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glaubte dem Zeugen Winter, une der Staatsanwalt erhob gegen die fieben Entlastungszeugen Anflage wegen Mein­cides. Am 17. August 1895 wurde dann Schröder, der bet dem voraufgegangenen großen Bergarbeiterausstand im Jahre 1889 die Arbeiterdeputation an den Kaiser geführt hatte, zu zwei Jahren sechs Monaten Zuchthaus, von den übrigen Angeklagten Meyer und Gräfe zu je drei Jahren fechs Monaten Buchthaus, Imberg, Beckmann und Widing Et je drei Jahren Zuchthaus und endlich Thiel wegen fahr­laffigen Falscheides zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Das jebige Wiederaufnahmeverfahren ist vom Oberlandes­gericht Hamm angeordnet worden. Das allgemeinste Inter­esse des Publikums wendet sich naturgemäß dem Haupt­angeklagten Ludwig Schröder zu. Während er im Zucht­hause saß, hatte ihn die Sozialdemokratie für die 1895er Reichstagswahl als Kandidaten für den Wahlkreis Essen proklamiert mit dem Erfolge, daß die auf ihn entfallenen Stimmen als ungültig erklärt wurden, die Stimmenzer­splitterung aber dazu führte, daß nicht Krupp, sondern der Sentrumsfandidat Stoebel in der Stichwahl gewählt wurde.

88 000 Mark unterschlagen. Als Opfer seiner Spiel­und Wetiwut stand am Montag der Lehrer Clemens Bäcker aus Kupferdreh vor der Straffammer in Essen. Der An­geflagte war im Nebenamte Rendant bei der Spar- und Darlehnskaffe Kupferdreh und hatte in dieser Stellung 88 000 art unterschlagen, die er größtenteils im Spiel, burch Nennwetten und mit zweifelhaften Frauen durchge= bracht hat. Das Urteil lautete auf drei Jahre Gefängnis.

Vermischtes.

Durch den Stehkragen erwürgt. In dem Vereinshause einer Landsmannschaft in Halle wurde ein Student der Haller Universität tot aufgefunden. Die Leiche befand sich in tnieender Stellung das Gesicht war verzerrt und die Lippen waren hochgeschwollen. Nachdem die Leiche von ver­schiedenen Aerzten untersucht worden war, wird folgendes angenommen: Der Student wurde von einem Schwindel befallen und fiel in Ohnmacht. Durch den hohen Steh­fragen, den er trug, wurde er erwürgt.

Das Dunfel

Die verschwundene Millionärstochter. über den Verbleib der aus Neuport verschwundenen Millio= närstochter Dorothy Arnold ist noch nicht gelichtet. Eine Million Dollars Belohnung hat die Familie dem zugesichert, der die junge Dorothy wieder wohlbehalten zurückbringt. Die Polizei vermutet, daß ein Liebesroman hinter dem plötzlichen Verschwinden der Dollarprinzessin steckt. Die El­tern freilich halten dies für ausgeschlossen. Sie können sich nicht denken, daß ihr Kind, wenn es noch leben sollte, fast 3 Monate hindurch kein Lebenszeichen von sich gegeben hätte und glauben an einen Mord. Miß Dorothy Arnold war be= reits einmal verlobt. Ihr einstiger Bräutigam weilt ge= genwärtig in Italien und scheint mit ihrem Verschwinden nichts zu tun zu haben.

Wohl das größte Schulhaus Europas ist in Bankow bei Berlin errichtet und in diesen Tagen eingeweiht wor­den. Das Riesenschulhaus, das mit einem Kostenaufwand von 2030 000 Mart errichtet wurde, enthält eine höhere Töchterschule, ein Lehrerinnenseminar nebst Uebungsschule und drei Gemeinddoppelschulen. Für die Zusammenlegung so vieler Schulen auf einem Grundstück war hauptsächlich der Gedanke maßgebend, auf diese Weise einen möglichst freien, nicht durch Einbauten verengten und dadurch im Luftwechsel behinderten Schulhof zu erhalten. Außer dem von den Ge­bäuden umgebenen großen Gesamthof ist ein zweiter gro­ker für die Knaben bestimmter Schulhof vorhanden, an den sich der Schulgarten schließt. Das Haus enthält 96 Klassen­räume, neun Spezialklassen für Physik, Chemie und Bio­logie, vier Zeichensäle, 17 Lehrmittel- und Sammlungszim­mer. 14 Dienstzimmer, sowie drei Turnhallen, eine vierte soll später gebaut werden. Außerdem haben im Dachgeschoß. ein Arbeits- und ein Lesesaal für die Schüler der Fort­bildungsschule Aufnahme gefunden. Für die Schulfeiern der Gemeindeschulen dient eine gemeinsame Aula, während die für Seminar und höhere Mädchenschule bestimmte Aula zugleich für Konzertaufführungen, wissenschaftliche Vorträge c. gedacht ist.

