Kriegsvorbereitungen Rußlands?
Die angeblich bevorstehende Reise des russischen Finanzministers Kokowzem nach Paris wurde in Petersburg mit dem geplanten Abschluß einer Kriegsanleihe in Verbindung gebracht. Die sensationelle Meldung von der Newa, daß die russische Regierung umfangreiche Vorbereitun= gen für einen Chinakrieg treffe, vermag wohl überall überraschungen hervorzurufen. Betrachtet man indessen die Vorgänge, die sich in jüngster Zeit auf dem großen asiati= schen Weltschauplatz abspielten, mit sorgfältiger Ueberle= gung, so wird man sich sagen müssen, daß Rußland mit einer allmähligen Rüstung auf den Krieg lediglich die Folgerungen aus seinem bisherigen Vorgehen gegen China zteht. Daß die Einwilligung der chinesischen Regierung in Rußlands Forderungen angesichts des Aufmarsches eines starken russischen Heeres am Baikalsee ein gezwungenes war, und nur eine ganz formelle Bedeutung hatte, bedarf keiner Erläuterung. Der Abschluß der chinesischen Viermächte anleihe hat aber in Rußland nicht weniger als in Japan ein Unbehagen erzeugt, weil die Aufraffung Chinas zu wirtschaftlichen und militärischen Taten badurch offenbar wurde. Daß auch Rußland bet dem groBen Geldgeber an der Seine, der soeben das Vorschußgeschäft mit China abschloß, neue Mittel haben will, ist eine Satire auf den modernen Finanzzauber.
zu seinem natürlichen Ende laufen zu lassen, sondern einen guten Zeitpunkt für seine Auflösung zu wählen." Diese Auffassung hat, auch wenn sie nicht offiziös sein sollte, so viel Einleuchtendes für sich, daß sie in der ungeheuren Zahl der übrigen Kombinationen immerhin zu beachten ist.
Der Zentralverband deutscher Industrieller, der am Freitag in Berlin eine Delegiertenversammlung abgehalten hat, faßte zum Entwurf einer Reichsversiche= rungsordnung eine Resolution, in der es zum Schluß heißt:„ Der Verband faßt seine Stellungnahme zum Entwurf einer Reichsversicherungsordnung dahin zusammen, daß er auch in der jetzigen Gestaltung der Vorlage eine unannehmbare Aenderung unserer Arbeiterversicherung erblickt, unter Außerachtlassung der bisherigen Leistungen der Arbeitgeberschaft und der segensreichen Wirksamkeit unserer großen Fabrikbetriebe. In sozialpolitischer Beziehung sind durch die Kommissionsbeschlüsse den Arbeitgebern neue Leistungen und Belästigungen auferlegt, welche schwere wirtschaftliche Beeinträchtigungen nicht nur für die gewerblichen Kreise, sondern auch für die nationale Wirtschaft überhaupt und nicht zuletzt für die Arbeiterschaft im Gefolge haben werden. Durch die immer fortschreitende Vermehrung der Lasten der Versicherung werden nicht nur die Ausfuhrmöglichkeiten, sondern schließlich auch der Bestand der deutschen Industrie überhaupt in Frage gestellt werden. Der Zentralverband deutscher Industrieller ist der Zuversicht, daß es möglich ist, noch in den Plenarberatungen des Reichstags den Gesetzentwurf erträglich zu gestalten. Sollte dies nicht zu erreichen sein, so würde der Fortdauer des gegenwärtigen Zustandes der Vorzgu zu geben sein."
