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Deutscher Reichstag.

würden. Nun erhalten die Abgeordneten vom 1. April noch einmal 600 M. Die letzten 1000 M ihrer Pauschalsumme sollen sie am Tage threr Vertagung oder des Schlusses des Neichstags erhalten. Damit ist natürlich die Vertagung oder der Schluß der ganzen Jahresarbeit gemeint. Die 1000 M würden also erst im Herbst zur Auszahlung ge­langen, da ja erst dann die Jahresarbeit zum Abschluß tommt. Die 3wischenmonate würden als Ferien gelten. Die Sache liegt vollständig klar, denn im Diätengeset wird ansdrücklich gesagt, daß z. B. die Fehltage mit je 20 M von der nächsten Barzahlung abgezogen werden sollen. Fehltage im Herbste könnten also überhaupt nicht angerechnet wer­den, wenn die letzte Barzahlung schon im Sommer erfol­gen würde.

Vielleicht wird daher die erst am endgültigen Schlusse ihrer Arbeit in Aussicht stehende 1000 M- Prämie die Herren Reichsboten veranlassen, etwas rascher zu arbeiten.

Am Dienstag wurde mit der Einzelberatung des Mili­äretats begonnen, die Kapitel für Kapitel vorwärts schrttt, ohne daß es zu besonders bemerkenswerten Erörterungen famt, die wesentlich neues boten. Die sozialdemokratischen Ausführungen des Abg. Kunert über das Bestehen geheim­nisvoller schwarzer Fonds im Heer, besonders im sächsischen, widerlegte der sächsische Bundesratsbevollmächtigte. Es be­stehen wohl, wie auch anderwärts, Stiftungen und Zuwen­dungen von privater Seite, teilweise schon seit langen Zet­ten. Diese werden zu Unterstützungen an Offiziere, Unter­offiziere und Mannschaften verwendet, da im Etat Mittel dafür nicht enthalten sind. Auch der Abg. Erzberger wider­Sprach den sozialdemokratischen Behauptungen. Weiter er­hob sich eine Auseinandersehung zwischen dem Abg. Werner ( Rfp.) und der Militärverwaltung über die Intendantur­beamten, in die auch der Kriegsminister mit eingriff. Der Nachwuchs ist sichergestellt. Für den Mobilmachungsfall wird es aber schwierig sein, geeignete Persönlichkeiten für die höheren Stellen zu finden. Die vom Abg. Zubeil( oz.) vorgebrachten Beschwerden über die Konkurrenz der Mili­tärkapellen, denen auch der Abg. Kopsch( fortschr. Vp.) bet­trat, fanden ihre Beantwortung durch Generalmajor Wan­del. An der Konkurrenz tragen nicht allein die Militär­musiker die Schuld; es kommt die Nachfrage der Saalbesitzer und vor allem die Vorliebe des Publikums für gute Musik In Frage; auch die vielen ausländischen Kapellen bereiten den Zivilmusikern Konkurrenz. Die Tarife sind herabge­fetzt, die Generalfommandos wirken auf strenge Innehal­tung derselben hin. Die Zahl der Musiker bet den Regt­mentsfapellen kann nach Sachverständigenurteil nicht noch weiter als auf 36 herabgesetzt werden, wenn nicht die Klangwirkung und Klangstärke allzusehr beeinträchtigt wer den sollen. Diese Meinung wird auch vom Abg. v. Liebert ( Reichspartei) vertreten, der zu den Sachverständigen für biese, auch vom militärischen Standpunkt nicht zu unter­schäzende Frage zugezählt werden darf. Abg. Görde( ntl.) und Freiherr v. Richthofen( fons.) nehmen die Militärmu=" fifer gegen unberechtigte Angriffe in Schutz, erkennen aber die Notwendigkeit an, auch die Wünsche der Zivilmusiker nach Möglichkeit zu berücksichtigen. Die Debatte wurde dann noch einige Zeit fortgesetzt, ohne daß es zu besonderen Erörterungen gekommen wäre. Dann wurde die Weiter= beratung auf Mittwoch vertagt.

