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einerseits und Dr. Os ann und Moithan andererseits,

wobei Dr. Os ann nachwies, daß in Darmstadt an einem Tage vom Konsumverein an 13 Nichtmitglieder Waren ab­gegeben worden seien. Die Kontrolle über den Verkauf an Nichtmitglieder sei undurchführbar. Man könne doch nicht in jeden Konsumladen einen Schußmann stellen.

Namens der Regierung legt Geheimrat Best Ver- wahrung gegen den Vorwurf ein, daß die Regierung in dieser Frage umgefallen sei. Sie habe lediglich klare Be­stimmungen in der Frage geschaffen.

Die Kammer nahm schließlich Art. 7 des Gesetzes in der neuen Fassung des Ausschußantrages an, desgleichen Art. 8, unter Ablehnung zweier Unteranträge der Abgg. Ulrich und Dr. Heidenreich.

Lokales.

Gießen, 30. Juni 1910. * Superint.ndenturfonferenz. Am Mittwoch, den 6. Juli, findet die 28. Superintendenturkonferenz der ev. Geistlichen Oberhessens in Steins Garten statt. Pfarrer Freundlieb Vilbel hält einen Vortrag über " Evolutionstheorie und Christentum."

* Hauptmann Gtese. An Blinddarmentzündung verschied im Alter von 49 Jahren der Hauptmannn und Kompagniechef im Kaiser- Regiment Robert Giese. Die Leutseligkeit im Verkehr mit den Untergebenen und die Liebenswürdigkeit gegen die Offiziere des Kaiser Regiments sowohl wie gegen seine Freunde und Be­fannten, welche einen wesentlichen Zug des Charakters des Verstorbenen bildeten, werden Hauptmann Giese jederzeit ein gutes Andenken bewahren.

* Stadttheater. Da das Repertoir in Bad. Nauheim die Einstudierung einer neuen Operette für nächste Woche nicht gestattet, so ist für kommenden Dienstag, den 5. Juli eine einmalige Aufführung bon Lehars beliebten Hauptwerk, der lustigen Witwe" an­gesetzt. Die Vorstellung findet außer Abonnement statt, doch haben Gutscheine Gültigkeit; auch erhalten Abonnenten bet Vorzeigung des Abonnements- Blocks ermäßigte Preise.- Das übernächste Operettengastspiel bringt im Abonnement Wiener Blut".

* Chemisches Untersuchungsamt. Nach dem Bericht für 1908-1909 wurden von dem chemischen Untersuchungsamt 1104 Untersuchungen vorgenommen, die dem Amt im ganzen eine Einnahme von 4916,95 Mart brachten. Beanstandet wurden in den Kreisen: Friedberg und Gießen 23, Büdingen 2, Schotten 7, Alsfeld 6, Lau­terbach 5 Untersuchungsgegenstände.

* Märkte in Oberhessen: Am 14. Juli ist Viehmarkt in Butzbach, am 6. Juli Vieh- und Krämer markt zu Friedberg; am 11. Juli Krämermarkt zu Klein­Karpen; am 4. Juli Viehmarkt zu Echzell; am 11. Juli Schweinemarkt zu Lißberg und am 13. Juli Vieh- u. Krä­mermarkt zu Nidda.

** Der Hess. Landesverein für Innere Mission gedentt seine 46. Jahresversammlung am Sonn­tag, den 25. und Montag, den 26. September, in Darm­stadt abzuhalten. Die öffentliche Abendversammlung Sonntag wird dem Gedächtnis Vater Bodelschwinghs ge­weiht sein.

am

* Fahrpreisermäßigung zum Besuch der Brüsseler Weltausstellung für Gesellschafts­reisen von Arbeitnehmern, giltig vom 1. Juni 1910. Die Kgl. Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. gibt folgendes be­kannt: Arbeitnehmer, die Mitglieder von Krankenkassen im Sinne der reichsgesetzlichen Bestimmungen über die Kran­kenversicherung der Arbeiter( einschl. der Knappschaftskran­kenkassen) oder versicherungspflichtige Mitglieder von ein­geschriebenen Hilfskassen sind, werden bei Reisen, die sie im Interesse ihrer Fortbildung nach der Weltausstellung in Brüssel unternehmen, auf den Strecken der preußisch- hessi­schen und der Reichseisenbahnen unter den folgenden Be­dingungen in 3. Wagenklasse zum halben Preis der Fahr­farten für Gil- oder Personenzüge, bei Benutzung von Schnellzügen gegen Entrichtung des vollen tarifmäßigen Schnellzugzuschlages, befördert. Auf der Hinreise müssen sich mindestens 10 Teilnehmer zu einer gemeinschaftlichen Reise zusammenschließen; die Rückreise fann einzeln ausgeführt werden. Als Ausweis ist eine Bescheinigung der Kranten­tasse darüber vorzulegen, daß das betreffende Mitglied zum Besuch der Weltausstellung nach Brüssel reist. Zu diesen Be­

Stadttheater Gießen.

