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Der praktische Wert der staatlichen

Invalidenrente.

Stadt 1000 Quadratmeter von Meggermeister Schreiner für 20 000 Mt. getauft. Diese Grundstücsfläche liegt an der sich an der Johanneskirche herumziehenden Straße und zwar an dem sogenannten Schorgraben. Jedenfalls dürfte dem­nächst hier ein öffentlicher Bau entstehen, der bei größeren Abmessungen ganz gut zu der Johannestirche passen würde.

*)(* Vom Regiment. Eines Vergehens gegen das Militär- Strafgesetzbuch machte sich ein Gefreiter des hiesigen Regiments dadurch schuldig, daß er am Ostersonn­tag aus der Kaserne flüchtete, um einer 7tägigen Arrest strafe zu entgehen. Er wurde von seinem Vater in die Kaserne zurückgebracht und wird sich nun auf eine größere Strafe gefaßt machen müssen.

Man hört oft von der Invalidenrente mit Geringschäh­ung sprechen, sie habe keinen Wert. Aus den Kreisen des Reichsversicherungsamts wird festgestellt, daß die Renten jetzt noch nicht so hoch sein können, da die Invaliden- Ver­sicherung erst verhältnismäßig turze Zeit besteht. Im Laufe der Zeit erhöhen sich die Sienten immer mehr. Die fort gesezte Steigerung in der Werthöhe der Beitrage wirkt wei­ter erhöhend auf die Rente. Die Invalidenrente sollte nach der Absicht des Gesetzgebers nur den notdürftigen Unter­halt für eine Person decken. Neben ihr kommen in den meisten Fäilent noch andere Einnahmequellen inbetracht. Eine große Zahl von Rentenempfängern ist in der Lage, zur Rente noch etwas hinzuzuverdienen oder sich im Hause von Kindern 2c. nüßlich zu machen. In manches Haus fal­len mehrere Renten. Im deutschen Reiche werden z. B. Unfallrenten an mehr als eine Million Personen gegeben. Dazu kommen häufig Bezüge aus Fabriktassen, Knapp= schaftstassen, Hülfskassen, Veteranenbeihülfen und andere Militärrenten, Verpflegungsgelder von erwachsenen Kindern, Erträge eines fleinen Besizes oder Pachtlandes 2c. Beson­ders gilt dies für die Arbeiter der Großindustrie. Der Ge­setzgeber hat gar nicht beabsichtigt, daß der Versicherte sich nur auf die Invalidenrente verlassen und aufhören solle, daneben für seine Zukunft zu sorgen. Tatsächlich handelt auch der größte Teil des Volkes danach, wie die Statistik zeigt. Ende 1906 liefen fast 5,5 Millionen Voltsversicher ungen über 955 Millionen Mart. Den Sparkassen sind in jedem Jahre von 1901 bis 1906 je 750 Millionen Mark zugeführt worden. Die Arbeiterschaft ist hieran wesentlich beteiligt. Ein Teil der Ersparnisse fann auch für die eigene Invalidenversicherung dadurch nuhbar gemacht werden, daß freiwillig eine höhere als die gesetzlich vorgeschriebene Lohn­klasse benutzt wird. 3. B. läßt sich durch die Beitragser­höhung von jährlich 3 Mart die jährliche Invalidenrente nach 10 Jahren um 20 Mart, nach 30 Jahren um 40 Mt. steigern. Leider wird von der freiwilligen Höherversicher= ung im allgemeinen aus Uni nntnis nicht der Gebraucht ge­macht, wie eigentlich erwartet werden müßte. Es kann den rund 15 Millionen versicherten Personen nur dringend em­pfohlen Berden, sich mit dieser Höherversicherung vertraut zu machen und sich deren Vorteile zu sichern.

Berfehrserschwerungen.

*)(* Regimentsjubiläum. Die Jubelseier des 100jährigen Bestehens unseres Regiments hat bereits lebhafteres Interesse bei den in der Wetterau wohnenden ehemaligen Angehörigen des Regiments erweckt, die sich un ter Leitung des Apothekers Hempel zu einem Verein zu­sammenschließen werden, dem zahlreiche frühere Soldaten beizutreten gedenken.

