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ben ift. Das Landgericht habe die kommissarische Verneh­mung damit begründet, daß er wegen Hinrichtung am Er­scheinen verhindert" set. Der Staatsanwalt habe es aber in einer Hand gehabt, die Eröffnung des Hauptverfahrens zu beschleunigen, so daß Koppius in der Hauptverhandlung vernommen werden konnte. Aus den Aften ergibt sich, daß Koppius acht Tage vor seiner Enthauptung vernommen und vereidigt worden ist, da Gefahr im Verzuge war. Die Revision wurde vom Reichsgericht verworfen.

Aus dem Reiche der Technik.

Ein elektrotechnisches Beratungsbüro. Bekanntlich läßt sich der bayerische Staat die Versorgung mit elektrischer Kraft unter Verwertung staatlicher Wasserkräfte besonders angelegen sein, um die Versorgung des Landes mit elef= trischem Strom möglichst ausgiebig zu gestalten. Um die Beratung der einzelnen Landwirte bet der Verwendung elektrischer Arbeit in ihren Betrieben zu besorgen, soll nun­mehr in nächster Zeit der Bayerische Landwirtschaftsrat ein elektrotechnisches Beratungsbüro einrichten, und außerdem wird der Christliche Bauernverein an die Errichtung einer folchen Beratungsstelle herantreten. Die Einrichtung einer derartigen Stelle beim Landwirtschaftsrat hat sich als not­wendig erwiesen, da die Anstellung von Elektroingenieuren bei der Wasserkraftabteilung der obersten Baubehörde in Bayern nicht hinreichte, um die Ueberprüfung von Ent­würfen und Anlagen und die Beratungen umfassend durch­zuführen. Da diese Aufgaben nicht bewältigt werden fonn­ten, so wurden zunächst für diese Zwecke Vereinbarungen mit der Landesgewerbeanstalt in Nürnberg usw. getroffen. Ebenso wurden zuverlässige Privatfirmen unter Vermitt lung des Staatsministeriums als Berater herangezogen, und der Polytechnische Verein in München hat eine Be­ratungsstelle für solche Fragen ins Leben gerufen.

Vermischtes.

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Die Entführung des Ingenieurs Richter durch grie chische Räuber. Ueber die Gefangennahme des Jenaer Ingenieurs Richter wird der Voss. 3tg." aus Larissa folgendes gemeldet: Die Gefangennahme fand beim Dorfe Rottinopoulo an den Ausläufern des Olymps statt. Rich­ter war von zwei Gendarmen begleitet, die von den Räu­bern nach längerem Widerstande getötet wurden. Räuber, welche Türken sein sollen, verlangten zwanzigtau­send Pfund Lösegeld. Auf der deutschen Botschaft in Kon­stantinopel ist ein Bericht aus Saloniki über die Situa tion, in der sich Richter befindet, eingegangen. Danach hat Richter einen von ihm und den beiden Bandenführern unterschriebenen Brief gesandt, in dem er um das Löse­geld bittet und erklärt, daß bei einer Verfolgung der Räu­ber sein Leben in Gefahr sei. In Konstantinopel wird, wie der Korrespondent des ,, B. T." meldet, daran erinnert, daß seinerzeit bei dem Ueberfall auf einen Bahnzug und der Gefangennahme einer Anzahl Berliner nach der Be­zahlung des Lösegeldes die Gefangenen unversehrt frei­gelassen wurden. Bei der danach unternommenen Ver­folgung der Banden wurde die Mehrzahl der Räuber ge­tötet. Wie hoch das diesmal verlangte Lösegeld ist, da­rüber ist noch nichts bekannt. Es wird sich wohl um 50 000 bis 60 000 Francs handeln. Die Bande, die Rich­ter entführte, ist eine griechische Räuberbande des Grenz­gebietes. Die Behörden von Saloniki wurden durch ei­nen in französischer Sprache abgefaßten Brief des Inge­nieurs Richter, der von einem Schafhirten gebracht wurde, inständigst gebeten, die Verfolgung der Räuber einstellen zu lassen. Der Hauptmann der Bande habe geschworen, Richter zu ermorden, falls die Bande umzingelt werde. Die Behörden scheinen geneigt zu sein, dem Wunsche Rich­ters zu entsprechen und erbaten Weisungen vom Wali von Saloniki. Die Höhe des geforderten Lösegeldes ist noch

unbekannt.