Das Heil der Diden. Das riesige Heer der Leute, die mit der allzu üppigen Entfaltung ihrer Körperformen in der Tiefe ihres Gemüts nicht einverstanden sind und voll Neid auf ihre schlankeren Mitmenschen blicken, mag neue Hoffnung schöpfen. Das alie Rezept für die Wohlbeleibten, das da lautete: Früh aufstehen, wenig essen, spät schlafen gehen. riel arbeiten, viel Aerger". hat nie viel Anklang gesunden, und wenig folgsame Jünger. Denn die Dicken hind in allen förperlichen Dingen gern Phlegmatiker und Stoifer. Ja, wenn es eine Maschine gäbe, um schlank zu werden! Die Jodeis haben längst eine wirksame Entfet­tungsfur ersonnen: sie lassen sich in wollene Deden ein­wideln und vor einem großen Feuer drehen. Aber dies Berfahren hat seine Schattenseiten und wird von allen ech­den Diden voll Empörung abgelehnt. Nun winkt ihnen, so rerrät eine französische Zeitschrift, das Heil. Sie brauchen feine Anstrengungen mehr zu machen, fein Aufwand von Willen ist von Nöten, bequem im Sessel liegend können sie Slank werden wie eine Tanne. Das Zaubermittel besteht in einer Entfettungsmaschine, mit der sich gegenwärtig die Variser Akademie für Medizin beschäftigt. Das Verfahren besteht in einer einfachen Elektrisierung, die eine starke Massage der Muskeln hervorbringt und so nach regelmäßi­gem Gebrauche mit der Zeit die überschüssigen Fettbildun­gen des Körpers beseitigt.

Eine gepumpte Schwiegermutter. In Marseille hat sich ein eigentümlicher Vorfall ereignet, der aber trotz seines hu moristischen Beigeschmacks ein tragisches Ende nehmen kann. Der Sohn einer geachteten Familie, dessen Eltern seit vie­len Jahren geschieden sind, wollte sich vorige Woche verhei­maten; er fonnte aber zur Ziviltrauung nicht schreiten, weil ihm die Erlaubnis seiner Mutter fehlte. Der Vater ent­Schloß sich nun, mit seiner geschiedenen Frau zu sprechen, und diese willigte auch ein, sich zur festgesetzten Stunde in der Mairie einzufinden, allerdings müsse ihr ein Wa­gen zur Verfügung gestellt werden. Da dieser nun aus­blieb, weigerte sich die Mutter, ihrem Sohne die Zustim­mung zur Heirat zu geben. Der Vater suchte sich daher eine andere Frau, die gegen eine Vergütung von zwei Franken vor dem Standesbeamten die Mutter spielte. Als die rechtmäßige Mutter davon erfuhr, zeigte sie die Ge­schichte vor Gericht an, was nun zu einem unangenehmen Brozeß führen wird. Inzwischen aber sucht die Marseiller Polizei eifrig nach der gepumpten Mutter und Schwieger­

mutter.

Brieflich verbreitete Masern. Die älteste Tochter des Barenpaares, die Großfürstin Anastasia, die vor 14 Tagen in Masern erkrankte, befindet sich jetzt auf dem Wege der Besserung. Sie hat aber, durch einen Brief, den sie auf dem Krankenbette geschrieben hat, die Krankheit weiter verbreitet. Der Brief ging an die Adresse des Töchterleins bes Großfürsten Georg Michailowitsch. in Mensch war auf den Gedanken aekommen. das Schreiben der Brin=

zessin zu desinfizieren und die Folge war, daß die Em­pfängerin, die den Brief längere Zeit in der Tasche herum­trug, gleichfalls an Masern erkrankte. Ihr Zustand soll zu Besorgnissen Anlaß geben.

