Was foften die Reichstagswahlen?
Eine interessante Berechnung.
Der Kampf um die Retchstagsmandate hat jezt nach dem Bekanntwerden des Wahltermins zum Reichstage auf der ganzen Linie begonnen. Und wenn man von jedem Kampfe sagt, daß er Geld und noch einmal Geld und zum dritten Mal Geld foftet, so gilt das in fast noch erhöhtem Sinne auch für den Kampf, der von den einzelnen Parteien um die Anzahl ihrer Mandate im Reichstage gekämpft wird. Es werden Ver sammlungen abgehallen, Druckschriften und Flugblätter verteilt, Redner ausgesandt, Wahlhilfen bezahlt usw.
daß Deutschland einen großen Erfolg davon getragen habe, zumal da Marokko für Frankreich erst noch erobert werden müsse. Die Mißstimmung wird durch die Aussicht eines ernsten Konfliktes mit Spanien noch gesteigert, da nunmehr feststeht, daß Spanien Larrasch und Eltsar nicht freiwillig räumen wird.
Was tosten aber alle diese Hilfsmittel? Zur Berechnung der gesamten Unkosten, die natürlich nur schäzungsweise angegeben werden können, da ste te nach der Heftigkeit des Wahlkampfes verschieden sind, muß man zuerst die Anzahl der Kandidaten feststellen. Nach Schäßungen von parlamentarischer Seite darf man annehmen, daß sämtliche Parteien zusammen rund 1000 Kandidaten aufgestellt haben, da in den meisten Wahlkreisen mindestens die Kandidaten dreter Parteten um das Mandat kämpfen. Die Sozialdemofraten, die Wert darauf legen, die Stimmen ihrer Anhänger zu zählen, haben sogar in den aussichtslosesten Wahlkretsen Kandidaten aufgestellt, die den anderen Parteien Konkurrenz machen sollen. Die Kosten, welche den Sozialdemokraten durch die ReichstagswahTen entstehen, sind darum auch weit höher als die der anderen Parteten. Bet den vorigen Wahlen zum Reichstage sollen die Sozialdemokraten 3½ Millionen Mart für die Wahlen aufgewendet haben. Man erzählt fernerhin in Reichstagskreisen, daß der Hansabund etnen Wahlfonds von 1 bis 2 Millionen Mark zur Verfügung hat. Der Hansabund erkennt zwar diese Höhe nicht an, wird aber zugeben müssen, das es sich Rechnet nur um geringe Unterschiede handeln kann. man noch die Unkosten dazu, welche den übrigen Parteten und dem Zentrum aus dem Wahlkampfe erwachsen, dann fann man mit voller Berechtigung fagen, daß der gesamte Wahlkampf mit allen Agitationen bte runde Summe von zehn Millionen Mark verschlingt.
Rundschau oom Cage.
Politisches.
Die Beratung des Angestellten- Pensionsgesekes wurde am Dienstag nach zweitägiger Pause in der Die Höhe Reichsversicherungsfommission fortgesetzt. der Beiträge wurde nach den Vorschlägen der RegteDie Monats= rungsvorlage unverändert genehmigt. betträge betragen in den neun Gehaltsklassen 1,60 bts 26,60 Mark. Der Zeitpunkt für die erstmalige Vorlage einer versicherungstechnischen Bilanz wird, um ein sicheres Bild zu bekommen, um zwet Jahre hinausgeschoben. Damit wird auch der Zeitpunkt für die neulich angenommene Zentrumsresolution über Einführung einer Kinderzuschußrente um zwet Jahre vertagt.
Die meisten Reichstagsabgeordneten, welche die Wahlkämpfe aus etgener Anschauung kennen, sind sich darüber einig, daß diese Summe durchaus nicht als zu hoch, sondern höchstens als zu niedrig angesehen were den darf. Interessant ist die Tatsache, daß die Wahlkoften der Konservativen und des Zentrums erfahrungsgemäß im Verhältnis zu der beträchtlichen Anzahl threr Reichstagsmitglieder bisher die geringsten waren. Besonders das Zentrum, das bekanntlich über einen runden Stamm von 100 Reichstagsmitgliedern verfitate, und demgemäß eigentlich mit rund dem vierten Tell der gesamten Wahlfosten an den Reichstagswahlen beteiligt sein müßte, bleibt weit hinter dieser gegebenen Summe zurück. Wenn man also jetzt die Frage aufwirft: Was tostet ein Retchstagsabgeordneter? so wird man sie leicht nach dieser Berechnung beantworten können.