Der chinesische Widerstand gegen die Ausbreitung des russischen und japanischen Einflusses in den wetten chinesischen Gebieten wächst zusehends. Angesichts des schroffen russischen Auftretens entstand ein großes Gewimmel in dem militärischen Ameisenhaufen Chinas; man lief wohl zu den Waffen, aber man sah in Peking bald ein, daß das Heer nicht genügend erstarkt set, um sich in kriegerischen Operationen mit dem in Sibirien wohl vorbereiteten Rußland messen zu können. Aber an den nördlichen Grenzscheiden werden die chinesischen Garnisonen eilends vermehrt. An den Quellen des Amur und längs dem StromTauf treffen die Chinesen ihre Vorbereitungen, um mit europäisch gebildeten und bewaffneten Truppen ein schlagfertiges Heer aufzustellen. In der russisch- sibirischen Bahn, die über tausend Werst durch russisches Gebiet führt, hat China ein überaus mächtiges Pfand in der Hand, da dieser Schtenenweg vorläufig noch die einzige VerbindungsIinie zwischen dem stillen Ozean und Rußland bildet. Zwar ist die Bahn von russischen Truppen bewacht, ob dieselben aber gegen die dort zweifellos vorhandene Uebermacht Stand zu halten vermögen, bis Unterstübungen aus Sibirten und dem Küstengebiete eintreffen, ist höchst zweifelHaft. Ein furchtbarer Haß ist in China gegen Rußland erwacht, und man fühlt in Petersburg, daß man auf der Hut Jein muß.
Infolgedessen fährt auch die russische Regierung fort, Ihre strategischen Stellungen im fernen Osten zu verstärken. Die Aufwerfung von gewaltigen Menschendämmen im Norden Chinas scheint Rußland nicht abwarten zu wollen. Was in Petersburg äußerlich zu Rechtsfragen gestempelt wird, sind in Wirklichkeit Machtfragen. Vom europäischen und menschlichen Standpunkte aus würde man sich freuen, wenn die sich in Ost- und Mittelasien türmenden Begensätze ohne Blutvergießen verlaufen. Die Nachrichten über die russische Kriegsanleihe klingen indes, obwohl ste zunächst wieder bestritten werden, sehr verhängnisvoll.
Rundschau vom Cage. Politisches.
Kleine Nachrichten.
Der Deutsche Arbeitgeberverband für das Schneider. gewerbe hielt in Frankfurt a. M. eine Versammlung ab, in welcher der fürzlich angenommene Lohntarif besprochen wurde. Es kam dabei zum Ausdruck, daß den Arbeitgebern durch den neuen Tarif so große Lasten auferlegt worden seien, daß eine Erhöhung der Kleiderpreise nicht zu umgehen sei. Die Versammlung beschloß einstimmig, daß ein Teil der neuen Lasten durch die Kunden getragen werden soll, und zwar in Höhe von 5 bis 10 Prozent, je nach Wahl der Stoffe und Art der Kleidung.
Zum Rücktritt des Botschafters Sin läßt sich die ,, Frff. 3tg." aus Neuyork melden: Die hiesige Presse bringt ausführliche Berliner und Washingtoner Depeschen, in denen die Vorgeschichte von Hills Rücktritt vom Berliner Botschafterposten erörtert wird. Danach soll der Kalistreit bestimmt die Veranlassung gebildet haben, da Hill geduldet habe, daß der Spezialkommissar Davis sich im letzten Sommer in Berlin als der Vertreter der amerikanischen Regierung aufspielte und mit Zollkrieg drohte, woraufhin von deutscher Seite die Verhandlungen abgebrochen bezw. nach Washington verlegt wurden.
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Das Kaiserpaar wird mit der Prinzessin Viktoria Buise auf der Rückreise von Korfu am 4. Mai vormittags jum Besuch des Großherzogspaares in Karlsruhe eintreffen. Nach zweitägigem Aufenthalt erfolgt am 6. Mai die Abfahrt nach Straßburg zur Enthüllung des Denkmals Kaiser Wilhelm I. Auch das badische Großherzogspaar wird sich zu dieser Feier nach Straßburg begeben. Kronprinzessin traf Freitag früh in Begleitung des OberHofmeisters, mehrerer Hofdamen und zweier Bausachverständigen in Danzig ein, und besichtigte in Langfuhr die gemieteten Villen, die sie gut hieß. Von Langfuhr wurde ein Abstecher nach dem königlichen Schlosse Oliva gemacht. Troy des Inkognitos, und obwohl die Polizeibeamten in Bivil erschienen waren, wurde die Kronprinzessin vom Pubfitum erfannt und lebhaft begrüßt.
