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Straffammer des Landgerichts Berlin 1 wegen mehr­fachen Betruges und Unterschlagung zu verantworten. Snetder batte mit Unterstützung des Wiedemann in zahlreichen Fällen Leuten, die aus der Provinz nach Berlin gekommen waren, um sich hier Stellung zu Juchen, Kautionen in Höhe von vielen tausend Mark ab­geschwindelt. Der Staatsanwalt beantragte mit Rück­ficht auf die große Gemeingefährlichkeit gegen Schneider 6 Jahre Gefängnis, gegen Wiedemann 6 Monate Ge­fängnis. Der Gerichtshof ließ noch einmal Milde wal­fen und verurteilte Schneider zu 1 Jahr 8 Monaten Gefängnis unter Anrechnung von 2 Monaten auf die Untersuchungshaft und Wiedemann zu 150 M. Geld­trafe. Schnetber wurden auch die bürgerlichen Ehren­rechte auf awet Jahre aberkannt.

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Vermischtes.

Deffentliche Straßentelephone find in Deutschland zum ersten Male in Stel aufgestellt worden, und zwar In den Vororten zu Feuer- und Unfallmeldungen. Die Apparate find in soliden, leicht zu öffnenden, eisernen kaften untergebracht. Durch das Deffnen der Tür er­hält die Feuerwache schon die Mitteilung, daß jemand zu sprechen wünscht. Die Gespräche sind auch bet star­tem Straßengeräusch gut zu verstehen. Gegen die sonst üblichen Feuermelder haben die Apparate den Vorzug, baß man gleich mitteilen kann, was gewünscht wird und wo die Hilfe der Feuerwehr notwendig ist, so daß nicht erst nach der Meldestelle, sondern gleich nach der Unfallstelle gefahren werden fann.

Nachträglich

Lärmszenen beim Kaiserpreisfingen. wird bekannt, daß es auf dem in Biebrich abgehaltenen Gesangswettstreit, bei dem auch der Kaiserpreis aus­gefungen wurde, zu lärmenden Szenen gekommen ist. Einige Vereine der ersten Stadtklasse fühlten sich durch bte Saltung eines Caffeler Preisrichters, der bet Be­wertung der Leistungen einzelner Vereine um 20 bis 30 Punkte hinter seinen Kollegen zurückstand, benach= teiligt. Es tam zu derartigen Szenen, daß die Polizet geholt werden mußte. 3wet Vereine verweigerten die Annahme der ihnen zugedachten Preise. Nach Schluß des Ehrenpreisfingens mußte der erwähnte Preisrichter seine Person in Sicherheit bringen. Beim Satserprets­fingen gebrauchte die Festleitung übrigens die Vorsicht, den Ausgang des mittags bereits beendeten Wettsin­gens erst nachmittags 5 Uhr auf dem Festplatz zu ver­finden, da es sonst im Sängerlokal zu einer Katastrophe gekommen wäre.

Einfach. Untersuchungsrichter: Kerl, Ste fitchlen schon im zehnten Rückfall Damenhandtaschen!"-Dieb: " Weil nie nir drin ist, Herr Amisrichter."

Kleines Mißverständnis. Arzt( zum franken Trin­-aker: Ja fer): Und Durst haben Sie immer?" schon seit fitnfzig Jahren!"

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Ju einer Berliner Destille. Kunde: Jeben Sie mir'n Likör." Inhaber: Was für einen?"-Run­de: Na, raten Se mir mal." Inhaber: Wie wär's mit'n Kurfürsten"?" Kunde:" Jawoll,' nen Kur­fürsten"." Inhaber: Wünschen Sie einen kleinen oder einen großen Kurfürsten"?" Kunde:" Haben Ste in ihrem Leben schon mal wat von' nen fleenen Kurfürsten" gehört?!"

