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Deutscher Reichstag.

Die Wertzuwachssteuer in dritter Lesung angenommen. Nachdem in der Dienstagsibung noch die Entscheidung Aber bie bis dahin abgelehnte, von den Konservativen neu­beantragte Steuerfreiheit der Landesfürsten und Landes­fürstinnen von der Reichswertzuwachssteuer gefallen war, ging die Weiterberatung am Mittwoch glatt vonstatten. Die dritte Lesung wurde zu Ende geführt, indem bei den wei­teren Einzelvorschriften noch einige Abänderungen gemäß dem Kompromißantrage der bürgerlichen Parteien beschlos= sen, weitergehende Abschwächungen aber abgelehnt wurden. Die Verteilung des Steuerertrages bleibt wie in zweiter Lesung beschloffen war. Es gehen 50% ans Reich, 40% an die Gemeinden und 10% an die Bundesstaaten. Als letzten Paragraphen beantragten die Sozialdemokraten noch einen §. 58, wonach mit dem Inkrafttreten dieses Gesetzes das Bündwarensteuergesetz außer Kraft tritt. Der Antrag wur­de abgelehnt. In namentlicher Abstimmung wurde damn das Zuwachssteuergesetz mit 199 gegen 98 Stimmen bei 20 Enthaltungen angenommen. Dagegen stimmten geschlossen die Sozialdemokraten, die Mehrheit der Volkspartei und Dr. Arendt( Reichsp.). Die Polen enthielten sich der Stim­me. Damit ist das Zuwachssteuergesetz endgültig verab­schiedet.

11ge Volkspartei lehnten ihn ab, da ber das Reich ft­nanziell zu der Kronprinzenreise nicht herangezogen wor­den sei und ein solcher Wunsch des Reichstags finanzrecht­liche Folgen haben könnte. Die Kronprinzessin wird in Kairo ihren Gemahl, der Mitte Februar von Kal­futta dort eintreffen wird, erwarten. Das kronprinzliche Paar wird dann gemeinsam die Heimreise antreten. Der Kronprinz hat, wie die Nationalzeitung" erfährt, die Eindrüde seiner Ostastenreise in einem Tagebuche auf aus­drücklichen Wunsch des Kaisers aufgezeichnet. Be sonderen Wert soll der Kaiser darauf gelegt haben, daß der Kronprinz seine wissenschaftlichen Erfahrungen schil­dere.

Ueber eine parlamentarische Regierung in Deutsch­land äußerte sich der bekannte Berliner Historiker Pro­fessor Hans Delbrüd in einem Vortrage über Par­teien und Parteiregierung", den er vor Berliner Studen­ten hielt, folgendermaßen: Wenn wir eine Parlaments­regierung hätten, so glaube ich taum, daß ein brauchbares Ministerium dabei herauskommen würde. Man wird mir Frankreich entgegenhalten, das heute von Börsenmaklern und morgen von jemand anders regiert wird. Der Un­terschied ist eben der, daß die Franzosen 1870 besiegt wor­den sind, und daß wir gesiegt haben. Die eigentliche politische Macht ist bei uns das Offizierkorps, über das man fein parlamentarisches Regiment setzen fann. Ein solches Regiment ist aber auch wegen der Anzahl der Par­teien unmöglich."

Dann wurde in Fortsetzung der Debatte von Montag weiter über die Petitionen auf Aufhebung des Impfzwan= ges verhandelt. Während von Rednern verschiedener Par­teten dieser Wunsch oder wenigstens die Einführung der Gewissensflaufel nach englischem Muster( Erlaß der Im­pfung bei Erklärung, daß man sie mit seinem Gewissen nicht. vereinbaren tönne), ferner auch die Entschädigungspflicht bet Gesundheitsschädigungen infolge der pfung befür­wortet wurde, gab die Regierung feine abschließende Er­flärung ab, wandte sich dagegen sehr nachdrücklich gegen den Vorwurf, daß die Anwendung eines 3wanges zur Impfung durch die Polizeiorgane zu dem Geiste und dem Wortlaut des Impfgesetzes in Widerspruch stehe. Die Zwangsbefugnis folge vielmehr aus der Formulierung und ganz unzweideutig jedenfalls aus der Entstehungsge­schichte des Gesetzes. Irgend ein Beschlns kam nicht zu­stande.. Die nächste Sibung wurde erst für Montag anbe­raumt. Man wird sich dann über das Gerichtsverfassungs­gesetz in zweiter Lesung unterhalten, auch die Interpella­tton über die Ueberschwemmung des deutschen Geldmarktes mit ausländischen Aktien wurde auf die Tagesordnung gestellt.