Einen kolossalen Erfolg der Wertzuwachs- und der Ums satzsteuer hat die Stadt Spandau zu verzeichnen. Im Etat für das Jahr 1910 stand die Wertzuwachssteuer mit 75 000 Mark, die Umsatzsteuer mit 175 000 Marf. Erstere brachte aber 200 000 Mart, lettere 270 000 Mart, gegen den Voranschlag also ein Plus von 220 000 Mark. Für das laufende Jahr stehen noch günstigere Ergebnisse in Aussicht, man rechitet mit einem Mehr von rund 500 000 Mark.
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Ucber neue Einrichtungen auf dem kaiserlichen Gute Kadinen berichtet die Elb. 3tg.": Das elektrische Licht wird nun ebenfalls demnächst in Kadinen heimisch sein. Gutsherr wünscht, daß nicht nur das Gutshaus, sondern der ganze Gutshof und die Verkehrswege nach einberechendr Dunkelheit vom elektrischen Licht erhellt werden. Ebenso ist die allgemeine Kanalisation im Anzuge. Beim Frühjahrsbesuche des Kaisers werden die Lichtanlagen gebrauchsfertig sein.
Zwei Millionen für ein Kinderkrankenhaus. Der Berliner Magistrat genehmigte die endgültigen Entwürfe und Kostenanschläge für die Erweiterungsbauten des Kaiser- und Kaiserin Friedrich- Krankenhauses. Die Gesamtkosten belaufen sich auf nahezu zwei Millionen Mark, Durch die Neuanlagen werden die jetzt vorhandenen 240 Betten auf 317 Betten vermehrt.
Die Gastwirte und die Reichstagswahlen. Der ge= schäftsführende Ausschuß des Deutschen Gastwirteverbandes, der die größte deutsche Gastwirtevereinigung darstellt, nimmt in einer längeren Erklärung Stellung zu den kommenden Reichstagswahlen, in der es u. a. heißt:„ Der Gastwirt, der mit seinen, dem Dienst der Oeffentlichkeit be= reitgestellten Räumen von dem Parteigetriebe oftmals sehr arg mitgenommen und geschüttelt wurde, soll sich freihalten von jeder parteipolitischen Tätigkeit und lediglich seine Räume als neutralen Boden für jedermann bereithalten. Da aber der oft zum Fanatismus ausartende Parteikampf es fertig brachte, gerade Gastwirte, weil sie zu einer nicht fottieren, in Verruf zu erklären, so fordern wir eingehende Mitteilung, wo von irgendeiner Partei, gleichviel welcher Richtung, eine Zwangs- oder Gewaltspolitik über einen Gastwirt oder sein Geschäft verhängt werden sollte, da bei uns die feste Absicht besteht, mit allen gegebenen und gesetzlichen Mitteln derartigem Treiben energisch entgegenzutreten."
Die verschiedenen Kombinationen über die Dauer der Legislaturperiode und die voraussichtliche Lebensdauer des jetzigen Reichstags werden sowohl durch ihren widerSprechenden Inhalt wie durch ihre wachsende Anzahl nachgerade langweilig. Immerhin wird man nicht an einer neuen Lesart stillschweigend vorübergehen dürfen, die die offiziös bediente ,, Kölnische Zeitung" jezt verbreitet. Ste glaubt nicht recht an eine Herbsttagung und schreibt wetfer:„ Sollte sich herausstellen was, wie wir glauben, ber Fall sein wird- daß der Reichstag keine nützliche Arbeit mehr leistet, so wird u. E. an die Regierung die unabweisbare Forderung herantreten, den Reichstag nicht bis
Des Rätsels Lösung.
Roman von Ludwig Blümce. ( Nachdruck verboten.)
