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Die Marottopause ist zu Ende.

Gambons gebundene Marfchroute.

Nach etwa zweiwöchiger Abwesenheit ist nunmehr Herr Cambon auf seinen Berliner Boffen zurückgekehrt, um die Verhandlungen mit Herrn von Riderlen- Wäch ter wieder aufzunehmen. Wenn man den Aeußerun gen der Pariser Bresse trauen darf, so ist Gambon mit gebundener Marschroute zurückgekommen. Für die neuen Verhandlungen find feste Grundlagen aufgestellt worden, was allerdings nicht ausschließt, daß man davon noch etwas abweichen wird. Das politische Ba­rometer, das während des ersten Teils des Verhand­lungspause auf" Sturm" stand und dann plößlich auf " Schön Wetter" emporschnellte, ist in den letzten Tagen wieder gefallen, und steht zurzett auf Veränder­Itch". Die Hoffnung, daß die Verhandlungen nunmehr rasch vorwärtsschreiten und damit das Sangen und Bangen in schwebender Bein" endlich ein Ende finden werde, scheint sich jedenfalls nicht erfüllen zu wollen.

Selbst wenn man in Berlin geneigt sein sollte, das Bariser Ultimatum", wie Pariser Blätter die Herrn Gambon mitgegebenen Instruktionen zu nennen belie ben, im Prinzip gutzubeißen, müßte doch noch die ge­naue Festsetzung des Wortlauts der neuen Vereinba rung längere Zeit in Anspruch nehmen. Durch den Al­gecirasvertrag wie auch durch das Abkommen von 1909 ist man in Baris und in Berlin vorsichtig geworden. Frankreich bringt darauf, daß das Bugeständnis der freten Hand" flipp und flar in dem Vertrage aus­gesprochen werde, damit fünftig Meinungsverschieden­helfen darüber ausgeschlossen wären. Deutschland da­gegen fordert, daß die von Frankreich in den früheren Berträgen anerkannte wirtschaftliche Gleich­berechtigung Deutschlands fürderhin nicht nur auf dem Papier stehe. Es wird sehr schwer halten, hier geeignete Rautelen zu finden und so braucht man fich nicht zu wundern, wenn sich schon über diesen Buntt, über den man sich anscheinend im Prinzip einig ist, die Verhandlungen länger hinziehen.

Noch schwieriger ist die Frage einer Gebiets= entschädigung Deutsch lands, über die noch nicht einmal eine prinzipielle Einigung erzielt zu sein scheint. Was Frankreich hier als ultimatum" bietet, ist bisher von deutscher Seite noch nicht als genügend anerkannt worden. Trotzdem braucht man die franzö fische Drohung. die Verhandlungen sofort abzubrechen, falls Deutschland nicht mit dem Gebotenen zufrieden fein sollte, feineswegs besonders ernst zu nehmen. Man wird auch in diesem Fall weiter verhandeln. Denn der Abbruch der Verhandlungen würde zwar zunächst noch nicht den Krieg bedeuten, wohl aber würde er für Frankreich die unangenehme Folge haben, daß es auch fernerhin von den Fesseln der Algecirasatte eingeengt bliebe.

Rundschau vom Cage Politisches.

Die Entschließung des Gesamtverbandes deutscher Metallindustrieller zu dem Antrag Thüringens auf Bor­nahme einer Generalaussperrung aller beutscher Metallarbetter ist am Mittwoch, nach einer Meldung aus Berlin, auf nächste Woche ver­tagt worden, um zunächst den endgültigen Ausgang der fächsisch- thüringischen Einigungsverhandlungen abzu­warten. Der Gesamtverband deutscher Metallindustriel­Ier ist zur tatkräftigen Unterstützung der Provinzver­bände im Kampf gegen die als undurchführbar anzu­sehenden Arbeiterforderungen einstimmig entschlossen. Der gefaßte Beschluß hat folgenden Wortlaut:

Der Sultan der Türkei Ritter des Schwarzen Adler: ordens. Der deutsche Geschäftsträger in Konstantinopel, Botschaftsrat von Miquel, überreichte gestern nachmittag dem Sultan in feierlicher Audienz die Insignien des Noten und des Schwarzen Adlerordens.

Belgien trifft für alle Fälle Vorbereitungen. Ob­wohl keinerlet ungünstige Meldungen über den Stand der Maroffofrage in Brüffel eingetroffen sind, beschloß der belgische Generalstab doch eine Reihe militärischer Maßnahmen, behufs Verhinderung des Durchmarsches einer fremden Armee durch Belgien. Die Regierung ordnete die schleunige Neubewaffnung der Maassorts und Verstärkung der Festungstruppen an. Alle beur­laubten Offiziere find engewiesen, die Einberufungsor­der zu erwarten. Auf der ganzen Maaslinie herrscht lebhafte militärische Bewegung.