bei Nordhausen geborene Schreiner Christoph August Kna­be, der seit 1867 in Zweibrüden( Rheinpfalz) anfäffig ist. Da seine Verwandten aber nichts mehr von ihm gehört hatten, ließen sie ihn vor 15 Jahren für tot erklären. Bu fälligerweise fam dieser Tage ein Zweibrückener nach Wol­framshausen und lernte dort Verwandte Knabes fennen, durch die dann die Identität des angeblich Verschollenen festgestellt wurde.

Der Aeroplan im Dienste der Reklame. Eine große Pariser Firma hat den Flieger Amant zu einm Fluge von Paris nach Lüttich engagiert. Der Flugbegleiter soll ums terwegs Reklamezettel auswerfen, was fedenfalls nicht zur Verschönerung der durchflogenen Landschaft bettragen wird.

Ein reicher Säugling ist dem Bahnhofsvorsteher der fleinen spanischen Station Erustes in kostbaren Windeln in cinem Korbe gebettet von einem unbekannten Absender zu­gestellt worden. In einem in den Windeln versteckten Kou­vert befanden sich 70 000 Mart in Papiergeld. Da der Bahnhofsvorsteher Junggeselle ist, stürmen ihm die Famt= Iten von Erustes das Haus, die den reichen Säugling" in Pflege nehmen wollen.

Bemerkenswerte Ausführungen zum Modernisteneid machte bei der Etatsdebatte im württembergischen Land= tage der Kultusminister von Fleischhauer. Er betonte zunächst, daß nicht nur der Staat, sondern auch die tatho­lische Kirche ein großes Interesse daran habe, daß den Geistlichen die Fühlung mit dem geistigen Leben der Ge­genwart nicht verloren gehe. Gegen den Zwangseid selbst habe die Regierung nichts tun können. Sollte aber für den Vollzug dieser Verfügung der weltliche Arm des Staa­tes in Anspruch genommen werden, so behalte sich die Regierung alles weitere vor. Das Schreiben des Papstes an den Erzbischof von Cöln sei geeignet, die an sich schon gespannte Lage in bedauerlicher Weise zu verschärfen. Diese Verschärfung der Gegensätze, wie sie auf verschie= denen Gebieten zutage trete, dränge von selbst auf eine flare Auseinandersetzung im Sinne einer Trennung von Staat und Kirche.

Ueber die Annahme des Wertzuwachssteuergesetzes hat sich der Abg. Weber, der während der langen Bera­tungen der Führer der nationalliberalen Fraktion in der Wertzuwachssteuerfrage gewesen ist, einem Mitarbeiter der Nationalzeitung" wie folgt geäußert: Nach langen, ein­gehenden Beratungen, die fast ein Jahr in Anspruch ge= nommen haben, ist das Wertzuwachssteuergesetz mit großer Majorität angenommen worden. Es ist dies der erste Schritt der direkten Heranziehung des Besizes durch ein Reichs­gefeß, und als solcher daher vom Standpunkt des Liberalis­mus aus durchaus zu begrüßen. Wenn auch nicht zu ver­tennen ist, daß mit dem Gefeße zum ersten Male ein Schritt gemacht ist auf ein im allgemeinen moch nicht bekanntes Ge­biet, so kann doch festgestellt werden, daß es vielfachen Be­mühungen gelungen ist, die schwersten Härten der ursprüng­Itchen Vorlage zu beseitigen, so daß es insbesondere auch in der Zeit des Ueberganges, wenn auch vielfach einschnet­dend in weitere Interessensphären, doch aller Voraussicht nach nicht ruinöß wirken wird. Das Erträgnis des Ge­sebes dürfte im Beharrungszustande ein ansteigendes sein, sofern nicht andere Umstände den deutschen Grundstücks­markt beeinträchtigen, und vorausgesetzt vor allen Dingen, daß es gelingt, letzteren einen besseren Realkredit, speziell für zweite Hypotheken, zu beschaffen, als dies bisher der Zall war."