Die schönste Kaserne der Welt. Vor wenigen Tagen wurde in Windsor in England eine neue Kaserne einge­weiht, die wohl Anspruch erheben darf, die schönste und Iururiöseste Kaserne der Welt zu sein. Sie wird nicht über­mäßig viel Soldaten aufnehmen, im ganzen nur 800 Mann, aber diese achthundert werden ein Leben führen können wie, nun sagen wir wie: Prinzen. Jeder Soldat wird sein ei­genes kleines Zimmer haben; für gesellschaftliche Zwede aber stehen eine lange Reihe prächtiger und schön ausge= statteter Säle zur Verfügung. Die Mahlzeit wird in großen Speisesälen eingenommen, die 28 Meter lang und 21 Meter breit sind, von der Decke hängen Lüster herab, und die Wände schmücken Pilaster und Säulen. In einem der Säle ist auch eine kleine Bühne errichtet, für den Fall, daß die Söhne des Mars sich mit Theateraufführungen be= Instigen wollen. Ein kostbar ausgestatteter Rauchsalon und ein Spielsaal von 36 Meter Länge harren ihrer Besucher. Der anschließende Billardsaal. der 24 Meter lang und 6 Me­ter breit ist, ist mit einem monumental angelegten großen Kamin aus Majolika geschmückt. Die Soldaten, die ihre Korrespondenz zu erledigen wünschen, finden einen reizen­den Schreibsalon zu ihrer Verfügung, und daran grenzt auch das reich ausgestattete hübsche Bibliothekzimmer. Wah­re Muster an einfachem, geschmackvollem Komfort sind die großen Wasch- und Baderäume, in denen in langer Reihe Duschen nebeneinander angeordnet sind, so daß nach der Heimkehr von den Uebungen die Soldaten sofort ein Bad nehmen können, ohne erst lange warten zu müssen. Die Säle weisen durchweg Parkett auf. Im Innern der Ka­serne wird auch ein Delikatessengeschäft eingerichtet, damit die Soldaten und die Frauen der Unteroffiziere bequem ihre Einkäufe machen können, ohne erst die Kaserne ver­lassen zu müssen.

Aus dem Reiche der Technit.

Versuche mit elektrischen Scheinwerfern bei Lokomo= tiven werden, wie der Inf." mitgeteilt wird, in furzer Zeit auf den preußisch- hessischen Staatsbahnen angestellt. Die Bersuche, die der größeren Sicherheit dienen sollen. werden einige Wochen hindurch fortgesetzt werden. Der elektrische Strom für die Scheinwerfer wird von einem Dynamo g liefert, der mit einer leichten Dampfturbine gekuppelt ist. Die Leistung des Dynamos beträgt 900 Watt. Diese Zahl ist ausreichend. um den Scheinwerfer an der Lokomotive und fünf achtterzige Glühlampen am Führerstande zu spei­sen. Ueber den Scheinwerfer und seine Konstruktion ist fol= gendes mitzuteilen: Er verbreitet ein sehr weißes angeneh­mes Licht, das ohne grünen Schimmer ist und sowhl stärker leuchtet wie auf weitere Entfernungen zu sehen ist, als die bisherigen Lichter. Er hat eine Lichtstärke von 1700 Kerzen. Zur Beleuchtung der ganzen Strecke und der Kurven kann der Führer vom Führerstande aus den Scheinwerfer aus seiner Lage bringen. Der Scheinwerfer ist nämlich auf ei= ner kleinen Drehscheibe aufgebaut, die auf Rollen elastisch gelagert ist, und die durch ein Drahtseil, das zum Führer­stande gezogen ist, betätigt werden können. Die ganze Non­struktion ist derart eingerichtet, baß sie an die Lokomotiven in die bestehenden Reflektoren ohne zeitraubenden und kost­spieligen Umbau eingebaut werden kann.

Wissenschaft, Kunst und Literatur.

Ein photographischer Erdatlas. Auf dem neunten In­ternationalen Kongreß der Geographen, der im Jahre 1908 in Genf tagte, wurde der Plan eines großartigen Werkes beschlossen, za dessen Ausführung die Mittel durch Sub­stription galammengebracht werden sollen. Es handelt sich um die Schaffung eines photographischen Atlasses der Ober­flächenformen der Erde, ein Unternehmen, das namentlich für das Studium und den Unterricht in Geographie und Geologie von großem Nutzen sein könnte. Der große At­las soll aus 500 bis 600 großen Tafeln bestehen, deren Gr= scheinen voraussichtlich eine Zeit von mehr als 10 Jahren in Anspruch nehmen wird.