Schweres Eisenbahnunglück in Frankreich. Das Et­senbahnunglück auf der Strecke von Valence nach Albi, worüber bereits drahtlich berichtet wurde, hat sich folgen­dermaßen zugetragen: Der Eisenbahnzug, der Dienstag morgen um 8 Uhr auf der Linie von Valence nach Albi in der Nähe der Station Combalets entgleiste, war ein aus zehn Wagen bestehender Sonderzug, in dem sich 200 bis 300 Pilger aus Valence und Albi befanden. Es waren meistens junge Mädchen mit ihren Müttern, die sich nach der Notre Dame de la Dreche begeben wollten. Wenige Minuten vor Abfahrt des fahrplanmäßigen Zuges hielt der Extrazug furz vor der Station Combalets, und die Lokomotive nahm Wasser ein. In diesem Augenblick fuhr der fahrplanmäßige Zug Nr. 12 heran. Der Zugführer bemerkte den auf der Strecke haltenden Sonderzug und 30g sofort die Bremsen. Unglücklicherweise versagte diese, o daß der Zug Nr. 12 auf den in einer Kurve haltenden Pilgerzug auffuhr. Der letzte Wagen des stehenden Zu­ges wurde vollständig zertrümmert, in die Höhe gehoben und auf den vorlegten Wagen geworfen, dessen Dach ein­gedrückt wurde. Ein einziger, markerschütternder Schref= tensschret wurde hörbar. Drei junge Mädchen wurden, wie bereits gemeldet, sofort getötet. 3wet andere, Schwe­tern, im Alter von 11 und 12 Jahren, trugen so schwere Verlegungen am Kopfe davon, daß sie noch im Laufe des gestrigen Nachmittags starben. Ein anderes 12jähriges Mädchen, das schwere innere Verlegungen erlitten hatte, überlebte das Unglück nur um 2 Stunden. Die Befret­ung der Verunglückten aus den Trümmern war sehr schwer. Nach und nach wurden zehn junge Mädchen und fünf Frauen mit mehr oder minder schweren Verlegungen her­Dorgezogen. Die meisten haben komplizierte Arm- und Beinbrüche davongetragen. Einem Kinde im Alter von feben Jahren wurde die ganze linke Seite aufgerissen und der linke Arm vollständig vom Körper getrennt.

Massenvergiftung beim Hochzeitsmahl. In dem sach­en- weimarischen Rhönorte Helmershausen wurde vor fur­fem eine goldene Hochzeit gefeiert, bei der gegen 120 Per­onen eingeladen waren. Man hatte die Kartoffeln für den Kartoffelsalat schon drei Tage vorher gekocht und einst­peilen zugedeckt in den Keller gestellt. Schon beim Mahl fiel einzelnen ein eigentümlicher Geruch des Kartoffel­alats auf und bald nachher erkrankte eine große Anzahl Personen, welche von dem Salat gegessen hatten. Gegen wanzig mußten ins Krankenhaus nach Meiningen ge­hafft werden; einige Personen sind bereits gestorben. Nach den Symptomen der Erkrankung hatte man zuerst auf Typhus geschlossen, doch wurde durch den Hygieniker Ge­helmrat Prof. Dr. Gaertner- Jena das Brunnenwasser als einwandfrei festgestellt, so daß nur der anscheinend ver­orbene Kartoffelsalat die Ursache der Vergiftung dar= tellen tann.

