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Vorfeier des Kreisturnfestes.

Kreuznach, 25. Juli 1910.

Der glanzvolle erhebende Verlauf der gestrigen Vor­feier trug alle Auspizien in sich, die zu hochgestellten Er­wartungen für die kommenden Festtage, aber auch zu gro­ßer Zuversicht in die deutsche Gediegenheit und Gründlich­teit des turnerischen Gesamtarrangements berechtigen. Alles trug den Stempel flar und weit überschauender Disziplin und sorgfältig durchorganisierter Kleinarbeit. Es war gleich­sam eine großartige Generalprobe" für die Ereignisse der nächsten Woche! In den Straßen der Stadt sah man schon viele Fassaden im Flaggenschmuck, und obschon es sich nur um eine lokal begrenzte Vorfeier handelte, wies die Haupt­festhalle sowohl gestern nachmittag bei den turnerischen Vor­führungen, als auch am Abend im Konzert bereits eine ge­radezu riesige Besucherschar auf.

Der Wettergott schenkte der Vorfeier seine Gunst. Schon der prächtige Fest zug der Turn- und Gesangvereine lockte nachmittags Tausende von Menschen aus den Häusern und zog ein großes Gefolge des Publikums nach sich. Im blan­ten Sonnenschein lag die riesige, prachtreiche Festhalle da, als die lange Schar unter den Klängen der Musikkapelle durch das Tor des idealen Festplates einzog, der mit den darauf errichteten Festgebäuden, sowie der gefälligen Um­rahmung allen Fremden auf den ersten Blick besondere Be­wunderung abringen wird.

Das Schau turnen leiteten die drei Kreuznacher Turnvereine nachmittags wirkungsvoll durch Keulenübungen ein, bei denen die drei Turnwarte als Vorschwinger tätig waren. Von allen Seiten des schön planierten Riesenfar­

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sahen etwa 3000 Menschen den Vorführungen zu. Dann wurden die hiesigen Musterriegen für das Kreisturn­fest vorgeführt, worauf ein Zöglingsturnen und später in der Festhalle ein vor einem wahren Massenpublikum aus­geführter Mädchenreigen in schmucken Kostümen folgte. In den offenen Bier- und Kaffeehallen hielt sich der Besuch noch in mäßigen Grenzen, aber auch dort dürften an den eigentlichen Festtagen, besonders wenn die Sonne auf das bunte Leben und Treiben herabbrennt, die geschäftigen Hände wenig zur Ruhe kommen.

Um so voller war es aber in der Festhalle, die in einen ihrem lichtdurchfluteten, fahnengeschmückten Innern pompösen Anblick bot, der durch die reiche Ausschmückung der Wände mit frischem Grün und Girlanden für die Haupt­feier noch erhöht werden wird. Das Abendkonzert in der Festhalle war die gelungene Probe für den Kommers am tommenden Samstag. Der 1. Beigeordnete Andriano, der 1. Vorsitzende des geschäftsführenden Ausschusses, eröffnete den Abend, indem er die erschienen Ehrengäste mit ihren Damen, die Ausschüsse, Turner und Festbesucher begrüßte. In längerer Ansprache dankte dann der 2. Vorsitzende des geschäftsführenden Ausschusses, Herr Sponsheimer, der lang= jährige verdiente Vorsitzende des Kreuznacher Turnvereins, den Ausschüssen für ihre unermüdliche Arbeit, den Frauen und Jungfrauen des Turnvereins für die Renovierung der alten Turnerfahne. Dann leitete er seine Worte auf Zweck des ganzen Festes über und sprach in packenden Worten von dem Wesen der Turnerei: Heute sind die Be­strebungen der Turnerschaft Eigentum des ganzen Volfes geworden. Wir wollen ein wehrhaftes Volk voll Kraft u. Vaterlandsliebe erziehen. Wie nötig das ist, erkennen wir,

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,, Und wie verstehst du es?" fragte, sich jäh umwendend, der Alte.

Ich bin das Kind einer neuen Zeit

,, Der der Himmel feinen Segen gibt!" Doch Otto war um eine Antwort nicht verlegen:

Wir brauchen ihn auch nicht, denn es gibt kein Unrecht und keine Sünde mehr. Das ist alles nur scheinbar, nicht wirklich."