Dienstag, den 28. Juni 1910. Der Zigeunerbaron.

Operette in 3 Atten von Johann Strauß.

Es ist eine der hiesigen Bühne eigene Angewohnheit, den letzten, dritten Att immer recht stiefmütterlich zu behan­deln; manche Familien fühlen sich zwar mit zwei Kindern beglückt genug und lassen ihnen die ganze Sorge und Zärt­lichkeit ihrer Liebe angedeihen. Solang es deren zwei sind, läßt sich dagegen nichts einwenden; hat man aber 3 Kinder zu versorgen und aufzupußen, so wird ein gerechter Vater seine Liebe gleichmäßig walten lassen, zumal wenn er Freunde und Bekannte zu sich deladen hat.

Auch heute hinkte der dritte Aft recht ärmlich hinter­drein; alle Partien waren bis auf das Couplet 3supans gestrichen. Mögen diese Striche immerhin durch die sonst stärkere Inanspruchnahme des Chors entschuldigt werden, so sind sie damit keineswegs begründet. Die Chöre gelin­gen doch i. a. recht gut; warum richtet man nicht einige Pro­ben mehr ein? Ich gebe gern zu, daß es vielleicht sein Hälchen in dem hinüber und herüber" hat; dem zahlenden Bublifum, zumal wenn es, durch den alten, guten Klang der Operette angelockt, so zahlreich wie heute erscheint, gift dieser Grund nicht für stichhaltig. Die Dauer der Vorstell­ung kann doch auch kein Hinderungsgrund an der liebe= vollern Ausgestaltung der dritten Afte sein!- wenn die Vorstellung wie heute, furz nach ½ 11 Uhr beendet ist.-

Schattenseiten! Doch davon heben sich die Lichtstellen um so stärker ab!

Den Inhalt der Operette, die heute noch sehr gern auf den Brettern gesehen ist, kann ich übergehen; hat doch der " Zigeunerbaron" schon von Anbeginn seiner Aufführungen ( 1885) den lautesten Beifall errungen. Wer kännte nicht Barintays und Saffis Duett: Wer uns getraut"?

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Eins vor allem ermöglicht die heutige Aufführung: ein Urteil über Else Rosarita; hier konnte ihr Organ seinen Charakter ganz entfaltend, das geben, worüber an Stärke, Umfang, Klangfarbe verfügt. Hier kommt der Sängerin das zu statten, was niemals ein Vorwurf sein soll nichts mehr als eine Unterscheidung daß sie teine

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scheinigungen ist unter handschriftlicher Abänderung der amt­liche Vordruck zu verwenden, der zur Erlangung einer Fahrpreisermäßigung für Mitglieder von Krankenkassen 2c. zwecks Unterbringung in Heilstätten 2c. vorgeschrieben ist. ( Muster 9 der Allg. Abf.- Vorschriften Teil 1.) Die Fahr­preisermäßigung für die Hinreise ist bei der Fahrkarten­ausgabe der Abgangsstation möglichst frühzeitig ſpäte= stens 6 Stunden vor Abgang des Zuges unter Vorlage der Bescheinigungen für alle an der gemeinsamen Fahrt teilnehmenden Personen zu beantragen. Die Abfertigung erfolgt auf Beförderungsschein, der zur Fahrt nach dem deutsch- belgischen Uebergangsbahnhof( Herbesthal 2c.) aus­gefertigt wird. Die Bescheinigungen werden von der Fahr­gegeben. Der Beförderungsschein hat eine Geltungsdauer von 4 Tagen( einschl. des Lösungstages), die zur Mitter­nacht des letzten Geltungstages erlischt. Die Fahrpreiser­mäßigung für die Rückreise wird von der Fahrkartenaus­gabe der deutsch- belgischen Uebergangsstation( Herbesthal 2c.) gegen Vorlage der Bescheinigung der Krankenkassen ge­währt. Reisen mehrere Arbeitnehmer nach derselben Be­stimmungsstation zusammen, so kann für sie nach Maßgabe der Bestimmungen unter 4 ein Beförderungsschein ausge­stellt werden. Einzelreisende werden auf Fahrkarten abge= fertigt.

fartenausgabe abgestempelt und den Antragstellern zurück

Aus Hessen und Nachbargebiet.

