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Kopf schoß. Als man ihn auffand und für verhaftet erklärte, hatte er noch etwa 70 M in feinem Besitz. Außerdem fand man bet thm noch eine Anzahl scharfe Patronen, starte Giftpulver, einen Rosenkranz und ein Kommersbuch.

Vermischtes.

Ein Streit um einen Pfennig ist jetzt in Cöln im Gange. Als am Schluß des vorigen Jahres der letzte Lohn­tarif der Zimmerleute ablief, verlangten die Gesellen eine Lohnerhöhung von fünf Pfennigen für die Stunde. Man einigte sich schließlich mit den Meistern auf vier Pfennige, btese hatten aber nicht die Innungsversammlung zu Rate gezogen, die nur drei Pfennige bewilligte. Jm März d. J. erklärte sich die Innung zu den vier Pfennigen bereit, jetzt verlangten die Gesellen aber fünf Pfennige. Da dies ver­weigert wurde, so traten die organisierten Gesellen in den Ausstand. Das jezige der Bautätigkeit günstige Wetter hat nun eine Verhandlung vor dem Einigungsamt zur Folge gehabt, die aber zu keinem Resultat geführt hat, und so dauert der merkwürdige Streif fort.

Ein Unifum für Martensammler. Die neueste Brief= marke der Welt, die der Hebriden, einer Inselgruppe im Stillen Ozean, wird demnächst erscheinen; und sie wird in threrArt ein Sinnbild für die kühnsten Friedenshoffnungen sein. Das neue Wertzeichen ist eine Art ,, Entente- Brief­marke", die gemeinsam von Frankreich und England heraus­gegeben wird. Diese beiden Staaten verwalten nämlich gemeinschafltich die Inselgruppe; und man fonnte bisher bort entweder englische Marken von den Fidschiinseln oder französische von Neukaledonien verwenden. Die neue Mar­te ist nun als Bild der gemeinsamen Herrschaft stilisiert. Sie zeigt zur Linken die französischen, zur Rechten die eng­lischen Farben, und in der Mitte prangen nebeneinander die Initialen der französischen Republik und des Königs von England.

Das Schmuggelunwesen an der deutsch- holländischen Grenze treibt eigentümliche Blüten. Bei einer Wagen­ladung von Heringen, die aus Rotterdam tam und für die Firma Wünsch in Bodenbach in Böhmen bestimmt war, wurden an der preußischen Grenze durch Zollbeamte 800 Kilogramm Saccharin gefunden, die mit Beschlag belegt wurden. Nach den holländischen Bestimmungen ist eine Strafe von 50 000 holländischen Gulden( ca. 80 000 Mark) zu zahlen. Die Bodenbacher Firma erklärt, daß sie von biesem Schmuggel nichts wisse und weigert sich, die Strafe zu zahlen.

Verhaftung des Falschspielers Baron König. Das Haupt einer bekannten internationalen Spielergesellschaft, die auch in Berlin zahlreiche Gastrollen gegeben hat, ist Jetzt in die Hände der Polizei gefallen. Hierüber meldet ein Telegramm des Berl. Lot.- Anz." aus London folgen­des: Ein Deutscher, der sich Graf Rudolf von König nennt, ist in Kalkutta auf Grund eines Haftbefehls festgenommen worden, den die Berliner Polizei wegen zahlreicher in Deutschland und anderswo verübter Betrügereien, bei de­nen es sich um große Summen handelt, gegen ihn erlassen hat. Baron König" war aus Südafrika nach Indien ge­tommen und reiste in Beglettung eines französischen Die­ners, der sich Körner nennt, aber in Wirklichkeit Robilliere heißt. Nach einer ergänzenden Berliner Meldung des= selben Blattes handelt er sich höchstwahrscheinlich um einen Falschspieler großen Stiles, dessen richtiger Name Stall­mann lautet und der wegen Betrügereten im Kartenspiel, die er an den verschiedensten Orten, darunter in London und Monte Carlo, begangen hat, seit längerer Zeit steck­brieflich verfolgt wird. Weiter schreibt der Lok.- Anz.": Der falsche Baron König, der sid, auch gelegentlich Baron Korff- König nannte, ist ein gefährlicher internationaler Falschspieler. Er heißt mit seinem richtigen Namen Ru­bolf Stallmann, ist ein geborener Berliner und war frü­her Buchhalter. Er widmete sich früh dem Falschspiel und verstand es bald, in internationalen Spielerkreisen eine Rolle zu spielen. Er gründete vor mehreren Jahren eine eigene Spielergesellschaft, der u. a. der in Berlin in Un­tersuchungshaft befindliche Graf Giesbert Wolff- Metter­nich, der kürzlich in Brüssel verhaftete Rumäne Stefar Bujas und ein Engländer angehörten, der sich als Kapi. tän Chevalier Newton ausgab und in London verhaftet wurde. Graf Wolff- Metternich wurde am 14. Dezember v. J. in Wien verhaftet, und zu Anfang April d. J. folgte ihm der Rumäne Bujas, der inzwischen von Brüssel nach Berlin gebracht worden ist und hier seiner Aburteilung entgegensieht. Jetzt hat den Führer der Gesellschaft Baron ,, Korff- König" alias Stallmann das Schicksal ereilt. Auch er dürfte nach Berlin ausgeliefert werden. Bis jetzt sind der Spielerbande 14 Fälle von Betrug nachgewiesen wor­den.