Ein dreizehnjähriger Mordhelfer. Zu dem Raub­mord in arrenzin bet Boizenburg, dem, wie berichtet, der Lehrer Prahl zum Opfer gefallen ist, wird noch ge­meldet, daß es gelungen ist, den einen der dret Täter, einen dreizehnjährigen Kuhhirten namens Schuhmaker, in Hamburg zu verhaften. Er wurde gestern nach Boizenburg gebracht und der Leiche gegenübergestellt. Schuhmaker verzog felne Miene und blieb bet der Aus­fage, daß er den beiden Knechten, die Brahl ermordeten, nur als Aufpasser gedient habe. Erst nach längerem Borhalten gestand er, daß er es gewesen set, der den Ermordeten mit der elektrischen Taschenlampe beleuch­tet habe, auch während der Fesselung und Knebelung. Bisher hat man noch keine Spur von den Mördern gefunden, die fich vermutlich in Hamburg in einer Spe­funke verborgen halten.

Deplacierte Mahnung. A.: Warum heiratest du denn nicht?" B.:" Ich habe Furcht vor dem Storche!" A.: Ach, set fein Frosch!"

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Anspruchsvoll. Frau( zu ihrem Mann): Ach geh', Kurt, nicht einmal einfädeln kannst du wozu hab tch nun eigentlich einen Diplom- Ingenieur geheiratet!"

Ein chinesisches Musterzuchthaus.

Hat der Europäer bet seinem Besuche im Reiche der Mitte sein Auge genügend an allem gesättigt, was für das chinesische Kaiserreich typisch" ist, hat er auch einen Einblick in das chinesische Leben getan, so geht er mit Vergnügen in den wahren Kulturwinkel Chinas, nach Tientsin, der Hauptstadt des Tschiltgebietes, zurück. Denn hier ist der Chinese ant engsten mit dem europä­tschen und japanischen Kulturträger in Berührung ge­tommen, die sich wette Stonzessionsbesitzungen in Tient­fin erworben und die Vervollkommnungen ihrer hei­matlichen Zivilisation auf chinesischem Boden zur Ver­wertung gebracht haben. Nach dem äußeren Eindruck der Stadt erregt die hohe Stufe, auf der sich das Unter­richtswesen befindet, das Erstaunen des Besuchers. Große, luftige Gebäude sind für Anfang- und Mittel­schulen errichtet worden. Eine ausgezeichnet eingerich­lete höhere technische Lehranstalt, Handels- und Ge­werbeschulen für Knaben und Mädchen stehen den eu­ropäischen nur wenig nach.

Eine schwere Bluttat ereignete sich in dem hollän­dtschen Orte Wormerveer. Die neunjährige Tochter et­nes Arztes ging, um eine Bestellung zu machen, in einen Buchbinderladen. Die allein anwesende Frau des Buchbinders lockte das Kind in ihr Schlafzimmer und suchte es mit einem Meffer zu ermorden. Auf das Hil­fegeschret ellten Nachbarn hinzu, schlugen die Tür ein und befretten das Kind, das gräßlich zugerichtet war. Beide Arme, mit denen die Kleine die Stiche abzuweh­ren fuchte, waren völlig zerfleischt. Auch die Frau hatte sich selbst furchtbare Wunden betaebracht. Betde wur­ben einem Hospital zugeführt. Man nimmt an, daß die Tat auf die große Hitze zurückzuführen ist.

ten. Das Militär ist vorläufig in Quartteren in den Dörfern der Umgegend untergebracht worden und wird in feine Garnisonen zurückkehren.

Die Hige und die Saaten.