* Schotten. Am 17. und 18. Jult findet hier, wie bereits berichtet, die 48. Wanderversammmlung des Oberhessischen Bienenzuchtvereins, verbunden mit Im­keretausstellung, fiatt. Vor kurzem tagte nun auf der Schützenhalle, die mit dem angrenzenden Gelände auch als Festplatz gewählt ist, eine gemeinsame Versamm­lung der Imker des Bezirks Schotten mit den Feſtaus. schüssen, in der der Vorsitzende des Hauptvereins, Lehrer Buß- Leihgestern, einige wichtige Winke für die würdige Gestaltung der Ausstellung gab.

* Schotten. Hier wurde in der Wirtschaft und Metzgerei ein Einbruchsdiebstahl verübt; man nimmt an, daß er von 2 Personen verübt warden ist. Die Diebe brachen in der Hinterfront des Hauses eine Türe auf, von wo sie ihren Weg zum Tatort nahmen. Eine ziemlich hohe Summe Geld und eine Taschenuhr wurden entwendet. Von den Tätern fehlt jede Spur.

* Friedberg. In der Morschel'schen Russenhütte am Dorheimer Uebergang wurde eingebrochen und der ge­samte Proviantvorrat für die kommende Woche gestohlen, während die Arbeiter nebenan schliefen.

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Friedberg. In der Stadtschule ereignete fich eine Explosion, die alle mit Schrecken erfüllte. Dachte man doch an ein zweites Attentat. In der Chemiestunde war eine Retorte geplatzt. Die umherfliegenden Glas­splitter drangen der Schülerin Krug ins Auge. Ste mußte die Gießener Augenklinik aufsuchen, in der das mußte die Gießener Augenklinik aufsuchen, in der das Auge entfernt wurde.

hiesigen Gerichten anhängig. Der Chauffeur des Groß­Herzogs hat bei einem Besuche des Prinzen Heinrich in Hemmelmark einen Hund überfah en, der nach Angabe des Chauffeurs unter das Auto lief. Der Hundebe­fizzer behauptet dagegen, daß der Fahrer den Tod des Hundes verursacht habe und flagt nun auf Ersatz des Schadens für den ziemlich wertvollen Hund. Klageobjekt beträgt einige Hundert Mart. Voraussicht­lich wird sich mit der Streitfrage zunächst ein aus ver­Mitgliedern des Oberlandesgerichts und dem Senats,

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präsidenten zusammengesetter Gerichtshof, der für Zi. bilstreitigkeiten des Großherzogs besonders zusamment gesezt wird, als erste Instanz befassen.

* Marburg Hier tagte heute die Delegiertenber­sammlung des Allgemeinen Deutschen Realschulmänner. beretns. Im Anschluß an seine Begrüßungsansprache führte in der Vorversammlung Geh. Rat Dr. Steinbart Duisburg aus, daß die Schulreform in Preußen manch, mal dura) politische Ereignisse und Wechsel im Mint­sterium gestört worden sei. Bei der Hauptversammlung gab nach rerschiedenen Begrüßungsansprachen Dr. Stein­bart Duisburg einen Bericht über die Durchführung der preußischen Schulreform in Deutschland und die Forts führung der Schulreform in Preußen. Folgende Beit­sätze fanden Annahme: Der Verein fährt fort in seinen Bemühungen, die preußische Schulreform in ganz Deutsch­land zur Durchführung zu bringen."

Aus aller Welt.

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Berlin. Ueber die Entschädigungen, die das Reich für die Erhebung der indirekten Steuern und Zölle an die Bundesstaaten zu leisten hat, schweben gegen­wärtig Verhandlungen zwischen den Bundesstaaten und dem Reichsschazsekretär. Einige Bundesstaaten, in erster Binte Preußen, stehen auf dem Standpunkt, daß die gegenwärtig gezahlten Entschädigungen nicht den Selbst­foften entsprechen, sodaß tatsächlich erhebliche Zubußen geleistet werden müssen. Der preußische Finanzminister nimmt diese Zubußen für sein Ressort mit etwa 12 Millionen Mark on.