Rittergutsbesitzer Sped von Sternburg ist nach einer Leipziger Meldung im Alter von 90 Jahren auf seinem Rittergute Lützschena gestorben. Er war der Vater des früheren deutschen Botschafters in Washington und wird an der Seite seines Sohnes in dem prächtigen Park von Lützschena beigesetzt werden. Freiherr Speck von Stern­burg entstammt einer Familie, deren Begründer der Kauf­mann Sped in Leipzig war, an den noch der Name des Speckhofs in Leipzig erinnert. Dieser Kaufmann Spec machte sich dadurch verdient, daß er die Merinoschafzucht aus Spanien in Deutschland und Rußland einführte; da­mit legte er den Grund zu seinem großen Vermögen. Der Verstorbene gestaltete seinen Grundbesitz zu einer Muster­wirtschaft aus, die auch mit einer Brauerei verbunden war.

Der Weltfeiertag" in Frankreich. In Frankreich ist die Frage der Maifeierumzüge kurz und bündig für das ganze Land geregelt worden. Der französische Minister­rat hat beschlossen, Umzüge und Straßenkundgebungen am 1. Mai zu untersagen. So geschehen in der freien" bür­gerlichen Republik Frankreich. In Deutschland dagegen, dessen Regierung man auf sozialdemokratischer Seite nicht rückständig und arbeiterfeindlich genug schildern kann, sind In vielen Städten, z. B. in Sachsen, Umzüge sogar mit Musik gestattet worden. Ob die Sozialdemokratie diesen Unterschied anerkennen wird? Die französischen Sozialde­mcltaten machen gegen das ministerielle Verbot bereits mobil. Einem Berichterstatter wurde von einem Aus­schußmitglied des Syndikatsverbandes des Seinedeparte­ments erklärt, daß die Kundgebungen trotz des Verbotes stattfinden würden. Sie hätten nicht feindseligen Charak­ter tragen sollen, aber angesichts der Haltung der Regie­rung seien Zwischenfälle immerhin möglich.

Aberglauben. Ein tschechisches Pardubitzer Blatt be­rid let über Vorfälle, die sich bei einem Brande ereignet haben und die beweisen, in welch ausgedehntem Maße der Aberglaube noch in manchen Gegenden Böhmens herrscht. In dem Dorfe Manschowitz bei Pardubiz brach am Kar­freitag ein Brand aus, dem fünf Gehöfte zum Opfer fielen. Aus einem Hause wurde ein Wöchnerin gerettet, aber keine

der 300 Familien des Dorfes wollte trotz des herrschenden Sturm und Regenwetters die Kranke aufnehmen, weil beim Volke der Glauben herrscht, daß eine fremde Wöch­nerin dem Hause Unglüd bringe. Die Bauern zweier nahe­gelegener Dörfer gaben für die Feuerspritzen auch die Pferde nicht her, da nach abergläubischer Ansicht am Kar­freitag verborgte Pferde das Jahr nicht überleben. Die Folge davon war, daß der Brand weiter um sich griff, als es sonst der Fall gewesen wäre. Die Wöchnerin fand end­lich in einem benachbarten Dorfe bei einer vorurteils­losen Bäuerin Unterkunft.