Die nächsten Reichstagswahlen.

Rundschau vom Cage. Politisches.

ergeben. Somit zählt das Reich heute fast 24 Millionen mehr als vor 40 Jahren, da es gegründet wurde. Nimmt man an, daß es im gleichen Verhältnis weiter wächst, so wird es in den nächsten 40 Jahren um 38 Millionen zunehmen. Demnach würde im Jahre 1951 das Reich nicht weniger als 105 Millionen Einwohner zählen. Zwischen dem deutschen Gesandten in Belgrad und dem serbischen Kriegsminister war ein Konflikt ausge= brochen, der den deutschen Gesandten veranlaßt hatte, der serbischen Regierung ein Ultimatum zu stellen. Die ser= bische Kriegsverwaltung hatte während der Annexions­frise 15 Gebirgsbotterien bestellt. Unter den eingelaufe nen Offerten ausländischer Firmen befanden sich solche von der Firma Krupp und von Erhardt. Der Kriegsminister übertrug schließlich die Lieferung der Batterien der Firma Krupp, obwohl die Firma Erhardt angeblich eine bedeu­tend günstigere Offerte eingereicht hatte. Der serbische Kriegsminister ließ später durchblicken, daß er darum die Firma Krupp gewählt habe, weil der deutsche Gesandte, dessen Bruder bei der Fabrik Erhardt beteiligt sei, aus persönlichen Motiven die Firma Erhardt portegiert habe. Herr v. Reichenau erhob gegen diese Verdächtigung ener gischen Protest, worauf der Kriegsminister am Sonnabend in der Stupschtina die Erklärung abgab, daß er keine Ver­dächtigung des deutschen Gesandten beabsichtigt habe. Der deutsche Gesandte erachtete diese Feststellung als ungenü­genden Genugtuung und er stellte der serbischen Regie­rung ein Ultimatum, wonach der Kriegsminister sich ent­weder in der Stupschtina zu entschuldigen oder zurückzu­treten habe. Dem deutschen Gesandten ist denn auch so­fort Genugtuung gegeben worden und zwar durch den Rück­tritt des Kriegsministers.

Ueber die Stellung des preußischen Handelsministers von Sydow läßt sich das Berliner Tageblatt" von angeb­lich sehr gut unterrichteter Seite mitteilen, daß Minister Sydow sich bei den Erklärungen, die er im preußischen Ab­geordnetenhause über die Handelskammern und den Han­sabund abgegeben hat, in völliger Uebereinstimmung mit Herrn von Bethmann Hollweg befunden habe. Auch Herr von Bethmann Hollweg erkenne das Recht der Handels­fammern an, sich dem Hansabunde anzuschließen. Infol­gedessen sei auch nicht zu erwarten, daß Herr Sydow infol­ge seiner Rede zurücktreten werde. Das B. T." behaup­tet ferner, daß Herr Sydow nach dem Rücktritt des Herrn Krätke( der in abesehbarer Zeit" zu erwarten sei), an die Spitze der Reichspostverwaltung treten solle. Das fann sein, fann auch nicht sein; warten wir ab.

Einen Aufruf zu den Reichstagswahlen erläßt der Vorstand des Deutschen Gastwirteverbandes an alle deut­schen Gastwirte. Die Parteikämpfe würden, so sagt er, infolge der durch die Reichsfinanzreform bis zur Erbit­terung gesteigerten Unzufriedenheit heftiger als je ent= brenner. Die Gastwirte, die ihre Räume allen Parteien zur Verfügung stellen, sollten sich der strengsten Neutra­lität befleißigen. Sollte dennoch von einer Partei aus irgendwelchen Gründen ein Bontott verhängt werden, so werde man jetzt mit allen geeigneten Mitteln dagegen an= fämpfen. Jeder Fall der Verrufserklärung sollte deshalb sofort zur Kenntnis des Vorstandes gebracht verden.