* Paris. Die deutschen Zollerhöhungen auf Champagne und Liköre haben in französischen Wein­händlerkreisen eine grose Aufregung hervorgerufen, die bereits in der Kammer Beachtung gefunden hat. Minister Pichon hat eine Anfrage des Deputierten Brousse dahin beantwortet, daß der Botschafter in Berlin, Cambon, beauftragt worden sei, bei der deutschen Regierung über diese Maßnahme Klage zu führen, welche in Frankreich einen sehr peinlichen Eindruck hervorgerufen habe. Da die Ausführungsbestimmungen zum neuen fran­

* Friedberg. Als der Bierfuhrmann Markloff mit einem Wagen bon Ober- Rosbach heimfahren wollte, gingen die Pferde plöglich durch. Markloff kam zu Falzöfifchen Zolltarif noch nicht völlig ausgearbeitet sind, ist zu befürchten, daß die französische Regierung mit alem Nachdruck darauf hinarbeiten wird, die Einfuhr deutscher Schaumweine möglichst zu beeinträchtigen.

und brach den linken Ärm.

* Bad Nauheim. Augenblicklich beträgt die Zahl der Kurgäste 6850. Bis jetzt wurden 156909 Bäder obgegeben.

* Frankfurt a M Hier ist ein Denkmal des Dichters Heinrich v. Kleist in festlicher Weise enthüllt worden. Die Festrede hielt der Berliner Universitäts­professor Dr. Erich Schmidt

* Frankfurt a. M. Die Verbindung Frankfurt­Wiesbaden durch eine ausschließlich dem Autoverkehr vorbehaltene Straße ist nunmehr endgültig gesichert. Die Gesamtkosten sind auf 500 000 Mark veranschlagt, wovon der Fisfus 400 000 mt. übernimmt, während der Rest vom Kommunalverband der Stadt Wiesbaden aufgebracht wird.

* Mainz. Das Generalfommando des 18. Armee­forps hat befannt gegeben, daß voraussichtlich auch in diesem Jahre wieder eine Truppenschau bet Mainz in Gegenwart des Kaisers stattfindet.

* Darmstadt. Eine Forderung an den Groß­herzog macht ein Hundebesitzer aus Holstein bei den

* Osnabrück. Der Lokomotivführer Garbe, der das Eisenbahnunglück bei Mühlheim a. Rh. verschuldet ha­ben soll und degen eine vom Lokomotivführer- Verband ge leistete Kaution von 20 000 Mt. auf freiem Fun belassen wurde, ist gestorben.

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* Meriko. Diaz wurde zum Präsidenten der Re­publick Merito und Corral zum Vizepräsidenten großer Mehrheit wiedergewählt.

* Helgoland. Mit dem morgigen Tage tritt für Helgoland der Audenblick ein, wo seine Einwohner wehr­pflichtig werden. Zwanzig Jahre sind an diesem Tage ver­flossen, seit Helgoland zum Deutschen Reiche gekommen ist, und diese zwanzig Jahre sollte es noch von der allgemei nen Wehrpflicht befreit sein.

* New Yor t. Der Kongreß in Washington stimmte dem Antrag des Abgeordneten Bartholdt von Missouri zu, Kaiser Wilhelm 2. in Erwiderung der Schenkung des Dent mals Friedrichs des Großen eine Reproduktion des Steu­ben- Denkmals in Washington zu überreichen.

* Auz Nicaragua. Die Streitkräfte Estradas haben die eine Tagereise von Managua entfernten Orte La Libertad und Jiugalpa eingenommen, sowie San Ubaldi, einen der wichtigsten Häfen Nicaraguas, besetzt. Die Trup

verzeihen.

absulut schön e", sondern eine ch a rafterschöne"| sehr leicht, kann sie aber nicht immer der lieben Eitelkeit Stimme besitzt. Alle Töne schweben über einem dunkeln Grundton, der etwas gewinnendes, zwingendes hat, sobald man daran gewöhnt ist, und bringen dadurch die dem Cha ralter der Rolle angemessene Färbung mit. Ihre ge sang­I i che wie darstellerische Leistung als Saffi, das das Zigeunermädchen ein Fürstenkind, verdient uneinge­schränktes Lob. Lauten Beifall erntete ihr herrlich gesun­genes Lied:" So elend und treu ist keiner auf Erden wie der Zigeuner", auch der Schatzwalzer". Und das Duett vom" Dompfaff" mit Barinkay, dem Zigeunerbaron, wur­de zweimal gefordert.