Starr vor Erstaunen blieb der Forstmann stehen.

Also schlechte Menschen gibt es heutzutage nicht mehr?" Das sind nur Kranke, die man bedauern, bemitleiden muß; alle normal entwickelte Menschen sind gut."

Ein bitteres, spöttisches Lächeln umzog den Mund des Försters.

,, So, so, dann muß es ja jetzt eine herrliche Welt sein und eine Lust, darin zu leben! Hat dich das vielleicht auch der saubere Patron gelehrt, den du da mit dir hierher gebracht hast?" Otto machte von neuem Miene, zu gehen.

Ein Wort, Papa: so können wir nicht miteinander vers tehren!" sagte er.

Der Förster blieb vor ihm stehen.

Ist das auch modern, daß der Sohn dem Vater Vors schriften macht?"

Otto schüttelte mit beleidigter Miene den Kopf. ,, Du willst mich nicht verstehen. Mag sein, daß du es nicht kannst. Aber du vergißt, wer ich jetzt bin!" Der Alte sah ihn groß an.

Wer du bist?" sprach er ihm nach. Das vergesse ich nicht, gewiß nicht: Ein dummer Junge!"

Otto ergriff seinen Hut.

,, Es ist gut, Vater, ich werde dir nicht länger zur Last fallen!"

Er ging rasch auf die Tür zu. Aber der Förster hielt ihn zurück.

,, Salt, bleibe, ich hab's nicht so gemeint, aber sprich ruhiger, leiser! Was soll die Mutter denken, wenn sie uns hört?" Der Student triumphierte; er fühlte, daß der Vater sich doch schließlich imponieren ließ.

,, Die Mutter,- ja, sie versteht mich," sagte er ,,, sie würde mich nicht tadeln, weil ich meinen besten Freund mitgebracht habe!"

Aber siehst du denn nicht ein," entgegnete der Alte milder, ,, daß ich danach verlangte, dich, meinen Sohn, wiederzusehen, ganz allein, um mich mit dir auszusprechen?"

Otto nahm einen pathetischen Ton an.

Ich begreife dieses Gefühl väterlicher Liebe, aber ander­feits wirst du mir recht geben müssen. Glaubst du, ich könnte die Cinsamfeit ertraden, in diesem Ainl, für Bühner, Enten

wenn wir uns die Tatsache vor Augen führen, daß mehr - nicht der unteren Stände als 50 Prozent unserer Jugend untauglich zum Heeresdienst sinds In anderen Volks= schichten arbeitet man mit allen Mitteln daran, der Jugend die Vaterlandsliebe aus dem Herzen zu reißen. Gegenüber diesen Erscheinungen ist es Pflicht eines jeden, der sein Va­terland lieb hat und Deutschland groß und start sehen will, die Turnsache zu unterstützen, die ein ferndeutsches Geschlecht sind erziehen will. Volkswohlfahrt und Vaterlandsliebe

die Ziele der deutschen Turnerschaft, Ideale, die unsere Tur­ner verkörpert sehen in der erhabenen Person unseres ge­liebten Kaisers. Treu deutsch fühlen und denken allezeit, mit Gut und Blut einzutreten für Volk und Vaterland, für Kaiser und Reich, das soll auch heute erneut unser Turner­- Mit einem brausend aufgenommenen Hoch gelübde sein." die sich auf den Kaiser schloß Redner seine Ansprache, an der Gesang der Nationalhymne anschloß.

In langer Reihe folgten nun turnerische und musika­lische Darbietungen, die das Auditorium noch viele Stun­den, bis lange nach Mitternacht, aufs beste unterhielten und immer wieder neue Stürme des Beifalls entfesselten. Dr­ganist Stern hatte einen Begrüßungschor komponiert, zu dem Sponsheimer den Tert lieferte.