Auch in der abgelaufenen Woche berrschte, wie die Preisberichtsstelle des Deutschen Landwirtschaftsrats in ihrem wöchentlichen Saatenstandsberichte bemerkt, in ganz Deutschland eine alles versengende Hize. Gewit ter haben seit dem 23. zahlreich stattgefunden, die sie begleitenden Niederschläge waren aber im allgemeinen gering. Ein Ende der außerordentlichen Size und Trockenheit ist einweilen noch nicht abzusehen. Es ist sogar zu befürchten, daß in nächster Bett etwas frischere östliche Winde, die allerdings die Hize erträglicher ma­chen, zur weiteren Austrocknung des Bo­dens noch mehr beitragen werden. Sind diese Wit­terungsverhältnisse vor allem für die Hackfrüchte und Futterpflanzen von verderblichem Einfluß gewesen, so haben sie insofern auch auf die Halmfritchte nachteilig eingewirkt, als vielfach beim Weizen und fast überall beim Hafer Notreife eingetreten ist. Mehrfach mußte infolgedessen mit dem Schnitt dieser beiden Fruchtarten bereits begonnen werden. Die Erträge beim Roggen scheinen, soweit nicht dinner Stand das Ergebnis beeinträchtigt, zu befriedigen, nur auf leichten Böden ist man mit dem quantitativen Er­gebnis weniger zufrieden. Bezüglich der Hackfrüchte konstatteren die meisten Berichterstatter etne weitere Verschlechterung und auch dort, wo sich die Kartof= feln bisher noch widerstandsfähig gezeigt hatten, be­ginnt das Kraut abzuwelfen. Noch ungünstiger Itegen die Verhältnisse bei den Rütben. Ist bei den Hack­früchten die Lage indes feineswegs so aussichtslos, daß bald eintretende durchdringende Niederschläge nicht noch eine erhebliche Befferung herbeiführen könnten, so scheinen bezüglich der Futterpflanzen ähnliche Hoffnun gen kaum noch berechtigt. An einen zweiten lee­schnitt ist meist nicht mehr zu denken, und auch der un­ter Roggen gefäte junge Slee gibt meist zu ernsten Be­sorgnissen Anlaß. Wiesen und Weiden sind in vielen Gegenden vollständig ausgebrannt, man ist deshalb vielfach schon jetzt gezwungen, zur Trockenfütterung überzugehen. Stellenweise hat der Futtermangel be= reits zu Notverkäufen geführt.

Das Sehens- und Bewundernswerteste an Tient­finer Einrichtungen aber ist das vor dret Jahren ins Leben gerufene musterhafte Zuchthaus. Wie in allen derartigen Instituten ist auch hier das System der zwangsmäßigen Arbeiten eingeführt. Aber sie tragen nicht den Charakter von Strafarbeiten, wie mehr oder minder nußloses Holzhacken, Hanfzupfen usw. Viel­mehr ist die ganze Strafanstalt in 10 verschiedene Werk­stätten geteilt, in denen das Weber-, Schlosser-, Tisch­ler-, Töpfer-, Lackierer- und andere Handwerke gelehrt werden. Jeder Sträfling wählt sich nach eigenem Ge= schmack und Gutdünken die Abteilung, in der er zu ar­beiten wünscht. Ist das Handwerk ihm unbekannt, so wird ihm gestattet, erst eine Zeitlang den Arbeiten zu­zusehen, bis er selbst Hand anlegen kann. Die Arbeit währt 14 Stunden mit 2stündiger Mittagspause. Wäh­rend der Beschäftigung ist den Sträflingen strenges Stillschweigen zur Pflicht gemacht. Beim Verkaufe der angefertigten Gegenstände, die in einem besonderen Raume des Gefängnisses ausgestellt sind, wird ein Teil des Ertrages dem Sträflinge gutgeschrieben und ihm beim Verlassen des Zuchthauses eingehändigt.

Gin unerhörter Fall von Verwahrlosung wird dem Bayerischen Kurter" aus Neuötting berichtet: Seit 16 Jahren befand sich die nunmehr 44 Jahre alte und getstesschwache Franziska Huber auf Kosten threr Hei­matgemeinde Löging bet den Katzenschwanzschen Ehe­leuten in Pflege. Da man die Perfon sett Jahren nicht mehr gesehen hatte und im Orte Gerüchte über ein Ver­brechen umgingen, wurde die Gendarmerie mit Nachfor­schungen beauftragt. Das Ergebnis der Untersuchung war entseßlich. Die Huber befand sich in einem engen und unmöblierten Raum, der von keinem Lichtstrahl erhellt wurde und von Schmuß starrte. Die arme, hilf­Lose Person die unfähig war, sich zu bewegen, lag auf etnem Strohlager ohne jegliche Bekleidung und im et­genen Kot. Sechzehn Jahre lang mußte die Unglück­fiche in diesem Raume weilen. Die Nahrung wurde durch eine Oeffnung der stets von außen verriegelten Tur zugeführt. In diesem Raume Herrschte ein ent­setzlicher Modergeruch. Das Unglaublichste aber ist, daß bie Aufgefundene die Schwester ihrer Pflegerin" tft. Die hilflose Kranke, dte vor Schwäche kein Glted rühren fann und das Tageslicht nicht mehr verträgt, wurde in das Krankenhaus gebracht.