Ein gewaltiger Waldbrand wütete Dienstag nachmit tag in unmittelbarer Nähe der Ortschaft Breitenhees in der Lüneburger Heide. In unglaublichem Leichtsinn hatte, bie die Uelzener Kreisztg." mitteilt, ein wandernder bandwerksbursche an der Chaussee nach Uelzen ein Feuer Entzündet, das durch den starken Wind sofort schnell in

den nahen Kiefernbestand und wilden Anflug sich fort: pflanzte und in einer Breite von 500-700 Metern sich drei Kilometer weit am Wege von Breitenhees nach Hösse­ringen in die Gemarkungen von Suderburg, Oldendorf und Hösseringen erstrecte. Abgebrannt sind annähernd 600 Morgen, hauptsächlich Kiefernbestand und Heide. Der Täter ist gefaßt; er hat nach anfänglichem Leugnen seine Tat eingestanden und ist in das Amtsgerichtsgefängnis in Uelzen abgeliefert worden.

Aus Unvorsichtigkeit vom eigenen Vater getötet. In Reinidendorf bei Stettin erschoß der Grundbesitzer Franz Griep seine 23jährige Tochter, die ihm das Gewehr selbst überreicht hatte, um Krähen vom Hühnerhofe zu schießen. Der Vater war im Begriff, die Flinte zu laden, während die Tochter voraneilte, um die Haustür zu öffnen. In dem Augenblid, als Griep das Gewehr zuklappte, entlud sich der Schuß und die Schrotladung traf sein nur wenige Schritte entferntes Kind in den Rüden. Bei der geringen Distanz war die Durchschlagskraft eine derartige, daß die Schrote durch den Körper hindurchdrangen und die Lunge

Sie erzielten aber 3800 Mart. Am Schluß der Auktion waren 11 000 Mark erzielt worden.

Der heilige Bureaukratins und die Reißnägel. In Karlsruher Zeitungen ist zu lesen: Der Leiter des städti-. schen Volksschulwesens hat die Wahrnehmung gemacht, daß in manchen Schulhäusern die Visitenkarten an den Zim mertüren und die Plakate in den Gängen seither mit gel­ben und in andern mit weißen Reißnägeln befestigt wur­den. Um diesem Uebelstande" abzuhelfen, wurde in einer amtlichen Konferenz der 25 Vorstände der einzelnen Schul­abteilungen die Angelegenheit von dem Stadtschulrat auf die Tagesordnung gesetzt und dahin entschieden, daß über­all da, wo seither gelbe Reißnägel zur Verwendung famen, diese durch weiße, mit einem Schlitz versehene, ersetzt wer den müssen. Die vorschriftsmäßigen Reißnägel sind auf dem Rektorat zu erheben, und die Vorsteher der einzelnen Schulhäuser sind für die sofortige Durchführung dieser An­ordnung haftbar. Erfreulicherweise fann mitgeteilt wer= den, daß die verpönten gelben Reißnägel in sämtlichen Schulhäusern seit einigen Tagen verschwunden und an ihre Stelle weiße getreten sind.

vollkommen zerrissen wurde. Tot sank die Tochter dem Das 100jährige Jubiläum des ersten deutschen Fluges.

Vater in die Arme. Das Mädchen war die einzige Tochter Grieps und stand kurz vor der Hochzeit.

Das Zehnmartftück in der Nase. Einen eigenartigen Diebestrid führte in einem Detmolder Kaufmannsgeschäft ein gut gekleideter Mann aus. Das Dienstmädchen einer Familie wollte bei dem Kaufmann eine Rechnung bezahlen und legte die Rechnung mit einem Zehnmarkstück auf den Tisch. Als der Kaufmann die Rechnung quittiert hatte, fehlte auf einmal das Geld. Der Verdacht des Diebstahls ftel sofort auf den noch im Laden anwesenden Fremden, dem der Diebstahl auf den Kopf zugesagt wurde. Anstatt flein beizugeben, wurde der Mann noch frech, sprach von Verklagen wegen Beleidigung usw. Mittlerweile war die Polizeibehörde benachrichtigt, die den Fremden gehörig ins Gebet nahm. Das Geldstück konnte aber nicht gefunden werden, bis auf einmal einem der Visitation beiwohnen­den Herrn die Aussprache des Verdächtigen auffiel. Bei näherem Ansehen der Nase des Fremden sah man einen goldigen Schimmer in dem einen Nasenloch. Das Geld gelangte darauf wieder an seinen rechtmäßigen Besitzer, während der gerissene Spitzbube die schönen Maitage im Untersuchungsgefängnis zubringen muß.