Rundschau vom Cage

Politisches.

Im Schneesturm steden geblieben ist bei der russischen Station Schinertrta im Gouvernement Podolst ein Güter­zug von 20 Wagen. Die Feuerung der Maschine wurde eingestellt, da der Kessel zu platzen drohte. Das Zugper­sonal ist teilweise umgekommen. Zwet Bahnbedienstete sind erfroren, dret Schaffnern sind Hände und Füße abgefroren, sodaß ihre Amputation nötig wurde.

Romantische Hochzeit eines Greises. Auf dem Sterbe­bette wurde der 82jährige Privatier Bartinger in Polling ( Oberbayern) mit seiner Haushälterin getraut. Der Ver­storbene vermachte ihr sein bedeutendes Vermögen.

Volksschullehrer als Schöffen. Zur 2. Beratung der Strafprozeßordnung haben die Abgg. Kreth und Dr. Hahn ( tons) im Reichstage den Antrag gestellt, die Volksschul­lehrer zu dem Amte eines Schöffen und Geschworenen zu­zulassen. Die Strafprozeßkommission hatte, wie erinner­Itch, beschlossen, sie zu diesen Aemtern nicht zuzulassen, weil regierungsseitig verschiedene Bedenken geäußert worden waren. Nach dem Beschlusse der Kommission sollen Volks­schullehre nur als Schöffen bei den Jugendgerichten fun­gieren dürfen.

Eine besondere Huldigung für den Kaiser plant das Cölner Handwerk gelegentlich des Kaiserbesuches Ende Mai, und zwar im Hinblick auf die unter seiner Regie­rung zustandegekommenen Handwerkergesetze und die Be­rufung eines Handwerkers, des Klempnermeisters Plate cus Hannover, in das Herrenhaus. Das gesamte Kölner Handwerk wird eine silberne Plakette prägen Tassen, die, neben dem Namenszuge des Kaisers, Wahr­zeichen von Cöln und des Handwerks tragen wird. Eine besondere Deputation soll dem Kaiser die Plakette als Dank des Handwerks für seine Fürsorge überreichen.

Aufregende Szenen spielten sich gestern in dem Hospital für ansteckende Kinderkrankheiten in Ealing in England ab. In einem Flügel, in dem zwanzig kleine Patienten an den Majern darniederlagen, war Feuer ausgebrochen. Als die Kinder den Feuerschein gewahrtem, bedurfte es der ganzen Autorität der Wärterinnen, um sie zu beruhigen., Als die Feuerwehr anlangte, war der brennende Flügel be­reits geräumt.

Verbrecherischer Anschlag eines Schülers auf seinen Lehrer. In Beverungen an der Weser war ein dreizehn­jähriger Schüler von einem Lehrer gezüchtigt worden. Um fich zu rächen, kaufte der Knabe einen Revolver, ging in die Wohnung des Lehrers und gab auf diesen einen Schuß ab, ohne jedoch zu treffent. Der fugendliche Revolverheld wurde verhaftet. Das Geld für die Waffe hatte er seinem Vater gestohlen. Als der Vater von der Tat seines Sohnes hörte, wurde er vom Schlaganfall betroffen und starb bald darauf.