Ueber den Termin der nächsten Reichstagswahlen wer­den jetzt allerlei Kombinationen verbreitet, die aber sämt­Itch außer acht lassen, daß die Entscheidung über den näch­sten Wahltermin nicht allein von der Regierung abhängt, sondern vielmehr auch vom Reichstage selbst. Nun kann ja prinzipiell der scheidende Reichstag in der Sache aller­dings nichts tun, aber praktisch hängt es durchaus von ihm ab, wann gewählt wird. Arbeitet der Reichstag in den nächsten Monaten rasch, dann kann bald gewählt werden, nugt er die wenige ihm gebliebene Zeit nicht aus, daun muß der Termin der Neuwahlen weiter hinausgeschoben werden. Vorläufig ist der Reichstag noch den ganzen März hin­durch mit dem Etat beschäftigt, den er mit Mühe und Not vielleicht bis zum verfassungsmäßigen Termin fertig stellen wird. Dann wird die entscheidende Frage kommen: Was nun? Wie verlautet, so schreibt man uns aus Berlin, wird die Regierung dann im gegebenen Moment sich mit den Parteien darüber ins Einvernehmen zu sehen versuchen, wie der weitere Verlauf der Dinge ge­staltet werden soll. Von der Bereitwilligkeit der einzelnen Parteien, noch etwas Positives zu schaffen, wird es dann abhängen, ob die Session ein rasches Ende findet, oder ob fie noch weiter fortgeführt wird.

Der ungarische Parlamentsausschuß hat das Marine­budget sowie den außerordentlichen Kredit für den Bau der Schlachtschiffe angenommen und dem Marinekomman danten sein Bertraven ausgesprochen.

Dynastische Umiriebe in Beting? Die seit Wochen umlaufenden Gerüchte von dynastischen Umtrieben in der verbotenen Stadt zu Peking erhalten durch die Mittei lung eines Petersburger Blattes neue Nahrung. Da= nach glaubt man tatsächlich, daß ein Thronwechsel sich vor­bereite. Das Blatt fügt hinzu, daß es im Zusammenhang damit leicht zu Ereignissen kommen könne, die für die Auss länder gefährlich werden könnten.

Die Budgetfommission des Reichstags begann am Dienstag die Beratung des Postetats. Es sind insge­samt 1380 Stellen neu angefordert worden, davon 33 hö­here, deren Notwendigkeit Staatssekretär Krätke mit der crheblichen Ausdehnung aller Dienstzweige begründete, Postscheckverkehr, Fernsprechwesen, Ueberlandzentralen usw. Bei der Abstimmung wurden bewilligt die angeforderten zwei neuen Abteilungsdirigenten, anstatt 12 nur 7 Post­räte und statt 6 nur 4 Oberpostdirektoren. Zum Titel Oberpostassistenten, Postassistenten usw. lag ein Antrag vor, 2000 neue Assistentenstellen einzustellen, mit Rücksicht auf die schlechten Avancementsverhältnisse. Der Etattitel sieht eine Vermehrung der Assistentenstellen um 800 vor. Der Schatzsetretär bemerkte, daß für die Stellenvermeh= rung in dem vorgeschlagenen Umfange neben der Ver= tehrssteigerung die Avancementsverhältnisse bereits mit­bestimmend gewesen seien. Auf Grund dieser Vermeh­rung werde die Anstellung nach fünf Jahren und zwei Monaten erfolgen. Der Mortführer des Zentrums ver­langte eine Herabsetzung der Zahl der Assistentenstellen und eine größere Bermehrung der Unterbeamten, die viel später zur Anstellung gelangen als die Assistenten, zumal der Reichstag wiederholt die Uebertragung der Geschäfte höherer Beamten auf niedrigere verlangt habe.

Das Arbeitsmaterial, das dem Reichstage noch vorliegt, ist überreich. Es würde für eine ganze neue Legislatur­periode genügen. Kein Mensch denkt mehr daran, alle Vorlagen, die allerdings zum Teil in Arbeit genommen find, noch von diesem Reichstag unter Dach und Fach brin­gen zu lassen. Der Regierung und auch den Parteien liegt aber daran, wenigstens einige Materien noch zu er­ledigen. Man wird also dann zu retten versuchen, was zu retten ist. Vorläufig schweben Erwägungen, welche Vorla­gen wohl als dringendste das erste Anrecht darauf haben, verabschiedet zu werden. Freilich liegen allerdings gerade bet diesen Entwürfen Reichstagsbeschlüsse vor, die die Re­gierung als unannehmbar bezeichnet hat.

