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während ihres etwa zehntägigen Aufenthaltes in Berlin bezw. Potsdam freie Wohnung und volle Beköstigung aus der kaiserlichen Hofküche; außerdem wird ihnen freier Zutritt zu den Vorstellungen in den Königlichen Theatern, sowie zu den hauptsächlichsten Sehenswürdigkeiten beider Residenzen gewährt. Am 2. Januar wird die Abordnung vom Kaiserpaare in besonderer Audienz empfangen.
Die Verkehrsstörungen in Süddeutschland, die durch den von uns gemeldeten Schneesturm hervorgerufen wurden, machen sich noch fortgesetzt in der empfindlichsten Weise bemerkbar. An den badischen Haupteisenbahnstrecken arbeiteten bis gestern abend noch zahlreiche Soldaten, um die Verkehrshemmnisse zu beseitigen. In den Gebirgsorten liegt der Schnee über einen Meter hoch, so daß zahlreiche Ortschaften vom Verkehr völlig abgeschnitten sind. Es dürf= ten noch Wochen vergehen, ehe die urch das Unwetter angerichteten Schäden beseitigt find. Telephon- und Depeschenverkehr sind ungemein stark beeinträchtigt. Zwischen einzelnen süddeutschen Stationen muß der Verkehr noch immer durch Umsteigen aufrecht erhalten werden.
Ein Messerkampf im Eisenbahnzuge. Zwischen einem Trupp fremder Arbeiter kam es im Eisenbahnwagen vierter Klasse bei der Station Niederlahnstein zu einem erbitterten Kampf, der mit Messern ausgeführt wurde. Die Passagiere, von denen zahlreiche verletzt wurden, zogen die Notbremse. 20 Minuten mußte der Zug auf offener Strecke halten, bis es dem Zugpersonal gelungen war, die Kämpfenden auseinander zu bringen. Mehrere der Verletzten mußten ins Krankenhaus geschafft werden. Die Kämpfer wurden zunächst in anderen Abteilen untergebracht und dann der Polizei übergeben.
Die Anffindung der Leiche des Aviatifers Grace. Ein gestern morgen aufgetauchtes Gerücht, daß eine am Mittwoch at einem einsamen Punkt der belgischen Küste, in etwa 32 Kilometer Entfernung von Ostende aufgefundene Leiche die des verunglückten Aviatikers Grace ist, hat sich bestätigt. Tragisch mutet cs an, daß die Stelle, an der die Leiche angeschwemmt wurde, die„ Falle" heißt. Die Leiche, die auf dem Sand am Meeresufer lag, war stark ange= schwollen. Wie man aus dem Befund schließen kann, muß Grace nicht weniger als fünf Stunden mit seinem Apparat gegen die nahende Katastrophe angekämpft haben. Sein Todeskampf muß entsetzlich gewesen sein. Der Aviatifer hatte einen Rettungsgürtel mit sich und er wird offenbar versucht haben, zuerst mit seinem Apparat die europäische Rüfte zu erreichen. Allein im kritischen Moment ging ihm das Benzin aus und der Rettungsgürtel dürfte ihn nur fürzere Zeit über Wasser gehalten haben, zumal eine Orien= tierung für den Aviatiker infolge großen Nebels nicht mög= lich war.