Hans Wernert sang und spielte den Zigeuner= baron nicht minder gut; machte er bei seinem Eingangs­Couplet den Eindruck, als sei er heiser, so schlug sein 2. Aft jeden Einwand nieder. Sehr gut gelungen war der Schlußchor des 1. Artes, die Apotheose des Zigeunerba­rons; nicht weniger gut flappte der Zigeunerchor im 2. Aft: Ha, das Eisen wird gefüge".

Der Erfolg der Chorszenen ist einmal das Verdienst des Dirigenten Alfons Mourot, der dem Werk des Komponisten die richtige Auffassung zuteil werden ließ, dann aber auch das des Regisseurs Hermann Norden, mit dessen Regieführung ich heute fast vollständig einver= standen bin. Wie alles auf bewegtes Spiel abgesehen war, bewies sogar der alte Turm, der von dem Feuer der Strauß'schen Musit ergriffen, im 2. Atte mittanzte! Hermann Norden gab einen ganz prächtigen garischen Schweinezüchter 3supan, versuchte sich sehr glück­lich im Dialekt, wenn nicht ohne einzelne Rückfälle. Recht flott sang er im letzten Aft sein Couplet: Von des Tags Strand" und verleugnete diesmal nicht den guten Spaß= macher und Komiker..

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Frip Seybold, Graf Homonay, sang das Wer­berlied" recht schneidig und gewandt; hier kann ich auch die neuen Kostüme, die angenehm auffielen, erwähnen.

Auch Curt Gühne, Kgl. Kommissär, und Grete Brill, Arsena, Tochter 3supans, füllten ihre Rollen gut aus; dagegen hätte Charlotte Hill, Mirabella, wohl eine weniger jugendliche Maske auftragen sollen. Leider schrecken sehr viele unserer Schauspielerinnen vor dem Alt­aussehen" zurück; man begreift solche weibliche Schwächen

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Auch das alte Zigeunerweib Czipra, das in Lore Schol 3, einer sonst tüchtigen Kraft, eine zu weiche deut sche Verförperung fand, denke ich mir viel älter, häßlicher; das Zigeunerleben, das Reich der Kinder der Nacht mit seinem heimlichen Reiz, seinen lockenden Vagabundentlängen, seinem wilden Troß und leidenschaftlichen Feuer, das den Abend, die graue Nacht gehört, hat so viele Kompo nisten gefesselt; neuerdings erst wieder hat sich Lehar in seiner 3ige unerliebe" darin versucht; ich sage ver­sucht, ob glücklich mag ich troß der prächtigen Inszenierung, wie ich sie in der Komischen Oper" in Berlin bewundern konnte, nicht entscheiden. Schon bei dem Wort Zigeuner" lösen sich Klänge in mir aus, die mir aus einer herrlichen Zigeunerballade von J. Sachs in Erinnerung sind; Strauß dant einer charakteristischen und temperamentvollen Instrumentation, einer reichen Behandlung der Gesangs­partien dies getroffen hat, tann man nicht abstreiten. Diese Schöpfung muß aber auch in jeder Beziehung die weit= gehendste Unterstützung durch Maske und Spiel der Schau spieler finden. Ein gekrümmter Rücken macht noch keine Zi geunerhere; ich weiß wohl, daß Lore Scholz Rollen wie die der Ma vie in Bahrs Konzert" prächtig gelingen. Wenn einem Rollen nicht liegen, muß man sich hinein zwängen, sei es auf Kosten der Uebertreibung, der Schön heit; Ideale von Häßlichkeit stellte Hedwig Wangel auf die Bühne, und darin nehme man sie zum Vorbild.

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Franz Wiederhold als Ottokar war sehr Big; ohne jedes Feuer, ohne Spur von Spiel; wenn ich mich recht entsinne, hat sich Kurt Goldberg in den Hosen des Herrn von Bredow" glücklich in ähnlicher Rolle bewährt. Oder fehlt ihm die gesangliche Schulung? Je denfalls sang und spielte dieser Romeo in der Pußta we nig befriedigend.

Mit Absicht übergehe ich solche Einzelheiten nicht; sie schaden dem Gesamteindruck nur wenig, fallen aber dem genau Zusehenden auf.

Das heute besser als sonst besuchte Haus targte nicht mit lautem Beifall, den die im ganzen wohlgelungene Auf­H. J. O. führung auch verdiente.

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