Der angeultte Zeppelin. Man schreibt der Frkf. 3tg." aus Düsseldorf: Graf Zeppelin, der seiner Deutschland" hierher gefolgt ist, wurde am Dienstag bei seiner Ankunft vom Publikum wie ein römischer Triumphator bejubelt; aber auch an Spottliedern, wie sie einst die siegreich ein­ziehenden Feldherrn hören mußten, hat es nicht gefehlt. Dafür sorgte dte ltebe Schuljugend. Ein Lied beginnt mit einer Anspielung auf die legten Unfälle der Deutschland": 3eppelin ist ein flau( oder lau) Mann, er stößt an jedem Baum an, dann tommt er bloß bis Eller( Vorort Düssel­dorfs), dort bricht er der(!) Propeller" usw. Daß das Sted nicht böse gemeint war, geht aus den helljauchzenden Hochrufen hervor, die noch in der neunten Abendstunde vor dem Hotel des Grafen zu hören waren.

Die kommandierende Generalstochter". Aus Jena wird dem ,, B. L. A." geschrieben: Die standesamtlichen Nachrichten, besonders die Aufgebote, bilden häufig eine Quelle heiterer Titelstudien. Eine Bezeichnung, die neuer­dings hier Eingang gefunden hat, ist die Haustochter". Wer annimmt, daß dabei die Tochter des Hauses, also die Tochter des Hausbesizers, in Frage kommt, ist schlecht un­terrichtet. Vielmehr ist damit ein junges Mädchen ge­meint, das Hausarbeiten verrichtet, dessen Eltern zur Miete wohnen. Dienstmädchen und dergleichen, selbst Stütze, ist in manchen Fällen nicht vornehm genug. Die lezte Ausgabe der standesamtlichne Nachrichten in Jena zeigt eine besonders gewagte Zusammenstellung. Unter ben Aufgebotenen befindet sich da ein Universitätsprofessor mit einer kommandierenden Generalstochter".

Uebertrumpft. Der Pfarrer wollte die Kirche ver­schönern lassen und klopfte deshalb bei den Bauern seiner Gemeinde um milde Gaben an. Den ersten Bittgang machte er zum Müller, der ohne viel hin und her ein Zwanzigmarkstück beisteuerte. Fangt gut an", dachte sich der Pfarrer und setzte frohgemut seinen Rundgang fort. Mit frommem Gruß trat er in die Stube des reichen, aber sehr geizigen Fuchshofer ein und brachte sein Anliegen vor. Ja, ja, stimmte der Bauer zu, a Kirch soll schön sein, nachher beten die Leute lieber. Aber die Zeiten, Herr Pfarrer", jammerte er, die Zeiten sind schlimm und die Steuern taum zu erschwingen. Aber i will mi net ausschließen. Wie­viel hat denn der Müller g'opfert, wenn i fragen darf?" " 3wanzig", gestand der Pfarrer etwas zaghaft. 3wanzig", wiederholte der Fuchshofer auf und ab gehend. In Gott'nam'," versprach er endlich, i will mi vom Müller net lumpen lassen. Zahlt der zwanzig, so spendter i fünfund­zwanzig." Er griff in seinen Geldbeutel und drückte dem Pfarrer ein nagelneues Fünfundzwanzigpfennigstück in die Hand.