* Versammlung. Am Dienstag hatte der Vor­stand der deutschsozialen Partei seine Partei freunde zu einer Versammlung einberufen, welche ungeach­tet der durch die Abwesenheit der beiden Landtagsabgeord­neten Bähr Rohrbach und Lu B- Elpenrod hervorgerufe­nen Mißstimmung einen zufriedenstellenden Verlauf nahm. Als 1. Redner sprach Lindner- Frankfurt über Die po­litische Lage und Arbeit in Hessen", während" Pfarrer | Fritsch die hessische Finanzlage und die Wahlrechtsvor lage behandelte. Bei den Vorträgen wurde lebhafter Bei­fall gezollt.

Aus Mitgliederkreisen des Hansabundes sond Klagen da rüber laut geworden, daß Scheckstempelmarfen nur auf den Zollämtern gekauft werden können. Dabei wurde der An­sicht Ausdruck gegeben, daß, so gut wie die Post Wechsel­marken abgibt, sie doch auch Scheckstempelmarken an das Publitum verkaufen dönnte. Es bedarf wohl nur dieses Hinweises, um eine so naheliegende Verkehrserleichterung durchzuführen.

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Lokales.

Gießen, 31. März 1910.

tt Stadttheater. Es seien die Abonnenten nochmals darauf hingewiesen, daß morgen Freitag im Hoch­touristen" und Sonntag Abend in Vasantasena" die letzten Gelegenheiten sich bieten, Gutscheine zu verwerten.

sichtbare feine Rauchwolken. Ein Vulkan!- wir wohnen an einem Vulkan!" tönte der Schreckensruf an allen Sei­ten. Es wurde sofort beschlossen, die Sache genau zu un­tersuchen, und man sandte zu diesem Zwecke eine Expedi­tion unter persönlicher Führung des ehrsamen Bürgermei sters auf den Berg. So schnell wie möglich drangen die Abgesandten zum Gipfel empor und dachten mit heimlichen Schauder an den furchtbaren Krater, der ihnen bei ihrer Antunst flammenspeiend entgegenstarren wurde.- Aber wer beschreibt ihr Erstaunen, als sie oben anlangten? Steine Spur von einem Krater war zu sehen, kein Atom von feuriger Lava und dergleichen. Des Rätsels Lösung war ganz überraschend. Auf dem Gipfel des Berges jan den se nämlich einen berühmten modernen Komponisten, der mit seiner dreitausend Mann starken Kapelle auf einer Erholungstour von seiner letzten Oper vegriffen war; und die ganze Gesellschaft rauchte in fröhlichter Stimmung Salem Aleitum- Cigaretten.

-m- Thüringer Burgenfahrt. Dem Sonder. ausschuß für die Thüringer Burgenfahrt der Vereinigung zur Erhaltung deutscher Burgen ist eine ganze Reihe her= vorragender Personen aus dem Thüringer Lande beigetre ten. Die Fahrt wird voraussichtlich von Coburg bis Alten­burg führen; auf welche Weise und die Besichtigung wel­cher weiterer Burgen steht noch nicht endgültig fest. Berat­ungen darüber solen Anfang April wahrscheinlich in Co­burg, dem Ausgangspunkt der Fahrt, statisinden. Eine Vorversammlung soil am 19. Juni auf der Marksburg bei Braubach a. Rhein, dem Eigentum der Vereinigung, statt­finden. Die weitere Fahrt wird sich über die Zeit vom 20. bis 23. Juni erstrecken. Die Mitglieder der Vereinigung und deren Freunde werden demnächst eingeladen werden. In den letzten Jahren hat die Beteiligung zwischen 100 u. 200 Personen geschwankt. Die Zahl muß aus verschiedenen ! Gründen diesmal von vornherein begrenzt werden. Früh­Besonderen Glanz zeitige Anmeldung ist also erwünscht.

* Heilanstalten im Großherzogtum Hessen. Im Jahre 1908 bestanden 36 offentliche Kran­fenhäuser mit 4098 Betten, ferner 29 Privatanstalten mit | 1257 Betten, sowie die chirurgische Klinik in Gießen mit 200 Betten, die medizinische Klinik mit 185 und die Frau­enklinik mit 60 Betten. In den 68 Krankenhäusern wur­den im Jahre 1908 verpflegt: 41 506 Kranke an 462 097 Verpflegungstagen, auf je einen verpflegten Kranten kamen 30,1 Verpflegungstage.

