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Nummer 17.
L
Illustrierte
16. August 1911.
O
Welt- Rundschau
Verlag der Gießener Verlagsdruckerei Klein& Fischer, Gießen.
Jllustrierter Anzeiger.
An der Nordsee.
08 von der Stadt!" lautet jetzt die Parole des Großstadtmenschen.„ Los von diesem Benzin- und Asphaltduftgemenge, dieser Kakophonie der nervenpeitschenden Geräusche, diesem Chaos der Unerquick lichkeiten, und los vor allen Dingen vom ewigen Alltagshott der Arbeit!" So und ähnlich klingt es von hunderttausend Lippen,
wenn die Julisonne mit sengender Kraft vom Himmel brennt und die noch vorhandenen Droschken= gäule noch melancholischer als sonst ihre Denkerstirn zu Boden senken. Selbst der passionierteste Großstädter, der sich ein
Dasein ohne Straßengewühl und stündliche Sensationen kaum vorstellen kann, em= pfindet jetzt etwas wie Feindselig= feit gegen sein Lebenselement
guter Freund von mir noch im Zweifel sein, wo er das findet, und mich mit dem Anfang des schönen alten Volksliedes befragen:„ Wo sol ich mich hin keren, ich tumbes Brüderlein?", so rate ich ihm:„ An die Nordsee, mein Lieber! Ein kleiner, gemütlicher Küstenbummel durch die Nordseebäder, und du wirst Wunder erleben."
An der Segelbuhne von Borfum.
und träumt über der Berufsarbeit von dunklen Wäldern und rauschenden Wogen. Freilich kann nicht jeder seinen Wünschen so nachgeben, wie er gern möchte, und er muß schon froh sein, wenn es ihm gelingt, sich auf 8-14 Tage freizumachen. Aber auch in dieser kurzen Zeit kann man ganz erstaunlich viel neue, frische Kräfte sammeln und herrliche Eindrücke empfangen. Man darf nur nicht die Unklugheit begehen( und ganz besonders nicht in vorgerückten Lebensjahren), seinem Korpus übermäßige Anstrengungen zuzumuten. Mäßige Bewegung, reine Luft, kurze Bäder und schöne Natureindrücke, das ist das beste Rezept für die Auffrischung gepeinigter Großstädtenerven. Und sollte ein
Da doch mein Freund ein vernünftiger Mensch ist, was ich bei meinen Freunden als selbstverständlich voraussetze, padt er sein Köfferchen, deponiert allen Kum mer und alle Sorgen bei der Bank und fährt zunächst nach Bremen, der ersten und durchaus liebenswürdigen Etappe jeder rechtschaffenen Nordseereise. Der„ Bremer Ratskeller" bat es in sich, und unte dem Patronat des steinernen
Rolands ist gut zechen. Jedenfalls bereitet man sich mit einem Schoppen Apostelwein für die Seereise besser vor, als mit allerlei Apothekertränklein, wie es die Überängstlichen tun. Man sollte wenigstens einen halben Tag in Bremen verweilen und sich in die Betrachtung der wundervollen alten Baudenkmäler sowie der ebenfalls sehr bemerkenswerten Monumentalbauten der Neuzeit zu denen das groß
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artige Verwaltungsgebäude des Norddeutschen Lloyd gehört vertiefen. Nach diesem vielversprechenden Vorspiel empfängt uns in Bremerhaven die See mit ihrem töſtlichen, herben Hauch, ihrer ewigen Melodie des Wogens und Brandens. Wir versäumen selbstverständlich
umelden.[ 21/12
a. M.. Tel Amt II
evi, Liebigstr. 58
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