Zum Empfang des türkischen Thronfolgers in Berlin, hatten sich der Reichskanzler, Staatssekretär von Seiderlen- Wächter, die Generale, die Herren der türki­schen Botschaft, der türkische Generalfonful und der Po­Itzeipräsident von Berlin auf dem Bahnhofe einge­funden. Der Kaiser erschien in der Uniform eines Ge­neralfeldmarschalls mit türkischen Ordensband. Eine Ehrenfompanie vom dritten Garderegiment zu Fuß er­wies bei der Ankunft die Honneurs. Der Kaiser gelet­tete den Thronfolger nach dem Königlichen Schloß, wo der Prinz Wohnung nahm. Bald nach seiner Anfunft stattete der Thronfolger dem Reichskanzler und dann dem Staatssekretär von Riderlen- Wächter Besuche ab. Der Kaiser hat dem türkischen Botschafter das Groß­Treuz des Noten Adlerordens verliehen. Abends war beim Kaiserpaar im Elisabethsaal des Königlichen Schloffes Tafel, an der die hier zur Parade bereits ein­getroffenen Fürstlichkeiten mit dem Gefolge teilnahmen.

Italiens Forderungen für den Bruch der Algeci­rasatte. Noch einer Meldung der" Frff. 3tg." aus Nom wird talten von Frankreich als Entschädigung für den Bruch der Algecirasatte außer Handelsfreiheit in Tripolis auch Teile des von französischen Trup­pen besetzten Hinterlandes von Tripolis fordern.

Dem Prinzregenten von Bayern geht es wetter­hin schlecht. Das diesjährige Oftoberfest wird infolge der schweren Erkrankung nicht, wie bisher stets üblich, durch den Prinzregenten eröffnet werden können. Die rheumatische Anschwellung hat jetzt den ganzen Arm er­artffen und nötigt den Pattenten, ibit in einer Schlinge aut tragen. Auch die Schmerzen find größer geworden. Der Prinzregen! ist gezwungen, in Hohenschwangau zu verbleiben.

Einführung der Volksschule in China. Die chine­fische Regierung hat in Pefing eine nationale Unter­richtskonferenz einberufen, um über die Einführung von Volksschulen nach europäischem Muster zu beraten. Folgende Hauptbeschlüsse wurden gefaßt: Der Unterricht tst obligatorisch für alle Kinder im Alter von 6-14 Jah­ren. Die Gemeindebehörden haben fünf bis acht Zehn­tel threr Einnahmen für den Elementarunterricht zu verwenden. Und zuleßt: Die Einrichtungen des Unter­richts sollen fortan als die wichtigste Aufgabe der Lokal­behörden betrachtet werden.

In Eine nationalliberale Maroffoversammlung. Eine vom Leipziger nationalliberalen Verein einberufene Bürgerversammlung. in der der Oberbürgermeister Selz aus Bückebura einen Vortrag über Marokko und unsere Kolonialpolitik hielt, beschloß, an den Reichstag eine Kundgebung abzusenden, worin die bestimmte Er wartung ausgesprochen wird, daß das deutsche Reich fein Abkommen mit Frankreich treffen werde, ohne daß für die Ausdehnung des französischen Einflusses in Maroffo Kompenfationen in Marokko selbst zugestan­den werden.

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Wefferwolken.

Roman von M. v. But ch. ( Nachdruck verboten.)

Kleine Nachrichten.

Die nächstjährigen Kaisermanöver sollen, wie das Torgauer Kreisblatt meldet, in der Torgauer Gegend stattfinden. Nach deren Abschluß wird der Kaiser zur Erinnerung an die Schlacht bet Torgau ein Denkmal Friedrichs des Großen auf den Stüptizer Höhen ein­weihen.

4. Kapitel. Heiß brannte die Sommersonne über der Erde. Der frohe Lenz war dabin, der Flieder verblüht und auch die Rosen im Verwellen.

In Dresden war es mit Beging der Sommerglut erheblich einsamer und stiller geworden.

Das Telephon im Eisenbahnwagen. Wie die Na­tionalzeitung von gutunterrichteter Seite erfährt, beab= ficht die preußisch- hessische Staatseisenbahnverwaltung Versuche mit Telephoneinrichtungen in Eisenbahnwa= gen anzustellen.