* Tod eines geborenen Gießener s. Am Ostersamstag verschied in Darmstadt der Geheime Oberbau­rat Kari Poſeiner. Der Verstorbene war am 22. De zember 1842 in Gießen geboren. Er besuchte zuerst ein Privatinstituit in Grünberg und dann die Gr. höhere Ge­werbeschule zu Darmstadt. Am 6. November 1861 wurde er in Gießen des Baufachs immatriu

!! Kirchensteuer. Die Kirchensteuer für die ev. Landeskirche in Hessen ist für das Rechnungsjahr 1910 auf 12 Prozent und für die katholische Kirche auf Proz. fest­gesetzt worden. Im vorigen Jahr betrug der zuschlag zur Staatssteuer 12½ bez. 6 Proz., doch erhöht sich die zu zahlende Kirchensteuer sehr wesentlich dadurch, daß der Zu­schlag nicht, wie bei der Gemeindesteuer, von dem bisyer noch geltend gewesenen Normalsaß der hess. Staatssteuern, sondern von dem neuen( um 15 Proz. erhöhten) Staats= steuersatz erhoben wird.

** Neue Fabriken entstehen in der Nähe von Gießen immer mehr. In letter Nummer unserer Zeitung wurde berichtet, daß in der Butzbacher Gemarkung eine Lo­tomotivfabrik errichtet wird; heute können wir melden, daß auf Leihgesterner Flur nahe der Main- Weserbahn die Er­bauung einer Fahrrad- und Automobil- Fabrik in Aussicht genommen ist, deren Hauptbureau in Gießen sein wird.

-ph Neue Goethe Literatur. Unter dem Nachlasse eines hiesigen Bürgers hat man jeßt eine Anzahl wertvoller Manuskripte entdeckt, die bisher noch unbekannt waren und nicht veröffentlicht sind: Briefe von Goethe, größtenteils aus Wetzlar geschrieben, und Fragmente eines Dramas, welches an die Erlebnisse Goethes in Weylar an­

Polizeihund, n beide Orte auf fach eingeschla worden. * Heu

ungsschule für sechswöchigen gemeldet.

* Lang Ranalifation m Straßen mit R borhanden, ma auch ist man a Nähe der Que gegründete Bür W. Frey und zahl Mitglieder begrüßt. * Birt gangs Juni f Lich Hungen f dentmals in dieser Stelle Gemeinde an * Hung im Rathauje 3 im Rathause z amts Gießen f Amtsgerichtsbez Amtstag in H den Amtsgerich am Amtstage * Darr stellvertretender fand hier die mer statt, in trag Dr. De benten währen wurde zugeftim Streulaub aus getreten werden richten ist, es Wunsch bei öf gänglich gema Lammertreisen fich der Vor naturiertem diefe Produkte Die revidierte bäumen und

wird der Burgenfahrt das Interesse verleihen, das die Herzöge von Sachsen- Coburg und Gotha und Sachsen- Al tenburg und der Erbprinz von Reuß jüngere Linie den künstlerischen und patriotischen Bestrebungen der Vereinig­ung beweisen, dadurch, daß sie die Tore ihrer Schlösser in Coburg Ehrenburg und Veste Coburg in Altenburg das Residenzschloß und Osterstein bei Gera öffnen und die Teil­nehmer persönlich begrüßen.

folgt, vielmehr sind die ihm zu Grunde gelegten Gedanken und Tatsachen in anderer Fassung von dem Dichter in Wahrheit und Dichtung" verwertet worden. Ueber die Ver­wendung der aufgefundenen Schriftstücke ist noch nichts näheres beschlossen. Wir werden aber unsere Leser darüber aus dem laufenden erhalten.

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Vom Hansabuud.

Zwecks Stellungnahme der vereinigten Berufskreise aus Gewerbe, Handel und Industrie zu dem neuen Entwurf der Reichsversicherungsordnung ist vom Hansa­Bunde für den 15. April eine Konferenz von Vertretern der Industrie, des Handeis, des Mittelstandes und der Ange­stellten einberufen worden.