Die Kommission zur Reform des Strafrechtes hat aus Anlaß der Beratungen über die strafrechtliche Behandlung der Jugendlichen eine bedeutsame Neuerung zur Einführung gebracht, indem sie zu ihren Beratungen dieser Frage einen Psychiater und einen Pä= dagogen zuzog, die in allen in Betracht kommenden Fällen über ihre Erfahrungen auf diesem Gebiete gehört wurden.
Der arbeitsmide Reichstag. In Abgeordnetenfrei fen macht sich das Bestreben geltend, dte Arbeit des Retchstages nicht erst Ende November, sondern frü= her zu beschließen. Da der Wahltermin auf den 12. Januar festgeseßt ist, in die Zwischenzeit aber noch das Weihnachts- und das Neutahrafest fallen, so merde die ohnehin knappe Zeit, die für die Agitation zur Verfügung steht, noch erheblich gekürzt. Mit Rücksicht darauf wünschen zahlreiche Abgeordnete sich so früh wie möglich in ihre Wahlkreise zu begeben. Man rechnet deshalb damit, daß der Schluß der Session bereits am 20. November stattfinden wird.
Von der Gesamtanzahl von 1000 aufgestellten Kandidaten bletben nur 397 Abgeordnete übrig. Jeder Kandidat kostet 10 000 Mart, natürlich in runden Rahlen ausgerechnet. Ein Retchstagsabgeordneter fostet also rund 2% mal so viel, D. h. 25 000 art. Diefe Bahl tann aber nur als Durchschnitt angesehen werden, 1 denn während ein Sozialdemokrat z. B. in der letzten Legislaturperiode faft 80 000 Mart tostete, wird man die Unkosten für einen konservativen oder Zentrumsabgeordneten höchstens mit 7-10 000 Mart veranschlaIgen dürfen. Aus dieser Berechnung geht hervor, daß die Reichstagswahlen verhältnismäßig große Geldumfäße verursachen.
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Die Einberufung des preußischen Landtages soll nach einer neueren Meldung nicht für den 9., sondern erst für den 16. Januar geplant sein. Der 16. Januar ist nach der Verfassung der änkerfte Termin.
Dret andere wurden lebensgefährlich und zwet leichter verlegt.
wurde getötet.
Ein schweres Bannnglück hat sich in Frankreich er eignet. In der Gemeinde Mertot stürzte Dienstag nachmittag eine im Bau befindliche Malzfabrik ein und begrub viele Arbeiter unter den Trümmern. Die Ret tungsarbeiten förderten bis Mitternacht fünf Tote und acht Verletzte zutage. Die Zahl der unter den Trum mern Liegenden soll sich auf 50 belaufen.
Ein Fuhrwerk vom Eisenbahnzuge zermalmt. Auf der Bahnstrecke Carnap- Bottrop in Westfalen wurde etn Der Kutscher Fuhrwerk vom Eisenbahnzug erfaßt. und zwei Pferde wurden sofort getötet. Das Unglück ist dadurch entstanden, daß der Kutscher den Bahnkörper widerrechtlich befahren hatte.
Die österreichische Kabinettsfrisis hat zit einer Gesamtdemission des Kabinetts Gautsch geführt. Man zweifelt in politischen Kreisen nicht. daß die Demission angenommen wird. Als Ursache für das Fallenlassen Gautschs durch die Krone gilt vor allem feine letzte Rede, in welcher er die Deutschen schroff behandelte. Man nimmt an, daß die zurücksetzung der Deutschen durch Gautsch tr maßgebenden Kreisen nicht gebilligt wird. Nachfolger von Gautsch als Ministerpräsident wird, wie verlautei, der derzettige Unterrichtsminister Graf Stürght, der unter Zuztehung der Tschechen ein reines Beamtenministerium als Uebergang zu bilden versuchen werde.
Nur noch einige Tage Geduld. agattin sie Die Unterzeichnung des Marottoabfom= mens hat sich wider Erwarten noch hinausgezögert. An amtlicher Stelle legt man aber Wert auf die eftstellung, daß es sich babet feineswegs um fachliche Differenzen handele. Wann die Unterzeichnung jetzt erfolgt, ist unbestimmt. Ste ist sicher für die nächsten Lage zu erwarten, doch kann sie sich unter Umständen, Ada morgen und übermorgen in Frankreich Feiertage find, bis zum Freitag hinauszögern, worauf dann am Sonnabend oder spätestens Montag die amtliche Veröffentlichung erfolgen dürfte. Auch in Frankreich rechnet man mit diesem Termine. Präsident Fallteres hat infolgedessen bereits das Dekret unterzeichnet, durch das die beiden Kammern auf den 7. November einberufen werden.
