke zerrissen, andere kleinere Boote zer: trümmert und die Insassen getötet. Viele Lebende und Tote trieben auf dem Hudson. Nach der Katastrophe sak man zwischen den meilenweit verstrenten Schiffstrümmern zwei Maststücke, das war alles, was von der Catherine übrig geblieben war. Ein kleiner Schlepper flog buchstäb­lich aus dem Wasser. Alle größeren Uhren in der ganzen Nachbarschaft blieben stehen. Zur Zeit der Explosion strömten aus den Fabriken zum Mittagessen die Arbeiter Viele Frauen wurden von panikartigem Schrecken erfaßt; viele stürzten, und verletzten sich. Einem Manne, der ge rade rasiert wurde, durchschnitt der Barbier beim Sturze den Hals. Die wildesten Gerüchte liefen anfangs in Neu­york um. Alle Geschäfte an der Börse und in den Banker wurden zeitweise suspendiert. Hunderte von Frauen wur­den ohnmächtig. Die Hospitäler der Neuvorfer Unterstadt sind sämtlich überfüllt. Die Liste der Opfer wächst stünd­lich.

Drabtnachrichten und neuestes.

Lebensmüde.

Berlin, 2. Februar. In einer Pension in Wilmers. dorf vergiftete sich gestern abend der 50jährige Apotheker Bittor Dorn mit Zyanfali. Dorn soll die Tat wegen miß­licher Vermögensverhältnisse begangen haben.

0 Leipzig. 2. Februar. Seit gestern ma mittag wird der Kreisgerichtsrat Eberhard Weller vermißt. Man nimmt an, daß er seinen Tod in der Pleiße gefunden hat. da man feinen Mantel am Ufer des Flusses auffand. Der Ver­miste hat gestern noch an drei Verhandlungen teilgenom men, in denen er Referate erstattete.

Eine ganze Familie von Näubern ermordet. Petersburg, 2. Februar. In Kraßnojarsk wurde die aus acht Personen bestehende Bauernfamilie Kondrat­jeiw von Räubern ermordet. Die gesamte von den Räu­bern erbentete Barschaft betrug 60 Pfennig.

Die Bekämpfung der Vest.

C Paris. 2. Februar. Nach hier eingetroffenen Mel­dungen aus Gharbin werden die Leichen der an der Best verstorbenen Bersonen in eine zwei Meilen von der Stadt entfernte große Grube geworfen, mit Petroleum übergossen und dann verbrannt.

Sinrmwetter an der spanischen Küste.

Madrid, 2. Februar. Heftige Unwetter wüten an der Mittelmeerküste. Zahlreiche Fischerboote sind unterge­gangen, webei über 20 Personen umfamen.

Politischer Mord in Versien.

Teheran, 2. Februar. Gestern wurden auf den Gouver neur von Ispahau und seinen Neffen von dem früheren Polizeichef, einem russischen Untertan, mehrere Schüsse ab­gegeben. Der Gouverneur und fein Neffe wurden getötet. Der Mörder floh in die russische Gesandtschaft. Dem Ver­nehmen nach hat die russische Regierung beschlossen, den Flüchtling nicht der persischen Regierung auszuliefern. Der getötete Gouverneur war früher Handelsminister und ist erit fürzlich auf den Ispahener Posten gestellt worden.