Die Entscheidung kann also noch vor Ostern und muß spätestens in der Zeit zwischen Ostern und Pfingsten fallen. Kommt keine Verständigung zustande, dann hat die Regierung an weiteren fruchtlosen Verhandlungen kein In­teresse, dann wird der Reichstag geschlossen und Neuw a h- len werden für den Herbst ausgeschrieben. Verständigt man sich, so sitzt der Reichstag bis in den Juni hinein und erledigt noch einige Vorlagen. Geht die Arbeit nicht so schnell von statten, so treten wieder Sommerfommissionen in Tätigkeit, und das Plenum tritt im Sommer noch zu ei­ner ganz kurzen Tadung zusammen. Dann gibt es win= terwahlen. So liegen die Dinge.

An und für sich hat an einer Herbstsession niemand be= sonderes Interesse. Es wird allerdings darauf hingewie­sen, daß im Herbste keine Diäten gezahlt werden

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Das Familiengeheimnis.

Roman von 2. Walter.

Kleine nachrichten.

Die Luftschiffbaugesellschaft Zeppelin wird entgegen den ursprünglich gefaßten Plänen zunächst das wiedererstandene Luftschiff Deutschland" fertigstellen und nach gründlicher Erprobung in Friedrichshafen, an die auch einige Passagier­fahrten angeschlossen werden sollen, wird das Luftschiff an­fang April nach Düsseldorf überführt werden, wobei in Baden- Baden und Frankfurt Fahrgastwechsel stattfindet. Sieran anschließend wird sofort das Versuchsluftschiff 3. 9 in Betrieb gesetzt.

Jm Reichstagswahlkreise Kempten- Immenstadt wurde die Stichwahl auf den 7. März festgesetzt. Der sozialdemo= fratische Parteivorstand hat die endgültige Stellungnahme der sozialdemokratischen Partei zugunsten des liberalen Kandidaten in der Stichwahl beschlossen.

Beulenpestfälle in Amerika. In Spokane im Staate Washington wurden 16 Fälle von Beulenpest entdeckt. Die Krankheit tritt anscheinend nicht so bösartig wie in der Mandschurei auf. Indessen fliehen Hunderte. Bisher sind drei Personen gestorben.-

Eine Erweiterung der kommunalen Selbstverwaltung bezweckt ein Antrag des freikonservativen Abgeordneten Frhrn. v. Zedlik, der dem preußischen Abgeordnetenhause zugegangen ist. Danach sollen zukünftig Zuschläge zur Staatseinkommensteuer erst dann der Genehmigung be­dürfen, wenn sie über den anderthalbfachen Saz der Staatseinkommensteuer hinausgehen, während bekanntlich bisher diese Genehmigung schon erforderlich ist, wenn die Zuschläge über den vollen Satz der Staatseinkommensteuer hinausgehen.

Nachdruck verboten. Karl mußte weinen, als er durch das Zimmer blidte, in dem er mit dem Vater manche Abendstunde traulich verplaudert hatte. Dort stand das bequeme Sofa, auf dem Halling sein Mittagsschläfchen zu halten pflegte... jetzt hatte er die Augen zum ewigen Schlafe geschlossen. Ueber dem Sofa hing die große Photographie des Verstorbenen. Wie freundlich lächelten die lieben Züge den Sohn an, der die Schwelle nicht zu überschreiten wagte! Tod und Ver­derben wohnten in dem traulichen Zimmer, das vor kur­zer Zeit frohe Menschen beherbergte. Der Hut des Ver­storbenen stand auf der glänzenden Kommode; daneben lehnte der Stock. Auf dem runden Tisch lagen die Uhr und das Portefeuille. Dort hing der graue Schlafrock... " Hier ist die Börse!" rief der Wärter.