Die vereinigten Gesangvereine Kreuz= nachs brachten ihn unter Leitung von Lehrer Groh wirk­ungsvoll zu Gehör. Der an 300 Stimmen zählende Mas­senchor war von hinreißender Wirkung und löste brausen­den Jubel aus. Mit gleich trefflichem Erfolg traten die Sänger später unter den Dirigenten Musikdirektor Knet= tel und Stube an; sie sangen Neßlers Mein Vater­land" und Mendelsohns Wem Gott will rechte Gunster­weisen". In den stürmischen Beifall über die künstlerische Vollendung der Gesänge mischte sich die Freude der Kreuz­nacher Bürgerschaft, daß es dem Turnfest gelungen ist, die Gesangvereine Kreuznachs unter einen Hut zu bringen. Von den turnerischen Darbietungen fesselten besonders durch große Strammheit, Schönheit der Bewegungen und absolute Si­cherheit der Pyramiden, ein Flaggenreigen und Stabübun­und gen der Damenabteilungen, Keulen, Stab-, Handel­Gewandheitsübungen, in deren Leitung sich die Turnwarte Doll, Gräff, Petermann, Stein, Schmidt und Erbes teilten. Sie alle erbrachten den Beweis, daß die Kreuznacher Tur­ner fleißig arbeiten und sich mit Ehren sehen lassen dürfen. Zwischendurch sorgten gemeinschaftliche Lieder und Musik­vorträge für eine gehobene Feststimmung.

nicht Nach solch glücklich verlaufener Vorfeier ist uns bange um die Tage der Hauptfeier. Mit freudiger Ruhe sehen wir denselben entgegen. So groß auch die Scharen der Festgäste sein werden es sind schon etwa 5000 Tur­ner fest angemeldet sie finden uns gerüstet und werden zufrieden sein.

Hus Hessen und Nachbargebiet.

Klein Linden. Einen Ausflug an den Rhein veranstaltete am Sonntag unser Kriegerverein. Die Reise ging über Frankfurt, Mainz und Bingen. Hier wurde das Schiff bestiegen und nach Koblenz gefahren. Das Kaiser­denkmal am Deutschen Eck, der Rhein, die Anlagen

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Roten Hahn bei Arenberg wurden eingehend besichtigt und dann durchs Lahntal die Heimfahrt nach Gießen angetre­ten.

und Hunde leben, um mich nichts als Bäume, Heide, schmutzige Wege und dumme Bauern? Da müßte ich ja verkommen ohne den gleichgesinnten, geistigen Gefährten an meiner Seite!" Die Stimme des Försters wurde noch weicher; er liebte ja trotz allem diesen Sohn, mehr als das Mädchen, und zu einem gewaltsamen Bruch durfte es nicht kommen.

Ja, ja, es mag sein, ich sehe wohl, daß du in einer andern Welt lebst. Mögest du glücklich darin werden, sei nur immer ein braver Mensch, so will ich dich segnen. Unsere Kreise gehen weit auseinander. Was mir das Höchste ist, die freie, frische, reine Gottesnatur, verachtest du. Auf solchen Wegen kann ich dir nicht folgen."

Jetzt hielt es auch Otto geraten, einzulenken.

Auch wir Neuen lieben die Natur, die Wahrheit, die un­verhüllte, göttliche Nacktheit, das All und das Nichts in seiner Unaussprechlichkeit, die Selbstindividualität des menschlichen Ichs, die"

Der Förster schüttelte den Kopf.

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Ja, ja, ich merke, daß du studiert haft. Darüber magst du dich mit deinem Freunde unterhalten. In meinem alten Kopf geht das alles nicht mehr hinein. Du willst fortgehen?" unterbrach er sich plötzlich, als er Otto den Hut aufsetzen sah.

Ja, ich werde Robert wieder aufsuchen. Er ist voran­gegangen zum Ochsenwirt. Wir denken dort ein paar Be­kannte aus der Stadt zu treffen, die mit uns nach Fernau ge­fahren sind. Apropos, Papa, es wird lustig dort zugehen und mein Geld ist alles für die Reise draufgegangen. Kannst du mir nicht

Der Förster ging, noch ehe Otto ausgesprochen, langsam an den Schrank und nahm eine Rolle Geld heraus.