In der Budgetkommission des preußischen Abgeord­netenhauses wurde am Mittwoch inbezug auf Erkrankun­gen durch Genuß von Margarine von konservativer Seite hervorgehoben, daß viele Erkrankungen im ganzen Lande durch die von einer Firma in Altona gelieferte Margarine verursacht worden seien. Von der Regierung wurde erklärt, daß in Berlin vier Personen erkrankt selen, und daß das Untersuchungsamt für Nahrungsmittel sofort Untersuchungen angestellt habe, aus denen sich ergeben habe, daß von der erwähnten Fabrik ein früher zur Sei­fenfabrikation benutztes Fett verwandt worden sei. Die­ses Fett sei nicht genügend erprobt und habe die Erkran= fungen verursacht. Es schwebten wegen der Erkrankungs­fälle Untersuchungen wegen fahrlässiger Nahrungsmittel­fälschung.

Die Unterbrechung der Kronprinzenreise wurde auch in der gestrigen Sitzung der Budgetkommission des Reichs­tags furz erörtert und dabei angeregt, der Kronprinz möge die deutschen Kolonien im Osten vor seiner Heimreise be­fuchen. Staatssekretär Tirpitz sprach sich zustimmend aus; wahrscheinlich sei ein Plan schon für spätere Zeit in Aus­ficht genommen. Nationalliberale und Reichspartei schlos= sen sich dem Wunsche an, Sozialdemokratie und Fortschritt­

Der Familienschmuck der Wallutjeffs.

Kriminalroman von Freifrau G. v. Schlippenbach. ( Nachdruck verboten.)

22)

Aus Furcht vor Strafe stürzte sich gestern ble 15 Jahre alte Tochter eines Darmhändlers aus Lichtenberg bet Ber­lin aus der im zweiten Stock des Hauses gelegenen Woh­nung auf den Hof hinab. Das junge Mädchen sollte von seiner Mutter bestraft werden; in einem Augenblick des Alleinseins öffnete es das Fenster und sprang auf den Hof, wo es mit schweren inneren Verletzungen liegen blieb. Beim Transport nach dem Krankenhaus starb das Mädchen.

Der russische Frontwechsel gab dem französischen Kriegsminister General Brun Anlaß, in einem Interview zu erklären, daß die russisch- französische Allianz tatsächlich nicht mehr existiere, da die russische Armee die Front ge­wechselt habe. Es wäre nicht richtig, sich darüber Jllu= sionen zu machen; das russische Heer habe künftig nicht mehr die Mission, die Westgrenze zu verteidigen, sein even­tueller Gegner sei sicherlich nicht Deutschland.

Eine Zuversicht erfüllte Jegor, daß es dem Scharfsinn bes Detektiven gelingen würde, seine schwierige Aufgabe glänzend zu lösen. In den wenigen Tagen, die der junge vornehme Russe noch in Luzern blieb, verkehrte er viel mit Häuserling, der ihm einige Kriminalfälle erzählte, bei denen sein Neffe den schönsten Erfolg erzielt hatte. Am Tage vor seiner Abreise besuchte der Graf noch einmal das Grab Andrei's, des treuen Dieners, der für die Familie der Wallutjeffs den Tod erlitten hatte. Je­gor legte einen schönen Kranz auf dem Hügel nieder und betete lange und inbrünstig für die Seelenruhe des Toten. Später sollte ein Marmorkreuz seinen Namen tragen; ein Steinmetz hatte bereits den Auftrag erhalten. Häuserling versprach, für die Pflege des Grabes zu sorgen, unter dessen Rasen der Russe schlief, fern von der Heimat, aber steis nah dem dankbaren Gedenken seines Herrn und sei­ner jungen Gemahlin.

Kleine Nachrichten.

Der Reichspostverkehr nach China und nach Kiantschon über@ibirien ist wegen der Bestepidemie in China einge­stellt worden.

Nun sitzt Jegor Wallutjeff im Zuge. Er hat sich von Häuserling, der ihn zum Bahnhof begleitete, herzlich ver­abschiedet.

Ein 12jähriger Brandstifter und Selbstmörder. In der Nacht zum Mittwoch gegen 12 Uhr brannte in Wülfel bet Hannover ein in der Feldmark aufgebauter Strohdiemen nieder. Su gleicher Zeit wurde auf dem Staatsbahnglets der 12 Jahre alte Sohn einer in Wülfel ansässigem Familie überfahren. Auf einem bei der Leiche befindlichen Zettel bezichtigte sich der Knabe der Brandstiftung.