Ein Erfolg der drahtlosen Telegraphie. Bet der Londoner Marconi- Gesellschaft ist eine Meldung von Bord des White- Star- Dampfers Cedric" eingetroffen, wonach dieser 1250 Meilen vom europäischen Festlande entfernt noch mit den englischen und französischen Küstenstationen in Verbindung gestanden hat, gleichzeitig aber auch drahtlose Telegramme nach der nordamerikanischen Küste weitergeben fonnte. Der„ Cedric" dürfte der erste Dampfer sein, der auf der Fahrt über den Ozean dauernd mit beiden Kontinenten in drahtloser Verbindung stand. Er besitzt einen Marcont- Apparat mit einem Aktionsradtus von 350 Metlen, ist also bet größerer Entfernung vom Lande auf die Relaisstationen anderer Dampfer angewiesen.- Marconi soll sich gegenwärtig mit Versuchen beschäftigen, die eine direkte Verbindung der Ozeandampfer mit den Landstatio= nen während der ganzen Fahrt ermöglichen. Es ist ihm berette gelungen, bei günstiger Witterung mit Hilfe eines Drachens vom Schiffe Meldungen auf 3500 Metlen Entfernung zu entfenden Mit eintretender Witterungsänderung jedoch verringerte sich die Entfernung bis auf wenige hundert Meilen.ads and was of
Briefträgers Erdenwallen. Die Zeit der Trinkgelder, so plaudert ein Mitarbeiter der Frankfurter 3tg.", ist wieder gekommen, ersehnt von den einen und gefürchtet von den andern, seit Wochen umgibt mich der Herr Hausmeister mit rührenden Beweisen der Aufmerksamkeit und seit acht Tagen grüßt mich sogar seine Ehehälfte, für die wir sonst 51 Wochen im Jahr nur eine„ notige Bagasch" sind. Der Briefträgee vollends erklettert für die kleinste Drucksache Sie luftige Höhe meiner Wohnung, während er in weniger heiligen Beiten schon im ersten Stock unsere Küchenfee zu sich herabzulocken weiß. Und nun spielt er seinen letzten Trumpf aus: drei Tage vor Neujahr überreicht er mir säuberlich gedruckt die Statistik über die tägliche Arbeitsleistung eine Wiener Briefträgers". Hier ist sie:„ Mein Bestellbezir besteht aus vier Straßen- und neun Gassenteilen sowie dem Teil eines Plazzes. Auf der Straße abgegangen, mißt er 3717 Schritt oder 38 Minuten. Die durchschnittliche Höhe eines Wiener Stockwerkes beträgt 3,90 Meter, die Stufenzahl eines Stockwerkes 25% und die Höhe ciner Stufe 15% 3entimeter. Mein Bestellbezirk beträgt mit seinen Nebenobjekten 95 Häuser, 89 Stiegen, 229 Stockwerke, 6071 Stufen, 1254 selbständige Parteien und 418 Mitbewohner( ohne die erwachsenen Söhne und Töchter, ohne das Dienstpersonal, die Ehepaare bloß als eine Person gerechnet), und ich muß 1511 Türen öffnen, um die Briefschaften abzugeben, denn Briefkasten am Haustor, wie z. B. in Frankfurt, kennt man in Wien ebensowenig wie in den meisten Städten Deutschlands. Jeder von den drei Bestellern unseres Bezirks muß ihn im Tagesdurchschnitt dreimal absolvieren. Das bedeutet schon auf der ebenen Erde einen Dienstweg von 5265 Metern und dann muß ich, was das schlimmste ist, einen Berg von Stiegen in der Höhe von 1221 Metern erklimmen. Sind Sie schon einmal, gnä= diger Herr, am Tage viermal den Eiffelturm hinauf- und hinabgestiegen und zum Abgewöhnen noch in die fünfte Etage Ihres Binspalastes treppauf, treppab? Montags und Samstags schreite ich 7000 Meter auf der Straße ab und breche fünfeinhalbmal den Eiffelturm- Rekord. Und noch eine Kleinigkeit: Seit 38 Jahren bestelle ich in Ihrem Hause die Post." Hiermit schließt vorläufig die Statistik meines Briefträgers; die Nutzanwendung wird sich am nächsten Sonntag zeigen.
Dreiviertel Millionen Mart zurückzuzahlende Steuern. Rund dreiviertel Millionen Mark zu Unrecht eingezogene Wertzuwachs, Umsatz- und Grundstückssteuern hat die Stadt Schöneberg an diejenigen„ Millionenbauern" zurückzuzahlen, die in den Prozessen gegen die Stadtverwaltung beim Oberverwaltungsgericht ein obsiegendes Urteil erstritten haben, nach welchem die damalige Wertzuwachssteuerordnung der Stadt Schöneberg ungültig ist. Mit Rücksicht auf diese Gerichtsentscheidung hat sich der Schöneberger Magistrat entschlossen, in den noch schwebenden Streitsachen die verlangte Freilassung von der Steuerverarung oder Ermäßigung zu gewähren.