Die Herrschaften batten meist ihre Landhäuser be­zogen. Diese lagen außerhalb der Stadt an der Elbe, stromauf nach Loschwitz und Pillnitz zu oder in den freundlichen Weingärten der Lößnitz.

Im Handgemenge mit der Frau ststrate der Kahn um. Das Ehepaar und fein Kind ertrant. Eine fechstöpfige Familie vom Blik erschlagen. Während eines beftigen Gewitters, das über dem un­garischen Orte Radowitz niederging, stand die ganze aus sechs Personen bestehende Familie eines Gutsbe= fizzers unter dem Vorbau des Hauses und sah dem Schauspiel der ununterbrochen niedergehenden Blize zu. Blöglich fuhr ein Doppelblizz in die Gruppe und tötete alle sechs Personen.

Der Verband der unteren Post- und Telegraphen beamten hat sich mit einem Gesuch an das Reichspostamt gewandt wegen Einrichtung von ständigen Ausschüssen für die unteren Post- und Telegraphenbeamten.

Herzog Friedrich Adolf zu Mecklenburg ist gestern mit dem Reichspostdampfer König von feiner zwet­ten Forschungsreise durch Afrika zurückgefehrt. Die reiche wissenschaftliche Ausbaute der Erpedition befin det sich auf verschiedenen Woermann- Dampfern, die demnächst erwartet werden.

Auch die Majestäten batten ihr Schloß in Dresden verlassen und bewohnten das dicht an der Elbe ge­Iegene reizende Luftschloß Pillnig. Dorthin mar auch auf Wunsch seines föniglichen Herrn Graf Brühl über­gesiedelt, dem ein Kavalierhaus zur Verfitgung gestellt wurde.

Der Begründer des Tierparks von Stellingen, Karl Hagenbeck, ist an einer Darmentzündung erfrantt. Der Kaiser erfundigte sich nach dem Befinden des Erkrank­ten und fandte tesem eine Flasche edlen Weins.

Aus den Gerichtssälen.

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Zum Tode verurteilt und nochmals vor der Straf: fammer. Der merkwürdige Fall, daß gegen einen rechtskräftig zum Tode Verurteilten noch eine Anflage wegen Diebstabls erhoben wird, hat sich bei dem Land­gericht III in Berlin zugetragen. Im Sommer vorigen Jahres wurden in den am Döberizer Truppenübungs­play gelegenen Ortschaften Ferbib, Buckow- Carpzow it. a. eine Reihe von nächtlichen Einbrüchen verübt, bet denen ausschließlich nur lebendes Vich gestoblen wurde. Außerdem ergab es sich, daß größere Poften gewilderten Rehwildes und Hasen nicht nur in der dortigen Gegend verkauft, sondern auch nach Berlin transportiert wur den. Die Beobachtungen führten zu der Feststellung, daß als Täter it. a. auch der mit Zuchthaus vorbestrafte Arbeiter Wilhelm Bunde in Frage fam. Bunde ist int= awischen am 12. Mai d. J. von dem Schwurgericht we gen des Mordes an einem Gefreiten, der ihn beim Wildern erwischt hatte, zum Tode verurteilt worden. Die gegen das Todesurteil eingelegte Revision ist vom Reichsgericht verworfen worden, so daß das Urteil rechtsfräftig ist. Nunmehr hat die Staatsanwaltschaft noch eine Anklage wegen Diebstahls im Rückfalle ge­gen Bunde erhoben. Zu dem Ende September stattfin denden Termin wird also ein dem Scharfrichterbeil längst verfallener Mann der Strafkammer vorgeführt werden.

Die Reblane soll auf dem berühmten Schloßberg der Gemarkung Johannisberg plötzlich in großem Um­fange aufgetreten sein.

Der neneste Berliner Bankfrach. Der Inhaber der zusammengebrochenen Berliner Banffirma Ramdor des Möllensees als Leiche aufgefunden worden. Nach & Co., Bantier Wiechert, ist gestern nachmittag am user den bisherigen Feststellungen hat Wiechert ungefähr 200 000 Mart an Depots unterschlagen.

Unter Spionageverdacht verhaftet wurden in Straß­bura zwei sich zurzeit in den Vogesen aufhaltende fran= zösische Studenten. Sie hatten von den Bewegungen manövrierender Artillerie photographische Aufnahmen gemacht.

18 Arbeiter verschüttet. Nach einer Meldung aus Wien explodierte in einem Granitsteinbruch des Gött­weig vorzeitig eine Mine, die mit 2% Kilo Dynamit gefüllt war. Durch herabstürzende Steinmassen wur­ben 18 Arbeiter verschüttet. Vier von ihnen sind be­retts gestorben, die anderen mehr oder minder schwer verlegt.