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Die Kleidung der Verhafteten ist nach europäischem Schnitt aus bräunlichgelbem Stoffe verfertigt und zeich= net sich durch Sauberkeit aus. Das Haupthaar ist furz rasiert, Reinigungsbäder in besonderen Badestuben werden den Sträflingen oft geboten. Die Verpflegung besteht aus chinesischen Gerichten und beläuft sich auf etwa 3 Rubel monatlich für die Person. Für gutes Be­tragen und eifrige Arbeit wird dem Sträfling ein be­sonderes Abzeichen auf den Aermel genäht, das ihm das Recht auf beffere Kost und verschiedene Vergünstig­ungen gewährt. Bei Erlangung einer bestimmten An­zahl solcher Abzeichen wird dem Verbrecher ein Teil feiner Strafe erlassen.

Ein Automobil von einem Eisenbahnzuge zers malmt. Die Neuvorker Millionärswitwe Batchcor fuhr mit threm ältesten Sohn und zwei Nichten im Auto­mobil nach ihrem Sommeraufenthalt. Wenige hundert Meter vor diesem, wo der Bahndamm die Straße treuzt, fab sie thren jüngeren Sohn vom Landsiz kommen. Frau Batchcor, die felbst den Wagen steuerte, winfte diefem au und überfah, daß ein Expreßzug mit voller Geschwindigkeit beranfauste. As te beffen Bremsen hörte, war es zu spät. Ste versuchte noch wenige Meter vor dem Bahnkörper zu bremsen und das Steuerrad herumzudrehen, aber vergebens, das Automobil fuhr dtrekt in den Erpreßzug hinein. Die Räder der Pull­manwagen zermalmten das Gefährt, überfuhren die In­fassen und schleiften beren blutige Leichen meterweit auf den Schienen, wo sie von herzuellenden Landleuten aufgehoben wurden.

Auch heute Itegen über die Hitze fast trostlose Met­dungen vor. So berichtet man uns aus Berlin: Die abnorme Hize der letzten Tage hat auch am gestrigen Sonntag in faum verminderter Stärke angehalten. In Berlin und Umgebung herrschen jetzt nahezu die alet­chen Verhältniffe, wie man sie vor kurzem aus Neu­york und London mit Schaudern vernommen hat. Was die Berichte zu erzählen wiffen, flingt wie die Kunde eines ohumächttaen Ringens gegen eine elementare Ge­walt und die Rahl der Opfer ist faum geringer als bet Feuer- oder Wassersnot. Die Mehrzahl der Un=" alücksfälle ereignet sich am Abend im Wasser. Von den Tausenden, die aus dem Bereich der glühenden Häuser­nassen flüchteten, un sich draußen durch ein fühles Bad zu erfrischen. wurden die meisten Opfer gefordert. Nicht weniger als acht Berfonen starben beim Baden meist infolge Sitzschlages. Auch die Zahl der Wald­brände war am aeftrigen Sonntag wieder eine sehr aroße. Die verschiedenen Wehren hatten den ganzen Tag über zu arbeiten, um die Brände zu bewältigen. In Braa. wo die Size gestern nachmittag 32 Grad im Nordschatten erreichte. mußte die Rettnugsgesellschaft in 19 Fällen von Hikschlägen Helfend eingreifen. Zwet Versonen starben während des Transports ins Kran­fenhaus.

Auch für die geistige Entwickelung der Gefange­nen wird im Zuchthause zu Tientsin Sorge getragen. Dreimal wöchentlich erhalten fte Unterricht in Schret­ben, Lesen usw. im Umfange des Lehrprogrammes der Anfangsschulen. Turnübungen werden einmal wöchent­Itch vorgenommen. Mehrmals im Monat werden die Verbrecher in Chorgesang unterrichtet. Die Sträflinge werden zu je 7 in einer hellen, luftigen Belle unterge­bracht. Die Wandelgänge werden bei Tag und Nacht von Aufsehern bewacht. Eigentlich ist die Aufsicht für ein Zuchthaus recht schwach. Die Sträflinge haben in thren Wertstätten alle möglichen Werkzeuge unter ihren Händen, die ihnen leicht eine Flucht ermöglichen fön­nen. Nur durch die ausgezeichneten Bedingungen in der Strafanstalt läßt sich die Tatsache erklären, daß während der ganzen Bett, feit die Anstalt ins Leben ge­rufen wurde, fein einziger Flucht- oder Empörungs­versuch zu verzeichnen ist.