Der Kazenjammer in Frankreich. Nachdem die Umrisse des neuen Marokkovertrages in Baris bekannt geworden sind, herrscht dort eintoe Enttäuschung über die wirtschaftlichen Vorteile, die Deutschland neben den Kongotompensationen noch eingeräumt werden. Die allgemeine Meinung geht dahin,
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Aus Eifersucht.
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Der Zusammenbruch der Niederdeutschen Bank vor Gericht. Vor dem Dortmunder Landgericht begann am Montag die Verhandlung gegen Julius Ohm, den Dts rektor der im Sommer vorigen Jahres unter so fatastrophalen Begleiterscheinungen verkrachten Niederdeutschen Bant. Die Anklage in diesem ersten Prozeß gegen ihn lautet auf Depotunterschlagung in etwa 10 Fallen. Außer Ohm haben sich zu verantworten der Bankdirektor Schmidt und der Prokurist Beuner. Ohm und Beuner befinden sich in Untersuchungshaft, während Schmidt wegen seines leidenden Zustandes er ist hochgradig zuckerkrank- auf fretem Fuße ist. Dieser Krankheit wegen sind täglich nur vier Verhandlungsstunden vorgesehen. Die Verhandlung nahm ihren Anfang mit der Feststellung der Personalien der Angeklagten.
Die Lebensmitteltenerung beschäftist zurzeit auch den französischen Ministerrat. Die Regierung unterzeichnete einen Gefeßentwurf dahingehend, Maßregeln gegen den Notstand zu treffen sowie gegen die Steigerung der Wohnungsmiete. Der Ministerrat erklärte sich bereit, den Gemeinden zu gestatten, gegen den Notstand zu kämpfen durch Gründung von Gesellschaf ten zur Beschaffung von Brot und Fleisch. Auch wird den Gemeinden gestattet, Arbetterwohnungen zu bauen und zu vermieten.
Roman von Mar Hoffmann. ( Nachdruck verboten.) „ Das sind das sind. Der Untersuchungsrichter rechnete vor sich hin." Das sind fährlich dreihundertsechzig Mart. Sie haben also in den fünf Jahren beinahe die ganze Summe zurückgezahlt, ohne um einen Schritt vorwärts dabet zu kommen. Wie finden Sie das, Herr Grulich?“
Kleine Nachrichten.
Der banerische Brinzregent hat aus Anlaß seines Namensfestes aus der ihm zum 90. Geburtstag überreichten Landesjubiläumsspende an eine große Anzahl von Wohltätigkeitsanstalten zum Zwecke der Jugendfürsorge Zuwendungen im Gesamtbetrage von etwa 150 000 Mart gelangen lassen.
Vermischtes.
3um filbernen Regierungsjubiläum des Kaifers. Katser Wilhelm 2. begeht am 15. Juni 1913 sein 25tähriges Regierungsjubiläum. In weiten Kreisen wird bereits der Gedanke erwogen, dieses Jubiläum in würdiger Weise zu fetern. Die deutsche Industrie bereitet, wie dem„ Deutschen Reichsarchiv" geschrieben wird, eine wertvolle Widmung vor. In einem groß und vornehm angelegten Wert von reicher künstlerischer Ausstattung wird ein Ueberblick gegeben werden über die Entwick lung der deutschen Industrie unter der Regierung Katser Wilhelms 2. Dieses Jubiläumswerk dürfte seinem ganzen Inhalt nach von hoher kulturgeschichtlicher Bedeutung sein und an der Hand eines umfangreichen Materials den großen Anteil feststellen, den Kaiser Wilhelm 2. an der Entwicklung des deutschen Wirtschaftslebens hat.
Das Luftschiff Schfitte- Lanz ftteg am Dienstag in Mannheim nachmittags auf und landete nach einstün= dtger Fahrt glatt vor der Halle. Führer war Hauptmann v. Müffer; Prof. Schütte nahm an der Fahrt tett.