Der Aufruhr auf Ponape.

Ein Bericht über die Ermordung der deutschen Beamten. Ueber die neunfache Bluttat auf Ponape am 18. Ot­tober v.J., der, wie berichtet ist, die vier deutschen Beam­ten, Regierungsrat Boeder, Sekretär Brauckmann, Land­messer Häfner und Wegebautechniker Hollborn sowie fünf Eingeborene zum Opfer fielen, sendet ein Teilnehmer an der Hamburgischen Südseeexpedition, Dr. Paul Hambruch, der mit dem Dampfer Germania" am 26. November nach Ponape fam und somit zu den ersten gehörte, die Kunde von der Bluttat erhielten, den Hamburger Nachrichten" cine ausführliche Schilderung, der wir folgendes entneh­

men:

Der Mord war bereits in der Nacht vom 1. zum 2. Jani geplant, aber bisher durch Verrat vereitelt worden. Die Jofaschleute( Jofasch ist eine Landschaft auf Ponape) sollten ihre Steuerarbeit vom vorigen Jahre nachholen. Am 17. Oktober versagte ein Mann seinen Gehorsam, widersetzte sich und erhielt seine Strafe. Regierungsrat Boeder ließ ihm sechs Hiebe verabreichen; und nun drohte man dafür dem Beamten am Wegebau, Hollborn, mit Ermordung. Dem Regierungsrat waren schon mehrfach Drohbriefe ins Haus gesandt worden, auf die er aber fein Gewicht legte, glaubte er doch, durch sein persönliches Erscheinen wie auch früher die Leute einschüchtern zu könen, um die Sache zu schlichten. Gerade damit hatten die Jokaschleute gerechnet. Um wegen der Hollbornschen Angelegenheit Ruhe zu stif ten, fuhr Beeder am 18. Oftober um 4 Uhr nach Tanepe auf der Jokaschinsel hinüber, nur vom Sekretär Braudmann begleitet. Der Polizeimeister bat den Regierungsrat, mi­litärische Begleitung mitzunehmen oder ihm doch zu er= lauben. auf dem Landwege nach Tanepe zu gehen. Der Polizeimeister erhtelt aber einen strengen Verweis, obwohl man auf ihn, der drei Jahre lang enge Fühlung mit den Ponapeleuten gehabt hatte, der ihrem hinterlistigen verschla= geren Charakter genau faunte, besser als einer der übrigen Beamten, hätte hören sollen.

Das Boot landete in Tanepe in der Nähe der katholi­schen Missionsstation. Kaum war man an Land, da ka= men die beiden Patres sowie Hollborn und der faum vier Wochen in Ponape anwesende Wegebauer Häfner auf Boe­der zu und baten ihn, sich in die Kirche zurückzuziehen, da die Leute in großer Aufregung mit Gewehren und 26zölli­gen Buschmessern bewaffnet seien. Boeder hörte nicht da= rauf und ging auf dem neu angelegten Wege den Jokasch­Tenten entgegen. Nur wenige Schritte; da erhielt er zwei Kugeln in den Unterleib und fiel die Wegeböschung herab in das Wasser. Hilf mir, du bist mein Freund!" rief er dem eingeborenen Aufseher, einem Jokaschmanu, zu. Ich werde dir helfen!" rief dieser, nahm sein Gewehr und sok den Recicrungsrat durch die Schläfe. Andere eilten herbei und zerfetzten und zerhieben den Leichnam bis zur 1!= kenntlichkeit. Braudmann versuchte, das Boot zu errei= chen, er erhielt fünf Schüsse und der Schädel wurde ihm mit den langen Messern zerschlagen; es hätte auch der Müd­zug ins Boot nichts genützt, da gleichzeitig die fünf Mann starke Bootsbesabung niedergemetzelt war. Hämer und Holborn verteidigten sich vom Boote aus, Hollborn ver­schoß seine Browningpatronen, dann wurde beiden mit Messern der Garaus gemacht. Frauen warfen sich vor die Patres, schützten fie mit ihren Körpern und retteten sie auf

diese Weise. In Kanus brachte man beide zur Kolonie die nun das Geschehnis erfuhr.