Rohe Burschen in der Eisenbahn. Ein unerhörter Vorfall hat sich am Sonnabend nachmittag in einem Berliner Vorortzuge zwischen den Stationen Friedrichs­hagen und Nahnsdorf ereignet. Der praktische Arzt Dr. G. aus Friedrichshagen wurde telephonisch zu et­nem Battenten nach Rohnsdorf gerufen. Dr. G. be­nuzte den nächsten Zug und stteg tit ein Abteil, in welchem vier funge Burschen faßen. Diese benahmen fich von Anfang an gegen den Arzt äußerst flegelhaft und hänselten ihn unausgesetzt. Als dieser fich schließ= lich energisch Ruhe ausbat, titrzten sich die Rowdies auf thn, witrgten ihn und schlugen mit Stöcken und Schlagringen auf den Arzt los, fo daß er blutüber­strömt zusammenbrach. Als der Ueberfallene versuchte, bte Notbremse zu ziehen, drohten ihm die Burschen, daß fle thn aus dem fahrenden Zuge hinauswerfen würden. In Rahnsdorf erstattete Dr. G. fofort Anzeige und veranlaßte die Festnahme der Rowotes. Die Rohlinge wurden vom Stationspersonal nach energischer Gegente wehr überwältigt und in den Dtenstraum eingesperrt. Ms fich die Burschen unbeachtet fühlten, erbrachen ste ctn Fenster und flüchteten über den Bahndamm nach bem naben Walde, wo ste lether entkament.

Die Werkstätten befinden sich in steinernen Gebäu den, die durch saubere, mit Blumenbeeten versehene Höfchen voneinander getrennt sind. Auch Bassins mit schwimmenden Goldfischchen fehlen nicht zur Vervoll­ständigung des angenehmen Eindrucks. Der Besucher wird äußerlich durch nichts an die Tatsache erinnert, daß er sich in den Mauern eines Gefängntffes befindet, in dem 600 Verbrecher ihre Strafen abbüßen. Die für 100 Personen berechnete Frauen- und Kinderabteilung befindet sich in feparatem Gebäude, abfetts von den Hauptanlagen. Eine Abteilung für unheilbare Optum­raucher, ein Watfen- und ein Findlingsafyl, mit eben­folchen Wertstätten versehen und ziemlich strenger Dis­ziplin, bilden einen Teil des kleinen Stadtviertels.

Diese mustergültige Einrichtung des Tientsiner Buchthauses tft eti lebhafter Bewets von dem Riefen­fortschritt der chinesischen Kultur unter europäischem Etnfluffe.

Die Hizze dauert fort.

Drahtnachrichten und neuestes.

Italien und Argentinien.

Rom, 31. Juli. Zwischen Italien und Argen­tinten ist ein Konflikt ausgebrochen. Die argentinische Republk verlangt, daß die italienischen Auswanderer­schiffe unter dauernde Kontrolle der argentinischen Aerzte gestellt werden. was talten als Beleidigung der italienischen Schiffsärzte und Seebehörden ablehnt. Da Argentinien auf seinem Standpunkt beharrt, suspen­diert fetzt ein Defret des Königs von Jtalten die Aus­wanderung nach Argentinien.

Immer unerträglicher wird die Tropenglut, unter ber wir schon fett vierzehn Tagen schmachten, und noch zeigt sich nicht bas geringste Anzeichen einer Wetter­änderung. Im Gegenteil- die Wetterlage wird von Tag zu Tag beständiger und der Luftdruck bat in Finn­lanb, wo sich der Kern des Europa cherrschenden Hochdruckgebiets befindet, jetzt eine Höhe erreicht, die für die wärmste Jahreszeit außerordentlich ist. Die wieder zu erwartenden Gewitter werden noch keine Ab­Hthlung bringen und eine Aussicht auf baldige Beendt­gung der Hibe besteht einstweilen nicht.