,, Was enthält sie?"

Fünf harte Taler und einen Schlüssel." Geben Sie mir den Schlüssel."

Hier ist er, lieber Herr."

Ein 84jähriger Bräutigam. In Heidelberg erregt die Tatsache großes Aufsehen, daß der Nestor der Heidelberger Gelehrten, der im 84. Lebensjahre stehende berühmte Rechts­lehrer Geheimrat Professor Dr. Immanuel Bekker, eine zweite Ehe einzugehen beabsichtigt. Seine Auserwählte ist die Tochter des praktischen Arztes Dr. Sulzer in Kirthen bet Basel. Die Dame, die Ende der vierziger Jahre steht, ist Witwe. Die Hochzeit des greisen Bräutigams wird Mitte März stattfinden.

Die Bevölkerungszunahme Deutschlands. Wie gemel­det, hat die Volkszählung am 1. Dezember für Deutsch­land einen Einwohnerbestand von 64 896 881 Einwohnern

gend bedarf. sobald ich die Ordnung in dem Komptoir hergestellt habe, beraten wir die häuslichen Angelegen­heiten."

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Von den 500 auf einer Eisscholle im finnischen Meer: busen abgetriebenen Fischern sind bisher etwa 120 auf zwet Eisschollen an Land getrieben worden. Die übrigen treiben auf verschiedenen Schollen, in die sich die große Scholle ge= tellt hat, auf hoher See umher. Man hofft, sie noch zu retten. Immerhin sind bereits über hundert Fischer und Pferde ertrunken.

Ein Zwölfjähriger als Kirchenränber. Am Montag früh wurde in der Kirche zu Derenburg bet Halberstadt die Ent­deckung gemacht, daß die Opferbecken erbrochen und ihres Inhalts beraubt waren. Als Täter wurde später ein zwölfjähriger Schüler ermittelt, der dem Kirchendiener die Schlüssel zur Kirche entwendet hatte. Da der Täter dte Entdeckung des Kirchenraubes befürchtete, hat er seinem Le­ben durch Erhängen ein Ende gemacht.

Selma weinte und Karl ging nach dem Erdgeschosse zurück. Als er das Komptoir betrat, fand er den ersten Buchhalter vor, einen stattlichen Mann von achtundzwan= zig Jahren. Hugo Schwarz diente schon lange der Firma Halling; der verstorbene Chef, der ihn oft auf Reisen geschickt, hatte den gewandten und zuverlässigen Buch­halter hoch geschätzt und auch Karl fühlte sich zu ihm hin­gezegen, da Schwarz im Umgange den liebenswürdigsten Charakter zeigte.

Die Börse mit dem Gelde mögen Sie behalten." " Dante! Ich kann das Geld recht wohl brauchen." Karl hatte den ihm wohlbekannten Schlüssel in der Sand. Er konnte sich nicht erwehren, ihn an die Lippen zu drücken. Mit diesem Schlüssel ging das ganze Geschäft an ihn über. Nun sollte er alle Geheimnisse seines Va­ters fennen lernen, sollte aber auch alle Pflichten desselben erfüllen, alle Lasten tragen.

Der Wärter hatte das Zimmer geschlossen, lieferte den Schlüssel ab und entfernte sich. Karl traf Selma in ängst­licher Erregung.

Mein Gott," rief sie unter Tränen, wenn Dir nur nicht ein Unglüd zustößt!"

Ach, Herr Halling," rief er teilnehmend aus, das Echidsal hat Sie schwer heimgesucht! Ich kann es noch immer nicht glauben, daß eine so schreckliche Veränderung bei uns eingetreten ist! Mir möchte das Herz zer= springen!"