Das Brühlsche Palats in Dresden stand verein famt. Die Gräfin, die ein Bad in Böhmen gebrauchen und dann eine ihrer verbetrateten Töchter besuchen woll­te, war mit einem wahren Troffe von Lakaten, Kut fchern und Jungfern abgereist. Beate begleitete ste nicht. Die junge Komtesse fitblte sich so matt und elend, daß der Arzt selbst von der langen Reise dringend abge­raten batte. Aber da man den Aufenthalt in Dresden nicht zutträglich fitr sie hielt, war sie nach Lößniz ge= gangen, wo der Graf ein kleines Besitztum hatte. Es war ein einfach eingerichtetes Ileines Haus, das auf einer Anhöhe lag und das Teehäuschen" bieß, weil die Herrschaften bet etwaigen Besuchen in der Lößnitz dort den Tee einzunehmen pflegten. Dorthin hatte man das junge Mädchen in Begleitung zweter Dienerinnen, die fitr das körperliche Wohl threr Herrin zu sorgen hatten, für einige Wochen einquartiert. In der Stille des

Nach einem Ehestreit floh in dem Dorfe Stöpten bet Memel eine Bauersfrau mit ihrem Kinde in einem Kahn über den Gilgefluß. Der Mann verfolgte sie schwimmend und erreichte den Kahn mitten im Fluß.

Vermischtes.

Eine tragikomische Lotterieaffäre hat sich in Ret­chenhall und München abgespielt. Eine Kellnerin in Reichenhall hatte ein Los der für ein Kellnerinnenheim veranstalteten Lotterie einem Kellner verkauft, der als Gast bei ihr im Lofal weilte, und ihm den Kaufpreis von 1 Marf gestundet. Der Kellner, der erst nach der Biehung zahlen wollte, erzählte anderwärts, daß er den Haupttreffer mit 30 000 Mart gemacht habe, worauf die Kellnerin feine Bezahlung, sondern ihr Glitclos" wieder zurückhaben wollte. Ein Münchener Rechtsan­walt erwirkte die Sperrung des Loses. Hierbei stellte sich heraus, daß der Kellner das Glid forrigiert" und durch Aenderung einer einzigen Zahl die Niete aunt Haupttreffer gemacht hatte. Bitternd gestand er seine Dummheit ein, für die er schon genug gebilßt hat. Denn seine Proberei hatte ihm eine ganze Flut von Bettelbriefen eingetragen, so daß er seine Stellung auf­geben mußte. Die Kellnerin aber will schier verzwet­feln über den verlorenen Haupttreffer, der gar keiner war, und sie bekommt noch nicht einmal ihre Mart für das falsche große Los wieder.

Häuschens fühlte Beate sich wohler als seit langer Zeit. Ste erholte sich sichtlich. Die zarten Wangen gewannen Farbe und Fille, die Augen Glanz, und thre Gemüts­stimmung wurde durch ihr körperliches Befinden gün­stig beeinflußt.

Graf Brühl war ein für das Wohl seiner Tochter zärtlich besorgter Vater. Verschiedentlich hatte er Beate besucht. Meistens hatte er sich dabei einer Lustjacht be­dient, mit der er auf der Elbe von Pillnitz nach Kötz­schenbroda fuhr. Von Kötzschenbroda bis hinauf zu der Anhöhe, wo das Teehäuschen Tag, war für den Fuß­gänger ein Weg von einer halben Stunde.

Heute hatte Beate in aller Frühe durch einen Boten die Nachricht erhalten, Se. Exzellenz der Herr Minister werde am frühen Nachmittage mit einem Gaste etn treffen, und er bäte die Tochter, für einen leichten Jm biß au sorgen. Der Bote hatte fiber dem Sattel seines Rosses Körbe hängen, die allerlei gute Sachen enthiel­ten, so daß es den Dienerinnen leicht war, für den gewünschten Imbiß zu sorgen.