Bögel als Verbreiter der Maul- und Klauenseuche. In enem amtlichen Bericht über einige in Friesland konsta= die Fälle von Maul- und Klauenseuche spricht der Bezirkstierarzt die Vermutung aus, daß die Seuche von Vögeln * einem Ort nach dem anderen übertragen wird. In einem Fall war einige Tage vor dem Ausbruch der Seuche ein Schwarm von rund fünfhundert wilden Gänsen unweit bes Gehöftes niedergestrichen. Der Arzt nimmt an, daß franfe Tiere darunter waren. Die Annahme, daß die Seuche durch Vögel weiterverbreitet wird, würde auch erflären, warum oft die strengsten Absperrungsmaßregeln der Verbreitung der Seuche keinen Einhalt tun.
Eine eigenartige Unterrichtsmethode für die Erler: nung von fremden Sprachen soll in einigen französischen Lehranstalten verfuchsweise eingeführt werden. Deutsche.
englische und italienische Sprachmeister sind dafür gewonnen worden, phonographischen Platten Dichtungen ihrer Länder einzuprägen, die von der Maschine in den Schulen wiederholt werden und den 3öglingen auf diese Weise eine reine Aussprache in interessanter Form beibringen sollen. Für die deutsche sellschaft Bathee, cete Sprache hat die PhonographengeAnfertigung der Platten übertragen ist, eine deutsche Künstlerin zur Mitwirkung herangezogen, die sich zurzeit in Paris aufhält: Rosa Bertens. So trägt die Berliner Bühne dazu bei, neuen Lehrstoff für bie Pariser Schulen zu bereiten: ein Austausch der auch auf dem umgekehrten Wege seine Früchte tragen könnte. Wenn Berliner Jungen und Mädel hören, wie die Bernhardt oder wie Mounet- Sully Racine und Corneille spre= chen, würden ihnen die französischen Klassiker vielleicht weniger ledern erscheinen, als es jetzt gewöhnlich der Fall ist.
Ein eigenartiger Fall von Scheckfälschung und wunderbarem Zufallsspiel wurde dieser Tage vor einem Londoner Polizeirichter verhandelt. In der Filiale einer Londoner Bant erschien gegen Abend eine distinguiert aussehende Dame von etwa 28 Jahren in elegantem, pelzgefüttertem Abendmantel über weißer Soireetoilette und verlangte ein Scheckformular. Schnell und gewandt füllte sie es aus. ,, Vom Konto Emmie Williams sechs Pfund Sterling zahlbar an Emmie Williams" las der anwesende junge Mann, und da er wußte, daß eine Miß Emma Williams ein hohes Guthaben auf der Bank hatte, zahlte er der fashionablen Schönen ohne weiteres die 120 Mark aus. Kaum jedoch hatte sie den Laden verlassen, als ihm ein Zweifel kam. Hastig verglich er die Unterschriften und erkannte, daß er sich hatte täuschen lassen. Auf gut Glück eilte er auf die Straße und spähte nach allen Richtungen nach der schönen Bntrügerin aus. Wirklich erblickte er sie auch eine halbe Stunde später in einer Droschke, die in schnellem Trab vorüberfuhr. Auf seinen Anruf hielt der Kutscher, und die offensichtlich verwirrte Jnsassin begleitete den sie höflich dazu auffordernden jungen Bantbeamten zurück zu der Depositentasse. Hier gestand sie ihr„ Versehen" ein und ließ sich ohne Umstände verhaften. Bei dem Verhör sagte Miß Emmeline Decima Williams aus, daß sie sehr nötig Geld brauchte und gedacht habe, es sich auf diese Weise leicht vershaffen zu können. Ihre vielen reichen Verwandten in Wales, die freilich nichts mehr von ihr wissen wollten, würden schon für den Schaden, den sie der Bank verursacht, aufkommen. Sie selbst aber hatte sich gewundert, daß es ihr so schnell geglückt war, das Geld auf den falschen Scheck zu bekommen.