Die Zarenfamilie begibt sich im August nach der Krim. Das im Bau begriffene neue Schloß in Livadia, das über hundert Zimmer enthalten wird und an dem 3200 Arbetter beschäftigt sind, wird bis dahin fertig gestellt sein.

Nach vor 15 Jahren erfolgter Todeserklärung lebend aufgefunden wurde der im Jahre 1842 in Wolframshausen

Als bei Zürich der lange Tunnel kommt, denkt der Graf mit Grausen an den schrecklichen Mord Andreis. Viel­leicht wurde hier die abscheuliche Tat verübt. Wallutjeff Schaudert. Seine starke Hand ballt sich, er möchte den Mör­der fassen ihn der strafenden Gerechtigkeit ausliefern.

Aus den Gerichtssälen.

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Zum Meineidsprozeß gegen Schröder und Genossen. Das Bild von dem verstorbenen Gendarmen Münter, dem Hauptbelastungszeugen, das die Gerichtsverhandlung in Effen ergibt, ist ein sehr unerfreuliches. Von Kollegen wie von Fernstehenden wird er in einer Weise gezeichnet, die den Gedanken geradezu aufzwingt, er habe mit seinen da­maligen Aussagen ein frivoles Spiel getrieben. So schil­berte ihn sein früherer Oberwachtmeister, zu dessen Beritt in Herne er gehörte: Im allgemeinen wollte man nichts von ihm wissen, er benahm sich wie ein Löwe unter einer Herde Schafe. Man glaubte ihm nichts. Er konnte gemacht haben, was er wollte, nach seinen Berichten hatte er immer recht. Es kamen auch Anzeigen über dienstliche Ueberschrei­tungen, aber er wußte alles so zu drehen, daß die Sache für ihn günstig war. Da sich die Anzeigen wiederholten, kam ich schließlich zu der Ansicht, daß doch die Anzeigenden recht hatten. Er hetzte die Kameraden auf und fühlte sich hocherhoben. Er renommierte mit seinen früheren Stellun= gen und mit seiner Garde- du- Corps- Vergangenheit. In der gestrigen Situng erklärte der Verteidiger der Angeklagten Rechtsanwalt Niemeyer: Es sind mir eine große Zahl Briefe zugegangen, in denen mir weitere Fälle der angeb= lichen Verleitung zum Meineid durch Münter mitgeteilt werden, ja auch von falschen Eiden, die Münter geschworen haben soll. Ich will in dieser Richtung jetzt noch keinen Antrag stellen, sondern warte die Stellung der Staatsan­waltschaft ab. Ein Brief ist aber jetzt schon von Beden= tung. In ihm befindet sich die Mitteilung, daß Münter, als er sich einmal in vertrautem Kreise glaubte. zugegeben hat, er habe damals Schröder einen Stoß ins Genick gege= ben, daß er gemug hatte. Ich benenne hierfür den Tapezie= Morgen mußt Du Dich besser in der Gewalt haben; uns steht ein ernster, trauriger Tag bevor. Alle unsere Nach­barn werden zur Beerdigung unserer teuren Mutter kom­men. Vergiß nicht, daß Du die Gräfin Wallutjeff bist, die sie würdig empfangen muß."

fangen; sie sind zu bewegt, um Worte zu finden, sie fühlen nur, daß sie sich innig lieben und in Freud und Leid ein­ander angehören.

Geduld," denkt der Graf, Gott ist gerecht, der Uebel­täter wird seiner Strafe nicht entgehen."

Trotz der vorgerückten Stunde erzählte Jegor seiner Frau alles, was sich zugetragen hatte. Maria hörte auf­merksam zu, aber dazwischen ruhten ihre Blicke ängstlich auf einem großen Delbilde gerade ihr gegenüber. Es stellte die Urahne Jegor's vor, jene Ljuba Gawrilowna Wallutjeff, die den Schmuck von der Kaiserin Katharina erhalten, mit der sie eine Jugendfreundschaft verbunden hatte.