liert und bestand eine Prüfung im Baufach spielt. Die Ausführung dieses Werkes ist aber nicht er­in den Jahren 1866 und 1867. Hiernach war er furze Zeit bei den Kreisbauämtern Grünberg und Mainz beschäf= tigt, nahm sodann längeren Urlaub und war bei verschie denen privaten Gesellschaften als Ingenieur tätig. Nach Rückkehr in den Staatsdienst ging er in den Dienst der Staatsbauverwaltung über, wurde 1883 Kreisbaumeister des Kreises Alsfeld, im Jahre 1885 mit einem Referat in der Ministerialabteilung für Bauwesen betraut, 1888 zum vor­tragenden Rat in dieser Abteilung ernannt. Diese Stelle hat er über 21 Jahre bekleidet. Am 25. November 1895 wurde ihm der Charakter als Geheimer Oberbaurat ver­liehen. Karl Poseiner war ein überaus pflichteifriger Be­amter, die Ministerialabteilung für Bauwesen verliert in ihm ein namentlich um das hessische Straßenbauwesen hoch verdientes Mitglied, dessen Hinscheiden sie gerade im gegen wärtigen Augenblick, in dem wieder Organisationsänder ungen im Vordergrund stehen, aufs tiefste bedauern muß. Den Kollegen und Untergebenen war Geh. Oberbaurat Po­seiner ein allzeit hilfsbereiter Freund und Berater und sein Andenken wird auch bei uns in Gießen stets in hohen Ehren gehalten werden. Am Dienstag vormittag fand auf dem Darmstädter Friedhofe die Beerdigung des Ver­storbenen statt,

und v. Homh an der u. a. die Herren Minister Dr. Braun

zu Vach teilnahmen.

* Vom Stadterweiterungsfonds. Für Rechnung des Stadterweiterungsfonds wurden seitens der

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Die Freundinnen.

Originalroman von Irene v. Hellmuth. Nachdruck verboten.

19span!

Ohne des selbst zu wissen, dämpfte er den Ton bei der Frage: Und wenn ich es täte, wer fragte wohl da­nach? Das Kind? Es versteht wohl kaum, was der Tod bedeutet, Kinder vergessen schnell, und sonst habe ich niemand," nfügte er ganz laut hinzu, als Maja den vor­wurfsvollem Blick zu ihm erhob.

-ph- Blaue Rosen! Eine ganz rein und ausge­gesprochen blaue Rose zu züchten, ist bekanntlich der Wunsch und das Ziel der Rosenfreunde und-Gärtner. Schattier ungen und annähernd blaue Exemplare hat man ja schon verschiedentlich erzielt, aber eine ganz rein- blaue Vertreterin der Rosenfamilie hat es noch nicht gegeben. Bis jetzt! Denn einem Gießener Rosenzüchter, einem Privatmann, ist es gelungen, nunmehr nach vielen Versuchen und Mißer solgen aus verschiedenen Kreuzungen eine Sorte heranzu­ziehen, deren Blüten ausgesprochen himmelblau sind. Der wertvolle Stock ist von heute ab einige Tage lang in dem linken Schaufenster des Ladens Seltersweg Nr. 77 zu sehen, und raten wir allen Blumen und Naturfreunden, sich die eigenartige, seltene Erscheinung dort anzusehen. So bald wird eine solche Gelegenheit nicht mehr geboten werden.

,, Sie sollen nicht immer so hoffnungslos und so voll Bitterkeit sein," sagte sie leise ,,, es können doch auch für Sie wieder Lage kommen, die das Glück mitbringen." Er lachte höhnisch auf.

Bus Hessen und Nachbargebiet.

!! Die hess. Rechtskonsulenten wenden sich in einer Erklärung gegen die ießten Verhandlungen der Anwaltskammer, über welche wir in einer der früheren Nummern berichteten. Sie protestieren in dieser gegen den Vorschlag des Rechtsanwalts Dr. Eckhardt- Reinheim, der dahin geht, den Rechtskonsulenten die Ausübung ihrer Tä­tigteit allgemein zu versagen. Dieser Paragraph enthalte nur die Bestimmung, daß die Besorgung fremder Rechts­angelegenheiten zu untersagen sei, wenn Tatsachen vorlie­gen, welche die Unzuverläßlichkeit des Betreffenden dartun. Die Rechtskonsulenten wollten selbst, daß diese unzuver= lässigen Elemente ihrem Stande ferngehalten würden.