Vom Fürsten Bülow in Rom. Ein römischer Mitarbeiter des„ Petit Parisien" schreibt unter dem 26. Dezem ber: Ein guter Freund des ehemaligen deutschen Reichsfanzlers hat mir über das Leben, das der Fürst und die Fürstin Bülow in Rom führen, seit sie sich wieder in der Villa Malta häuslich niedergelassen haben, einige Mitteilungen gemacht. Sie haben bekanntlich die Billa mit dem prächtigen Mobiliar dem früheren Besizer, Grafen Bobrinsty, abgekauft, aber die Fürstin Bülow hat doch in der inneren Einrichtung verschiedene Aenderungen vorgenom= men, Aenderungen, die dem Wohnsitz ein ganz persönliches Gepräge geben. So wandelte sich ein Teil des Erdgeschosses in eine große Bibliothek, in welcher der Fürst arbeitet er schreibt, wie man mir erzählt, seine Memoiren. Eine andere Aenderung, die auf die Prinzessin zurückzufüh ren ist, ist die Einrichtung eines großen Musiksaales, in welchem sehr oft Konzerte stattfinden: eine auserlesene Zuhörerschar lauscht hervorragenden. Klavier- und Geigenfünstlern, deren Namen im Gotha oder in den Jahrbüchern der Diplomatie zu finden sind. Der Fürst erfreut sich einer ausgezeichneten Gesundheit; er ist bekanntlich im verflossenen Sommer, während er in Deutschland weilte, vom Pferd gestürzt, hat aber die Folgen dieses Sturzes längst überwunden und reitet, wenn das Wetter es gestat= tet, jeden Morgen in den Anlagen der Villa Borghese spazieren. Bei solchen Gelegenheiten trifft er nicht selten mit Frankreichs Botschafter, Herrn Barrère, zusammen; er verkehrt mit ihm in der freundschaftlichsten Weise, wie überhaupt mit fast allen Diplomaten, die in Rom leben. Nachmittags gehen der Fürst und die Fürstin Arm in Arm in den Straßen der Stadt spazieren, wobei sie gewöhnlich ganz unbemerkt bleiben. Durch seine ganze Lebensweise will der Fürst zeigen, daß er sich von der Politik gänzlich fern hält, was ihn aber, wie mein Gewährsmann mir sagte, nicht hindert, die Ereignisse, die sich in Deutschland abspielen, aufmerksam zu verfolgen und im intimen Kreise auch darüber zu sprechen.
Ein Mittel gegen das„ Schlucken". Dr. Petit de Beaumont empfiehlt in der„ Nature" als sicheres Mittel gegen " Schlucken" Streuzucker, der in einer Menge von ein bis zwei Teelöffel in den Mund zu bringen und trocken zu verschlucken ist. Von der Wirksamkeit dieses Mittels kann man stch leicht überzeugen. Worauf aber beruht diese Wirkung? Nach der Ansicht des französischen Arztes handelt es sich bet der Heilwirkung um einen Reflex: die Anstrengung beim Verschlucken des trockenen Pulvers verursacht eine sehr träftige Zusammenziehung aller beteiligten Muskeln und verhindert dadurch die krampfartige Erscheinung des Schluckens. Demnach müßte jedes andere Pulver an Stelle des Zuckers gleiche Wirkung tun. Boshaft.„ Dame: Finden Sie nich, daß unser Hausarzt sehr leutselig ist?" Herr:„ Gewiß er hat schon viele Leut' selig gemacht."
Der Silvesterhumor unseres Kaisers.
Aus Anlaß des bevorstehenden Neujahrsfestes bringt, wie der Inf." aus Paris geschrieben wird, eine französische Zeitschrift aus der Feder eines Diplomaten eine Schilderung des Silvesterhumors unseres Kaisers. Kaiser Wilhelm soll danach am Silvester ganz besonders gut aufge= legt sein und mit großem Vergnügen dem Bleigießen huldigen. Er sieht am Silvester stets mehrere Minister bei sich zu Gaste, so daß hier der politische Witz eine Pflegestätte hat. Als Fürst Bülow noch Reichskanler war, ergab sein Bleiguß eine Krone. Der Kaiser sagte dazu lächelnd:„ Das Schicksal will mir nur damit Recht geben, daß ich Sie zum Fürsten ernannt habe. Es ist gleichsam eine Prophezeiung a posteriori." Als ein kommandierender General einen Hut aus Blei goß, sagte der Kaiser zu ihm:„ Der ist aber bloß für die Ferien. Sonst behalten Sie mal den Helm auf." Tatsächlich blieb der betreffende General trotz ständig auftauchender Abdankungsgerüchte noch lange Zeit auf setnem Posten. Eine besonders amüsante Geschichte weiß der Franzose von dem Kaiser und Podbielski zu berichten. Podbielski. der spätere populäre Landwirtschaftsminister, war bekanntlich, bevor der Kaiser ihn zum Leiter des Postwesens machte, General. Er gehörte wie auch späterhin schon damals zu den näheren Freunden des Kaisers. An dem Silvesterabend, der seine Ernennung zum Podbielski" vorausging. war er Gast des Kaisers und beteiligte sich auch an dem Bleigießen. Er goß damals einen Stuhl. Da man schon des öfteren darüber munkelte, daß Podbielski für einen Ministerposten auseriehen sei, saate einer der anwesen