Kampf mit einem Wahnsinnigen im Operationssaal. Im Konvent der barmherzigen Brüder in Krakau tam es, wie der Inf." aus Wien geschrieben wird, vor einiger Zeit zu einer furchtbaren Szene, die durch einen Wahn­sinnigen im Operationssaal hervorgerufen worden war, und bei der nur durch die Heldentat eines barmherzigen Bruders, des bischöflichen Notars Pater Pompejus Nibauer, ein schrecklicher Massenmord verhindert wurde. Ein Wahn­sinniger, der fich das Leben zu nehmen versucht hatte, war ins Krankenhaus gebracht worden und wurde in den Ope= rationssaal geschafft, wo seine Wunden verbunden wurden. Während der Operation war es ihm geglückt, ein großes Seziermesser zu nehmen und bei sich zu verstecken. Als er nun in das Gitterbett gelegt worden war, um in sein Kran­fenzimmer geschafft zu werden, schnitt er mit dem Meffer das Strickgitter seines Bettes durch, sprang aus dem Bett und stürzte sich auf den allein im Zimmer anwesenden barmherzigen Bruder Nibauer, das scharfe Operationsmesser in der Hocherhobenen Faust. Dabei schrte er fortwährend: Ich muß alle Kranken ermorden!" Er versetzte dem Pater einen furchtbaren Stoß in den Arm und stürzte an ihm vorüber zur Tür, um die hilflosen Kranken niederzu­megeln. Trotz der Verwundung warf sich Pater Nibauer auf den Tobsüchtigen und versuchte ihn so lange festzuhalten, bis Hilfe herankam. Es entstand nun ein furchtbarer Kampf zwischen dem Wahnsinnigen und dem barmherzigen Bruder, bei dem der Tobsüchtige seinem Gegner elf schwere Wunden beibrachte. Als die Kraft des heldenmütigen Man­nes erlahmte, famen endlich Helfer herbet und bändigten den Wütenden. Pater Nibauer mußte sich einer schweren Operation unterziehen und schwebte mehrere Tage in Le­bensgefahr. Jetzt befindet er sich auf dem Wege der Beffe­rung.

Die Fliegerkrankheit. In der Pariser Akademie der Wissenschaften gelangte gestern ein interessanter Bericht zweier Professoren der medizinischen Fakultät von Bor­deaux über die Beobachtungen bei der allermodernsten Krankheit, der Aviatikerkrankhett, zum Vortrag. Diese Beo­bachtungen bezogen sich auf Höhenflüge, und auf rasches Absteigen. Beim Höhenflug beschleunigt sich bie Atmung. Ungefähr in einer Höhe von 1500 Metern, bis wohin im Luftballon die Atmung noch ganz regelmäßig ist, beginnt das Herz rascher zu schlagen. Auch macht sich ein leichtes Unbehagen geltend, das der im Vorjahre mit seinem Bru­der abgestürzte Flieger Morane der Angst und dem gro­Ben Gefühl der Einsamkeit zuschreibt. Ohrensausen stellt fich bet 1800 Metern Höhe ein. Der Flieger Legagneux, der Inhaber des Höhenweltrekords( 3200 Meter) empfand ein sogenanntes Ohrenknaden in weit geringerer Höhe. Dagegen bleibt die Sehstärke der Augen ungetrübt. Ein Flieger erlebte eine ganz merkwürdige Halluzination. Er sah während eines Fluges fortwährend zu seiner Rechten die Türme der Notre- Damekirche und ihre Spitze, obwohl er sich mehrere hundert Kilometer weit von Paris befand. Bei raschem Niedersteigen fühlt der Flieger ein Brennen im Gesicht, die Wangen röten sich stark und glühende Hize macht sich fühlbar. Er empfindet heftige Kopfschmerzen und eine unbezähmbare Neigung zum Schlaf, trotz aller Be­mühungen, die Augen offen zu halten.

Edison will 150 Jahre alt werden.

Die Amerikaner betrachten mit Stolz thren Edison als eine Verkörperung des Geistes des neuen Amerika, wo unerschöpfliche Kraft des Willens, Zielbewußtsein, Arbeits­freude und ein unerschütterlicher Optimismus alle mensch­lichen Kräfte und Fähigkeiten zu den größten Anstrengun­gen und den höchsten Leistungen befähigt. Und der be­rühmte Erfinder kann in der Tat als der menschgewordene Optimismus der amerikanischen Nation gelten, hat er doch jetzt mit dem ruhigen Lächeln der Selbstverständlichkeit ei­nem Besucher erzählt, daß er erwartet, 150 Jahre alt zu werden, und daß er sich freut, noch so viel Zeit zu frucht­barer und rastloser Arbeit zu haben.