Spielerkontrolle in Holland. In der niederländischen Grenzstadt Venlo sind mehrere Spielhäuser eröffnet wor den. Da die niederländischen Geseze hiergegen ziemlich machtlos sind, hat die Polizei Wachtposten vor die Häuser plaziert. Jeder, der das Spielhaus betritt, hat dem Po­ften nach der Polizei zu folgen, wo er sich legitimieren muß. Es wurden an jedem Tage bisher fast ein halbes Hundert deutsche Besucher der Spielhäuser festgestellt.

Einsturzfatastrophe bei einer Festlichkeit. Eine ent= setzliche Katastrophe ereignete sich in Oshimago in der ja­panischen Provinz Kamamato. Bei einer Festlichkeit, die zu Ehren des Stadthauptes abgehalten wurde, stürzte plötz­lich ein Haus, dessen Grundpfeiler morsch geworden waren, ein und begrub die Festteilnehmer unter seinem Schutt. Nur mit Mühe gelang es den herbeigeeilten Dorfbewoh­nern, die Unglücklichen unter den Trümmern hervorzu­ziehen. Bisher fonnten sieben Leichen geborgen werden, aber man vermißt noch vier Personen, die vermutlich auch bei dem Unglücksfall ihren Tod gefunden haben.

Eine geheimnisvolle Mordaffäre, die an den Frauen­mord Crippen erinnert, wird aus Neuyork gemeldet. Der Besitzer eines Wohnhauses mit vielen kleinen Mietpar­teten konnte von einem Chauffeur Scheib, der mit seiner Frau eine der Wohnungen bewohnte, nicht die Miete er­halten. Als sich schon geraume Zeit hindurch die Mieter nicht gezeigt hatten, ließ er die Tür aufsprengen. Da fand man in der Badewanne eine Leiche vor, von der nur noch fümmerliche Reste zu sehen waren; denn der Körper lag ganz in einer äzenden Säure, die ihn zum größten Teil bereits aufgezehrt hatte. An einem Fezen Zeug, den man in der Wanne fand, sah man, daß die Leiche weiblichen Ge­schlechtes gewesen sein mußte. Der Chauffeur wurde in der Nähe des Tatortes gesehen und verhaftet. Er be­teuerte, daß er seine Frau schon seit Monaten nicht ge sehen und von ihr auch nichts gehört habe. Er habe auch feine Ahnung von den Vorgängen in der Wohnung, die er gleichfalls schon seit Monaten nicht mehr betreten habe. Selbstverständlich wurde Scheib in Haft behalten und die Polizei ist bemüht, das geheimnisvolle Verbrechen auf­zuklären.

Die Seelenbraut. Mit gespanntem Interesse erwar tet man gegenwärtig in Neuyork die Aufklärung eines selt­[ amen Geheimnisses, das mit dem kürzlich erfolgten tragi­schen Tode eines Dr. Latson verknüpft zu sein scheint. Latson war der Begründer und Leiter einer Theosophen­Schule in der Hudsonstadt. Man fand ihn vor wenigen Tagen erschossen auf. Alles deutete darauf hin, daß der Offultist Selbstmord verübt hatte. Am nächsten Tage machte Latsons Privatsekretärin, eine ungewöhnlich hüb­sche 20jährige Jüdin namens Ada Marhevka, den Ver­such, sich durch Einatmung von Leuchtgas zu töten. In bewußtlosem Zustande wurde das junge Mädchen in der bis an den Rand gefüllten Badewanne entdeckt und so­fort in ein Hospital übergeführt. Als die Selbstmordkan­didatin zwei Stunden später wieder zu sich fam, erklärte ste, es sei ihr heißester Wunsch, threm toten Führer in das große Unbekannte" zu folgen. Heftig widersetzte ste sich den erfolgreichen Bemühungen des Arztes, und da al­les nichts half, gab sie sich für die Mörderin Dr. Latsons aus, in der Hoffnung, durch ihre Hinrichtung das zu er­reichen, woran man sie jetzt hinderte. Fräulein Mar­hevka behauptet, die Seelenbraut des vor ihr Dahinge­gangenen zu sein und dem Rufe seiner Seele folgen zu müssen. Dem Anscheine nach hat Latson starken hypno­tischen Einfluß auf die ihm völlig ergeben gewesene Ge­hilfin ausgeübt.