Dr. Girschner, der seit zehn Jahren in Ponape lebt, wollte die Jokaschleute beruhigen und hinüberfahren. Nur nach langem Zureden stand er davon ab. Er tat gut daran, denn Briefe am nächsten Morgen zeigten, daß auch ihm das Schicksal der Ermordeten zuteil geworden wäre.

Später gelang es, die Leichen zu bergen. Arg ver­stümmelt und beraubt, Ringe und Kleider fehlten größ­tenteils, trieben sie im Meer. Dem Regierungsrat hatte man die Zähne zerschlagen und die linke Hand abgehackt; sie wurde nicht abgeliefert, in einem Hause soll sie als Trophäe angeschlagen sein. Die Opfer wurden begraben. Frau Re­gierungsrat Boeder und ihre beiden kleinen Kinder ver­Ileßen das etwas abgelegene unsichere Haus in Pelapalap dessen Inneneinrichtung vollständig zerstört wurde und ste delten in das Brauckmannsche Haus über. Die Kolonie wurde mit Stacheldraht umzogen und verschanzt und ein Wachtdienst eingeführt. Der Feind zählte etwa 300 Köpfe.

Erdbeben- Meldungen.

Ein Erdstoß in Schweden.

Geitern nacht erfolgte in Karlstadt in Schweden ein so Heftiger Erdstoß, daß alle Häuser erschüttert wurden und die Einwohner aus dem Schlafe erwachten. Unmittelbar nach diesem Erdstoß konnte man ein dumpfes unterirdisches Rollen vernehmen. Mehrere Häuser der Stadt erlitten Be­schädigungen und quer über den Marktplatz und einer ein­mündenden Straße zog sich ein klaffender Erdriß, der von Oft nach West verlief. Auch in anderen Kreisen Schwedens sollen Erderschütterungen wahrgenommen sein, ohne daß sie jedoch großen Schaden anrichteten.

Bulkanischer Ausbruch auf den Philippinen. Aus Manila wird gemeldet: Die Städte leiden in einem Umkreise von zwanzig Meilen unter einem Regen von Tchlamm und Steinen infolge eines vulkanischen Aus­bruchs bei Taal. Die Eingeborenen verlassen die Dörfer und fliehen in die Berge.

Manila, 31. Januar. Nach Meldungen über einen vulkanischen Ausbruch im Taal- Bezirk find fünf kleine Dörfer zerstört. In der Flutwelle sind mindestens 300 Menschen umgekommen. Viele sind bei den Feuersbrünsten verbrannt, die durch die Lavamassen entstanden.

Drabtnachrichten und neuestes.

Eine Nenderung im Programm der Kronprinzenreise.

Berlin, 31. Januar. Mit Rücksicht auf die in Ost asien eingetretenen gesundheitlichen Verhältnisse hat der Reichsfanzler sich verpflichtet gehalten, beim Kaiser zu be= antragen, daß die Neise des Kronprinzen für dieses Jahr in Kalkutta ihren Abschluß findet. Von Kalkutta wird der Kronprinz demnach die Heimreise antreten. Den Höfen in Bangfot. Peking und Tokio, die alle herzliche Einladungen gesandt hatten, ist das Vedauern über die durch unvorher­gesehene Ereignisse notwendig gewordene Aenderung der Reisedispositionen ausgedrückt worden. ebenso den Nieder­landen und den Vereinigten Staaten von Nordamerika, derer Kolonien gleichfalls im Reiseprogramm aufgenom

men waren.

Lucknow( Britisch- Indien), 31. Januar. Der Kron­prinz hat im Hause des Gouverneurs Wohnung genom men. Der Aufenthalt in Lucknow ist als Ruhepause für den offiziellen Besuch in Kalkutta gedacht.

Die Heimreise der Kronprinzessin. Kairo, 31. Januar. Die Kronprinzessin wird am 8. Februar von Alexandria nach Neapel fahren, wo die An kunft am 11. Februar erfolgt.