Ein sonderbares Teftament. Die jüngst verstorbene Bürgerin Frau Dr. Leonhardt hatte an die Stadt Mülheim an der Ruhr zur Verwalterin des Vermögens ihres Onkels Hans Thyffen eingesetzt und der Stadt fährlich 100 000 Mart für Wohlfahrtszwecke zugewendef. Da es in dem Testament heißt, daß staatsgefähr= Itche Elemente, Ultramontane und Sozialdemokraten" von jeder Unterstübung ausgefchloffen sind, hat sich der fatholtschen Bevölkerung große Aufregung bemächtigt. In einer am Sonntag abgehaltenen Protestversammlung wurde darauf hingewiesen, daß die Mülheimer Stadtverordnetensißung, der die katholischen Stadtverordneten ferngeblieben waren, die Zuwendung ange= nommen habe. anstatt fte abzulehnen. Die Versamm lung erhob dagegen Proteft, daß das Zentrum gleich den Sozialdemokraten als staatsgefährlich" bezeichnet werde. Die Vaterlandsltebe und die Königstreue der Mülheimer Katholiken fet unbestrettbar.
Zur Erhöhung der Tragfähigkeit des Luftschiffes. 2. 3. 9, das von der preußischen Heeresverwaltung abgenommen worden ist, soll noch eine Gaszelle eingebaut werden. Die Länge des Luftkreuzers wird da= durch von 132 auf 140 Meter erhöht merden.
„ Ja das sind so Geschäfte, werter Herr." " Ach was Geschäfte!" schnauzte thn Herr v. Scharffenstein stirnrunzelnd an.„ Das nenne ich kein Geschäft, das ist wucherische Ausbeutung, verstehen Sie mich? Das find ja achtzehn Prozent! Und Sie haben in den amet Jahren auch schon über f: ebenhundert Mart verfchuckt. Wir werden uns diese Art von Geschästen einmal näher ansehen maffen. Und das nennen Ste immer in den Grenzen des Gesetzes bletben? Jy danke schön!" „ Herr Untersuchungsrichter, ich befinde mich ster, ru als Zeuge in dem Fall Marlehen vernommen zu we. den."
Zwölf Tabakfirmen in Hambura. Altona und Ot tensen, die dem westfälischen Fabrikantenverein nicht angehören, haben beschlossen, sich mit den bestretkten 16 Firmen foltdartsch zu erklären und ihre Arbetter mit Ablauf dieser Woche auszusperren. Damit ruht dann dte Arbeit in der gesamten Tabakindustrie der niederelbtschen Städte. Den gleichen Beschuß haben die Bre= mer Fabrikanten gefaßt.
Der Beamte au thu verblüfft an. Solche Dreistigteit war thm in seiner Braxis noch nicht vorgekommen. und tobet hatte dieser Mensch recht! Es lteß sich nichts bagegen einwenden, und erfragte etwas weniger barsch: „ Sia also dann kurz: Wie tam es, daß Sie nach zweijährigem vergeblichen Warten mit einem Male das Geld erhielten?"
Auf der Zeche Könia Ludwig bet Recklinghausen in Westfalen gerteten sechs Arbeiter in das Getriebe. Etner
Ganz einfach, weil Herr Dokior Waldow endlich Bet Kasse war."
„ Das gerade niht. Aber" " Ich merke schon, te haben immer noch ein Aber. Ste werden Ihr Opfer, wie das in solchen verzweifelten Kallen von gewissen Herren genmacht wird. auf verichtedene Weise in die Enge getrieben haben. Es gibt ja da eine ganze Reihe von verzwickten Mitteln. Und da hat er sich nun das Geld verschafft. Wissen Ste, wie das zuging, daß es gerade zu der betut Regierungsrat Marleben abhanden gekommenen Summe gehört?"
Run, so einfach ist die Sache doch nicht! Wie Ste bereits dem Herrn Kommissar von Bardekow mitgeteilt haben, sind Sie in der letztenzett etwas schärfer in Ihrer Forderung geworden. Was metaten Sie damit? Haben Sie mit einem öffentlichen Skandal gedroh!?*
Großer Erdgasbrand in Ungarn. In den ErdgasQuellen bet kis- Sarmas in Siebenbürgen ist ein gro ßer Brand ausgebrochen, der felt 36 Stunden unvermindert fortdauert. Auf dem großen Territorium stetgen Feuersäulen von vielen hundert Metern Höhe gen Himmel. Abgesehen von der schweren Verlegung des Hüters der Gasquellen und seiner Frau sind sonstige Bersonen nicht zu Schaden gekommen. Die Regterung hat tontere zur Rettungsaktion hingeschickt. Die Brandfläche hat bereits ein Gebiet von ungefähr sechzig preußischen Morgen Ausdehnung genommen. Ueberall haben sich in der Erde kleine Krater gebildet, welchen das brennende Gas in bisher dreißig Feuerfäulen mit folossaler, alles ringsum vernichtender Gewalt ent= strömt. Das aufgebotene Militär kann sich dem Brandherd wegen der riesigen Sitze nicht nähern. Die Erplofton des Gafes ist mit gewaltigem Erdbeben und mächtigem unterirdischem Rollen verbunden.