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Ein Fleischergeselle als Einjähriger. Infolge hervorragender gewerblicher Leistungen erhielt der Fleischergeselle Paschke in Charlottenburg die Berechtigung zum Einjährigfreiwilligendienst.
Weibliche Pfarrer in der Schweiz. Die Pfarrersynode des Kantons Graubünden beschloß, gegen die Zulassung der Frauen zum Pfarramt keine grundsätzliche Einwendung zu erheben; den Gemeinden soll die Anstellung weiblicher Pfarrer freigestellt werden.
Mit dem Vorgehen Frankreichs in Marotto ist auch England nicht ganz einverstanden. Nach einer Reutermeldung wird in den diplomatischen Kreisen Londons der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß die Franzosen nur nach Fez marschieren werden, falls die Lage der Fremden dies unbedingt erforderlich machen soll und daß nicht die Absicht bestehe, die französischen Truppen dauernd in Fez zu belassen. In wohlunterrichteten Kreisen glaubt man bestimmt, daß Frankreich alles vermeiden werde, was zu Berwicklungen mit den anderen Mächten führen könnte und daß es in keiner Weise die ihm durch die Algecirasatte zugestandenen Rechte überschreiten werde.
27) Raben verlangte, ehe er Hardi seine Tochter anvertraute, erst einen flaren Beweis seiner Unschuld an dem Diebstahl. Ihm schiene ein solcher bisher noch nicht erbracht. Er wäre es aber seiner Tochter schuldig, diese Forderung zu stellen.
Hardi wurde blaß und hätte sich zweifellos zu einer Crwiderung hinreißen lassen, die ihm hernach leid gewe= sen, wenn die große Liebe zu Erna ihm nicht Mäßigung geboten hätte. Scheinbar ruhig erwiderte er denn:
Durch die Mafia entführt. Gestern wurde in Palermo auf offener Straße der zehnjährige Sohn eines Staatsanwalts von vier maskierten Räubern überfallen und entführt. Der Staatsanwalt führt zurzeit einen Prozeß gegen hervorragende Häupter der Mafta. Man glaubt daher, daß die Entführung durch Angehörige der Mafia geschehen ist, die einen Druck auf den Staatsanwalt auszuüben beabfichtigen.
Die Regierung der Republik Portugal beschloß, der Agitation der Geistlichkeit gegen die Trennung von Kirche und Staat so lange passiv zuzusehen, wie sie innerhalb der gesetzlichen Grenzen bleibt, jede Aufhezzung von der Kanzel herab jedoch auf das strengste zu ahnden. Am Kirchentrennungsgesetz wird nichts geändert werden.
Herr Raben, ich glaube, der Umstand, daß ich in spä= ter Nachtstunde noch den Bankier Hildebrand aus dem Schlafe wedte, um bei dem zu erreichen, was Sie mir abschlugen, ist ein schlagender Beweis. Außerdem habe ich ja auch Zeugen dafür, daß ich, nachdem ich von Ihnen gegangen war, bis zur Abfahrt des letzten Zuges im Wartestmmer der Station gesessen habe."
Die Schredenstat eines Jersinnigen hat das oberbayerische Dorf Altfalterbach in Aufregung versetzt. Dort fam Fritag abend ein 36jähriger Wagner in den Nachbarhof und wollte den Bauer und seine Frau umbringen. Beide fonnten flüchten. Im Hofe erschlug der Wahnsinnige einen jungen Dienstknecht mit einem Wagenscheit und ging mit gezücktem Messer gegn den vorbeikommenden Schmiedemetster des Ortes und dessen Sohn vor, die ihn jedoch überwältigten und fesselten.
Bräsident Diaz bleibt in Merito. Die merikanische Gesandtschaft in London, die wohl als unterrichtet gelten darf, bestreitet, daß Präsident Diaz Mitte Mai eine Europareise antrete oder überhaupt Meriko verlasse. Angesichts der neuen Wendung der Dinge, die in einem erneuten Aufleben der Aufstandsbewegung ihren Ausdruck findet, dürfte ein Verbleiben im Lande auch sehr wahrscheinlich sein.