Beruhige Dich, liebe Tante; ich habe die nötige Sorg­falt angewendet. Hier ist der Schlüssel, dessen ich drin­

Eine furchtbare Familientragödie hat sich in der Nacht zum Dienstag in Retsen bei Lissa in Posen abgespielt. Der vor einem Monat aus Berlin zugezogene 34 Jahre alte Tischler Josef F., der an Kehlkopf- und Lungenschwindsucht litt. hat aus Verzweiflung über seine Krankheit seine 33 Jahre alte Frau und sein dreijähriges einziges Töchterchen erschossen und sich dann erhängt. In einem hinterlassenen Briefe gibt F. an, daß er seine fränkliche Frau und sein Kind nicht habe Not und Elend preisgeben wollen.

Der Sohn vom Hause reichte ihm traurig die Hand. Ich bin von Ihrer innigen Teilnahme überzeugt, Herr Schwarz; Sie haben einen braven Chef, ich habe den besten Bater verloren. Helfen Sie mir die schwere Last tragen, die mir aufgebürdet ist. Der Schmerz beeinträch= tigt meine Tätigkeit."

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Horn trocknete sich die Augen; er mußte sich gewalt­Sam fassen, ehe er Worte finden konnte, um dem jungen Manne seine Teilnahme auszudrücken. Karl warf sich er­schüttert an die Brust des alten Mannes.

Beriassen Sie sich auf mich, ich werde Ihnen nach Kräften zur Seite stehen, und ich vermag Ihnen zu nügen, da mir Herr Halling schon einen ausgedehnten Wirkungs­freis angewiesen hat. Meine Tätigkeit werde ich von nun an verdoppeln

Zählen Sie auf meine Dankbarkeit!" Ein Handschlag besiegelte diesen Pakt.

,, Wie soll das werden, Horn? Der Vater ist so leicht nicht zu ersetzen!"

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,, Vertrauen Sie Ihren treuen Arbeitern; da außer­dem die größte Ordnung in dem Geschäft herrscht, wird eine Unterbrechung nicht eintreten, die der Firma schaden könnte. Wir müssen freilich unsern Schmerz bekämpfen, müssen mit Fassung und Ruhe an die Arbeit gehen. Rings um uns her holt die schreckliche Krankheit ihre Opfer... sie wird ja wohl an diesem Hause vorübergehen, das be= reits einen hohen Tribut gezollt. Ich weiche nicht von meinem Posten; mein Leben steht, wie an allen anderen Orten der Erde, in Gottes Hand. Wie es auch kommen möge, ich erfülle meine Pflicht!" Horn sprach noch einige tröstende Worte, dann betrat er das Kassenzimmer, um sein Tagewerk zu beginnen. Zwei jüngere Kommis famen noch, die unter der Aufsicht Hugo Schwarz's arbeiteten.

Hugo Schwarz trat an sein Pult und begann zu ar­beiten. Jetzt erschien auch der alte Kassierer, ein im Dienste der Firma ergrauter Mann.

,, Horn!" rief ihm Karl entgegen. ,, Lieber Herr!" stammelte der Alte.

Kommen Sie endlich? Ich habe mich nach Ihnen gesehnt! Sie, der Freund meines Vaters..

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Karl befand sich in dem Kabinette des verstorbenen Vaters. Eine ernste Stunde war für ihn gekommen. Jm Stillen gelobte er sich, streng den Weg zu verfolgen, den der verstorbene Vater ihm so ehrenvoll geahnt hatte. Ich werde Deinem Namen teine Schande machen," murmelte er vor sich hin; die Ehre soll mein Prinzip, Gewissen­haftigkeit meine Nichtschnur sein. Mit Gott schreite ich zum Werke, mit Gott will ich es fortsetzen und vollenden." Er öffnete den eisernen Schrank, der zur Seite des Arbeitspultes stand. Noch nie hatte ein anderer außer dem Chef, die Hand an dieses Gerät gelegt, das die Ges schäftsgeheimnisse der alten Firma barg. Die schwere Tür stand offen, die dunkeln Fächer zeigten sich. Hier la­gen einige Pakete Banknoten, dort standen kleine Säcke mit geschlagenem Gelde. Auch die Mappe erkannte der Sohn, in welcher der Vater wertvolle Dokumente aufbe= wahrte. ( Forts. folgt.)

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