Grulich hob mit unschuldiger Mtene setne beiden Arme hoch und ließ sie dann schlaff gegen die Setten setnes Körpers fallen. Mir hat Frau v. Marleben nichts daven gesagt. Ste wor im Gegenteil ziemlich schroff zu rr."
„ Wie? Ste hanen mit ihr gesprochen?"
Ste haben es gewagt?" schrie Doktor Waldow aufspringend. Ruhe! Schweigen Ste, bis Ste gefragt werden!" gebot Herr von Scharffenstein. Das ist ja ein ganz neues Moment, das Ste da herein bringen, Herr Grulich. Sie haben sich also in betreff der Schild des Doktors an Frau von Marlebent gewandt. Wie fomen Ste dazu und was bezweckten Ste damit?"
Bisher
Die Hochstapeleien des Berliner Gerichtsschreibers Müller nehmen ungeheure Dimensionen an. fonnte feftaeftellt merden, daß Müller anfanas Januar etwa 3 Mintonen Mark an seine Kunden hätte zurückzahlen müssen, darunter Summen in Höhe von 500 000 und 600 000 M. Bei der gestrigen Haussuchung wurden noch 3000 M. befchlagnahmt. Wetter konnte feftgestellt werden, daß Müller fetne Hochstapeleten schon felt mehreren Jahren betrieben hat. Eine ImmatrifuIationsbescheinigung, die er sich erschwindelte, diente ihm dazu, Anschluß an studentische Verbindungen zu finden.
Die Sache Itegt wieder sehr einfach", erklärte Grulich mit größter Gemütsruhe." Ich wußte von den fritheren Beziehungen des Doktors zu Fräulein Rank ,, Woher hatten Ste Kunde davon?"
Aber Herr von Scharffenstein stampfte mit dem Fuße auf und schlug mit der Hand so heftig auf die Akten, daß es wie ein kleiner Kanonenschuß krachte und das Tintenfaß in die Höhe sprang.
" Nun, man hat so setne Quellen. Unsereins kann doch nicht so in den Tag hineinleben, man muß sich auch etwas um die Menschen, mit denen man Geschäfte macht, bekümmern. Na, und da ging ich dann schließlich zu der Frau Regterungsrat, stellte thr die Sache vor und bat ste, Herrn Doktor Waldow zu veranlassen, daß er mich doch endlich befriedigt. Ich rechnete auf den Einfluß, den fie wohl immer auf ihn haben würde"
,, Teufel!" zischte der Doktor emport und drohte mit der erhobenen Faust.
"
Niemand hat hier was zu reden, wenn nicht die Rethe an thm ist, oder ich muß andere Maßregeln ergreifen!" drohte er außer sich. Er gewann aber sofort fetne Selbstbeherrschung wieder und setzte mit seiner gewöhnlichen Stimme hinzu:„ Wann waren Sie bet Frau von Marleben?"
Der Agent zog gemächlich sein Nottzbuch hervor. und blätterte darin.„ Es war gerade sechs Wochen vor tenem Verbrechen."
„ Und wann mahnten Ste den Herrn Doktor?" ,, Ungefähr jede Woche einmal."
" Wie benahm sich der Herr Doktor dabet zu Ih
nen?"
„ Er war grob wie Bohnenstroh."
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„ Also von der Einwirkung, die Ste erhofft hatten, war nichts zu merken?"
" Durchaus nicht! Bis ich dann zu meiner eigenen Ueberraschung am Tage nach jener Tat plötzlich das Geld auf einmal erhielt."
Herr von Scharffenstein klopfte mit einem der übermäßig langen Bleistifte, die auf seinem Schreibtisch lagen, nervös auf die grin überzogene Tischplatte und sah mit seinen stechenden Augen abwechselnd bald den Doktor und bald den Agenten an. Das dauerte so einige Minuten. Dann nickte er befriedigt mehrere Male wie jemand, der zufrieden mit dem Ergebnis seines Nachdenkens ist und sagte:
„ Es ist gut, Herr Grulich. Ich danke Ihnen. Ste können gehen."
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Doch
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Deran
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Grulich warf sich in die Brust. Uebrigens, Herr Untersuchungsrichter, auf den etwa auf mein Konto ente fallenden Teil der Belohnung verzichte ich-"
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