Schon recht, du sollst dir nichts abgehen lassen. Beige es ihnen von der Stadt, daß wir vom Lande es auch verstehen, uns einen vergnügten Tag zu machen. Ich habe heute meinen Gehalt in Fernau erhoben und will dir gleich das nötige für das nächste Semester geben. Da nimm, aber sei sparsam damit!" ( Gerichtet 11 Nr. 8.)

Otto streckte die Hand aus und ließ triumphierend die schwere Rolle in seiner Tasche verschwinden. Das ging ja besser, als er erwartet hatte, und während der Vater den Schrank wieder schloß, dachte er:

,, So, jetzt ist uns geholfen. Aber die Mama muß auch noch herausrücken!"

,, Und bleibe nicht zu lange!" fügte der Förster hinzu. ,, Gewiß nicht! Des Löwenwirts Wagen ist noch hier, und da er die gleiche Straße zurückfahren muß, werde ich ihn be­nutzen, um schneller zum Ochsenwirt zu kommen. Adieu, Papa!" ,, Lebe wohl bis zum Abend!" gab der Förster ihm zurück. Dann schloß die Tür sich hinter dem sich Entfernenden.

wurde * Schotten. Bei der Bürgermeisterwahl der seitherige Bürgermeister H. Kromm mit großer Majo­rität wiedergewählt.

* Alsfeld. Der Pferdemarkt war mit etwa 300 Tieren beschickt. Die Güte des Materials zeigte, daß in unserem nördlichen Vogelsberg die Pferdezucht in den letz­

*

Mün

6 Millioner

henfeefraftm

ten Jahren große Fortschritte gemacht hat. Mit dem Markt nd Abgabe

war eine Prämiierung von Pferden, Rindern, Ziegen und Schweinen seitens der Landwirtschaftskammer verbunden. Auch die Industrie war auf dem Markte start vertreten.

Wien.

in Wien ein

Berechtigtes Interesse erregte wieder die bekannte Geschirr bleiben wir

fabrik Völzing- Groß- Felda. Andere Firmen hatten Wagen, Maschinen, landwirtschaftliche Geräte 2c. ausgestellt.

* Aus dem Vogelsberg. Bei Rudlos stürzte ein hochbeladener Heuwagen, auf dem sich eine Frau und zwei Kinder befanden, in einen Graben. Die Frau erlitt erhebliche Verlegungen, die Kinder blieben unversehrt.

* Bad Nauheim. Gegenwärtig zirkuliert eine dem Petition in unserer Einwohnerschaft, welche sich mit Projekt des Riesenhotelneubaues mit Wassermonopol be schäftigt. Die Eingabe soll an den Großherzog, die bei­den Ständefammern und die Regierung gerichtet werden.

* Büdingen. Die Verhandlungen über die Er­bauung der Kleinbahn Büdingen- Hanau sind nach dem Ver waltungsbericht des Kreisausschusses Hanau vorläufig auf einem toten Punkt angelangt.

* Frankfurt. Vor dem hiesigen Schöffengericht wurde gegen die Genossen Dr. Quarck und Wittich wegen Uebertetung des Vereinsgesetzes durch Veranstalt ung des Wahlrechtsspazierganges am 13. März verhandelt. Beide wurden freigesprochen.

* Frankfurt. Die Garantiefonds zeichner der Fla hatten sich zurzeit, als das Defizit der Ausstellung be­fannt wurde, zum Teil geweigert, den von ihnen ein­geforderten Beirag von 20 Prozent ihrer Zeichnung zu zahlen und vom Präsidium der Jla zunächst eine Rechnungsablage verlangt. Aus der nun von der Aus­stellungsleitung gemachten Aufstellung geht hervor, daß ein Defizit von 209,850 Mt. vorhanden ist.

* Mainz. Die Polizei schreitet nun ernstlich gegen die zahlreichen hier in Betrieb befindlichen Geldautomaten ein, indem gegen sämtliche Besitzer solcher Automaten An­zeige wegen verbotenen Glücksspiels erstattet worden ist.