„ Herr Leutnant, das will beides gar nichts sagen. VerBethen Sie, wenn ich den ersten Beweis geradezu als naiv bezeichne. Einmal wäre es ja recht wohl möglich, daß Ihnen die 2000 Mart noch nicht genügten und zweitens Jäge der Gedanke auch nahe, daß Sie bei Hildebrand nur porsprachen, um den Verdacht von sich abzulenken. Und baß he während der ganzen Zeit im Wartezimmer gewelen sein wollen, Herr Leutnant, das kann ich nicht glauben. Ste tranten dort ein Glas Bier und entfernten sich dann wieder."
Sardi griff an seinen Kopf.
Selbstmord eines Vierzehnjährigen. An der Ueberführung der Posener Eisnbahnlinie in Breslau warf sich ein 114ähriger Knabe vor einen vorüberfahrenden Personenzug und wurde getötet.
Drei Opfer einer Gasvergiftung. In Ostrowo( Prov. Posen) wurden eine Witwe, ihre 13jährige Tochter und ihre 32jährige Schwester im gemeinsamen Schlafzimmer tot aufgefunden. Es wurde Gasvergiftung festgestellt. Das Unglück ist darauf zurückzuführen, daß der am Gaskocher be findliche Schlauch geplatzt war und das Gas entweichen konnte.
,, Mag sein," erwiderte Raben achselzuckend.„ Jedenfalls ist es also mit dem Beweis nichts. Es steht der Vermutung, daß Sie von der Haltestelle zurückgekehrt sind, um noch einmal zu versuchen, das Geld zu bekommen, nichts im Wege. Ich hatte, da ich meiner Sinne an jenem Abend infolge unserer Unterredung nicht wie sonst fähig war, die grobe Fahrlässigkeit begangen, meine Lampe brennen und die Schlüssel auf dem Tische liegen zu lassen. Auch hatte ich nicht daran gedacht, die Fenster genügend zu vers schließen. Ein Diebstahl konnte also sehr leicht verübt
" Herr Raben Sie sind genau orientiert!- Das It richtig, ich saß nur einen Augenblick und spazierte, da ch mich langweilte und sehr unruhig war, über die Wiese, ehrte aber dann bald zurück und saß dann über eine Stunde im Wartezimmer. Freilich war niemand dort. Der Wirt Batte sich wohl zur Ruhe begeben."
werden."
Aus den Gerichtssälen.
Wegen Majestätsbeleidigung, begangen durch einen Artikel über die Kaiserrede bei der Tagung des Deutschen Landwirtschaftsrates, sind die beiden Redakteure der sozial demokratischen Chemnitzer Volksstimme" Heilmann und Meyer zu je sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden. In dem Prozeß gegen den Notar Werner Guenter aus Kempen, der 277 521 M unterschlagen hat, lautete das Urteil wegen Unterschlagung im Amte, gewinnsüchtiger Urtundenfälschung und betrügerischen Bankerotts auf fünf Jahre Zuchthaus und 1500 M Geldstrafe. Guenter war geständig und gab an, daß er sich im Jahre 1883 mit der Tochter eines Bergwerksdirektors verheiratete. Seine Frau sowohl wie er hätten bei der Verheiratung kein Vermögen besessen, so daß er bald in petuniäre Schwierigkeiten geraten sei. Bei seiner Uebersiedlung nach Kempen habe er tetne passende Wohnung finden können, so daß er sich ein Haus bauen mußte. Auch das habe dazu beigetragen, seine finanziellen Schwierigkeiten zu erhöhen. Sein Jahreseinkommen habe etwa 10 000 Mark betragen; er habe aber jährlich 20.000 M versteuert, um seinen Kredit zu heben. Als der Konkurs verhängt war und die Entdeckung der Unterschlagung nicht mehr aufzuhalten war, floh er nach Köln, wo er sich in einem Hotel einquartierte. Hier machte er einen Selbstmordversuch, indem er sich eine Kugel in den
,, Und ich allein komme, wo die Gelegenheit so günstig war, als Dieb in Betracht?" fragte Hardi jetzt in gereiztem Ton.