* Der neue Vulkan. In dem Riviera- Städt­chen X gab es vor kurzem eine ungeheuere Sensation. Eines schönen Tages nämlich entstiegen dem Gipfel des fried­lichen Berges, an dessen Fuß das Städtchen lag, deutlich

Für mich Fräulein Maja? Für mich? Sie glan­ben wohl selbst nicht, was Sie sagen! Woher sollte mir das Glück, kommen: Was bin ich denn? Nichtsrein nichts! Gin verabschiedeter Offizier, den man einfach bei­seite schob, weil es nun weit" doch das gehört nicht hierher," unterbrach er sich jäh. Aber glauben Sie mir, es tut bitter weh, wenn man seinen Becuf geliebt hat, wie ich, wenn man die Kraft in sich fühlt, etwas leisten zu könnenwenn man so gern arbeiten möchte und doch nicht fann, weil einem die Hände gebunden sind. Man hat mich fortgeschickt, obgleich nicht der leiseste Schatten einer unehrenhaften, Tat auf mich fallen konnte. Ich war Soldat mit Leib und Seele und als ich einsah, daß mir nichts weiter übrig blieb, als den Rock des Kaisers aus­zuziehen. da war für mich die bitterste Stunde meines Lebens gekommen! Da flüchtete ich mich mit meinem Kinde hierher in diese stille Einsamkeit. Von aller Welt zog ich mich schen zurück. Aber arbeiten mußte ich et­was, sollte ich nicht zugrunde gehen. Die Kameraden rühmten einst mein großes, schriftstellerisches Talent. So griff ich denn zur Feder. Halbe Nächte lang saß ich ein­lam und perlassen an meinem Schreibtisch; ich vergaß Essen und Trinken, ich vernachlässigte mein Kind, wurde ungeduldig und nervös, wenn es nur ins Zimmer trat, und vertröstete es stets auf später, men es sein Händ­chen unter meinen Arm schob, um mich mit hinauszuneh­men aus der dumpfen Stube. Frühling und Sommer

* Aus Hessen. Nachdem im letzten Schuljahre an den höheren Mädchenschulen nach einem he formsehrplan probeweise unterrichtet und dieser Plan nun in einer Reihe von Konferenzen durch sachverständige be­sprochen und revidiert worden ist, wird er mit dem neuen Schuljahr endgültig in Kraft treten. Die Lehrplanreform bezweckt vor allem eine Annäherung der Ziele von höherer Mädchenschule und Oberrealschule. Deshalb wird bereits in den Unterklassen der Unterricht in den Naturwissenschaf ten und im Rechnen stärker betont, während von der vier­ten Klasse an die Mathematik in ihre Rechte tritt und der Handarbeitsunterricht von diesem Zeitpunkte an nicht mehr obligatorisch ist. Außerdem finden in den Oberklassen Phy­sie und Chemie mehr Förderung als bisher. Die wöchent liche Stundenzahl erhöht sich nicht. Nach erfolgreichem Be such der obersten Klasse einer höheren Mädchenschule kann dann die Schülerin gemäß ihrer Vorbildung in die Ober setunda einer Oberrealschule eintreten.

vergingen mir so und nun, wo ich die Früchte der an­gestrengten Arbeit einheimsen wollte, wo ich hoffte, ein gutes Honorar zu erhalten,- nun schickte man mir heute mein Werk zurück mit der einfachen Bemerkung: Unge­eignet!" D. wenn Sie wüßten, was ich da empfand! Soll man da icht mutlos werden? Ich fühle nicht die Kraft in mir, ein neues Werk zu beginnen, bevor das erste nicht untergebracht ist. Man kann mein Geschreibsel ja nicht brauchen, und ich ich habe doch mein bestes getan!" fügte er in bitterem Tone an.

Sie müssen eben versuchen, das Werk anderswohin zu verkaufen, gewiß gefällt es einem andern besser", tröstete Maja freundlich.

Er schüttelte trübe den Kopf.

,, Ich habe nicht den Mut dazu und dann, begrei­fen Sie denn nicht, ich kann nicht solange warten! Freilich, wie sollten Sie, die in Reichtum und Ueberfluß aufgewachsene Tochter eines Millionärs, der ieder Wunsch erfüllt wird, ehe er noch ausgesprochen wird, wie soll­ten Sie ahnen fönnen, wie mir zu Mute ist!" rief Herr v. Brandt leidenschaftlich. Sie sind überhaupt noch viel zu jung, um das zu verstehen und ich weiß nicht, wie ich dazu komme, Ihnen gerade Ihnen das alles zu erzählen! Ich wollte mich rechtfertigen!- Und an= dernteils, iemand muß man doch haben, dem man

* Klein- Linden, 29. März. Der beträchtlich vergrößerte Saal des Gasthauses zur" Deutschen Eich e" wurde heute bei Konzert und Tanz eingeweiht. Der 600 Personen fassende, schön eingerichtete Saal war von Besuchern, besonders aus Gießen, dicht besetzt.