* Mainz- Mombach. Die Mombacher Bohnen. ernte, die bedeutendste weithin am ganzen Rheinstrome, ist zur Zeit im vollem Gange. Tagtäglich gehen hier 300 bis 400 3entner grüne Bohnen mit der Bahn nach allen Teilen Deutschlands ab. An einem der letzten Tage gelangten etwa 600 Zentner Bohnen zum Ver­sand, abgefehen von den großen Mengen, die täglich im Kleinverkauf und auf den Wochenmärkten der Nach barstädte abgesetzt werden. Der Preis, der anfänglich sich eine Zeitlang auf 30 M. und höher hielt, ist rasch auf 9 bis 10 Mark pro Zentner herabgegangen.

* Darmstadt. Da sich der Gesundheitszustand der bekanntlich vor längerer Zeit erfrankten 3arin in den letz t! n Monaten stetig gebessert hat, wird im September die geplante Reise des Zarenpaares nach Darmstadt erfolgen fönnen. Bei dieser Gelegenheit wird auch der deutsche Kai­ser mit dem Zaren eine Zusammenkunft haben... Darmstadt. Wie aus politischen Kreisen lautet, wird Geheimrat Haas, der Vertreter des Reichstags­wahlkreises Erbach- Bensheim, nicht mehr landidieren, als sein Nachfolger sei der Meichsverbandsdirektor Dr. Becker Sprendlingen in Aussicht genommen.

*

* Hanau. Die zwischen den Straßenbahnern und der Direktion der Hanauer Straßenbahn seit einigen Tagen bestehenden Differenzen haben zu einem Ausstand geführt. Der Betrieb ruht vollständig.

3. Kapitel.

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Als der Student gegangen war, schritt Lorenz Reiner einige Augenblicke, wie um sich zu sammeln, schweigend auf und ab. Dann öffnete er die Tür und rief nach der Küche hin über: Klara!"

Langsam, mit gesenkten Blicken kam das Mädchen herein. Der Förster trat dicht vor sie hin und blickte sie scharf und prüfend an.

Rommst du mit solchem sesicht zu deinem Vater, Mädel Dahinter steckt etwas anderes! Hast fein reines Gewissen, was?"

Doch, Vater!" Sie sah, den Blick erhebend, ihm voll und fest in die Augen. Ich bin mir keiner Schuld bewußt!" Dein Aussehen straft dich Lügen! Kannst du mich doch nicht ruhig ansehen! Warum blickst du schon wieder zu Boden? Dein Auge ist trüb! Komm mir mit feiner Unwahrheit! Was hast du mit dem Apostel, dem Hellborn, zu schaffen?" ,, Wenn du es denn wissen willst-" ** Ste stockte und die innere Erregung ließ den schlanken Körper leicht erzittern.

Ich will es!" herrschte der Förster sie an.

,, So muß ich dir die Wahrheit sagen, weil du sie zu wissen verlangst. Was ich vorhin sprach, tam mir vom Herzen!" Einen Augenblick schwieg der Förster betroffen. Dann brach er aus:

,, Klara, Klara, auch du angesteckt von dem Gifte dieser neuen Zeit? D, meine Kinder stehen auf gegen mich! Das ist der Fluch des Himmels, die Strafe für unsere Sünden! Die Zeit will kommen, von der die Schrift sagt: daß sich die Kinder empören wider ihre Eltern!"

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Das Mädchen faßte sich; das schon begonnene Geständnis gab ihr Kraft und Mut, alles zu sagen.

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" Jede Zeit, Vater, hat ihr Recht," erwiderte sie, ihr Schlechtes und ihr Gutes. Wenn das Alte abftirbt, muß das Neue kommen!"

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Und was ist dieses Neue?" fragte der Förster mit ver haltener Stimme.

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Die Rückkehr zum Vergangenen, zur Einfachheit, zur Arbeit und Tugend!" antwortete das Mädchen fest.

" Oho," meinte der Alte erstaunt, das flingt ja ganz anders als die Reden Ottos! Ist aber auch nur eitel Wind und darum nichts als Wortgeflingel von Narren und für Toren! Aber, Mädel, das fommt nicht aus dir, das redest du einem andern nach!"

Ich leugne es nicht," entgegnete sie rubig. Ich vernahm es aus seinem Munde!"

Der Förster verfiel in seine alte Heftigkeit. ( Fortsetzung folgt.)