Die Aeußerung Edisons ist die Antwort auf die Er flärung des bekannten Millionärs und Geschäftsmannes Stubbs aus Chicago, der sich als 65jähriger von den Ge­schäften zurückzieht, um nun zu leben". Stubbs vertritt die Anschauung, daß auch der zäheste arbeitende Geschäfts­mann sowohl im Interesse seines Unternehmens, als auch seines eigenen Wohles spätestens in einem Alter von 65 Jahren sich von der Arbeit zurückziehen müsse, um noch lange zu leben. Der Eisenbahnkönig Harriman sei nur darum verhältnimäßig jung gestorben, weil er den ganzen Tag und die ganze Nacht über immer neue große Pläne ausarbeitete und durchgrübelte.

Edison empfing seinen Besucher nach Schluß seines 17­stündigen Arbeitstages und meinte lächelnd:" Ich kann doppelt so viel denken und doppelt so lange arbeiten als Harriman oder Stubbs, und das nur darum, weil mein Lebenssystem vernünftig geregelt ist." Dabei gab der be­rühmte Erfinder zugleich einen Einblick in sein Rezept der Langlebigkeit. Man soll vernünftig essen, man soll ver­nünftig schlafen und man soll sich vernünftig fleiden. " Warum grübelte Mr. Harriman des Nachts, wenn er im Bette lag? Weil er zu viel gegessen hatte. Alle unsere großen Geschäftsleute essen zu viel und dabei nicht so ra­Honell wie ein Lastträger, der körperliche Anstrengungen überwindet. Man überhäuft die menschliche Maschine mit zu viel Kohle. Ich esse nur so viel, als ich zur Ernährung gebrauche, und das ist sehr wenig: bei jeder Mahlzeit kaum eine Handvoll fester Speisen. Aber das Ergebnis ist auch, daß ich 20 Sekunden, nachdem mein Kopf das Kissen berührt hat, fest schlafe. Harriman verbrachte von acht Stunden, die er im Bette lag, vier mit Nachdenken. Ich liege sechs Stunden im Bette und schlafe diese Zeit durch, einen ge= sunden, tiefen Schlaf. Nie in meinem Leben habe ich ge­träumt. Heute bin ich 64 und kann besser als je arbeiten und denken. Dieses Gerede von der Notwendigkeit, in ei nem gewissen Alter der Arbeit zu entsagen, ist Unsinn. Ich begann zu arbeiten, als ich zwölf Jahre zählte, und ich hoffe weiter zu arbeiten, bis ich 150 Jahre alt bin. Mein Para­dies liegt auf dieser Erde. Mein körperlicher Zustand ist ausgezeichnet, und das auch nicht zum wenigsten dank dem Umstande, daß ich mich vernünftig fleide." Dabei zog er den Schuh vom Fuße und zeigte, daß seine Fußbekleidung zwei Nummern zu groß ist." Sehen Sie, genau so halte ich's mit den Beinkleidern, mit den Hemden, jeder Ader und feder Sehne wird damit die Möglichkeit gegeben, unge­stört die Arbeit zu verrichten, um derentwillen sie da ist. Keine von ihnen wird je eingeengt. Mein Körpersystem hungert Bakterien aus, und sie haben es auch aufgegeben, mich mit Krankheiten oder Leiden zu bedenken. Mein Laster? Ja, ich kaue Tabak. Meine Frau erhob früher geharnischten Einspruch dagegen; aber seitdem sie weiß, daß der Oberrichter der Vereinigten Staaten auch taut, hat sie thren Widerstand aufgegeben und hält die Angewohnheit für höchst respektwürdig

Drabtnachrichten und neuestes.

Die Königin von Belgien leicht erkrankt. Brüssel, 29. April. Die Königin, die augenblicklich in London weilt, hat sich von neuem erfältet. Wie dem Hof heute aus London gemeldet wird, hat die Königin eine gute Nacht verbracht. Die Krankheit besteht in einer leichten Ohrenentzündung. Die Königin wiro in zwei bis drei Tagen die Rückreise nach Brüssel antreten können.

Französische Verluste in Marokko.

Madrid, 28. April. Heraldo" meldet aus Nemours ( Algier), die nach Tazza marschierende französische Kolonne set von Kabylen angegriffen worden und habe nach Hef= tigem Kampfe den Marsch fortgesetzt. Die Franzosen hätten 15 Tote und 20 Verwundete. Die Verluste der Kabylen feten unbekannt.

Verhafteter Ein- und Ausbrecher.