Herr Leutnant, ich bitte um Verzeihung, ich will nicht richten, aber ich gebe Ihnen die Versicherung, daß wir uns redliche Mühe gegeben haben, dem Täter auf die Spur zu kommen, aber leider nur bis zu diesem Verdacht gelangten. Deshalb wird in der Sache weiter nichts getan." Was? Darum?- Herr Raben das verstehe
ich nicht!"
Mit bitterem Hohn erwiderte der Rentmeister:„ Das ist doch sehr leicht zu verstehen!- Herren Ihres Standes pflegt man vor Schande zu schützen. Uebrigens, wenn
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Sie es noch nicht wissen sollten, fast allgemein ist man der Ueberzeugung ,, wir beide hätten gemeinsame Sache ge= macht. Und würden Sie gar nun noch mein Schwiegersohn, dann werden vielleicht die wenigen, die uns noch glauben, ebenfalls der Meinung werden. So, Herr Leutnant, nun wissen Sie meine Bedenken. An Ihnen Itegt es, mir die zu nehmen. Sollte es Ihnen gelingen, ich wollte überglücklich sein und die Ehre zu schäzen wis sen, daß Sie heute um die Hand meiner Tochter warben."
men hinreichend hielt. Ach, nun wird mir erst alles flar! diese böse, böse Welt! Wenn eines Mannes Wort nicht mehr gilt, eines Edelmannes Wort, ja, dann sieht es traurig aus. Aber, Herr Raben, es gibt eine ewige Gerechtigkeit."
„ Also der Beweis meiner Unschuld soll die Bedingung sein. Ich halte es für nicht schwer, denselben zu erbringen, wenngleich ich Ihnen jezt auch recht geben muß, daß mich das nicht rechtfertigen fann. was ich bisher für vollkom
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Erna war felsenfest von des geliebten Mannes völliger Unschuld überzeugt. Sie glaubte an sein Wort wie an das Evangelium. Darum vermochte des Vaters Verhalten ihr Glück auch nicht zu stören, höchstens ein wenig verdunkeln. Voll süßer Hoffnung sah sie dem Tag entge gen, wo auch des Vaters Zweifel geschwunden wären und Hardi ihr ganz gehörte. Täglich trafen sich die Liebenden und täglich schieden sie mit dem seligen Gefühl von einander, daß ihr Glück noch von Tag zu Tag größer würde, trotzdem sie es längst für unermeßlich gehalten.
Nur zu schnell flog die Zeit dahin und die Abschiedsstunde schlug. Hardi mußte zu seinem größten Leidwesen abreisen, ohne des Rentmeisters Mißtrauen beseitigt zu haben. Es war ihm nicht gelungen, eine Spur von dem wirklichen Dieb zu entdecken, so verzweifelte Mühe er sich auch gegeben.
Mit dem ersten Liebesbrief von seiner Hand zugleich erhielt Erna zwei Tage nach seiner Abreise noch ein zweites Brieflein mit einer Handschrift, die sie nicht kannte. Voller Wonne öffnete sie Hardis Brief und ihre Augen strahlten, ihre Wangen färbten sich purpurn, während sie ihn las. Ganz unsinnig verliebt mußte der gute Junge sein! Welche Kosenamen! Nein, man sollte es nicht denfen, daß ein Mann so verliebt sein kann! Erst nachdem sie dieses Schriftstück, das von ziemlicher Länge war, mindestens fünfmal durchgelesen und wiederholt ans Herz ge drückt, fiel ihr der andere Brief wieder ein, der da noch ungeöffnet vor ihr auf dem Nähtischchen lag. Von wem fönnte der nur sein. Dem Stempel nach kam er also auch von der Residenz. Verdächtig öffnete Erna den resedafarbenen Umschlag. Da fällt in Seidenpapier gewickelt, ein Ringlein auf den Fußboden.( Fortsetzung folgt.)
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