Verurteilung wegen schwerer Soldatenmißhandlung. Kiel, 31. Januar. Wegen schwerer Mißhandlung mit tödlichem Ausgang verurteilte das Marineoberfriegsgericht den Torpedomaschinistenmaat Wroschke zu 10 Jahren Bucht­haus, Degradation und Entfernung aus der Marine Wroschke hatte den Heizerrefruten Brandt in den noch etwa 70 Grad heißen Feuerrost eines Torpedofessels geschickt und ihn darin so lange verweilen lassen, bis er ohnmächtig um= fiel. Dann hatte er ihn mit einem Tauende schwer ge­schlagen. Der Bedauernswerte war am folgenden Tage ge= storben.

Eine unanfaeklärte Vergiftungsaffäre. Hirschberg i. Schl, 31. Januar. In Clausnitz starb nach dem Genuß von Reis der 20jährige Arbeiter Tänbner. Sein Stiefvater und sein Stiefbruder sind unter Vergif­tungserscheinungen schwer erkrankt. Eine Untersuchung wurde eingeleitet.

Banik in einem Kino.

Aschersleben, 31. Januar. In einem Kinemato arai hentheater fam es gestern abend zu erregten Szenen. Im Zusammenhang mit einem Streit ertönte plötzlich der Rufcuer". Alle Besucher stürzten de inAusgang zu. Bei dem Gedränge wurde ein Kind lebensgefährlich verletzt, eine Frau mit einem dreijährigen Kinde erlitt Quetschun gen, eine andere Frau wurde zu Boden geworfen und durch Fußtritte so zugerichtet, daß sie in das Krankenhaus ge= bracht werden mußte.

Bergarbeiter beim Minister.

Essen uhr), 31. Januar. Der Handelsminister von Sydow hat einer Deputation der christlichen Bergar beiter im Ruhrrevier im Anschluß an ihre Petition im Landtage die Einrichtung von Familienfassen zugesichert und erklärt, sein Möglichstes für die Erhöhung der Löhne zu tun.

Die Opfer der jüngsten Schlagwetterexplosion. Tuisburg, 31. Januar. Von den bei der Schlag­wettererplosion auf der Gewerkschaft Deutscher Kaiser ver­letten Bergleuten sind gestemt noch zwei gestorben, so daß die Gesamtzahl der Opfer jebt 11 beträgt. 8 Verletzte lie, gen noch im Krankenhaus, davon einer, der faum mit dem Leben davon fommen wird.

Die Einfuhr französischen Fleisches hört auf. Mannheim, 31. Januar. Die Zufuhr französischen Vie hes scheint numehr ganz aufzuhören. Dem gestrigen Vteh­markt war überhaupt kein Großvieh aus Frankreich mehi zugeführt. Die hohen Spesen und das Anziehen der Preife in Frankreich machen die Ausführung unlohnend.

Verhaftung eines Mädchenhändlers. Saarbrüden, 31. Januar. Auf dem hiesigen Bahnhof wurde ein gutgefleideter Mann verhaftet, in dessen Begleit­ung fich zwei Mädchen befanden, denen er angeblich Stell­ung in Argentinien verschaffen wollte. Die Polizei glaubt, einen gefährlichen Mädchenhändler erwischt zu haben, der eine größere Anzahl Mädchen aus dem Saarrevier ver­schleppt hat.

Die Taten eines russischen Banditen. Gzenitoojau, 31. Januar. Der hier verhaftete Bandt­tenführer Enfienäf gestand. 30 Ueberfälle verübt, 14 Mo­nopolläden beraubt und zwei Steuerbeamite getötet 311 ha­ber. E verriet 70 Genossen, die alle verhaftet wurden. Deutsche Entschädigungsansprüche aus dem Burenkriege.

Saag, 31. Januar. Der Minister des Aeußerem er flärte in der ersten Kammer, die englische Regierung habe den Vorschlag Deutschlands, die Entschädigungsansprüche deutscher Untertanen aus dem Burenkrieg einem Schieds­gericht zu unterbreiten, abgelehnt.

Landung eines Aviatikers auf den Ozean.

6 Neuyort, 31. Januar. Der Aviatifer Me Curdy versuchte von Key West auf Florida nach Havanna zu flie gen. Er mußte aber zehn Meilen vor dem Hafen von Ha­vanna auf dem Wasser niedergehen. Ein Torpedoboot nahm ihn auf. Der Weiterflug mußte aufgegeben werden.