Berlin, 29. April. Der berüchtigte Ein- und Aus­brecher Max Schiemangk, der sich selbst zum General der amerikanischen Armee und zum Grafen de Passy ernannt hatte und dessen abenteuerliche Schwindeltaten so großes Aufsehen erregten, ist, nachdem er aus dem Heilbronner Gefängnis ausgebrochen war, gestern nachmittag in Lehde bei Lübbenau im Spreewald, wo er seit drei Tagen unter dem Namen eines Ingenieurs Wendt wohnte, ermittelt und in Haft genommen worden.

Allgemeiner Frisenrgehilfeuftreit in Dresden. Dresden, 29. April. Sämtliche hiesigen Friseurgehilfen sind gestern in den Streik getreten. Sie verlangen Lohn­erhöhung und Verkürzung der Arbeitszeit. Um der Er­füllung ihrer Forderungen den notwendigen Nachdruck zu verleihen, wollen die Friseurgehilfen fliegende Barbier­zelte einrichten. Die Kunden sollen von den Gehilfen in diesen gratis bedient werden.

Die Vergiftungen im Grefelder Kinderheim. Crefeld, 29. April. Die Vergiftungsaffäre im Kinder­Helm ist doch schwerer, als man ursprünglich angenommen hatte. Nachdem bereits zwei Kinder gestorben sind, hat sich ber Zustand bet drei weiteren Kindern derart verschlim­mert, daß ihr Ableben stündlich zu erwarten steht. Bei den Kindern treten krampfhaftes Gliederreißen, Erbrechen und blutige Darmentleerung auf. Gestern abend war eine Kom­mission von Aerzten zur Obduktion der Verstorbenen in Crefeld anwesend. Auf dem amtlichen Totenschein ist als Todesursache schwere Vergiftung verzeichnet.

Vom Automobil überfahren und getötet. Schlettstadt, 29. April. Bei Artolsheim überfuhr ein Automobil der Bielefelder Fahrradfabrik den 60 Jahre alten Hausierer Roos aus Mackenheim, der sofort tot war. Ein verurteilter Rechtsanwalt.

Ulm, 29. April. Die Straffammer hat den Rechts­anwalt Hetzel von hier zu zwei Monaten und 13 Tagen Gefängnis verurteilt. Hezel hatte in einem Falle von Mündelgeldern die Obligationen gegen Darlehen vertauscht, um seinem in Not befindlichen Bruder zu helfen. Geschädigt wurde niemand, da das Geld zurückerstattet worden war. Folgenschwere Explosion einer Sprengpatrone. Trier, 29. April. Auf der im Bau begriffenen Bahnstrecke Heimbach- Baumholder explodierte beim Tun­nelbau eine alte vergessene Sprengpatrone. Ein Arbeiter wurde getötet und drei weitere schwer verwundet.

Dampferzusammenstoß in der Nordsee.

London, 29. April. Der griechische Dampfer Elle bohrte gestern abend in der Nordsee den dänischen Dampfer Alfa in den Grund. Vier Mann der Besatzung des letzteren sind ertrunken. Der Kapitän schlief in seiner Kabine, als sich der Unfall ereignete. Er wurde durch den Bugspriet der Elle schwer verletzt, kletterte dann an diesem entlang, ala der Dampfer rückwärts ging und rettete so sein Leben. Die Damenmode und der englische Sof. London, 29. April. Die führenden Damenkleidermacher von Westend sind dahin verständigt worden, daß das Tra­gen von engen Röcken bet den Empfängen der Königin ungern gesehen werde.

Regierungsmaßnahmen gegen die Maifeier in Paris. Paris, 29. April. Die Regierung hat angeordnet, daß zur Aufrechterhaltung der Ordnung am 1. Mai 28 Re­gimenter, davon acht Regimenter aus den benachbarten Garnisonen, nach Paris kommen.

Revolverattentat im Theater.

Petersburg 29. April. In einem Theater in Wo­logda feuerte eine unbekannte Frau vier Revolverschüsse auf den vor ihr sißenden Gefängnisinspektor Jefimow ab, die ben Hals und eine Hand durchschlugen. Zwei andere Per­sonen wurden leicht verletzt. Die Täterin ist entkommen.