* Großen Linden, 28. März. Ein Einbruch ist auf dem Haas'schen Kaltwerk verübt worden, angeblich sollen Schulkinder von hier und Klein- Linden die Täter sein. Am Samstag weilten Gendarmen hier mit

sein Herz ausschütten kann. Ich bin ja immer so allein! Mit meiner alten Wirtschafterin mag ich dergleichen nicht spre en und das Kind ist viel zu klein um meine Sorgen und Leiden zu begreifen. Sie dagegen,- Sie bewiesen mir und der Kleinen schon vom ersten Lage an, als wir uns begegneten, so viel Interesse und warme Teilnahme, daß ich ganz gegen meine sonstige Art sogleich Vertrauen zu Ihnen faßte. Ich wundere mich eigentlich über mich selbst, daß ich es tat. Sie werden wohl manch­mal lächeln über mich, daß ich so offen zu Ihnen spreche, ia, leugnen Sie es nicht", fuhr er rasch fort, als Maja ein abwehrende Handbewegung machte, wie sollte es auch anders sein! Aber daß ich mich so rasch an Sie anschloß, daran ist wohl meistens Lilly schuld. Ohne sie wären wir sicher stets fremd, höchstens mit einem fühlen Gruß einander vorbei gegangen; aber die lebhafte Kleine vermittelte schnell die Bekanntschaft. Und iebt ist das Mäd­

einem

chen kaum mehr zu halten. Den ganzen Tag fragt sie mich nach Ihnen. Kommt Tante Maja heute? Darf ich zu ihr? Wollen wir ihr entgegen gehen? So quält sie immerfort, bis sie bei Ihnen ist. Ich kann nicht anders, ich muß ihr nachgeben, um nur endlich Ruhe zu haben." Ich wollte, ich dürfte Lilly ganz behalten", lachte Maja. Mir fehlt ordentlich etwas, wenn ich meinen Lieb­ling einen Tag nicht sehe. Willst du zu mir in die Stadt fommen?" wandte sie sich dann fragend an die Kleine, die mit leuchtenden Augen aufjubelte: ,, Ach ja, liebe, liebe Tante Maja, wenn Papa es erlaubt", fügte sie etwas kleinlaut hinzu.

,, Nein, mein Kind, das erlaubt Papa nicht", entgeg­nete Herr von Brandt ernst und bestimmt.

,, Und warum nicht?" fragte Maja halb verlegt durch den strengen Ton. Ich habe meine Gründe! Lilly würde dadurch nur verwöhnt. Sie lernte den Reichtum und Ueberfluß kennen und das darf sie nicht!"

Immer die alte Geschichte", seufzte Maja leise.;, Mir scheint, Sie hassen den Reichtum?"

Ehe der Gefragte eine Antwort geben fonnte, trat aus dem Torweg, der zu dem alten Herrenhaus führte, eine schlanke, hellgekleidete Mädchengestalt. Sie eilte mit einer freudigen Bewegung auf Maja zu und streckte ihr lebhaft beide Hände entgegen.

Ach da bist du ja endlich! Ich dachte schon, du wür­dest heute gar nicht kommen, ich erwartete dich sehnsüch tig!" rief sie mit hellem Lachen.

Herr v. Brandt verneigte sich artig. ,, Verzeihen Sie, Fräulein v. Schmettwiß ,,, an der Ver­spätung Ihrer Freundin bin ich schuld. Wir kamen so ins Plaudern-"

Ja, ia, ich weiß schon," unterbrach die Angeredete lächelnd seine Entschuldigung ,,, ich habe das sehr oft er lebt; wer mit meiner Maja zusammentrifft, der inöchte sie so lange als möglich für sich haben, sie ist eben ein Son­nenkind, nicht wahr?" Sie schlang in aufwallender Herzlichkeit den Arm um den Hals der Freundin und küßte fie leicht auf bei de Wangen.

( Fortsetzung folgt.)

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