Nach vielen Reisetagen traf Graf Wallutjeff abends in Walkowa ein. In der düsteren Halle des großen Schlos= Jes tritt ihm eine schwarze Frauengestalt in wallenden Crepeschleiern entgegen. Es ist Maria, die schon einen Tag früher eingetroffen war. Ihr Gatte ist freudig über­rascht, sie zu sehen. Lange halten sie sich sprachlos um­

,, O, warum mußte die Zarin jene düstere Prophezeiung an ihr Geschenk knüpfen? Würden die Worte der hohen Frau sich abermals erfüllen? Sollte dem Urenkel und sei­nem Hause Gefahr drohen?"

So dachte Maria voll Sorge und sie schmiegte sich fester an des Gatten Brust.

,, Wie Du zitterst, mein Seelchen," sagte Jegor besorgt. ,, Hast Du Dich auf Deiner langen Reise erkältet?"

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,, Nein, lache mich nicht aus, ich ich fürchte mich," gab Maria zurück. Eben war es mir, als habe Ljuba Gawrilowna ein böses Gesicht gemacht, o, gewiß ist es eine schlimme Vorbedeutung."

In diesem Augenblick drang ein klagendes Geheul aus dem Walde zum Schloß herüber.

,, Was ist das?" fragte Maria erschreckt ,,, ist es der böse Geist, der im Walde hausen soll? Wie unheimlich ist hier alles."

Aber beruhige Dich doch, mein Täubchen," schalt Wal­lutjeff ,,, es sind die Wölfe. Der Kutscher sagte mir, daß sie dieses Jahr sehr dreist geworden seien und ihr Un­wesen selbst in der Nähe des Schlosses trieben. Ehe wir abreisen, will ich ihnen eins auf den Pela brennen."

Ich will es, Dir zu Liebe, mein teurer Jegor," ver­sprach Maria.

,, Tue es nicht," bat Maria zitternd ,,, es könnte Dir ein Unglüd zustoßen. Ich ich ertrüge es nicht."

Sie gingen zur Ruhe. Aber als der Graf schon fest schlief, wachte sie noch lange; ihre erregten Nerven ließen sie nicht die Wohltat des traumlosen Schlummers finden. Schlich es nicht unheimlich im Schloß umher? Seltsam knadende Geräusche drangen an das gespannt lauschende Ohr der jungen Frau; das Rauschen einer schweren Brokat­schleppe schien an der Tür inne zu halten. Ljuba Gawri­lowna hatte solche golddurchwirkte Roben als Palastdame ihrer kaiserlichen Gönerin getragen. Bebend zog Maria die Decke höher, aber das unheimliche Geheul der Wölfe ließ sie von neuem aufhorchen So lag sie fast die ganze Nacht hindurch wach in den seidenen Kissen, das Herz voll banger Vorahnung. Erst gegen Morgen schlief sie ein. Aber auch dann quälten sie Träume, die sich mit der Wirklichkeit verschmolzen und sie immer wieder aus kurzem Halbschlum­mer aufweckten. Müde und zerschlagen erhob sie sich von ihrem Lager.

,, Wie nervös Du geworden bist!" sagte Jegor besorgt, ,, ich hoffe, es ist nur die Ermüdung infolge der Reise.

Mit Besorgnis ruhte ihres Mannes Auge auf ihrem blassen Gesicht. Im Alter von 15 Jahren hatte Maria Nikolajewna das Nervenfieber gehabt. Sie schwebte da­mals in höchster Lebensgefahr. Lange Zeit befand ste sich in einem völlig apathischen, schwermütigen Zustand, der die Aerzte besorgt machte. Sie sagten Lisaweta, daß das Nervensystem ihrer Tochter sehr zart sei, und daß jede Aufregung ihr schaden könne. Die Jugendkraft siegte je= doch über die Krankheit; Maria erholte sich langsam. Sie verbrachte mit ihrer alten Gouvernante ein Jahr fern von Moskau, wo ihre Eltern damals noch lebten. der stärkenden Bergluft der Alpen schwand jede Spur von Krankheit. ( Forts. folat.)

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