Bayerische Perlen. Im Hauptgebäude der General­direktion der Bergwerke in München hat die angekündigte Versteigerung in Bayern gefundener Perlen stattgefunden. Die Perlen sind, wie wir bereits berichteten, im Laufe von elf Jahren in den Bächen des Fichtelgebirges und im Regen gefunden worden. Außer zahlreichen bayerischen Juwelieren hatten sich auch viele aus Norddeutschland und Desterreich eingefunden. Es wurden zum öffentlichen Verkauf gestellt: 128 Perlen erster, 247 zweiter und 684 Perlen dritter Klasse sowie 2900 minderwertiger Sorten. Die schönen Perlen famen in Glanz den orientalischen nach und erzielten ziemlich hohe Preise, während die Kauflust Es für die minderwertigen Perlen überaus flau war. wurden Stücke mit 40 Mark und aufwärts bezahlt. Das teuerste Lot bestand aus 19 Stüd erstklassigen Perlen, die 55% Karat wogen und für 2200 Mart eingeschätzt waren.

Der 30. und 31. Mai dieses Jahres ist für die deutsche Flugkunst ein bedeutsamer Zeitabschnitt, da vor 100 Jahren an diesen beiden Tagen zum ersten Mal von einem Flug­künstler Flugpersuche mit einer Flugmaschine gemacht wor den sind. Es handelt sich um den zu einer komischen Be­rühmtheit gelangten Schneider Ludwig Berblinger, der auch allgemein unter dem Namen Schneider von Ulm" bekannt ist. Er hatte, wie er selbst in einer Zeitung von Ulm kurz vor seinem Fluge ankündigte, unter unsäglichen Mühen und unter dem Beistand der Mechaniker nach langwierigen Studien eine Flugmaschine erfunden, die er am 30. Mai dem Publikum vorführen wollte. Es war natürlich ein großer Tag für Ulm, zumal 3 hohe Gäste dem Schauspiel beiwohnen wollten, nämlich der König von Württemberg, sein Bruder, Prinz Heinrich, und.... Graf Ludwig von Zeppelin, der föniglich württembergische Oberkammerherr und Staatsministec, der Großvater des fliegenden Grafen". Die Laune der Weltgeschichte wollte es, daß bei dem ersten deutschen Flugversuch ein Mann anwesend sein sollte, des­sen Enkel rund 100 Jahre später der Welt das Fliegen lehrte. Als nun der große Taa herankam, machte der Schneider von Ulm kläglich Fiasko, da er den Abflug von dem Holzgerüst auf das Adlerbastei nicht wagte. Schon da­mals hatte das Volk ähnliche Anschauungen wie heute, und es kam zu einem Skandal auf dem Sportplatz, der nur mit Mühe beschwichtigt werden konnte. Der König von Würt­temberg schenkte dem Schneider von Ulm ein ansehnliches Geldgeschenk im Betrage von 600 Mark, damit er sich über sein Fiasko tröste. Das Volk wollte aber um sein Ver gnügen nicht kommen und verlangte durchaus eine Wie­derholung des Fluges, die auch am nächsten Tage stattfand. Berblinger stürzte sich von seinem Holzgerüst, das eine Höhe von 30 Meter hatte. Herunter und fiel in das Wasser der Donau, wo er, ohne weiter Schaden zu nehmen, ge­rettet werden konnte. Der König von Württemberg hatte auf den Anblick verzichtet und war schon vorher aus Ulm abgereist. Der Flugapparat Berblingers zerbrach und fonnte nicht mehr hergestellt werden. Berblinger baute noch einmal einen neuen Apparat, der den heutigen Flug­apparaten ziemlich ähnlich sah. Aber auch mit diesem ge= lang thm kein Flug. Er starb arm wie die meisten Er­finder jener Zeit im Jahre 1829 in Ulm im 58. Lebensjahre. Ein Kupferstich aus jener Zeit, der das Aussehen des Flug­apparates wiedergibi, ist vom Grafen Zeppelin dem Fried­richshafener Luftschiffmuseum geschenkt worden. Noch heute kennt man in Württemberg Spottverse wie: Xerres ver­Tieß sich auf sein Heer, auf seine Flügel Berblinger", die damals auf den verunglückten Flieger gemacht wurden. Es gibt noch eine Unzahl von Karikaturen aus jener Zeit, die gleicherweise den Schneidermeister von Ulm verspotten.