den Prinzen:„ Podbielskt hat schon seinen Ministersessel ge gossen." Der Kaiser aber antwortete lächelnd:„ Ne, Pod, so weit sind wir noch nicht. Es wird bloß ein Statstuhi sein." Als ihn einige Wochen später der Kaiser zum Leiter des Postwesens machte, sagte er zu ihm:„ Siehst Du. Pod, gegen die Prophezeiungen des Schicksals am Silvesterabend fann fein Mensch anfämpfen. Nun bist Du doch Minister geworden. Das hast Du nur dem Bleistuhl vom Silvester zu verdanken." Das hinderte Podbielski aber weiter nicht sich auch fernerhin noch dem Statspiel als Partner des Katsers ausnehmend zu widmen. Den besten Wit erzählt dei Franzose zuletzt. Es war schon recht vorgeschrittene Zeit an einem Silvesterabend, und ein Gast des Kaisers war ihm durch die Serviette aufgefallen, die er sich um den Hals vorgebunden hatte, da er anscheinend schon in recht vergnügter Stimmung war. Der Kaiser sprach fein Wort, sondern rief einen seiner Diener heran, mit dem er leise flüsterte. Kurze Zeit darauf erschien im Saale ein Friseur mit Schaumnapf und Messer und begab sich zu dem betreffenden Herrn, der weinselig mit vorgebundener Serviette am Tische saß, an dem auch der Kaiser mit mehreren Herren Platz genommen hatte. Als sich der Haarkünstler sprungbereit vor dem be treffenden Herrn hinstellte, um ihn einzuseifen, entstand eine Heiterkeit, die durch den Silvestertrubel noch erhöht wurde Der Kaiser sagte zu ihm:„ Ich dachte, Ste wollen sich ra fieren lassen. weil Sie sich die Serviette vorgebunden haben. Wollt: Ihnen nur den Weg ersparen und habe darum den Raseur bald herkommen lassen." Noch heute soll der betreffende Diplomat bei Hofe des öfteren gefragt werden, ob er sich schon habe rasieren lassen.
Die Lage in Portugal.
In den letzten Tagen aus Lissabon sowie über Madrid, Paris und London eingetroffene Meldungen schildern die Lage in Portugal als äußerst verworren und stellen neue innere Kämpfe in Aussicht. Das Kabinett hat ein nenes De fret herausgegeben, durch welches das alte Gesetz, das Beleidigungen gegen die Krone bestraft, auch auf Beleidigung gegen die Republik ausgedehnt wird. Der Präsident wird für unverleblich erklärt. Jede Bewegung, die auf die Her. beiführung des Umsturzes oder auf Wiedereinführung der Monarchie hinzielt, wird als Hochverrat betrachtet und Streng bestraft.- Die Reserven des auf Madeira liegenden 27. Infanterieregiments sind zur Sicherung der Ordnung auf der Insel einberufen worden.
Die letzten Telegramme aus Paris und London schildern dagegen die Lage als ruhig. Die Republik sei nicht gefährdet. Wir lassen die betr. Drahtmeldungen hierunter folgen:
Paris, 31. Dezember. Der hiesige portugiesische Ge schäftsträger erklärte einem Berichterstatter, er habe von seiner Regierung mehrere Depeschen erhalten, denen zu folge die Lage in Portugal durchaus ruhig sei. Die alar mierenden Gerüchte dürften aus Madrid und London stammen, wohin sich zahlreiche Anhänger des Königshofes geflüchtet hätten. Die portugiesische Regierung stehe zwei fellos mancherlei Schwierigkeiten gegenüber; die republtfanische Partei set entzweit, und auch im Volke herrsche eine gewisse unzufriedenheit. Unter den Arbeitern der öffentlichen Betriebe seien Ausstände ausgebrochen, doch dürften diese, dank dem Eingreifen der Regierung, bald beigelegt sein. Die Republik sei keineswegs bedroht.