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Das Jubiläum des preußischen Nichtbeils. In die­fen Tagen waren genan hundert Jahre seit der Ein­führung des Henferbeils in Preußen vergangen. Bis in den Sommer 1811 hinein wurden Mörder und Räu ber in Preußen nach mittelalterlichem Brauch mit dem Schwert vom Leben zum Tode befördert, während int Frankreich bereits seit dem April 1792 und in den Rheinbundstaaten feit 1806 die Sinrichtungen aus­schließlich mit der Guillotine vollzogen wurden. Mitte August 1811 fand in Breslau die Enthauptung eines Mörders durch das Schwert statt, bei welcher der Hen­fer fich äußerst ungeschickt benahm. Er mußte mehrere Streiche führen, bis es ihm endlich gelang, das Haupt des Verurteilten vom Rumpf zu trennen. Hals und Ricken feines Opfers waren durch die mißlungenen Schwerthiebe des Henfers völlig zerfetzt. Der Verlauf dieser Hinrichtung erreate eine solche Empörung im Publikum, daß die vreußische Regierung fich zur fofor tigen Erjebung des Richtschwerts durch das Richtbeil entschloß. Für den größten Teil von Preußen ist das Beil bekanntlich heute noch das Sinrichtungsmittel, während die preußischen Provinzen und deutschen Staa­ten, die vor hundert Jahren in näherem Verhältnis aut Frankreich standen, die Guillotine beibehalten habent.

Beate vernahm freudestrahlend diese Botschaft. Der Besuch des Vaters, der ein wenig Abwechselung in die Eintönigkeit des Landaufenthaltes brachte, war will­kommen. Aber es war doch nicht allein der angekün digte Besuch, der ihre Augen so hell aufleuchten Iteß. Ausdrücklich hatte der Graf bestellen lassen, er witrde einen Gast mitbringen. Und diese Aussicht war es, die die Rosen auf Beates Wangen zauberte. Denn der Gast, wer anders war es, denn Baron Malzahn? Man Hatte seinen Namen zwar nie genannt, allein Beate fühlte es instinktiv, es war niemand anderes denn Bodo von Malzahr....

Wir branchen Säuglinge." Die stetige Abnahme der Geburten in den Familien der amerikanischen Dol­largewaltigen, die das Erscheinen eines Babys nachge­rade zu einem vielbesprochenen Sensationsereignis macht, treibt die armen amerikanischen Millionäre be­reits auf die Kindersuche. Und die Nachfrage der adop tionslustigen Reichen nach Babys ist bereits so aroß, daß sie das Angebot weit übersteigt. So haben in Basadena in Kalifornien die neunzehn Kleinen, die im Säuglings­heim verpflegt wurden, im Handumdrehen Unterkunft in reichen Familien gefunden, die sie an Kindesstatt an­genommen haben.

In dem hübschen, belltapezierten Simmer- es war das größte, daß das Haus enthielt, und diente der fungen Gräfin als Salon stand am frühen Nach­mittag ein ausgesuchter Jmbiß sierlich geordnet auf dem Tische.

Beate hatte einen großen Strauß selbstgepflückter Blumen in das Zimmer gestellt, alles festlich und schön gemacht und das beste Gewand angelegt, das sie be saß, alles dem Gaste zu Ehren. Und nun stand fle am Fenster und blickte erwartungsvoll ins Freie. Die Ankunft der Gäste verzögerte sich, wie sie sich mit Seuf­zen gestand. Viertelstunde auf Viertelstunde verrann. Dann ging fie schließlich aus der Tür.

Der Fußpfad, der zu der Höhe des Häuschens hin­aufführte, lag still und verlassen da. Von welcher Seite würden die Herren erscheinen? Würden sie mit dem Schiffe kommen, oder hatten sie einen Wagen benutzt?

Träumerisch schaute Beate den sonnenbeschienenen Fußpfad hinab. In der Ferne flang Bienengesumm. Hin und wieder rührte sich ein Lüftchen, und dann rauschten die Zweige der Buchen. Im Haselnußge sträuch fletterte ein Eichhörnchen, schwang sich dann auf eine Birke und äugelte mit blanken Augen hinab. Sie sah ihm zu. Als sie dann aber eine unwillkürliche Be­wegung machte, bekam es einen Schred und sprang auf einen Tannewipfel, wo es verschwand.

Nun flatterte etwas Dunkles am Boden. Es war eine Amfel, die durch das Gesträuch huschte. Noch war­tete Beate vergeblich auf das Geräusch von Fußtritten. Von der Enttäuschung bekan sie schließlich blaffe Wan­gen. Wie hatte sie sich auf den Besuch gefreut und nun war alles umsonst gewesen!

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Doch halt, da tam jemand. Ste hörte Schritte, und hinter den Boumstämmen fab fie etwas Buntes schimmern. Richtig, das war der Rock eines Kavalters, und nun tauchte dessen Träger auf. Das war nicht die Kleine, behäbige, unterſetzte Gestalt Sr. Exzellenz, das Baron Maltzahn. Schon von weitem Iüftete er den Hut. " Verzeihung, meine Gnädigste, wir haben warten laffen!" rief er.

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