Drabtnachrichten und neuestes.

Die Berliner Frühjahrsparade.

Berlin, 1. Juni. Heute vormittag nahm der Kaiser die Frühjahrsparade über die Truppen von Berlin und den umliegenden kleineren Garnisonen auf dem Tempel­hofer Felde ab. Es fand ein zweimaliger Vorbeimarsch vor dem Kaiser statt. Nach der Parade ritt der Kaiser an der Spitze der Fahnenkompanie in das Königliche Schloß zurück.

Tödlicher Automobilunfall.

O Stettin, 1. Junt. Bei Bütow überschlug sich gestern mittag ein Automobil, in dem sich außer dem Chauffeur der Uhrmacher Melchert befand. Melchert ist tot, der Chauf­feur schwer verletzt.

Opfer einer Brandstiftung.

Hamburg, 1. Juni. In der vergangenen Nacht brannte in Blankenes: das Haus des Molkereibesizers Bartendorf niede.. Barkendorf und seine Frau, die beide 78 Jahre alt waren, famei: in den Flammen um. Das Feaer ist böswillig angelegt worden.

Explosion in einem Hochofen.

Duisburg, 1. Jnni. Auf der Niederrheinischen Hütte in Duisburg- Hochfeld erfolgte eine Hochofenexplosion, wobei drei Arbeiter lebensgefährlich verbrannten.

Ein Student als Messerheld. Wien, 1. Junt. Ein Technifer geriet mit einem Studenten in Wortwechsel, in dessen Verlauf letzterer dem Techniker einen tödlichen Stich mit dem Meffer in die Brust versetzte.

Rettung verschütteter Bergleute. Brüssel, 1. Juni. Die auf der Grube Quaregnon verschütteten sieben Bergleute sind gestern mittag gerettet worden. Sie befinden sich alle wohl.

Der Sieger im Flug Paris- Rom. Rom, 1. Juni. Im Flugwettbewerb Paris- Rom­Turin ist gestern der Schiffsleutnant Beaumont als erster in Rom eingetroffen.

Schweres Unwetter in London.

London, 1. Juni. Gestern abend gingen über Lon don und die südlichen Grafschaften Gewitter nieder, wie ste hier in gleicher Heftigkeit seit Jahren nicht vorgekommen find. Viele Gebäude wurden schwer beschädigt. In zwei Londoner Kirchen schlug der Blitz ein. Sieben Personen wurden getötet. Fünf von ihnen waren gerade auf dem Heimweg vom Rennen in Epsom. Der Schluß des Ren­nens wurde durch das aufziehende Gewitter beeinträchtigt. Die niedergegangenen Wasserfluten haben in London und Umgegend großen Schaden angerichtet.

Ein Fort in die Luft geflogen. Managua( Nifaragua), 1. Junt. Das Fort La Ioma ist gestern in die Luft geflogen. Der Palast und an­dere Gebäude wurden beschädigt. Viele Personen soller umgekommen sein. Einzelheiten fehlen noch.

Bandel und Verkebr.

Erhöhung der Lederpreise. Der Verband thü ringischer und sächsischer Lederfabrikanten der am 28. Mai in Weida tagte, beschloß, mit Rücksicht auf das Mißverhältnis zwischen den Rohhaute- und den Gar lederpreisen, vorläufig eine sofort in Kraft tretende Preis erhöhung für Sohl- und Vacheleder um 4 Pfg. für da Pfund, für Croupons um 8 Pfg. für das Pfund, für braun und schwarze Kipse( Gewichtsware) um 5-10 Pfg, fi Marktware um 4-6 Pfg. fitr den Quadratfuß.