London, 31. Dezember. Erkundigungen in hiesigen portugiesischen Kreisen haben nicht zur Bestätigung der Gerüch te über eine Krisis in Lissabon und öte Entdeckung einer royalistischen Verschwörung geführt. Man gibt jedoch zu, daß die Dinge in Portugal in einen immer schlimmeren Bustand geraten.
London, 31. Dezember. Entgegen anders lautenden Meldungen erfährt das Reutersche Bureau", daß das Auswärtige Amt bis 11 Uhr vormittags fein Telegramm des britischen Gesandten in Lissabon erhalten hat, das über eine fritische Situation dort berichte. Auch sei nicht um Entsendung eines britischen Kriegsschiffs nach Lissabon ersucht worden. Madrid, 31. Dezember. Die Regierung hat keine Nachricht erhalten, daß die Lage in Lissabon sowie im ganzen übrigen Lande kritisch sei.
Lissabon, 31. Dezember. Der Minister des Aeußern hat Vertreter auswärtiger Blätter empfangen und ihnen erklärt, daß in Portugal vollkommene Ruhe herrsche. Entgegen den von den Feinden der Republik verbreiteten Gerüchten würden die Wahlen im April stattfinden. Der Mtnister teilte weiter mit, die Meldung, der englische Gesandte habe um Entsendung eines Kriegsschiffes gebeten, sei erfunden.
Drabtnachrichten und Deuestes.
Der neue Vorsitzende des deutschen Kriegerbundes. Berlin, 31. Dezember. Als Nachfolger des verstorbenen Generals v. Spitz ist zum Vorsitzenden des preußischen Landeskriegerverbandes und des deutschen Kriegerbundes Generaloberst von Lindequist, Generaladjutant des Kaisers, ernannt worden.
Wiedereinführung des Ankunftsstempels in Bayern.
0 München, 31. Dezember. Das Verkehrsministerium hat troß des einstimmigen gegenteiligen Gutachtens sämt Itcher ihm unterstellter Oberpostdirektionen die Wiedereinführung des Ankunftsstempels für Einschreibebriefe und Eilbriefe am 1. Januar angeordnet.
Revolverspielerei mit tödlichem Ausgang. Fulda, 31. Dezember. In Hauswurz erschoß ein 14jähriger Knabe beim unvorsichtigen Spielen mit einem Revolver seinen fünfjährigen Bruder.
Ein Schacht ersoffen.
Hamm, 31. Dezember. Auf der Zeche Maximilian ist gestern in einem Schacht, der bis etwa 600 Meter abge= teuft war, wieder eine Quelle angebohrt worden. Das Waffer steht bereits über hundert Meter in dem Schacht.
Ein Bergwerk in Brand gesteckt. Licguig, 31. Dezember. Das Bergwerk in Nieders Heidersdorf ist mit sämtlichen Maschinen und Gebäuden burch Feuer total zerstört worden. Es wird Brandstiftung angenommen.
Das Bodenseekabel gerissen. Junsbruck, 31. Dezember. Das internationale Bodenseekabel Bregenz- Friedrichshafen ist gerissen. Der Schaden läßt sich nicht reparieren und das Kabel muß durch ein neues ersetzt werden.
Furchtbare Pulverexplosion.
Brüssel, 31. Dezember. Durch eine Explosion im Trockenraum der Pulvermühle in Wetteren bei Gent wurden acht Arbeiter getötet. Ein Arbeiter wird vermißt. Der Sachschaden ist unbedeutend.
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Ein Denkmal für die Opfer des Flugsports. Paris, 31. Dezember. Der Gemeinderat von Iffy hat beschlossen, auf dem dortigen Flugfelde ein Denkmal zu Ehren der Opfer der Aviatik errichten zu lassen.
Der Kronprinz von Serbien auf der Erholungsreise. Belgrad, 31. Dezember. Der Kronprinz ist heute früh nach der Riviera abgereist, wo er einen mehrwöchigen Erholungsaufenthalt nehmen will.
Generalausstand in Barcelona.
Barcelona, 31. Dezember. Da die Hafenarbeite
in Barcelona aus Solidarität mit den Kohlenausladern den Generalausstand erklärt haben, ist der Durchgangsverfehr lahmgelegt. Die Waren bleiben infolgedessen im Hafen und auf den Bahnhöfen liegen. Gendarmerie patrouilliert in den Straßen
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