Granfiger Fund.

Leipzig. 31. Jult. Im Klosett der Wohnung einer hiesigen Herrschaft wurde am Sonnabend abend der Leichnam eines neugeborenen Kindes mit abge= trenntem Kopf aufgefunden. Die Mutter des Kindes, eine 18 Jahre alte Köchin, die sich bei dem Wohnungs­inhaber in Stellung befand, war nachts plöblich er­frankt und auf Anordnung des hinzugezogenen Arztes nach einer Klinik gebracht worden. Die Ursache der Erkrankung hatte sich zunächst mit Bestimmtheit nicht feststellen lassen.

Inzwischen häufen sich die Meldungen von den schweren Schäden, die durch die herrschende Gluthize überall angerichtet werden. Menschen erfranken und sterben, viele Städte und auch die Landbewohner leiden durch Waffermangel, Industriebetriebe müffen einge­schränkt oder sogar tillgelegt werden usw. Vielfach ha­bett auch durch Bitzschläge Personen den Tod gefunden. Auf dem großen Grerzterplay Altengrabow bet Magdeburg, auf dem sich gegenwärtig siebzehn Kavalle­rieregimenter befinden, ist ein derartiger Wasserman­gel eingetreten, daß die Uebungen, zu denen auch der Kaiser erwartet wurde, abgebrochen werden muß­

Tod durch Ertrinken.

Hamburg, 31. Jult. Im Laufe bes gestrigen Tages sind in der Elbe bet Develgönne fünf Personen beim Baden ertrunken.

Thorn, 31. Juli. Am gestrigen Sonntag sind belm Baden bei der Sandbank, nachdem bereits am Sonnabend dret Personen den Tod gefunden hatten, abermals dret Personen ertrunken. Eine Leiche wurde geborgen. Durch einen Sprengschuß getötet. Verden, 31. Juli. Auf dem Kaltwerk. Karls­glück wurden in der letzten Nacht durch einen vorzettig losgehenden Sprengschuß dret Arbetter getötet, ein an­derer schwer verletzt.

Ein westpreußisches Dorf niedergebrannt. Karthaus( Westpreußen), 31. Jult. Das Dorf Jamen wurde durch eine Feuersbrunst fast gänzlich zerstört. Achtzehn Wohnhäuser und 26 Wirtschaftsge-. bäude sind eingeäschert. Viel Vieh ist umgekommen. Das Feuer ist durch Kinder, die mit Streichhölzern fptelten, verursacht.

Glückliche Rettung eines ins Meer gefallenen Ballons. Kopenhagen, 31. Juli. Ein vom Grafen Moltke, gesteuerter und mit zwet Baffagteren befester Ballon, der gestern in der Nähe von Kopenhagen aufgestiegen war, wurde über das Kattegatt getrieben und gerter anderthalb Mellen füdlich der Insel Heffelve ins Meer. Den Bewohnern der Insel, welche den Vorgang be obachtet hatten, gelang es, den Ballon und die Insassen zu bergen.

Handel und Verkehr.

Wie der Erneuerung des Roheilen- Syndikats. Köln. 3tg." berichtet wird, ist es gelungen, unter den beteiligten Werfen des Roheisen- Synditates eine Ver­ständigung über die Erneuerung des Roheisen- Syndi fats, und zwar auf die Dauer von vier Jahren herbet­zuführen. Ausgeschloffen haben sich sechs Lothringisch­luxemburgische Werte. Mit diesen soll über etne Preis­fonvention verhandelt werden.

Caffel, 29. Juli. Wetzen( 100 kilogramm) 19,50 618 20,25 M. Roggen( 100 kilogramm) 16,50 bts 17,25 M. Gerste( 100 Allogramm) 15,50 bis 17,00 M. Safer( 100 tlogramm) 19,00 63 21,00 M.- Heu, der Bentner 3,50 bts 5,00 M.- Stroh, der Zentner 2,00 bis 3,00 M.

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